High Noon am WEISSENSEE

Nun ist es vollbracht. „Weissensee“ – das erste TV-Event zum Thema Untergang der DDR, das nicht in Klischees ertrinkt, ist – insgesamt betrachtet – gut gelungen.

Nach fast 30 Jahren – endlich; möchte man meinen.

Nun ist die Situation nur die, dass die ARD das Event „4.Staffel“ vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mal schnell in 3 Tagen durchgefeuert hat. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. An zwei Tagen davon liefen Quotenbringer auf Konkurrenzsendern. „Sing my Song“ und „Topmodel“. Quoten entstanden wohl eher dort. Die bisherigen 3 Staffeln wurden (soweit ich weiß) nicht wiederholt. Also dürfte die 4. Staffel wohl kaum gesehen worden sein und kaum noch irgendwo gesehen werden. Die Nische „Ossi-Seele streicheln“ wird vom Buhrow-Clan als erfüllt betrachtet.

(Schon die 3. Staffel hätte die ARD gar zu gern vergessen. Es fand sich damals angeblich lange kein Sendeplatz. Die DVDs lagen schließlich schon in den Läden.)

Die bisherigen drei Staffeln waren aller Ehren wert. Das Erstaunliche daran war immer wieder, dass die Ostsituation vor dem Mauerfall wiedererkennbar war, keine massiven Fehler passierten, die den zuschauenden Zeitzeugen verärgern könnten: Ich sage nur „Honigfrauen“ (Fluchtwilliger Dean Reed Fan) oder „Der Turm“ (NVA/Schwedt-Episode – nur im Film völlig verhunzt).

Die bisherigen Staffeln fingen auch sehr gut ab, dass unplanbarer Weise, die weibliche Hauptfigur der Julia Hausmann nach Staffel 1 keine Lust mehr hatte und den Serientod sterben musste. Vielleicht war das sogar ein Glücksfall, weil somit keine Romeo und Julia Variante „made in GDR“ mehr möglich war.

Wie wars diesmal?

Bei Akt 4 waren leider, leider gleich zwei Abgänge zu verkraften. Die weibliche Hälfte des Drehbuchteams Anette Hess sprang ab. Sie hatte die ursprüngliche Idee. Diesmal schrieb also ihr Sidekick Friedemann Fromm alleine über das wilde Jahr 1990 in der zusammenbrechenden DDR. Konnte das gut gehen?

Teilweise.

Staffel 4 lässt mich nicht jubeln. Verdammen, wie „Honigfrauen“ und „Turm“(Verfilmung) möchte ich sie aber auch nicht. Die letzten beiden Folgen vom Donnerstag retteten das Gesamtergebnis dann doch. (Uff! Ich hatte schon Befürchtungen.) Aber es ist insgesamt die schwächste von den 4 Staffeln.

Wessis wird das Thema nicht jucken. Ossis mehrheitlich auch nicht mehr. Die Geschichtsvergessenheit ist Volksseuche geworden. Wer seine Geschichte vergisst, wird sie wiederholen müssen. Warten wir es ab.

Zum ersten Mal wurde nicht nach dem Mauerfall mit Happyend-Feeling abgeblendet, sondern der Nachwendekater verfilmt: Treuhand, SED-Metamorphose zur PDS, Glücksritter(West) ziehen naive Ossis ab; Gebrauchtwagen-Taumel, aufkommende Gang-Kriege Punks gegen Faschos in Ostberlin…

Reichlich Stoff – und nur 6 Stunden Spielzeit. Das musste scheitern. Man hätte die doppelte Zeit (und sicher auch das doppelte Geld) gebraucht, damit sich der Stoff entwickeln kann.

Katrin Sass (als Sängerin Dunja Hausmann) schmiss hin. Eine der tragenden Säulen. Sie fehlt heftig. Es war die Schiene der drangsalierten kritischen Künstlerin. In 3 Staffeln war sie eine Mischung aus Gisela May/Manfred Krug(als Jazzsänger betrachtet)/und Barbara Thalheim(die mutige Wende-Chanteuse, die dann ein biografisches IM-Kapitel eingestehen musste) Nun fehlt in Staffel 4 der Absturz der DDR-Künstler ins Nachfrage-Loch von 5-6 Nachwendejahren. Man bemüht sich um Schadensbegrenzung und verlautbarte per ZEITonline, dass es sich um eine eher private Eifersüchtelei zwischen Autor und ihr gehandelt habe. Vielleicht war es aber doch der Gesamteindruck des Drehbuchs? Schauen wir genauer hin:

Was war gut?

Die Treuhandabläufe: Zweifelhaftes Westpersonal trifft auf naive Bürgerrechtler und erpressbare Ex-Stasikader – das kann man sich schon so vorstellen, wie es gezeigt wurde. Die Millionenschieberei, die der SED-PDS das finanzielle Fundament rettete, kam ebenfalls plausibel-, aber einseitig, rüber. Denn völlig ausgeblendet wurde, dass nicht nur private Bereicherung von Ex-Bonzen betrieben wurde, sondern auch der Startschuss zur „Kümmerer-Partei“ gegeben war, die die frustrierten Arbeitslosen auffing. Die Negativ-Wirkung von nassforschen West-CDUlern und plötzlich mutig gewordenen Blockflötenparteivertretern blieb unerwähnt.

Genial, nach wie vor, dass der alte Oberstrolch des MfS Gauke hieß. Da lacht das Ossi-Herz mit Uwe Steimle, der im Riverboot zum Besten gab, dass da einer ähnlichen Namens „auf den Gepäckwagen des Wendezuges aufsprang und behauptete, er sei immer schon Heizer auf der Lok gewesen“.

Was war unausgereift/durchwachsen?

Die Charakterentwicklung im Einzelnen:

– Der alte Vater Kupfer (immer schon der Zauderer und Gorbi-Grübler alias Markus Wolf) hier zu extrem positiv;

– seine Frau nun eine (fast) Margot Honecker, die mit Gauke/Mielke kungelt;

– der liebe Martin Kupfer, Ex-Polizist und seit Staffel 3 Möbeltischler (real betrachtet also Hilfsarbeiter) wird durch Absetzungsstreik gleich der neue Chef des Ex-VEB;

– der Bösewicht Falk Kupfer hat so gewisse Ansätze von Gewissenszweifeln, die ebenfalls mehr Zeit und vor allem ein glaubwürdiges Schlüsselerlebnis als Ursache gebraucht hätten. (Jörg Hartmann legt wie immer die beste schauspielerische Leistung hin.)

Was war schlecht?

Die Jugendschiene war geradezu armselig zusammengetackert und im Falle von Roman Kupfer auch fehlbesetzt: Die Nazis fallen vom Himmel und Roman Kupfer, der Ex-Sportschul-Dopingopfer-Aussortierte, wird von jetzt auf gleich in die Klischee-Clique aufgenommen. … Keinerlei Ursachenandeutung, wie sich das zusammenschob. Die Prügelszenen wirken wie an den Haaren herbeigezogen, weil auch die Gegner-Cliquen immer auf Knopfdruck vom Himmel fallen.

(Man hätte z.B. nur mal einen Buchladen der DDR 1990 zeigen brauchen oder eine der Figuren hätte über einen Weltbildkatalog staunen können: Denn wer war am schnellsten auf dem befreiten Buchmarkt der Brüder und Schwestern? Neben unscheinbaren Taschenbüchern gutbürgerlicher Weltliteratur füllten die Regale vor allem: Speer-, Guderian-, Manstein-, Rommel-Biografien, „Die Panzerwaffe im II.Weltkrieg“; das III. Reich in Prachtbänden mit Tonbandkasette „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“; „und morgen die ganze Welt“, „neue Fronten“; „die Waffen- SS“, „Wir werden das Wort nicht brechen“; kaum brachen die ersten Betriebe zusammen, waren Schönhuber und Kühnen auf Tournee durch die neuen Länder; eine Knastamnestie ließ auch reihenweise vor’89 inhaftierte Skinheadschläger frei, die nun „Opfer des DDR-Unrechts“ waren… Von alledem NICHTS.)

Stattdessen grölen da einfach ein paar Darsteller los. Keiner von denen mit Glatze oder Faschoscheitel. Seltsam! Den Dress-Code hatten auch die Ost-Skins schon vor der Wende drauf; gerade und vor allem in Ostberlin! Stattdessen so’ne Böse-Buben-Gang mit, wie gewohnt, nur einem Mädchen. Die sieht ganz gut aus (zu hübsch sein darfse nicht – in einer Nazi-Gang), und muss sich prompt ins schüchterne Neumitglied Roman K. verlieben.

– des lieben Martins große Tochter startet zunächst eine dramatisch schief gehende Modellkarriere, ist dann traumatisiert, traut sich nichts mehr zu, geht zu einer Art Straßenfete, wo die Jugend nach Silly „SOS“ tanzt (!?!!?) und landet dann -schwup-s im besprayten Punker-Bully; findet dort die große Liebe und kurz darauf eine Lehrstelle als Köchin. Hm.

– Sehr übertrieben auch die Liebe zwischen dem querschnittsgelähmten Schuft Falk Kupfer, der ohne richtig ersichtlichen Grund für manche Szenen einen Decknamen (Herr Schmidt) hat und seiner Pflegerin, die 5 Jahre in Hoheneck saß und lange Zeit nicht ahnt, wen sie da pflegt. Als sie es erfährt, bricht sie das Verhältnis zwar ab, dank des schnellen Szenenwechsels landet sie aber ca. 15 Minuten später doch wieder in seinen Armen und in der vorletzten Szene in seinem Bett.

Was in der letzten Szene geschieht, verrat ich nicht. Vielleicht will’s ja doch noch jemand gucken.

Was wurde vermisst?

Gemessen an den 3 Staffeln zuvor fehlen hier Anspielungen auf

– Krause (den Skandalminister) und Diestel (den undurchsichtigen Stasi-Schützer);

– Rücksichten auf die damalige Mode (Vokuhilas; pinke Vertreteranzüge, Snow-Jeans)

– das mediale Aufsehen um den ersten Selbstmord eines Hauseigentümers(Ost) in Dolgenbrodt bei Berlin, der laut „Rückgabe vor Entschädigung“ sein seit 30 Jahren bewohntes Haus räumen sollte, weil er es nicht ein zweites Mal bezahlen konnte;

– das Auffliegen der versteckten RAF-Veteranen;

– die widerliche Rufmordkampagne gegen Prof. Dathe, den Tierparkdirektor Ost-Berlins;

– der erste Ossi-Nachwendeerfolg: Die Protestwelle zur Verhinderung der Abschaffung des Sandmännchens. DIESES Trostpflästerchen ließ man uns dann doch.

 

Was bleibt?

Eine Super-Plot-Idee fürs ganze; eine Überfrachtung der 4. Staffel;

Gespickt mit Zitaten(Musik) und Anspielungen (sprechende Namen, Nebensätze verschiedener Akteure);

Funktionierender Dramaturgie trotz Hauptdarstellerabgang (Staffel 1-3); nicht ganz so perfekt in Staffel 4; die leere Wohnung der Dunja Hausmann, die immer wieder per Dietrich von mehreren Figuren betreten und zuletzt von Vater Kupfer quasi bewohnt wird, kann die Lücke des Katrin Sass- Abgangs nicht schließen;

Hervorragende Schauspielerleistungen in allen 4 Staffeln;

DIE Referenzrolle für Jörg Hartmann (alias Falk Kupfer);

„Weissensee“ ist und bleibt eine hervorragende Serie mit einer schwächelnden 4. Staffel.

Würde ich mir eine 5. Staffel wünschen? Eher nicht.

