Wege übers Land – mit Hanns von Zobeltitz

Der nächste „vergessene Autor“!

Hier geht es im Folgenden um Hanns von Zobeltitz. Und vor allem um sein Erfolgsbuch von einst: „Auf märkischer Erde“(1910). Und wie immer um mich – und wieso ich auf die Idee komme, sowas freiwillig zu lesen.

Schnitt.

  1. Wie Findeisen versuchte, sich einzurichten

Fährt ein Jetta über Land. Baujahr’84. Im Jahre 94. Speichenfelgen und Kofferraum. Der gab den Ausschlag. 91 beim Kauf. Nach Jahren des Trabifahrens; endlich Klappe auf, Zeug rein, Klappe zu. Los. Nicht Trabikofferraum mit Ersatzrad und Benzinkanister und dann zirkeln, zirkeln, zirkeln, damit junge Eheleute mit Kleinkind alles unterkriegen, was mitmuss.  – Eigentlich sollte es 1991 nun endlich irgendwas rundgelutschtes Westliches werden. Weg vom Massen-Car! Auf keinen Fall ein Golf! Dann kam ich mit dem eleganten, rollenden Ziegelstein nach Hause. Golf mit Kofferraum. So kann‘s gehen. So begann es, das Kleinschmelzen der West- Illusionen. So begann sie, die lange Reihe der West-Cars… Noch fuhr ich den ersten. Mitte der 90er. Im „Niemandsland von Preußen“. Unterwegs zum neuen Antiquariat. Irgendwo im Wald hinter Rippdichow. Über Ostpreußen wurde geschrieben und eine wahre Dok-Film-Schwemme erzeugt; im Laufe der Jahre. Über Schlesien gibt es immerhin die Heimwehbildbände im Weltbildkatalog.

bdr

Aber über die Mark? Speziell ihren Norden? Schonmal einen Prignitzroman gelesen? Oder einen, der in der- /um die Grafschaft Ruppin herum irgendeinen Wirbel macht?

Den Fahrer plagt Heimweh. Gerade hat er Plan A für das weitere Leben ad acta legen müssen. War also nichts mit jahrzehntelangem Glück und Sonnenschein im Saaletal! Hier oben waren die Flüsse schmaler, die Burgruinen spärlicher gesät. Beruflich war er recht beliebt. Auf Anhieb. Das war kurios. Aber andererseits blieb das Kontakteknüpfen schwierig. Immerhin – nu hatte er’n Haus zum Um-und Ausbau. Aber eben 300 km „zu weit oben“ auf der Karte. Der No-where-man…

Im Jetta läuft, wenn nicht gerade Reinhard Lakomy – Southern-Rock.

„Lord, I was born a ramblin‘ man
Tryin‘ to make a livin‘ and doin‘ the best I can…“

Der deutsche Osten nach 1989, das ist sowas wie der Grand Ol‘ South, der besiegte Teil des Landes; aus dem gerade viele wegwollen. Die Straßen hier oben werden schneller in Schuss gebracht als im Süden der Ehemaligen. Weiß der Teufel warum. Und Prärie drumherum ist allenthalben!

„So we had a great big Convoy, rockin‘ through the night…“

„Mensch hau ab! Meine Zeit is knapp. – – – Guck dir an! Der Idiot! Mensch, der fährt noch bei Rot!“

„In Brandenburg, in Brandenburg, ist wieder einer in die Allee gegurkt. Was soll man auch machen mit 17/18 in Brandenburg.“

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Ja, die Zeiten waren zum Pläne wegschmeißen. Des Fahrers Eltern hatte es ’45 von ihrer Scholle geweht. Tapfer, clever, mühevoll erschufen sie ein neues heimeliges Nest weitab von daheim in einer mythisch anmutenden Gegend zwischen lauter Burgruinen. Und ihr Großer, der das bewahren wollte, und der eh ganz von selbst mit so einem dynastischen Klaps und Hang zu „alten Zeiten“ geboren ward, wenn es die eigene Familie betraf – der saß nun da, wo noch nicht mal Pfeffer wächst, fest und kam nicht mehr weg.

Überall flogen Leute raus. Wer jetzt irgendwo innerhalb Ossi-Land irgendwo hinzieht, ist dort, wo er ankommt, immer der zuletzt Gekommene; also der erste der fliegt: Überstruktur!

„Ich brauche nur zweiorlai: Oarbeitslus un‘ Spoaß dabei!“,

war der genial zynische Kommentar von Vickie Vomitt, der damit einen Hit landete.

Adieu, du schöner Plan von der triumphalen Heimkehr ins Saaletal! Vielleicht in der Rente mal.

Wie also einrichten, da wo keiner freiwillig hinzieht, wenn er nicht von da stammt?! Ostelbien. Auf Dauer?!

Das kann dauern, bis die meinen Namen gefressen haben!

„Für wen soll das gescheh’n?“

„Findeisen“

„Wie?“

„Findeisen. In Bresekow.“

„Gut Herr Vieleisen. Viel Hoffnung mach ich ihnen aber nicht…“

„Findeisen.“

„Wie?“

„Ach schreim Se „Ehemals Vielecke in Bresekow“. Das war der Name meiner Frau.“

„Vielecke! Burghaaad Vielecke! Mit dem hab ich mal gesoffen. Das war ihr Schwiegervater?“

„Genau der.“

„Ja dann. Kommen wir nächste Woche zu – Vieleisen“
„Findeisen!“

“Naja, wir wissen dann schon. Bei Burghaaddn.“

(Watt wea eijentli jewes‘n, wenn ick Przschlewinsky jeheeßn hätte?)

Das gefiel mir schon nicht, und dann:

18 Gefechtsalarm

Ich hatte da so einschlägige Erfahrungen. Von damals. Prora. Dort hatte ich soviel Kontakt mit Typen, denen die Gefängnisse von Rüdersdorf und Cottbus quasi Zweitwohnung waren, dass mich sogar heute noch der ketzerische Gedanke umtreibt: Der „Unrechtsstaat“ locht bei Leibe nicht immer nur die Falschen ein.

„Du warst och schon im Knast?“

„Yo, klar. Eehn Jahr sechs Monate eijentli‘ , aba wejen jute Führung hamse mir eha jehn lassen, aba nu musst ick prompt wida 6 Monate in die Scheiße hia einfahrn. Ick hab noch watt jut bei die, wennet ma andasrum jeht. Det kannste glohm!“

„Weshalb warst’n drinne?“

„Polütüsch. Ick hab ehn vonne Pa’tei umjehaun. Hattick Ärja in Kneipe. Fängta Pippl an mia ßu belea‘n. Wollt ick nüsch. Rumms.“ Er deutet einen Faustschlag an. „Und wia umfällt, wah det da neue ABVer in ßiwiel. Konnt‘ ick doch nüsch ahn, sowat!“

So welcome to the North.

Klar gabs solche Typen auch im Saale-Tal. Aber da fielen se mir nicht so auf. Denn erstens klingt der Assi-Slang auf hallensisch lustiger. „Bass of meinor! S‘ klatschd glei!“ Und zweitens hatte ich im zivilen Umgang ein intaktes Umfeld normaler Leute um mich rum. Aber Prora, das war eben eine Welt für sich.

Es galt, sich also irgendwie zu gewöhnen. Und Bücher und Musik hatten mir schon über einige Krisen hinweggeholfen.

  1. Wie Findeisen den Zobeltitz fand

Da traf es sich, dass in der Zeitung stand, ein Westberliner Antiquar habe die Landschaft des Moloch-Umlandes für sich entdeckt und sei in die Ostprignitz gezogen, um dort als der Weise aus dem Wald in abgelegenen Dörfchen ein „Bücher-Café“ zu errichten.

Nichts wie hin!

Aber oweh. Mit dem „Weisen aus dem Walde“ wurde es nie wirklich was Dauerhaftes.

Ich weiß nicht, woran es lag, dass der sich nicht einmal an die eigenen Öffnungszeiten hielt, und man also nach doch einigen Kilometern Anfahrt stets vor verschlossener Türe stand.

Auch mit dem Kaffee-Ausschank haperte es mächtig, wenn sich denn mal die Ladentür doch öffnete.

Nach wenigen Jahren gab er auf und „floh“(?) nach Berlin zurück.

Immerhin geriet mir dort im Walde als erster Fang von nur 3 Käufen „Auf Märkischer Erde“ in die Finger. Hanns von Zobeltitz. Wie sich zeigen sollte, eine lohnende Entdeckung.

„Machste dich also ma‘ bekannt mit deiner neuen Wirkungsgechend; historischerseits; nöch?! Mitm Reden hamses hier ja nich so.“

„Lord, I was born a ramblin‘ man
Tryin‘ to make a livin‘ and doin‘ the best I can…“

Eben.

  1. Was Zobeltitz so wertvoll macht (I)

Es gab ja mehrere Zobeltitze mit mehr oder weniger Kurzzeit-Ruhm.

Hanns von Zobeltitz (1852 – 1918) war ein preußischer Schriftsteller. Sein Bruder Fedor v. Z. war seinerzeit berühmter, weil er mehr schrieb und sich weniger öffentlichkeitsscheu gab, was Interviews und Engagement-Beteiligung für diverse gute Zwecke betraf. Hanns war eher der Kauz. Der Zurückgezogene. Aber vermutlich kein typischer Schreiberling-Kotzbrocken wie Hesse oder Grass.

Eher eine „ehrliche Haut“, die warmherzig gewinnend über brandenburgisch/preußische Verhältnisse schreiben konnte. (Kritik an der Gesellschaft kommt in seinem Schaffen nie bitterböse, sondern immer mit bedauerndem Unterton vor.) Die eigenen Familiengeschichte ist sein Erzählfundament, wie das aufschlussreiche Erinnerungsbändchen „Im Knödelländchen“ verrät. Allzeit ist das zobeltitzsche Brandenburg lebendiger als Fontanes destilliertes Figurenensemble. Auf interessante Weise werden heute vergessene Alltagsgepflogenheiten in die Handlung eingeflochten, da dem Autor sehr bewusst ist, wie stark sich die Verhältnisse seit seiner Jugend in den 60ern des 19. Jhds wandeln. (Das geht seinem späten Boomer-Leser 1995 und 2022 exakt genauso!) Somit hält er viel fest von dem, was bald keiner mehr kennen wird. Bewahrendes Schreiben – sozusagen. Und so lüftet dir hier einer den Vorhang in alte Zeiten und bebildert dir dein bisher totes Faktenwissen über die Bismarckzeit und zu deinen Fragen bezüglich der Seltsamkeiten brandenburgischer Mentalität.

Schnitt.

  1. Was man in „Auf märkischer Erde“ erfährt

zobeltitz 0Der Roman spielt in der Neumark (heute Polen) und Berlin. Dem alten, gepflegten Berlin. Wo die Regimenter noch „auf den Kreuzberg“ ziehen – zum Exerzieren. Wo man im Kroll’schen Garten unter Lampions lustwandelt und knutscht; wo die Eisenbahnspekulanten in klassizistischen Palais wohnen. Zeitraum der Handlung sind die Jahre 1861-1866. Heeresreformkonflikt, Deutsch-Dänischer Krieg, Deutscher Krieg fließen gekonnt ins Geschehen daheim ein. Zobeltitz zeigt hier Fingerspitzengefühl; switscht zwischen naiv-ehrlicher Begeisterung, nassforschen Schwadroneuren und der Tatsache, dass auch auf Siegerseite schmerzhaft Opfer verkraftet werden müssen, meisterhaft hin und her. Das verdeutlicht glaubhaft die gesamte Bandbreite damaliger Denkweisen. Man meint hier, als Leser von heute, einen „halben Remarque“ läuten zu hören.

Vorgestellt werden drei Generationen Landadel.

  1. Den alten Rittmeister Hackentin auf Rohlbek; der Veteran von 1813, der der alten feudalen Zeit nachtrauert, auf die Demokraten schimpft und eisern spart. Aber der wirtschaftliche Untergang des Gutes ist absehbar. Obwohl die Herrschaft bereits lebt, wie die Landarbeiter: Brotsuppe und Stampfkartoffeln Tag ein Tag aus. Traditionsgemäß hält der Gutsherr gute Freundschaft zum gleichaltrigen Pastor von gleichfalls konservativem Geiste. Die Industrialisierung wird nicht verstanden. Beide alte Herren machen allabendlich ihre Gassi-Runde mit den Hunden durchs Dorf und beargwöhnen den Kantor, der sich doch tatsächlich unverbesserlich erfrecht, die liberale „Tribüne“ zu lesen.
  2. Seine beiden Söhne, Wilhelm und Friedrich, die bereits „Berufe“ haben. Der eine versucht sich als Eisenbahnspekulant und Strippenzieher, auf dass eine Bahn Berlin-Posen entstehen möge, die der Neumark Aufschwung bringt. Der andere dilettiert als Bürgermeister und Kreisrichter, sowie als liberaler Kandidat für das Abgeordnetenhaus, weshalb bei Rittmeisters nicht mehr von ihm gesprochen werden darf. Und –
  3. Gibt’s dann noch die beiden Enkel des Rittmeisters, die Söhne des „Eisenbahners“: Hanns und Thede. Im Grundschulalter. Die balgen sich stets und ständig um die Posttasche, die sie täglich an der Brücke vom Postillion „erbeuten“ und dem Großvater bringen.

In der Hauptsache jedoch geht es um Helene von Hackentin, die Schwester der beiden Rittmeister-Söhne; der „Spätling“ des Rittmeisters; die verehrte Teenie-Tante von Hanns und Thede. Sie bekommt die Empfehlung, ihr Gesangstalent ausbilden zu lassen, egal ob nur für den standesgemäßen Hausgebrauch oder doch mal für den ein oder anderen Konzertsaal; was für ein Fräulein „von“ zu der Zeit noch ein übles Pfui-pfui-pfui bedeutet, aber immerhin Einkommen ermöglicht haben würde. Die volljährigen Hackenthins pfeifen finanziell alle auf dem letzten Loch.

So kommt es im Buch zu jener Passage, in der Helene über ihre Familiengeschicke nachdenkt und erkennt, dass das „heiße Blut der Hackentins“ ein ausgewogenes Geschäftsgebaren bisher verhindert hat – und das hoffentlich Hanns und Thede einst mehr Glück haben werden, um „Mehrer statt Verzehrer von Vermögen“ sein zu können.

Helene von Hackentin hat nicht nur tolle philosophische Anwandlungen, sondern sie pubertiert auch ganz hervorragend. Für mich DER Clou dieses Romans. Das liest sich so heutig!

Auch ihre Musikbegeisterung, die freilich damals leider ganz ohne Rock & Roll auskommen musste, passt bestens. Wenn sie zum Auftritt vor Verwundeten z.B. ausgerechnet Uhlands „Frühlingsglaube“ auswählt und da 1866 im Spätsommer nun ach so passend „Nun muss sich alles, alles wenden!“ schmettert. Das ist das metaphorische Denken des Ossis 120 Jahre später, beim Hören von Renft-, Lift-, oder Silly-Songs!

Aber zusätzlich gibt es das ganze, zeitlos wirre, Hin-und-her-Gezicke des schönen Geschlechts:

„Nein, ich singe nicht!“ – Singt dann aber doch.

„Bin ich verliebt in ihn? Nein! Der ist nichts für mich!“ – Liebt Idol 1 aber doch. Wenn auch unglücklich.

„Ich sollte ihn lieben.“  – Liebt Nr.2  dann aber doch nicht.

Und schließlich beim dritten Mal: „Ich liebe dich auch! Ja, lass uns heiraten! – Nein, ich kann nicht! Gib mich frei! – Vergiss mich! Lass uns Freunde bleiben. Du musst in den Krieg? Du liebst mich? Ich weiß. Dann lass uns doch heiraten! (Aber eigentlich kann ich ihn nicht lieben, obwohl ich ihn lieben sollte. Er hätte es verdient …)

Das ist das leibhaftige Joan Armatrading Syndrom! Lies mal ihre Texte des „to the limit“ Albums!

  1. Was Zobeltitz so wertvoll macht (II)

Alles in allem ist Hanns von Zobeltitz ein empathischer, sehr warmherziger Realist. Also ein sehr gut lesbarer Autor.

Er erzählt dir die Verschnarchtheit des ländlichen Raumes in Preußen in „Heiden von Kummerow-Manier“. Es gibt Bauern und es gibt Gutsherren. Und beide Seiten brauchen eigentlich – kein Buch. Alles lebt „von der Hand in den Mund“. Der Wechsel nach Berlin gleicht dem in eine andere Galaxie.

Das hat seine Ursachen in dem hier:

(Schuld daran ist der große Kurfürst Friedrich Wilhelm. Der musste nach dem 30jährigen Krieg seine entvölkerte Mark wieder aufbauen. Er hatte sich von den Holländern die Akzise-Steuer (Mittelding aus Umsatz- und Mehrwertsteuer) abgeguckt und führte diese nun in seinen darniederliegenden Provinzen ein. Einige hatte der Krieg zwar verschont (Ostpreußen, Jülich und Berg; also die östlichsten und die westlichsten Flicken „seiner Lande“) aber die große Provinz Brandenburg war Wüstenei. Da die Akzise-Steuer umso höher ausfiel, je mehr Erfolg du hast – bremste sie den Ehrgeiz, viel Erfolg haben zu wollen. Die ostpreußischen (Bürger-)Stände probten gar den Aufstand und bekamen von der neu formierten Armee eins drüber. So kuschte man und verkniff sich das Investieren weitgehend. Die -allerdings sehr weise- Wirtschaftsförderung in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Preußen investierte in den Ruhrpott, Berlin und Oberschlesien. Die Städtchen dazwischen blieben ackerbäuerlich. Die Vielstaaterei des Mittelalters hatte einst den Aufstieg vieler deutscher Städte ermöglicht. Anderswo. Im Süden. Im Westen. An den Küsten. In Kernland Brandenburg blieb alles „Muh“ und „Mäh“. Bis 1945. In der Prignitz und Uckermark bis heute.)

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Das liest man so in Sachbüchern über die Hohenzollern oder Broschüren über „das neue Bundesland Brandenburg“, um es gleich wieder zu vergessen. Nach Zobeltitz-Lektüre hast du dafür Bilder im Kopf. Diese Selbstbeschränkung. Diese Hinnahme-Bereitschaft. Dieses treudoof Duldsame. „Ach lass mal. Das ist ja Politik.“ Dieses sich im Einklang mit den neuen Machthabern fühlen. Für alle diese Typen hast du anschließend auf Arbeit und im Wohnumfeld die aktuellen Entsprechungen.

