Apropos Murder most foul

Geht sowas auch in Deutschland?

Vorüberlegung:

Bob Dylan hat’s wieder getan. Eigene Musik. 17 Minuten. Ein Legendensong voller JFK und Woodstock, Wolfman Jack und John Lee Hooker Erwähnung. Viel mehr wird nicht übrigbleiben, bei all den Textignoranten da draußen. Dabei ist das, mal abgesehen von der JFK-Verbeugung, ein gekonnt zynischer Epochenüberblick geworden. Eine Bilanz des Absturzes großer Floskeln von einst. „Baby, es ist eh alles Murks. Lass Filme gucken und gute Mugge hören; das lohnt.“ Er verknüpft da reichlich Beispiele vom Plattenteller und von der Leinwand.

Will man nu Gleiches in Deutschland, genauer: Ostdeutschland, tun; fehlen die weltbewegenden Impulse aus dem eigenen Kulturkreis. Alles wirkt irgendwie kleiner. Eingedampfter. Sogar ein Radiomann von denen wie Wolfman Jack konnte international Legende werden! Wen willste dafür hier einspringen lassen? Chris Wallasch? Ulf Drechsel? Wer kennt die? Er hat in seinem Werk zwar ein paar Engländer mit drin, aber keinen Niedecken oder Ambros. Stell dir vor Dylan würde „Störn Combo Meissen“ oder „Hjoogan Körth“ erwähnen! Aber umgekehrt ist zu akzeptieren: Die Großtaten aus Übersee haben dich fleißig mitgeprägt, die kannste nicht weglassen! Dickey Betts oder Dylan selber müssen schon auch hier vorkommen. Oder soll ich behaupten, ich hätte nur Puhdys und Oktoberclub gehört? Um Gotteswillen! Also wird die deutsche Fassung auch automatisch zum Denglisch-Salat.

Obendrein bin ich jünger als Dylan und eher kein J.F.K.-Apologet. Der Ärmste hat sicher einige gute Impulse, vor allem für’s Inland hinterlassen, aber Schweinebucht und Vietnam-Heraufköchelung stehen eben auch zu Buche. Da klappts dann nicht mehr so ganz mit dem Heiligenschein.

Wie also hätte Dylan das Epos geschrieben, wenn er „Positivally 4th Street“mäßig inside meiner Schuhe stünde?

So hier?

Good people must die/Boomers Lament

 

(words and rhymes collected by Bludgeon in the Corona-Springtime of 2020;

 inspired by Dylan & Jon Anderson/Yes and many more)

 

Da warn mal 2 Deutschlands, die Namen fast gleich.

Streng von Moskau verwaltet oder von quer übern Teich.

Als die beide 11 warn, da kam ich ins Spiel, haarlos, zahnlos, krank und noch ganz ohne Ziel.

 

Ulbricht regierte und die Sonne schien hell, doch das Wetter der 60er wechselte schnell

Aus England kamen so ganz neue Moden, die stießen hier auf die ganz alten Methoden

Erst Mauerbau – bald Kennedy dead, –„I bring you Fire“!„feed your head“!

Kommt Hippie-Freedom oder Manson-Hell? „Death of a Clown“, aber „saved by the bell“.

Mit Beatles, Stones, Who, fings damals an; ich war noch zu klein, ich war noch nicht dran.

Sie zogen nach Woodstock und Altamont; ich hab den „Kater Schnurz“ auswendig gekonnt.

Mähnen und Bärte sprossen um mich her; ich ritt mit Toka-Ihto, das war soviel mehr!

„Heißer Sommer“bei uns — drüben „Schah-Besuch“; ich begann den „Mosaik“-Sammelversuch!

Ein Bundeskanzler bekam eine rein, La postella!, egal, ich war noch zu klein.

 

„All the Good People turn their heads around“ und wissen schon was sie tunyes-album

Doch die großen Verbrecher sind dagegen immun

Und treten auch sie irgendwann einmal ab

Schwups – sind noch bösere „Boys back in der Stadt“.

 

Autoritäten sollten zum Teufel gehen, was draus wurde, kannst du heute überall sehn.

Willy the Great, Deutschlands J.F.K.; zeigt sich in Erfurt am Fenster, ganz aus der Näh.

Die Ikonografie hinterher stark übertrieben. 17 Millionen sind damals zu Hause geblieben.

davdavDer Bartzel und Willy, die warn nicht mein Problem, ich wollte wie Renft‘ns Jochen oder Cäsar aussehn.

In den frühen 70ern brachten die Deutschrock nach vorn:

„Ketten wurden (deutlich) knapper“ zwischen „Liebe und Zorn“!

Aber Neunzehn Fünfundsiebzig hat die Liebe verlorn.

 

Die Funktionäre, die wissen schon, was sie tun. Dass das meist Idioten sind, dass wussten WIR nun.

Der Erich hatte den Walter verdrängt. Gesundheitliche Gründe; damit keiner denkt – – –

Die „Schwarzen Tulpe“ wurde zur„Black Rose“, und der kleine Dakota wurde ganz langsam groß.

„I’ve seen all the good people“, weißt du mein Kind, immer paar Jahre später bleibt nur „dust in the wind“.

„Release, release!“ was niemand begreift, denn das Heilsbringende „Ufo (ist niemals) arrieved“.

 

Das Schicksal von Chile, das ging auch uns an; einer wurde gerettet, der hieß Corvalan

Ein Russendissident kam dafür frei und Wandlitz gab die Weisung aus, dass dem nicht so sei.

Wir schwiegen vor den Lehrern und wussten wie’s is‘, erlebten Lesson one in Sachen Volksbeschiss.

Mittags nach der Schule war‘n wir Music-Junkie-Boys, die Daumen hatten Plastkontakt: Cum on feel the noize!!!

 

Spiel mir Itchyquoopark, spiel mir Metal Guru! Shine on Crazy Diamond und hör denen nicht zu!

Sieg des Kommunismus? Frisch auf an das Werk! Doch schöner wär’n Kuss jetzt von der Rosenberg!

„First cut is the deepest“ und „Baby I“! Spiel‘s nicht alleine für mich. Spiel es für zwei!

When Punk was born, sang sich Johnny nach vorn; one more time Voice of Youth: zwischen „Liebe und Zorn“.

 

Die Fahne, die Asche macht dich wieder klein, und „der Frost von außen her“, der drang damals tief rein.

Egal, was sie dir auch für Märchen erzählen: Ehrendienst ist Kotze wischen und Kameraden quälen!

Dann stehst du da „mit deiner Glut; – und in dir kocht und dampft die Wut“.

interzone 81

Westberlin 81

Scheiß egal, wer da noch mithören kann, brüll dich frei: „Berlüüün! Du kotzt mich an!“

 

Neonbabies, Grauzone, Neubauten-Fanal, Interzone, Spliff, Witt, DAF und Ideal!

Fehlfarben, Nina, Nena ein bisschen, Fee, Rio Reiser, Nuala, gib Küsschen!