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Joe Walsh’s sanfter Kumpel

Neulich tauchte bei der Kraulquappe ganz beiläufig die Formulierung vom Soundtrack des Lebens auf und schon hatte ich meine nächste Inspiration. Im Auto laufen gerade diverse erlesene 80er Klänge (Soundtrack des Lebens) und da darf bei Bludgeon einer nicht fehlen:

Der fast unbekannt gebliebene, sanfte Kumpel von Joe Walsh

bst

Es war 77/78 in der Turnhalle in der 11. Klasse. Unser Sportlehrer holte mit der A irgendeine Leistungskontrolle nach und die B hatte die Aufgabe, Judomäßig bissl Fallschule zu proben, als Bludgy mit Christian am Rand stand, um sich gegenseitig die Aufnahmen vom Abend zuvor herunterzubeten: Devo rauschfrei, weil guter Empfang war: Mongoloid (So’n Song wär heute auch nicht mehr denkbar), Jacko Homo (ooch nich‘ mehr), Satisfaction. Christian kontert mit Nick Lowe, den Residents und den Recillos. (Der kriegt den RIAS rein! Neid-Neid-Neid!) Sperber-Thomas gesellt sich dazu und lässt beiläufig fallen:

„Kennt ihr Dan Fogelberg? As the Raven flies?“ Seine Beute von HR 3.

davManchmal gibt es Zufälle, die gibt es einfach nicht. Ich las gerade Reinwaldts „Walter von der Vogelweide“; einen spannenden antiquarischen Roman, voller Burgenromantik und dank „Sängerkrieg auf der Wartburg“ auch voller Parallelen zur Gegenwart von 1978: Punks vs. Boring old Furts. Der Vogelweidrich als die abgerissene Rockstar-Variante (kurze Songs), die sich mit dem gediegenen Herrn Wolfram von Eschenbach (Parzival/Konzeptalbum/ also Progritter) messen muss.

Außerdem hatte ich dank „Gutem Kameraden“ herausgefunden, dass Vogelweidrichs Wiege wohl doch nicht in Südtirol, sondern im Sudetenland gesucht werden muss, weil es im Dreiländereck von Franken/Thüringen/Böhmen einen Edelhof dieses Namens gab. Das würde auch die Häufigkeit der Besuche auf der Wartburg und die finale Ansiedlung des arrivierten Barden bei Würzburg erklären. Südtirol ist für einen Fuß-Pilger einfach zu weit ab.

Nun kennt Sperber-Thomas einen Ami, der fast genauso heißt und obendrein mit seinem Song auch noch einen Barbarossa-Beitrag leistet, der da sprach:

„So gehe hin oh Zwerg, und sieh ob noch die Raben fliegen um den Berg!“

Also auf zu Tommy und aufnehmen. Die Beute besteht aus eben jenem Song und „There‘s no place in the world for a gambler“. Noch’n Vogelweide-Bezug, denn auch der konnte lange seinen Platz nicht finden.

Fogelberg-Musik ist weit ab von Punk zu verorten. Aber ’78! Das war auch die Zeit von „Year of the cat“, von „Bakerstreet“, von „a Spaceman came travelling“ und nicht zuletzt von Novalis „Wer Schmetterlinge lachen hört“. Letzteres hatten wir alle, dank meiner, auf Band. Unvollständig. 4 von 7 Minuten. Der Ausschnitt aus Gottschalks „Szene‘78“ eben, so wie er dort gelaufen war. Wir schafften es problemlos gleichzeitig Punk und Romantiker zu sein. Ich löschte ja schließlich auch die „Tormato“ nicht, bloß weil da irgendein punkiger Engländer mit Grundschulbildung herausrotzte, das wäre nix.

Schwerenöterisch im Whirlpool unserer feelings mit 17/18 fühlten wir uns – eben noch schüchtern und resignierend, morgen schon Eagle-mäßig on Top von  „one of these-one of these – one of these crazy ol‘ nights…“

„Time passages! Buy me a Ticket on last train home tonight.“ Und schwups sind wir im Jahr 1983; dem Jahr, in dem einige Kommilitoninnen Mutter wurden, andere bereits „Ja“-sagten und man selbst immerhin -stolz wie tausend Spanier- ‘nen Verlobungsring trug. Der Feten-Taumel der ersten beiden Studienjahre hatte sich totgelaufen. Die Luft war raus. 1984 würden wir nur noch vereinzelt im Wohnheim aufschlagen und unsere Diplom-Seminare absitzen. Der Soundtrack „unserer Jahre“, die NDW, starb ebenfalls aus. Ideal behaupteten, nie dazu gehört zu haben. Nualas wunderbares zweites Album „Energie“ floppte. Keks wurden verboten. Den Deutschland-Deutschland-hörst-du-mich-Markus hörte man noch kurze Zeit auf Englisch als TxT, dann nie wieder. DAF und Palais Schaumburg lösten sich auf…

Es schien allerhand untergehen zu wollen, kurz vor dem Orwelljahr.

Da geschah Fogelberg zum zweiten Mal: Gleich zwei Moderatoren des NDR lobpriesen tagelang ausführlich die Zeitgleichheit des Erscheinens von „Blue Mask“ und „Innocent age“. Lou Reed contra Dan Fogelberg. New Yorker-Westberliner Drogenstrichsurvival-Image gegen kalifornischen Einsiedler, für den Joe Walsh die Klinken putzte, damit die Welt von ihm erfahre. Beide annähernd gleichalt und nun am Scheitelpunkt in einen neuen Lebensabschnitt.

Während Onkel Lou noch mächtig an den Sielen reißt, die er sich doch eigentlich selbst per Eheschließung angelegt hat, reflektiert der weise, ruhige Dan anlässlich eines erlebten Klassentreffens seinen Werdegang und die Gefühlslawine bei Heimkehr nach jahrelanger Abwesenheit. Alles wird zu Songs gerinnen, wenn er wieder fährt:

– Erinnerungen an den Vater und dessen Musikalität; denn wer in einer Hobby-Band musiziert, verstößt den Sohn nicht, wenn er versucht, ein Musiker zu sein;

– an die 1. Liebe, die unglücklich verheiratet zu sein scheint,

– die Klassenkameraden, die pransen, wer nun den größeren Erfolg über die Jahre einfuhr,

– das alte Kinderzimmer und das Weben der Geister der Kinderzeit, die sich ganz hinten am Korridor verabschieden wollen….

Eine eigentlich tonlose Stimme. Austauschbar: Crosby, Nash, McGuinn oder Glenn Frey… Aber Texte aus der Meisterklasse: Dylan, Hunter, Lightfoot , Robertson… Ein Meilensteinalbum der 80er. Ganz im musikalischen Geist der 70er. Irgendwo zwischen Eagles und Chris de Burgh. Und ganz ohne Elektro-Drum-Kit! Zeitlos schön. Wie eben das „INNOCENT AGE“ auch gewesen war.

dav

Das Band mit den Rundfunkbruchstücken hörte ich damals schon durchsichtig. Ich ahnte, dass es so kommen würde. Dem momentanen Überdruss der Gesichter im Wohnheim würde die Sehnsucht nach Seminargruppentreffs folgen, kaum dass wir raus sind. Und genauso kams:

Nach all den Jahrn/ Same ol’lang syne

(Dan Fogelberg / dt.: Bludgeon)

(Der Song hats mir ganz besonders angetan. Ich hab mich nun schon zum zweiten Mal geplagt, ihn zu übersetzen. Hm. Besser als die erste Fassung, aber: Eine 3. Variante dermaleinst nicht ausgeschlossen.)

 

Ich sah sie wieder dort im Edeka

Zu Hause, Schneefall im Advent

Stieß sie von hinten bei den Kühltruhn an

Frag einfach, ob sie mich noch kennt.

 

S ging nicht sofort, wir waren älter nun

Gesicht gereift in all den Jahrn

Sie rätselt, dann erkennt sie und umarmte mich

Als wärn wir die, die wir mal waren.

 

Wir schoben ihren Wagen an die Kasse ran

Bezahlen, packen und dann raus

Dann standen wir am Parkplatz rum

Begafft, doch machten uns nichts draus.

 

Wir suchten nach nem Café; hatte alles zu

Nur an der Tanke vier „to go“

Dann saßen wir zusammen dort in ihrem Car

Und laberten drauf los, ganz einfach so.

 

Wir wollten diese Lücke fülln

Die nach dem Bruch da war

Doch keiner von uns beiden wusste wie

Das wurd uns leider klar.

 

Sie war liiert. Ihr Mann ist Architekt.

Der sehr durch Vornehmheit besticht

Dem sie zum Dank dafür das Tischlein deckt

Von Liebe sprach sie nicht.

 

Ich sagte, dass die Jahre freundlich warn

Sie sei so schön wie eh und je

Sie blieb ernst, ich spürte: Oh das passt jetzt nicht

Ich glaub, es tat ihr weh.

 

Meine Platten kennt sie aus den Läden hier

Doch keinen Song in all den Jahrn.

Ich lob wie immer halt das Publikum

Und fluch wie immer auf das Fahr’n

 

Wir tranken auf die Zeit von einst

Und tranken dann auch auf das „Nun“

Unsre Partner warn im Geist dabei

Drum blieben wir immun.

 

Wir küssten nicht, wir tranken nur den Kaffee aus

Dann schwiegen wir betreten, wie vor Jahrn

Doch fehlt der rote Kopf, die Gänsehaut

Sie wollte schließlich fahrn

 

Für nen Moment nur war ich wieder Teen

Doch wusste ich, ich muss jetzt gehen

Drum stieg ich aus und ließ sie wieder ziehn

Und blieb am Parkplatz stehn.

 

Der sah dann plötzlich wie mein Schulhof aus

Ich fühlte mich wie einst vor vielen Jahrn

Als ich sie schon mal gehen ließ

The way we were – so wie wir warn.

 

Ich sah mich wieder in dem Streit von einst

Und konnt’s wie damals nicht ertragen.

Der Schnee verwandelt sich in Regen – nun;

So stieg ich ein und startete den Wagen.

Everett Ruess

Originaltext: Dave Alvin

deutsche Version: Bludgeon

 

Bin geborn als Everett Ruess

Gelte für tot seit 60 Jahrn.

Die Kiste war bereits mit 20

Ziemlich deutlich schon verfahrn.

 

Ganz weit draußen in den Badlands

Kappt ich die Leine ziemlich bald

Tanz nicht mehr nach eurer Pfeife

Ob ihrs versteht, das lässt mich kalt.

 

Ich wuchs auf in Kalifornien

Liebte Familie, Hund und Haus

Floh aber immer in die Sierra

Hielts daheim nie zu lang aus

 

Die Leute tratschten: „Issn Wilder.

Das verwächst sich sicher bald.“

Doch ich tanz nicht nach eurer Pfeife

Ob ihrs versteht, das lässt mich kalt.

 

So zähmt ich Mustangs bei den Cowboys

Sang Ghostsongs bei den Navajo.

Lern den Schlangentanz der Hopi

Malte Bilder, wurde froh.

 

Verkaufte alle meine Bilder

Für nen äußerst kleinen Preis

Tanzte nie nach eurer Pfeife

Wurd vom Jüngling bald zum Greis.

 

Ja, ich hass‘ die engen Städte

mit Neonlicht & Assiflut

Und ich hasse auch die Kirchen

Wo man Gott nichts Gutes tut.

 

Denn Gott ist draußen in den Canyons

Grüßts Schlangennest im Pinien-Hain

Ich weiß, ihr werdet‘s nicht verstehen

Und das wird auch nie so sein.

 

Es heißt, ich wurde längst ermordet

Oder bin erfroren irgendwo

Zerfetzt, gefressen von nem Puma

Oder geflohn nach Mexico

 

Mein Grab, das werdet ihr nie finden

Ein Grab, das muss auch gar nicht sein

Ich tanzte nie nach eurer Pfeife

bleib auch im Tode nun allein.

 

Aber am Ende ist das müßig

Hast du dein Leben froh gelebt

Ich tanzte nie nach eurer Pfeife

Und scheiß drauf, ob ihr mir vergebt.

