ELVIS lebt!

1972 oder 73. Sechste oder siebente Klasse. Mathe-Vertretungsstunde im Musikraum. Herr L. scheint den Raum nicht zu finden und kommt zu spät. Luggy, der musikalische Pastorensohn, ein Jahr zurückgestellt und deshalb „überaltert“ in unserer Klasse, frühreif und durch zwei ältere Hippie-Brüder „verdorben“, mit äußerlich entfernter Ähnlichkeit zu Robert Plant, den wir wiederum noch nicht kennen, entert den Flügel und gibt Rock&Roll vom feinsten: Fantasie-englisches Zeug plus deutschsprachigem „Scheißhausrock“, als Herr L. endlich den Raum gefunden hat und in der Tür steht. Luggy bricht ab, beißt die Zähne zusammen, zieht die Mundwinkel breit und schleicht geduckt zum Platz. Herr L. handhabt die Situation moderat mit kurzem „ts-ts-ts- da bin ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen…“ und beginnt mit dem Unterricht. Am Ende ist er 5 Minuten zu früh fertig und sagt doch tatsächlich: „Luggy komm, spiel noch eehn.“ Und zeigt auf den Flügel.

Die Stunde begann mit „wammpampaahy und ä kauntyschejl“ und sie endete auch so. Den Scheißhausrock traut er sich in Lehrerbeisein nicht ein 2.Mal. Das ist auch nicht nötig. Der Text saß vermutlich bei allen sofort. Nicht nur bei mir. Vier Jahre Flötenunterricht liegen hinter mir und nun, im zweiten Jahr meiner Akkordeon-Qual, saß ich betroffen und geplättet in meiner Bank. Nichts! Aber auch gaaaar nichts hatte mich zuvor so dermaßen umgehauen, wie Luggy am Klavier. Und der benutzte beide Hände! Und es klang! Laut, heiß, fetzte wie nur was – hätte eeeeewig weitergehen sollen – aber da klingelte es. Luggy brach ab, alles tobte zu Pause, scheinbar war nur ich in Trance…

Auf dem Hof noch ein paar Komplimente an den frisch geouteten Pianoman:

„Ey Luggy! Saaach deim Vahdor, er soll dor ne chrößre Ohrmbanduhr schbendiern! Sonnst wärd das nüscht mit dor Alvin Stardust Garrjehre!“

„Luggy dor Dasdnfiggor! Echt ehy! Geil. Gannsd bei Slade einsteichn.“

„Gwadsche keehne Scheihse! Die brauchn kehne Dasdn. Ä Gilbord O’Sallivan würddä.“

Ich hielt mich raus. Mir hatte es die Sprache verschlagen. Dem bringen die Brüder ratzfatz bei, mit 10 Fingern zu spielen und ich mühe mich seit zwei Jahren bei meiner alten Akkordeonlehrerin ebenfalls beidhändig und erfolglos an Hits der Marke „Bauernmarsch“ oder „Vuchelbeerbaaahm“ ab…

Nunja, das mit dem Abmühen ist relativ. Die Musikauswahl und das uncoole Instrument kotzten mich dermaßen an, dass ich mich eher vor dem Üben drückte und bald schon die offizielle wöchentliche Unterrichtsstunde durch einen mehr oder weniger langen Toilettengang verkürzte. Und so stand eben Luggy im Licht – und Bludgy nicht.

In der 8. Klasse bekamen wir unseren Geschichtslehrer auch in Deutsch und das fand zum mindesten ich sehr gut, weil er mein Lieblingslehrer war. Jung, witzig, konsequent und undiplomatisch gradlinig.
Der gab eine lehrplangetreue Aufgabe auf:

Bis nächste Woche; Hausaufsatz, Thema „Mein Vorbild“, nehmt jemanden, denohr leiden gönnd und schreibt mindestens anderthalb Seiten. Klar!“

Angela meldet sich. Herr M.: „Wassn noch?“

„Kann ich da auch mein Papa nehm?“

Kmmmmm, Vogelzeigen, Kichern, unterdrücktes Gelächter. Eine Geste von Herrn M. genügt.

„Glar. Geht alles. Abor keene Viechor! Nich dassor mir mit Cheeta oder Lassie gommd! Verarschn gann ich mich allehne.“

Ecke singt: „Ich wär so gern ein Huhn. Ich hätt nich viel zu tun…“

Herr M.: „Na dem Ideal bisste schon verdächdsch nahe gegomm.“

Bernd: „Ohr Ecke! Zeich‘m jetze bloß nich deine Eier!“

So schrieben wir also drauflos und gaben pünktlich nach einer Woche ab, außer Kalle, Impfe und Ecke, die – vergeblichen Aufwand sparend – die 5 lieber gleich akzeptierten.

Eine weitere Woche später bekamen wir die Aufsätze bewertet zurück. Ohne Kommentare, einfach so. Die Vorgängerinnen von Herrn M. hatten den – oder die besten immer vorlesen lassen. Also meldete sich Andreas und wies Herrn M. auf diesen Brauch hin.

Die Antwort war: „So? Naja. Wir hatten 6 oder 7 Einsen. Das dauert zu lange. Wer will denn?“

Andreas: „Kann nicht Luggy vorlesen? Der hat über Elvis geschriehm.“

Herr M. „Der hadde doch bloß ne 2, aber von mir aus.“

Gesagt getan. Wir bekamen so einen typischen BRAVO-Schwärmtext vorgelesen: „Wenn Elvis zur Gitarre greift, vergess ich alles um mich her…“

Weiß der Teufel, wo er diesen Schwulst herhatte. Eventuell war seine ältere Schwester die Ghostautorin. Mich plagte beim Zuhören vor allem der Gedanke, dass ich scheinbar der einzige war, der wiedermal nicht wusste, was alle zu wissen schienen: Wer war dieser Elvis?

Also zuhause nach gefragt:

„Vati, kennst du Elvis Presley?“

„Die Heulboje des Kapitalismus? Klar. Das isso ein vernegerter weißer Ami, der so tut, als ob er singen kann.“

Ach klar. Ich hätte die Antwort ahnen können, wenn es um modernere Musik ging. Bekam ich doch bei Fernsehauftritten von Bands aller Art und väterlicher Anwesenheit stets die Kommentare über „Hottentottenmusik“, „ungewaschene Hälse“ und „die sollten was essen, dann hörnse off zu schrein“ gleich mitgeliefert. Aber es kam diesmal noch ein unvermuteter Nachsatz:

„Als ich Mutti kennen lernte, war der im Westen irre berühmt und deshalb hier verboten, wie nur was. Da hamm die den aufm Tanzboden zu später Stunde manchmal doch gespielt und dann ging die Post ab: Hey Barbariba, yesyesyes-no… und so weiter.“

Verboten! Und dieser gesangliche Ansatz „Hey Barbariba“ ließ prompt Bilder von Luggy am Flügel auferstehen. Der musste was sein!

Der Song an sich war, wie sich später herausstellen sollte, eine Fehlinformation: Hey Barbariba hat Elvis nie gesungen. Aber der Zeitraum stimmte und Rock&Roll der 50er Jahre klang so schön alt, nach Bodenkammerfundmusike, nach Holzkastenradio, Frohburger Mansardenwohnung und Omas Schnittchen … es wurde eine Liebe fürs Leben.

Ich hörte seit jener Vertretungsstunde im Musikraum begeistert „Memory-Hits“ vom Deutschlandfunk, hatte aber bisher die Namen einfach vorbeirauschen lassen. Nun begann ich HINzuhören: Wann kommt mal was von Elvis…

Der musikalische Horizont wuchs. Luggy kannte noch Buddy Holly, der mit einem Flugzeug abgestürzt war. Den Akt stellte ich mir nicht als profanen Schlechtwetter-Crash vor, sondern als schief gegangenen Showeffekt: Buddy Holly an den Steuerknüppeln eines Stuka‘s, der in Richtung Bühne sturzflugt und die Kurve nicht kriegt. Detonation und Feuershow statt Rockkonzert. Buddy Holly ist tot, es lebe Buddy Holly! Alice Coopers Bühnenpräsenz lieferte die Denkvorlage (gemixt mit antiquarischem Lesestoff) Little Richard und Jerry Lee Lewis kannte er noch. Bald schon überholte ich ihn:

Doowop fetzt mehr als Rockebilly!

Hä?

Platters, Moonglows, Franky Lymon and the Teenagers… Die Rubettes beklaun die gerade.

Ich war zum Auskenner geworden. Die Fan-tümer wechselten, wie die Hemden.

Im Frühjahr 1977 lief im Radio eine selten schöne Nummer namens „Moody Blue“. Die Anmoderation verriet: „Hier mal wieder was vom King…“ Huch? Den gibt’s ja auch noch?!

Ein paar Wochen später waren große Ferien. Nächtelange Beutezüge im Nachtprogramm der Radiosender. Es wurde August. Dann kam der 16. …

„Way down, such a lovely place, way down I am tired of waste…“

„Der 42jährige King of Rock&Roll wurde heute morgen tot in seinem Badezimmer gefunden…“

„There will be peace in the valley for me-he-he-he … someday.“

Jetzt war someday ran.