 

Sitzt wieder Seminare und Sitzungen ab; geht das so weiter bis in das Grab?

Kader von morgen! „Bau auf! Bau auf!“  „I’ll must find my way home“ oder geh vor der Zeit drauf!

Sitzt unter „Rotlicht“ den Arsch dir breit. Den Körper vorort – doch die Gedanken sind weeeeeiiit!

„Street legal“ rauf und „Infidels“ runter, Sandow am Start, Pankow halten dich munter!

70er

70er

80er

80er

Keks jetzt verboten, wie einst Renft, doch ist da diesmal noch Hoffnung, solang Tamara‘s Band kämpft!

Eloy’s „Ocean“ : Atlantis versinkt! Ein Depp, wer jetzt noch auf den Karrierezug springt.

Geflucht wurde immer, das war einfach die Norm, wir träumten extremer auch von Kimme und Korn.

Aufruhr in den Augen, Gorby-Badge am Revers, diskutierten wir uns unser Traumland daher.

Spiel Robbie’s first record! Spiel mir Chris Rea! Und spiel mir Sandow, denn wir bleiben hier!

Chris de Burgh sang „Ship to shore“, das kam mir wie’ne Lagebeschreibung vor.

 

Erich und Egon, die fuhren ihr Land exakt und in Zeitlupe vor die Wand.

Golodkowski und Strauß, die halfen dabei, grinsender Swing, garantiert steuerfrei.

Gorbatschow

Gorbatschow

Im Osten ging zeitgleich die Sonne auf, next good people-boy bringt Stillstand zum Dauerlauf.

„Ich werde am Haus Europa mitbaun, also lasst uns noch einmal auf Deutschland vertraun.

kohl

Kohl

Reißt getrost eure Mauer dort ein, ich lasse ausdrücklich unsre Deutschen nun heim.“

„Die Stümper da drüben, die kriegen’s nicht hin. Also fahr ich mal rüber, da ist mehr für mich drin! 10 Punkte und D-Mark im Gepäck. Die größten Probleme löst meist ein Scheck.“

„Diese Einheitsgelüste, die machen mich krank! Ich schieb sie am besten auf die ganz lange Bank!“

Die Krankheit kam dann eher durch ein Messer, aber auch das macht den Standpunkt nicht besser.

Der Sozialismus war ehedem tot, drum schnelle Einheit das jüngste Gebot!

Kult

Kultsong!

Alles lief glimpflich, wie es schien, auch wenn paar Chaoten „Nie wieder Deutschland!“ schrien.

Doch hör Herbst in Peking und hör Dickey Betts, „Atlantas burning down“ damals und Rostock brennt jetz‘!

Weltbild macht mit Arier-Schwarten gut Quote und der Kinderkrieg im Osten macht nun ganz real Tote.

 

Die mediale Landschaft stimmt sich darauf ein: Da drüben die Deppen! Wir bleiben Rhein!

 

Wir hatten uns in ein Trugbild verrannt und fanden uns wieder in einem sehr fremden Land.

Keimzeit brachten ne Platte heraus und passend zur Zeit hieß die„Irrenhaus“!dav

Wir hatten im Kaufrausch uns schwer überfressen: „Kapitel 11! Die andern 10 kannste vergessen!“

Es verschob sich so manches eben nicht nur zum Guten und „all the good people“ mussten wiedermal bluten.

„Du brüllst laut die Internationale, doch du scheißt auf die Völker und ihre Signale!“

„Tanz den Mussolini“ in „Berlin buy Nacht“. Über die „Türken von morgen“ wird nun nicht mehr gelacht.

Spiel „Alles Lüge!“, spiel „Westberlin“, „Wenn die Nacht am tiefsten ist“, wird wen’jer geschrien.

Spiel „losing my religion“, schmeiß Rammsteins „Deutschlandlied“ an!

Du willst die Welt noch verändern? Da glaubst du noch dran?

klein100_1682

Leipzig 2006

Magst du, magst du- dich umschaun?! Sieh am Steuer die Rüpel!

Boomer wie ich, we’ve seen all the good people!

Egal wie „nah“ der Vernunftsieg auch sei, ich weiß nur eins:

all good people must die.

 

Lies was gut‘ Altes, schau „Alois Nebel“ dir an,

„im Westen nichts Neues“, „Brasil“, lern‘ wie alles begann.

Vergiss mir Böll, Schmidt und Jirgl nicht,

mde

der ist gemeint

lies auch „Fackeln im Sturm“.

Hab Spaß mit „Flashman“,

hör auf Reinhard.

Und ließ endlich den „Turm“.

 

Ich zieh mich derweil auf’s Private zurück, wenn ich die Rente erreiche – mit etwas Glück.

Dann frag ich mit Marlene, „wo die Blumen sind“.

Im Afterglow.

Im One Way Wind.

 

Bleibt gesund da draußen!

Unsere wunderbaren…Märchen

Das war er nun. Der große 3-Teiler. Die Familiensaga. Die Neuverortung unserer Sicht auf den Weg, “wie wir wurden, was wir sind“. Vollmundiger gehts kaum.

Es ging um die unmittelbare Nachkriegszeit im Westen.

Langsam werden die “3 Maderlhaushalte“ im TV so inflationär wie die ARD-“Tatorte“. Und genauso schnellemachefix zusammengetackert wirkte auch dieses “Epos“. (In 27 Drehtagen abgefilmt?)

Schnelle Schnitte. Schnelle Stimmungswechsel. Kleine Requisitenfehler. Geschenkt. Wollnwamal nicht zu kleinlich sein.

Schlimmer war, dass das 1948 losgeht, aber alle Beteiligten keinerlei Überbleibsel des alten Regimes erkennen lassen. Die Handlung kommt auch ohne Vertriebene, ohne Trümmerfrauen, und ohne Hinweise auf umgerubelte Zwangsarbeitsprofite aus: Die staunende Welt erfährt also einmal mehr, dass anständige Industrielle, die nach 1933 noch Juden retteten, nach 1939 Opfer der Einflüsterung ihrer Hausfrauen wurden, und nun trotzdem Stacheldraht nach Bergen-Belsen lieferten, um nicht selber an die Front zu müssen. Die 3 Töchter, 1948 heiratsfähig, sind derart tough und von der mütterlichen Erziehung und den BdM Jahren unbeleckt, dass sie nun im elterlichen Betrieb emanzipiert die Weichen stellen können für Krankenbettenproduktion statt Wiederbewaffnung. Zuvor muss der einzige Nazi im Plot, Geschäftsführer, Arbeitgeberverbands-Chef und Kurzzeitehemann der ältesten Schwester, noch nach Argentinien fliehen.

Man ist spätestens ab 1953 also unter sich. Das verirrte Schaf, das in den Osten ging, einer der schwachen jungen Männer, (Wie haben all diese Heulsusen eigentlich die Front überstanden?) kehrt -Stasiterror sei Dank – geheilt in den Westen zurück, wo seine Liebste gerade Gewalt in einer anderen Ehe erfuhr, sich trennt und nun Medizin studiert.