 

taken from the Album „Ashgrove“

Frohburger Apostel-Legende

  1. Begegnung

Als Jesus durch ein Kornfeld ging, umgeben von seinen Jüngern, sah ihm eine 15jährige dabei zu.

Wir schreiben das Unruhejahr 1953. Das Mädchen steht vor der Auslage des Buch- und Bilderladens Berthold in Frohburg, fühlt sich an ihre vorpubertäre Nonnenschwärmerei erinnert und beschließt, das Bild anlässlich der anstehenden Silberhochzeit der Eltern zu kaufen. Durch Altstoffsammeln haben sie und ihre Geschwister ein paar Mark im Sparschwein. Den Rest gibt der bereits studierende, große Bruder Karl dazu, der froh ist, sich keinen Kopf mehr machen zu müssen, was man schenken könnte.

Das Bild ist im spärlich möblierten Vertriebenen-Haushalt der Schillers, im 4. Jahr der Wiedersesshaftwerdung sowas wie ein erster Luxusgegenstand. Vom Glauben hat sich zwar die Familie komplett verabschiedet, jedoch ist ein religiöses Gemäldemotiv eben doch so etwas, wie ein gutbürgerliches Kulturpflaster auf die Wunden, die Flucht und Statusverlust schlugen. Es findet seinen Ehrenplatz über den Ehebetten, den es bis 1988 nicht verlässt.

Das Jahr ’53 sollte in einem weiteren Punkt ein relevantes Jahr für die Schillers werden. Just zur Silberhochzeit in kleinstem Kreis, zu Hause im Wohnzimmer, kam ein Gast. Der war nicht geplant. Die Kuchenstücke waren im 6 Personenhaushalt abgezählt, der „gute Bohnenkaffee“ teuer und deshalb knapp. Noch war Zuteilung auf Lebensmittelkarte angesagt. Wer mehr brauchte, zahlte bei der HO kräftig drauf. Aber der große Bruder Karl hatte da in Leipzig einfach einen Typen eingeladen, den er am Ring-Café angesprochen hatte:

„Bist du nich der Findeisen-Seff aus Gobel; vo dor Fleischerei?“

Tatsächlich! Er hatte jemanden aus „der alten Heimat“ wiedergefunden! Noch dazu jemanden, dessen Familie in geschäftlicher Beziehung mit der Tuchfabrik gestanden hatte, wodurch in der Kleinstadt damals auch familiär ein loser Kontakt entstanden war. Das erste Abtasten beim Gespräch im Ring-Café – bei jeweils einer in die Länge gezogenen Tasse Kaffee – ergab, dass beide keine Kommunisten geworden waren und durchaus Ähnliches studierten: Human- und Veterinärmedizin. Weiter machten beide keinen Hehl daraus, wie elend sich die derzeitige familiäre Lage gestaltete, wodurch bei „Karl dem Großen“ die Spontan-Idee entstand, „Seff den Kleinen“ einzuladen, ohne aber das Jubiläum der Eltern zu erwähnen:

„Kummok am Wochenende nach Frohburg.“

Dem Findeisen-Seff war das nun extrem peinlich, als er da ohne Vorwarnung und lediglich mit einer kleinen Pralinenschachtel als Mitbringsel in die Silberhochzeit einer Familie platzte, zu der man früher „zu Hause“ halb in Ehrfurcht, halb aus Neid aufgeschaut hatte. Aber diese traditionelle Kluft hatte die gewaltsame Angleichung der Verhältnisse in jüngster Vergangenheit wie weggeblasen.

Er wurde nett aufgenommen und so wiederholten sich die Besuche. Immer öfter. Die 15jährige wurde 21 und von ihm geheiratet. Nun war das Band fest geknüpft.

Bald darauf kam ein gewisser kleiner Dakota ins Spiel. Er kränkelte. Wenn die junge Familie, die es ins 70 km entfernte Naumburg verschlagen hatte, in Frohburg weilte, achtete die nunmehrige Oma peinlichst darauf, dass „das Kind seinen Mittagsschlaf einhält“. Sie war darin die Einzige in der Sippe. Zwar hatte die junge Mutter selber mehrfache Anläufe unternommen, dem Beispiel anschließend zu Hause folgen zu wollen, jedoch gelang es dem kleinen Quälgeist stets, jenes unsinnige Ansinnen innerhalb weniger Tage weg zu quengeln. Wenn er dort mittags aus dem Kindergarten kam, war Mutter meist noch arbeiten und Großmutter war das Thema Mittagsschlaf wurscht. Welcher 4-11jährige ist mittags müde?

2. Behaarung

So ergab es sich, dass ich in Frohburg mittags immer im Schlafzimmer der Großeltern im Kinderbett am Fußende der Ehebetten lag. Südseite. Kein Rollo. Und der Jesus im Kornfeld war der einzige Aufhänger für die hellwache Phantasie, die unumgängliche Stunde zischen 1 und 2 totzuschlagen.

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Wenn ich es recht bedenke, begann mich dieses Bild schon sehr früh zu fesseln. Mit 4 oder 5 Jahren.

Wer der vorne war, wusste ich, dass der neben ihm Petrus sein würde, ahnte ich und wie die andern heißen, konnte ich nicht wissen. Die sahen alle aus wie eine Räuberbande, die in Nachthemden spazieren gingen und verbotenerweise quer durch ein Kornfeld trampelten. Wenn man ihnen das nachmachte, dann gab es garantiert einen Rentner, der am Feldrand gerade Karnickelfutter sichelte und selbst große Jungs noch zwischen den Ähren anbrüllte:

„Obor raus da! Ihr Baggaluden! Wolltor woll nich unsor Broood zordrädn! Du da! Du bisstoch  Dischlorn Seiner! Das meldch in euror Schule! Ihr Nüschdnutze iohr!“

Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen! (Zu meiner Zeit schlich man solcher Art ertappt beschämt von dannen. Es war nicht alles schlecht.)

Aber die sahen nicht wie Kinder aus. Räuberbande passte besser. Nur wurde ja der Jesus immer als „ein Guter“ beschrieben, wenn von ihm gesprochen wurde. Also entstand Gedanke Nr. 2:

Meine damalige Lieblingsmärchenplatte war die Single mit den 4 Bremer Stadtmusikanten. Aber der Schluss ist einfach Mist für einen Tierarztsohn:

Vier alte Tiere ohne Betreuung in einem Wald im Räuberhaus!

Was wird, wenn die Speisekammer leer gefressen ist? Wer zieht dem Hund die Holzböcke raus? Wer ruft den „Duktor“ an, wenn dem Esel eine Futterrübe quer im Hals steckt?

Wenn nun aber die Räuber Tierfreunde wären und mit den 4en zusammenleben würden, dann — müssten sie so aussehen wie die Typen da im Kornfeld. Sicher sind die gerade auf dem Weg zur Waldhütte, um ihren Tieren zu helfen. Wenn ich groß bin, trage ich Vollbart und befreie Troll in Kösen aus’m Zoo. Udo darf Petrus sein. Und Connie? Problem. Dem Jesus fehlt‘n einfach Mädchen in der Bande. Aber – ach! Connie kämpft eh wie ein Junge. Die is‘ einer von den andern. Der dritte da hat keinen Bart. Passt.

Um 1967 herum muss es gewesen sein, dass wir wiedermal auf dem Weg nach Frohburg waren und Vater aufschrie:

„Gucke! Jetz‘ geht das och bei uns los!“

Er hatte im Vorbeifahren eine astreine Jesuserscheinung am Roßgarten ausgemacht. Mähne, Bierglas, mehrere Ketten um den Hals stand da einer, der ungefähr aussah wie der Typ von Mouth & McNeal später. Der erste Stadt-Beatle von Naumburg. Ich hatte ihn auch gesehen und war schwer beeindruckt.

„Ungewaschne Gammler. Frisch ausm Knast! So läufst du mir nich’rum! Das hätt’s früher nich‘ gegehm.“

Hm. Wird schwierig. Das war sofort klar. Und ungefähr ein Jahr später kam Luggie in unsere Klasse. Da saß das langhaarige Vorbild nur 3 Bänke weiter im selben Raum!

Dann begann der Geschichtsunterricht in der 5.Klasse. In Klasse 6 allerhand Wissenswertes über Chlodwigs freie Franken, deren Markenzeichen die schulterlangen Haare waren!

Und immer noch in Frohburg nach dem Mittagessen: „Ab ins Bett! Wir wolln ja nicht, dass de nochmal so lange ins Krankenhaus musst! Also schlaf. Das stärkt den Körper.“

Ach Quatsch. Die Zweifel am Erwachsenenwissen nahmen zu.

Dann liegste so da und guckst den Hippies da im Kornfeld zu und ganz neue Fragen entstehen, die du auch prompt dann und wann in den Frisur-Streit einstreust:

„Vati! Du als Hitlerjunge! Wolltest du nie freier Germane sein?“

„Doch! So hamwer uns doch gefühlt!“

„Wieso hattet ihr dann immer diesen Topfschnitt freiwillig? Die Franken trugen schulterlang. Die Goten sicher auch. Wate von Stürmen trug Mähne als er Gudrun rettete.“

„Ach du. Das spielt keene Rolle. Das war ne andre Zeit. Lange Haare kratzen im Nacken. Und ziepen unter der Gasmaske.“

Nicht überzeugend. Zweifel an Erwachsenem Wissen Teil 2.

Tage später neuer Vorstoß, im Beisein von Großmutter und Mutter:

„Ihr habt doch früher alle mal an Gott geglaubt. Und die langen Haare haben nicht gestört. Der war nicht verlaust und so. Wieso darf ich dann nicht rumlaufen wie er?“

Großmutter: „Weilde dusst keene Wunder vollbring.“

Autsch!

Mutter: „Du gehst zum Friseur und ab! Keine weitere Diskussion!“

Großmutter: „Geh oke. Bist ja immer fesch wieder gekomm.“

Wie ein junger Theo Lingen fühlte ich mich dann in einer Klasse aus lauter Netzers und Kinskys, mit einem Ecke als Albert Hammond Verschnitt dazwischen. Warum bloß merken die das nicht!

Erst der Auftritt der Klaus Renft Combo in „Wünsch dir was – mit Irmgard Düren“ wendeten das Blatt.

„Wenn die sogar ins Fernsehen dürfen….“, hieß es plötzlich. Uff. Endlich Mäcke! Ende 1973!

Frisuren kommen und gehen. Anfang 1978 kam der Punk und somit der grade noch EOS kompatible Igel. Ein Irokesenkamm wäre für die Schule und die Familie zuviel gewesen.

 

3. Bewahrung

Die Jahre gingen hin und die Stagnation wurde spürbar. Die große Phrase der Partei „Alles zum Wohl des Menschen!“ war zum zynischen Witz verkommen, für alles was fehlte. Ärgerliche Jahre der Staatsagonie 87/88.

Oma aber hatte sich urplötzlich entschlossen, zu reden, wie es Staatsbürgerkundelehrbuch und „Neues Deutschland“ vorsahen. Das war neu und seltsam. Stets war sie eine eher unpolitische Frau gewesen, die sich schnell an die modernen Hobbies und Spleene ihrer Kinder und Enkel gewöhnen konnte. Für die letzte Etappe schien sie nun auf Verlässlichkeit zu setzen: Ein Alles in Frage stellen, kam für sie nicht in Betracht. Vielleicht weil der 1945er Sturz aus bürgerlicher Saturiertheit in Heimatlosigkeit und bitterste Armut zu tief gewesen war. Nun hatten sich die Kinder nach oben gekämpft und wiederum schien sich ein böser Umbruch anzukündigen, dessen Auswirkungen nicht abzusehen waren: „Ihr wisst ja nicht, wie gut‘s euch geht!“

Ihre Kräfte schwanden. In Frohburg im 2. Stock hätte sie sich nicht mehr allein versorgen können. Pflegeheime verboten sich von selbst. Sie blieb in Naumburg im Kreise der Familie ihrer ältesten Tochter und starb wohlversorgt in meinem Kinderzimmer. Das wurde ja nicht mehr gebraucht, denn ich war inzwischen „da hinten bei den Sorben“ in Lohn und Brot.