Die Sender überschlugen sich. HR3 reagierte mit einer komletten Rums-Sendung: Karriereüberblick. Nachruf. Hier erst erfuhr ich von seiner Filmmisere, vom Comeback Special, von der Las Vegas Phase. Hier erbeutete ich „in the ghetto“ und „Suspicious minds“. All time fav‘s (neben anderen Nummern auch).DSC03973elvis

Die ARD ließ sich nicht lumpen und sendete kurz hintereinander erst „Alloha from Hawaii via sattelite“von‘73 und dann das 67er „NBC Comeback Special“. Und wir hatten gerade den früh60er Fernseher entsorgt und nun einen mit Diodenbuchse! Elvis live – und länger!

NDR2 sendete 10 Teile „Let me be your Teddybaer“, eine Elvisbiografie in Wort und Musik von Wolf Rüdiger Sommer; und die „Memory Hits“ die 20teilige „Elvis Presley Story“. Wer damals etwas über Elvis wissen wollte – der erfuhr es. Udo und ich wurden Elvis-Junkies.

Ein Jahr verging: Udo hatte begonnen zu rauchen. Nicht wie alle – Karo und alte Juwel, sondern Zigarre. Am 16. August saßen wir beide im Biergarten der Schönburg unter der Linde. Udo legte nicht wie gewohnt Zigarrenpackung und Feuerzeug neben sein Bierglas, sondern eine Schachtel „Memphis“- Zigaretten (für damals 7.- M die teuersten Glimmstengel im Osten). Vom Nebentisch kommt ein neidischer Kommentar.

„Guggse dir an die Hüppor! Keeh eichnes Jeld verdien, obor Memphis roochng!“

Udo, der Lehrlingsgeld bezieht, nimmds gemütlich: „Ruuuhich Meestor, mir ham August! Vorsjoahr um die Zeit is dor Ging gestorm, deshalb muss das jetze ma‘ sein! Wollnse eehne?“ und hält die Schachtel rüber.

Der Wirt bringt gerade Nachschub und hörts.

„Jungs, ihr seid richtich. Was wolltor trinkng.“

Wir sind stilecht drauf: „Kreuz des Südens“. Er bringt den damals beliebten Aprikosen-Rum-Verschnitt und setzt sich ungefragt zu uns: „Elvis-Fans? Alle beide?“

Wir schwärmen ihm ein bisschen die Ohren voll, dann packt er aus:

„Ich komme ja nich‘ von hier. Ich bin von drühm hierher gezong. Von Hessen.“

„Warum denn das?“, staunen wir ihn an.

„Ach, frachd misch nisch. Lange Geschichde. Eigentlich gings mir drühm gut. Ich war Zivilbeschäftischde‘ bei der Army in Friedberg. Gelernde‘ Friseur. Meister! Ich hab Elvis die Hoar‘ g‘schnitten. Meh’molls!“

Wir glaubten eine Jesuserscheinung vor uns zu haben!

Er genoss den Eindruck seiner Flunkerei und belohnte uns noch mit dem Turmschlüssel.

„Wolltor hoch? Gebbsch nüch jedn, gell. Nur weil ihrs seid.“

Dann standen wir oben, genossen das Panorama.

Udo: „Gloobst du ihm die Geschichte mit Elvis?“

Ich: „Nö, aber’s fetzt.“

In letzter Zeit trieb ich mich wieder viel auf Burgruinen herum. Sommerwetter. Ausflugslokale, umgeben von halbweggeklauten Mauern.

Und wieder ist es August. Der denkwürdige 16. von Memphis ist 40 Jahre her.

DSC03974elvisDer „Rolling stone“ feiert ihn mit einer Elvis-Titel-Story und einer beiliegenden Vinyl-Single. Sie enthält auf der B-Seite „Blue Moon“. Damit nicht genug! Im Artikel wird endlich auch einmal gewürdigt, was für eine unerhörte und sträflich unbeachtete Nummer das ist. Ein Must Have!

Elvis immortalis est.

Treffpunkt German’scha

Blogger-Tour II. Diesmal in noch kleinerem Rahmen als beim ersten Mal, weil Riffmaster überraschend ausfiel. Einziger Gast deshalb: Graugans. Die Mutter des Feinsinns trifft auf den garstigen Kommentator. Kann das gut gehen? Stoßen Blogger livehaftig aufeinander, kennen sie sich im besten Falle bereits jahrelang virtuell. Es braucht also nur Sekunden, um den wirklichen Schreiber mit dessen virtueller Gestalt in Einklang zu bringen und nach 3 Sätzen Small-Talk versteht man sich – auf’s Komma (oder man reist wieder ab). Die Graugans blieb. Und Bludgeon wollte auch nicht weg.

DSC03427burgenlandTreff: Germania und weiter Himmel/Landgraf Ludwigs Edelacker/ Danzer I./ der Kaffee schmeckt – auf der Rudelsburg nicht/Chiemsee und Neuschwanstein /Kinnich oder Kinni/koksender Ambros/ Schmidtbauers Gäste auf Bayern TV/ klampfender Cornelius/auf ‘nem tollen vergessenen Album von Hubert Kah/ Buchholzcowboys im Prießnitz-Sound/ Maismonokultur kills Panorama/ Vogelwiese mit Totalschadensmeldung/ Ratsherrenpils und Wandelkonzert/St. Wakeman Cathedral/ hie Hildebrandt – hie Ladegast/ Dr. Albert Schweitzer grüßt aus Lambarene/dialektisches Training bei Ratsherren-Pils/das hallesche Singen und die bayrische Verneinung…

Treff: Mohren-Kaffee/ Danzer II./Ian Hunter Cover Dom Entree/ Franz von Assisi Treppe/ ich war was ihr seid – ihr werdet, was ich bin/ Uta oder der Bamberger Reiter /ein Kunstschmiedekreuz am Bächlein daheim und Schach spielende Meerkatzen im Namen der Rose /Gleenes Gino/Nietzsche/ Kindergärten im alten Osten/Semmelknödel oder Kartoffelklöß‘? Lektion1 /Dorf 1 und Dorf 2/die Schönburg und der Frosch-Hof ohne Pferde/ 2 Cheyenne auf dem Highway/ von Luftschlössern, die zerbrochen sind/ hie Patina – hie Kaputtrenovierung/ bei den Pavilliontreppen/ Standort Parkbank/ Russen im Wald/ Gorby Sticker Zeiten/ Meyweckerwader/ Welterklärungsversuche auf west-und ostdeutsch, endend in Gelächter/Flucht vor ner Wolke/ Börchergordn von drinne/ Portemonnaies, die nicht aus der Tasche wollen/ zahl du morgen, wenn der Kaffee nicht schmeckt/ seitlich am Knast vorbei…gut Nacht.

 

Treff: Knast/Danzer III./ …in Scheibs kanns a ganz g‘miedlich sein/ auch auf der Rudelsburg/ Kaiserdenkmale bei Kaiserwetter/Brauchtum/wer’s braucht/ Flaggen auf Türmen/ Rudelsburger Kaffeeboykott/ grüner Tunnel ins Himmelreich/ wo man Vögel einsperrt und Kaffee auch nicht schmeckt/ Semmelknödel oder Kartoffelklöß‘ Lektion2/ afterglow bergrunter/ cinemashow bergrauf/ Schkölens verschwundener Rathaussaal/ auf Schliemanns Spuren/ Trojaburg/ Labyrinth ohne Minotaurus/ aber‘s Lamb liechd noch am Broadway rum/ Börchergordn one more time/ über EINkommen und ENTkommen/ schreiben und bleiben/ Ouzo schmeckt(nicht) aber der Kaffee/ Einparken vor Ost-Kulisse/Stacheldraht all over/ Knast/ hier darfs nicht enden/ back to school/ Goldener Hahn in Ruinenstatus, Kleine Bühne, Salztorschule/ 1632 noch Gasthof zum Scheffel/ damals berühmte Gäste/ Ecki verkürzte 1975:

Gennsde Gustav Adolf den Schwedenging? Der hoad bei uns im Chemieraum jeschloafm!

Verabschiedung an der Germania …

DSC03423burgenland

… auf bald, liebe Graugans.

 

Bludgeon

Die Frischluftdusche der 70er

„Couldt be wrong-a, couldt be right …“ PIL sind so eine Combo, die immer mal wieder die Schwelle zum Ernstgenommen werden streift, einen Diamanten kackt und dann wieder nur Durchfall produziert. (Falls dich die Sprache stört, es geht um PUNK, Maaaan!)

By the Way! Üba Punk schreim, da is Pennälersprache Pflicht. Denglish rules! BRAVO-Deutsch. Thats the Gag on the Sack, you know?

„Rise“ ist so ein Diamant im PIL-Schaffen. 1986/87 ein Tröster für alle Punk-Sympathisanten der ersten Stunde, die nach der „Asche“ und Studium im Berufsleben ankamen, um festzustellen: Oh Mann! Und dafür hab ich diese vielen Aufsätze über den „Sinn des Lebens“ schreiben müssen? „ANGER is an Energy! The written word is a lie!“ (You see it like it is, Johnny!)

