Traumschwimmer

(Fortsetzung von „Unterstufenkrieg“ und „Troll – der Bär“)

Die zweiten langen Sommerferien hätten es werden sollen. Spielen, lesen, ins Kino gehen, baden, Fahrrad fahren, eine Woche bei Oma sein und in der dortigen Bodenkammer auf Schatzsuche gehen…. Soweit der Plan.
Aber Mutti hatte da noch eine Überraschung in petto:
„Die ersten 14 Tage gehste ins Schwimmlager nach B.-S. Nächstes Jahr hätt’ste sowieso gemusst und so haste bissel Vorlauf. Vielleicht lernstes Schwimmen dieses Jahr schon, dann brauchste nächstes Jahr nicht.“

Klang logisch, denn mit Sport hatte er’s nicht so. Und Schwimmen war so was Ähnliches.
Unlogisch war jedoch, dass nicht bedacht wurde, dass er in ungewohnter Umgebung zum „fremdeln“ neigt, dass er auf Grund dieses Mutti-Plans unter die älteren Dritt- und Viertklässler gesteckt wird, betreut von 2 Lehrern, die – eher den Umgang mit „Großen“ gewohnt – die Tantenhaftigkeit der Klassenlehrerin vermissen ließen, und obendrein war Schwimmen lernen nun gar nicht das Gebiet, auf dem bei ihm schnelle Erfolge zu erwarten waren, Misserfolge aber Verspottungsgefahr erzeugten – und weil das alles noch nicht reichte, schien sich auch noch das Wetter entschlossen zu haben, nicht mitspielen zu wollen.

Bisher hatte es bei familiären Badeausflügen geheißen:
„Komm aus’m Wasser, da hinten zieht Regen auf! Wir fahren nach Hause.“

Jetzt war es genau andersrum: „Habt euch nicht so ihr Memmen! Das bissel Sprühregen! Die nächsten beiden an die Angel! Du und du!“

Herr Rohloch und Frau von Turnberg hielten je eine Angel, an der mit Hüftgurt ein Nichtschwimmer befestigt und ins „Tiefe“ gehalten wurde und dann galt es choreografisch richtig zu strampeln, während die Meute im Bademantel am Beckenrand stand und kommentierte.

Regen, Wind und blöde Sprüche – so macht Schwimmen lernen Spass!

Das Wetter verweigerte sich konstant und Rohloch und von Turnberg blieben unerbittlich.
Er mit ironischem Möchte-gern-Witz, sie mit aristokratischer Kälte und paramilitärischem Kommando-Ton. Ihre hoch aufgerichtete, hagere Gestalt, die helmartig starre mittellange Silbermähne, der immer gleiche schwarze Gymnastikanzug von dem sich die Silberkette mit der Trillerpfeife abhob, unterstrichen die diabolische Schneeköniginnen-Wirkung auf den 9jährigen, der bisher ausschließlich tantenhaften Umgang mit fremden Frauen erfahren hatte.
Zu Hause war ebenfalls keine Gnade zu erwarten. Die Eltern hatten es selbst nicht anders erlebt. Auch in ihre Kindheit war eines unglücklichen Tages die Parole hineingeplatzt: „Gelobt sei, was hart macht!“ Aber inzwischen war doch 1969!?!
Die mildernden Umstände bestanden lediglich in einer versprochenen Cowboykutsche, die es für’s Durchhalten geben sollte. Da half kein Betteln.
So wuchs die stille Wut von Tag zu Tag.008blogbildVollends, als er eines schwarzen Vormittags in B.-S. die Totalverweigerung versuchte und einfach von Herrn Rohloch ins Wasser geschmissen wurde.
Das Selbstwertgefühl rappelte sich zwar schnell bei jeder Heimfahrt wieder auf, denn nun stand ein Nachmittag der Freiheit bevor, brach aber auch jeden Morgen spätestens auf dem Bahnhof wieder zusammen, wenn er die anderen sah…

Aber auch solche 14 Tage haben mal ein Ende und hinterher gab es ja noch 6 Wochen Verdrängungszeitraum, bis die Schule wieder losging und man den Auslachern würde begegnen müssen.