Zu Hause wurden die Trauerfeierlichkeiten zu einem historischen Ereignis, denn hier sah ich alle 7 Cousins und Cousinen zum letzten Mal komplett vereint. Einige seitdem nicht wieder. Es ist, als hielten manche Menschen die Fäden eines Netzes – und wenn sie fallen, fällt auch das Netz auseinander. Niemand hebt die Enden auf. Da war kein Zerwürfnis, nicht die Spur eines Anlasses; und trotzdem: Es sollte wohl nicht mehr sein. Ein Familientag, anfang der 90er, sehr unvollständig besucht, blieb Eintagsfliege.

Diesmal aber war noch alles in Butter. Erinnerungs-Rallye aller Beteiligten, kaum dass die Beisetzung vorbei war: Rekapitulieren all der Ferien in Frohburg, der Kauf des Tischtennis-Sets, als ich 12 war und das deshalb entstandene Abendritual:

Tante Ursel: „Aber wisstor überhaupt, dass de Muddi mitm Bludgy als er 12 war jeden Abend Tischtennis gespielt hat, oam Esstisch im Wohnzimmer?“

Onkel Karl: „Unse Muttor nach’m Oberschenkelhalsbruch, spielt noch Tischtennis im Wohnzimmer?!“

Ich (triumphierend): „Bei Rock&Roll! Denn hinter ihr lief dabei im Radio der aktuelle Plattenteller oder Memory Hits!“

Onkel Achim: „Und mir durftn uns ne muxen, weng Hofmann unter uns. Der koam dauern nörgln, dass bei ihm de Lampe däte waggln. Laufend kloppte der mitm Besen von unten an de Decke.“

Onkel Karl: „Und dannoch Rock & Roll. De letzte Schelle vo dor Mutter hoabich gekriegt, als ich Bill Haley offm Kochtöppen getrommelt hab.“

Tante Ursel: „Aber nich‘ wegen dem Haley, sondern weilde ihrn Kochlöffel abgebrochen hast.“

Eine Kamelle nach der andern tauchte auf, wurde belächelt und verschwand, wie schließlich auch die Trauergäste in alle 4 Winde.

„Wir räumen nächste Woche Omas Wohnung leer. Kannst du noch was gebrauchen?“ fragte Mutter kurze Zeit später.

„Das Jesus-Bild ausm Schlafzimmer.“

Mutters erstaunt-erfreuter Blick war einmalig.

Der Satz war mir einfach so eingekommen. Ohne Plan. Ohne Gier. Ohne „erben wollen“. Direkt aus dem Unterbewusstsein. Erst als  das Bild  in meinem Verbannungsdomizil im Schlafzimmer an der Wand hing, kam die Erleuchtung: Irgendwas muss bleiben!

Es kam mit mir herum. Von der Bauern-Kate im Sorbenwald in den Plattenbau im hohen Norden und wieder ein Stück zurück ins ererbte Haus der Schwiegereltern. Hier hängt es immer noch im Schlafzimmer. Die Hippies im Kornfeld. Oid wuarn sammor. Inzwischen klappts auch dann und wann mal mit ‘nem Mittagsschlaf darunter.

(Gemälde: Jesus im Kornfeld; von Etienne Azambré)

Unfrohe Osterbotschaft

Heute Morgen fuhr der Computer hoch:

https://web.de/magazine/politik/skripal-usa-warnen-schlechteren-russland-beziehungen-32894866

Und das floss mir aus der Tastatur:

Als sich Frankreich nach 1789 langjährig ins Chaos manövriert hatte, niemand mehr Felder bestellte, nur alle paar Jahre die Regierungen geköpft wurden, weil sie nicht zaubern konnten, da kam ein Korse und sah, dass schnelle Abhilfe nur durch Beute von Auswärts zu haben war: Seine Blitzkriege versetzten die Franzosen in Euphorie, solange es gut ging. Er erkämpfte einen 15jährigen Aufschub  der Jahrhundertmisere seines Vaterlandes, das nach 1815 mit seinen Revolutiönchen alle paar Jahre dem heutigen Nahen Osten glich.

Als es Napoleon III. 1870 innenpolitisch schlecht ging, Wirtschaftsdaten im Keller, Arbeitslosigkeit und Massenelend, Unruhen ante Portas; er das Schicksal Ludwigs XVI., Louis Phillippes vor sich sah, da benutzte er eine Lappalie, von der er wusste, dass sie eine Lappalie ist: die Thronkandidatur eines Hohenzollern-Sigmaringen in Spanien; und die alberne Parole „Rache für Sadowa“, um einen Krieg vom Zaune zu brechen, der schnellen neuen Ruhm bringen sollte. Unüberlegt; inmitten einer laufenden Militärreform. Sedan.

Die Folge war eine politisch schwächelnde neue Republik, eine koloniale Überdehnung, ein staatsbürgerschaftlicher gordischer Knoten für die Zukunft.

Als Österreich-Ungarn nach unbefriedigend verlaufenen Balkankriegen und innenpolitischen Reformen, die das nationalistische Chaos im Landesinneren und im Wiener Parlament auf die Spitze trieben, nicht mehr weiter wusste, ging sein Thronfolger (ganz ohne jeden Realitätssinn) auf eine fast unbewachte Dienstreise ins „damalige Afghanistan“ und wurde prompt erschossen, was zu einer bis dahin beispiellosen Kriegserklärungslawine führte.

Die Folge war der komplette Untergang eines wackligen, aber langlebigen Vielvölkerexperimentes, die Schaffung nicht lebensfähiger Armenhausstaaten; der Versuch im Vielvölkerpuzzle des Balkans, die Teile plötzlich und schnell nach Farben zu sortieren und somit die Zerstörung eines armseligen aber funktionablen, jahrhundertealten Farbenspiels.

Als Deutschland 1933 nicht mehr weiterwusste, da alle etablierten Parteien am Ende ihres Lateins zu sein schienen, da wählten sie einen soziophoben Autisten und dessen Karriereabenteurer (sponsored by Reichwehr und Großkapital), nur weil er nicht winselte, sondern SCHRIE! Als diese wiederum mit ihrem großangelegten Wirtschafts-Fake 1939 vor der Wahl standen: Krieg oder Inflation, fingierten sie einen Überfall auf den Sender Gleiwitz, präsentierten eine Handvoll in Zivil gesteckter Leichen aus dem KZ von nebenan, als angebliche erlegte polnische Extremisten für Pressefotos – mit den bekannten Folgen.

2014-18 erodieren etablierte Parteiensysteme europaweit, die EU gleicht Österreich-Ungarn 1913/14, ihre Wirtschaftsdaten sind so mies wie im Frankreich von 1870, wenn man von Deutschland absieht. Deutschland sieht das Ende seines singulären Booms vor der Tür wie 1938; seit den 80ern wurde der neokoloniale Trend überstrapaziert und führt seit spätestens 2015 zu einer gesamteuropäischen Erscheinung, die bislang nur England und Frankreich zu spüren bekamen, wenn die „Landeskinder der Kolonien“ auf Staatsbürgerrechte im „Mutterland“ pochten…

Händeringend sucht die Politik bisher nach Hinhaltetricks, nach Aufschubmöglichkeiten für lauter Unlösbarkeiten.

Was, wenn sie keine mehr findet?

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Unsere Think Tanks stecken manövrierunfähig in den digitalen Schützengräben fest oder drehen sich auf nur einer Kette im Kreis: Schlepperbanden….Schlepperbanden…. Schlepperbanden….errorerrorerror…der Russe….der Russe….der Russe…errorerrorerror…

Sergej Skripal – der neue Franz Ferdinand? Kommt das so? Was hat der eigentlich gemacht? Einen schlesischen Lokalsender kann er nicht überfallen haben! Einen englischen vielleicht? Mit seiner Tochter? Die Russen finden „ihre Snowdens“? Ist das so? Die Amis kommen nicht an ihre ran. Schöne Scheiße. Ist das einen „Bündnisfall“ wert?

Auf alle Fälle kann man wieder gegen Russland. Wie 1812, wie 1853, wie 1914 und ‘17, wie 1941.

Äh. Wer gewann damals nochmal? Richtig. Die Wallstreet. Die Tegernsee-Connection. Bzw. ihr jeweiliges Vorgängerpendant. Wir andern dürfen dann wieder (so wir übrigbleiben) ein paar Jahre lang Friedenslieder singen. Black Sabbath!

P.S.: Dieser Text ist die perfekte Fortsetzung.

When the Walzer gets the Blues…

Der CD-Lift sinkt in den Player. Quälende Sekunden des Einlesens dehnen sich zu Stunden, Vinyl ging früher schneller los.

Dann: Rhythmisches Ticken, sowas ähnliches wie Kastagnetten werden dazu gemischt und — STREICHER!

                   Cinematoscope – Breitwandsound

Bild (6)kopKreischweiberbackground deireckt from the Black Messiah Rebirthing Church und „grummel grummel“ mischt schließlich ER sich dazu: Barry. Der dicke schwarze Autoreifendieb, der dann -behind vergittert windows- sein Elvis-Erweckungserlebnis gehabt haben soll. Die Chronisten sind sich uneins, ob es „Its now or never“ oder „in the ghetto“ war. Jedenfalls soll er die Message auf sich bezogen haben, aus dem Knast gekommen sein – und von Stund an war er ein Topkomponist, Toparrangeur,  Toporchesterchef. …. Wie das so geht im Land der platten Klopse, weiß ich auch nicht.

Immer, wenn dieses „Philly-Gedöns“ läuft, entstehen filmische Collagen in meinem Kopf. Ganz gleich ob es deren Bestandteile wirklich gab, oder ob sie lediglich der eigenen Phantasie entspringen. Philly war „mein first cut“. Musikalisch betrachtet. Im Dauerdudel des Deutschlandfunks der frühen 70er lief fast nur Trost-Mugge für die „Generation Großdeutschland“. Bert Kaempfert, Freddy Quinn, Heino, Roberto Blancos „Puppenspieler“, Katja Epsteins „Wunder gibt es immer wieder“ usw. Ab und an aber verirrte sich George McCrae oder Barry White ins Sendekonzept. Bild (8)Aufhorcher! Papa wusch in der Einfahrt unterm Fenster den Mosquitsch, der DLF plärrt dazu und plötzlich kommen da diese Philly-Einsprengsel: Wolkenkratzer-Assoziation, Vorspannmusiken aus Kino und TV. Damals schon. Heute kommt noch mehr dazu:

Es war die Zeit der Vorabendserien, „Eddies Vater“, „Partridge Family“, „Elefantenboy“; des zunehmenden Aufbleiben dürfens, wenn Kojak kam – der begann erst um neun! Immer häufiger blieb der Kanalwahlknopf des Fernsehers (statt auf der 6) zwischen 9 und 10 (also Klassenfeindsender) Werbefernsehen für „Männer“: Heiiiiii-ßes Wasser! Stiiiiiiiiebl eltron. Die General-Putzfee tanzt sexy durchs Haus. Rumms kam die Faust mit der Uhr durch die Scheibe! Timex!

(Der Sohn vom Nachbarn probierts am Schuppenfenster mit seiner Ruhla-Uhr, kaum, dass er sie bekommen hat….klirr, kaputt and bloody fingers!)

