Parabelritters Sternenklang

Woran merkst du, dass der Alterungsprozess nun unwiderruflich eingesetzt hat? Du hast endlich die Million auf dem Konto? Du bekommst eine fragwürdige Diagnose bei der Vorsorgeuntersuchung? Du magst plötzlich SUV’s „wegen dem hohen Einstieg“? Du beneidest den Wendler? – Nein – das ist es alles nicht. Ich sag dir, worüber du erschrecken solltest, wenn du zur Generation „Babyboomer“ gehörst: Du interessierst dich plötzlich für Wishbone Ash!

Alarmsignal! Die waren gitarrentechnisch zwar immer gut, hatten oft auch brauchbare Texte (wenigstens, was die 70er Jahre ihres Schaffens betraf), aber die hatten auch immer schon diesen Weicheiergesang, der aufkommende Begeisterung nie recht überkochen ließ.

„Wie issn deine Wishbone Ash Live Dates?“ fragte ich einst den Sperber-Thomas.

„Hm, naja, irgendwie wissense nich, ob se Eagles oder Led Zeppelin sein wolln.“

Ich borgte sie mir trotzdem. Wir schreiben das Jahr 1983. Rumsplautz-Zeiten; international Phil Collins Ära. Zu Hause Spliff und Mitteregger. Da klang fast alles von vor’75 antiquiert! Somit zündete der Doppeldecker der „Wunschknochenasche“ bei mir auch nicht so richtig. Ich kürzte die Angelegenheit auf 45 Minuten. Mehr Tonbandplatz wollte ich nicht opfern; und war’s zufrieden.

Bis auf eine Handvoll Songs der „Front Page News“ LP kannte ich zuvor nichts von denen. Weil nun aber „In the fire the king will come…“ und „Through down your sword“ diesen Historien-Touch hatten, bekamen sie diese „unter ferner liefen“ Chance. Aber die Botschaften hätten einen Cocker, einen Noddy Holder oder einen McCafferty am Mikro gebraucht! Naja.

Dann gingen die Jahre so drüber hin.

Mit nicht ganz 60 spürst du mehr und mehr, dass dir der Job zum Halse -äkmh- alles abverlangt. Dass du die CD auf dem Weg zur Arbeit wochenlang nicht mehr wechselst, weil du entweder gar keine Mugge mehr einschaltest, oder sie auf „Zahnarzt-Wartezimmer-Beschallungslevel“ leise laufen lässt und somit eh scheißegal ist, was läuft. An den Standort der Anlage im Arbeitszimmer kannst du dich kaum noch erinnern. Da naht endlich die Urlaubszeit und du zwingst dich zum Aufrappler: Ein Cut muss her! Irgendwas, was noch interessant genug ist, ergründet zu werden und die jüngste Vergangenheit verdrängen hilft.

Nun ist die derzeitige Musikszene ja eine echt eierlose Angelegenheit. Glaubst du jedenfalls. Was dir auf unvermeidbar langen Pflichtbustouren so im Dudelfunk geboten wird, gleicht akustischer Körperverletzung. Einen Überblick über spätabendliche Kennersendungen hast du längst nicht mehr. Internetradio? Zu kompliziert, die richtige Sendung a) zu finden und b) zum Laufen zu kriegen, ohne gleich wieder den halben Gombjudor ummodeln zu müssen. Also streife ich so durch Angebote diverser Online-Anbieter von mehr oder weniger bekannten Namen „meiner Zeit“ und lande bei – Wishbone ash. davDa gibt es plötzlich eine live-Geschichte von der „Front page news tour“ – „Glasgow 1977“! Peng! Und die hat „Front page news“, „Come in from the rain“ und „Good by Babe, hallo friend“ im Gepäck! Soundtechnisch sehr okay! Und um die Sache rund zu machen, und weil die „There’s the rub“ gerade nicht erhältlich ist, gibt’s die „No smoke without fire“ gleich mit dazu, weil unter den Live-Bonussen, der „Bad Weather Blues“ schon in den Hörproben gut losgeht. Als das alles ankommt, gefällt es und ich beschließe, den Sommer zur Wishbone-ash-Saison werden lassen zu wollen. Verblüffenderweise stört der Gesang gar nicht mehr so sehr wie früher. Aber:

„Da machst du einen Plan und bist ein großer Wicht. Dann machst du noch’n Plan – gehen tun beide nicht.“ (Brecht).