  1. Flucht ins BLONDIE-Idyll (mal wieder!) mit „In the sun“, einem dieser flüssigen Abgeh-Hopler der Frühphase; kennengelernt aber erst Mitte der 80er und deshalb fälschlicherweise für ein Spätwerk gehalten, zeitgleich war damals jenes schwache „the tide is high“ und „french kissin‘ in the USA“ draußen. „In the sun“ stammt jedoch bereits vom Debut 1976, das ich erst nach der Wende kennenlernen konnte.
  2. dann endlich ein unverzichtbarer Hinweis auf DAS BLONDIE-ALBUM: „Parallel lines“, jedoch nicht „Heart of glass“ oder „Sunday girl“ tragen bei mir das Krönchen, sondern „Will anything happen?“. Welch programmatische Frage, wenn sie dir im Sommer 1980 im Spieß-Ural via Ostrundfunk gestellt wird, abfahrbereit nach Gefechtsalarm, zur Bahnverladung zwecks anschließender Raketensicherstellung bei Lübtheen. Und zeitgleich auch: was für ein schöner Gruß von zu Hause, denn die LP war die letzte, die ich vor der „Aschezeit“ komplett aufgenommen hatte. Das Band kam in jener Zeit gar nicht wieder runter vom Jupiter auf dem Bücherschrank: Vorderseite „Parallel lines“ und Rückseite „Give‘em enough rope“ von Clash. Irgendwie war ich ja momentan gerade „Tooo-mmy Gun….“

4, THE JAM(du-diii-da-dodo-dupmdupmdupm) natürlich mit „in the City“; und der1978 überfälligen Aufforderung zum Gespräch „about the young ideas“, die dir andere Leute permanent zu fears umdeuten, indem sie dich an die Kette legen. Du bist automatisch der junge Hund, der zur Leitmelodie den Kopf schleudert (Pogovorstufe) um das Halsband abzuschütteln… „a wonna sayyyyy! A wonna tell ya!“… aber es findet sich ja eh keiner, der zuhören würde …

Deshalb kommt nun die 5 – die düstere Gewitterwolke, die den zerstörerischen Ausbruch bringt: „Rights! Now! Hahahah… Oi yem thi antikreista, oi yem thi anarkeista…“ natürlich die PISTOLS mit dem Fanal der Zeit. „Anarchy for the UK“. Colkney Inglish rules! Ohne Colkney wär‘ der Punk nur halb so schön! „You get the best? I use the rrrrrest!“ bringen sie in ihrem Parolensalat auf den Punkt, was Punk überhaupt erst möglich werden ließ: Empirezusammenbruch, Bildungsmisere, Jugendarbeitslosigkeit in Inglääänd; miese Jobs und no future – no future als Kammerjäger, Promozettelverteiler und Aquarienputzer in the Pet Shop per Minimumwage! Times were krank, thats why the Punk. Im Osten aus anderen Gründen.

Song Nr.6 is comin‘ deireckt, (if you know, what I mean) from the  formerly famous TV-Show „Szene‘78“: Hier sind die STRANGLERS mit „nice and sleazy! Does it, does it, does it ev’ry time!“  (‘nuff said).

Number seväääääään: Hit me with your rhythmstick! Masterpiece auf 3:44 Minuten. Listen to the Sax-Solo in the middle (dok-dok-dok-doooook-dokdok) welcome on the farm! Get it together with the lyrics and smiiiiiiiile! IAN DURY überhaupt entwickelte sich dank seines musikalischen Masterminds CHAS JANKEL zur anspruchsvollen grauen Eminenz des Punk. Kaum war der Jankel ausgestiegen, gings auch mit Dury bergab. Jankel verschwand ebenfalls in der Versenkung. Drum: Never change a winning team!

  1. „Into the valley“ von den SKIDS lässt an spätpubertäre Moped-Raserei denken, the road is yours! Das zumindest sollte auch im Osten gegangen sein, denkt man. — Aber der Song ist nur aus ironischen Gründen auf der Liste: Have you ever been riding a Mokick S 50 N? You don’t come out of the Knick! Bergrunter ging ja noch – aber bergauf? Schafftses oder fängt se an zu husten … die Karre. Und oben warten TS-Christian und Sperber-Tommy auf den abgestiegenen, schiebenden Esfuffzich-Bludgy… „got my Moto’cyclejackett but I’m walking all the ti-ime“ (Clash; aber ihren Song „This is England“ gab es ja 78/79 noch nicht)
  2. THE JAM zum Zweiten: „Going Underground“, yeah so war’s: Wir hielten uns dafür. Wir waren anno’78 nur 3 bis 4, die Punk mochten; die Bands kannten, die keiner kannte; die der Lyrics-Conterbande wegen rasante Fortschritte in Sachen Englisch-Wortschatz machten; die schon wieder kurze Haare trugen, kaum dass Langhaar Mainstream wurde, was in der DDR ja länger brauchte als im Westen. Aber wenn der Kreistierarzt oder die verhassten Chemie- und Bio-Lehrer (Ende40/Angang50) beginnendes Grauhaar übers halbe Ohr sprießen lassen, dann isses Zeit für —- IGEL!
  3. XTC „Generals and Majors“ von 1980, „sehnen sich nach Krieg“; schade, dass ich DEN Song erst nach der Wende kennen lernte! Bei Westernhagen lässt sich auf seiner 85er LP „Lausige Zeiten“ der Song „Tanz mit mir“ mit tollen Lyrics finden: „Für jeden echten General ist jeder Friede Frust“: DER HAT XTC GEHÖRT! Aber im XTC-Original wird zusätzlich musikalisch geohrfeigt mit dieser herrlichen Marschmusikpersiflage. Zapfenstreiiiiiich!
  4. Nochmal die SEX PISTOLS mit „Holidays in the sun-a“, was eigentlich nochmal Jams „in the city“ Riffing ist; John Lydon gibt’s inzwischen zu, aber bei Jam findet sich eben nicht die für Ossis geniale Zeile: „Now I gatta reason nau ei gatta riesn to be weird! The Berlin Wall!“
  5. IAN DURY again: Fussball ismirjawurscht, aber gegen schiefe Massenchöre bin ich machtlos: Listen to the refrain of „Fu-ckin‘ Ayda“!
  6. JOY DIVISION next! „Atmosphere“. Ihr bester Track. 1988/98 hatte ich mein erstes Punkrevival. Wie man heute weiß, war die Stagnation der DDR auf dem Höhepunkt. Niemand wusste, wie lange es noch geht. Jeder redete beim Maracujasaufen von erlebten Unzulänglichkeiten und behördlichen Zumutungen. Und von Gorbatschow dem Hoffnungsträger! Da entdeckte ich das „Parockticum“ auf DT64 Jugendradio für mich und Lutz Schramm spielte dort außer immer besserwerdendem Ost-Punk (vielleicht demnächst mal ein Thema hier) Joy Division, Pixies und Nick Cave rauf und runter. Eigentlich gehören Joy Division ja auch in die Phase um 1980 herum, aber: „Don’t walk away – in silence“ schien 1988 zu sagen: „Hau nicht einfach bloß ab!“ Passend in depressiver Stimmlage vorgetragen und gerichtet an all die Ausreiseantragsteller um einen rum. Sehr feines Stück.
  7. TALKING HEADS „I zimbra!“ von der „Fear of music“;
  8. TALKING HEADS „Live during wartimes“ vom selben Album; für mich ein siamesischer Zwilling, da ich beide Songs einst so zusammenhängend aus dem Radio erbeutete. Rätselhaft und mitreißend. Umso enttäuschender – als ich dann die Patte hatte – war der Rest. Waren Pistols, Scham 69 oder Dead Kennedys zu schabloniert für LPs waren diese irgendwie zu – äh, tja, verschroben triffts am ehesten. Auf jeder Platte ein oder zwei geniale Momente, der Rest fällt unter — Geräusch.
  9. muss nach all dem Gezucke was Beruhigendes her: TANYA TUCKERs Ausbruchsalbum „TNT“ muss herhalten mit einer gänzlich unpunkigen, unrockigen Besänftigungsballade mit der Story von zwei Freunden, die sich nach Jahren der Gemeinsamkeiten aus den Augen verlieren, „like the river and the wind“. Sehr guter Text, voller schöner Bilder und perfekt angemessenes Streicherarrangement. Dass ich dieses Album hier wieder (wie bereits in Playlistrausch) erwähne, mag zu spät geborene verblüffen, jedoch andere Tracks von dieser Scheibe wurden Ende der 70er gern zwischen Blondie-Nummern, Patti Smith Hymnen und Siouxie and the Banshees gestreut. Sie passte scharf rockend ausgesprochen gut dazu.
  10. Der erzieherische Abschluss diesmal: Thema Schul-Amok: „the siliconchip inside her head is switched to overload…“ BOOMTOWN RATS. At their Gipfel. „I don’t like Mondays“. Vor dem Abstieg. Und dem Abschied. Vom Punk.
  11. Nach soviel musikalischer Aggression zum Abschluss noch ein Wohlfühl-Schmankerl: SNIFF’N‘ THE TEARS mit „driver seat“. Das ist doch kein Punk! Richtig. Aber es ist das vielleicht schönste One-Hit-Wonder jener Tage. Es hätte auch noch the Knack mit „My Sherona“ gegeben, aber das wurde äthermäßig derart zu Tode geritten, vor allem während meiner NVA Grundausbildung im Ostrundfunk, dass es für mich ein „verbrannter“ Song ist. „Driver seat“ blieb dieses Schicksal erspart. Es hat diesen Dire Straits Touch. „Lady writer on the TV“ klingt so ähnlich und die Dire Straits hatten sich in ihren Anfängen mal zum Hope&Anchor Festival verlaufen; das Doppelalbum wiederum verlief sich zu Mauerzeiten ins Saaletal zu Bludgeon aufs Band: The Pleasers, the Pirates, X-ray-Specks, Wayne County and the electric Chairs und eben auch die Dire Straits… Und deshalb passen die weggeschnieften Tränen als Zugabe eben doch ganz gut als Abgesang auf meine Rückschau auf Times, die damals einfach nicht tschajndschen wollten. So schien es.