Lass uns frischwärts gehen! Hey is’das ein Ding… Die Pyramide aus „Westbüchsen“, deren Getränke-Inhalt längst durchs Gedärm der Vorbesitzer zirkuliert war, wuchs auf dem Bücherschrank, auf dem das Spulentonband noch fehlte. Die Haare durften endlich wachsen…

Die Erinnerungslawine wächst von Jahr zu Jahr. Leg ich sowas heute auf, dannnnnn…

…kommt da ein Muscle Car um die Ecke geschwebt, hält vor einem Wolkenkratzer, irgendwo in Deutschland. Sagen wir Berlin. Es entsteigt – Kojak, schiebt sich den Lolli in den Mund und winkt mit dem Kopf dem 70er Jahre Mercedes hinter ihm. Der überholt darauf hin und fährt weiter. Im Abrollen erkenne ich, der ich im 20. Stock die Szenerie da unten überblicke, die Tränensäcke und Derricks Hundeblick zu mir herauf auf dem Beifahrersitz…

Ich ahne, Kojak will zu mir. Aber er kommt zu spät. Er wird unten von Polizisten aufgehalten. „Sie haben den Fall nicht mehr“.

philly b„Wer dann? Frankie Cannon? Rockfort?“

„Inspector Columbo. Is‘ bereits oben. Rufmordkommission L.A.“

„Ennnn-zückend, Baby. Warum hab ich mir dann den Weg gemacht?“

Kojak dreht bei, steigt wieder in den Wagen und entschwindet in seinem rollin‘ Flugzeugträger lautlos um die nächste Ecke, um die zuvor „Harry“ schon seinen „Stephan“ geschaukelt hat.

Ich wende mich vom Fenster weg meinem Gast zu, der wiederum mir den Rücken zuwendet und meinen CD Schrank inspiziert.

„Was wollen Sie nun eigentlich?“, erkundige ich mich noch freundlich nichts ahnend.

„Nichts-nichts. Nur eine Formsache. Sie wissen doch Hassmails, Shitstorm, Rufmord, wie das alles heute heißt…“

„Ja; is‘ mir bekannt. Ich hoffte bisher, mich zurückgehalten zu haben.“

„Nun. Ein paar Fragen hätte ich da. Darf ich anfangen?“

„Bitte.“, es klingt mauliger als ich wollte.

„Sie haben on the prog path geschrieben. In ihrem Blog. Richtig?“

„Ja.“

„In zwei anderen Texten outen sie sich als DDR-Möchtegern-Punk, richtig?“

„Richtig.“

„Sie mögen Ostrock und schreiben bisweilen so, als wäre ihr zweiter Vorname „Renft“; habe ich das richtig interpretiert?“

Ich nicke nur noch genervt. Nun will er schlichten:

„Ach wissen Sie Engerling! Die kenne sogar ich! Mein Schwager ist doch so ein großer Mitch Ryder Fan und Engerling sind bei dem …“

„Mr. Columbo! Sie rauben meine Zeit!“

„Entschuldigen Sie. Nun ich komme wieder zur Sache: Es ist ja schon komisch, dass sie, wenn sie, wie sie sagen YES mögen, auch Elvis-Fan sind. Hinzu kommt nun noch, das mit dem Punk. Aber, verzeihen Sie- “

„Jadoch.“ seufze ich genervt.

„Wenn ich in ihr CD Regal schaue, finde ich 8x YES; 8x Elvis; aber 5x Barry White und 12 verschiedene Philly-Sampler!“

Ich erröte nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei.

„Den White hab ich seit Jahren; bei Elvis haben Sie sich übrigens verzählt, da stehen noch welche in zweiter Reihe; die Sampler stammen aus meiner Revivalphase vor 2 Jahren. Ich dachte mir, wenn ich all meinen Phasen ein Denkmal setze, dann darf die allererste nicht fehlen. Ist das ein Verbrechen?“Bild

Er hebt abwehrend die Hand: „Nichts Menschliches ist mir fremd Mr. Bludgeon. Wissen Sie, meine Frau stand ja auch immer auf dieses Phillyzeugs.“ Er pfeift kurz Van MyCoys „to the huzzle“ an.

Ich geh drauf ein, will mich sicherheitshalber einschleimen und imitiere Shirley & Company:

„Can’t stop me, Muck! Can’t stand that stop. My feet want to move, so: Get out my way…“ ich übernehme beide Stimmen, kreische also auch, wie jener Hippie da in der „Schaubude“ vom NDR ’75 und bemerke zu spät seine Kopfbewegung an die beiden Constables in meinem Rücken.

„Abführen. Das isser.“

Und zu mir gewandt: „Das tut mir leid Mr. Bludgeon. Lassen Sie sich überraschen, wie’s weiter geht.“

„Ja, aber was ist denn nun der Vorwurf?“ Ich tappe völlig im Dunkeln.

„Hochstapelei in Sachen Progrock, Irreführung der Leser in Sachen Punk; fortgesetztes Abbabashing, ebenso Puhdys, ebenso Karat, Krautrockbeschimpfung in Tateinheit mit zwangsneurotischer 68er Bekrittelung,“ er bricht ab, schaut mich fragend an: „Soll ich weiter machen?“

Ich breche innerlich zusammen. Die Handschellen klicken. Die beiden Gesetzeshüter bringen mich zum Fahrstuhl. Unten muss ich mit ihnen in so ein amerikanisches Polizeiauto steigen. Einer von ihnen setzt sich mit mir nach hinten. Der andere nimmt hinter dem Lenkrad Platz.Bild (5)

Mir wird komisch zumute. Wir sind immer noch in Deutschland. Aber amerikanische Ermittlungen? Ein verstorbener amerikanischer TV-Kommissar? Dieser Police-Car-Oldtimer! Dann sehe ich, wie der Fahrer statt zu starten eine Kassette in den Schlitz im Armaturenbrett schiebt.

„dommdidammdadi, domdidammdadie, ehe-i yeah-haer!“

Eben denk‘ ich noch: Das kenn ich!

Da singts auch schon mit näselnder Stimme los:

„Who can fly my heart like a bamboo kite
Make it twirl and gyrate just like a gyro delight…“
Als der Refrain kommt will ich gerade einstimmen, da grölen meine beiden Polizisten schon aus vollem Halse:

„Only you ca-han/ aha aha /only youhuhuhu-huuuu.“

Ich starre verblüfft von einem zum andern. Was hamm die genommen? Der neben mir schließt meine Handschellen auf. Dann verlassen beide den Wagen. Völlig verdattert sitz ich da. In einem leeren amerikanischen Police-Car der 70er auf der Rückbank. Vorn dudelt die Musi einen meiner Jugendhits nach dem andern. Strictly ‘75er Kram. Ich wage nicht, auszusteigen.

Da werden die beiden hinteren Türen links und rechts aufgerissen. Zwei wohlbeleibte, alte Afroamerikanerinnen mit riesigen Angela Davis Perücken plumpsen neben mir in die Polster, knallen die Türen zu und grinsen mich an.ladies kopp1

Die zur rechten nickt und grinst: „Gaynor; Gloria.“

Die zur linken nimmts als Stichwort sich ebenfalls vorzustellen: „Gwen McCrae“

„Ich…ich…verstehe nur Bahnhof….“

„Airport. Du vers-tehen Airport. Not Baaahnhoff.“ antwortet Gloria rechts.

„Flughejvän; saggd man auf doitsh. Where the big birds fly.“ ergänzt Gwen zur linken.

Aber noch fehlt der Fahrer.

Der kommt soeben. Columbo selbst; öffnet die Fahrertür, schmeißt etwas kantig verpacktes auf den Beifahrersitz, startet den Wagen und erklärt nach hinten, akzentfrei mit der Stimme seines Synchronsprechers:

„Entschuldigen Sie die Verspätung, Mr. Bludgeon. Ich musste noch die beiden Bilderrahmen kaufen.“

„Wofür sind die? Was haben die mit mir zu tun?“ die Lage bleibt unübersichtlich.

„Drive Inspector, drive! I explain the show.“ übernimmt Gwen das Wort, „Barry jr. is waiting!“

Die beiden Bilderrahmen sind für mich. Ich bekomme erklärt, dass ich großartige Leute treffen werde; sicher drüber schreiben wolle, wenn ich zurück bin; aber Zaphod und Ärmel würden dann wieder kommentieren, dass Philly angeblich Gülle sei. Ich soll mir die zu erwartenden Kommentare ausdrucken und zum Spaß ins Arbeitszimmer zwischen die Erinnerungsfotos hängen. „They roastin‘ you. Laugh it away!“ Befreit lache ich auf.

Nun seh‘ ich langsam durch: Ich bekomme eine Woche Ostküste spendiert; New York, Philadelphia und die Reste des TK-Studios in Miami; ich begebe mich an die Wurzeln des Phillysounds, werde die übriggebliebenen O‘Jays treffen, die Hinterbliebenen von Gamble & Huff, von Tom Moulton; die Nachfahren von Lou Rawls, mehrere Witwen von Teddy Pendergrass, zwei Veteraninnen der Three Degrees. Gwen McCrae beginnt, mich alle 5 Minuten zu umarmen: „My very first Fan in Germany! No one knows me here!“ wiederholt sie immer wieder.

ladiesAls es mir zuviel wird, singe ich „Let me be your rocking chair!“ Gloria kreischt auf und lacht los.

Gwen beendet prompt die Umarmung: „Boy! I could be your Mother, if you were black!“

Nun erröte ich, worauf sie wieder lacht, mir kameradschaftlich aufs Bein patscht und schnell relativiert: „This old lyrics are not ingenious ones. But the people, who loved it, were not all together Weinsteins. I’m sure!“

Wir geben uns „5“ und ich singe zur Wiedergutmachung kurz:“ I’ve got nothing to lose, but the Blues.“

Gwen wird besinnlich. „Yeah! Thats a good one. But it wasn’t a Single, and so it becomes a unknown Nugget.“ Sie wuschelt mir im Haar rum, wie Tanten es bei Neffen tun. „Good Boy. You know my songs.“

Als wir in Tegel ankommen, ist Gate 17 für uns reserviert. Wir werden anstandslos durchgewunken. Keine Kontrollen – nichts. Ein Charter-Jet wartet. Roter Teppich auf dem Rollfeld führt die Gangway hoch in die Boeing hinein, auf deren Außenhaut in großen Lettern gelesen werden kann: Barry White Airlines!

Ich bekomme schon Muskelkater in den Mundwinkeln vom Dauergrinsen. DIE alte Geschichte weiß ich sofort wieder! Der dicke Schwarze oben stellt sich als Barry White jr. vor. Er hatte per Zufall ein altes Englischschulbuch der DDR erworben (warum auch immer!), indem der pubertierende Vorbesitzer herumgemalt hatte. Damals anno’75. Da gab es eine Abbildung von Paul Robeson auf der Gangway einer Aeroflot-Maschine der UdSSR. Das Schülerlein hatte das „Aeroflot“ mit schwarzem Filzer getilgt und sauber „Barry -White-Airlines“ darüber geschrieben. Das Robesongesicht wurde mit einem Vollbart ergänzt. In Kopfhöhe des Paul R. alias nun Barry White prangte eine Sprechblase: „Hallo, my fans in GDR!“

Dieser Fund hatte ihn in die Spur gesetzt:

„Who is this guy! He likes my Dad! It must be a boy! Girls are not kidding this way!“

Die Suche dauerte. Schließlich hatten sie mich.Bild (2)

Inzwischen sitzen wir im Flieger. Gwen, Gloria, ich, Barry jr. und Columbo. Wir starten.

Im Hintergrund läuft das „Love theme“, das klingt, wie der bestellte Soundtrack für einen Rundflug um die Freiheitsstatue. Mir kommen noch „Theme from Shaft“; die Vorspann-Mugge zu „Einsatz in Manhattan“ und dieses Liedchen aus „Eddies Vater“ in den Sinn.

„You‘re the first european male Hetero, who likes Phillysound!“ erklärte Gloria verwundert, „you’re kind o’unicorn! Unbelievable!“

„Yes. I’m nearly dead. Please play – reach out I’ll be there – at my Funeral!“ rutscht mir raus. Bin eben kein Diplomat.

Aber sie lachen. Amerikanerinnen verstehen Zynismus, vermute ich.