Aus aktuellem Anlass hätte ich ja nun mindestens noch erwartet, dass sie Leiterin des Robert-Koch-Instituts wird; ich wurde aber enttäuscht.

Fazit: Lauter Nach-68er wandeln hier durch die frühen 50er. Warum gabs dann “68“ überhaupt?

Als Ossi bleibt mir da nur rhetorisch zu fragen:

War das wirklich so?

Antwort: Natürlich nicht. (Erinnert sei an Bölls viele, viele Heimkehrer- und Traumatisierungserzählungen, oder das nicht verfilmte hintere Drittel der Grass’schen Blechtrommel.)

In Schulnoten: Noch 4.

Mr. Chrometear is dead

Seinen Namen kann man sich nicht anders geschrieben vorstellen als diese edlen Typenbezeichnungen auf Autodinos der 50er: In chic geschwungenem Chrom. Oder wie die Namen amerikanischer Superstars auf ihren Plattenhüllen der späten 70er: Vorn und hinten mit stilisiertem Adlerflügel: EAGLES, DOOBIE BROTH.,WAYLON JENNINGS, KRIS KRISTOFFERSON oder eben er: Kenny Rogers.

Nee, zu Kris, Waylon, Willie & Co konnte er trotz massiver Erfolge nie aufschließen. Er wirkte nie erdig genug. Eher wie bei “Dallas“ oder “Denver Clan“ aus dem Cast gekickt. Er sang zwar die sozialkritische Ode an die untreue Lucille, aber saß dabei in der offenen Autotür eines Cadillac.

Er erschuf somit Soundtracks für den Abgesang von so Typen, die früher in pinken Vertreteranzügen den “Undornähmortraum“ träumten, die 3 oder 4 Firmen in den Sand gesetzt haben; und die nun 4mal geschieden der Unterhalt frisst, den sie nicht mehr aufbringen können. Morgen kommt der Kuckuckkleber. Heute dreht sich nochmal Kenny Rogers auf dem Plattenteller.

Was ham wir den gedudelt, damals‘ 90, als wir ihn endlich auf Platte hatten. Ehe Nr.1 und Firma Nr.1 am Start.

Ehe und Firma longtime gone. Die Platte noch da. Knisternd. Und die Makarow von damals. Vom Russenmarkt. Liegt neben dem Plattenspieler.

Islands in the Stream. Strangers that we are…

Er schaut aus dem Fenster seiner hochverschuldeten Hütte. Da steht der edle Mitsubishi Pickup. Zwei Raten im Rückstand. Morgen kommt der Kuckuckkleber…

Das Lied ist aus, er greift zur Makarow. Führt die Mündung zum Mund. Greift mit der Linken nach. Sein goldenes Playboykettchen am Handgelenk kollidiert mit der Uhr. Er drückt ab: Kläff! “Ne Luger hätte schöner geklungen!“ Es ist seine letzte Enttäuschung in diesem Leben.

Heute starb Kenny Rogers.

Also ich höre lieber Waylon Jennings. “Don’t you know, I’m Elvis!“

Don’t kill my idols!

https://www.zeit.de/kultur/literatur/freitext/reinhard-mey-neue-rechte-protestmusik-folk

Das muss man sich mal geben:

“Der bashende Barde“—

Na endlich schreibts mal einer! Frei von Ahnung, aber treu im Glauben an erlernte pawlowsche Reflexe:

Reinhard Mey trägt unbewusst den Prä/Post-Nazi in sich! Dabei hat sich jener neopuritanische Schreiberling nicht mal an die härtesten Nüsse im Mey-Repertoire gewagt:

“Narrenschiff“ & “Vernunft breitet sich aus über…“!

“Narrenschiff“; verdientes Politikerbashing at its best! Da hätte Xavier von lernen können, was saubere, inhaltlich belastbare Verse sind. Im Background singt Konstantin Wecker mit! Also doch! Auch er trägt das Nazi-Gen mit sich herum! Und wenn wir dann weitergucken: Gene Galaxo: “Und in der Tagesschau log ein Mann vom Staat…,“- Schreck lass nach! Das kann doch nicht UNS UDO sein?! LINDENBERG IST MINDESTENS PEGIDIST!

Könnt ihr euch noch erinnern an den Ärztesong “Eva Braun, schönste aller Fraun“? Oder die Toten Hosen, wie sie black gefaced im Bananenröckchen zu Bommmerlunder ungelenk breakdancten? Damals 84?!

Rassisten und Faschisten überall!

Eiweiwei!

Ironie aus.

Herr Ebmeyer! Ihr Schreibstil erinnert mich an böseste Rufmordversuche der “Jungen Welt“ vor dem Mauerfall. Suaden, wie die oben treiben die Leute in Richtung AfD. “Wir sind ja eh alle Nazis!“

Kopf hoch, Reinhard! Du hast noch Fans, denen DU denken beibrachtest!

 

Unterleuten – der Film

Nun sind sie gesendet. Jene heiß erwarteten 3 Teile. Viel konnte doch nicht schiefgehen, oder?

Nun ja. Der erste Teil entäuschte komplett. Es lag an Spannungslosigkeit und mMn eklatanten Fehlbesetzungen.

Der Zweite war durchwachsen.

Der dritte Teil konnte einiges retten. Aber nicht alles.

Gombrowski und Schaller waren klasse. Der übrige Cast ließ zu wünschen übrig.

Kron kommt viel zu sanft rüber, der Hauptgrund für die Feindschaft zu Gombrowski fiel ganz unter den Tisch: Jene Alptraumnachtvon 1960.

Die Katzen-Hilde und Elena Gombrowski zum Beispiel sind Damen gewesen, die sich als Bäuerin verkleiden, bevor sie sich nach Drehschluss einen Glitzerfummel überwerfen und zum Semperopernball fahren lassen. Die wirkten beide in ihren Rollen wie deplazierte alte Brechtdiven.

Auch Linda Franzen hätte mehr kalter Vamp mit Pferdemacke sein müssen, statt dieses liebe Lieschen mit Kulleraugen und den Motivationshörbüchern. Da hätte es einen anderen Typ Frau gebraucht. So ähnlich wie “Frau Pilz“, die wäre die bessere Franzen gewesen.

Im Film fiel noch ein Makel des Buches auf, den dort die Spannung vergessen ließ: Niemand deutet hier Dialekt auch nur an! Das Filmteam aus Großstädtern ließ hier die Bodenhaftung völlig missen.

Alles in allem: Nicht ganz der Gau, wie die “Turmverfilmung“, Aber leider auch bei Weitem nicht so ein Volltreffer wie die Verfilmung der “Tage des abnehmenden Lichts“.

In Schulnoten: 3-

 

 

5jähriges!