Als der Jetta-Fahrer das Buch durchhatte, hatte er ein Feeling für die Gegend. Der erste gute Kumpel wurde – ein Pastor. Die paar Bücherwürmer der Gegend mussten sich einfach finden! Die Gespräche hatten was Rohlbek’sches: Genüsslich den Zeitgeist ohrfeigen. Allerdings fehlte mir das „von“ und ihm der Hund.

Da sich somit Zobeltitz als ein wichtiger Helfer erwiesen hatte, musste mehr von ihm ran: Vier Bände sind es seither geworden. Aufschlussreich der vierte Kauf: „Aus dem Knödelländchen“. Gemeint ist die Zobeltitz-Heimat auf der rechten Oder-Seite, das Gut seiner Vorfahren. Hier wird schlagartig klar, wie wenig verschlüsselt – ja beinahe 1:1 – die Hackentins eigentlich die Zobeltitze sind.

Hanns ist sogar ganz realiter Hanns geblieben, während Fedor zu Thede mutierte.

„Auf märkischer Erde“ sollte jedem Restpreußen, und solchen, die’s hier her verschlug, eine Bibel sein!

Schnitt.

  1. Nachspiel: Wie Zobeltitz im Alltag hilft

Eines schönen Tages wollte ein Kollege den Jetta-Fahrer wiedermal befrotzeln.

Wir waren uns beide unserer gelinden Bösartigkeit bewusst, die immer wieder einmal in kleinen Wortgefechten zu verblüffend anschaulichen Assoziationen führte. Sein BVB war schonwieder nicht Meister geworden, und bevor ich ihn nun diesbezüglich veräppeln konnte, suchte er ein bissel Frustabbau und kam mir zuvor:

„Da, wo du jed‘n Morgen herkommst, wohnen doch ooch nur 3 Spitzbu’m und ne Handvoll Skinheads, oder? Det Nest kricht demnächst s Stadtrecht ab-arkannt.“

„Yep.“

„Und? Nix? Keen Konter heute?“

„Wozu? Bin nich‘ von da. Bin so’ne Art Missionar unter Einjebornen. Ick arrangier mir mittä Kannibaln. Sollte vielleicht mit’n Pastor abends durch’n Ort flaniern und de letzten Kommunisten zähln.“

„Oops. So siehst du das?“

Genüsslich grinsend konnte ich ihn stehen lassen. DIE Runde ging an mich.

Zobeltitz macht‘s möglich.

„Lord, I was born a ramblin‘ man
Tryin‘ to make a livin‘ and doin‘ the best I can.

And when it’s time for leavin‘
I hope you’ll understand – that I was born a ramblin‘ man.

  1. watt inßwischn jeworn is

Na Lesalein? Hast ja durchjehalt’n. Wa’n langa Riem. Tschuldik mia für. Den Slang ha’ick nu droff.

Inßwischn hatt sich det allet n bisken beruhischd. Et jibbt hier Roger Dean Wälder. Lady Agnes, die Reinhard Mey besung‘ hat, steht hia rumm und rostet. Kahlbutz, den Stern Combo un Transit besung‘ hamm, is areischba‘!  Schloss Ganzer und Schloss Wustrau, die Fontane beschriem hat. Die Ruin‘ von Genshagen ebenso. Herr!von! RibbeckaufRibbeckimHavelland is och nüsch aussa Welt… Et läppad süsch. Et jeht. Hätte allet viel schlümma komm könn. Viel schlümma.

Nix für unjut! Brändenbörg.

Sirens in Rock

Pete Pardo macht es auf youtube vor, wie’s geht. Sein Sea of Tranquility ist so ein richtig unterhaltsamer Kanal für alte Music-Junkies. Da wird mit Lob und Tadel gearbeitet; werden Bands und Platten gelobt und verrissen; eingestanden, was man auch alles nicht mag als alter Radiomann usw. Die Mischung machts.

Neulich hatten die da das Thema: Best Songs by female Singer.

Und da packte mich die Lust, mal über MEINE derzeitigen „10 Besten“ nachzudenken.

Welche 10 packten- und packen mich heute noch, wenn ich sie höre?

Es soll hier also nicht um ganze Platten oder um den Star an sich gehen, sondern: Welche Songs lösen da so gewisse Gefühlsstürme, Gänsehautwellen, Erinnerungskaskaden usw. aus oder katapultieren dich im Geiste selber auf ne Bühne als begleitender Schlagwerkberserker oder Gitarrengott bei DEM speziellen Lied?

Bei nur 10 Nummern werden automatisch einige große Damen fehlen. Hätte ich das Folgende bereits letzte Woche geschrieben, wäre es anders ausgegangen. Also saisonale Wertung:

Platz 10:

Petula Clark „Downtown“ – obwohl sie LPs einsang – das ist DER Song, der von ihr übrigblieb. Der muss um’64 herum oft im Radio gelaufen sein. Ich hab ihn tief im Unterbewusstsein, als „Kindheitshymne“. Vermutlich hab ich damals bereits lauthals „Dauntaun dadeldidu dudup Dauntaun Dadeldidu dudup hi-ier“ ge„sungen“ oder das Ganze als Pfeif-Oratorium intoniert.

Ich verbinde damit Holzkastenradio-Sound bei Oma als Ferienkind und Schnittchen mit hartgekochten Eierscheiben drauf, wie man sie sonst nur zu Kindergeburtstagen bekam. Die Tage und vor allem Abende angefüllt mit Geschichten von Jugendstreichen meiner beiden Onkels und der einen Tante, deren Hinterlassenschaft aus den 50ern (alte ABC-Zeitungen, eine Mundharmonika, alte 1.Mai-Abzeichen) mir so ein ganz eigenes Oma-Idyll der 50er Jahre vorgaukelten. „Dauntaun“ klang so bombastisch mitreißend, aber auch so chic altmodisch, dass es für mich immer eine Hymne aus „alter Zeit“ war. Aber irgendwie waren meine Kindergarten60er ja auch altertümliche 50er, inklusive dem Scheiß-Fassonschnitt auf dem Kopf. (Bin ich erschrocken damals, als der versoffene Rooney den wieder in Mode brachte! Pfui!!!)

Und die Wirkung hielt: Das Lied hat alles, was ein Welthit braucht. Es malt dir New York an die Zimmerdecke, wenn du älter wirst. Die Stimme „strahlt“ wie ein frisch verliebtes Mädchen. Du tanzt automatisch wieder durchs nächtliche Leipzig und um jede Straßenlaterne herum – mit ihr, deiner Begleiterin – und alle 3 Schritte ein Kuss. Wie damals, anno’82, als Belami den Song „männlich“ coverten, aber an das Original erinnerten.

Platz 9:

Hypnotisch, elektrisierend, fordernd „wie Hölle“: Jefferson Airplane „White Rabbit“. Yeahr.

„Irgendwas mit Pillen einwerfen und Alice im Wonderland“, diesem unlesbaren Mädchen-Buch. Aber was für ein Song! Für mich der Inbegriff von Woodstock. Das war ja auch zu einer Zeit, in der ich noch das Schaukelpferd mit dem Wäscheleinen-Lasso fing. Also rückwirkend erst wahrgenommen, aber diese 2 Minuten Musik verändern die Welt! Das abschließende „Feed your head“ hab ich glücklicherweise immer anders ausgelegt, als es in den 60ern gemeint war: Bücher statt Drogen!  Und immer abseits des Weges suchen, dort findest du die Sensationen! Bewusstseinserweiterung der gesünderen Art.

Platz 8:

So. Nach den zwei Dingern, die sich sozusagen eher aus historischen Gründen an meine Fersen hefteten, nun zu den Nummern, aus MEINER ZEIT:

Beginnen wir mit Shirley & Company: Shame, shame, shame… Neintiensewentifeif! Ja! Muss sein! Simpel und genial! Ich stehe zu meinem schlechten Geschmack, was soll’s! Ich bin bekennender Rhythmosleptiker, aber bei DER Nummer muss ich tanzen! Diese dicke „Neschormuddi“ und der kettenbehängte Gammler da, hatten den elektrisierenden musikalischen Stein der Weisen gefunden!  Ohrwurm und Elternschocker. Anfang‘75 in der „Aktuellen Schaubude“ gesehen – und als dieser Neben-Hippie das erste Mal schrie, fand ich’s geil und meine Eltern packte das Entsetzen: „Neee!“(Mutter) und „Oh Gott! Wenn das der Führer noch erlebt hätte!“(Vater) und beide sahen mir in die strahlenden Augen und mich somit demnächst im Jugendwerkhof, wenn sie jetzt nicht gaaaanz dolle aufpassten, dass ich ihnen nicht verwahrlose. Dummerweise hatten sie das Fasson-Schnitt-Dogma gerade erst aufgegeben. Ächz! Und nun sah der Filius Frisurtechnisch schon fast so aus, wie der da im Fernsehen! „Aber mit Ketten um‘ Hals fangste mir jetze nich‘ oach noch an! Das kommt mer nich‘ in de Tüte! Das sag ich dir glei‘!“ (Vater kategorisch, also ernst gemeint.) Hm. Mist. Und bei meinem Cousin hatte ich gerade das erste Black Sabbath Poster meines Lebens gesehen! Und diese Kreuzketten da an den Hälsen! Fetzten doch total!

Platz 7:

Gloria Gaynor „Reach out I’ll be there“. Auch 1975. Endlich lange Haare und endlich Kassettenrekorder, also eigene „Heule“. Und eine der ersten selber aufgenommenen Nummern war eben diese. Zunächst lags nur am Trommelintro, dass ich sie auf der Kassette ließ. Dann sah ich SIE im Fernsehen. Gloria! Und seitdem kann ich englisch „dschie-ell-o-ahr-ei-ey“ buchstabieren. Glooooo-Ria! Nicht wegen Them, sondern wegen IHR; schockverliebt! Und ich hatte – seit ich 12 war – so einen „Hatifa“-Komplex. Ich hatte den Film mindestens 3x gesehen, „Osceola“ ebenfalls mehrfach; und Willi Meincks „Marco Polo“ gelesen. Dazu so einige Sidney Poitiers Filme, in denen es um Rassengleichheit in US-Äj ging. Und überall werden hübsche Sklavenmädchen befreit oder vor dem Klu Klux Klan gerettet. – Man könnte es auch das Boris-Becker-Syndrom nennen – Mangels Internationalität war das zu Mauerzeiten aber nicht auslebbar.

Platz 6:

Heart! 1975 zum Dritten! Das Jahr rasanter Geschmackswandlungen! Im Spätsommer live im Musikladen: Das erreichbarere Frauen-Ideal. Weniger exotisch. Weiß, dunkelhaarig und rockend. Ann Wilson. Seit „Magicman“ war der Bandname Heart eine zu beachtende Größe. Der Song ist toll, aber nicht umwerfend. „Barracuda“ war okay. — Ihre Übernummer wurde für mich: „Cooking with fire!“ von 1978! Yeahr! Da drischt sich nix ab. Das zündet immer! Die sind zwar aus Seattle und haben eine ganze Zeit in Kanada zugebracht – aber die kochen texanisch scharf! Ganz scharf!

Platz 5:

Und gleich nochmal ’78: Renaissance „Northern lights“. Annie Haslam. Die „Schwester in der Stimme“ von Maddy Prior und Sally Oldfield. Die Romantik hatte uns gepackt. Maddy und Sally kannten wir – und Stevie Nicks! Die Renaissance-Kenntnis allerdings konnten wir nicht haben. Airplay hatten die keins. Also – wie hätte ich sie entdecken können? Aber die „Song for all seasons“ LP, in den Nullerjahren ausgegraben, ist einfach wunderbar. Genesis mit Frauengesang. „Northern Lights“ ist dort der Ohrwurm, der gottlob nie zu Schanden geritten wurde im Dudelfunk, wie z.B. der „moonlight shadow“ ihrer Kollegin. Das ist genau die Musik, die die Erinnerungen an die andern drei befeuert, ohne dass man die auflegen muss. Somit bleiben auch die gehüteten Schätze geschont. Und es ist auch genau der passende Soundtrack für davonsegelnde Drachenschiffe beim Huna-Lesen oder zum Abfackeln von Römer-Lagern, wenn Alemannen und Vandalen den Limes berennen bei Felix Dahn. Und fern ab, auf dem verlassenen Thingplatz im Wald steht die Braut im Abendrot und singt für ihren Helden… Herrlich!

Platz 4:

Klar, Tamara Danz muss rein, in die Liste: MEIN Silly-Song, der mir immer zuerst einfällt, ist der „große Träumer“ von der „Liebeswalzer“-LP 1986. Monströs! Ermutigend! Ein Kraftquell von Song! Stagnationszeit-Sound der späten 80er. Als ein Staat an seiner eigenen Dussligkeit verendete. Und kein Jota weniger Aktualität seither.

Platz 3:

Doro Pesch. Aber welcher Song von den vielen guten?

In mein Bewusstsein geschrien hat sie sich zwar mit „Catch my heart“, das war am Ende ihrer Warlock-Zeit. Und eine absolute Augenweide war sie ja lange-lange auch. Aber den Song würde ich heute nicht mehr als so umwerfend empfinden, wie 1988. Da kam später einiges, was besser war. Zum Beispiel „Let love rain on me“. Und wenn du das Video siehst, weiß du automatisch, warum Bludgy der Heyse-Leser und Burgen-Pilger an DER Nummer nicht vorbeikommt.

Platz 2:

Momentan gerade richtig angesagt in Bludgys rollin‘ Rockpalast auf 4 Rädern ist eine andere alte Frau: Suzi Quatro. Mit ihrem absolut besten Song aus späten Tagen – „In the spotlight“ von 2012. Gänsehaut sofort! Die Thematik: Die Brüche des Lebens, vorgeführt am Künstlerproblem, mehrfach gescheiterter Ehen, weil der unprominente Teil sich auf lange Sicht nicht mit der eigenen Bedeutungslosigkeit an der Seite eines Stars abfinden konnte. „… and in your Spotlight – i don’t know, what to do!“ Und dann kommt das Gitarrensolo, der Anschlag auf die Tränendrüsen! Diese 30 Sekunden, die sich in dein Hirn rammen, die du dann wieder einen Tag lang vor dich hin summst. Geschrieben vom alt-ehrwürdig ergrauten Andy Scott von Sweet, tief nachempfunden eingesungen von einer vom Leben gebeutelten Suzi. Da sind dann all die altbewährten Melancholic-Melodais  von damals wieder da: Teenage Dream, in for a penny, Rebeeeeeecca, oh Claire, die Balladenseite der „Atlantic crossing“, yes if you think to know, how to love me, the last farewell …. Und wenn der Song endet, zerdrückste ein Tränchen im Knopfloch. Repeat! Repeat! Repeat! Nee ich brauch von ihr keine Platte, aber DEN SONG! Zurzeit täglich!

Platz 1:

Mein Platz 1 ist ein Song aus einem Live-Konzert, das es vermutlich NIE als CD geben wird, weil es das auch nie auf Platte gab: 1981 oder 82 bewarb der NDR2 die Tatsache, seine Hörer mit einem kompletten Live-Konzert von Joan Armatrading zu erfreuen. Die war damals mit „me, myself, I“ sozusagen kurz hinter ihrem Höhepunkt.

Also hatte ich zum Termin ein leeres Band aufliegen und nahm das Ereignis mono aus der Kofferheule auf.

„Live in Den Haag“ 1981 oder 82 bestand überwiegend aus Songs von ihren beiden Platin-Alben „Show some emotion“ und „to the limit“ und wurde beendet mit „willow“; doppelt so lang wie sonst und einem Massen-Chor, der dir Gänsehaut in Schockwellen über den Rücken trieb und in den Augenwinkeln die Dämme brechen ließ: Das ereignete sich lange vor den Chören auf Rod Stewarts „Absolutly live“, war damals also ein neues Phänomen – und der Moderator quatschte in den Schlussapplaus noch rein: „Beeindruckend, wie die sonst so kühlen Holländer hier mitsingen.“

Hach. Gone with the wind. Futsch ist das Bandarchiv. Aber die Erinnerung blieb. Und jedesmal, wenn die normale Studioversion seither im Auto läuft, muss ich hinterher zwangsweise für ein paar tausend Holländer einspringen und die Windschutzscheibe anbrüll‘n:

Sheeeeelter in a the storm….your willow, … willow, when the sun … comes…out… sheeeeelter in a storm… your willow… willow…when the sun is out…

Rock on!

Legendenbildung

Es war einmal, in einem Land vor unserer Zeit. Und es ist doch kein Märchen.

Der Nachfolger

Das 20. Jahrhundert war noch jung. Vor 4 Monaten erst war es mit Tschingderassa und Feuerwerk begrüßt worden. Auch da, wo sich üblicherweise nur Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Abseits der Metropolen. In der Kleinstadt am Rande des Isergebirges. Österreich-Ungarn. Unweit von Zittau.

  1. Zwei Kontrahenten

Der Schuss war im ganzen Hause zu hören. Bertha, die Magd, ließ fast das Kastrol mit dem Mittagsgulasch fallen, schaffte es aber doch noch bis zum Küchentisch.

Der alte Seff eilte zum Herrenzimmer und rief vor der Tür zweimal unsicher, leise aber nachdrücklich:

„Herr Prinzipal?!“

Dann trat er ein.

Was er sah, erschütterte ihn so sehr, dass er auf dem Sessel neben der Tür zusammensank. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf das Ensemble inmitten des Zimmers:

Der wuchtige Schreibtisch, der „Thron“ dahinter; und auf ihm saß – nein – in ihm hing, über die linke Armlehne geneigt sein Chef. Ottfried Köhler. Tuchfabrikant. 53 Jahre alt. Tot.

Aus der Austrittswunde, der linken Schläfe floss es rot auf den Teppich. Von der rechten Schläfe hatten sich ebenfalls zwei rote schillernde Rinnsale ihren Weg über das Gesicht und um die Nase herum gebahnt.

Die rechts auf dem Teppich liegende Luger konnte Seff nicht sehen.

Er saß nur da und starrte- , und irgendwann entrang sich ihm ein zittriges

„Jesses, Jessas! Was soll nur wernn jetze? Jessas Mariandjosef, was soll nur wernn ajetz?!“

So fand ihn die Bertha, die unten von der Küche auch endlich gucken kam.

Zwar schossen ihr beim Anblick des Schreibtischstilllebens sofort die Tränen in die Augen, jedoch beherzt rüttelte sie den alten Diener, Kutscher, Hausknecht in Personalunion aus seiner Schockstarre.

„Seff! Hearste?! Joooseff!“ Es war der eine oder andere Rüttler nötig. „Geh nach’m Schandarm! Hearst?! Und brängok die Ringlern glei dohier. Die sollem’s letzte Hemd oa‘ziehn.“

Und der alte Hausgeist rappelte sich wirklich auf und wankte von dannen.