Dann herbstete es. Die Ferien endeten. Die Schule begann.
Zu Beginn eine Überraschung: Die frischgebackene 3a wurde nicht mehr von Frau O. begrüßt, sondern von Frau Sch., was Umstellung bedeutete. Hausaufgaben musste man sich nicht mehr merken, sondern ab jetzt hatte man ein Hausaufgabenheft. Den Stundenplan gab es nicht mehr ausgefüllt in die Hand gedrückt, sondern er wurde nun ins Hausaufgabenheft diktiert.
Das wäre ja noch gegangen. Aber es gab noch eine Überraschung: In der 2. Klasse waren alle Fächer von Frau O. gegeben worden außer Sport und Musik. In Sport hatten sie bisher Herrn Iland, ein Mann in mittleren Jahren, vom Typ witziger Onkel. Es wurde bekannt gegeben, der sei momentan Reserveoffizier und deshalb hätten sie bis auf weiteres Sport bei – Frau von Turnberg!
Durch die Klasse ging ein Stöhnen. Ihr Ruf der Unerbittlichkeit war legendär.
Bis auf die Sitzenbleiber: „Na wassn? Die alte Dornberchn fetzt doch!“
Diese Zweiteilung bewahrheitete sich umgehend.
Nirgendwo konnten die Dämlacke so glänzen wie im Sport bei Frau von Turnberg! Hier wurden sie regelrecht zu Helden!
„Komm Gunter. Mach mal vor. Sehr schön! Seht ihr? So muss das aussehen!“
„Nehmt euch ein Beispiel an Dietmar und Gunter! Das sind Kerle!“
„… die schwänzen, stottern und das kleine 1×1 immer noch nicht können!“ dachte sich der kleine Schwimmlagerveteran bockig schweigend. Die alte Wut von B.-S. kam jede Sportstunde wieder hoch, aber er duckte sich weg und versuchte möglichst selten im Blickfeld von Frau von T. zu erscheinen.
Es ließ sich jedoch nun mal nicht vermeiden, dass bei fast jeder Disziplin auffallen musste, wer was kann und wer nicht. Er wusste, dass er in diesem Fach dauerhaft bei den letzteren festgetackert bleiben würde. Und er fürchtete die bekannten Kommentare aus B.-S.
Während Frau von T. sportliches Versagen bei anderen Schülern mit Motivationshinweisen, wie „Mehr Schwung du lahme Ente! Du hängst am Reck wie’n nasser Sack! Du wirst doch wohl deine dürren paar Knochen über diesen Bock bugsiert kriegen!“ würzte, hielt sie sich bei ihm auffallend zurück.
Aber das war keine Güte, sondern Ergebnis eines Elterngesprächs, bei dem Mutti die ganze Krankheitsgeschichte ihres Sohnes vor diesem eiskalten Monster ausgebreitet hatte.
In ihrem Blick war auch kein Mitleid, sondern geringschätzendes Augenverdrehen, bevor sie ihn wortlos vom Bock hob oder an der Reckstange wieder aufrichtete.
Wenigstens gab es aus der Klassenmeute keine Bemerkungen a la B.-S., man kannte sich lange genug untereinander und dass der Witze-Erzähler und Hausaufgabenspender nun mal am Reck nichts gebacken bekam, war für alle normal.
Frau von T.s Herablassung reichte als 3x wöchentliche Pein auch völlig aus.
Schließlich kehrte Herr Iland von den Soldaten zurück und – bekam andere Klassen.
Im 3. Schuljahr lief nichts mehr wie es soll…

… eines Nachmittags war wieder Sportunterricht in der Halle. Das sonnige Wetter draußen ließ die Freiheitsberaubung in der staubigen Halle besonders schmerzlich empfinden. Es war Stationsbetrieb und Frau von T. überwachte das Stangenklettern. Gunter, wie immer der Star, schaffte spielend 6x hintereinander, davon 2x ohne Beinarbeit…
Was für ein Unterschied zu ihm selbst, der die Halle noch nie von da oben gesehen hatte!
Im Stillen beneidete er Gunter für seine Körperkraft. Sicher hätte man mit Training wenigstens ein wenig gutmachen können, was die Natur von sich aus verwehrte. Aber Training wäre in seinen Augen Unterwerfung gewesen. Eine weitere Erniedrigung nach Schwimmlager und Muttigespräch! Lieber wollte er zu seinen Mängeln stehen und indianisch stoisch die Konsequenzen tragen. Die Turnberg-Tortur zu überstehen, war sein Kriegerweiheritual, wie einst Tanto im „Land der Salzfelsen“ am Marterpfahl gestanden hatte.
Geheult wird nicht! Nur still gehasst!
Da kam auch schon die Aufforderung: „So. Los! Und nu du noch!“ Mit dieser Handbewegung halb Heranwinken, halb Wegwerfgeste, die spüren lassen sollte: Der Versager wird’s wieder nicht bringen.
Da hing er plötzlich wieder an der Angel, hörte den Nachhall der Kommentare vom Beckenrand damals, das Unterbewusstsein reagierte prompt: Mit Dakotablick trat er an die Stange. Ein Anhopser, ein Armzug nach oben, 50cm über dem Boden für 10 Sekunden, herabgleiten, loslassen, Achselzucken und zurücktreten ins Glied. „5 wie immer.“, war der Kommentar der Hexe. War da nicht dieses leichte Lächeln in ihrem rechten Mundwinkel?