Und wieder ein 9. März. Nun wird der/die/das Blog hier 5 Jahre alt und ich wusste anfangs gar nicht recht, ob ich genug Themen hätte, ihn ein Jahr lang am Leben zu halten.

Dieser Tage habe ich mal zurückgeschaut, welche Beiträge des 1. Jahres am häufigsten aufgerufen wurden, und dabei Überraschendes festgestellt:

1. Denk-Mal-Prora.de hat mich entdeckt und verlinkt; das erklärt, weshalb mein erster Prora-Post den Ausscheid hier mit derzeit über 420 Aufrufungen gewinnt; Danke dafür!

2. Rätselhaftes ereignet sich auf Platz 2, denn der Nachtfahrt-Beitrag liegt nur 40 Aufrufungen dahinter. Möglicherweise hab ich da ein paar Nachtradiomoderatoren einen Sendeplan empfohlen. Die könnten sich ja mal melden. Sauer wär‘ ich nicht.

3. Auch der dritte Sieger war so nicht vorherzusehen: Das Land der Salzfelsen. Es scheint außer mir doch noch so manchen anderen „kleinen Dakota“ da draußen zu geben; der diesen Bestseller von einst NICHT vergessen hat. 350 Aufrufungen.

(Und falls du Leserlein dich nicht mehr erinnern kannst, dann klick auf die grünen Satzteile.)

Danke für’s Reinschauen.

Auf ins 6.Jahr!

 

Schnauze voll!

Die nächste Lesesensation ist ran:

Stell dir vor, du bist 35 Jahre im selben Beruf: Die alten Erfolgsrezepte beginnen zu versagen. Bewährte Kollegen und Freunde haben sich bereits in die letzte Daseinsstufe oder gleich ins Jenseits verabschiedet. Die jungen Wilden schnappen nach deinen Hacken: Mach dich weg!

Die Medien erzählen das Märchen von den Erfahrungen, die ach so unverzichtbar sind – wie so oft fernab der Realität. Analogzeitschlachten werden keine mehr geschlagen. Die Herstellung des Faustkeils ist Geschichte und Geschichte ist – mega-out.

Da entdecke ich dieser Tage ein Werk meines Literatur-Gurus Friedrich Spielhagen neu. Völlig neu.

Bisher rangierte es nach meiner Wertschätzung in der Schlusslicht-Gruppe seiner Romane; seit neulich ist es ins Mittelfeld vorgerückt. Der Leseeindruck ist ein anderer nun, weil:

Ihm gings wie mir!

Spielhagen veröffentlichte 1897 „Zum Zeitvertreib“, exakt 35 Jahre nach seinem so phänomenal erfolgreichen Erstauftritt von 1862 mit – BÄM! – dem voluminösen Zeitroman von den „Problematischen Naturen“ einer aufstrebenden Generation!

Damals war's: Melitta!

Damals war’s: Melitta!

„Zum Zeitvertreib“ ist in allem das Gegenteil: Kurz und hoffnungslos.

Die magischen 35! Da will viel Lebenserfahrung so recht Hoffnung nicht mehr aufkommen lassen. Einst gefeiert, verehrt, steht er nun im Mittelpunkt einer Rufmordkampagne. Seit 10 Jahren bereits angefeindet, betuschelt, verleumdet, verklagt. Von den gleichen Leuten, die ihn gestern noch hofierten, ihre Abendgesellschaften mit seiner Anwesenheit schmückten!

Vereinsamt durch den Tod seiner Freunde, fühlt er sich wie an die Wand gestellt:

Was will das werden? Aber den Buchtitel hat er 1885 schon verbraucht. Die Zeichen stehen auf Sturm. „Neuer Kurs“ heißt der Politikstil, der uns heute sehr an Trumps Wirrwarr erinnern würde, hätten wir die damaligen Fakten noch drauf. Außerdem ist da ein neuer Antisemitismus am weben, in verborgenen Nischen zwar, aber mit kaiserlicher Billigung und einem dummdreisten Hofprediger Stoecker an der Spitze.

Bild (21)Nirgends mehr „Formatmenschen“ wie  Lasker und Bismarck auf Posten. Nur noch karrieregeile Fassade-Fratzen, die sich elitär dünken, sobald sie ein „von“ im Namen haben. Die mit all ihrer Tischsittenfolter und Konversations-Korsetten sich jedoch selbst den Käfig bauen, der sie zur Doppelmoral zwingt, wenn sie trotzdem noch irgendwie ein bisschen natürlich „leben“ wollen.

Er will diesen Käfig darstellen. Aber wie?

„Der Realist soll in seinen Werken jedwede Tendenz vermeiden und den Alltagstoff wahrheitsgemäß, aber entschlackt, nie derb, also veredelt abbilden.“

Soweit war er mit Kollege Fontane immer d‘accord. Aber jetzt? Wenn vor lauter Schlacke keine Substanz mehr zu existieren scheint? Die Naturalisten sind beiden ein Graus und in deren Augen sind sie beide die letzten Überlebenden einer aussterbenden Art. Aber hat dieser Gerhard Hauptmann nicht recht? Wer gibt sich denn noch Mühe, feinziselierte Kritiken in Sprechenden Namen von Romanfiguren und paradoxen Standpunkten in Dialogen zu erkennen? Ist die Zeit nicht reif, die Dinge beim Namen zu nennen, wie Hauptmann das in „Vor Sonnenaufgang“ tut: Neureiche Primitivität in Oberschlesien. Suff und Inzucht. Kranker Nachwuchs.

Ist das „tendenziös“? Oder ist das – WAHR!

Weg mit den Scheuklappen! Hat sich was mit Happyend! So wie die Dinge laufen, nimmt das in absehbarer Zeit kein gutes Ende. Alle Mahner, alle ausgewogenen Typen werden kaltgestellt: „DRAUF!“  ist die Parole der Zeit. Und „Draufgehen“ die Konsequenz..

Und so schrieb er einen Roman, der so ganz anders ist als alle vorherigen und auch die 5 späteren, in denen er als „Schuster zu seinen Leisten“ zurückkehrt.

Gern wird behauptet, „Zum Zeitvertreib“ habe wie Fontanes „Effi Briest“ denselben realen Hintergrund der Ardenne-Affäre, die per Duell gelöst wurde. Das sah ich bis neulich auch so, quatschte es einfach nach. Nur ist das reale Duell 1897 15 Jahre her. „Effi“ erregte die Gemüter 1895, das Erregungspotential der Ardenne-Geschichte scheint mir nun aufgebraucht.

Es geht Spielhagen nicht um eine Mitleidgeschichte. Auch nicht um die „Frauenfrage“. Es findet sich im ganzen Buch eh keine Figur, mit der man sich freiwillig identifizieren möchte.

Es geht vielmehr um die Fratzenhaftigkeit all der gesellschaftlichen Abläufe, deren Teil Spielhagen selbst nun 35 Jahre lang war.