Es sollte anders kommen.

Der zweite Plan sah vor, eine bescheidene Kurzurlaubsfahrt nach Weimar zu unternehmen. Nicht wegen Goethe; nicht wegen Schiller und auch nicht wegen dem KZ, – sondern als quasi Relaxing-Tour für zwei abgekämpfte Werktätige, die sich bei hoffentlich schönem Wetter stressfrei von Café zu Café die Schillerstrasse hoch und runter arbeiten-, durch den Ilm-Park schlendern-, vielleicht ne ihnen unbekannte Burgruine sichten und durchstreifen wollten; und als Höhepunkt das „Blackmore’s Night“ Konzert von Merseburg noch mitnehmen. Töchterlein hütet dankeswerterweise Haus und Hund, der langsam in die Jahre kommt, wo diese Hitze-Marathon-Touren vermieden werden sollten.

btyRichie Blackmore ist nun nicht gerade eins meiner Idole gewesen, aber er gehört schon auch noch zu den „still standing Heroes“ der großen Zeit der Rock-Ära. Seine Entscheidung, vor Jahren den Selbstkopie-Bettel bei Deep Purple hinzuschmeißen, sich Wendler-mäßig familiär neu zu orientieren und mit Ehefrau Nr.4 dieses „Ougenweide 2.0“ Ding durchzuziehen hatte was und war auch eine. Candice Night ist stimmlich so dieses Mittelding aus Maddy Prior und Annie Haslam und äußerlich ne Stevie Nicks. Dass die Liaison schon 20 Jahre hält, erstaunt mich, als sie’s erzählt. Youtube hat reihenweise Livemitschnittschnipsel von Auftritten in Burghöfen – und da passte der von Merseburg wirklich sehr gut dazu.

Aber meine Laune nicht. Von Stressfreiheit war bis eine Minute vor Konzertbeginn nichts zu spüren. Diverse Kapriziösen trugen sich zu und mussten trotz innerem leerem Akku verdaut werden, so dass ich schließlich erschöpft am Rand auf so einer eisernen Kellerfensterabdeckung saß und mir die historische Kulisse und der „Weimarbackground“, von dem wir kamen, lediglich noch das Götz von Berlichingen Zitat eingab. Und zwar auf die ganze Welt bezogen! Das „Runterkommen“ dauert eben. Nicht umsonst schreiben sich Journalisten aller einschlägigen Onlineportale zu Saisonbeginn die Finger wund: „Warum uns die ersten Urlaubstage überfordern“. Diesmal war ich mit von der Partie.bty

Das Konzert selber war wohl ein gutes. Halbe Stunde zu spät begonnen, aber dann 120 Minuten gute Musik. Candice Night moderierte reichlich zwischen den Songs, hielt ihren alten Mann bei Laune, der manches Stück nicht – oder noch nicht spielen wollte… Richie eben. Manche Dinge ändern sich nie. Brennende Boxen schmiss er keine mehr ins Volk. Dazu hätte er aufstehen müssen. Und wenn wir in unserem Alter einmal sitzen – dann sitzen wir!

Nächster Tag – nächstes Problem: Da war noch ein anderes Konzert zu absolvieren!

Den Tipp dazu verdanke ich der Tatsache, dass ich seit einiger Zeit ganz gerne dem „Dunklen Parabelritter“ auf youtube ein Ohr leihe. Der erinnert mich so an – dies und das.

Und eben der plante nun überraschenderweise ein Rockfestival zu stemmen – in Weimar-Nähe.

Die Idee „Sternenklang-Festival“ war geboren, der Vorverkauf lief bereits einige Zeit und zu den Bands, die man als Anfänger nun mal so zu seinem ersten Event einlädt, gehörten – HAGGARD!

Wenn mich nun, da alle meine Helden tot oder doch vom Tode gezeichnet sind, noch irgendein Name zu einem Festival zieht, dann der!mde

Problem: Als Ex-Pogo-ist VOR-, und arrivierter Herumsteher SEIT der Wende, in diversen Hallen der Republik, wusste ich: Wenn die Guitarrrrr zuschlägt, dann gehen die Frauen! Und ziehen mehr oder weniger bramsigen Blickes ihre Kerle mit – ganz nach hinten oder gar gleich nach Hause. Ich war deshalb wohlweißlich eher allein „bei sowas“. Aber diesmal ging das nu nicht. HAGGARD genießen, ohne sich hinterher scheiden lassen zu müssen, erwies sich als Herausforderung. Zumal bei 35 Grad! Und mit immer noch leerem Akku auf beiden Seiten der Bludgy-Family.