Am Abend desselben Tages, nur ein paar Kilometer weiter, in der Stricker-Villa im Nachbarort, saß ebenfalls ein Tuchfabrikant in seinem Herrenzimmer am Schreibtisch und wendete einen kleinen Aufstellrahmen, der eine Photographie mit drei jugendlichen Gesichtern enthielt, hin und her. Er wischte auch das eine oder andere Staubkorn auf die Seite und murmelte unaufhörlich in seinen sehr gepflegten, tiefschwarzen Henri Quarte hinein:

„Wofür das alles? Wielange noch? Mit 55 kannst‘ vorbei sein. Vier Jahre also noch. Oder aber erschd mit 70. Wer wahs denn? Und nu no‘ahmol investiern fia die nei‘en Farbm. A eigne Färberei muss sein. Erschd wars eehne Tuchfabrike, nu seins ihrer dreie. Und is immer no’nee gnung! Wer steht, va’geht. Wie der Köhler heute Mittag. Und dabei hätte der Älteste jetze bahle sollt einsteigng dorte. Nu steht der ohne alles da. Hat sich was mit’n Studier‘n da oben ei‘m Reiche. Obar der HOAT wenigstens studiert. Zielstrebig isser ja. Wenn ich’s doch nur oach kennte soang, von meim Poldi.“

Er wandte sich dem Photo vollends zu: „Hoastenn Stammhalter und hoast doch ke‘nn! Schlingel du! Patzi verdammta!“ Letzteres war auf den Jungen auf dem Bild gemünzt, der da neben zwei Mädchengesichtern – ach, was sag ich – wahren Feenerscheinungen griente.

Die Prinzessinnen auf dem Photo mochten 17 oder 18 sein. Der „Bursch“ war 21 und in Uniform.

„Hättma diech og nee so verzogng! Erschdgeborna du! Ob du ehmol reif wischd sein? Obiechs no‘ waar arlaabm?“

Es war ihm nur zugut bewusst, dass sein Erstgeborener allen Geschäftssinn und alle Eignung zur späteren Firmenleitung -bisher- vermissen ließ.

Er stellte das Bild wieder zwischen die Teile der marmorierten Schreibtischgarnitur.

„Und ihr zweehe?“richtete er nun seinen Monolog an die Mädchen, „wen werd ihr mir o’breng? Was wird-do sein? Na! Ahle Jungfern wird’der nee. Bei dem Aussehen!“

Nun lächelte er vaterstolz, denn es war unübersehbar, wie attraktiv die beiden da auf dem Bild mit Aufblühen beschäftigt waren – und beide hatten SEINE Augen! Dunkle tiefe Seen unter tiefschwarzen Augenbrauen: Rassig!

Er sah nun aus dem Fenster auf die Fliederknospen im Garten und die noch spärlichen, weißen Blüten des Apfelbaumes:

„Es lenzt.“ Wieder sah er zum Photo, aber eher auf die Mädchengesichter, dann wieder auf die Blüten draußen. Müde deklamierte er: „Hurra-hurra. Der Lenz is‘ da … mir fahrn halt mit dem Dampfer da.“

Er erhob sich, dehnte sich gähnend und ging zum herrlich verzierten, eichenen Aktenschrank. Dort holte er hinter einem dicken Aktenordner die Cognac-Flasche hervor, griff sich eins von zwei Gläsern dahinter, schenkte sich einen „Schlummertrunk“ im Stehen ein, stürzte ihn an Ort und Stelle hinunter und ging zu Bett.

  1. Dampferfahrt mit Folgen

Der alte Stricker gewährte seiner Familie nach langem Darben eine Dampferfahrt, wie sie die Töchter mochten: Frühzeitig per Kutsche zum Bahnhof. Dann per Bahn Reichenberg – Dresden. Schaufensterln und Kaffeehausbesuch am Brühl. Schließlich Dampferfahrt mit Buttercreme-Torte bis Bad Schandau und zurück,  – und wieder heim wie hergekommen.

Sie hatten das vor Jahren so erprobt und beibehalten. Leopold, der Stammhalter, hatte Kasernendienst. Er fehlte.

Während die kleine Gesellschaft an Deck des weißen Dampfers saß und in die Tortenstücke einhieb, schaute sich der alte Stricker wie unbeteiligt um – und meinte prompt da an der Rehling zwei junge Herren zu erkennen. Der eine mit Gymnasiastenmütze noch Schüler, aber ersichtlich kurz vor Ende, war unverkennbar Rudolf Köhler. Der andere wirkte seltsam alt für seine 26 oder 27 Jahre. Eventuell machte das der dunkelblonde Henri Quarte, den er trug, wie der alte Stricker in schwarz. Oder aber dieses gemessene Benehmen.

„Kommt rüber wie ein Baron. Is aber der studierte Köhler“, murmelte Stricker wie so oft vor sich hin.

Da war er aber auch schon aufgestanden, seinen „Weibern“ bedeutend, sitzenzubleiben – und an die beiden Herren herangetreten:

„Holla der Köhlernachwuchs.“

Die beiden wendeten sich um, erkannten ihn und der Blick des älteren verdunkelte sich abrupt.

Strickers Ruf war nicht der beste im konservativen Mittelstand der Region. Er war als der Hanftlmacher verschrien. Wegen dem hängten sich reihenweise die Textilfabrikanten auf, weil er alles niederkonkurrierte. Nun: Vater Köhler hatte sich immerhin erschossen, als nichts mehr ging.

„Gott grüß Sie, Herr Stricker.“

„Gleichfalls…. Des Gleichen.“ Der Alte suchte nach einer passenden Eröffnung, fischte dann sein Zigarrenetui aus dem Sakko und bot erstmal dem älteren eine an. Dieser lehnte ab.

„Nun: Mein Beileid. Aufrichtig. Ihnen beiden“, murmelte Stricker im Wegstecken des Etuis.

„Danke.“

„Sie sind auf der Heimfahrt, den Nachlass zu regeln?“

„Hm.“ Köhler, der ältere wollte nicht so recht sich ins Gespräch ziehen lassen. Nicht mit DEM!

„Viel zu regeln is‘ ja nich‘.“ verriet Rudolf, der jüngere von beiden – und erntete einen strafenden Blick seines Bruders.

Schließlich gab sich dieser aber einen Ruck:

„Was soll’s. Zu verbergen is’es ja nich’mehr. Das Haus Köhler& Söhne is‘ bankrott. Bapah hat in seinem Abschiedsbrief verlauten lassen, das Erbe auszuschlagen, da eh alles unter den Hammer käme. So aber könne ich schuldenfrei bei Null anfangen. Ich muss nun alle die treuen Seelen entlassen, mit denen ich und mein Bruder aufgewachsen sind. Sie werden die Todesumstände meines Vaters besser kennen als ich. Sie waren näher dran. Der Dorfklatsch funktioniert. Falls es sie verwundert, uns hier anzutreffen, statt Express nach Haus zu meiner Schwester zu eilen: Diese Spritztour ist der zusammengekürzte Rest eines großen Planes. Ursprünglich wollte ich nach der Diplomverteidigung eine große Deutschlandwanderung unternehmen. Die Ereignisse zwingen mich nun, mit 2 Stunden Dampferfahrt zufrieden zu sein. Das Tal der Entsagungen wird finster und lang genug werden. Zufrieden?“

„Heu-heu-heu. Nicht so dolle mit die jungen Pferde. Wieso sollte ich zufrieden sein?“

„Kennen Sie ihren Ruf nicht unter den Fabrikanten?“

„Autsch.“ ließ sich Rudolf vernehmen und machte eine saure Miene.

„Nun ja. Wo Erfolg ist, kommt der Neid vo‘ ganz dorleehne.“ Er macht eine Pause, als ob er überlegen muss, das Folgende zu sagen; „Ich woar halt immer a bissel schneller als der Rest vom Schützenfest. Wenn ihr oandern schnarchd und adlig tutt, wie die Barons, die an‘n Fortschritt neh nötig ham, kannich nee dafier! Nüschd fia ungut.“ Der alte Stricker schnippte seinen Zigarrenstummel in die Elbe, drehte sich dann seinen „Weibern“ zu und lud die beiden Herren an den Tisch.

Eine Vorstellung war nicht nötig, oberflächlich kannte man sich von Kindesbeinen an.

Frau Stricker lobte das Aussehen des älteren Köhler-Sohnes:

„Ja so a fescher Herr! Den klenn Guntram vo‘ ehedem kommor da nimmi dorkenn‘.“

„Ja, das Alter schlägt zu.“ lächelte Köhler 1 nun doch in Anwesenheit der jungen Damen.

„Wie alt ist denn der „alte Mann“?“ begehrte die vorlaute Ingeborg zu wissen.

„27 Lenze gnädig’s Fräulein.“

„Jesus! Kurz vor Pension also!“ scherzte sie weiter, verbarg aber ihre Röte und ihr Kichern „süüß“ hinter ihrem neuen Fächer.

Die ruhigere Martha legte ihm die Hand auf den Unterarm:

„Mein Beileid. Sie stehen nun ganz allein in der Welt?“

Ingeborg errötete gleich noch einmal, denn daran hatte sie nun nicht gedacht. Peinlich.

„Ich auch. Also auch von mir mein Beileid. Wollt‘ ich soang.“, versuchte sie den Fauxpas auszugleichen.

„Jetz‘ wird ihr Herr Vater ja in ungeweihte Erde müssen.“, berührte Frau Stricker prompt einen wunden Punkt, für den sie gleich einen Fußtritt ihres Mannes unterm Tisch erhielt und einen bösen Augenwink, das Thema janicht zu vertiefen.

„Pardon. Das is‘ mir so rausg’rutscht. Ich hab woll’n Ihnen nich zu nahe treten.“

„Keine Ursache Frau Stricker. Das Thema wird ebenfalls das ganze Nest beschäftigen.“

„Nehmen Sie das etwa in kauf?“ staunte sie nun doch weiter.

„Viel kann ich da nicht machen. Den Herrn Pfarrer bitten, ob er ein Einsehen hat. Vielleicht wirkt ja doch no a bissl der alte gute Ruf, von vor den Schulden. Dann kömmor den Bapah ins Familiengrab tun.“, klärte Guntram Köhler die wissbegierige Alte auf.

„Wenn’s dor Laurenzie-Kirch e buntes Fenster spendiern, hätt‘ der Hergott spontan a Einsehen.“ schaltete sich der alte Stricker ins Gespräch.

„Otto! Tu dich og ne versündchen!“, strafte ihn sein Ehegespenst.

„Auch schon durchgegrübelt. Macht 200 Taler. Die fehlen dann wieder für Kränz‘ und Leichenschmaus.“, nuschelte Guntram in seinen Bart; egal ob das sein Umfeld nun vernahm oder nicht.

„Kindorsch! Themawechsel! Wolltor no awos trinken? Es is‘ Wochenende.“, riss Stricker das Ruder herum.

Das Gespräch drehte sich dann unverbindlich um alles Mögliche. Um das Annerl, die Schwester der beiden Brüder, die mit ihren 20 Jahren tapfer mit Bertha und Seff daheim inzwischen die Stellung hielt Sie war es, die entschieden hatte, dass Rudolf dem Telegramm hinterhergeschickt worden war, den großen Bruder heimzuholen, der nun Herr im untergehenden Hause sein sollte. Auch Guntrams frisches Diplom summa cum laude spielte eine nicht ganz unwichtige Rolle. Diplom-Ingenieur für Wirk- und Färbetechnik. Erfahrungen im Umgang mit den neuen künstlichen Farbstoffen. Die es seit gut 30 Jahren gab, die aber jetzt erst in den Textilfabriken Nordböhmens für Aufruhr sorgten.

Beim Verabschieden an der Anlegestelle in Dresden gab man sich die Hand.

Als Guntram dem alten Stricker die seine gab, fühlte er einen kleingefalteten Zettel im Handteller.

Verwundert sah er Herrn Stricker ins Gesicht. Dieser zwinkerte:

„Wegpacken. Für’s Fenster.“

Und laut in die Runde ließ er sich vernehmen: „Also dann bis Sonntag. Halten Sie mich auf dem Laufenden über ihre Geschicke. Wenn Sie ein Betätigungsfeld suchen. Ich hätte da so die eine oder andere Textilbude, die einen Oberhäuptling kennte vertroang!“

Frau Stricker rieb beiden Köhler-Buben tröstend den Oberarm: „Doar Mensch denkt. Gott lenkt. Moar wess halde nee, wozu’s no‘ wird gutsein.“

Ingeborg knixte kichernd und Rudolf grinste draufgängerisch zurück.

Martha gab schüchterner die Hand:

„Hearns og of unsen Voatern. Wenn ich Sie wär‘, tät ich die Hand nehm, die mir will helfm.“

Dann waren Guntram und Rudolf wieder allein. Guntram entfaltete den Zettel.

Ein 200 Taler Scheck.

Er zeigte ihn Rudolf. „Hättest du das von einem wie Stricker gedacht?“

Verständnislos schaute der zwischen Bruder und Schriftstück auf und ab.

Hier tat Aufklärung Not. Deshalb sprach Guntram: „200 Taler. Kostenvoranschlag für ein bleiverglastest Buntfenster. Kapierst?“

Rudolfs Miene hellte auf:

„Dann muss dor Bapah nee ei ungeweihte Erde?!“

„Wermer seh’n.“

  1. Interludium

Am darauffolgenden Mittwoch erfuhr die staunende Stadt, dass der Fabrikant Köhler überraschend einem Schlagfluss erlegen sei. So stand es schwarz auf weiß nun in der Parte der Reichenberger Zeitung. Die Beisetzung sollte am Samstag in aller Stille in der „Köhlergruft“ erfolgen. Eine Woche später weihte die barocke St.Laurenz-Kirche im Ort das Köhlerfenster an der Nordseite.

Der alte Seff war seinem „Prinzipal“ hinterher gestorben. Er wusste nicht wohin. Auch er wurde in aller Stille beigesetzt. Gottlob hatte er bescheidene Ersparnisse für Sarg und Totenmesse. Hinter seinem Wagen aber gingen die drei Köhler- Kinder, die einst alle drei auf seinem Schoß die ersten Abenteuergeschichten erzählt bekamen und die treue alte Bertha.

  1. Der alte Stricker und der junge Köhler

Jener Mittwoch ging jedoch aus ganz anderem Grund in die Annalen des kleinen Ortes ein. Da geschah im „Hinterzimmer“ beim alten Stricker etwas, woran sich die Klatschmäuler der Marktweiber und Stammtischveteranen noch tagelang abarbeiteten.  Drei Tage nach jener Dampferfahrt kam es zu einem denkwürdigen Auftritt von Köhler 1 im Herrenzimmer der Stricker-Villa.

Er sprach außerplanmäßig vor, denn die Einladung hatte ja erst für Sonntag gegolten.

„Ja was moagar nur woll’n?“ staunte Otto Stricker, als ihm der Besuch gemeldet wurde. „Geld vermutlich. Hoatt woll nichmal’s Nötige fürn Stein.“

Die Sorge erwieß sich jedoch als unbegründet – denn das Gespräch nahm eine völlig andere Richtung. Und Schuld daran war überwiegend Otto Stricker selber.

Köhler Junior, gepflegte Erscheinung wie auf dem Dampfer neulich, betrat den Raum mit einem Blick, der das ganze Gegenteil vom letzten Sonntag war. Offen und strahlend.

„Es trieb mich einfach her, Dank zu sagen. Ich weiß, dass noch nicht Sonntag ist.“

„Ja, sooooo!“, lachte im Stricker entgegen. „Lassens miech og raten! Sie haben den Herrgott rumgekriegt?“

„Ja. Nicht unbedingt den Herrgott. Aber seinen Großwesir ei St. Laurenzie. Er meint, er könne sich vorstell’n, dass für so a Wunder, wie’ra neu’s Fenster, demnächst der Herrgott a Einsehen wird haben – und’n Bapah kennt‘s Schluss machen vergeben.“, fällt Köhler mit der Tür ins Haus.

„Dacht’ ich‘s doch!“ Der alte Köhler trat zum Aktenschrank und entblößte die Cognac-Flasche vom Aktenordner. „Setzens Ihrer hie, dohier. Wunder soll’mer feiern.“

Als beide ihren Schwenker in der Hand sanft pendeln ließen, setzte er fort:

„Wo’s scho ahmol da sein. Iss sogar besser hier ohne die Frauens. Redmer ämal geschäftlich. Hams scho wohs ei Aussicht? Nimmt sie scho‘ jemand?“

„Ich hatte noch keine Zeit.“

„Ham’s über mei Angebot geschlafm? Ich tät Sie sofort einstelln. Ich muss eh ahne richtche Farbarei gründen. Jetze mitti nejchen Far‘m aus’m Reiche. Das hoaltmor nimmi auf.“

„Ja. Das klingt verlockend für einen, der aus’m letztn Loch pfeift. Ansprüche koann ich kane stelln. Aber froang müsst ich, wie … welches Salär hätten Se mir da zugedacht?“

„Sie müssen noch für’n Rudolf sorng und für die Anni.“, ergänze der alte Stricker.

Guntram nickte.

Stricker lehnte sich zurück. Ein Schlückchen Cognac. Ein Grinsen. Dann die süffisante Antwort:

„Also ich dachte da an – nichts.“

Köhler Junior guckte nun wieder wie auf dem Dampfer: Das war der Stricker wie im Volksmund: Geizig und fies.

Stricker genoss die Verwirrung im Gesicht seines Gegenübers und setzte fort:

„Vorerst! Ich dachte so: Sie hoam a Diplom, oaber keene Berufspraxis. Noch nich‘! Aber Sie hoam da Kenntnisse, die hoad sonnst koaner dahier! Zwee Joahr‘ Probezeit füra Toaschngeld. S Schulgeld fürn Rudolf nemmich ah auf miech. Dann – nach die zwee Joahr‘ – Gompanjong; und am besten wär‘: Sie suchen sich eehne meiner Madeln aus. Hochzeit oaber ebenfalls nur im Erfolgsfall – in zwee Jahrn!“, schob er schnell noch nach; selber überrascht von seinem Spontaneinfall.

Guntram goss fast den Branntwein auf den Teppich, so überfahr‘n saß er in seinem Besuchersessel.

Aber es kam noch besser:

„Sie schlagen das Köhler-Erbe aus?“ forschte Stricker weiter.

Guntram nickte.

„Dann is auch ihre Villa weg?“, konstatierte Stricker mit hocherhobenem Kopf.