Eine Abendgesellschaft jagte die andere. Salon-Lesungen. Audienzen bei Hofe. Alles ohne „von“! Arrivierter Chef-Denker? Dichterfürst? Akzeptierter Ausnahmevertreter?  35 Jahre lang auf Messers Schneide, kritisieren ohne zu verletzen, herumkomplimentieren, um Verbindung zu halten zu einflussreichen Kreisen. – Um am Ende dann der bekicherte „Judenfreund“ zu sein, der dem Lasker und dem Auerbach die Treue hielt, über deren Tod hinaus. Auch als der Wind sich drehte, als dieser junge Katzenbart mit dem kurzen Arm das Sagen bekam, oder gerade deshalb! Als der Offizierskasino-Schmäh zu Weltpolitik wurde.

Säbelrasseln ist kein Nachweis von Gehirntätigkeit!

mdeVor 15 Jahren fehlten mir in „Zum Zeitvertreib“ fast alle bewährten Bestandteile Spielhagenscher Erzählkunst. Hier heimelt nichts an. Nach dieser Lektüre hast du keine Lust, die Originalschauplätze zu besuchen. Du überlegst nicht, ob Namen des Figurenensembles für heutigen Nachwuchs zumutbar wären. Du glaubst, einen Schnellschuss zu erkennen, der eben nicht traf. 22 Romane, einer fetzt nicht – was soll’s!

15 Jahre weiter werden dir die Ränder des Erzählten plötzlich zur Hauptsache. Neue Erkenntnis bahnt sich an:

Es sollte nicht anheimeln! Es sollte schocken! Was Hauptmann kann, kann Spielhagen mit links!

Stimmt! Aber von Elvis erwartet man keinen Punk, von YES keinen Gangster-Rap. Und so ging das Werk gleich in doppeltem Sinne bereits 1897 unter: Kein typischer Spielhagen. Ein Aufguss der „Effi“ – nur andersrum, der Crampas ist hier die tragische Hauptfigur. Falsch!

Bild (20)Hier geht es nicht um das Eheproblem verkuppelter Mädchen. Wichtiger scheint mir die Darstellung all der Schwadroniererei, der gönnerhaften, leeren Versprechungen bei den abendlichen Soireen, des scheinheiligen Lobhudelns von Dingen, die man eigentlich verachtet. All das „Unechte“, aber „Schickliche“. Kitsch, der für große Kunst gehalten wird. Falschheit, wo du gehst und stehst! Jeder weiß vom anderen, dass er das nicht meint, was er grade sagt. Aber das verlangt die Contenance!

Die „Buddenbrooks“ in kürzer. Oder: Die männliche Hauptfigur des Albrecht Winter als eine vorweggenommene Variation des „Wanderers ins Nichts“.

Hauptmann von Meerheim, der einzige Positive im Figuren-Pool, dringt mit seinen klugen Ratschlägen nie durch. Der Ehrliche – als Randfigur. Ein Alibi-Gesicht, mit dessen Bekanntschaft „die Gesellschaft“ sich gerne schmückt, sonst nichts. So wird von den anderen viel verspielt, ohne Notwendigkeit. Ein Menetekel.

Und auch diese Ebene sei noch angesprochen: Spielhagen denkt zuende, was geschehen wäre, wenn er „den anderen Weg“ gegangen wäre, den nicht so bescheidenen, abenteuerlicheren. Kurze Freuden, schneller Tod. Tiefenpsychologisch betrachtet ist der Roman eine Selbstanalyse. Die tragische Hauptfigur Albrecht Winter, der „mit allem bricht; dessen Aktionen aber keine Blüten treiben“, ist das langzeitverdrängte innere „Ich“ des Autors.

(Ich verkneif mir mal das weiter Spoilern. Der Roman ist noch antiquarisch erhältlich. Vielleicht interessiert es ja doch noch den ein- oder anderen Nischenbewohner da draußen.)

Das Werk endet mit einem – perfekt in Szene gesetzten – Fluch.

Und Tränen.

Der bisherige Ertüftler so vieler filmreifer Happyends hat mit 65 Jahren eben auch  –

die Schnauze voll!

In Tanya’s Voice

This is a kind of Interview, that never happened! A Fairytale. This is my picture about a female idol of my time. In 1978, I was 18, when I started collecting the songs of the „TnT“-Album on tape as far as possible from several radioshows.
The name of the Artist stayed important to me over the years. 2019 when „While I’m livin‘“ was created, it was SMASH 2 to me. So I tried to put a puzzle together. I rad about her, I’d seen some Youtube-episodes from american Talk-Shows; and so on. And I saw the Video to „The House that build me“ for a million times. May be, I’m wrong with some facts a little. Sorry ‘bout that. Enjoy reading.

(Sollte Mrs. Tucker per Zufall hierauf stoßen und es übersetzt bekommen, wird sie hoffentlich merken, dass all das, was ich ihr hier in den Mund lege, als Hommage gemeint ist.)

Stell dir vor: Irgendwo im Nirgendwo Nordamerikas: Eine gemütliche Bretterbude mit steinernem Kamin. Sitzecke. Tischchen. Kamerastativ. Vor dem Fenster die Skyline der Rocky’s. Near by der 57er Bel air Stationwagon, mit dem du gekommen bist und jetzt fährt ihr Pick up ein. Du bist auf Recherche-Tour für dein Lebensthema: „The Music of the waste Land“. Alter Music-Junkie! Dein Gast ist pünktlich erschienen. 62 Jahre alt. Weiblich. Pinke Haarsträhnchen im grauen Skalp. Männlich wirkendes Outfit. Rostig klingende Stimme. Ein Gesicht, das viel erzählt, noch bevor ein Satz gesprochen wurde. Aber der Einstieg in den Talk bereitet keine Mühe. Fragen? Nicht nötig. Der Gast kennt das Spiel aus dem FF und beginnt von selbst:

Hey Schätzchen, es ist schon arg wired, wenn sie so einer alten Schachtel doch noch den Grammy geben. 10mal war ich nominiert. Beim 11. Mal kams doppelt. Bestes Countryalbum, bester Song. Na also.

Sie winkt ab und nimmt einen Zug.

Nun muss ich wieder mitspielen, weißt du? All diese Talkshows und die immergleichen Fragen: How was it with Delta Dawn? How was it with Glen? All those years?

Wieder diese Handbewegung über die Schulter und der nächste Zug an der Zigarette.

Als ob mein Leben nur aus den 4 Jahren mit Glen Campbell besteht! Und dann? War ich Hausfrau oder was?! Ich hatte 10 Grammy-Nominierungen und 7 davon NACH Glen! Aber ich spiel mit. Ich weiß, was die hören wollen. Die an der anderen Seite des Mikrophons und auch die Leute da draußen. Soll ich denen die Ohren vollheulen? Schätzchen! Die haben alle an ihrem eigenen Dreck zu schleppen. Da brauchen die meinen nicht.

Wieder ein Zug und dann der Blick an mir vorbei.