Doch siehe – der HERR hatte ein Einsehen! Er ermöglichte ein Wunder!

Problemlose Anfahrt zur Niederburg bei Kranichfeld, stressloser Einlass und ebensolch stressfreier Erwerb einer dritten Karte für meinen „aus dem Westen zurückgekehrten“ Sohn, schattige Plätze im Burgbereich, Kennergespräche über Mittelalterkampftaktiken in Film und Realität, Cateringstände in ausreichender Zahl. Nirgends langes Anstehen. Die gute Laune aller übertrug sich bzw. stärkte die eigene.

Zu nachmittäglich früher Stunde krawallten gerade „Vogelfrey“ mit erstaunlich gut verstehbaren Texten. Die Technik-Crew also musste was draufhaben. bdrNach einer Akklimatisierungspause im Schatten, beim „Heerlager“ der Reenactment-Truppe, gehen die männlichen zwei Drittel der Family doch mal gucken und gewahren, dass die Freilichtbühnen-Sitze unbesitzbar sind. Die Latten fangen jeden Moment Feuer. Folge stundenlanger Bestrahlung nahe der 40 Grad. Rund hundert Leute drängen sich unter die Büsche am Rand. Wir finden auch noch einen Platz.

„Vogelfrey“ sind ne ganz unterhaltsame Entdeckung für mich. Eine Mischung aus „Subway to Sally“ und „Knorkator“ irgendwie. Hörenswert ihre Coverversion zu einem Text „eines Gedichtes eines großen Dichters des letzten Jahrhunderts, das da heißt: Was kostet der Fisch?!“ How much is the fish auf Latein und mit Tröte zu Heavy-Guitar und Brutalo-Barbie-Cello? Geil!

Im Anschluss machen wir ne weitere notwendige Getränkepause im Schatten. Alle Getränke zu 4 Euro. Die Bierwageninhaber fahren hinterher Rolls Royce! Ein bissl Essen – trotz des Tropentages – muss dann auch noch sein und irgendwie vergeht die Zeit bis um 19: 00 Uhr, leider immer noch im Hellen, die große Stunde schlagt: Haggard-Auftritt. Geschafft!

Bei den ersten Stücken knallt die Sonne noch immer auf die Ränge, dann endlich erreicht sie den Wipfel des großen Baumes hinter der Bühne, eines wahrlichen Jahrhundertriesen, dessen Wipfel uns im Weiteren vor ihren Strahlen schützt. Schlagartig werden auch die Handyfotos besser.

Haggard! Da dreh ich innerlich jedes Mal vor Begeisterung durch! Dieses Projekt! Es vereint meine Ritterburgen-, Historienschmökerleseexperience-, Saaletalerinnerungen-Prägung musikalisch auf dem Punkt! Nebenbei lernste auch noch so allerlei über Nostradamus, wenn du einmal bei denen am Haken hängst! So viele Leute! Die so lange durchhalten! 18 Mann im Studio; 10-12 bei Live-Gigs. Das kann sich irgendwie nicht lohnen, mit so wenig PR, wie bisher. Warum haben die kein Management, dass sie pusht?! Haggard um 19 Uhr im Hellen und Corvus Corax als Headliner 21 Uhr im Dunkeln. Verkehrte Welt. Was kann besser sein als Haggard? Wir fahren nach dem Auftritt bereits heim. Man soll den Bogen nicht überspannen – und nach Haggard kann nichts Besseres kommen!

Aber: Sie spielen hier 90 Minuten! Bei dem Massenangebot an Bands, wäre zu befürchten gesessen, dass ihr Auftritt kürzer ausfällt. 2006 beim Rockharz-Festival sah ich sie ebenfalls als Vorband unerheblicher Nachfolger und nur mit einem 45 Minuten-Gig! Headliner waren damals Saxon mit so einem AC/DC-für-Arme-Sound. Davon taten wir uns nur 3 oder 4 Songs an und gingen lieber schlafen vor der anstehenden Heimfahrt.