Im Nachhinein war’s immer besser – als es je war.

Lets get the punk out…

Well: „I am no vulture – this is my culture“ auch wenn ich das bald 30 Jahre nicht mehr wahrhaben wollte. Aber erst Rückbesinnung auf Pere Ubu anlässlich der G20 Riots und dann heftiges Nachdenken über die Veränderung des sogenannten Undergrounds brachten es an den Tag:

Auch du hast mal eine Zeit gekannt, da wolltest du nicht ums Verrecken Mainstream sein.

Soll’n die andern doch sich an Manfred Manns Earthband delektier‘n, Toto als Supergroup einreden lassen, ELO für den Gipfel der Popkultur halten, oder eben gleich via ABBA ihren Hirntod erklären – pah!

„a donewanna be like – a dontwonnabelike -a don’t want to be like – youw!“ (Dröhnstadtratten „Looking after Nr.1“) Ab-ge-fahrn!

Adoleszenz war angesagt! Mögen Uriah Heep auch noch so mitleiderregend „free me“ lamentieren: Blitzkrieg Bop! Da geht’s lang! So meinten immerhin Christian, Udo und ich.

Natürlich war das Quatsch. Deshalb schämte ich mich ein paar Jahre später auch, wenn all die zu spät geborenen Punks meinten, das wäre was. Hab ich auch mal geglaubt. Als es neu war. Als es noch nicht in diesen aberwitzigen Kinderkrieg zwischen „Linken“ und „Rechten“ mündete. Im Gegenteil: Die Punkwelle der ersten Stunde 1977 in „good ol’ England“ wirbelte das alles erfrischend oberflächlich durcheinander.

God save the Queen/the fascist regime! (Sex Pistols)

Damit ließ sich der Phrasenwald des Kalten Krieges roden und weglachen! Und Freiheit einfordern:

Freedom is given! Speak how you feel? Oi got no Freedom! How do you feel! (Sham69)

Jedenfalls, wenn du Pennäler im Osten warst. Der Westen hatte das wiedermal nicht nötig: Texte dort –  wurscht. Wie immer. Outfit is‘ alles. Siehe Mittermeiers derzeitiges Soloprogramm. Egal.

Inzwischen ist der Generationsunterschied groß genug geworden. Kids von heute kennen keine Clash oder Stranglers mehr. Die rennen zu Kollegah und 187 Strassengäng ins Konzert, geben sich dem Gangsta Rap hin und glauben phasenweise selber welche zu sein. Whats up digga? Hat sein Gutes. Musikalisch kommen wir uns nicht mehr ins Gehege. Man kann sich wieder auf den Sound seiner eigenen Zeit besinnen, ohne dass dir den einer mit so Toten Hosen und Grunge verwurstet.

Also her mit einer Playlist der Gemütlichkeit! Aber selbstverfreilich nicht mit irgendeiner Compilation von MC Amazon oder so, sondern compiläjted by mirselba! Ab geht’s:

  1. One drop in all of this ocean/Not gotta be causing commotion/One drop not follow the motion/Not drop no proper emotion …. – PIL von 2012 als Einstieg: Reifes Alterswerk von John Lydon & Co, dem Hassprediger von anno Tobak: Pistols und so! This Voice rules!
  2. Sham 69 – with their big one: If the kids are united! Ab durch die Mitte! Herrlicher Aufreger 1978: Sham 69 traten erst bei Rock against rascism auf und anschließend bei Konzertveranstaltungen der National Front: Uns doch wurscht! Hauptsache Kohle! Dem Erfolg tat‘s keinen Abbruch. Wenn das Beispiel Schule gemacht hätte, wär der ganze Lagerbildungsquark gar nicht erst entstanden. Stell dir ma‘ vor, die Youngsters, die da immerfort nur ihren Pinkelberg ansprayen, hätten sich vereint mit gegen Hartz IV oder TTIP gestämmt! Nicht auszudenken!
  3. XTC – Science friction around my fiiiiin—gers… Auftritt in „Scene‘78“ (Thomas Gotschalks heute vergessenem TV-Einstieg); bahnbrechend weil ewig Geheimtipp geblieben: Respectable street! (sozusagen), vom Keyboarder stammt der Tipp mit den langen Mänteln!

4. Boomtown Rats – Looking after Nr.1(siehe oben) Punkiger als die Pistols und die Clash zusammen, ein gutes Jahr vor „Don’t like Mondays“ und kurz bevor sie kauzig wurden.

  1. „Halou-hallo-hallau-hallo …. The public ima-hage!“ Johnny Rottens erste Wandlung. Public Image Limited! Jah Wobble on the bass! 5 Jahre vor dem zu Tode gerittenen „Nichtliebeslied“.
  2. Die Stranglers mit ihrem herrlich vieldeutigen „Hanging arround“; schon mal mit dem Text befasst? Ich seh’s als Weckruf für eine Generation passiver Junkie-Kids: Nicht einfach abnabeln und untergehn! Nicht nur die eine Schiene bedienen um auf ihr zu versacken… Ostvariante: Nicht nur brav 2x in der Woche in die Disco watscheln und glauben, das sei „Niveauvolle Freizeitgestaltung“, weil der DJ pflichtgemäß mit so einer albernen Partygageinlage für „Stimmung“ sorgt. Suche dir selber deinen Weg! Feed your Head – nicht nur mit Alkohol!
  3. The Clash – police and thiefs; 6 Minuten; zu lang und zu elegisch für einen Punksong? Quatsch. It works! Ungeduld, Unentschlossenheit, Aufbruchstimmung, sowas dauert halt!
  4. „Ruggid-ruggid ju-es-ay!“… Suicide; der Selbstmord; eine Entdeckung aus dem CBGB’s; die ersten genialen Dilettanten; ohne sie keine Einstürzenden Neubauten, keine The The, keine Depeche Mode. 4 Minuten Gewitterschwühle, die sich nicht entlädt.

Deshalb müssen 9. zwingend Pere Ubu ran und für eben diese Entladung sorgen; Final Solution!

  1. Wir bleiben im testosterongeschwängerten Bereich, holen aber die erste Fee dazu: Debbie Harry, die Marlene Dietrich des Punk. Die Band hieß Blondie, nicht etwa die Dame. Rifle Range. Schusswechsel. Wer hat als „angry young man“ mit 17/18 keine schwarze Liste?
  2. beruhigen wir die Lage etwas. Reggae sei der Punk der Schwarzen, erklärte einst Johnny Rotten via BBC-Interview, weshalb folgerichtig Ska und Dub früher oder später alle langlebigeren Punkbands ereilte. Hier nehmen wir Peter Tosh hinein (und dass Mick Jagger mitträllert in Kauf): Walk and don’t look back.

Die 12. passt dann wie die Faust aufs Auge, denn während die beiden älteren Herren gerade die Zukunft beschworen, feiern nun die Jungspunde der Ramones 1980 einen 20 Jahre alten Phil Spector Girlgroupheuler ab: Baby I love you; bester Song ihrer Rock&Roll Highschoolphase.

Wer sich so herzerwärmend outet, der wird prompt erhört: Rachel Sweet bekommt die Nr. 13, die immer schon für Pech stand: reihenweise versandeten gute Nummern von ihr – wie z.B. diese hier: Stay awhile, let me fun you… Aber gerne doch!

  1. Laura Allan – So fine; hatten wir schon im Beitrag „Playlistrausch“, muss aber hier nochmal ran. Chaosweiber a la x-ray-specks oder the slits waren nie mein Fall. Mädels sollten sich ihr Feen-tum bewahren um hinterher Frau zu sein und nicht – Marktweib.

Dann passt nämlich 15. der hier ins Konzept: Reasons to be cheerful (part3) vom einzig wahren Kellerkind from Landäääään: Ian Dury. Gott sei seiner Seele gnädig!

And in the end comes der erzieherische Beitrag: Rotz mir nicht in den Bus. Steve Gibbons packt die Schülermugger von anno Greifenstein in den Schulbus und dreift away… no spitting on the bus!

G20 HH

Der Größenwahn einiger weniger führte – wie so oft – zur Schädigung von vielen anderen.

Die Elbphilharmonie ist fertig. Sie war teurer als geplant. Sie soll sich rentieren. Promis her! Wer hat die G20 nach Hamburg gelockt? Drinnen gibt es „Freude, schöner Götterfunken“ und draußen brennt die Luft!

Beethoven rotiert im Grab. Er war kein Ranwanzer an die Mächtigen.

Schiller hätte passenderes zur Lage auf Lager gehabt. Die letzten Strophen seiner „Glocke“ von 1799 zum Beispiel:

 

Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
Der ruhige Bürger greift zur Wehr,
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
Und Würgerbanden ziehn umher,
Da werden Weiber zu Hyänen
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
Zerreißen sie des Feindes Herz.
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
Sich alle Bande frommer Scheu,
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein.

Seine Mahnung an die Macht, den Bogen nicht zu überspannen.