Bringen wir es hinter uns. Es fing an mit „Delta dawn“. (Augen verdreh gen Himmel!) 1972. Da war ich nicht ganz 14. Plattenvertrag. TV-Shows. Kinder-Star! Heavens Gate! Ha-ha!

Wieder ein ironisches Augenverleiern.

Schätzchen, wenn du ab 14 alle deine Fernsehidole livehaftig backstage kennen lernst, wenn die Kameras aus sind, weißt du? Dann hast du keine mehr, weißt du? Highridin‘ heros everywhere the wind blows! Pafff! Du bist 15 oder 16 und es bestätigt sich Papas Weisheit: Die Welt ist voller Arschlöcher. Aber man kann sie abkassiern. Ein TV-Auftritt mit 2 Liedern brachte bald den 3fachen Monatslohn, den Papa früher bekam. Er sattelte um und wurde mein Manager und Moneyretter. Ich war 15, als sich Dad endlich entschied, sich anzusiedeln. Also raus aus dem Mobile Home.

Papa war ein Könner als Maschinenbauer. Aber er hielt es in keiner Firma aus. Wir wohnten in einem lausigen Wohnwagen erst in Seminole/Texas, dann in Utah, dann Arizona, dann Vegas, schließlich L.A. aber dann doch in einem Haus…Häuschen…. Papa knauserte…zu Recht…. Wie sich zeigen sollte. Papa genoss die Unabhängigkeit. Mum und wir Kinder hatten die Armut. Mum träumte von kleinem Wohlstand, Schätzchen.„Houses cutted out the magazine’s“, you know? Jede Frau will sich mal aufhübschen, zwischen ein paar Klamotten auswählen können usw. Aber ihr Wild Boy zog nicht mit. Es gab Streits, die wir Schwestern nicht verstanden. Sie warf ihm die Armut vor, er ihr ihre Blödheit: Rich in another way,you know? Unabhängig. Unverbogen. Frei in der Auswahl an guten Jobs. Warum wollte sie das nicht versteh’n?! Er fuhr weite Strecken. Wir brauchten Unmengen Geld für ein zuverlässiges Auto und Sprit. Sie verblühte neben ihm. Aber sie hielt auch bei ihm aus, irgendwie. Die Sturheit hab ich im Doppelpack geerbt.

Daddy setzte mich dann auch in die Spur, als er merkte, dass ich wohl die Musikmacke eh nicht mehr loswürde. Meine Schwester und ich quälten unsere Eltern mit Auftritten im Wohnwagen. Immer und immer wieder. Einen Quirl als Mikrophon und dann alles nachplärren, was wir im Radio aufschnappten. Mum tröstete sich mit Countrysendern, sie ließ uns nicht ran, damit wenigstens das Radio ganz bleibt, also war’s das auch für uns, Schätzchen.

Dad sparte dann noch ein bisschen mehr, damit es nicht nur aufs nächste Auto reicht, sondern auch für ein professionelles Demoband für mich, dann packten wir und fuhren nach Vegas. Show-Town! Show-Time! Was meinst du, was es da für Spelunken gibt! Dad bestach ein paar von den Wirten, mich mit dem jeweiligen Kneipen-Elvis im Duett singen zu lassen. Und er hatte recht. Wir stiegen auf. Wurden eingeladen. Nach L.A.! Plattenfirma! Wow! Ehrfurcht. Die Rednecks aus Seminole/Texas vor einem Chrom&Glas-Schreibtisch im 20.Stock! Ich sollte für eine erste Single ein Lied von deren Textern kriegen, aber ich pubertierte grade und bockte, weil es so ein 08/15 Ding war: So hug me and fuck me! I merry the Barry! Haha!

Aber sie bleibt ernst. Winkt wieder ab. Sie drückt den Stummel in den Aschenbecher und zündet gleich die nächste an.

Spaß! Der Boss da staunte, dass die kleine, niedliche Neue da gleich beim ersten Mal Allüren zeigt und fragt zynisch: „Was darfs denn dann sein, junge Dame?“ Und schiebt ein paar Textblätter rüber. Ich las die Lyrics von „Delta dawn“ und das wars! Sie ließen mich das Probesingen und staunten. Tja, und der Erfolg kam prompt, weißt du? Und gleich die erste Grammy-Nominierung! Das is’n Song; den müsste eine 40jährige singen. Ich war 14 und die Leute nahmen mir das ab! Heute weiß ich, warum mich der Text so gekriegt hat. Das war Mutterns Schicksal in another way: Delta Dawn verblüht, weil sie ihr Traumprinz im Stich gelassen hat. Und Mutter, weil sie mit ihrem Traumprinzen gegen alle Warnungen durchgebrannt ist und nun aus dem Mobile Home nicht mehr herauskam. Paradox. Ich hätte das damals nicht erklären können. Damals war das nur Unterbewusstsein. Kapiert hab ich das erst in der Zeit nach Glen. Ich hab den Song dann 1990 nochmal aufgenommen, mit ein paar anderen frühen Hits, aber nun mit erwachsenerer Stimme. Das „Encore“-Album. Ich arbeitete mich gerade wieder hoch aus dem Glen Campbell Tal. Die frühen 80er waren nicht meine Zeit gewesen, weißt du Honey? Der Clash mit Glen, Liebe meines Lebens, aber auch Alptraum für Jahre. Auszug aus seiner Villa. Liebelei mit dem nächsten reichen Klapsmann, you know. Don Johnson war’n netter, der mir keine Zähne ausschlug, aber auch’n unbeständiger… (sie winkt wieder ab) … Entzug. Back to the Country! Neu Klinken putzen bei den Firmen, mit denen ich es in den Nebeljahren verscherzt hatte. Ich finde die späteren Versionen besser. Die Käufer sahen das anders. Aber ab da ging es wieder bergauf.

TnTMit „TnT“ hatte ich ’78 meinen Ausbruch aus dem Country-Laden. Das Rodeo-Girl stellte sich auf die Hinterbeine und wieherte Protest! You know! Wollte in die weite Welt! Meine dritte Gold-LP und meine erstmalige Live-Katastrophe in der Grand Old Opry: Buuuuuuuuuuh! Die hielten mich da für the next lausy Hippie-Thing, so Janis Joplin mäßig, weißt du? (Sie verstellt die Stimme) „Iiiiih! Die singt „Heartbreak Hotel“ als Frau! Iiiiih!“ Elvis ist der King, aber eben nicht für alle. Ich hätte anderes Publikum gebraucht in der Zeit. Dad aber buchte auf gewohnten Pfaden und da stieß ich eben auf ältliche, katholische Trucker, always im Tran, weißt du? Die pinnten sich das TnT-Cover-Foto in den Truck! Aber wenn Mutti nun dabeisaß, konnten sie mir nicht applaudieren. Verlogene Bande.