„Ich überblicke noch nicht das gesamte Ausmaß, jedoch, egal ob ICH selber verkaufe oder pfänden lassen muss. Ich muss eh alles in Gläubigerhände ge’m. Weg is‘ eh oalls.“

Mit der freien Hand fuhr er sich übers Gesicht um den Alp zu verscheuchen.

Stricker zog den letzten Trumpf:

„Wenn se dorheme rausmüssen, das wird ja noch eh Weilchen dauern – ziehen se hier ei.“ Er zeigte zur Zimmerdecke. „Dor erschde Stock is leer. Sie, die Anni und der Rudolf ziehen droben inde erschdn 3 Zimmer. Ich war jung und blöde, als’ch mor den Kasten dahier hoab andrehn lassen. Viel zu groß bisher. Oabor mor weeß ehm nie, wozu’s mal werd guttsein. Wie mor nu sidd. Wemmor am Sonntage wern dor Muddi de Vorlobung bekanntge‘m, simmor Familie. Ihnen sparts de Miete und mir Lohn in ihrer Probezeit.“

Das räumte alle Existenzsorgen mit einem Schlag aus dem Weg. Um den Preis des Frontwechsels im Gerede der Stadt. „Hanftlmachers“ Schwiegersohn.

„Ich – als dor Schwiegersohn vom Stricker?!“ musste er sich selber erstmal klarwerden.

Stricker grinste immernoch und zuckte mit den Schultern.

„Se könn‘ auch ablehn‘. Und irgendwo im Reiche ei Stellung gehen. Vo miiiir aus!“

„Äh. Nö. Nein-nein. Aber. Das kommt so plötzlich … Sie ham doch einen Sohn. Wenn sie den dasselbe studieren lassen, wie ichs hab, dann bräuchten Sie mich ja gar nicht?“

Stricker schoss nach vorn und beugte sich weit über die Schreibtischplatte:

„Hearns amol zu! Der Poldi is nicht wie Sie. Der is a Hallodri. A Schöngeist. Selbst wenn ich n ließe studiern – dauertes bis noa St.Nimmerlein. Ergebnis ungewiss. Binich amol hinüber, dann valudert er die Firma schnölla als seh wuchs. Er braucht enn bedächtigen Freund an der Seite, der’n tutt bremsen und lenken. SIE! – wernn doar richdche!“ Sein Zeigefinger zielte auf Guntrams Nase.

Er lehnte sich wieder zurück: „Nehmse nu an?“

„Ja doch. Ja.“

„Ha! Ich wusstes!“, Stricker klatschte in die Hände und drehte dann das Kinderbild auf dem Schreibtisch um, so dass Köhler alle dreie sah.

„Willkommen indor Familie, Jung‘! Welche nimmste?“

„Martha.“ Guntram erschrak. Hatte er das wirklich so ohne zu Überlegen gerade gesagt?

„Gute Entscheidung. Gleich zu Gleich. Der Bedächtige wählt die Bedächtige.“ Stricker haute die flache Hand auf die Klingel. Anton, das Hausfaktotum, erschien.

„Holokke die Martha her. Es eilt!“

In Guntrams Kopf griff nun Chaos Platz: Wie? Jetz‘? Sofort? Wie soll das gehen? Was soll er jetzt sagen? Heiratsantrag aus dem Nichts? Kruz=i=Türken! In was war er da hineingeraten? Der alte Stricker ließ wirklich nichts anbrennen! Was verband ihn bisher mit Martha? Was hatte er am Sonntag mit ihr gesprochen? Wo anknüpfen? Da ging die Tür schon auf und Martha erschien.

  1. Martha

Strahlend schön. Gerade 18 geworden. Kurz vor der Matura im Lyceum in Reichenberg. Die Frisur nicht aufgedonnert wie am Sonntag. Sondern zwei alltagstaugliche, dicke blonde Affenschaukeln vor den Ohren im Kontrast mit diesen tiefschwarzen Zigeuneraugen. Zwei Seen, so tiiiief, um darin zu versinken…

„Was willst‘n Voater? Oh, Herr Köhler! Herr Vater haben mich rufen lassen?“, korrigierte sie sich sofort; einen Knix andeutend.

„Kind! Der Herr Köhler ist gekommen, um uns – äh dir eine Mitteilung zu machen. Eine Wichtige. Also. Ich lass euch jetzt allein und Kind – was du nun erfährst: Denk dran: Dein Vater will es!“

Verwirrung machte sich nun auch auf ihrem Gesicht breit. Da Köhler bei ihrem Erscheinen aufgesprungen war, standen beide nun etwas verloren in dem großen Raum einander gegenüber.

Kaum war der alte Stricker aus dem Zimmer, zuckte es in Köhlers linkem Bein als wollte er niederknien; er besann sich aber auf halbem Wege und richtete sich wieder straff auf.

„Fräulein Stricker. Ich eh… oach … wie sag ich das jetzt. … ich bin gekommen … um zu … um zu…Fräulein Stricker! Ich bin schlecht in Romantik. Ich darfs nicht verderben. Ich kam zu ihrem Herrn Vater und … und dann …. Um zu erfahren, dass wir beide heiraten sollten. … nein vergessen Sie das. Anders! Ich bin entschlossen … ach verdammt.“

Ihre Verwirrung war erst in Erröten, dann in Schmunzeln, schließlich in Lachen übergegangen.

Sie fand als erste zu klaren Sätzen: „Das ist eigentlich eine Ingeborg-Szene. Soll ich sie rufen lassen? Das is‘so albern! Wir SOLLEN heiraten? Allerliebst.“ Und dann ganz schnippisch: „Wie war nochmal der Vorname – mein Gemahl?“ Er stand mit puterrotem Kopf völlig bedeppert vor ihr. Nun schüttete sie sich förmlich aus vor Lachen und warf sich in den bisher unbenutzten zweiten Besuchersessel vor dem Schreibtisch.

Er nahms als Zeichen, sich ebenfalls zu setzen. Er drehte seinen Sessel aber auf sie zu.

Er begann von neuem:

„Lassen Sie mich erklären. Die Situation ist wirklich kurios. Ich gebe aber zu, dass mir sehr recht wär‘, wenn-“

„Sie brauchen sich nicht zu quälen, lieber Herr Köhler. Der Voader braucht an Färber, der diese neuchen Verfahren kennt. Und nu hatter Sie ei’fang wolln“, ihr Lächeln erstarb, weil nun auch bei ihr der Groschen erst so richtig fiel, „und iiich bindoar Köder?! Hab ich recht?“

„Ja. Nein. Das heißt. Ich wollte ja selbst…“

„Sie nehmen ihn in Schutz? Was wissen Sie von mir? Genausoviel wie ich über Sie. Den Namen und den Wohnort.“

„Ja. Aber ist das nicht sowas wie eine vergleichbare Basis?“, nun kehrte auch das Lächeln auf sein Gesicht zurück. „Ausbaufähig sozusagen?! Ihr Herr Vater wünscht zwei Jahre Verlöbnis. Das heißt: Spielraum haben.“

Sie ging darauf ein: „Nun ja. >>Mein Vater will es!<< Bauen wir’s aus? Sie können mich leiden? Glauben Sie?“

„Durchaus. Die wenigen Sätze vom Sonntag zeigten mir eine junge Frau mit Herz und Verstand.“

„Nun das beruht auf Gegenseitigkeit. Für mich waren sie ein selbstbeherrschter, liebenswürdiger >>alter<< Mann, an den man sich würde gewöhnen können.“

Er nahm den Ball an: „Knapp vor der Pension. Jaja, ich erinnere mich. Wenn man von so einigen Jährchen absieht, die ich noch für Ihren Herrn Papa werde arbeiten müssen… ä …dürfen. Sie bringen gern die Ingeborg ins Spiel?“

Das Eis war gebrochen. Die Worte flogen nun hin und her. Die Verwirrung in beider Augen ward restlos entschwunden. Dann ertönte aus dem Esszimmer der Gong zum Abendbrot.

„Nun, Herr Geschäftspartner“, beendete sie schalkhaft dieses erste mentale Abtasten. „Ich merke, unsere Sozietät offenbart Optionen der Akkumulation.“ Sie stand auf und reichte ihm die Hand zum Kuss.

Er nahm sie im Aufspringen, küsste aber nicht die Hand, sondern zog das ganze Mädchen an sich.

„Ich schließe mich meiner Vorrednerin vollumfänglich an. Unterschrift. Datum. Blabla. PS: Kuss! Express!“

So fanden sich ihre Lippen zum ersten Mal.

„Martha.“ flüsterte er ihr ins Ohr.

„Wie war doch gleich der werte Name?“ kicherte sie zurück.

1902 wurde geheiratet.

1963 wurde ich dreijährig an das Bett einer weißhaarigen, todkranken Frau geführt. Weit weg von zuhause am Rande von Berlin. Ich sollte ihr einen Kuss geben, aber ich kannte sie ja gar nicht. Mutti erklärte mir, dass das ihre Oma, also mein „Urahnel“, sei. Da überwand ich mich. Ich hatte also eine Uroma; wenn auch nur noch für diesen Moment.

Es war Martha. (Alle Namen sind selbstverständlich geändert.)

Uns’rer Geschichte erster Teil, der endet hier allmählich.

Und wenn es nicht genauso war, dann war es doch so ähnlich.

Victoria regis

Stehen zwei Typen mit ihren Fahrrädern unter der Saalebrücke, über die gerade ein Güterzug ächzt: Du-dumm, du-dumm-du-dumm… ringsherum geht die Welt unter. Wolkenbruch tränkt die Weinberge am andern Ufer drüben, Donner und Blitz! Monsun. Wie das eben so ist, wenn die Wolkenwand sich mit aller Kraft über die Saale schieben will.

NovalisBeide erinnert das Gepolter des elendlangen Zuges an „City-Nord“, da sie Plattenjunkies sind und das gleichnamige Instrumental von Novalis kennen. Die betreffende LP war dem einen von beiden gerade zuvor ins Netz gegangen. Für hundertzwanzig Mark. Auf Tipp des anderen, der gerade nicht liquide war. Mauerzeit. Aber ein Gespräch kommt nicht in Gang. „Manchmal fällt der Regen eben lang, hab keine Angst, hab keine Bang, bleibe nur du Sonnengeschöpf, bis sie erscheint, dich zu erfreun…“, war auch drauf…

…und deshalb malte sich der eine von den beiden ein Mädchengesicht in den Himmel, den beide gerade prüften, ob es nicht bald wieder heller würde.

Dieses Mädchengesicht erschien ihm manchmal, denn da war so was wie eine Schuld, die an ihm nagte. Sie war die verständnisvollste, netteste, die er je getroffen hatte. Da war irgendwie ein Gleichklang der Seelen gewesen. Es matchte; würden die Sprachpanscher von heute sagen. Dummerweise waren beide 15 und dass da was war, bekamen auch andere mit. Die Sticheleien kamen prompt, denn sie war – nun: – nicht die Attraktivste.

Da hätte er sich grade machen müssen!

Ein Schlag in so eine Lästerfresse zur richtigen Zeit wäre richtig gewesen!

Aber er war kein Held. Er kniff.

Zwei Königskinder kamen nicht zusammen. Man kennt das. Das Wasser war IHM zu tief.

Nun war er 22, stand mit seinem Kumpel unter der Brücke – und dachte an sie, wie so oft später auch.

Und 40 Jahre später, im Jahre 2022 flatterte ihm nun sein 18ter Heyse ins Haus. „Victoria regis“. Bestehend aus 6 Novellen. Und in der ersten gewitterts in den Weinbergen und eine große tiefgründige Liebe kommt nicht in Gang. Und in der zweiten beichtet ein glücklich verheirateter Erfolgsmensch, den alle Welt um seine schöne Frau beneidet, dass „dies Haus hier eigentlich für eine ganz andere gedacht war“, die jedoch wusste, dass es die Natur rein äußerlich nicht gut mit ihr gemeint hatte – und die ihm knallhart realistisch vor Augen führte:

Was wird sein, wenn die erste Begeisterung verflogen ist, wie das in langen Beziehungen nun einmal geschieht? Wenn dich unsere Gespräche nicht mehr fesseln? Wenn dir mein Äußeres bewusst – und zur Last wird? Dann würde unsere Ehe zur Qual für uns beide. Lass uns diesen Fehler nicht leben!

Ja, Volltreffer. Zwei Novellen. Zwei Ohrfeigen.

Und das geht so weiter.

In Novelle drei: Die verstoßene Patentante führt ihrem Patenkind vor Augen, dass man kämpfen muss: Sein Lebensglück bekommt man nicht geschenkt. Im Kampf gibt es Verluste: Das familiäre Ansehen, das Erbe – aber es lohnt: Werde Du selbst!

In Novelle vier: Deine Liebe stammt aus dem No-go-Revier! Hältst du das aus, dich zu ihr zu bekennen? Blamiert dich ihr Bekanntenkreis? Oder bedroht der dich gar? Bist du bereit zum Wechsel in eine andere gesellschaftliche Sphäre? Oder gehst du dann doch lieber „in die Kolonien“?

Novelle 5, ein positiver Aufrappler im ansonsten schwer dramatischen Geschehen des Bandes: SO ist Kleinstadt! Wie man tickt, wie man von verblichenen Phasen der Stadtgeschichte zehrt: Ex-Residenz eines Grafen, Fast-Messe-Stadt, fast Metropole, gegenüber den Dörfern ringsum IMMERNOCH! Wie man „Kultur“ pflegt. Wie man sie feiert. Auch wenn es sich eigentlich nur um plump-sentimentale Clownerie handelt. Wie Prominenz in der Provinz entsteht… 1905 geschrieben vom Heyse… aber 2019 immernoch-so erlebt. Von mir. Ich hab ALLE wiedererkannt, die da auftauchen!

Novelle 6: Der kleine feine – sehr feine – Schlussakkord unter dieses Bündel großer Schicksale: Heyse gibt das Lebensgeheimnis seiner Lieblingstante preis; wunderschön erzählt. Es rangt sich um ein seltsames Schmuckstück, das sie besaß und ihm vererbte.

Ja, an solchen Klunkern von einst hängen bisweilen filmreife Episoden des Leidensweges längst dahingegangener Ahnen.

Nach den letzten Seiten des Buches, zog ich die Schublade auf, holte die Brosche meiner Uroma heraus, die eingenäht in Mantelsaum 1945 alle Tschechen-Plünderungen überstanden hatte; und die auch danach -stets bewahrt- nicht zu Brot getauscht wurde.

Ich drehte sie in den Fingern, sah das verlorene Patrizier-Palais waydown south hinter den Bergen und das ärmliche Färberhaus von Frohburg – und im Player lief:

Manchmal fällt der Regen eben lang…

Paul Heyse „Victoria regis- und andere Novellen“ (Cotta 1905). Perfekt konzipiertes Alterswerk!

(enthalten sind: Victoria regis – Lucile – Tante Lene – die Ärztin – der Hausgeist – der Ring)

Wolzogen

Na? Schon im Kino gewesen? „Downton Abbey“ der Kinofilm Nr.2?! Soll vorwiegend in Südfrankreich spielen, wegen Erbe und so.

„Downton Abbey“ ist eine erfolgreiche – ä – DIE erfolgreichste TV-Serie in Great Britain. Mick Jagger soll Stones-Probe-Termine nach Fernsehprogramm gelegt haben: „Da geht’s nicht. Da läuft „Downton Abbey“!“Downton abbey

„Downton Abbey“ ist Historienfernsehen vom (fast) feinsten. Es gibt derzeit nichts Besseres, aber vieles, was weit schlechter gerät.

Zwar ist ein bissel viel Frauenemanzipation hineingerührt worden; sogar so falsch, dass der Eindruck entstehen könnte, dass diese ausgerechnet im adligen Oberhaus-Klientel ihren Anfang nahm; – das macht meinem Historikerherz in manchen Szenen Pickel, – aber im Großen und Ganzen geht es.

Abenteuer und Ränke im Schloss – Bediente und Bedienstete, Ladies and Lords – relativ realistisch verwoben. Gute alte Zeit – mit bösen Widerhaken.

Und da hockst du so vor dem Fernseher, wenn die DVDs laufen und fragst dich: Warum ist der Deutsche Film zu sowas nicht in der Lage?

In den letzten Wochen fing ich wieder erfolgreich einiges antiquarisches Kulturgut ein, um mein Idyll zu polstern. Vieles davon schreit nach Verfilmung. Vergeblich.

Je beschissener sich dieses 21. Jahrhundert entwickelt, umso mehr Gründe zum Granteln und zum Kotzen finden sich. Aber das ist schade um die Lebenszeit. Und nützt eh nix. (Wenn man’s nur durchhielte. Das beredte Schweigen.)

Ich bin auf der Flucht. Vor den Medien. Weltflucht. „Nicht mehr mit 60, Honey!“

Ein großes Glas Hopfenblütentee. Ein gutes Buch. Klänge aus der Jugendzeit. Und Gottfried Benns Nihilismus. So geht’s noch.

Und so stieß ich auf ihn:

Ernst von Wolzogen, „Die Tolle Komtess“, Engelhorn 1890.

Also noch ein alter Herr der Literatur der vorletzten Jahrhundertwende.

Es rundet sich mehr und mehr das Bild in mir: Unsere Literaturgeschichte des späten 19. Jahrhunderts ist vielfältiger und reicher als die russische – nur weiß das eben keiner im Lande der „allwissenden“ Ignoranten. Fontane und Mann und aus, jaja.

KrischanErnst von Wolzogen schrieb1889/90 „Die tolle Komtess“ – und siehe: Es ist „Downton Abbey“ auf Deutsch, mit Versatzstücken der „Heiden von Kummerow“, die bekanntlich erst in den Neuzehnhundert-Dreißigern von Ehm Welk geschrieben wurden. Dauerbrenner und Erfolgsfilm für Kindheiten wie meine in den 60ern.

Ein gesamtdeutscher Film mitten im Kalten Krieg der 60er Jahre übrigens: Die Stars von „drüben“, die Kulisse und die Nebendarsteller von „hier“. Gedreht auf- und um Rügen. Mit „Sam Hawkins“-Darsteller Ralf Wolter unvergessen als Krischan Klammbüdel.

Wolzogen beherrscht wie Ehm Welk dieses erzählerische Gleichgewicht zwischen Lachenmachen und Weinen lassen. Es gibt diese wohldosierten Schmunzler, die auch nach 130 Jahren noch funktionieren. Aber das Buch ist kein alberner Schwank.

Wir erleben Geschehnisse in einem Landschloss in der Nähe von Teterow in Mecklenburg mit – und lassen uns die heile Welt der Gutsherrschaft präsentieren.

