Egon Linde

Egon Linde? Wer war Egon Linde?

Egon Linde war unser Steuermann

Der sich auf Udo und Achim besann

Er rockte wie sie ganz Norddeutschland

Nur nicht drüben bei denen

Sondern „hinter der Wand“.

Ja, auch wenn mein Blog hier zum Nekrolog mutiert: Einen Tag nach Bummi Bursy wurde bekannt, dass auch Egon Linde starb. Allerdings mit 77! Die Heros des Ostrock, die uns durch die 70er trugen, waren logischerweise älter als wir – und nun sind wir selber alt. Also kein Wunder, dass Musikjunkies wie ich nun auf das Absuchen von Trauer-Annoncen konditioniert werden.

transitVerblüffenderweise wurde Linde in Berlin beerdigt. Er war doch Fischkopp durch und durch! Und seine Band TRANSIT war die Einzige von der Küste, die es republiksweit zu einigem Ruhm und zu AMIGA-LP-Ehren brachte.

(Berluc zählen nicht. Denn die wurden in BERlin- LUCkenwalde gegründet, bevor sie die „Rocker von der Küste“ wurden.)

Transit machten sich mitte der 70er einen Namen im Rundfunk, weil sie gewollt so deutlich nach Lindenberg klangen, dass man es nicht überhören konnte. „Ich fahr an die Küste“, „Der Junge am Ufer“, „Der Musiker“ – das hatte alles eine mächtige Prise „Im hohen Norden“, „satellite city fighter“ und „Rock and Roller“ intus. Das war nicht zu überhören. Und dann hieß der Chef der Band auch noch LINDE!

Das Lindenberg-Hickhack wurde aber auch zur Crux für die Band: Phasenweise durfte man Udo L. im Osten kennen, weil er sich als Freund der DDR anpries und Verhandlungen über Lizenz-LP und dergleichen liefen. Transit also im Rundfunk. Phasenweise aber verschenkte er Lederjacken oder sang von so „Sonderzügen“ und „Russen auf dem Kurfürstendamm“ und da war er wieder Unperson: Du konntest bös anlaufen, wenn du ihn zitiertest:

„Wieso kennen Sie Feinde der DDR, Juchndfreund? Was sagt mir das über ihr‘n Glassnschdandbungd?!“

Also verschwanden auch Transit aus dem Rundfunk.

Sie versuchten zu Beginn der 80er auf der Achim-Reichel-Schiene unproblematischer Airplay zu retten: Reichel hatte sich ende der 70er auf alte Dichter besonnen und diese verrockt: „Regenballade“ wurde eine Phänomen-Platte für Kenner. Eine meiner ersten Beute-LPs nach Bowie und Oldfield. Das Highlight der LP ist das Stück „Een Boot is noch buten“ für mich. Und so hatte ich allerhand zu schmunzeln, als ich Transits „Sturmflut“ im Radio hörte: Ej! Ich weiß, was ihr hört!

Aufgewachsen im Burgruinen-Kindergarten und historisch-romantisch beseelt wie nur was, sehnte ich mich nach Historienrock – lange bevor es ihn gab! Ougenweide und Eulenspygel im Westen gingen in diese Richtung: Aber das war mir damals noch zuviel Jahrmarkt und zuwenig Rock. Novalis waren dann schon bissel interessanter: Einige Tracks suchterzeugend, andere – ä – nicht so sehr.

Es war also eine verfluchtlange Wartezeit bis zu Subway to Sally, Haggard & co.

Da kamen 1980 Transit mit „Bernsteinhexe“ um die Ecke – HERRLICH! Und kurze Zeit später gabs noch das „Hildebrandtlied“ – WEITER SO! Aber leider – die nächste Udo L. Querele sorgte wieder für TRANSIT-Rundfunk-Embargo. Nix da mit ner reinen Historienrock-LP. Ein Transit-Platten-Debut gab es zwar, aber so, wie man das von AMIGA kannte: Ein Sammelsurium aus unterschiedlichsten Phasen.

Immerhin wenigstens die eine. Die konnte nu nicht mehr eingesammelt werden.

BildNach der Wende erschien die CD „Transit – Das Beste“, die den Namen wirklich verdient. Da sind dann auch die Tracks drauf, die man aus dem Radio kannte und die auf der LP fehlen. (Und die LP-Graupe „Jona“ fehlt berechtigterweise auf einer CD, die „Das Beste“ heißt.)

Highlight auf Vinyl oder Silberling ist „Ein Mädchen wie du“, eine der allerschönsten Rockballaden deutscher Zunge. (So! Das musste unbedingt auch noch gesagt werden!)

Legst du Transit heute auf, dann zieht deine Jugend an dir vorbei: Die Feten, die Rad-Touren, dummerweise auch „Prora“, denn es wird viel Maritimes besungen, und da taucht nun mal bei mir automatisch zuerst der Koloss vor meinem inneren Auge auf und mit ihm KC und Spieß und all die anderen Schinder from the North … Aber es gab unter den vielen Hassfiguren aus Ostelbien eben auch die zwei-drei genießbaren Meckis, die das fiese Fischkopp-Image halbwegs aufbesserten, und für die man nicht die „Sachsensau“ war: „Schreibeee! Magsd’n Köhm?“

Und nur derentwegen war es mir möglich, die LP einer Fischie-Band zu kaufen – und zu feiern.

Habt Dank Burghaaad, Dieteé, Uli, Ottmar  – ohne euch hätte der Hass überwogen.

„ … und in mancher Kneipe erzählt man Seemannsgarn, doch viele Männer hier sind nie zur See gefahrn“ (Winter an der See/Transit)

Danke Egon!

Schlaf gut!

2 Gedanken zu “Egon Linde

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