„I guess – I will survive – is the better line for events like that.“ schiebt Gloria nach.

Ich schüttle den Kopf: „Godfather may sing: What am I gonna do with you?!

„Au!“ kreischt Barry jr. dazu passend kurz auf. Lachsalve in der Runde.

Wir fliegen zwar, aber ich komme nicht auf der anderen Seite des Atlantik an, denn plötzlich ist Stille im Raum. Die Ladies, das Flugzeug, der Breitwandsound haben sich verflüchtigt. Ich sitze nicht irgendwo in Berlin im 20.Stock  oder im Plüsch eines Millionär-Fliegers, sondern brav in der Provinz im Arbeitszimmer mit den großen Boxen. Finales leises Rattern im Player: CD aus. Tagtraum zu ende.

Und das alles bloß, weil ich mir wiedermal Ol’Barry‘s „Rhapsody in White“ in den Player geschoben habe. Seine Beste.

 

Dreijähriges

Man könnte einerseits tagein tagaus Grebes „Brandenburg“ trällern. Andererseits kann man auch ein(en) Blog eröffnen. Ohne nach Brandenburg geraten zu sein würde ich vermutlich gar nicht bloggen. Also Thanx, du geschmähtes Restpreußen. „Bist auf den zweiten Blick erst schön“ (frei nach Fontane), aber dann:

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Vielen Dank für die bisherige Aufmerksamkeit.

dav

 

15 Songs (von damals)

„Bei dir im Auto ist ewig ’75, stimmts?“

Ein Satz, den ich so oder so ähnlich schon von Frau und Bruder bzw. sonstigen Beifahrern zu hören bekam. Er stimmt nicht. Er ist falsch. Manchmal ist auch siebenundsiebzig!

Mal im Ernst: Ich sortiere die Straßensoundtracks nicht nach Jahreszahl; nur ein klein bisschen nach Jahrzehnt und ansonsten nach Stimmung und Erinnerungsblitzlicht. Die 70er überwiegen deutlich. Sporenelemente der 60er als damalige Oldiessendungsbeute inbegriffen.

Ich brenn‘ auch noch altmodisch CDs fürs Auto, weil mir Sticks mit 3 Mio. Songs unheimlich sind und man dann nach jedem Motorstart eh wieder bei Song 1 landen würde; oder man macht sich zum Obst auf den Parkplätzen dieser Welt, startet und fährt nicht, weil man erst mal auf Song Nr. 22 364 skippen will (und wenn man ihn hat, merkt man, dass man ihn mit der 32 463 verwechselt hat.) Ganz schlimm auch die angestöpselten I-phones; skippen, Datei wechseln, Song wiederholen – während der Fahrt unmöglich. Nö!

Meine „Privat best of 70s“ erleben seit geraumer Zeit immer mehr „Parts“ und die Berührungsängste zu manchem früher verpönten Stil verflüchtigen sich im Rahmen der Altersmilde: Eh ich mir Coldplay und Bruno Mars schönhöre, akzeptiere ich lieber die eine oder andere funky Disconummer „aus meiner Zeit“; vorausgesetzt sie war nicht allzu populär und totgedudelt: Rose Royce „car wash“ oder die Village People bleiben allzeit auf dem Index! Aber Pointer Sisters oder Commodores können mithin schon gerne mal passieren.

Manchmal gelingen dann so Sachen, wo eins ins andere greift, wie auf meiner „neuesten“.

Los geht’s mit:

  1. „Under the influence of love“, der cleverste Eröffnungstrack für lange Fahrten in längst vergangene Zeiten: Barry White – oder eigentlich ja (nur) seine Damen singen hier auf eins seiner vielen, vielen genialen Generationen vereinenden Philly-Orchesterarrangements – soulig, kehlig, mit bissel voller Nase und holen Derrick, Kojak, Ilja Richter, the three Degrees in Hot Pants und Stiefeln aus der Vergangenheit herauf. Yeah. Mit 14 oder 15; da hatte ich den Erlöserklaps. „Hatifa“, Willy Meincks „Marco Polo“(Band 2), Osceola (Buch und Film), Digedags in Amerika – überall werden Sklaven befreit und der weibliche Teil ist immer jung und hübsch und wird geheiratet. Hach.
  2. folgen Hall & Oates „Back together again“; programmatischer Song für Klassentreffen aller Art. Niemand hatte die auf dem Schirm damals. Alle kannten bestenfalls „rich girl“ und das reißt nicht unbedingt vom Hocker, aber Young-Bludgy stieß auf DIESE Nummer hier: Flott, vertrackt und mit Streichern; beinahe Soulprog oder so. (Blaupause für die Bee Gees der zweiten Karrierestufe; „Main course“ mäßig.) Mehr gab das 70er Radio damals auch nicht her von denen, aber in den 80ern gelang es mir, für Police‘ns „Synchronicity“ die „Bigger than both of us“ einzutauschen: darauf „Back together again“ und „Rich girl“ und – keine einzige Graupe!
  3. The Four Seasons in den 70ern mal mit- mal ohne Frankie Valli unterwegs, im Musikladen um 1977 herum angepriesen als „Supergroup“ und LP-Tipp mit ihrem letzten brauchbaren Song „Down the hall“. Unkaputtbar schön, wie eh und je. „… Sie betritt die Eingangshalle und verzaubert dich…“. SCHMACHT – da träumte ich mir mein Gründerzeitpalais und die strahlende Fee mit Hochsteckfrisur und Fächer. Jaja, die Schwierigkeiten mit den Damen. Die einen willste nich‘, die andern wolln dich nich‘…

„Micha liebt Bärbel und Bärbel liebt Klaus, aber der guckt durch sie durch und macht sich nichts draus. Bärbel schwärmt weiter, sie hält das für cool. Wenn sie nur wüsste: Denn Klausi ist schwul.“ (frei nach Knorkator)

  1. Eine himmlische Gitarre tiriliert den nächsten Übersong ein: Bob Segers „Mainstreet“ (tryin‘ to take my courage of!) Yesyes… den ganzen Abend sieht er sie „swayin to that smokey beat“ … und dann zugeknöpft nach Hause gehen. Allein. Während er da steht mit dem Problem: Äh. Worte, wo seit ihr?! Was stellt man sich nicht alles vor, an ausgetüftelten Feinheiten, die nötig erscheinen um Eindruck zu schinden, weil man unerfahren in die Falle tappt, die inflationäres Geschwätz anrichtet: „Ja, Mädchen sind ja soooooviel weiter als Jungs!“ Dabei weißt du es längst besser: Manche Schulhofgöttin hast du schon mit dem kuriosesten Gelichter-Boy abschieben sehn: Abiturientin goes Gosse – und nu? Was merkt die nich‘, was jeder sieht? Biological gap, you know? Nee, you know eben noch nich‘! Thats the Crux. Was bleibt, sind -Jahre später- Songs der Marke: „Du entschuldige, i kenn di….“ oder „Elfie“, die dann so Gesichter an die Wand malen, oder Beine… ganz nach damaliger Blickrichtung. Tja, „kein Mut, kein Mädchen“ bringt es Mitteregger in den 80s auf den Punkt. Aber da war der Drops eh schon gelutscht. Deshalb passt nach Bob Seger –
  2. 10CC (Wohl dem, der nicht weiß, was dieser Name bedeuten soll!) mit „I’m not in love“ – haha, von wegen! Laufend! Notorisch verliebt! Die Lebenslügenhymne aller Pubertierenden in den 70s! Zeitgleich in den Charts mit „Marleen“ von IHR! Marianne! Und Werner Reinke auf HR 1 erlaubt sich doch glatt die Gemeinheit, beide Titel ineinander zu schneiden: „waberwaber… Don’t cry, big boys don’t cry/ Maaaarleeen, drum bitt ich dich geh du Marleen! waber waber I‘m not in lo-ove no no…“ Seine Gags fand ich immer Spitze. DIESEN NICHT!

Number six: „Stop! Wait a minute, Mr.Postman!“ von den Carpenters. Das ist so eine Hassnummer von 1975. Die Carpenters! Also bitte! Konterrevolution pur! Und dann noch Beatles schänden! Aber – Zeitchen später hatten sie ihren letzten Hit mit „Calling occupants of interplanetary craft“, dieses 7 Minuten Hörspiel. GEIL! Da lief ich über. In den 90ern kaufte ich die Best of. Reicht zwar, aber ist okay. Und Beatles – pffff… eh nicht meine Zeit. Auf die stehn Karajan, Gysi, Kurt Masur und Egon Krenz. Noch Fragen?

Aber progressiver Ausgleich muss nach sowas schon noch sein. Zum Beispiel er hier:

„We bring you a little Rock’n’Roll right now… is it to loud, or is it to drone?“

Jimi! Live at Berkley. „Johnny B. Goode“! Das „Weildeste“, was ‘75 aufzunehmen war: In meinen Augen seine wichtigste Nummer, weil es meine erste war. Das ging richtig ab! Der Weg zu den Pistols oder den Ramones war ja noch weiiiit! Am Ende dieses gewollte Feedback! Als ob ein tapferes Pferd nach langer Hatz verreckt:

Quasi der Kinderzimmerabschied von allen Plaste-Indianern, lookin‘ forward to another Kind of Games! Jimi! Der Antreiber und der Tröster: „and the wind cries … Kerstin“. Oder….Petra….oder Carrie. (Denn Karola ist nu auch wieder so eine elterliche Benennungssünde der Flakhelfer-Dschenneräjschn!)