Zum ersten Mal live sah ich Haggard 2005 in Flensburg. Da musste man sich sogar ängstigen, ob die überhaupt auftreten, so wenig Leute waren da, als der Einlass begann. Es läpperte sich damals laaaaangsam im Laufe der Zeit auf vielleicht 120 oder 150 Leute. Und 10 Mann auf der Bühne + Road-Crew! Eintritt damals moderate 25 Euro. Das kann sich nicht rechnen!

Während ich so dasitz‘ und genieße, fällt mir auf, dass ich alle 3 Haggard-Gigs nu mit meinem Sohn absolviert habe. Und er musste in allen 3 Fällen nicht gezwungen werden! Hey, sagenhaftes Gefühl! Der innere Akku beginnt mit der Aufladung.

digRückfahrt nach Weimar ins Hotel. Der Sonntagmorgen ruft unsern Sohn in den Westen zurück. Wir, die beiden Alten schlendern von Café zu Café. Beim Abendbrot am Frauenplan, vor dem Goethehaus, dann noch ein Straßen-George-Benson, der den ganz sanften Blingggg hinbekommt.  Die Leute glotzen ein bisschen, als ich ihm einen 5 Euro-Schein in den Koffer werfe. Auch er sorgt dafür, dass der Akku lädt.

Wieder daheim sind Wishbone Ash vom Tisch, bzw. aus‘m Player. Haggard-Revival! Nahezu Übermut. Voll ist der Akku noch nicht wieder, aber der Ladevorgang läuft. Sommer 2019? Alles wird gut!

Dank Alex, dem dunklen Parabelritter.

Viel Erfolg mit dem Sternenklang-Festival 2020.

 

Verliebt, verhoben, vergessen, verehrt…

Man könnte Wikipedia anklicken und sich über Georg II. von Sachsen-Meiningen informieren. Man erführe auch die Namen seiner 3 Ehefrauen. Jede von ihnen hat wiederum eine eigene Schlagwortseite. Es wäre alles da. Aber: Wer macht das schon? Georg II.? Und dann noch nicht mal der King des UK? Wozu?

Im Sommer 2017 saß ich im Buchladen von Meiningen und wartete auf eine Regenpause draußen. In jenem Sommer konnte sowas dauern! Der Bildband, den ich in dieser Zeit (quer)las, enthielt all die obengenannten Informationen. Und er verschwieg, dass Friedrich Spielhagen einer der häufigsten Besucher des Hofes jenes Kleinstaatregenten war.

Wen juckt’s?

Mich!

Spielhagen ist mein literarischer Hausgott. Die Fakten zu den drei Ehen entrollten mir den Tatsachen-Hintergrund zu einem seiner Romane: Allzeit voran! (1872)

2017 ist obendrein das Diana-Jahr: 20 Jahre Tunneltod! Da kommt einem in der Georg-Biografie viel bekannt vor. 100 Jahre Unterschied. Mehr als der Übergang von der Kutsche zum Auto? Mesalliancen können immer noch Thema werden. Und was bedeutet „morganatische“ Ehe; bzw. „Ehe zur linken Hand“?

Ich wurde somit auf die Spur gesetzt: Der tatsächliche Georg von Wettin, Herzog von Sachsen-Meiningen, wurde steinalt, starb 1914, war intelligent, diplomierter Historiker, eher propreußisch und liberal gesinnt und er war 3x verheiratet. Zum ersten Mal (mit Charlotte v. Hohenzollern) sehr glücklich, doch Kindbettfieber kennt kein arm und reich; die vierte Geburt beendet die Ehe Nr.1.

Die zweite Ehe (mit Feodora von Hohenlohe-Langenburg) verläuft sehr unglücklich, da Ehefrau Nr.2 zwar jung und hübsch, aber borniert und künstlerisch völlig desinteressiert war, weshalb der Herzog einsehen muss, hier nichts mehr „umprägen“ zu können und mehr und mehr allein ins Theater ging. Gerüchte entstehen. Das Gemunkel wird Tatsache. Frau Nr.2 frustriert‘s. Sie erkrankt, hat keine Widerstandskraft (mehr) und stirbt 32jährig; erlöst somit beide Ehepartner aus einem fast feindseligem Verhältnis.