Rumms! flog die Tür der Turnhalle auf. Krax! Der zweite Türflügel splitterte gleich hinterher und in der Öffnung stand – Troll!
Die Schüler der anderen Gruppen verkrochen sich blitzschnell hinter die Mattenstapel und Kästen. Andere flohen durch den Geräteraum auf den Schulhof und suchten das Weite. Troll stellte sich auf die Hinterpfoten und tappte auf Frau von T. zu.
Der kleine Dakota erwartete, dass nun das geschehen müsste, was sonst im Wald geschah, wenn die „Großen“ kamen, aber Frau von T. war kein 4.Klässler.
Angstfrei baute sie sich vor dem Bären auf und herrschte in an: „RAUS!“
Auf „S“ kam die Pranke und fegte sie durch den Raum.
Ihr Körper sank an der Sprossenwand tot herab.
Die noch im Raum befindlichen Mitschüler flohen aus ihren Verstecken nach draußen. Troll machte sich über die Leiche her, wie damals über den Pfau.

Draußen auf dem Hof knätterte eine Schwalbe heran und verstummte.
Der ABV stieg ab und betrat die Halle. Es handelte sich um Obermeister Fischer, Volkspolizist der freundlichen Sorte, der es aber wegen seiner Abkassierlust zum Spitznamen „Stempel-Fischer“ gebracht hatte. Auch dieser ungewohnten Situation war er gewachsen.
Er sah den kleinen Dakota, den Bären und die schon weiß schimmernden Rippen umgeben von schwarzen Textilresten am Boden.
„Wassn hier los?“
Er zückte seinen Notizblock und einen Stift.
„Hm. Kleiner Unfall.“
„Seh ich. Wer warn das da?“ und er wies auf die Knochen.
„Frau von Turnberg.“ gestand der Kleine.
„Ach?“, staunte Stempel-Fischer und klappte den Notizblock wieder zu. „Gegen die häuften sich ja in letzter Zeit allerhand Beschwerden.“
Nun war die Verblüffung auf Seiten des Kleinen. Er hatte mit Ärger gerechnet, aber es kam lediglich ein besänftigendes:
„Bass in Zugunfd bissl bessor of, of den Bär’n, gloar?”
“Glar.”
Stempel-Fischer machte kehrt, ging zu seinem Moped und knätterte davon.

Troll und der Kleine verließen nun ebenfalls die Halle. Im Umkleideraum, wo noch die Sachen der geflohenen Klasse lagen, war nur schnell der Trainingsanzug überzuwerfen. Sie gingen über den Schulhof zum Torbogenhaus.
Dort im Schatten des Tores stand mit über der Brust verschränkten Armen Tschetansapa, der Adoptivbruder des Kleinen. (Der Zug voller Indianerwaisen war vor ein paar Monaten tatsächlich angekommen.)
Sie standen sich gegenüber und musterten sich kurz.
Tschetansapa knurrrte mehr als er sprach: „Ich habe dir den Bären geschickt.“
Der Kleine erwiderte ohne eine Miene zu verziehen: „Hab ich gemerkt.“
„Gut?“
„Gut.“
Die drei verließen zufrieden das Schulgelände.

(Schnitt!)

Zwei Tage später würde er wieder in der Halle stehen.
Frau von Turnberg würde wie immer starten:
„In Linie zu einem Glied angetreten! Wir beginnen die Sportstunde mit einem einfachen SPORT -!“
„FREI!“ lautete die reflexartige Antwort des gehorsamen Massenchores. Sein lautloses „SCHEI…!“ fiel in dieser Ummantelung niemandem auf. Mehr war nicht drin.
Er dachte an Troll und Tschetansapa. Die beiden halfen das Schuljahr zu überstehen.
Danach war Frau von T. in Rente.