Graf und Gräfin, zwei mehr oder weniger erwachsene Töchter, der alte Kutscher, der schlitzohrige Gärtner, zwei Pastorentöchter, ein heiratswilliger Inspektor …

Hinzu treten zwei Neueinstellungen: ein bankrottgegangener Adliger, der der neue Oberinspektor wird und eine attraktive neue Hausdame, die den Vorsitz über das Gesinde übernehmen soll.

Die beiden neuen bringen die Probleme mit, in die die anderen hineingezogen werden.

Es entrollt sich ein unterhaltsames Panoptikum. Besonders gelungen sticht die alte Gräfin heraus, zwischen starr pedantischem Protestantentum und reichlich Mutterwitz und Nonchalance im Umgang mit den „ebenbürtigen“ Gegenspielern. Mir geisterten da immerzu Heidi Kabel oder Inge Meysel vor dem inneren Auge herum.

Aber da mischt sich auch anderes in die Mitdenkebene ein: Wie war das nochmal mit der Bodenreform? War da was?

In der 4. Klasse ungefähr; im Fach „Heimatkunde“, welches inzwischen zu „Sachkunde“ mutierte, wurden wir Steppkes eines Tages in die Aula verfrachtet. Boomer-Zeiten. Wir waren 4 Klassen a 32 Schüler im Schnitt, die Aula war also gut gefüllt. Eine hexenhafte Biologielehrerin, die wir in der 4. Klasse noch nicht kannten, die aber später über uns kam, hatte die Oberhoheit über den Filmapparat und eingelegt wurde:

Ein kurzer Unterrichtsfilm von vielleicht einer halben Stunde, der Feldarbeit zu „Zeiten des Junkertums“ zeigte. Bauern sensen in Reih und Glied ein Kornfeld; Bauernmädchen und Knechte errichten Strohpuppen, laden Pferdewagen voll. Ein Inspektor kommt geritten und jagt mit der Reitpeitsche Pause machende Bäuerinnen am Feldrand hoch. Szenenwechsel: Bauern in der Scheune dreschen das Getreide mit Dreschflegeln. Werfen das gedroschene Stroh seitwärts auf einen Haufen. Der Inspektor kontrolliert es und findet eine Ähre. Er zückt sein Notizbuch und notiert die Namen der Dreschenden. Minuspunkt für später.

Sicherlich richtig und nur wenig übertrieben. Derartige Szenen der vorsintflutlichen Landarbeit kommen im Buch nicht vor. Aber auch „Downton Abbey“ verrät nicht, woher der Lord sein Geld hat.

Trotzdem bleibt hier wie dort Soziales nicht ausgespart.

Auch Wolzogens Roman hat – bei aller Lust am Idyll – diese zweite Schiene. Die Bediensteten bleiben zwar Staffage. Jedoch kommt Elend, Prostitution, Kriminalität, Kulturgefälle bei Mesalliancen am Beispiel des Lebensweges jener neuen Hofdame facettenreich zur Sprache. Megan Markle, ick hör dir trapsen! Rate, wer im Buch Prinz Harry ist!

Thema wird auch das heraufziehende Ungemach für diese ostelbisch rückwärtsgewandte Lebensweise. Der neue Oberinspektor bringt amerikanische Erfahrungen mit und rät zur „Moorkultur“, um mehr Nutzfläche zu bewirtschaften. Das erzwingt „neumodische“ Investitionen, für die der Mecki nunmal nicht gemacht ist; es wird gemault, misstraut, geneidet.

Die winterlichen Wochen in der Residenz bei Hofe werden gefürchtet, weil wegen strenger Kleiderordnung sehr kostspielig, aber als Heiratsmarkt auch unverzichtbar, um die Töchter zu präsentieren.

Usw.

Den Plot an sich mag mancher heute in die Nähe von Courths-Mahler-Romanen rücken, weil das Idyll an sich zwar wankt, aber obsiegt. Jedoch ist das nicht alles:

Interessant wird das Buch aus heutiger Sicht wegen allerlei Assoziationsmöglichkeiten, von denen die Parallele zum Fernseherlebnis „Downton Abbey“ nur eine ist.

Die „tolle Komtess“ ist die ältere Grafentochter. Gut gebaut, aber mit hässlichem Gesicht gestraft, wie unverblümt kundgetan wird. Wir sind im Noaden, da „vatellt man keine Opern“!

TristanSo, wie sie anfangs auftritt und reitet, wäre „Mannweib“ bis vor kurzem wohl der richtige Begriff gewesen. Inzwischen kommt dir automatisch der Gedanke ein: Gendert Wolzogen hier 1890 bereits?! Sie ist Vaters „Sohn-Ersatz“. Sie packt zu wie ein Kerl! Zu Beginn des Buches hat sie einen Auftritt, der mich schlagartig an Tristan Farnons unorthodoxe Bullenbehandlung denken ließ. („Der Doktor und das liebe Vieh“; schon wieder England!) In den 20ern hätte sie bereits Hosen tragen können. Hier im Roman plagt sie sich noch mit der Reitkleid-Schleppe und Damensattel, der ihr bei durchgehendem Pferd sogar beinahe zum Verhängnis wird.

Wolzogen erschafft hier eine unattraktive Hauptfigur, für die als bald das Herz des Lesers schlägt.

Wie er das anstellt? Probiert’s aus:

Das Buch ist über ZVAB oder Booklooker preiswert erhältlich.

MEIN Highlight ist die Episode, in der die Zusammensetzung der gutsherrschaftlichen Hausbibliothek eine Rolle spielt.

wolzogen

Und das beste daran ist: Ich kenne die alle und mag ihre Werke. Bis auf Fritz Reuter. Bisher.

Die hatten tolle Autoren damals; die vernünftige Inhalte interessant erzählten. Genützt hat es nichts.

Nassforsche Dusslichkeit triumphierte, allzeit in der Überzahl:

Endkampf nich‘ wahr! Unumgänglich, nich‘ wahr?! Sie versteh’n?! Kolossale Planung! Kolossal! Positiv kein Risiko! Totalement! Auf deutsche Generäle ist Verlass! (Monokel reinschieb.) Glotz.

Klingt heute erschreckend ähnlich, wenn all die ungedienten Couch-Potatoes online täglich den Ukrainekrieg gewinnen.

Wolzogen wollte, nach eigenem Bekunden auf den letzten Seiten, „kerngesunden … bodenständigen Landadel“ feiern. Heraus kam jedoch ein sehr gut erzähltes Werk, das erkennen lässt, wo der Putz schon bröckelt und das Gebälk vernehmlich ächzt.

Mein zweiter Diestel

Auf den ersten Les klingt die Überschrift nach Legasthenie. Aber gemeint ist nicht die Pflanze, sondern das Buch eines Mannes, der eine einflussreiche Kurzkarriere als Politiker hinter sich hat, bis heute erfolgreicher Anwalt ist – und: (Das ist nun mal die Klatschschlagzeile für alle Ewigkeit) Der 1990 als schönster Politiker gekürt wurde.

Peter- Michael Diestel

diestel22020 rezensierte ich (hier) meinen ersten Diestel-Kauf. Nun also der nächste Streich:

Warum hab ich das Geld ausgegeben: Weil das erste Buch Spaß gemacht hat und reichlich Einblicke offenbarte, die man sonst so nicht erfährt.

Eine Fortsetzung versprach also interessant zu werden.

Nun – inhaltlich ist zunächst (fast) alles beim Alten:

Auch hier kannst du beim Lesen hier und da heftig zustimmen, aber dann gibt es auch wieder jene so seltsamen Diestel-Ansichten, wie z.B. reichlich Lob für Egon Krenz, dass du es am liebsten sofort mit spitzen Fingern in den Müll entsorgen möchtest. Aber dann folgen eben immer Wieder-gut-mach-Episoden, z.B. begründete Schelte für die Zusammensetzung der Berufspolitik heute, so gänzlich intellektbefreit, die dich weiterlesen lassen.

Eine so seltsame Joschka Fischer Karriere war ja mal ganz unterhaltsam, wenn das jedoch zum Massenphänomen wird, dass vorrangig Studienabbrecher und Tagediebe das Sagen haben, nachdem sich dann 82 Mio Leute richten sollen, dann – isses eben so, wie’s grade is‘. Alte Phrasen. Alte Reflexe. Keine Ideen. Nirgends. Das diplomatische Feinbesteck geht zunehmend verloren.

Das nur als Einschub meinerseits. Ich hab mal den PMD zu Ende gedacht.

Diestel ist mit seiner Biografie ein Phänomen. Wer aufwächst wie er, den müsste DIESE Kindheit zerreißen. Dauerdeprimieren. Oder aber eben: Hart machen.

Letzteres trat ein.

Seine Eltern waren konservative junge Leute, als sie heirateten. Dann kam der bisher letzte Weltkrieg. Vater kam in Stalingrad als Wehrmachtsmajor in Gefangenschaft und gehörte zu den Offizieren um Feldmarschall Paulus, die dort in privilegierter Haft das Nationalkomitee Freies Deutschland gründeten, das Hitler kritisierte, sowjetischen Medien selbstkritische Interviews gab und für ein „Neues Deutschland“ mit Wiedergutmachungsverpflichtung nach dem Krieg eintrat. Vom Hitlerwerkzeug zur Stalin-Marionette, zum Fast-Kommunisten. Aber den Hals aus der Schlinge gezogen.

Seine Mutter als junge Frau in Deutschland blieb konservativ und religiös.

Der Mann kam gesund zurück und half (wie Paulus) die NVA zu gründen, wurde Hochschullehrer der Militärakademie der DDR. Und die Mutter bestand auf Tischgebet.

In den Westen gehen konnte das Paar nicht: Die westliche Nachkriegspresse tobte über „Paulus und Konsorten“, die „ehrlosen Russenknechte“. Da war verbranntes Gelände im doppelten Wortsinn. Also richteten sich die Diestels, so gut es eben geht, in der „Zone“, ein.

Es entstanden hier 4 Söhne und eine Scheidung, als PMD ca. 10 Jahre alt war. Er legt sich seltsamerweise da nicht fest.

Die Brüder wuchsen zunächst in Prora, dann in Dresden am unzerbombten Weißen Hirsch auf. Des Vaters wegen mit gutem Kontakt zu russischen Offizierskindern. Nach der Scheidung bekam die Mutter das Sorgerecht über alle Söhne, zog mit ihnen nach Leipzig und begann als Küsterin zu arbeiten, um 5 Köpfe durchzubringen. Pubertät und Remmidemmi. Vier junge Falken in einer „Kirchenwelt“ von gestern. Und nun ohne Russenkontakte. In plötzlich bitterer Armut.

Prägephase: Raus aus der Sackgasse! Dennoch-Trip! Die andern überholen! Aus eigener Kraft!

Erst Sport, dann Cleverness.

Vater gab den Söhnen immerhin mit, dass man in diesem Staat nicht freiwillig Offizier werden sollte. Von einem Parteieintritt sei dringend abzuraten.

Mutter verhinderte das Pionier-und-FDJler-Werden. EOS(Gymnasium) ging somit nicht. Aber Berufsausbildung mit Abitur dann doch. Deshalb: Jura-Studium möglich. Anwalt sein jedoch nicht.

Also wurde er Rechtsberater der Agrar- und Industrie-Vereinigung Delitzsch..

Das zweite Buch hier verrät mehr als das erste über die finanziellen Werdegänge des PMD:

Er jobbte, dass die Schwarte kracht, und schacherte geschickt. Im dritten Studienjahr fuhr er Wartburg. Kurz nach Berufseintritt kaufte er sein erstes Eigenheim für seine erste Ehe.

Er kam also gut voran, was den langen umständlichen Titel des ersten Buches erklärt.

Aber es fuchst ihn, dass die Wertschätzung für seine Wendetätigkeiten fehlt.

Schließlich war er „174 Tage lang der letzte Innenminister der DDR“! Und das wird auf 256 Seiten ca. 130mal erwähnt, was nervt.

„Schau dir an, wer von den Figuren der Bürgerrechtler heute mit Verdienstkreuz herumrennt. Den Einigungsvertrag erschufen de Maiziere, Krause und ich. Keiner von uns hat eins. (…) Wenn sie mich fragen, frage ich, ob Lothar de Maiziere auch gefragt wurde. Wenn der keins kriegt, nehme ich auch keins an.“

Über Lothar de Maiziere lässt er sich sehr realistisch, ehrlich und wertschätzend aus. Die IM-Rufschädigung der Person des letzten Ministerpräsidenten stuft er als Intrige ein. Krauses kuriosen Werdegang beschweigt er lautstark. Das fällt auf. Das muss auffallen, bei einem Schreiber, der sonst so unverblümt -und treffend- austeilt.

Nur soviel: Gauck und die Pastorenriege des Novembers’89 kommen auch wieder vor. Die mag er „sehr“ (Sarkasmus!); wie einmal mehr deutlich wird.

Aber eigentlich geht es im Schwerpunkt des Buches um Diestels Lebensthema: Die unvollendete Einheit, die Ausgrenzung ostdeutscher Kader von nahezu allen Leitungsebenen.

Diestel ist aufgegangen, dass der Einheitsvertrag mies gestrickt war, aber er schlägt Haken in Bezug auf Details. Immerhin bringt er einen wichtigen wunden Punkt zur Sprache: Keinerlei Absicherung für Ossi-Ansprüche ab dem 04.10.90, da nun alle DDR Gremien aufgelöst waren; was er anekdotenhaft zu illustrieren weiß.

Jedoch bringt er auch zahlreich bittere Beispiele auf den Punkt:

„Plötzlich interessierten lediglich die Immobilien und die freiwerdenden Posten – die Menschen, die das alte Regime zum Einsturz brachten, nicht.“

Da, wo die Posten nicht freiwurden, wurden sie freigemacht: Da muss sich doch IM-mäßig was finden!

Auch wenn die Ministerpräsidenten 2022 überwiegend Ossis sind und der MDR eine Ossi-Chefin hat: Neu-5-Land wird überwiegend kolonial geführt: Universitäten, Hochschulen, Gerichte, Kliniken … die Leiter haben Westwurzeln und meist auch ihre Ruhesitze dort.

„Die komplette Führungsschicht der DDR wurde >wegen Systemnähe< kaltgestellt.“

Sehr interessant Diestels Einlassungen zur Hetze gegen den letzten Ossi auf dem Rektorenstuhl der Humboldt-Uni Fink. Ein integrer, anständiger Theologieprofessor, der im Wendewirrwarr gewählt worden war: Aber da gab es im Ruhrpott soviele Professoren, die dort nichts werden konnten – „da musste sich was finden!“ Und da in der DDR jeder führende kirchliche Angestellte früher oder später wissentlich oder unwissentlich mal mit jemandem von „Horch&Guck“ gesprochen hatte, fand sich eine Akte…

Gauck war der oberste Stasi-Aktenwächter und somit auch oberster „Sachverständiger“.

Diestel vertrat Fink im Verfahren gegen seinen Rauswurf und gewann – nicht die Wiedereinsetzung, jedoch die Dienstjahr-Anerkennung und die vollumfänglichen Pensionsansprüche: Weil da schließlich gar nichts Verwerfliches war. Die Rehabilitierung des Prof. Fink nahm öffentlich niemand zur Kenntnis. Die Hetze gegen ihn zuvor – war überall zu lesen.

Diese Art Fälle wurden Diestels täglich Brot.

„Wir beschäftigten in der Hoch-Zeit 5 Anwälte und hatten voll zu tun: Alles IM- und Dopingfälle.“

Diestel, der Robin Hood aus dem Mecklenburg-Forrest, wo er inzwischen wohnt.

Er spreizt sich als Streiter für Gerechtigkeit. In vielen Fällen sicherlich zurecht.

Auf der anderen Seite entsteht im Buch jedoch von Seite zu Seite immer mehr der Eindruck: JEDER Ossi habe vor Gericht gestanden und sich gegen IM-Beschuldigung wehren müssen. Das hinkt!

Und da verzerrt sich eben das Bild.

Je nach Quelle gab es ’89 ganze 60- bis 100 000 IMs. Bei 17 Mio Einwohnern, davon 12 Mio wahlberechtigt, also volljährig und zurechnungsfähig, ist das also etwas weniger als rund 1 % der Bevölkerung. 8 Mio Ossis verloren ihre Arbeitsplätze nach 1990 also ohne Stasi-Querele; aus Gründen des Bankrotts der Betriebe oder der Konkurrenzbeseitigung seitens der westdeutschen Platzhirsche. Der Hinweis auf dieses Zahlenverhältnis fehlt im Buch leider ebenso, wie in der offiziösen Berichterstattung der Medien über die Stasi-Altlast des Ostens – seit 30 Jahren.

Abschließend noch zur Form dieses Buches: Es ist ein niedergeschriebenes Interview, das über mehrere Abende unter 4 Augen geführt wurde. Es nerven zwei Begleiterscheinungen:

  1. dieses inflationäre Einpeitschen „PMD; der letzte Innenminister und Vizekanzler der DDR für 174 Tage“; gefühlt alle zwei Seiten; wobei der Terminus „Vizekanzler“ auch ein bissel problematisch ist.
  2. das Nicht-Nachhaken, wenn PMD ganz offensichtlich ausweicht oder beim Reden „vom Wege abkommt“. So werden einige interessante Spuren gelegt, aber nicht verfolgt.

Naja, muss ja noch Platz bleiben, für ein drittes und viertes Buch; vermutlich.

Was wiederum sehr gut gemacht wurde, sind die Zwischenkapitel, die eingeschoben wurden, damit das ganze nicht nur ein „IM-Rächer-Traktat“ wird. So erfährt man mehr über PMDs Werdegang vor der Wende und über seine Liebe zum Wald als Romantiker und als Jäger, der (angeblich) kaum schießt, jedoch ein Jagdzimmer voller Trophäen sein Eigen nennt. Hat er die Geweihe also vom Flohmarkt? Nachfragen: Keine.

Fazit: Lesbar. Dümmer machts nicht. Aber man hat den Eindruck, einen Bonus-Track-Band zum Bestseller von 2020 in der Hand zu haben.

Jon Anderson und ein Playmobilboot

What a way to surrender! Surrender!

1982 kennen gelernt, aufgenommen, oft gespielt; back to back mit „Mr.Cairo“ wie neulich bereits geschildert. Um 2000 herum begannen meine Typ 130er Bänder das große Fietschen. Mein Archiv der Mauerjahre war hinüber. Sperrmüll und weg. Das meiste davon hatte ich inzwischen ja nachgekauft. Aber so 4 bis 10 Tondiamanten „von damals“ fehlten und waren nicht auftreibbar.

Und die „Animation“ war nun die Langzeitvermissteste.

Den letzten Post schrieb ich aus Vorfreude. Die CD war bereits im Haus, aber eingeschweißt. Papa sollte sie Ostern erst noch stilecht suchen müssen. Also hatte ich die Booklet-Kenntnisse noch nicht, die nun ein paar Richtigstellungen nötig machen.