Georg ist 46 und heiratet das letzte Mal; „nur“ morganatisch; eine Bürgerliche; sein Langzeitverhältnis; eine Schauspielerin. Ellen Franz. Sie ist im gleichen Alter wie seine zweite Frau, weniger attraktiv, jedoch intellektuell ansprechbar wie seine erste. Das Verhältnis begann 4 Jahre vor dem Tod von Ehefrau Nr. 2. Die Attraktivere verliert. Eine deutliche Windsor-Parallele. Deren Wurzeln liegen „nebenan“ im Gothaischen.

 

Spielhagen schrieb seinen Roman als Liebesroman, Arztroman, Politikum. In der Nebenfigur des Apothekers der Residenz wird er obendrein passagenweise zur Klamotte. Wieder einmal hat er Stoff für ein Großwerk, ein gesellschaftliches Komplettpanorama wie in den „Problematischen Naturen“ und in „Hammer und Amboss“ zuvor. Er nimmt sich jedoch diesmal nicht die Zeit, es auszukleiden. Auf nur 300 Seiten zusammengedrängt kann der Stoff nicht richtig leuchten. „Allzeit voran!“ wird kein Erfolgsbuch, ist aber lesenswert, weil es, so ganz nebenbei und vollkommen untypisch für die Zeit, NICHT in Hurrapatriotismus verfällt. Der geneigte Leser erfährt hier, wie die Stimmung außerhalb Preußens im Sommer 1870, am Vorabend des Deutsch-Französischen Krieges, im Volk und an den Höfen tatsächlich gewesen sein könnte.

Es geht um einen jungen Landarzt, um eine noch jüngere (aber volljährige) Malerin, die die morganatisch angetraute zweite Frau eines schon sehr alten Fürsten eines thüringischen Kleinstaates ist und um eben diesen 70jährigen Fürsten selber. Da diese Ehen zweiter Klasse, oder „zur linken Hand“, eigentlich seriöse Öffentlichkeit für standesunübliche Verbindungen ermöglichen sollten, jedoch Mesalliancen blieben und Rufschädigung bedeuteten, waren sie extrem selten. Der einzige Thüringer Regent des späten 19.Jhds., auf den sowas zutraf, war Georg II. Im Hochadel war sein außereheliches Verhältnis mit Ellen Franz mal süffisant, mal bösartig kommentiert worden. Von einer baldigen „Ehrlichmachung“ der Liaison nach dem Tod von Ehefrau Nr.2 wurde geunkt, als das Ereignis dann jedoch real wurde, war der Skandal perfekt und die Kontaktabbrüche zahlreich. Nichts desto trotz standen Georg noch 42 Jahre glücklicher Partnerschaft bevor.

Die Veröffentlichung des Buches und die Bekanntmachung der „Konkubinenheirat“ fallen zeitlich zusammen. Im 70jährigen Romanfürsten wird allzu leicht der 46jährige Meininger Regent erkannt, der charakterlich und altersmäßig jedoch eher Georgs Vater zum Vorbild hat. Dieser hatte sich 1866 für die falsche Seite entschieden und wurde anschließend auf Bismarcks Betreiben zur Abdankung genötigt, um seinem pro-preußischen Sohn die Regentschaft zu überlassen. Spielhagen nimmt diese Episode der Familiengeschichte der Meininger Wettiner stark abgeändert auf und fügt sie einen Krieg später ein. Auch hat sein Romanregent keinen Nachkommen, weshalb im Roman gleich ein preußischer Neffe auf den Thüringer Thron folgt, während der real Abgedankte wenigstens die Gnade erfährt, seinen Sohn als Nachfolger einsetzen zu dürfen.

„Lass es weiterhin wie Souveränität aussehen!“, mag sich Bismarck gedacht haben.

Eine Würde von Preußens Gnaden, denn die „Thüringischen Staaten“ hingen wirtschaftlich schon lange vor den 3 Kriegen am Geldhahn Berlins.

Preußen vergoldete seit ca. 1845 den „Thüringer Zaunkönigen“ ihr Dasein für das Gewähren der Erlaubnis, Schienen in die Rheinprovinz legen zu dürfen. Wirtschaftlich stand die Region, weil Massentourismus noch fehlte, ansonsten da wie Mecklenburg. Hinterwäldlerisch die Industrialisierung verschlafend, fristeten Spielzeugschnitzer, Nagelschmiede, Holzfäller, Köhler und Weber ihr kärgliches Dasein. Das damalige Elend – ein Segen für die Gegenwart, wenn man so 2017 durch intakte Natur rollt, die es andernfalls nicht mehr geben würde. Die Fehler von gestern sind die Erfolge von morgen. An den Thüringer Geschicken ablesbar.