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24 Gedanken zu “Traumschwimmer

  1. Hach wie ich das kenne.
    Bei der Einschulung waren alle zwischen sechseinhalb und sieben Jahren alt. Ich gerade eben erst sechs geworden. (Was waren die Alten stolz auf die Geradeebennoch-Einschulung, dass ihr Sohn — Dummheit kann grenzenlos sein).

    Hervorragend hast du das beschrieben!!!

    Leider hatte ich keine blutsbrüdernden Indianer und schon garkeinen, der mir einen Bär geschickt hätte.
    Wenn mir nur mal einer gezeigt hätte, wie babykäseeinfach die Technik ist, mit der man an der Stange hochkommt.
    Naja, ich habe andere Überlebensstrategien entwickelt.

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    • Äh, ich weiß bis heute nicht, wie das gehen soll. Wollen Sie den Babykäse mit mir teilen? Allerdings nur, wenn´s nicht zu umständlich ist, denn mein Interesse ist, Gott sei es gepriesen!, nur noch theoretischer Natur. Erwachsensein hat mehr Vorzüge, als selbst zu bestimmen, wann man ins Bett geht!

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      • Guten Morgen. Schön, von Ihnen zu lesen.

        Am einfachsten lässt es sich vielleicht mit dem Bergsteigen erklären.
        Ich dachte lange Jahre man müsste die Kraft in den Armen haben. Mageres Kleinstadtbürschchen, das ich war, gab ich auf.
        Dabei verweist bergsteigen ganz klar auf die steigenden Beine. Dort ist die Kraft vorrätig. Die Arme halten bloss.

        Morgenschöne Grüsse aus dem wundervollen Bembelland

        PS: Ihr Wort Seelenverletzung gefällt mir sehr gut.

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      • Lieber Herr Ärmel! Zunächst mal dachte ich ja, ich probiers selber aus. Aber dann, nach DIESEM Angebot bin ich sofort runter gerannt, um nachzusehen, ob es sich bei meiner Teppich- vielleicht um eine Teleskopstange handelt. Leider nein! Und horizontal – ich weiß nicht so recht – ich glaube, das überlassen wir besser den Pandabärchen.

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      • Ihr Humor gefällt mir und ich stimme Ihrem Vorschlag hinsichtlich der Pandabären zu 😉
        (Mein Kleinkindertrost war übrigens ein Pandabär. Den habe ich heute noch).
        Fastmitternächtliche Grüsse aus dem verwunschenen Bembelland

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  2. Warum Sport überhaupt benotet wird erschließt sich mir bis heute nicht, schließlich hat nicht jeder die gleichen körperlichen Voraussetzungen oder das Talent. Im Sommer hatte ich immer eine 2 (Ballspiele und Leichtathletik) während ich im Winterhalbjahr regelmäßig auf eine 4 abgerutscht bin, Stangenklettern war einfach nicht meins, so wenig wie Barren, Bodenturnen und ähnlicher Murks.
    Einen Bären hätte ich allerdings für zwei bis drei andere Lehrer gerne gehabt *g*

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  3. Ich finde, dass Benotung grundsätzlich mit der Menschenwürde nicht vereinbar ist, denn nie haben Kinder die gleichen Voraussetzungen und niemand hat das Recht, oder auch nur die Kompetenz, sie zu beurteilen. Mir ist jede Art von Gleichmacherei, wie auch die ganze Vergleicherei, einfach zuwider.
    „Grade, klare Menschen wärn ein schönes Ziel“, eines, das mit Benotung nicht zu machen ist.

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    • Das funktioniert leider erst, wenn auch der Kommunismus funktioniert – also: NIE.
      Nur mit dem Aufsagen von Motivationsfloskeln und sogenannter Zuwendung (die von den Adressaten schnell als mehr oder weniger professionelle Heuchelei durchschaut wird) ist den Trägern diverser Modesyndrome nicht beizukommen.

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    • Stimmt natürlich.
      Trotzdem glaube ich, dass es da um eine innere Haltung geht, um das Selbstverständnis als Lehrer.
      Ich habe vor ein paar Jahren eine Umschulung gemacht, in Bayern, duales System, richtig mit Umschulungsbetrieb und Berufsschule. Da saß ich dann 50jährig zwischen 17/18 Jährigen; das war, was man heutzutage gern eine „Herausforderung“ nennt. Das Herausfordernste aber war der Lehrkörper. Der war alles andere als attraktiv. Ich werde heute noch wütend bei dem Gedanken, dass die Herren in ihrer Referentariatszeit das letzte Mal etwas getan haben (wir hatten Arbeitsblätter in D-Mark), aber seither und bis zu ihrem Lebensende von meinen Steuern leben. Wir vertrauen die Bildung unserer Kinder Menschen an, die in der freien Wirtschaft längst gescheitert wären. Das ist auch für die politische Bildung eine Katastrophe; wenn ich an die Klassensprecherwahlen, die eigentlich ein Lernfeld für Demokratie sein könnten, denke, könnte ich schreien. Es gab auch eine Ausnahme – sorry, die war weiblich.