Sie lehnt sich zurück. Beugt sich wieder vor, greift zur Tasse, nimmt einen Schluck Kaffee und erzählt weiter:

Ich hätte jüngeres Publikum gebraucht. Glen war mir irgendwie auch keine Hilfe. Aber ich merkte das nicht. Landei, das ich war. Ich traf ihn genau am Scheidepunkt, als es mit seinem Erfolg zu Ende war. Er war eine große Nummer im TV und auf dem Countrymarkt bis „Rhinestone Cowboy“. 1975. Danach ging es abwärts und 1978 trafen wir aufeinander. Dateten uns zuerst zaghaft. In Abständen, die kürzer wurden. Ich immer noch das Unschuldslamm von gerade 20 und er im Elvis-Sterbealter 42. Ich sprang ihn ja nicht gleich an und zog bei ihm ein! Ich hatte zwar die Show kapiert, das Posen, machte on Stage die alten Kerle an. Aber meine Erfahrungen waren Null. Er durchschaute das. Er war der einzige. Wir waren„the river and the wind“, you know? Er fließt talabwärts und ich hob gerade ab, aber es passte, so schien es. Und er nahm mich 1980 schließlich mit nach Hause; zu sich. Er nahm mich ernst. Ich fühlte mich als seine Frau, nicht als ein Groupie. Zwei Jahre April sozusagen. Rauf und runter, weißt du?

Er hatte diese Platte von John Prine. Ich lernte, durch ihn was Outlaw Country ist. John kam auch ab und an selber vorbei. Willie und Waylon, all diese Unangepassten. Genau mein Ding. Aber alle besoffen. Ich wollte unbedingt „Angel from Montgomery“ singen! Glen vermittelte das. Er kannte sie ja alle. Sie waren ja alle in seiner Show gewesen. Ich war 20 und sang wieder einen Song, den eine 40jährige hätte singen müssen. Aber es klappte auch diesmal: Es ist der beste Song auf „TnT“.

Bette Midler sang inzwischen ihre Version von „Delta Dawn“! Man! Das war zum Niederknien! Dieser Chor! Da merkte ich, was ich verschenkt hatte! Der Song hätte wesentlich mehr Potential gehabt, wenn ich ihn sooooo aufgenommen hätte. Deshalb auch meine Idee von 1990: Alles nochmal in reifer!

Ja, was soll ich sonst sagen: Glen kam auf die Drogen und den Suff. Gleichzeitig. Und ich Schaf soff mehr und mehr mit, um „ihm nah zu sein“. Es bekam uns beiden nicht. … Glen hatte kein Gespür mehr für’s Business und Dad auch nicht. Beide verfielen auf den Dreh, mich nach Europa zu vermitteln, weil sie die „TnT“-Schlagzeilen aufgeschnappt hatten: This Girl rocks! Watch out Blondie! She’s cookin‘ with fire for real! Dann gerieten die an Mike Chapman von Chinn/Chapman. Die Hitfabrik. Und der legte uns rein. Ließ sich kaufen, für ne Platte und drehte uns „Tear me apart“ und „Lay back in the arms of someone“ an. Die Nummern waren in Europa gerade durch. Was keiner von uns wusste. Und nun kommt die unbekannte Lerche aus Kalifornia inmitten einer Lady-Schwemme und machts nicht besser. Flop. Die Kohle – puhhhhh!

Sie gießt sich Kaffee nach.

Wieder zu Hause wuchs das Glen-Problem. Thank God, hab ich die Pille nie vergessen! Er brüllte und er winselte. Junkie-Elend. Er wurde seine eigene Karikatur. 81 fetzten wir uns so, dass er mir die Vorderzähne einschlug. Das Cover-Shooting für „Changes“ stand an. Deshalb hab ich da den Mund zu.  Da war es dann vorbei. Er überhäufte mich mit Entschuldigungen und Geschenken. Er bezahlte den Zahnarzt. Aber ich war jetzt bereit, endlich auf Dad zu hören: „Der tut dir nicht gut. Mach’s nicht wie Hank Williams! Du gehst drauf, vor der Zeit!“ Also weg da.

Dad hatte mein Geld verwaltet und mich klein gehalten. Gott sei Dank. Deshalb war Geld da für meinen eigenen Solo-Hausstand. Er bearbeitete mich, auf Entzug zu gehen. Das dauerte. Ich war doch nicht abhängig! Ich doch nicht! Psaw! Aber ab und an mal ein Linchen oder nen gespritzten Kaffee…Coke mit was drin… Mitte der 80er musste es sein: Entzug. Dann war der Kopf klar. Ich war wieder da. Und ich hatte Fans behalten: „What should I do with me“ wurde überraschend Platin. Ich war 30, attraktiv und CLEAN! Über Glen war ich drüber.

tuckerNaja. Dann all those years. Platte, Tour, Platte. Die Liebe suchte ich jetzt eher in der zweiten Reihe. Dreifach Mum. Mit richtiger Family wollte es trotzdem nichts werden. Im Bussiness kommt für jeden mal der Tag, da kommt er mit so Pülverchen heim, oder mit ner Fahne – und immer dann schmiss ich den Kerl raus. The Glen-Syndrom, you know? Ich stand auf eigenen Füßen. Mein Haus! Meine Kinder! Mein Geld! Hard Luck, you know?

Das ging so bis 2009. Dann hatte ich den Kanal voll. Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere. Ich klinkte mich bei den Pferdefreunden ein. Pferde waren immer meins. Rodeo-Girl. Nicht um an der Box zu stehen und die Kerle anzuhimmeln… Um selber zu reiten, Mann! Ich hielt das für den Gipfel! Ein Pferd zureiten können! Also das Leben in den Griff kriegen! Seit ich „Pferdeflüsterer“ gesehen hatte, begann das Umdenken. Okay, das ist Hollywood. Aber nur ein drittel Märchen. Ich las ein bisschen drüber… ein bisschen sehr… und besuchte diese Pferdeversteher. Ich kam auf eine neue Spur und sang trotzdem noch all diese Rodeo-Songs. Einer der Gründe, warum es 2009 nicht mehr ging.

GrammyWir kauften dann all diesen Slackern, die Pferde hatten und sich nicht kümmerten, sie falsch behandelten, die armen Kreaturen ab. Päppelten sie auf und verkauften sie an -hopefully- bessere Neubesitzer. Ich gründete Gnadenhöfe. Sang ab und an mal für Charity. Horse-Charity. Veterenary Bills, you know? So hätte das Ende sein können. Wenn ich nicht weiter in Konzerte gegangen wäre und Brandi Carlile kennen gelernt hätte. So kam es zu „While I’m livin‘“, weißt du?

Life is a bitch. Nun sitz ich wieder in Talk Shows. Als die Granny mit dem Witch-Face. Don’t worry. Beware of Botox, young ladies out there! Bye! Bring me flowers now!

 

Der Sohn des Autors

Manchmal fallen Ostern, Weihnachten und Geburtstag auf den selben Tag:

So geschehen am letzten Freitag.

kleinOtto dix Duran

Foto Andreas Dix – Überraschung gelungen!