  1. Da wir einmal in der Oldies-Ecke sind: Wir holten ja die 60er im Schnellverfahren auf. Ein Kapitel hieß Burdon. Eric. Für die Älteren war der Gott! Ich hörte zuerst „House oft he rising sun“, hatte aber die Frijid Pink Version schon auf Band, also – pfffff; Eric Burdon & War, nääääää, lang und weilig; dann „San Francisco Nights“ – hui! Und schließlich „skyyyyyyyyy pilot!“ Wow! Der Moderator hatte kurz den Text zusammengefasst und es war die Zeit als „…die durch die Hölle gingen“ zum DDR-Politikum wurde und prompt noch „Apocalypse now!“ folgte. Somit fanden auch wir uns ins Burdon-Universum hinein. „I smoked my first cigarette at 10“. Auf Ecke und Luggie traf das zu. Aber MEIN Song war das nicht. Ich mochte ihn am meisten wegen „Ring of Fire“. „loahhh, is a burnin‘ thing! And it makes! You firey rings…“ Aus dieser Johnny Cash Erntefestdudelei eine derartige Leidensnummer zu machen, die gleichwohl tröstet — Hut ab! So covert man richtig! Und es war obendrein MEIN Problem der Zeit.
  2. Gleich danach geriet mir damals die Edgar Broughton Band aufs Band. Manchmal entstanden beim Radiowellen plündern so siamesische Beutezwillinge, die einfach zusammenbleiben müssen, auch wenn man sich nach Jahrzehnten wieder an sie erinnert. Nach Burdons Feuerring muss es bei mir zwanghaft weitergehen mit: „I came in to your City, hung up for a game…“ Cooles Geschrammel. Tonlose Stimme. Gespenstisch. Abgeklärt. Erwachsen. „Hotel room“. SO wollte man klingen! Wirken! Sein! Dass die selber ihre eigene Pubertät gerade hinter sich hatten, wurde übersehen. Der lückenhafte Wortschatz von DDR-Schulenglisch bescherte obendrein noch einen klassischen Verhörer: „old men, young man, child and women – rage us all in the center of life.“ Am Eintritt in die Angry Young Men Phase nerven eben einfach alle! Richtig gewesen wäre „Old Men, young men, tired and worn men, raise your souls in the center of life.“ Wer hätte damals auch auf „worn“ kommen solln?
  3. „Driver seat“ – back in the 70s. Urlaubserinnerung ’79. Letzter guter Song vor der „Asche“. Autofleppen machen. Aber weiter Moped fahr‘n. DDR eben. „Kick up your feet ….driver seat“. Sniff’n‘ the tears. Fahne droht – und bringt letztlich Lebenserfahrung, die dich hinterher auch Texte verstehen lässt, wie den Folgenden:
  4. kommt Mr. Al Stewart zu Wort: Was war dessen „Year oft he cat“ LP langweilig! Der Alan Parsons neigte eben notorisch zum Glattbügeln. Aalglatt. Die „Time Passages“ war abwechslungsreicher und etwas rockiger. Davon stammt „Palace of Versailles“. Allein der geschichtsträchtige Titel zwang schon zum Gutfinden. Ein Song, der weiterwächst, je mehr man selber in die Message hineinwuchs: Die Könige sind fort, die Diener nicht mehr auffindbar, wir haben ihre Buden ausgeräuchert im Namen Robespierres … and still we wait, to see the day beginn, all time is wasting in the wind … and wondering why – it echoes – in the lonely Palace of Versailles.“ Oh yeahr. Al Stewart als geistiger Verbündeter von Georg Danzer.
  5. machen das Dutzend die Doobie Brothers voll: „Little Darling“; Reminiszenz an Werner Beckers „New York, New York“. Dort lief die Nummer einst in der ARD. Abgeklärte Superstars fläzen im Studiomobiliar, Füße hochgelegt; Gitarre steht auf dem Bauch, das Solo wird kurz mal angetäuscht. Cool. Aber auch abgehoben. Nur Durchschnitt. Damals ’78. Boring old farts und so …. Simmernuselba. Also is‘ die Nummer (wieder) gut!
  6. Kursaal Flyers mit ihrem einzigen Hit: „Little does she know“ mit jenem unrhythmischen Gebolze am Ende im Klassik-Overkill: Sollten das Silvesterböller oder Schüsse sein? Oder war’s absichtlich albernes Danebenhauen des Drummers? Egal. Klang eigentlich wie besoffene Rubettes. Die Nummer wurde landauf-landab gefeiert, obwohl vermutlich alle nicht viel mehr verstanden hatten als „I knew that she’d seen me ‘cause she dropped her Bikini.“ Wovon kleine Jungs halt träumten… heute ja nicht mehr, was man so hört. Die lieben ja heute alle bloß noch Mutti und tragen ihre Grundschulfrisuren auf, bis sie 20 sind und in die „große Stadt“ geschickt werden, wo ihnen dann ein „Lockenschmied“ oder ein „Skalp-Artist“ irgend so einen dämlichen Under-Cut verpasst (obääään mit Strännchääään) … Not my turn. Ich komme noch aus Zeiten, wo „Latte“ nicht mit Milchkaffee verwechselt werden konnte.
  7. Kurz vor Schluss nochmal der Damen-Chor vom dicken Barry. „It may be Winter outside, but in my Heart is Spring“; wie Recht die hatten! Carrie in (abendländischer) Totalverhüllung in weihnachtlicher Stadtbeleuchtung: Way back in the 70s; Stiefel, groß karierter Midi-Rock, 08/15 Anorak mit Fellrandkapuze, Fransenwollschal, Wollmütze – aber AUGEN! 1000 Degree!
  8. Finale: Ashton, Gardner & Dyke. „Resurrection shuffle“. Logisch.

SOUND ON! Feed your rollin‘ Rockpalast! Gute Fahrt!

DURAN – ein Pferd unterwegs

duran1duran… im Weltkrieg Nummer Zwei. Gustav Otto Dix, ex-Oberveterinär der Wehrmacht; in den 50ern Tierarzt in der DDR; schreibt sich seine Kriegserlebnisse vom Hals. Ein lakonischer Landser-Bericht über die mitleidende Kreatur: gemustert, verwendet, verbraucht; geschunden, umsorgt, erneut geschunden, … marschier oder krepier! … von einem Schlachtfeld zum andern und schließlich noch der lange, lange Rückzug unter Feuer und ohne Futter… und dann?

Zwischen 1952 und 56 erschien das Büchlein dreimal in 30 000er Auflage. 90 000 Exemplare also. In den 70ern von Kennern gesucht wie Goldstaub.

Für Veterinärmedizinstudenten war es 1952 DIE Sensation schlechthin.

Der Leidensweg des Duran ergriff sie, die alle noch selbst den Krieg im Blut hatten, auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen. Der lakonische Landser-Slang, der Gefühlsschilderungen nicht kennt, nicht kennen will, erweckt zunächst ihre „gelobt sei, was hart macht Prägung“ aus der Zeit der braunen Halstücher. Aber die dargestellten Elendsetappen des Pferdes holten auch ihre eigenen „Hose voll“-Situationen aus der Verdrängung herauf; jetzt, im Zeitalter des „danach“: Egal, ob man Halbe, Bad Kreuznach, Landsberg/Warthe oder Komotau gerade so entkommen war. Die Deja vues müssen heftig gewesen sein.

Spätestens, wenn der Oberveterinär sich nach überstandenem Tiefflieger-Beschuss erhebt, mit der 08 in der Hand von Fuhrwerk zu Fuhrwerk geht und Gnadenschüsse verteilt, wo Pferde liegen, aufzustehen versuchen, sich in ihrem Gedärm verheddern, zusammenbrechen … In Sekunden wird entschieden, wo noch ausspannen und zusammenflicken lohnt und wann er einem Zossen die Pistole ans Ohr setzt. Der Küchenbulle übernimmt den Rest. Das Fleisch kommt in die Gulaschkanone. Für die nächsten Tage. Dem Tierarzt reicht Kommissbrot.

Dabei hatte alles so idyllisch begonnen. Damals – 1931. Die Geburt des Duran – in einem Dorf bei Hannover.duran4duran

„Es klingt, als habe jemand einen Eimer Wasser in den Stall-Gang gekippt, wenn die Fruchtblase platzt – und ein Fohlen das Licht der Welt erblickt.“

So begann Vaters Nacherzählung auf den Praxisfahrten immer. Er schien den Text auswendig zu können, wie ich meine Kindermärchenplatten. Beim späteren Selberlesen merkte ich, dass sich da manches zwecks Ausschmückung und Abwandlung – und als Ersatz für Szenen wie oben – in den mündlichen Vortrag eingeschlichen hatte. Ich bekam eine kindgerechte Version erzählt.

Es beginnt vor dem letzten Kriege, auf einem Dorf im heutigen Westen; wo ein Knecht Arbeit suchte, der einen Sprachfehler hatte.

Deutschland hatte mal Landbesitz in Afrika, und die Soldaten, die dort auf Wache standen, hatten es mit Aufständen der Neger zu tun. Unser Knecht, war dort auf Wacht und bekam einen Speer in den Hals, weil er eben kein Kara Ben Nemsi war, denn dann hätte er das rechtzeitig gemerkt. Er überlebte, aber sprechen konnte er nicht mehr richtig. Nun kam er in das Dorf, wie Krischan Klammbüdel in den „Heiden von Kummerow“, als abgerissener Habenichts und wurde von einem Bauern eingestellt.

Als nun die Pferdegeburt anstand, hatte zwar der Bauer den Tierarzt angerufen, alles Weitere im Stall aber dem Knecht überlassen.

Es wird ein Hengst-Fohlen. Die Geburt läuft ohne Probleme ab. Der Bauer begutachtet die nächtliche Arbeit von Knecht und Tierarzt am nächsten Morgen. Er tauft das Fohlen Johann.

Alle Wallache auf dem Hof hießen so und auch Johann wird bald schon kastriert, um ein williges Arbeitspferd zu werden. Johann verdient sich sein Futter brav 7 oder 8 Jahre lang – dann kommt der Herbst‘39.

Pferdemusterung! Alle Bauern mussten ihre Pferde auf dem Dorfplatz vorzeigen. Der Johann-Besitzer schickt sich in das notwendige Übel, aber er geht nicht selber hin, weil er ahmt, was kommt:

Mehrere seiner Nachbarn haben Glück. Ihre Pferde sind zu jung, zu alt, zu schwächlich oder von Macken geplagt – Johann jedoch wird für „kv“ befunden.

Der Knecht wird nach dem Namen des Pferdes gefragt und sagt irgendwas, das wie „Huohaaaan“ klingt. Der Spießschreiber versteht nicht und fragt 2-oder 3mal nach. Schließlich mault er „Wegtreten, du Arsch!“ und schreibt DURAN in die Papiere.

DURAN also muss in den Krieg und der Knecht nicht, weil die zu Anfang nur die jungen Kerle losgeschickt haben zum Kämpfen. Es heißt also Abschied nehmen von seinem treuen Arbeitskollegen und Stallmitbewohner der letzten 8 Jahre.“

Neben mir sitzt wie immer unser Foxl und ich stelle mir prompt so eine „Hundemusterung“ vor.

„Da kann einfach jemand kommen und dir deine Haustiere klauen?“

„Klauen war das ja nicht so ganz. Wenn wir gewonnen hätten, dann hätte man ja das Pferd zurückbekommen und wenn es draufgegangen – also gefallen – wäre, dann hätte es Beutepferde gegeben.“

Ich war nicht getröstet:

„Stell dir vor, uns nimmt einer unseren Tiger von Eschnapur hier weg und paar Wochen später bekommen wir Satowskis blöden Rottweiler?!“ Wie der jedes Mal am Zaun auf wilde Bestie markierte, wenn wir auf Gassirunde vorbeikamen, hatte nu prompt auch Vater vor Augen.

„Ach. Hunde holen se ja nich zur Fahne“, lenkte Vater genervt ab und erzählte weiter:

„Das Pferd zog nun Verpflegungswagen, Sani-Transporte, „leichte“ Geschütze; in Polen, Frankreich und Russland, im ewigen Winter da…

Es erging ihm schlecht. Hunger und Verwundungen zehrten die Gesundheit auf.

Auf dem laaaangen Rückzug aus Russland war es Zugpferd eines Oberveterinärs der bespannten Truppe. Schließlich landen sie in Rumänien. Und dort kommt der Befehl:300 Pferde zurück nach Deutschland zu verlegen. Acht Mann – 300 Stück. Unlösbarer Quatsch. Aber so is’ das immer beim Barras. 300! Das schaffen auch deine Indianer nicht. Nicht in der Prärie, wo wenigstens Platz wäre und schon gar nicht im Gebirge, wo damals gerade alle Wege überfüllt waren! Mit etwa 30 kommen sie nach Bayern durch. Darunter auch DURAN. Abgekämpft und fertig. Der Krieg ist aus. Die Achte geh‘n nach Hause. Die letzten Pferde werden auf einer Weide stehen gelassen. Soll sie sich holen, wer will…

Da kommt ein zerlumpter Soldat des Weges. Alt. Letztes Aufgebot eben. Zunn Schlusse hamse ja alles geholt. Verhungert, verlaust und unrasiert.

Kennste ja ausm Fernsehen, wie wir damals nach’m Kriege eben alle aussahn.

Er verschnauft am Rand der Weide. Dann will er weiterziehen. Er hüstelt – und einer der abgehalfterten Klepper spitzt die Ohren. Der Alte merkt’s und ruft probeweise „Huohaaaan?!“ Duran stakst auf ihn zu und sie reiben ihre Köpfe aneinander –“DSC02465-007blogbild (2)

Clevere Unterbrechung und Blick zu mir: Ich starrte vor mich hin durch die Windschutzscheibe und streichelte in Gedanken einen strubbligen mümmelnden Pferdekopf, dann trat ich bereits den Weidezaun herunter, bevor der Schlusssatz kam:

Dann gingen se beide gemeinsam weiter – nach Hause.

Hätte ich später je ein Pferd haben wollen, so hätte es zwingend DURAN heißen müssen.

Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich 16. Ich glaubte, die Pferdefabel seit Kindergartenzeiten drauf zu haben, wollte aber nun die ungeschönte Version.