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      • Es gibt wie überall die einen und die anderen. Auf die einen trifft zu, was sie schreiben (übrigens vor allem in Umschulungen anzutreffen, weil man sie halt „deligiert“ (=weglobt!)bzw. weil sie sich aus dem Ruhestand reaktivieren ließen)und die anderen werden fertig gemacht von mißratenen Gören und deren Helikoptereltern, von bürokratischen Aktionismus, der sich „Bildungsreform“ schimpft und der nur eins klar macht: Bildung ist ein Kompositum aus „Billig“ und „Dung“; von PC-Kabinetten, die niemand wartet und deren PC deshalb verwurmt und verlaust im Schneckentempo vor sich hin huddeln, Mastertool auf Whiteboards (der letzte Schrei!), die funktionieren sollten, wie die Wetterkarte bei der Tagesschau, deren Aufgabenraster jedoch für alle Altersgruppen auf Grundschulniveau verharrt…oder aber die leidigen Projekttage, fachübergreifend: Der eine schuftet sich tot beim Ausklügeln der „fachübergreifenden“ Konzeption, verschleißt einen halben Wald an Arbeitsblattkopien in Schülersatzausmaßen und Sport-und Bio (oder irgendeine andere Fachkombination ihrer Wahl) beschließen dann einfach: Sie fahren in den Zoo (mit der 11., denn die wird auf dem Niveau der 4. wahrgenommen!) und gehen hinterher shoppen.
        Das Abi schaffen heutzutage Analphabeten mit Nachteilsausgleich und Einzelfallhelfer, sowie einem guten Anwalt.Und das wiederum heißt dann Inklusion und stellt einen besonderen Profilierungsbeweis dar.

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      • Da ist viel Frust auf allen Seiten.
        Aber warum sollte Bildung im Kapitalismus auch besser funktionieren als z.B. Pflege, Gesundheit, Kultur?
        Trotztdem bleibt es eine Begegnung von Mensch zu Mensch und ich habe einen riesigen Respekt vor Lehrern, die sich ihrer Verantwortung stellen und den Kampf aufnehmen, den einzelnen jungen Menschen zu sehen und ihn in seiner Entwicklung zu fördern.
        Ich gehe jetzt einmal völlig unhinterfragt davon aus, dass „Göre“ für Sie selbstverständlich maskulin ebenso wie feminin einschließt, auch wenn dies im üblichen Sprachgebrauch eher ungewöhnlich ist.
        (Ich saß übrigens in einer Regelklasse und fürchte, dass meine Erfahrungen durchaus repräsentativ waren)

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  4. Ich hatte so eine Art Entlastung, eine ganz traurige. Die kam ganz, ganz spät,
    Leistenbruch-OP, ein paar Tage stationär, Chirurgische. Zum Glück Terrasse, Sommer, draussen sitzen. Und fast nur Ex-Sport Asse. Handballer, Fussballer, die Stars. Die Knie kaputt, die Bänder, ganz schreckliche Karrieren. Da habe ich mich zu meiner damaligen Unsportlichkeit beglückwünscht.

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  5. Mein Schwimmunterricht war Körperverletzung an der Seele. (Das Wort „Seelenverletzung“ scheint der Deutsche noch nicht vermisst zu haben) Jemand zu etwas zu zwingen, vor dem er Angst hat, ist im Grunde Folter.

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  6. Dieser Bericht über den konkret erlebten „Erziehungsstil“ in der DDR hat mich nicht nur erschüttert, sondern irgendwie auch erstaunt … aber vielleicht hatte ich da noch Flausen im Kopf und dachte mir, ein solcher sadistischer Umgang mit Schülern gab es nur bei „uns (im Westen)“ … so kann man sich irren.