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Ostern ist bekanntlich ein paar Tage her – und die CD kam all die Tage kaum mal aus dem Player.

Hach!

Schön!

22 Jahre nicht gehört – und doch gleich aufs Neue jenen Klängen verfallen, die 1982 so arg wenig Fans hatten.

Es war die NDW-Zeit, Punk-Nachwehen, mehr oder weniger.

Da juckte das die Herde äußerst wenig, was der ehemalige Yes-Sänger so macht. Artrock (=Prog) galt als öde und „von gestern“. Die „Tormato“ war 1978 weitgehend unverdient verrissen worden. Die Paris-Sessions fürs Nachfolge-Album verliefen 1979 erfolglos. Die Band brach auseinander. „Drama“ erschien 1980 in einer kurios ungewöhnlichen Yes-Besetzung, da die fehlenden Anderson und Wakeman ausgerechnet durch die New Wave Kasper (The Buggles) ersetzt wurden. Noch war Trevor Horn ein Niemand. Das Album wurde deshalb ebenfalls stark angefeindet, gleichfalls unberechtigt. Die wirklich schlimmen Yes-Alben sollten erst noch kommen.

Anderson hatte in der Zwischenzeit mit Vangelis und der „Mr. Cairo“ Platte mehr Erfolg. Also war geradezu wahrscheinlich, dass er ohne Vangelis, aber mit ähnlichem Schnittmuster einen Mega-Erfolg sicherhaben würde.

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Als die Platte erschien, war ihr Platz 176 in den USA sicher und klebte dort fest. In England war immerhin Platz 43 drin. In (West)Deutschland – nix.

So war das nicht gedacht!

Anderson hatte viel Herzblut in das Projekt gesteckt; sein Produzent erinnert sich an die sehr klaren Vorstellungen, die sein Star hatte, wie alles klingen sollte. Der brauchte keinerlei Hilfe beim Arrangement! Die Band hatte Weltklasse: Clem Clempson, Simon Phillipps, Dave Santious, Stefano Cerri.

Zusätzlich schauten bei den Aufnahmen noch Greenslades Lawson und die alte Bass-Legende Jack Bruce vorbei und spielten mit.

Alles klingt durchgängig warm und gut aufeinander abgestimmt. Hier gibt es keinen 80er Wumms-Plautz, sondern: Melodien!

Aber Anderson ließ das Material nach einer mies besuchten kurzen Amerika-Tour fallen.

Squire hatte ihn besucht, um ihm Songansätze vorzustellen, aus denen die „90125“ werden sollte. Es schien auf einmal doch wieder mit Yes weiterzugehen – und so kam es, dass die „Animation“ buchstäblich „vergessen“ wurde.

Hört man sie heute und gleich danach die „90125“ – dann steht fest, welches die bessere Platte ist!

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Das Booklet ist lobenswert inhaltsreich. Es enthält die ausführliche Entstehungsgeschichte UND die Lyrics. Somit muss ich nun eine Falschbehauptung meines Anderson-Postes von neulich reparieren:

„Boundaries“ ist keine Aktualisierung von „O’er“. Und „O’er“ ist kein Volkslied.

Die wirkliche Story zum Song erklärt Anderson so:

„Ich schrieb 1982 „Boundaries“ und 1998 „O’ver“ für mein Folkalbum „The Promise Ring“; die Melodien sind gleich. Das fiel mir erst viel später auf. Wenn man an die 500 Songs geschrieben hat, dann erinnert man sich nicht an jede schon benutzte Tonfolge. Das ist so ein Unterbewusstseinsding. Dir kommt da diese Melodie ein. Du denkst, du machst was völlig Neues. Aber du benutzt nur ein Bruchstück deiner Vergangenheit. Das passiert mir manchmal, dass ich glaube, eine neue Melodie zu pfeifen, bis meine Frau mich erdet: Klingt nach altem Yes-Track.“

Kennste das? Du erzählst jemandem eine Geschichte und der fängt an, mitzusprechen?! Da merkste dann, dass das Alter zuschlägt!

Aber da gab es noch mehr:

1982 habe ich in diesen Sounds gebadet, ohne viel auf den Text zu achten.

Bissel gewundert hab ich mich schon, dass der Eröffnungstrack „Olympia“ heißt. Den obersten Yes-Romantiker mit der Engelsstimme bringt man nun eher nicht mit Stabhochsprung und Umkleidekabinenschweiß in Verbindung. Auch war 1982 kein Olympia-Jahr.

Des Rätsels Lösung steht im Booklet:

„Nachdem ich mit Vangelis gearbeitet hatte, besuchte ich eine Multimedia-Verkaufs-Ausstellung in der Olympia-Halle in London. Videowände; Instrumente, Mischpulte und so. Dort wurde die neue Generation von Keyboards und Synthesizern vorgestellt und ich war geflashed von den vielen neuen Möglichkeiten für Klänge. Mir kamen dort schon so viele Ideen, dass das „Animation“-Album die logische Konsequenz dieses Besuches war.“

und

„Animation of life“; meint den Antrieb zum Leben. Ich war junger Vater. Meine Tochter Jade lernte laufen. Alle diese Fortschritte, die da so von alleine kommen – das war der Punkt zur Inspiration. Die Olympia-Halle, meine Anfänge im neuen Home-Studio, „selber laufen lernen“ und diese tapsigen ersten Schritte von ihr. Neue Klänge, neues Leben.“

Der alte Anderson erinnert sich an seine erste Vaterschaft. Ich les‘ das und grabe im Garten ein Rasenstück um. Dort, wo vor Jaaaaahren die Sandkiste stand, hab ich plötzlich ein Playmobil-Boot auf der Schaufel. Aus der Zeit, als MEINE Tochter gerade laufen konnte.

Animation of Life.

dav

Die Jahre vergingen, die Musik kehrte zurück. Und sie klingt heute so frisch wie damals.

Music is the best!

Jon Anderson and I

Endlich!

Jon Andersons „Animation“-Album von 1982 – ENDLICH! ENDLICH! – auf CD in ansprechender Klangqualität.

Quasi zum 40jährigen Jubiläum!

Warum das einen Post wert ist?

Weil das ein ganz GROSSES Album ist, das unter sämtlichen Radaren durchsegelte, somit niemandem auffiel und vermutlich deshalb von Jon selbst für einen Voll-Flopp gehalten wurde, dessen Aufbereitung nicht lohnt.

Aber das ist Unsinn!

Man muss 3 Soloalben von Jon Anderson haben, wenn man Yes-Fan ist oder war. Und „Animation“ ist eines davon!

Welche die andern beiden sind, wird im Folgenden hergeleitet.

Opa erzählt wiedermal vom „Galdn Griech“:

September 1975 stand ich 15jährig auf dem Schulhof meiner EOS. In der Ehemaligen wechselte man nach der 8. Klasse zum Gymnasium, das damals EOS hieß. Man war also 9.Klässler und Spund unter lauter älteren Jahrgängen. Jede 9.Klasse hatte eine 11. als Patenklasse zugeteilt bekommen, die erst mal zur Begrüßung eine Klassenfest-Disco ausrichtete. Musik kam von den Bändern der „Großen“ (11er)und von den Kassetten der „Kleinen“(9er). So fand sich, wer glaubte, Ahnung zu haben.

Von nun an stand ich also alle Hofpausen mit 2 oder 3 Klassenkameraden umgeben von eben solchen 11ern und die bedonnerten uns „Wänste“ mit lauter musikalischem „Neuland“:

„Genesis müsster hörn! Das is klassische Kirchenmugge in Rock! Nach 10 Minuten Sound fängste an zu schweben!“

„Yes fetzen am meisten! Da hörste alles off ehmal! Erscht klingse wie CrosbyStillsNäschnjang, dann krachts wie bei Pörpel und dann volle Orchlwand – wiiii-u-wiii (=lautmalerische Toccata-Andeutung) und dann die Stimme vom Ändersnn ey! Himmlisch!“

„Ach quatsch. Uriah Heep müsster- “

„Mache dich weg, du jehörst nich zu uns! Uriah Heep! Das sinde Buhdys of englisch!“

Gelächter.

Merke: Hier wurdest du mit Niveau fertig gemacht! Das war neu. An der POS hatten die körperlich starken Deppen das sagen. Fein, nun den anderen Weg kennenzulernen. Diese genüssliche Watsche „von oben“.

„Menschen mit Niveau hören Genesis und Yes. Pörpel und Heep sin‘ ehm was für‘s Volk, wenn ses ma härter als ABBA brauchen.“

Wir 9er waren noch im Glam- und Oldies-Stadium. Fühlten uns schon als Kenner, weil wir „Fire!“ von Arthur Brown kannten und zwei oder drei Hendrix-Nummern. Unsere Kassetten waren sonst mit üblichem Hitparadenkram gefüllt. BachmannTurnerOverdrive knallen auf Rubettes und Kenny. Sweet und Slade nicht zu knapp; bissel Gary Glitter und T.Rex … nichts womit man 11er hätte beeindrucken können.

Als wir unter uns waren, werteten wir aus:

Kennst du was von Yes? Oder Genesis?

Natürlich nicht. Niemand. Woher auch? Jethro Tull – als einzige von diesen großen Namen unter den Prog-Bands – hatten jede Menge Airplay. Genesis und Yes kein bisschen.

Also dauerte es und dauerte. Vom September’75 bis in den Dezember‘75. Mit 15 ist das eine Zeitspanne von nahezu hundert Jahren!

Dann endlich hatte Christian einen Spender aufgetan, der ihn zwei Yes-LPs aufnehmen ließ. „Yes-Album“ und „Fragil“. Ich bekam dann die Kopie der Kopie, dumpf und am Kassettenende einfach mitten im Stück umgedreht, also wertvolle 10 Takte Verlust; Minimum! Das war noch kein genussvolles Großereignis; zumal der Sound uns Glamrock-Simplexe echt überforderte. Mann! War das ein Durcheinander auf den ersten Hör! Und dann diese Stimme! Das ist der große Ändersnnn?

Nach all dem Geschwärme auf dem Schulhof hatte ich irgendwen mit Eiern erwartet: Einen Noddy Holder vor großer Orgelwand! So ungefähr! Nun bekam ich hier einen – tja, was ist das? Eunuchen?

Es brauchte zwei-drei Anläufe: Allein. Halbdunkle Mansarde. Der ausrangierte Servierwagen mit dem Recorder steht vor dem Bücherschrank. Obendrauf ein Holzkastenradio Marke „Stassfurt“. Ebenholz und Mono. Fernseh-Litze in die Ausgangsbuchse des Recorders und in die Eingangsbuchse des Radios „präzisiert“ – und nach ein paar Anfangs-Fitschlern und Kraxlern kam der dumpfe Kassetten-Sound über den großen Radiolautsprecher drei Nummern bulliger. Und dann dreht man an dem fossilen Unikum den Klangregler voll auf Höhen – und siehe! Das Dumpfe schwindet, die Bulligkeit bleibt. Der Sound gewinnt!

Draußen Abenddämmerung. Drinnen kein Licht an. Melancholiaaaa – sozusagen. Nur das magische Auge des Radios leuchtet. Davor ich mit Blick auf alle meine Funde im Bücherschrank. Das meiste damals schon – alt; also WERTVOLL! Und chic ehrwürdig ramponiert. Mancher Wälzer mochte einiges mitgemacht haben in zwei Weltkriegen! Die sprachen eh zu mir. Und mit diesem Sound von obendrüber nun erst recht:

„Sharp! Distance! All around me hee! We’re lost in the Cityyyyy!“

Plötzlich passte alles zusammen: Der Sound, der Anblick, die Dämmerung. Klein war das Zimmerchen: Bücherschrank und Liege, die abends Bett wurde. Servierwagen. Aus.

Nun aber war das ein Dom! Draußen am Horizont sah man den anderen, den echten alten; aber hier dröhnte die Kirchenmusik einer NEUEN GENERATION.

Vater stand schon in der Tür: „LEISER!“

Aber zu spät. Die Initialdröhnung hatte bereits ausgereicht. Yes-Abhängigkeit lebenslänglich!

anders7Auch wenn man sich das leiser gab: Das war wie ein nächtlicher Gang durchs Buchholz mit Feenbegegnung und/oder-begleitung einer ebensolchen!

Dachte ich. Damals. Später stieß ich auf das Zitat von Steve Hackett(Genesis): „Frauen mögen keinen Prog. Vermutlich zuviele Noten.“ Ja, leider.

Zum Gemeinschaftsgenuss von Yes-Musik braucht es einen Herrenabend.

Während der EOS-Jahre gelang nur noch die Erbeutung der „Tormato“. Für anderthalb Stunden!

Schnell aufnehmen! Diesmal direkt von Platte – und von MEINEM Plattenspieler, der keine Nähmaschine war. Die Bandkopie klang hinterher astrein und drei Texte von der Innenhülle hatte ich mir auch noch abgeschrieben.

Jon Anderson war nun wirklich ein Himmelsbote: Circus of heaven! Release, release!

1982 hörte ich „I’ll find my way home“ im Radio. Der Song kickte sofort und ganz tief, wie man so sagt, weil er zweierlei verknüpfte. Zwar kam er zu spät als Heimkehr- und Befreiungshymne von der „Fahne-Pein“; meine Asche-Zeit war ende April’81 zuende; aber noch schlief ich schlecht, wenn mir da der Spieß im Traum erschien und grinsend fragte, warum ich ihn nicht erschossen habe. Manchmal pfiff noch eine Lok unten im Saaletal den Berg hinauf in meine Mansarde, und geschah dies nachts, so schrak ich auf und wollte meine VKU-Nächte zählen: Morgen wieder Uniform an? Zurück in die Kaserne? –

Nein! Es war ja ‘82! Irgendwie hatte ich es gepackt. I found my way home! Ohne Schwedt! Mehr geht nicht. Der Song machte stolz!

Und: Ich war verliebt. Wiedereinmal. Aber diesmal schien das was zu werden.  „All Seasons begin with you!“

Und von nun an mit stetiger West-Vinyl-Zufuhr. JETZT ging Leben wirklich los!

Während der Aschezeit, die manch Blödian Ehrendienst nannte, hatte sich mir Sesam aufgetan: Erste Bekanntschaft war mein zukünftiger Plattendealer; zweite Bekanntschaft dann ein Capo mit reichlich Westplattenbesitz. Da letzterer nach der Asche auch in Leipzig studierte, hielt der Kontakt – und so hatte ich seine Bestände bald fast komplett auf Band. (Wir reden hier von ca 30 Alben; von lauter guten Namen, vorwiegend YES und Wings; was für Ostverhältnisse paradiesisch war).

Dass Paul McCartney and the Wings in den 70ern eine neverending Hitkette hatten, ist heute weitgehend vergessen. Ab den 80ern kamen von Olle Paule nur noch Müll-Singles in den Äther, weshalb auch niemandem mehr auffiel, dass auf seinen nun ignorierten LPs eigentlich auch noch manch hörenswertes  schlummerte. Deshalb sei hier kurz erklärt, dass ER als der Haupterbe der Beatles galt und jedes seiner Wings-Alben wie ein Großereignis besprochen wurde, bevor dann einige der jeweiligen Single-Auskopplungen im Äther totgedudelt wurden. Auch damals gab es schon Ölpest der Tonkunst aus den Häusern Abba und BoneyM, Luv, Village People, Sister Sledge usw. Somit galt die Dauerdudelei von „Listen what the man said“, „Let them in“, „Rockshow“ „Silly Lovesongs“ immernoch als gehaltvoll.

Als wir im Sommer‘80 unseren zweiten Kompanieurlaub hatten, besuchte ich jenen Yes- und Wings-Fan zum ersten Mal. Und da saß ich dann in seinem Zimmer im Besuchersessel; mit dem Rücken zum Musikaltar auf dem Bücherschrank, ihm gegenüber und wir fachsimpelten von Musik und vom Elend der NVA. Er hatte die „Wings over America“ aufgelegt; stellt das Cover aufrecht auf das Board über seinem Bett und meinte ganz beiläufig: „Klasse, wa?!“

Zu sehen sind auf der Innenhülle Paul McCartney und seine 70er Jahre Getreuen, in so einem Realo-Comic-Malstil in action on stage.

Ich will nun nicht allzu kindisch jubelnd losschwärmen, also reagiere ich cool abgetrocknet: anders1

„Jo, erinnert an die „Gammapolis“ von Omega. Wenn de die offklapst, kommt das ganz ähnlich.“

„Omega!“ stöhnt er und verleiert die Augen, steht aber auf, sucht in dem Plattenstapel hinter mir im Bücherschrank und reicht mir – die „Olias of Sunhillow“.

Wenn du die kennst, dann weißt du: So ein Coverwunder hat es nicht nochmal gegeben! Ein Mittelding aus Doppelalbumhülle und Zigarettenbilderalbum. Mehrere Seiten zum Blättern; voll und ganz in einem auf Pracht getrimmten Malstil zwischen Comic-Romantic a la „Herr der Ringe“ und Jugenstil bemalt. Mir gingen die Augen über.

Er genoss die Wirkung.

„Die is‘ so geil! Die verborg ich auf KEINEN FALL!“

Er hielt das durch. Ich bekam sie also nie auf Band.

Also hörten wir sie als nächstes, kaum dass eine Plattenseite Wings durch war; komplett – und anschließend bestätigten wir uns beide gegenseitig, dass das was ganz Großartiges ist.

Die Wirkung hielt nicht vor. Als ich sie in den 90ern wiederhörte, war ich verblüfft, wie sehr die Wirkung von 1980 dahin war. Stünde ich heute vor dem Olias-Vinyl würde ich es wegen der Hülle kaufen, falls der Preis stimmt. Die Platte, müsste gar nicht drin sein; sie klingt inzwischen nach Hausfrauen-New-Age. Pling-Plong, dshingelingeling mit Anderson-Gebetsfetzen mittenmang.

„Olias of Sunhillow“ ist also keine von den drei Unentbehrlichen.

Auch „Song of seven“, die Soloplatte danach, nicht. Musikalisch gefällt die heute noch ganz durchschnittlich, aber sie wird eben überstrahlt, von –

Schlag 1: Natürlich das Weg-nach-hause-finde-Album! „The Friends of Mr.Cairo“; Jon and Vangelis; also eigentlich ein Album von zwei federführenden Leuten; kein reines Soloalbum mithin, aber in der künstlerischen Handschrift ganz ähnlich den zwei anderen, die da noch kommen sollten.