Auch 1799 dominierte europaweit noch der schöne Schein des bereits stark heruntergewirtschafteten damaligen Gesellschaftssystems: des Absolutismus. Die Elbphilharmonie hieß damals Brandenburger Tor.  Ein Protzbau ohne Notwendigkeit. Aber schön, wenn alt genug geworden. Auch 1799 dominierte der Schock über die Auswüchse überforderter Weltverbesserei. Der damalige „schwarze Block“ – Robespierres Jakobiner-Club – war kurz zuvor zwar an die Macht gelangt, jedoch furios gescheitert. Heraus kam schließlich ein Amok laufendes französisches Kaiserreich. Im Schnellverfahren durchlief Europa damals in rund 15 Jahren, was es seither in endlosen „long versions“ 200 Jahre lang wiederholt. Dem Volk wird ein Almosen hingeworfen, damit es bereit ist, gegen das jeweils angesagte Feindbild zu marschieren. Meistens ist es Russland als dauerhafteste Spaßbremse der Maximalprofiteure: Napoleon, I.Weltkrieg, II. Weltkrieg, Kalter Krieg, Putin…

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ … „Volksgemeinschaft“… „Alles zum Wohl des Volkes!“

Doch in Wahrheit bleibt alles immer ganz anders als es scheint. Der Mensch als Summe seiner Defizite.

„…denn man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht…“(Brecht)

Gestern waren sie zu sehen. Die vereinten Loser der Grobalsierung. Italienische, englische, skandinavische Rowdys waren angereist, um unsere kleinen Westentaschenmessiasse zu unterstützen. Seit an Seit marschierten sie mit den Floskeln von vorgestern auf den Lippen, die -1989 grandios gescheitert-  auch übermorgen nur neuen Murks erzeugen würden. Woher sollen sie es auch wissen? In erodierenden Bildungssystemen unverdient mit viel zu hohen Bildungsabschlüssen beschenkte Wohlstandsverwahrloste und hirnlose Hools. Anarchisten und Trotzkisten. Die Angepissten der Wohlstandsgesellschaft, der zunehmend die Überzeugungskraft abhandenkommt.

Die Auswüchse verstellen den Blick.

Den Blick auf Zehntausende friedliche Protestierer, kluge Protestideen wie jene herrliche Zombi-Parade; den Blick auf den obrigkeitlich gewollten und nun leider auch nötigen „Law and Order Effekt“ im Hinblick auf kommende Wahlen; den Blick auf die brillanten Geschäftsbilanzen der kommenden Monate: Boom für Glaser, Boom für Autohäuser, Boom für Tiefbaufirmen, Steigerungschancen für die Prämien der Versicherer, abnehmende Toleranz gegenüber Randgruppen.

Es muss halt auch ab und an mal was kaputtgehen, damit Gründe für Wiederaufbau entstehen. Wirtschaftswunder, deutscher Fleiß und so, you know?

Der Wirtschaftsbilanz Hamburgs sind nun schwarze Zahlen sicher. Die Stadt bleibt einziges Einzahler-Bundesland Norddeutschlands in den Länderfinanzausgleich. … Olaf Scholz singt in ein paar Tagen: „I like the sound of breaking glass“ und gewinnt weiterhin Wahlen.

Die einen fackeln Kleinwagen ab und schießen Erinnerungsfotos von sich beim Rossmannplündern. Vermutlich sind sie demnächst dumm genug, diese dann bei Facebook hochzuladen und sich überführen zu lassen.

 „Hurra, die Szene bekommt Märtyra! Der Kampf geht weitaaaa!“

Gegen wehrlose Wände, Kleinwagen und Schaufensterscheiben von – – – Drogerien?! Sind sie schon so verblödet, dass sie dort tatsächlich Drogen vermuten? Vorstellbar wär’s.

Und drinnen im Lichte der Elbphilharmonie?

Die da die Vernünftigen spielen, die Klimaretter und Fluchtursachenbekämpfer, betonen das Festhalten an der Freiheit der Märkte. Gegen Protektionismus! Afrika wurde bereits final zum „Freihandel veranlasst“. Gegen „ungerechte Handelsbeziehungen“ will man zukünftig auch sein, fragt sich nur, wie man „ungerecht“ definiert.

Ja, die „hocheffiziente Wirtschaft“ bleibt gut aufgestellt, darf weiter in alle Richtungen dealen und schmieren, Sanktionen unterlaufen, Rohstoffquellen plündern, mit Abgasnormen bescheißen. Fluchtursache sind ja „die Schlepperbanden“.

Der schwarze Block vor- und der geschniegelte in der Elbphilharmonie, sie gleichen sich aufs Haar:

Die Unverschämtheit und Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Hab und Gut anderer(Völker) ist die gleiche. Nur auf unterschiedlichen Niveaus ausgelebt. Sie gleichen sich auch in der angestaubten Fantasielosigkeit ihrer Parolen:

Ob sie im Plüsch der Luxushotels nun:

„Die Wertegemeinschaft schützen!“ (Welche Werte? Wessen Werte? Wer wird geopfert?)

Oder auf der Straße die Arbeitsergebnisse anderer (fleißigerer) Leute vernichten:

„Hoch! Die! Internationale! Solidarität!“

(Ick gloobe et is wieda ersta Mai in Ostbalin! Wosn olle Erich abjebliem? Gebrüda Grimm for President! Ei bilief in tapfret Schneidalein, er soll unsa Führa sein!)

 

Abspann:

„… dass der Mensch Gewissen hoat, das ihm nie das Falsche rat‘; dass er aber drüber loacht und erst recht das Falsche macht – traurig aber wahr.“ (Danzer)

Gunters Ankunft

Neulich waren schwere Unwetter über Deutschland. Vermutlich, weil ER mit dem Truck im Jenseits ankam und gemäß seines späten Lebensmottos „nie wieder wart ich so lang“ an der Himmelstür aufs Bremsen verzichtete.

Hey Boss…

…so sprachen sie sich in Western- und Ganovenfilmen an. Humphrey Bogart-Sprech. 1973/74 gab es noch keine Verenglischung.

Im normalen Leben waren Chefs noch „Chef “ oder eben „Herr Soundso“.

Kleine Dakotas lernten damals (mitten im Pubertätswirbel der 7. Klasse) allerhand mehr oder weniger Wissenswertes über Ausbeutung und Arbeiterkampflieder. Weshalb auch zur Sprache kam, ob jener Schlagersänger da „drühm“ nicht ein modernes Arbeiterkampflied geschrieben hätte. Sie erfuhren darauf hin, dass das keins sei, da der Ausblick auf die Revolution fehlen würde.

„Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ sei nichts anderes als Bettelei.

Wir sangen‘s trotzdem. Bei uns kickte die herrlich despektierliche Anrede „Hey Boss“. Andere Anleihen bei der Siegersprache sollten folgen und den Alltag erobern:

„War gesdorn beim Doc. Hior is dor Grangngschein.“

Er fuhr den „30 Tonner Diesel“ und die „Intercitylinie Nr. 4“ machte ungefähr zur selben Zeit auch allerhand aus ihm, aber keinen Star auf Dauer.

Zunächst aber schon, denn wir besaßen mehrheitlich noch keine Tonbandgeräte, wussten, dass es mal einen Jimi Hendrix gegeben haben muss, aber kannten von dem keinen Ton; feierten Slade und Sweet, aber verstanden keinen Vers – da war der derbe Gunter schon ein hilfreiches Testosteronmahnmal, dass zitierfähig die coole Richtung vorgab.

Kurze Zeit später hatten wir dann Bandmaschinen, lange Mähnen, breite Gürtel und ebensolche Uhrarmbänder. Die Englischkenntnisse machten Fortschritte. Es reichte zum phonetisch exakten Mitgrölen der Slade-Refrains – und Gunter verschwand „unter (seiner) Decke“ und als Hilfstexter für Juliane Werding, der er mit jenem plumpen Emanzensong nach „Conny Kramer“ und „Kindern des Regenbogens“ ihren Anschmacht-Göttinnen-Status gleich mit ruinierte. Nun war sie nichts weiter als eine plauzige Deern, die auch gar nicht mehr so feenhaft aussah, als sie mit jenem Schenkelklopferstomp in der „Aktuellen Schaubude“ auftrat. Gunter war DURCH.

Und dann das:

seine Beste

 

3 Typen meines Alters sprachen 2009 den abgewrackten Dauer-Tourer auf einer Raststätte an der A3 eines Morgens an, gaben sich zu erkennen, dass er der Held ihrer frühen Musiklaufbahn gewesen sei und sie hätten da so eine Idee, deshalb solle er doch mal in ihrem Studio vorbeischauen. Das tat er – und machte dort seine verdammt beste Platte!

Plötzlich war er wieder wer. Texte von aller erster Güte, die diesmal mehrheitlich nicht von ihm selbst sind, Arrangements, die weeeeiiiit weg vom bisherigen DumpfbackenKanntrie verortet werden können, sehr kluge Auswahl der Covervorlagen, BossHoss als Duettpartner (damals noch nicht als Castingshowjuroren verschlissen!), das Vorbild der american recordings von Altvater Cash keine Sekunde verleugnend – sondern stimmig ins Deutsche transferiert. Das Feuilleton jubelte. Er stand kurz vor dem Abheben –

zu German Recordings Nr. 2-4 hat es leider nicht gereicht.

Der Lemmy Kilmister des deutschen Schlagers is gone. An seinen Nachruf dachte er vorsorglich selbst:

Das kalte Herz…

Das kann doch nicht sein, dass unter Bloggern niemand einen Nachruf auf den „Vater der Einheit“ zustande kriegt? Bloß – mir will’s auch nicht gelingen. Heucheln will ich nicht, da werden dieser Tage bereits alle Rekorde gebrochen. Anklagen kann ich nicht, denn – wenn‘s auch schwerfällt, es zu gesteh’n – ich verdanke ihm die Rettung vor reformerischen Abenteuern durch weltfremdes Wende-Personal in einer bestehenbleibenden DDR. „Angekommen“ bin ich jedoch auch wieder nicht…

Sie merken schon – es wird kompliziert:

Sein Wähler war ich nie. Aber das behaupteten ja schon alle – da war er noch an der Macht.