    Ich erinnere mich noch an meine Turnstunden: Aus welchen Gründen auch immer: ich hatte ein grünes Turnhemd und eine grüne Turnhose an … und wenn man mein Sportlehrer mich vorführen wollte, rief er immer: „Der Laubfrosch soll vortreten“ und dann zappelte ich am Seil oder am Reck und bekam kaum einen Klimmzug hin … heute kann und mag ich darüber schmunzeln, damals wollte ich vor Scham im Boden versinken …

    Irritiert hat mich Ihr Satz: „Das Abi schaffen heutzutage Analphabeten mit Nachteilsausgleich und Einzelfallhelfer, sowie einem guten Anwalt.Und das wiederum heißt dann Inklusion und stellt einen besonderen Profilierungsbeweis dar.“ …

    … denn mit dem Begriff Inklusion verbinde ich sehr wichtiges, nämlich die Chancen für schwerbehinderte Kinder, trotz ihrer Behinderung entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert zu werden… also: eine Chance zu bekommen.

    Und ich denke da nicht nur an einen Stephen Hawkins (der uns in seinem Metier wohl alle in die Tasche steckt), sondern auch an einen Kollegen, der schwerstbehindert sich durch das bayerische Schulsystem quälen musste … später dann 2 Studiums (sagt man das so ?) absolvierte, um anschließend seinen „Doktor“ in Kunstgeschichte zu machen. Wenn man ihn zum ersten mal sieht, denkt man, der „hat ja gar nichts drauf“, wenn man den 2. Blick wagt, erkennt man, dass hier ein wissenschaftlicher Hochkaräter unterwegs ist.

    Von daher meine Irritation ….

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    • Nun, lieber Herr Riffmaster, hier muss ich ein bissel reparieren:

      Frau von Turnberg verkörpert in meinen Augen nicht den typischen „DDR-Erziehungsstil“. Es gab ja auch Herrn Iland, der deutlich gemütlicher gewesen wäre. Sie war nur so eine typischen „gelobt sei, was hart macht“-Lehrerin, die (weil adlig) nie in die NSDAP eingetreten war und deshalb die Entnazifizierung überstanden hatte. die musste vom Schulsystem halt biologisch ausgeschwitzt werden. Und diese Art Sportlehrer gibt es heute noch. Womit ich nicht alle Vertreter dieser Fachrichtung in die gleiche Tonne treten möchte, aber der „Feldwebel Touch“ hat dort doch eine sprürbare Tradition.

      Zur Inklusion: Die, die sie meinen, ist die theoretisch gemeinte und in Einzelfällen funktionierende.
      Es gibt da so vereinzelt Blendwerkschulen, die aus unerfindlichen Gründen die Zweierbesetzung in Inklusionsklassen durchziehen können in allen Stunden.
      Die Regel aber ist das nicht, sondern das sprichwörtliche Potemkinsche Dorf.
      Was ich meine, ist das Sparpolitik-Schindluder, was damit getrieben wird: Ein Lehrer 26 Leute, darunter 3 oder 4 ADHSler und ein-bis zwei sonstig sozial defizitäre…da hinein geschoben dann einen Spastiker oder einen Autisten und als Unterstützungsfeigenblatt für 2 Unterrichtsstunden(im Hauptfach) einen Einzelfallhelfer – der Rest der Zeit ist „Mord-und Totschlag“, heraus kommt nichts, aber weil der Lehrer ja da ist, gilt der Unterricht als erteilt und nicht als Ausfall:

      Man erzeugt eine Überforderungsituation für Lehrer in so genannten Inklusionsklassen, das führt zu serieller Unterforderung der Schülermehrheit und ermöglicht das „Mitschwimmen“ der Leistungsunwilligen. Irgendwoher müssen ja all die Dummbatze kommen, die uns Stefan Raab so eindrücklich vorführt.

      Nee-nee mit der Inklusion verhält es sich wie so oft: „Dass der Mensch gern gut sein möcht/edel hilfreich und gerecht/ dass er aber drüber lacht und erst recht das Falsche macht/traurig – aber wahr.“(Georg Danzer)

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      • Ich wiederhole es:
        Jeder Lehrer, der unter den gegebenen Umständen den Kampf nicht aufgibt und versucht, ein guter Lehrer zu sein, hat meinen allergrößten Respekt! Sie sind Helden des Alltags.

        Aber sie sind, wie auch die Eltern, WÄHLER. Frust auf allen Seiten. Warum passiert nichts?

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  7. Weil die CDU bildungspolitisch nur rückwärts denkt und die SPD will Fortschritt herbeischwafeln – fürchtet jedoch die Kosten; das wiederum führt zu diesen Rohrkrepierer-Reförmchen.
    Da kann man wirklich ewig hin-und herwählen.

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