Ich glaubte ihn gefunden zu haben, den Weg nach Hause. Alles schien1982 bestens zu laufen: Love and Music und ein Studium mit links, weil es keine Herausforderung darstellte, nach all den Fahne-Härten. 1985 würde es zu ende sein und dann Ehe und Berufstätigkeit im Saaletal – das schien gesichert. Da hätte nichts gefehlt! Aber es sollte anders kommen. Erst Niederlausitz, dann Nordpreußen(sozusagen). Wat willste machen?

„Some how, we‘re going somewhere…“

anders2Und so wurde „I’ll find my way home“ wieder zur Sehnsuchtshymne, die sie war – für alle Zeit.

Der Rest des Albums ist dicht im Sound, gut bis sehr gut in den Texten. Naja. „Back to school“ hätt‘ ich nicht gebraucht. Bissel Schwund is‘ eben immer. Der Rest macht’s wett.

Jener Ex-Capo mit den vielen Platten hatte glücklicherweise ein YES-Abo. Sein Vater war bereits berentet und fuhr jedes Jahr mal „rüber“ – und er brachte von dort „die neue von Yes“ mit, oder eben das nächste Soloalbum von einem der Yes-Members, oder eben was von den Wings, oder Peter Gabriel…

So nahm ich ende 1982 bereits die „Friends of Mr. Cairo“ auf – auf Typ 130er Band mit 19er Geschwindigkeit, für die Ewigkeit, wie ich glaubte. Und auf die Rückseite des Bandes kam SIE: Die „Animation“. Die Verlängerung der „Mr.Cairo“! Beide Alben gleichen sich, wie zwei Hälften eines Doppelalbums, das ich hier nun wieder zusammenführte!

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Schlag 2 ist also sie. Die „Animation“ mit den unverzichtbaren „Boundaries“, die wiederum eine Aktualisierung des irischen Folksongs „O’er“ darstellen. 1982 war Wettrüsten und Friedensbewegung. Da war das eine Top-Idee, diesen Text von Freiheitskampf, Flucht und Vertreibung der Iren durch England zu internationalisieren – als Warnung für neuere Zeiten. Zeitgleich mit „Game without frontiers“ und „Sodom und Gomorrah“ auf der Höhe der Zeit. Na, und wie das 2022 wirkt, so kurz vor dem 3. Weltkrieg, brauch ich nicht zu beschreiben. Die Hüllengestaltung allerdings ist ein Totalausfall. Fürs Auge gibt’s da nichts.

anders3Aber morgens früh im „Morning Dew“ – ZU HAUSE – auf dem Berg am Waldrand stehen, und runter auf die Stadt gucken, und DIESE Sounds im Kopf – – – schöner kann ein Heroinrausch auch nicht sein!

Die „Animation“ wollte ich schon während der Aufholkäufe nach dem Mauerfall gemeinsam mit der „Mr. Cairo“ kaufen. Damals noch auf Vinyl. Vergriffen! Ab 1994 ungefähr auf CD: (Noch)nicht auf CD erhältlich! Wann denn endlich? „Wissmor nich‘!“ Das ging mir mit mehreren meiner Götterplatten so! Ursprünglich hatte ich mir das zu Mauerfallzeiten mal so gedacht: Bissel sparen, dann in einen Platten-/CD-Markt einrücken und: „Einmal YES komplett!“ Und das nächste Mal „Einmal Benson komplett!“ Pustekuchen. Stückwerk. Hier gibt’s mal die und diese, und dort mal jene, aber die „Animation“ blieb so unauffindbar wie die „Feine Leute“ vom Danzer!

Immer, wenn ich seither die „Mr.Cairo“ hörte, war sie zu kurz. Ihr „Hinterteil“ fehlte!

Stell dir vor, du hast nur die halbe „seconds out“ von Genesis! Oder die halbe „innocent age“ vom Fogelberg!

Leiden, leiden, …

Der Ossi kommt im Westen an und muss das tun, was er unfreiwillig „schon immer“ trainiert hat: Waaaaarten! Elend-Elend! Von wegen: Im Westen gibt’s alles!

Im Falle der „Animation“ war nun also besonders langer Atem nötig. 2022!

Nun ist er aus – der long run!

Bliebe der Vollständigkeit halber noch die dritte zu erwähnen:

anders4Schlag 3 ist die „Change we must“; ebenfalls so ein von der Meute negiertes Scheiblein. Aber eben genauso toll wie die andern beiden, obwohl anders: Mit Orchesterhilfe. Sogar mehr Orchester als Begleitband. Aber kein Billigpathos, sondern geradezu Kammermusik für die Gegenwart:

Die Natur retten – Change we must – Erkenntnis anlässlich eines Digital-Detox-Aufenthaltes auf Hawaii. Der ökologisch hochmotivierte Langzeit-Vegetarier genießt tagelang Naturgeräusche und lässt sie anschließend von Geigen und Oboen nachempfinden, während er seine Messages erzählt, ansatzweise singt. „State of Independence“ taucht hier auch wieder auf und passt wunderbar in diesen Kontext der Sehnsucht nach Idyll.

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Statt Bonustracks gibt es hintendran ein Interview, indem er seine Intensionen mit Tonbeispielen noch einmal erklärt.

Alles ist hier im Gleichgewicht: Nix nervt, nix langweilt. Ein Flussss…

„Alles ist im Fließen, alles ist im Geh’n. Sterne rasen auch, wenn wir sie stehen seh’n“(Renft)

Das holt schon so allerhand herauf, wenn du dich darauf einlässt.

„Hab gele(s)en unterm Apfelbaum, und er hing mit Äpfeln voll…“

„This State of Independence will be!“

Glaub ich zwar nicht – aber ich möchte es gerne!

Somehow we going somewhere.

Thank you, Jon.

In Eiserner Zeit (1891)

EZ0Es wird lang. Mir ist mal wieder viel eingefallen. Beim Lesen und Musik hören. Reinhard Lakomy’s „Geheimes Leben“ trug mich von Erinnerung zu Erinnerung und von Einfall zu Einfall.

Lesestoff war das Trauerspiel „In Eiserner Zeit“ von 1891.

Ich habe nun auch den Dramatiker Spielhagen kennengelernt.

Ein Stück – passend zur Zeit. Damals und heute.

Ein Stück so anregend und aufregend in einem.

So perfekt unperfekt, dass es Gedankenlawinen befeuert.

Es ist ein gut gelungener Theaterversuch; kein sehr guter.

Das Drama hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt, aber dass dem nicht so war, ist ebenfalls nachvollziehbar und wird im Folgenden erklärt.

1. Worum geht es?

Spielhagen verlegt die Handlung in die Befreiungskriege; ins 1813 wiederbesetzte Hamburg. Napoleon hatte sich nach seiner Russlandpleite erstaunlich schnell erholen können, sodass noch anderthalb Jahre Krieg notwendig wurden, um ihn aus Deutschland zu vertreiben. Marschall Davoust regiert mit harter Hand. Seine Soldateska setzt sich zusammen aus Offizieren mit ritterlichem Anstand und widerlichen Karrieristen (oben), sowie mauligen, kriegsmüden Bütteln und Soldaten (unten).EZ5

Die Einquartierung bescherte dem Senator Wilbek und seiner schönen Tochter Charlotte den sehr anständigen Marquis Gaston d’Ormond als Hausgast.

Charlottes Bruder Herrmann ist Freiheitskämpfer. Die Schwester verliebt sich in Gaston, den Feind, obwohl auch sie die patriotischen Ideale ihres Bruders teilt. Der Vater verarmt während der Kriegswirren und stirbt als erster.

Da Charlotte „die erste unter den Bürgerinnen“ ist, sind auch der Marschall selbst und sein fieser Adlatus Cambert scharf auf sie. Der disziplinierte Marquis ist ihnen im Weg. Gaston hat also auch Feinde im eigenen Lager.

Spielhagen führt in klassischen Dramenaufbau von 5 Akten die Spannungskurve „Schillermäßig“ in einen Abgrund – mit Trost.

Gaston wird per Intrige in die Subordination getrieben und standrechtlich erschossen. Am Tage des Abzugs der französischen Truppen, die nun Truppen König Ludwigs XVIII sind. Ein letztes Blutopfer. Napoleon down! Hamburg frei! Charlotte nimmt Gift. Herrmann kann seine tote Schwester beerdigen.

„Die ihr Hamburgs erste Bürgerin nanntet, wollte nicht seine Letzte sein; nicht werden zu der ihr sie gemacht haben würdet, bereits gemacht hattet…“,

schwingt sich Dr. Barbeyrac, der Hamburger Arzt mit Hugenottenwurzeln, zum pathetischen Schlusswort auf und hofft daran anknüpfend auf dermaleinst kommenden Weltfrieden und Gleichheit aller Völker.

Da wird viel „gewollt“, jedoch wirkt dieser Schlussmonolog seltsam platt.

Und dies aus der Feder so eines Meistererzählers, wie Spielhagen einer war?!

Warum bleibt der nicht beim Roman?

2.Warum wagen sich die Romanciers des späten 19. Jahrhunderts so häufig auf die Bretter, die die Welt bedeuten?

Freytag tat es, Heyse auch, Spielhagen ebenfalls: Der Goethe(Schiller)-Klaps!

Dichter ist man, wenn man seine Gestalten in Metren und Alexandrinern reden lässt und es vermag, das Ganze nicht wie „Reim dich oder ich fress dich“ klingen zu lassen. Das gilt als Niveaubeweis. So sehr, dass sich die Kultusministerien und scharenweise phantasielos feldwebelnde DeutschlehrerInnen bis heute nicht davon erholt haben. Schülergeneration um Schülergeneration wird mit Silbenzählen die Lust am Erbe ausgetrieben. Zur Strafe machen die dann Stars groß, die in übelster Knüttelreimerei „Hits“ in den Äther plärren: Scheiß auf den Reim!

Romanerzeuger sind Schriftsteller. Die Schmuddelkinder der Poetik. Schriftstellerei musste sich erst durchsetzen, um Anerkennung ringen. Als brave deutsche Lakaienseelen zergliedern und zerschwafeln sie alles, was sich ihren Federn so entringt, um wissenschaftlich zu wirken:

Sollte man auf auktorale Erzähler verzichten? Warum ist ein Witz ein Witz? Wie real darf Realismus sein, um nicht tendenziös zu wirken? Was ist typisch deutsch am Roman deutscher Autoren im Vergleich zu Dickens und Tolstoi? Ist das bei Freytag dickens’scher Humor oder nicht?…

Die Nation der Kammerdiener und Oberlehrer. (E. Jünger)

Bis ran an den ersten Weltkrieg versuchten sich zahlreiche Vertreter der Branche nun an laaaangen Versdichtungen oder eben gar Theaterstücken a la Schiller und Goethe. Ruhm war diesen Versuchen keiner beschieden. Kurzzeitig hie und da ein paar Aufführungen. Lob für eine oder zwei Saisonen, aber das war’s. Zu epigonal, nachgemacht, unerheblich im Inhalt – wurde oft von den grauen Eminenzen der Theaterkritik konstatiert.

Auch Spielhagens Stück reiht sich da ein.

(Es wird ein paarmal aufgeführt, ohne Sensation zu sein und verschwindet schneller als seine ruhmreichen Romane im Nirvana vergessener Werke.)

Schwung ins Theaterleben kam erst wieder durch die Naturalisten und Expressionisten und Aufreger-Stücke wie die vom Hauptmann Gerhard oder gar Wedekinds „Lulu“-Skandal, an dessen Vertonung schließlich final noch Lou Reed samt Metallica-Unterstützung grandios scheiterte.

3. Was lässt das Stück nun so „perfekt unperfekt“ erscheinen?

Spielhagen kommt mit seinem Drama 1891 um die Ecke. 20 Jahre nach Reichsgründung. Im Jubiläumssiegestaumel, der bereits seit dem Sedans-Tag im September zuvor alle Rekorde bricht.

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War Deutschland 1891 zu sehr auf Erbfeindschaft gepolt, um Spielhagens Denkanstoß goutieren zu können?

Das ist nicht so simpel eingleisig bewertbar: 20 Jahre Sieg! Gravelotte- Sedan-Paris-Versailles! Heil dir im Siegerkranz! Es gibt Sammelbilder für die Jugend, mit Szenen aus allen Gefechten der drei Einigungskriege, Zeitzeugenerinnerungsnovellen fast aller beteiligter Offiziere von 1871 als Buch oder in Westermanns Monatsheften: „Vor Paris“, „Sturm“, „Der Trompeter von Gravelotte“, „Horch was jammert dort im Busche, horch was klagt in finstrer Nacht…“, Lieder, Gemälde, Lineolfiguren – endlos.

Und es gibt Versöhnungsversuche „unter der Hand“. Reichlich reist die Schickeria Deutschlands nach Paris. Alle Jahre wieder. Reichlich finden französische Fräuleins als Gouvernanten und Gesellschafterinnen Anstellung in den Gutshäusern zwischen Maas und Memel. Studenten wählen Auslandssemester, weil die Sorbonne irgendwie dazugehört, wenn man von sich reden machen will. Malaufträge gehen hin und her zwischen Düsseldorfer Schule und Pariser Salonmalern zur Ausschmückung der Villen der Stahlbarone hüben wie drüben.

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Abenteurer wie der junge Ernst Jünger wählen die Fremdenlegion.

Die „Erbfeindschaft“ ist also nur die eine Seite der Medaille. Der Ruf der beeindruckenden Modemetropole Paris bleibt davon unberührt. Die orientalische Exotik französisch Nordafrikas verführt auch Deutsche zuhauf zum Träumen mittels französischer Autoren. Deutschland boykottiert keinen Dumas- oder Jules Verne-Roman! Auch Balzac und Zola erleben Lederausgaben beim „Erbfeind“.

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Die Kolonien bringen eine dritte Schiene ins schwierige Verhältnis zum Nachbarn: Streit an der Kameruner Grenze. Ungeklärte Interessenlage in Marokko. Rangelei um Einfluss in Istambul.

Und Spielhagen beweist sich als unangepasster Denker ohne Hausmacht; ohne Gleichgesinnte, ohne „Spielhagen’sche Schule“:

Idealistisch fordert er sinngemäß:

„Liebet eure Feinde!“

„Eines Tages wird es wahr, das Prinzip der Brüderlichkeit, welches unsere Zeiten so sehr in den Schmutz zogen.“

Aber realistisch weiß er eben auch:

„Liebe, über die Grenzen von Stand und historischer Rivalität hinweg, kann es nur im Jenseits geben!“

Ausgerechnet am exemplarischen Schicksal einer der am schwersten gebeutelten Städte Deutschlands während der Zwangsherrschaft Napoleons; Hamburg, will er sein Schärflein zur Aussöhnung beitragen.

Der Realist Spielhagen baut einen sehr logischen Handlungsverlauf und scheitert auf hohem Niveau – am Idealisten Spielhagen, dem er das letzte Wort überlässt.

Er ist NICHT bei den Hurra-Patrioten. Aber er ist Preuße. Und Kind seiner Zeit.

Er verheddert sich in den Widersprüchen zwischen hohem moralischen Anspruch, wie ihn die Gymnasien lehren; und gesellschaftlich festgefügten Grenzen, die unbeeindruckt von rund 150 Jahren Aufklärung eben fortbestehen.

Wie zeigt sich das?

Es werden ein paar Spuren zu großen Vorbildern aus Weimar gelegt:

Eine Bürgerreputation vor dem allgewaltigen Davoust rechtfertigt ihre berechtigten Ansprüche mit „Halten zu Gnaden!“ – Altgediente Deutschlehrer zucken zusammen: Schiller! Kabale und Liebe!

Nur ist es dort eine Szene der Selbstermächtigung des Bürgers Miller gegenüber dem adligen Präsidenten, der der Bürgerwohnung verwiesen wird. Hier bei Spielhagen ist es eine jämmerliche Szene des schüchternen Anfragens und sich-schnell-wieder-hinausweisen-lassens.

EZ6Charlotte erlebt ihren Vater im Niedergang, kann ihn aus Haft erretten, aber nicht aus seinem rasanten gesundheitlichen Verfall. Die Zeiten überfordern ihn. Er stirbt. Sie bleibt als starke Tochter zunächst noch übrig. Luise Millerin zwo!

Charlotte ist sogar die bessere, emanzipiertere Frauenfigur. Aber zwischen Luise und Charlotte liegen eben auch hundert Jahre literarische und gesellschaftliche Weiterentwicklung. Und der Meister selbst hat im Unterschied zu seinem Langzeitidol Goethe ein sehr gutes Verhältnis zu mindestens einer seiner Töchter: Antonie, die ebenfalls schriftstellernde Mädchenschul-Lehrerin.

Die Franzosen sind charakterlich zwischen gut und böse perfekt gemischt. Unter den deutschen Figuren fehlt ein Schuft. Somit bekommt das Stück eben doch eine Schlagseite: Fiese Lustmolche gibt es nur „drüben“?! Da fehlts an Ausgewogenheit beider Seiten. Er hätte an Raabes „Im Siegerkranz“ denken sollen!

Auch Schiller hatte seinen Wurm im Stück, den bürgerlichen Schmierlappen auf Seiten des amoralischen Adels.

Am Schluss entwickelt sich eine Szene, die fast Rettung/Flucht des verurteilten Gaston verspricht zur katharsischen Katastrophe. Nun ja. Gaston sieht ein, dass er sich gegen Cambert nicht hätte wehren dürfen – und verzichtet auf Flucht, weil er anschließend hätte ehrlos weiterleben müssen. Das ist realistisch, aber nicht DIE GROSSE – den Zuschauer überwältigende – Überraschung.

Gaston als Will Smith seiner Zeit. Zuhauen und hinterher zerknirscht herumwinseln.

Ausgerechnet der alte Ehrenkodex sich duellierender Adliger wird hier zum Katalysator für einen unbefleckten Heldentod in Konsequenz und Anstand. Obwohl doch sonst alle Realisten in ihren Romanen so oft und so facettenreich den feudalen Ehrenrummel zum Würgetuch so vieler Träumer machten, denen man modern zu leben verwehrt.

Aber abgesehen von jener eher zufälligen Will Smith Parallele:

4. Was macht das Stück so aktuell, dass es mich hier schreiben lässt?

Diese „unmögliche“ Liebe von Gaston und Charlotte provoziert Interpretation:

Wenn der Feind im Land ist – und sich da solch‘ unerhörtes Verlöbnis anbahnt: Was denken die Nachbarn? Wie soll das werden? Wo sollen die beiden glücklich leben können? Welche Sorte Spießrutenlauf kommt auf zukünftige Kinder zu?EZ4

Die Stimmung in Deutschland 1814/15 ist aufgeheizt. NICHTS Französisches wird mehr geduldet. Sogar die Alltagsmode macht eine Rolle rückwärts: Schau dir die Kleider und Frisuren der Damen an: Hie Empire – hie Biedermeier! Steif und zugeknöpft ist sittsam. Frei und luftig ist Verluderung!