Ich erhielt Post:

(in Form eines Kommentars unter meinem Duran-Text von 2018 (Klick)

Sehr geehrter Bludgeon,
herzlichen Dank für den Beitrag zum Buch meines Vaters Gustav Otto Dix.
Ich bin zufällig auf Ihre Zeilen gestoßen und ich wollte Ihnen noch einen Zeitungsartikel anlässlich seinens 100. Geburtstages anfügen – es ging aber nicht-.
Ihnen noch einen schönes Wochenende.
Ihr sehr dankbarer
Andreas Dix

Gustav Otto Dix schrieb 1952 „Duran – ein Pferd unterwegs“.

Andreas Dix überließ mir die Fotos und den abschließenden Zeitungsartikel, mit der Erlaubnis der Veröffentlichung,  ich ergänzte die Illustrationen aus dem Buch und das Foto des Londoner Denkmals „to animals in war“.

(Klick drauf zum Vergrößern.)

 

 

Das letzte Jahrzehnt (musikalisch)

Hey! Da hat der Mr. Autopict mir doch glatt eine heraufziehende Schreibblockade beseitigt. Er hat in seinem Blog ganz herrlich über die musikalische Ausbeute des letzten Jahrzehnts nachgedacht. Wie das so geht und „was es mit uns macht“, die in die Jahre kommen und das Dudelradio hassen. Was bleibt da an musikalischer Ernte übrig auf der Suche abseits aller Mainstream-Pfade?

Während sich da bei ihm noch durchaus jüngere Herrschaften herumtreiben, kommt hier mal mein persönliches Best of in der Rangfolge der momentanen Laune:

Nachdem ich einsehen musste, dass meine letzten musikalischen Entdeckungen neuerer Namen aus den Jahren 1999 (Haggard) und 2006 (Opeth) stammen, wurde es erst einmal ganz finster in mir: Würden sich in meinen Beständen Anschaffungen finden lassen, die wirklich zwischen 2010 und 2019 fallen?

Überraschung! Es ging! Aber es ist eine stockkonservative Liste geworden:heart1 (2)

Platz 1:  Heart „Red velvet Car“ (2010), die Platzierung muss sein; Helferinnen in schwerer Zeit; „durchsichtig gespielt“, wie man so sagt. Es gibt so Stars, die waren immer da; die hälts du fast für Familienmitglieder, die scheinen mit am Tisch zu sitzen und „nur zu dir“ zu sprechen.

Platz 2: Tanya Tucker „While I’m living“; (2019) noch taufrisch, derzeitige Dauerdroge, wegen „the house that build me“ und Dutzenden anderen Anknüpfungspunkten für die eigene Biografie. Ein reifes Spätwerk, wie einst die „American recordings (III)“ von Johnny Cash;

Platz 3: Marillion „Fear“ (2016); ein musikalischer Kommentar zur Zeit; zur verfahrenen Situation der Weltgeschichte; Ausweglosigkeit in ihrer schönsten Form. Hier schafft es Mr. Hogart nun endlich auch bei mir anzukommen als Fish-Nachfolger;

Platz 4: Robbie Robertson „How to become clearvoyant“ (2011); die gekonnt tiefsinnige Abrechnung mit den wooden ships, den Hippie Dreams, dem „eigenen Ding machen“, nachdem du dann aber ohne eigene Familie dastehst… Tröstet dann eine Espressomaschine?

chris (3)Platz 5: Chris de Burgh „Moonfleet and other stories“ (2011); eine Pladde für Leseratten. Erinnerst du dich, wie du mit roten Ohren und Gänsehaut vor Spannung „Die Schatzinsel“, „Tom Saywer“, Toka-Ihto oder Kara Ben Nemsi gelesen hast? Erinnere dich an dein Lieblingbuch der Jugendzeit und widme ihm ein WERK. So hat er’s gemacht, der kleine Schlossherr von der Insel. Volltreffer.

 

Platz 6: Chris de Burgh zum zweiten: „Hands of man“ (2014); es war einfach sein Jahrzehnt; ich hab ihn auf beiden Touren live gesehen; der einzige Star, dessen Roadies mit angemessener Lautstärke umgehen können. Die Platte hier ein beindruckender Bogen an Selbstreflektion zwischen Erlebtem und Erlesenem. „Wo sind wir stehn geblieben?“, scheint auch er zu fragen. Ein feinfühliges Zeitzeichen: Eigentlich hat es doch mal geheißen, dass Vernunft siegen soll (so wie in „the keeper of  the keys“ herbeigejubelt), aber drum herum der böse Rahmen aus Titelsong und „the fields of Agincourt“ (eine historische Lehre, die keiner zieht, womit sich der Kreis zu Marillions „Fear“ zu schließen scheint). Und dann wäre da noch „the Bridge“: früher hatten wir mal Poeten, die so reimen konnten: Heine, Chamisso, Uhland, Rückert… heute brauchts eben den kleinen Iren.

dav

Platz 7: Waggershausen „Aus der Zeit gefallen“ (2019); Leute nehmt die Langfassung, das Doppelalbum; wenn ihr euch mit der Kurzvariante begnügt, fehlt „Der Rock and Roll holt seine Kinder heim“ – die beste Nummer dieses Zyklus. Die Drinks, die sind getrunken…jaja…Das Gespensterhaus im Bayou wartet „Hey-hey Hank Williams! Mach sie auf die Tür!“… oder die losen Mädchen von New Orleans… Das alte Lebensgefühl unprüder Zeiten: jetzt wo sie alle „sterben gehen“ ein letztes schönes Wiedersehn…

Platz 8: Deep Purple „so what?!“ (2013); wer hier mitliest, den wird’s nicht wundern; gerade sehr angesagt in Bludgys Player, denn die Akkorde ballern dir alle hochwillkommenen Geister „Deiner Zeit“ an die Zimmerwand: Yes, Kansas, Alan Parsons Project, Supertramp… und obendrein der bitterbös-witzige Text von „Hell to pay“ … zuhören lohnt sich!

Platz 9: Yes „Heaven and earth“ (2014), allgemein arrogant in Grund und Boden kritisiert, von Leuten, die vermutlich nicht mal Blockflöte spielen können: „Wieder kein Close to the edge (II)!“ Pö! Aber bei mir schon 3 Sommer lang der Soundtrack für die Fahrt in die Ferien. Yes für die Autobahn. It works!

Platz 10: Witt „Neumond“(2014); ich schwankte zwischen ihm und Rod Stewart, ich ließ ihn gewinnen, denn dass dem Goldenen Reiter nochmal ein ernstnehmbares Werk gelingen würde, wagte ich nach der Enttäuschung über die „Bayreuth/Flut“ nicht mehr zu hoffen. „Neumond“ erschließt sich zwischen den Zeilen als Seelenstriptease der Extraklasse. Und wen es gegen den eigenen Willen weit weg geweht haben sollte von daheim, dem geht’s vielleicht wie mir,wenn er die Pladde hört, nächtens auf der Autobahn…