In jener alles verändernden Novemberwoche war mir der 4. November wichtiger als der 9. – und damals stand ich mit dieser Meinung NICHT allein. Das Verschwinden der DDR konnten wir Mauerjahrgänge uns nicht vorstellen, das Verändern schon. Erst im Nachhinein zeigte sich, dass diese Utopie in endlos glückloses Gewurstel geführt hätte. Schau in die ehemaligen Brudervolkstaaten heute! Kohls Weg brachte Zuckerbrot und Peitsche: D-Mark und Arbeitslosigkeit. Und die Dödel, die vorher immer herumgenöhlt hatten „Wer orbeidn will, findet ooch welche!“ und „Nur mit Gohl geht’s uns wouhl!“ saßen plötzlich als erste auf den Wartebänken schnell wuchernder Arbeitsämter und trösteten sich mit Vicky Vomit „Ich brauche nur zweiorlei! Orbeidslous und Spaß dobej!“

Das mit dem Wirtschaftswunder Ost war dann wohl nichts.

Straßen und Dächer wurden trotzdem schnell schick. Die Firmengründerei boomte und brach in etwa genauso schnell wieder ein wie 1871-73. Nach dem Ende der Existenzgründer-Schonfrist kam das große Jammern der Pleitiers: Und somit die Rückbesinnung auf den Ost-Blues. Gestern noch Möchtegern-Undornämor, heute Sitzplatz zwischen deinen Ex-VEB-Kollegen, die die Pleitemach-Erfahrung ausgelassen hatten, im Arbeitsamt.

Wenn aber „dulden“ und „machen“ gleichermaßen nichts bringt – dann wird’s über kurz oder lang gefährlich, auch für die, die bisher noch nicht Bekanntschaft mit dem Wartegestühl der inzwischen „umgelabelten“ Arbeitsagenturen machen mussten.

Eierwurf! Halle (an der Saale). Bar jeder Einsicht: Rote-Socken-Kampagne der CDU und – nun erst recht – traumhafte Wahlergebnisse für die PDS im Osten.

Im Übrigen: Keine Lust auf Parteienpartizipation im Ost-Volk. Das politische Bewusstsein ähnelt immer noch dem großen Abwinken in der noch jungen Adenauerbundesrepublik in den frühen 50ern. Nur mit dem Unterschied, dass diese fehlende Mitgliedsbereitschaft heute nicht mehr nur unpolitische Untertanenrestgesinnung ist, sondern vorausschauende Selbstrettung:

Was soll ich mir den Arsch breit sitzen in Gremien, die eh nichts bewirken.

Jeder schleppt seine Bevormundungserlebnisse aus den 90ern mit sich herum. Jeder andere. Aber jeder hat welche. Inzwischen ist viel geschrieben worden, auch über die Fehler der Einheit. Aber inzwischen sind wir eben auch kein Leseland mehr.

Der Name Kohl stand für all das nassforsche CDU-Gequatsche und Abgewatscht-werden in den 90ern.

Schäuble, Rühe, Waigel und wie diese Sym-Paten alle hießen – da war man froh, dass die wenigstens im Westen wohnen blieben und nur ihre Staatssekretäre schickten.

Dumm nur, dass die Gegenseite letztlich auch nur einen hannöverschen Blender hatte.

Der Lernpozess im Nachgang ließ erstaunen: Während Blüm-Geißler-Kohl in den 80ern noch sozialdemokratische Familienpolitik betrieben, gebärdete sich der Genosse der Bosse wie der wiederauferstandene Marinelli aus Lessings „Emilia Galotti“: Allzeit bereit, seinen Auftraggebern die Hindernisse aus dem Weg zu schaffen.

Ich begann Wahlentscheidungen zu bereuen und Blüm zu vermissen.

Kohl? Nicht.

Aber zwei Bilder werden bleiben. Das eine ist jene geniale Bildkomposition vom alten Kohl im Rollstuhl vor dem offenen Brandenburger Tor. Die Sonne steht TIEF! Die Schatten sind LANG. Vom Tor und vom „Vater der Einheit“. Der wird demnächst  zukünftigen Geschlechtern als der „Maueröffner“ gepriesen werden. Erinnern wir uns an Bismarck: Erst unrühmlicher und herbeigesehnter Abgang – dann Glorifizierung posthum.

Das andere ist jenes Terrassen-Foto vom Wolfgangsee (ca .‘74) Familie Kohl im Urlaub:

 „Kohl war die personifizierte überdurchschnittliche Durchschnittlichkeit.“

schreibt seine englische Biografin Patricia Clough dieser Tage in der ZEIT und öffnet mir damit eine Tür zum Verständnis, weshalb mich DIESES Foto all die Jahre, wann immer es veröffentlicht wurde – kriegte. Ich kenne es schon lange. Sehr lange. (Christian hatte einen Stapel alte STERN-, Quick- und SPIEGEL-Zeitschriften):

2 Söhne mit vorpubertärem „etwas länger“- Haarschnitt; der ältere in Lederhose MIT GÜRTEL! Das war damals wichtig! NICHT mit diesen Seppl-Hosenträgern! Sie lächeln mit den Eltern in Urlaubslaune um die Wette. Fotos, wie sie jeder kennt – aus seinem eigenen Fotoalbum. Walter und Peter Kohl sehen aus wie Bludgy und sein zwei Jahre älterer Cousin damals. Beide Väter haben jedoch keinerlei Ähnlichkeit mit dem hier noch mittelalten Helmut Kohl. Wohl aber kenn ich Väter, die so aussahen und die sich ähnlich poltrig gaben. Ich hätt‘ nicht tauschen wollen. Mutter Hannelore – ihre Lebenstragödie ist heute bekannt. Heute empfinde ich Mitleid. (Und Hochachtung vor Walter Kohl wegen seiner Autobiografie, mit der er hier auf Lesereise war.) Früher war sie das nicht. Vor ihrem eingemeißelten Lächeln grauste mir. Ich hatte Lehrerinnen mit diesem Gesicht!

Vater und Mutter passten also nicht – aber beiden Jungs fühlte ich mich eigenartig verbunden. Sie waren Teil eines Fotos, das den Alltag schönte, wie das alle Urlaubsfotos tun. Ihre Eltern präsentierten sie, wie das viele Eltern tun. Sie hatten unscheinbare Karrieren vor sich, die sie im Alltag verschwinden lassen würden. Aber: Sie sahen damals aus, wie du und ich, wie der deutsche Durchschnitts-Teenie eben aussah, der lieber der 5. „Mann“ von Slade oder einer von den Cartwrights gewesen wäre, dabei war man nur – „das dritte Kind“ – vom Kohl?

 

Wir 78er (III)

Die kleine Regenbogen-Revolte bekam 2 oder 3 Tage später eine Fortsetzung. Am Abend vor dem sonntäglichen Festumzug, bei dem wir 11.Klässler ausersehen waren in historischen Uniformen die preußische Besetzung Naumburgs zu mimen, sollte es ein Doppelkonzert geben: Auf dem Marktplatz spielen City (zur Ablenkung der Massen), denn auf der Regenbogenbühne am Rummel spielten zeitgleich „Karussell“. City hatten gerade ihren Überhit „Am Fenster“ und eine erste LP draußen. In den 70ern waren sie ein klassisches One-Hit-Wonder, denn der Rest ihres damaligen Schaffens war für mitdenkende Musicjunkies schwer erträglich. Gut wurden die erst in den 80ern. Aber die würden wegen ihres Hits sicher Massen ziehen. Dann bricht auf dem Rummel nicht die Revolution aus, wenn – die Renft-Erben auftreten.

Lebe nicht hinter Glas

Lebe die Welt macht Spass

Lebe und lass dich sehn

Im Geschehn.

Es hatte sich per Ost-und Westradio herumgesprochen, dass es die Ex-Renftler Peter „Cäsar“ Gläser (git) und Jochen Hohl(dr) in eine neue Band geschafft hatten. Somit war die Renftgitarre wieder da! Pannach und Kunert saßen im Knast. Klaus Renft war bereits im Westen. Monster und Pjotr waren wieder „normal berufstätig“…

Die ersten musikalischen Erzeugnisse der neuen Band klangen überdeutlich nach Verbotsverarbeitung, wie oben der zitierte Song „Lebe“ ,der es wohl deshalb auch später nicht auf die erste LP schaffte.

Das zweite Ding war „Autostop“. Eine Kunden/Tramper-Hymne. Spießerkritik in der Tradition von „Zwischen Liebe und Zorn“ und „Trug sie Jeans“, vorausgesetzt, man kannte sich im nun verbotenen Erbe aus.

Jedoch der unglaublichste Knaller war:

Ehrlich will ich bleiben

Ehrlich will ich sein

Lieder will ich schreiben

So wie ich sie mein

Lügenmale stehen keinem zu Gesicht

Mir nicht, dir nicht,ihm nicht, ihr nicht – UNS niiiiiicht!

Der Song war kurz vor dem Auftritt im Saaletal in der Tippdisco auf Stimme der DDR vorgestellt worden. Die Sendung hörten alle Musikabhängigen in meinem Umfeld, weil sie mit Neuvorstellungen und Wunschecke begann, einen (West-)Oldie der Woche spielte, einen Beatles-Oldie und dann erst die „Wertungssendung“ mit lauter Osttiteln, die man sich sparen konnte, denn das Sammelsurium, was sich dort ergab, klang in seiner Mischung so elend wie all die heutigen Ostrocksampler. Die Sendung kam freitagsabends und Samstag war damals noch Schule.