Gaston in Hamburg als Exilant? Mit „deutscher Metze“ am Arm? Eine Chance auf Leben in Anstand hätten sie nicht, wenn bei jedem Spaziergang alles vor ihnen ausspuckt.

Charlotte in Frankreich? Als deutsche, bürgerliche Sauerkraut-Braut des französischen Marquis?

Eher wird er von seiner Mutter enterbt und beide müssten armselig in irgendeiner Großstadt über die Runden kommen!

Da bleibt nur der Tod und das Wiedersehen „drüben“ in der andern Welt.

Aber zusätzlich: Ist Spielhagens Plot vernünftig? War Hamburg eine gute Wahl? Wäre nicht gerade auch für den Adelskritiker Spielhagen besser gewesen, einen Franzosen bürgerlicher Herkunft auf eine Kleinbürgertochter treffen zu lassen (in irgendeinem Kaff)?

Davoust hat sooooviel Dreck am Stecken in Bezug auf Hamburg, Napoleon unterband den Englandhandel, das Lebenselixier der Stadt; Davoust ließ verhaften und erschießen, was sich bei Schmuggel oder nur despektierlich Reden erwischen ließ, die einquartierten Landser aus den Gossen Frankreichs führten sich dem entsprechend auf in den Wohnungen der unfreiwilligen Gastgeber. Die Stadt musste Schanzarbeiter stellen, um die Stadt zu befestigen – gegen die Befreier, also die eigenen Leute…

Und dann soll dieses geknechtete Volk die Toleranz aufbringen und Unterschiede machen – zwischen einem Gaston d’Ormont und einem Marschall Davoust? Zwischen Büttel 1 und Büttel 3?

Plötzlich soll die Bibel funktionieren? Liebet eure Feinde?

1815 wurde Frankreich das Elsass gelassen. Trotzdem wurde es 1870 wieder zur Gefahr.

Wenn man nun 1891 in dieser Aufführung saß – mehr als ein gähnendes Achselzucken auf Seiten des männlichen Publikums war da nicht zu erwarten. Die Damenwelt hatte was zum Seufzen. Arme Charlotte! Fertig.

5. Hält das Stück Perspektivwechsel aus?

Was, wenn ein Enkel Spielhagens diese Handlung ins besetzte Riga, Charkow, Smolensk 1943 versetzt hätte? Freiherr von Rübenacker liebt Tatjana Iwanowna, deren Bruder Oleg Partisan ist?

Max Walter Schulz (DDR) schrieb sowas ähnliches ende der 70er Jahre „Der Soldat und die Frau“. Allerdings ohne den Bruder Partisan. In Literaturseminaren reichlich zerredet, erregte es beim Alltagslesepublikum keinerlei Aufsehen.

GI Joe liebt Nugyen Pin Pon, die Schwester eines Viet Cong Offiziers 1973. Würde sie von ihrem Bruder erschossen oder Joe standrechtlich?

Marlon Brando könnte hier mitreden, wegen seiner Rolle in „Apocalypse now“, wegen seiner tahitianischen Frau, wegen der Indianerin auf seiner Oscarverleihung.

Können ukrainisch-russische Halb-und Halb-Ehen in Luhansk und Donezk und Charkiw aushalten, was da jetzt läuft?

Drei Katastrophen später – NACH Davoust in Hamburg – ist das Völkerverständnis nun soweit gediehen, dass man heute in Deutschland einer internationalen Misch-Ehe keinerlei Bedenken mehr entgegen bringt. Wenn heute ein Gaston seine Charlotte freit – soll er doch! Und wenn statt dessen ein Sergej oder ein Laszlo anklopft? Auch egal.

Erbfeindschaften haben sich erledigt. Für UNS. Kurios auffällig ist jedoch, dass die Kontakte nach Frankreich zahlenmäßig deutlich dürftiger bleiben als die nach England oder Amerika.

Wir denken heute „angloamerikanisch“; (mal mehr, mal weniger), jedoch nicht frankophil.

Viele gehen heut mit ihrer mehr oder weniger unbewiesenen Weltoffenheit missionarisch plump hausieren. Aber wenn deren Tochter Charlotte im Treppenhaus, in der Klasse oder beim Kellnern ihren Abdullah aufgabelt, dann – beißen auch sie klamm heimlich, ganz fest die Zähne zusammen beim „Willkommen“ und denken: Hoffentlich geht das  schnell vorbei gut.

Die Prophezeiung von Dr. Barbeyrac über die große finale Völkerverständigung geistert durch Immanuel Kants- und Adam Smiths Werk; sie erlebte Wiederauferstehung in den Parolen der französischen Revolutionen und im Werk von Marx, Engels und Gorbatschow.

Sie erwieß sich jedes Mal als zu schwach, die kommenden Katastrophen zu verhindern.

Aber man klammert sich halt doch dann und wann an die schöne Hoffnung vom kommenden Staat der Edelmenschen. – Wenigstens solange, bis man dem nächsten Arschloch gegenübersteht.

Amen.

Wieland der Schmied

„Huuuuunaaaaa! Huuuuunaaaaa!“

Griesgrämig thront der alte weiße Mann in seiner ehemaligen Arbeitskemenate weit oben im Norden. Dort wo der Aar auf Starkstrommasten horstet und der Rote Milan sich Atzung erslalomt zwischen den Mühlen der Zeit, die da Windräder heißen. Er liest, während das Haupthaar bleicht und der Bart durch die Tischplatte wächst.

Die Trommeln donnern aus den Boxen. Sie begleiten den Lesestoff, jene Legende vom betrogenen Schmied mit dem Kindergemüt. Stiernackige Normannen, die Bartzöpfe ins Scheinwerferlicht reckend, entlocken mit muskelbepacktem Schwertarm ihren Gitarren jene Akkorde, die Wielands Frust tonal illustrieren. Kehlige Röchellaute inclusive: „Gwaaaaahrrrrr! Stirb Niiiiiidung! Stiiiiiiirb!“. Skandinavischer Deathmetal, Postmetal, Drone-Metal rührt an den Wurzeln, die hier herum vergessen sind.

Was hat denn der Bludgeon nu schon wieder?!

Antwort:

Er hat Huna gelesen. In passender musikalischer Umrahmung. „Wieland der Schmied“(Roman; 1924)

wieland 1

Ludwig Huna (1872-1945) ist auch so ein ehemals ganz Großer, über den die Literaturgeschichte inzwischen ganze Staublawinen blies. Sollte man ihn kennen müssen?

Ich finde: Ja!

Und gerade „in jetzig‘ Zeiten“, da die apokalyptischen Reiter traben.

Krieg, Teuerung und Seuche sind bereits da. Die Missernte wird kommen.

Wieland, der Wühlland, der Riesensohn, wählte die Selbstverzwergung und lernte dort unten, weit weg von den Fjorden Norwegens, weit unter der Erde, die Geheimnisse des Metallfindens, der Schmiedekunst für Schwerter und Geschmeide. Emporgelangt ans Tageslicht, spottete er dem Fluch der Zwerge, die wussten, dass ihre Geheimnisse nun verraten sein würden – an die Menschen, denn zur Hälfte war Wieland auch das.wieland 3

Schön, stark und kenntnisreich wollte er nun in den Wolfstalen von Norge ein gar friedlich Leben führen; aber Neid ist in der Welt. König Nidung, der Neiding, lechzte nach jenem fähigen Waffenschmied und Oddrun, seine Gemahlin, die Widersprüchliche, die Probleme machende Schöne, sehnte sich nach dem Geschmeide und der männlichen Schmiedestärke.

Wieland wurde Opfer ihres Anschlages, missleitet verirrte er sich in der Welt „westwärts von Norge“ ins Reich seiner ärgsten Feinde, eben jenes Königreich Hetland von König Nidung. Die Schicksalsnornen hatten seinen Faden als zu knotenfrei empfunden und schnell so einige Knoten in die weiteren Abläufe seines Daseins hineingewoben. Die Knotenschrift der Schicksalsgöttinnen verhieß ihm nun plötzlich übel Drangsaal.

„Denn nur die Not lehrt dich zu leben! Danke der Not, die dich zwingt, über dich hinauszuwachsen!“

Es ist in alten Mären gar wunder vil gesayt…

Und lebenskluge Hinweise steckten in den Gesängen der Skalden, der Ur-Minnesänger der Völkerwanderungszeit.

Nidung lässt Wieland die Fußsehnen zerschneiden, damit er fluchtunfähig wird, jedoch arbeiten kann. Wieland wird sich böse rächen. Aber das dauert!

wieland 4Die Waldwelt der Germanen zu Zeiten Roms war eine Welt des Kampfes. Die Völker waren jung und so benahmen sie sich ewig wie auf dem Schulhof, wo der friedliche Kluge dem kräftigen Sitzenbleiber unterliegt.

Nichts gedeiht auf Dauer.

Und mancher, der alle Gaben zu haben schien, lebt ein Leben voller Brüche in tausend Sackgassen.

Wieland; das ist der Knabe, der hoffnungsvolle Nachwuchs, der -vom Wege abgekommen- Dichter wird und sich auslachen lassen muss – bis eines Tages ihm oder seinem Werk Flügel wachsen, mit deren Hilfe er sich erheben kann über all das Erdengewürm, das neidhammelige.

Aber Wieland ist auch das Volk oder Land „das eigentlich alles hatte“, dem die Nachbarn jedoch nicht gönnten, was es sich selbst erschuf.

Die Sicht der Zeitgenossen Hunas auf den ersten Weltkrieg ist genau DIE.

Huna, der Österreicher, hin und her gerissen zwischen der gemütlicheren Lebensweise im vergreisten Kakanien des Uralt-Kaisers Franz Josef, aber gleichzeitig fasziniert von den Erfolgen „des Reiches“ da im Norden, ist empfänglich für all die romantisch anmutenden Sagen aus Urwäldern und von den rauhen Klippen Skandinaviens. Er steckt fest, als Deutscher unter all den Zwergenvölkerschaften Österreich-Ungarns. Eigentlich fühlt er sich den „Nordlandriesen“ zugehörig.

1872 geboren, Militärkadett gewesen und bereits als Leutnant unehrenhaft aus der Armee entfernt worden, (er hatte sich einem Duell verweigert, oder aber eine Streitschrift über den Unfug des Duellierens verfasst; die Quellen sind sich hierüber uneins) hadert er mit seinem nicht mehr reformierbarem Land. 1848 war es durch ein Russenheer vor dem Zusammenbruch und Auseinanderfallen geradeso bewahrt worden. Seither war es ein Gebilde im Wach-Koma. Folgerichtig erlebt er die militärische Schwäche Österreichs ab 1914; während Deutschland im Norden, nicht nur gelingt, Ostpreußen vor den Russen zu retten, sondern auch Österreich „herauszuhauen“, als die Russen an der Karpatenfront zum Durchmarsch auf Wien ansetzen.

Gorlice ist 1915 im Süden ein zweites Tannenberg, dank preußischer Waffenbrüderschaft.

Als 1918 alles zusammenbrach, da war es Huna, als ob Wieland nun ein weiteres Mal die Fußsehnen durchtrennt worden wären, damit er nicht fliehen, aber arbeiten könne, für den Sieger Frankreich.

Deutschland hatte auch nach 1918 alles, was es braucht, um erfolgreich zu sein: Fleiß, Stärke, Kenntnisse (Nobelpreise aller Art flatterten nur so herein) – aber richtungslos wie Wieland bei seiner Ankunft in Hetland stand es da:

„Was trieb dich her?“

„Ich weiß es nicht.“

„Was willst du hier nun tun?“

„Ich weiß es nicht.“

„Wie lange willst du bleiben?“

„Ich weiß es nicht.“

Tumb und bieder will Wieland fleißig sein. Selbstlos Wunderwerke schaffen. Sich ausnutzen lassen.

Keinen Gedanken verschwendet er an seine Zukunft.

Reparationen. Und Volksbetrug per Hyperinflation. Millionen Deutsche hatten Kriegsanleihe gezeichnet, dem Staat Geld geliehen. Da der Krieg verloren ging, bekamen sie ihre Vorkriegstausender harter Währung nun in Inflationsgeld zurück. Ende 1923: Ein Volk steht ohne Ersparnisse da. Und dankt es dem Staat mit Verachtung.

1924 erscheint Hunas Roman.

Seine Romane sind Bestseller bis 1945. Dann stirbt er 73jährig. Sein Ruhm überlebt ihn nicht. Ein Spielhagenschicksal.

Als ich nun 2022 den „Wieland“ endlich durchlas, überwältigten mich die Assoziationen.

Wie schlug dieses Buch 1924 ein? (Siehe oben)

Warum flocht Vater soviele Wielandvergleiche ins Alltagsgespräch ein?

„Du weißt, was du kannst; lass dich nicht zum Wieland machen!“

Als ich den Verlobungsring präsentierte:

„Bewahre den Ring! Denk an Wieland den Schmied!“ (Den ich bis dahin nicht gelesen hatte.)

Als mir mit 11 das Wachstumsrheuma dicke Füße machte:

„Kopf hoch. Wieland biste keiner. Das wird wieder.“

Usw. usf.

„Denn nur die Not lehrt dich zu leben! Danke der Not, die dich zwingt, über dich hinauszuwachsen!“

Genau DAS hatte Vater erlebt! Und der Spruch hatte sich bewahrheitet. „Von ganz unten auf“ hatte er es allen gezeigt. Mit 40 stand er besser da als alle in der Verwandtschaft!

Ich hatte den Wieland einmal mit 17 und einmal mit ungefähr 40 lesen wollen, aber wegen übergroßer Langweiligkeit des Anfangs beide Male beiseitegelegt.

Jetzt mit 62, wo nichts mehr drückt, hast du auch Zeit und Muße, dich durch ein rätselhaft lahm erzähltes Buch zu fräsen, um das Geheimnis der Saga zu ergründen. Deathmetal als Gleitmittel machts möglich!

Huna machts dem Leser nicht leicht. Die ersten 150 Seiten schaffst du, weil du es um dich donnern lässt. All die Frühzeitbezeichnungen für Götter, Halbgötter, Nornen und Alben, die Vorstellungswelt aus Yggdrasil und Midgardschlange machen dir zu schaffen. Und es ist wirklich wenig los soweit. Dann aber überschlägt sich die Handlung. Dialoge werden nötig, der Turn wird lesbarer, sogar spannend, spart auch eine ziemlich anschauliche Barbarenerotik nicht aus.

wieland 2Beeindruckend, wie sich ein Autor aus vergleichsweise scheintotem Bodensatz so dermaßen emporschrauben kann, in seiner Erzählweise.

Am Ende pfuscht er wie Raabe in seiner „Hergotts Kanzlei“. Auch Huna scheint ganz plötzlich fertig werden zu wollen. Wieland ist durch Albenzauber an Botlinde, die zahme Tochter Nidungs gebunden und sie an ihn. Jedoch sind Vater und Stiefmutter gegen diese Verbindung. Die Sage verlangt jedoch die Vergewaltigung der Botlinde durch Wieland. Um Wieland im positiven Licht belassen zu können, muss sich Botlinde also von der zarten Fee in irgendwas Böses wandeln – und das geschieht bei Huna verunglückt abrupt. Von jetzt auf gleich ist sie „die Tochter ihres Vaters“, die mitleidlose, arrogante Kuh. Barbarin eben.

Aber zurück zur Lesewirkung im Wandel der Zeiten:

Wie fühlte sich das an, den „Wieland“ 1943 als Frontausgabe im Tornister zu haben? All die wehrpflichtigen jungen Männer, die 1943 noch übrig waren; die man von der Schulbank lockte, oder aus dem Hörsaal zwang „zu den Fahnen zu eilen“, und die sich in Russland die Zehen abgefroren hatten – sahen die sich als Wielande? Hatte Kuhlenkampff ihn gelesen?

Du hockst im Unterstand vor Charkow. Die Artillerie rumst in der Ferne und du liest, wie der Skalde Thorrolf Ragnarök (das Weltende) beschreibt in König Nidungs Halle:

Wie der Himmel einstürzt, die Berge bersten, nicht Eicheln- sondern Eichen fliegen…

Du hast das alles schon erlebt. Auf dem Vormarsch und nun auf dem Rückzug. Du wolltest nie in russischer Steppe siedeln. Wozu dieser Wiking, der nichts bringt? Wie kannst du dich aus DIESER Drangsaal davonmachen?

Überlaufen? Die Russen erschlagen dich!

Desertieren? Strafbattaillon. Vorwärts marsch ins nächste Minenfeld!

Sich selbst verstümmeln? Standrechtliche Erschießung bei Nachweis.

Man müsste fliegen können, wie Wieland am Schluss. Oder war sein Flug auch nur einer ins Jenseits?

Wie fühlte sich das an, wenn du 1954 unter Tage Kohle oder Erze förderst und den Wieland kanntest? Wann entkommst DU dem Zwergenleben? Welche Schicksalsschläge erwarten dich anstelle König Nidungs noch? Die einen fahren bereits Auto – du noch immer Fahrrad. Wann entstehen DEINE Flügel?

„Wirtschaftlich betrachtet ist Deutschland heute ein Riese, aber politisch ein Zwerg.“ (Franz Josef Strauß, irgendwann vor 1983)

Also war die alte BRD wieder in der Wielandrolle wie jene Republik zwischen den Kriegen, die nicht leben und nicht sterben konnte? Mir deucht; jener 20er Jahre Vergleich passt besser.

Oder war eher die DDR der Wieland, der nicht zu Potte kam, weil ihm Nidung(Moskau) das Gehen unmöglich machte?

Und heute nun – 98 Jahre später?

Passt die Sage eher auf Putins Russland, das einst auf den Westen zuging, jedoch von dort ausgenutzt, schließlich um sich schlägt?

(Nidung versprach Wieland Botlinde zur Frau, aber er trickste und hielt nicht Wort. Es waren schöne, Hoffnung machende Reden, so lieferte Wieland fleißig, was man von ihm verlangte.)

Oder passt sie auf die Ukraine, die „etwas konnte“, was Nidungs Leuten (in diesem Falle Putin) nie gelang, nämlich demokratische Ansätze zu schmieden, die (noch lange nicht perfekt) besser waren, als diejenigen, die man am Hofe Nidungs zu schmieden versuchte;  weshalb ihr nun die Fußsehnen durchtrennt werden sollen?

Es steckt auch allerhand Ilja Muromez in Wieland – vom Krüppel zum Superstar.

Gwaaaahhhrrrr!

Es ist in alten Mären gar wunder vil gesayd…