Rod.

Er hat es wieder getan! Mit 77! In der Pandemie!

Nee, nich‘ scheidenlassen one more time, sondern Platte machen, halt CD, halt Datei … fuck the form.

„The Tears of Hercules“ – mehr oder weniger „soeben“ erschienen.

Ich hab sie seit Weihnachten, aber zunächst verstopfte noch anderes meinen Player in heavy rotation, so dass ich erst jetzt dazu komme, Old Rod zu feiern.

Meine Beziehung zu ihm ist eine anfallweise. Viel ließ ich über die Jahre aus. „Baaaaby Jane“ werde ich immer hassen! Aber Einiges gehört eingeschreint, weil ewigkeitstauglich. Das kann er eben – so alle Jubeljahre.

Als er 70 wurde, schenkte er sich selber die „another country“. Die würdigte ich ja seinerzeit hier.

Kaum sind 7 Jahre rum, kommt nun das nächste DING:

„The tears of Hercules“ bleibt zwar hinter „Another country“ und natürlich hinter meinem all time fav „spanner in the works“ ein Quäntchen zurück, aber es lohnt sich wiedereinmal richtig hinzuhören. The Grandfather of Mod-Rock erzählt von großen Zeiten!

Leider isser zum Drum-Programming zurück gekehrt, wie schon auf der „Time“, die mir deshalb nicht gefiel. Das passte damals nicht: Die Stimme des alten Storytellers auf diesem Faithless-Gedächtnissound. Aber sei es, dass man inzwischen gelernt hat, das beides zu harmonisieren oder dass ich gehör-technisch „nachgereift“ bin. Diesmal stört‘s mich nicht.

Es fängt beschaulich-melancholisch an und endet auch so. Dazwischen belebt sich die Spannungskurve zum Midtempo-Rocker „Kookooaramabama“, was soviel heißt, wie a-wop-baba-loop-bop-a-lop-bam-boom, nämlich: „Sex is good. Sex is nice. Sex will show you Paradies!“ Von wat ehm alte Männer so singen. Aber Obacht! Das ist nicht einfach nur ne Pimmelnummer! Er feiert hier DAS LEBEN in Form einer Aneinanderreihung einiger Rock&Roll-Highlights seiner Adoleszenz-Phase.

„Mancher tut‘s im Garten/mancher tut‘s im Keller/big balls of fire?/Psaw! Chuck Berry kann schneller!“

Eine arg gewitzte Nummer, bei der das Hinhören lohnt!

Aber nee-nee, es gibt schon auch andere Botschaften zu genießen: „I love to boogie“ zum Beispiel –  das ist nicht die gleichnamige T-Rex-Nummer, aber ein gelungener Memorial-Song auf Mark Bolan – 50 Jahre später. Wunderschön werden hier ein paar seiner Hits miteinander verwoben. Ja, „Oid wuorn sammer. Oid!“, like Ambros said. Auch wir Glam-Kids von einst.

„Never kissed a girl, coming from New York City, with a frog in her hands.“

Stimmt immernoch. Bin Gloria Gaynor nie begegnet.

Der Titelsong verrät, in ganz privater Vortragsweise, wie beinahe nur er das kann, dass auch er nicht jede Frau bekam, die er haben wollte.

In „Hold on“, dem Lied, was sich zum Choral entwickelt, macht er eine Verbeugung vor Sam Cook, und bedauert, dass dessen „a change is gonna come“ zwar eingetreten ist, jedoch nicht in der Art, wie erhofft. Und weil mehr Fragen offen bleiben, als beantwortet werden, bleibt letztlich weiterhin nur die Familie. Die Nische. Brüder und Schwestern, Väter und Mütter, haltet eure Kinder in der Nähe: „Hold on to what you got!“ Recht hat er!

Und im Schlusstrack „Touchline“ würdigt er seinen Vater, der sich sein arbeitsreiches, elendes Leben sonntags im Trenchcoat, im englischen Regen, im Stadion versüßte und der seinen Söhnen all die Heldengeschichten von den „Wundertoren“ erzählte, die vor deren Zeit geschossen wurden. Und wenn Old Rod seine Söhne auf eigenem Platz nun bolzen sieht, dann schaut er ab und an in die Wolken: Ob Dad sich da wohl auch gerade freut, dass die Enkel nach ihm kommen?

Yeahr. (Seufz)

Fußball war es bei mir nie. Aber die Sache mit den Wunderpferden. Karl May und Felix Dahn. Das wären so die Stafetten-Stäbe, die ich „hätte soll’n weitergehm“. Aber irgendwie hab ich‘s vergurkt.

Rock on Rod! One more time. Still love to boogie! (Hüstel: In my rocking chair.)

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