Das Phänomen für den jugendlichen 70er Jahre Leser bestand darin, dass hier alles das vermieden wird, was man dank inflationärer Dauerbeschallung nicht mehr hören konnte: Am Ende wird keine LPG gegründet, kein KZ-Überlebender spielt den großen Retter, kein Oberveterinär tritt in die KPD ein, und nirgends steht eine sowjetische Gulaschkanone zur Notversorgung …statt dessen spielt die Handlung komplett außerhalb des Territoriums der Sowjetischen Besatzungszone und war doch trotzdem hier druckbar gewesen!

Als ich es in den 80ern zum zweiten Mal las, war ich Mitte 20, Student; und hatte Prora intus. Ich las es somit aus einer ganz anderen, wesentlich reiferen Perspektive. Unfähige Offiziere und hanebüchene Organisationsfehler hatte ich nun selbst erlebt, wenngleich auch ohne Pferd und nicht an irgendeiner Front. Wo der 16jährige staunend den Kopf geschüttelt hatte, konnte der 24jährige nun grimmig wissend nicken.

Jedes Mal, wenn zu jener Zeit „the reflex is a lonely Child“ oder „Wild boys, wild Boys“ im Radio ertönte, registrierte ich amüsiert, dass ich dieser geschminkten Schnösel-Combo dankbar war, für die immer wiederkehrende Assoziation: DURAN (DURAN).

Zum dritten Mal las ich es 2015. Diesmal erschien mir das Kapitel über den Sommer’41 verstörend aktuell. Deutsche Truppen lungern in Bereitstellungsräumen an der noch jungen deutsch-russischen Grenze herum. Drüben ist Ukraine. Auf der Gegenseite ist alles ruhig, die ganze Zeit keinerlei Grenzstreife zu sehen. Schütterer Wald. Menschenleerer Raum. Am 22. Juni wird „Feuer“ befohlen: Aber auf was? Wohin? Egal. Befehl ist Befehl! Die Idylle dort drüben bekommt Krater, die dann beim Vorrücken stören. Munitionsverschwendung. Als der Befehl zum Vormarsch erfolgt, behindern auch die gerade zusammengeschossenen Bäume den „Raumgewinn“.  Kilometerweites Vorrücken ohne auf eine Menschenseele zu treffen … im Rundfunk die Meldung, dass man im Osten in eine unvorstellbare Truppenkonzentration des Feindes hineinmarschiere, um einem Angriff auf Deutschland zuvorzukommen…

Gleichzeitig in den „Tagesthemen“ Jazenjuk auf Staatsbesuch; mit seiner ungeheuerlichen Verdrehung des 2. Weltkrieges. Niemand weißt ihn zurecht. Ein medialer Aufschrei bleibt aus. Gabriele Krone-Schmalz findet bei Maischberger unter den übrigen Polit-Claqueuren kein Gehör. Platzeck ergehts bei Illner ähnlich.

Ich aber sehe ein müdes Pferd durch die Schneewehen am Dnjestr staksen…

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(P.S.: Da war doch noch was! 2016 sah ich im Arno von Rosen Blog DIESES BILD; und prompt dachte ich, es könnte vielleicht der Illustrator aus „Duran“ gewesen sein!)

 

Unterleuten

„Linda liebte Frederik nicht. Frederiks Anwesenheit wurde nicht von bedingungsloser Zuneigung getragen, sondern von einem Vertrag, der an eine Bedingung geknüpft war: dass Frederik funktionierte. Sollte er beschließen, mit dem Funktionieren aufzuhören, folgte automatisch das Ende seiner Anwesenheit. Er wusste das – und kapitulierte sofort.“

Liebe im 21. Jahrhundert! Feminismus vs. Testosteronmangel!

Bin momentan richtig happy, denn ich habe „Unterleuten“ von Juli Zeh nun endlich gelesen!

Es spielt in der nordwestlichen Ecke von Brandenburg und ich weiß nicht, ob unter dem verfremdeten Namen mein derzeitiges Domizil oder einer der Nachbarorte gemeint sein könnte: Es passt auf alle!

PENG! DIESE Lektüre entfaltete Lesewucht! Lauter alte Bekannte:

Der ehemalige LPG-Chef Gombrowski, der dieselbe als Agrargenossenschaft in den Westen rettete, der schnöselige Bodenspekulant Meiler aus Ingolstadt im Mercedes Roadster; der grummelnde Altkommunist Kron, vor den Trümmern seiner Arbeitsjahre, der angegraute altlinke Wessi Gerhard Fließ, der in den Busch zog, um ihn umzukrempeln; seine Frau Jule, die von der frischen Mutterschaft in den hormonellen Ausnahmezustand getriebene zukünftige Helikoptermutter; dagegen fast gleich alt Linda F.; die junge Frau mit Reitermacke und Größenwahn, kalt, kontrolliert, sexy – ein Strategiemonster als Venusfalle. Dazwischen lügen sich verschiedene andere Nebenfiguren ihre Gegenwart zurecht, um ihre eigene Erbärmlichkeit aufzuwerten.

Es zieht dich rein, es zwingt dich ständig zur Selbstanalyse: Wieviel Gombrowski, wieviel Kron, wieviel Fließ steckt in mir?

Von Schaller und von Meiler nichts. Das steht fest. Die scheiden als einzige der männlichen Figuren aus. Aber selbst Frederik und Wölfi Hübscher kommen mir peinlich nahe.

Das Buch erklärt in leicht fasslicher Form brandenburgische Mentalität und Ost-West-Gegensätze, wenn im näheren Umfeld Wessis auftauchen, die sich erst eigenartig jovial interessiert geben, bald schon aber alles besser zu wissen meinen und statt direkter Kommunikation den „Behördenweg“ bevorzugen.

Die eigentliche Story ist eine simple: Ein Windpark soll entstehen. Irgendwo am Waldrand. Aus 7 oder 8 Perspektiven wird erzählt, weshalb nicht sofort allgemeiner Jubel ausbricht, sondern ganz im Gegenteil die Dorfgemeinschaft daran zu Grunde geht. Der Leser kann jede der Sichtweisen nachvollziehen und staunt beim Lesen am meisten – über sich selbst.

Es tauchen Sporenelemente von alten Bekannten auf:

– ein mysteriöser Gewitterunfall, der auch ein Mord gewesen sein könnte auf einer Waldlichtung, wie in Spielhagens heute vergessenem Roman „Selbstgerecht“;

– immer wieder Möglichkeiten, alles zu einem guten Ende zu bringen, aber letztlich wird doch wieder falsch abgebogen, (siehe Georg Danzers „Traurig aber wahr“);

– Linda Franzen als gepflegter, weiblicher, nicht versoffener Wiedergänger von Henry Chinaski (alias Charles Bukowski) mit vernichtendem Durchblick, was die Klassifizierung ihrer Mitmenschen betrifft;

– Gombrowski als herrlich schrulliger Ex-LPG-Vorsitzender; wie Manne Krug in „Daniel Druskat“, nur eben in alt.

Massenhaft zitierfähige Sätze a la:

„An seinem 45. Geburtstag schien es Gerhard, als stünde er allein auf einem Schlachtfeld, das alle anderen verlassen hatten, um für den nächsten Stadtmarathon zu trainieren. Umweltschutz war eine Angelegenheit für Unternehmensberater geworden und die restliche Politik wurde zwischen Sachzwangverwaltung und Spektakeljournalismus zerrieben.“

„Jeder lebt doch in seiner eigenen Welt, in der nur er den ganzen Tag recht hat.“

„Heute hält er sich zwei überregionale Zeitungen, aber er liest sie lediglich als Satireblätter.“

Usw.

Eine ganze Weile glaubte ich gar, ich müsste meine bisherigen literarischen Lieblinge umsortieren.

Aber im weiteren Lesevorgang stieß ich auf kleine Ungereimtheiten, die sich läpperten, den Gesamteindruck zwar nicht „schwer schädigen“; jedoch geriet ich im innerlichen ja-jaa-jaaaa-Bestätigungstaumel ab und an aus der Spur: Ochnö! So doch nicht! Das passt nicht! Aber weiter geht’s: Ja! Jaa! Jaaaa!

  1. Gombrowskis Jugend; Frau Zeh richtet ein seltsames Durcheinander der Begrifflichkeiten an: Gutsherrenfamilie, Großgrundbesitzer, reichster Bauer des Ortes – ja, was denn nun? Die ersten beiden Bezeichnungen passen überhaupt nicht zur späten Enteignung von 1960, denn diese Klasse wurde bereits durch die Bodenreform Herbst 1945 vertilgt.
  2. Wenn die Widersacher Gombrowski und Kron mit einem Altersunterschied von 10 Jahren vorgestellt werden, weil der junge Kron beim Zündeln 1960 vom 13jährigen Gombroski erkannt wird, dann ist die Schlägerei beider Veteranen 2010 extrem unrealistisch dargestellt: Der nun über70jährige und seit 20 Jahren am Stock humpelnde Kron geht zu Boden und kann sich später aus eigener Kraft erheben und entfernen; tritt wenig später ohne erwähnenswerte Blessuren auf…
  3. Schallers Tochter bekommt als Abiturientin von ihrem Vater (Landmaschinenschlosser und wendebedingter „Schwarzschrauber“) ein Auto zurechtgemacht. Das klingt glaubhaft. Dass es aber ein MGB GT V8 ist, lässt wiederum den Kopf schütteln, denn die kultige MGB-Verehrung ist so ein Westding, das im Osten völlig unbekannt war. Ein Corrado, ein Audi Quattro oder meinetwegen auch ein älterer 7er BMW wären ost-typischer gewesen.
  4. Schließlich noch die leidigen Seiten 612 und 613: Ein kritischer Antiprovinz Monolog vom alten Kron, der bis hier als provinzieller Altkommunist mit Bodenhaftung durchs Figurenensemble geisterte. Die dargestellte Betrachtung kann man als der Provinz entfremdeter Düsselmünchgarter Molochbewohner eventuell goutieren. Der alte Kron jedoch wirkt hier wie Erich Mielke, der auf Cannabisfreigabe und Ehe für alle plädiert.

Überhaupt schwächelt 5. der Schluss in der Gestaltung: Nach soviel Raffinesse zuvor, die einen 600 Seiten lang in ihren Bann zog, liest sich dieses angepappte Schlusskapitel aus Sicht der extra hinzugenommenen Figur Finkbeiner wie „was schnell noch zu sagen wär“. Schade.

Unter die besten 5 rückt „Unterleuten“ bei mir also nicht auf. Sollte ich aber aus dem Stand mal meine wichtigsten 10 Leseerlebnisse aufzählen müssen – dann wäre in der zweiten Wertungshälfte durchaus Platz dafür.

Tellkamp schrieb den großen Wenderoman „Der Turm“. Frau Zeh schrieb den bisher einfühlsamsten Nachwenderoman über ostdeutsche Zustände, die wie im Brennglas ganz Deutschland entlarven.

„Man kolportiert oft, der Osten hinke hinterher; dabei stellt sich ein ums andre mal heraus, im Osten passiert nur manches früher, weil die Bewahrerstrukturen des alten Westens bestimmte Entwicklungen dort NOCH aufhalten können, gegen die es im Osten keine Abwehrkräfte gibt. Es sollte also eher heißen: Der Osten ist uns einen Schritt voraus. Auch wenn das nicht automatisch etwas Gutes bedeuten muss.“ (Spiegel/DIE ZEIT; mehrere Artikel nach der Wahl vom Sept.2017)

By the way: Aber es schmerzt, diesen beiden hier dabei zuzusehen, wie sie „welterfahren-abgehoben“ herumwundern, dass a) zwischen all den Großstädten tatsächlich noch Menschen wohnen und dass denen b) – Perplex! – Heimat mehr bedeutet, als den urban herumgeschleuderten Flexibilitätsnomaden. Abenteuer im Brandenburger Busch sozusagen. Tja. Et is ehm, wies is!