Stefan empfängt mich grinsend: „Gestern Tipp-Disco jehört?“

Ich wusste gleich, was er meinte: „Or, ich dachte mein Schwein pfeift. Brechn se glei’die Sendung ab?“

„Ich wunder’mich ooch, wie das durch de Zensur gerutscht is‘.“

„Nächste Woche doch ma die „Wertung“ durchhalten, obs sich blazierd hat oder obs glei wüddor untorn Debbich is.“

„Wenn die so weidor machen, machnses nich‘ lange.“

„Ob dies ma zu ner LP bring?“

„Schon dor Bandname steht für verordneten Stillstand!“

Nun also: Samstagabend, Vogelwiese –

Hier sind Karussell aus Leipziiiiiig!

Im Gegensatz zu Regenbogen wirkten die Herren wie alte Männer: Mähnen, Bierbäuche, Bewegungslosigkeit; bis auf einen blonden Kurzhaarigen, der irgendwie keine richtige Funktion zu haben schien, der stakste mit Tamburin von einem Mikro zum anderen und sang die Chorusse mit, gab ansonsten jedoch nur ein-zwei Blödelkommentare von sich und forderte zum „say yeahr!“ auf.

Der Raum vor der Bühne: Zugewachsene Kuttenträger, ca 200; reichlich spürbare „Vorglüheffekte“ machten sich bemerkbar. Mitten in diesem Kundentreffen wir 2 Punkerlein mit kurzem Haar, die momentan gerade die Macke hatten: Wir flippen nicht, wir klatschen wenig, wir sind still begeistert. Reinhard Mey hatte kurz zuvor in einem TV-Interview zum Besten gegeben, dass sich ein Journalist auf den einzigen Nichtmitklatscher gestürzt haben soll, weil er Negativmeinung sammeln wollte – und siehe, jene graue Eminenz da in der ersten Reihe erwies sich als BEGEISTERT!

Mit diesem Plan im Kopf sollte man jedoch nicht auf ein Konzert der Erben Renfts gehen, wie sich zeigen sollte.

Sie begannen mit eigenen Songs und internationalem Kram, wie ihn damals viele spielten: Davy’s on the road again….gääääähn; die Earthband hatte ich langsam richtig satt…Heart of gold…okay…Carryon/find the coast of freedom…hat ein Geschmäckle, wenn es ein gerade erst wieder erlaubter Musiker singt! Dann ohne alle Vorwarnung „Mama! Du meine Mama!“ Der Jubel des Publikums brach erste Hemmschwellen: „Reeeeeeenft! Das is Reeeeeenft!“

Renftns „Mama“ ist an und für sich nicht gerade ihr umwerfendster Song, jedoch wenn Cäsar zu der Zeile kommt „und Vater kommt nie wieder, nie wieder , nie wii-hi-deeeeeer“ – wer denkt da nicht an Klaus, der schon weg war. Der Entdecker-Papa, der seine Mitstreiter allesamt aus dem Nichts gezogen hatte, bevor sie dann in andere Bands wechselten: Hans-Jürgen Beyer, Michael Heubach, Jürgen Matkowitz und eben Cäsar…

Ab „Mama“ forderte das Publikum nun: „Cä!Sars!Blues! Cä!Sars! Blues!“ Dem Wunsch wurde nicht entsprochen.

Bass-Solo. Die einzige Truppe, die sowas tat. Langggggg— aber geil. Dann kommt der Drummer wieder auf die Bühne – zu zweit wird’s eine viertelstündige Session. Da Claus Winter am Bass so aussieht, wie der eine von zwei Drummern bei Dickey Betts im Rockpalast gibt es Assoziationen zuhauf. Die Kunden versuchen phasenweise mitzuklatschen; zwei-drei singen Cäsars Blues an, da die Meister auf der Bühne dies ja nicht zu tun gedenken, Flachmänner kreisen, Biergläser gehen zu Boden…die Band kommt nach und nach wieder auf die Bühne. Cäsar hat wie immer die Gitarre gleich unterm Hals hängen und markiert ein paar Handgriffe, als wollte er sie stimmen.

„Cä!Sars!Blues! Cä!Sars! Blues!“

Er grinst ins Publikum

„Cä!Sars!Blues! Cä!Sars! Blues!“

Er greift in die Brusttasche seiner Jeansjacke, aus der die Mundi lugt.

Publikumsorkan: Jaaaaaaaaa!

In dem Moment singt der Kurzhaarige am anderen Mikro an:

„Auf der Wiese haben wir gelegen! Und wir haben Glas gekaut…“

Gelächter, Buh-Rufe, „Falsche Wiese, du Spast!“ Auf Vroni Fischer Gesänge ist hier keiner scharf.

Cäsar bremst den Tumult durch ein kurzes „Na,na!“ Die Mundi erreicht die Lippen und der Veitstanz bricht los: John Mayalls „The breeze“, hektisch, deutscher Text, Arme nach vorn, Kopf runter, beim Klatschen den Rhythmus finden und flink von einem Bein aufs andere treten, so als wäre gerade kein Klo in der Nähe. Was solls, zu unseren Füßen hat sich inzwischen eh Bierschlamm gebildet.

„Wie ein Krokodil auf der Regenwiese….“ Die richtige Wiese war gefunden.

Die kennen auch wir Renftanfänger. Unvorstellbare Rempelei. Der pure Pogo, denn jeder Kunde beanspruchte für die ausgestreckten Arme ja nun einen Quadratmeter, der nicht da ist. Da war das nix mit stoischer Reinhard Mey Konzertbesucherpose: Klaps von hinten, Stoß von vorn; plötzlich waren wir allen im Weg! Mal fängt mich Udo, „Pagge dich nich in de Brühe!“ mal Christian,“Abtauchn is nich!“, dann geht’s ihnen selber so; schließlich zappeln wir alle mit. Überall am Boden diese dickglasigen Volksfestbierhumpen, die nicht kaputtgehen, dich aber zum Stolpern bringen, weil du sie im Gedränge nicht siehst und eh gebannt in Richtung Bühne starrst.

Die letzte Liedzeile „… ging ich ohne Gruuuuuss, dahas wa-harr – mein Bluuuuuuuues!“ Frenetischer Jubel. Nicht mehr steigerbar? Cäsar selbst klatscht sofort zwei-dreimal hinein ins Chaos und singt an:

„Unsre LPG hat hundert Gänse…“

Mehr ist nicht nötig. Die Masse greift lachend auf: „und ein Gänselieschen das ist meins!“ Besoffene Fischerchöre on the run – oder so ähnlich!

Cäsar: „Jeden Morgen ziehn sie auf die Wiese!“ (Hand ans Ohr)

Die Masse folgt „hundert Gänse und die Hunderteins“

Das nächste Volkslied. Sozialismusverarsche, wegen der Pointe am Schluss; komplett als Frage-Antwort-Spiel. Inzwischen stehen die FDJ-Kreisleitungsbonzen wieder am Zelteingang rechts neben der Bühne und observieren. Einer von ihnen ist ein frisch geschasster Lehrer unserer Schule. Der kennt uns. Sein Abgang geschah unter mysteriösen Gerüchten, nun steht er da und sieht der halben 11b beim Flippen zu. Heikel, heikel. Aber egal. Sollers doch melden:

„Kader von morgen unter Hippies von gestern.“ Punk ist, wenn man trotzdem lacht!

Es wurde ein Renft-Fest. Drei Jahre nach dem Verbot. Dem Gänselieschen folgten noch weitere Evergreens der „glorreichen Sieben der DDR“ und mitten drin Karussells „Welt im Sand“. Ein Dissidentenfest. Glotzt nur, ihr da rechts am Zelt!

Links hinter mir hatte ein Kunde seinen Kumpel auf die Schultern genommen und der schrie laufend „Reeenft! Leute! Das is alles von Reeenft!“ „Is juud meinor! Brichdor nich de Löffel da ohm!“ Wollte ihn jemand hinter mir besänftigen.

Er ließ sich nicht beirren. Cäsar hatte gerade den „Wandersmann“ angestimmt, da brüllts links hinter mir wieder: „Von der ersten LP, A-Seite!“ von nun an kamen zu jedem Song die LP-Angaben von ihm.

Er musste es unbedingt loswerden. Dann fiel ihm auch noch ein, dass er da was in der Tasche hatte: Die beiden hatten sich neben mich gedrängelt und er hatte inzwischen einen relativ kleinen roten Lappen entknüllt und wie ein Transparent über den Kopf gehalten: RENFT stand da mit blauem Filzer mehr gekliert als geschrieben zu lesen. Er schwankte immer bedrohlicher. Die Stimme von hinten war wieder zu hören:

„Ey Gunde! Nimm den Vochl rundor, bevore sich leechd!“ Aber jener seltsame Suffi-Zentaur hielt durch!

Dann folgte „Ehrlich will ich bleiben“, der damals neueste Song von Karussell. Kunden hören kein Ostradio. Das war nun zu spüren. Die kannten den nicht und horchten nun mächtig auf, als ihnen sehr gut verstehbar der Text des neuen Liedes um die Ohren flog.

„Ohohohoho! Horch hin ey!“

„Die machen voll so weitor!“

„Das is ooch von Renft!“

„Spinne nichrum! Cäsor hods graahde erklärd!“

Dann kam der würdige Abschluss des Unerhörten. Das Besänftigen der Meute:

„Wer die Rose, wer die Rose ehrt

Der ehrt heutzutage auch den Dorn

Der zur Rose mit dazugehört…“

Die erste Übernummer, die von Renft‘71 ins Radio kam, und die auch Hit des Jahres wurde.

Harmonischer als beim Gänselieschen sang noch einmal alles mit:

„Ein!Mal!Wirft sie ihn aaaaab!

Einmal wirft sie ihn aaaaab!

Das wird sein, wenn’s sein wird

und Mensch ehrt den Me-henschennnn.“

Die Feierlichkeit ging durch Mark und Bein. So gesungen hatte es den Anschein –  DIES – sei die eigentliche Nationalhymne des Ostens!

Jubel, Zugabeklatschen, — vergeblich. 22:00 Uhr. Im Unterschied zu Regenbogen hielten sich die Siegelbewahrer des Andersseins an die Spielregeln.

Befreudentränt standen wir zwischen den Bier- Lachen, als sich das Publikum verlief. Adrenalin in jeder Pore. Das war voll Renft! Und niemand war eingeschritten! Das konnt‘es doch nicht geben! Aber wir hatten es erlebt!

Schnitt.

Neulich bei Udo im Garten. Das Gespräch kommt auf alte Zeiten:

Er: „…und Renft! Hammor oalläs jesähn, damals of dor neunhunnordfuffzschjoahrfeior!“

Ich: „Hä? Da warn die schon 3 Jahre verboten! Das warn Karussell!“

Er: „Nojaaaa, nach soviel Joahrn gann schonnema was vorrudschn. Brosd!“

Wir 78er (II)

Der 2.Juni 1967 – nun mehr 50 Jahre her – war, aus den Augen eines damals 7jährigen betrachtet, einfach ein Sommertag am Ende der Kindergartenzeit, kurz vor der Einschulung und – im Falle des kleinen Dakota – auch noch kurz vor dem Umzug aus der Mietwohnung ins Eigenheim. Letzteres Gott sei Dank knapp einen Kilometer weg von der alten Wohnung, sodass Udo und Connie erreichbar blieben.

Beim Durchblättern der NBI oder der Für Dich, wie immer auf der Suche nach Witzbildern, deren Sprüche dem kleinen Dakota dann vorgelesen werden sollten, taucht immer wieder dieses Foto auf:

Eine schöne Frau, die einfach so dahockt und nicht zum Fotoapparat schaut und die auch noch in der LDZ abgebildet wird. Vor ihr liegt einer auf dem Rücken und scheint sich schlafend zu stellen.

„Wer issn das?“, frage er also einen der beiden Erziehungsberechtigten, der gerade greifbar war.

„Das isso einer wie Philipp Müller. Den hat die Polizei drühm erschossen.“

Philipp Müller sagte einem Siebenjährigen damals natürlich auch nichts, aber die LPG am Ortsausgang hieß so. Der war dem Dakota aber auch wurscht. Er meinte die Frau!

Irgendwas geht vermutlich bei kleinen Möchtegern-Indianern in der Akzeleration gewaltig schief, denn Geschlechterbewusstsein soll doch eigentlich erst ab der Pubertät eine Rolle spielen – und die beginnt nun mal nicht mit 7! Aber die schönen Beine seiner 25jährigen Tante waren ihm seit geraumer Zeit aufgefallen und deren Gesicht und Frisur ähnelte der Frau auf dem Bild stark.

Da jedoch über SIE nun nichts zu erfahren war, ging die Fragerei auf IHN über.

„Was hattn der gemacht?“

„Der hat die Polizei geärgert und die hat halt geschossen.“

Restzweifel blieben, denn der Mann da schien zu lächeln, weshalb der Dakota eher an so ein Rollenspiel geglaubt hatte: Schneewittchen verkehrt rum. Sie spielt eine von den Zwerginnen. Denn die Begeisterung für das Aussehen seiner Tante rührte ebenfalls von einer Märcheninszenierung her. Beim Schatzsuchen in Omas Wohnung hatte er ein altes Foto gefunden: Seine Tante mit 16 als Julia in einer Shakespeare-Schulaufführung.

„Dürfen diedn das?“

„Klar. Issja Polizei. Die solln ja für Ordnung sorgen.“

Beim Dakota kollidiert das jetzt gewaltig mit den Volkspolizisten vom Knast, die die Kindergartengruppe am Tag der Volkspolizei so nett mit Keksen bewirtet hatten. Seine Miene verfinsterte sich zu einem einzigen Fragezeichen. Vati erkannte Klärungsbedarf.

„Issja ooch drühm passiert. Die schießen schneller wie hier.“

Uff. Na dann – schien alles gut.

„Drühm“ – das is‘ Kassel, da wo es Kaba (mit Micky Maus Reklame) und eiserne Zündplättchen-Colts gibt.

11 Uhr 15 bin ich da!

Wumba-Wu aus Afrika…

…Kaba, der Plantagen-Trank!

Alle rufen: Gott sei Dank!

(Walt Disney; Kaba-Reklame-Streifen, DinA 5, doppelseitig, direkt aus der Packung)

Irgendwo weit weg also. Da fahren alle Rentner hin, wenn sie rüstig sind und bringen diese Dinge dann mit – vorausgesetzt sie bleiben nicht für immer da.  Alle, die er kannte, hatten Verwandte in Kassel. Die halbe Stadt dort musste aus Saaletalern bestehen, die „nachm Kriege abjehaun“ waren. Erst neulich hatte sich eine der alten Omas aus Großmutters Rommé-Kränzchen „für immer“ nach Kassel verabschiedet.

„Hamm wir ooch Verwandte in Kassel?“

„Wie kommst’n da drauf? Nee, in Wiesbaden.“

Schade. Man konnte aber auch mit gar nichts mithalten!

„Is’das ooch drühm?“

„Ja“.

Das Thema 2. Juni war somit erschöpfend geklärt. So schien es…

Mit 11 oder 12 begann am Wochenende das Abendsaufbleibendürfen. Kessel Buntes, Rudi Carrell Show, Einer wird gewinnen…. Komödienstadel oder Ohnsorg-Theater gucken.

Inzwischen war das Foto von 1967 immer mal wieder in den Zeitungen gewesen und der älter werdende Dakota hatte erfahren, dass das nicht Philipp Müller war, der da lag, sondern Benno Ohnesorg. Somit war es für ihn Normalität, das Heidi Kabel der Laden da im Fernsehen gehörte, denn der Theater-Erbe war ja bekanntlich seinerzeit von der Polizei erschossen worden.

Die 68er waren in seiner Altersgruppe als solche kein Thema. Das war ein ganz komisches Westthema, was im Osten – ob alt, ob jung – niemand so recht verstand. Irgendwie wollten die den Faschismus rückwirkend bekämpfen, so schien es. Und dann noch dieses Gerede von antiautoritärer Erziehung! Da „wollten die Brötchen den Bäcker stürzen“!

Der erwachsene Dakota hat inzwischen diesbezüglich, nicht zuletzt durch diesen hervorragenden Beitrag im Ärmel-Blog, dazu gelernt. Viele, viele Zeitgenossen, die man nicht beruflich auf diese Materie stieß, jedoch nicht; und so bleibt es vermutlich bis in alle Ewigkeit DAS Thema der Ost-West-Dissonanzen der Kinder des Kalten Krieges.

Der Osten hatte ein eigenes 68. Proteste gegen den Einmarsch in die CSSR. Jedoch war dieses Phänomen eine pure Randgruppegeschichte in einigen Universitätsstädten gewesen; medial im Osten totgeschwiegen und im Westen (wegen der eigenen Aufregungen dort) weitestgehend übersehen. Außerdem fehlte es an Ikonen: Hier spielte kein Puhdy die Nationalhymne kombiniert mit Bombergeräuschen, Chris Doerk und Frank Schöbel veranstalteten kein Bed-In im Leipziger Astoria-Hotel und Arndt Bause hatte für Andreas Holm „7x Morgenrot, 7x Abendrot“ ganz und gar ohne Drogenbotschaft gereimt… blau blieb die Nacht.

Der Westen dagegen hatte für seine Studentenunruhen einen geilen Soundtrack entstehen lassen: Hendrix, Burdon, Who, Stones, Scott McKenzie, Donovan, … – das volle Programm. Das wanderte Mitte der70er alles via Oldiessendung auf die Kassetten der Nachgeborenen, als schöne Schwärmereien ohne politischen Bezug. Vergangenheit. Days of Pearley Spencer irgendwie.

A tenement, a dirty street
Walked and worn by shoeless feet
Inside it’s long and so complete
Watched by a shivering sun…

Die gefühlige Ergänzung zum Glam-Rock der Mit70er.

Die eigene Bewusstseinserweiterung musste von selber kommen und sie musste mit dem „heute“ zu tun haben. „Woodstock“ war 1975 schon gestern.

Regenbogen hatten zur 950-Jahrfeier ein Fenster aufgestoßen: 2 Stunden Konzert; davon nur 3 eigene Titel, also 10 Minuten Spielzeit; dann 30 Minuten Stones-Medley (die 1978 offiziell noch immer niemand kennen durfte, wegen Waldbühne’65); und dieses Medley NACH 22:00 Uhr! In Anwesenheit der FDJ-Kreisleitung des Saaletals! So sieht Revolte aus! Jedenfalls im Osten. Drei Jahre nach dem Renft-Verbot.