Der Fürst des Romans ist nur 2x verheiratet. Spielhagen kürzt 3 Ehen auf zwei, indem er die letzten beiden Frauenbilder zusammenzieht: die unerfüllte Ehe und die Schönheit von Feodora, sowie die künstlerischen Interessen von Ellen Franz werden eins. Georg macht im wirklichen Leben seine dritte Ehefrau zu seiner Chefberaterin in Sachen Kultur, baut gemeinsam mit ihr einen prominenten Freundeskreis der Dichter und Komponisten auf. Beide gemeinsam reisen viel, holen sich Ideen aus ihren Urlaubsorten und reformieren das Meininger Theater zu Weltruhm. Bayreuth ist schon berühmt. Meiningen zieht nach. DIE Pilgerstätten der Kulturenthusiasten der Zeit. Außerdem wird nach ihren Vorstellungen der bis heute erhaltene romantische Park der Residenz angelegt. Sie harmonieren perfekt. Georg hat in Ellen eine „zweite Charlotte“ gefunden.

Ganz anders im Buch: Die junge Künstlerin malt in einem Gartenpavillon. Sie hat keinerlei Einfluss in irgendeiner Richtung und auch keine Ambitionen, diese Situation zu ändern. Eine malende Feodora, allerdings bürgerlicher Herkunft. Auch ehelich ist dem alten Herzog mit ihr kein Glück beschieden.

Spielhagen legt die Liaison tragisch an: Er lässt es während eines Kuraufenthaltes knistern; intellektuelle Gespräche zwischen beiden sind möglich. Beide atmen auf, glauben auf einen Gleichgesinnten gestoßen zu sein. Gekonnt wird das Thema “Altersgeilheit“ umschifft. Beim Herzog ist es eine Art Erlöserwahn, der ihn zur Ehe verleitet. Die arme mittellose Schönheit soll es gut haben und sich verwirklichen können. SIE sieht in ihm den alten, lieben, hilfsbereiten Mann und die Hoffnungslosigkeit ihrer mittellosen Lage. Sie entsagt wissentlich einem erfüllten Liebesleben. Das „Ja-Wort“ ist ihre Art von Resignation. Die Kommunikation erstirbt. Sie leben nebeneinander her. Die Domestiken verachten sie, da sie dem Vergleich mit der verstorbenen Herzogin nicht standhalten kann. Sie zieht sich in den Mal-Pavillon zurück.

Feodora gab im wirklichen Leben lieber die barmherzige Landesmutter, um dem Schlosspersonal zu entgehen; durch die Elendsquartiere der Dorfbevölkerung reisend und sich somit auch den finalen Scharlach zuziehend. Hat sie den Tod gesucht? Soweit geht die Malerin im Roman nicht. Jedoch trennt sie sich letztlich von ihrem Gönner und löst so das „unnatürliche Band zwischen Jugend und Greis“ um ihr Leben selbst zu gestalten…

Das Buch erscheint 1872 und stellt die Verhältnisse an den Thüringer Höfen – trotz aller Abänderung – gut erkennbar bloß. Aber: Spielhagen verkehrt weiterhin in Meiningen und wohnt während dieser Aufenthalte in Gästezimmern des Schlosses. Kein Anzeichen von Ungnade seitens des skandalträchtigen Herrscherpaares. Stattdessen jene Belohnungsanfrage und ihre Beantwortung; sowie das große Vergessen, das über alle Beteiligten, das Reich, das damals gerade entstand und den Roman inzwischen hinweg gegangen ist.

12 kopiemeiningen

Copyrights diesmal alle by Bludgeon selber.

Im Land der Ahnen…

….2017 stark verregnet, stößt der Blick des Reisenden doch auf die eine oder andere kleine Sensation: Die gottlob – trotz Holzklau und Kaminwahn – immer noch vollständig bewaldeten Berghänge des Rennsteigs und auch des sonstigen Thüringer Waldes dampfen nach überreicher Wolkenschüttung morgens heftig in den raren Regenpausen.

„Und ewig singen die Wälder“ vom vegetativen Überlebenskampf, dem Trockenheit genauso schadet, wie nasser Überfluss, der den Wurzeln den Halt zu rauben droht.  Rauchschwaden, Wolkenschatten, relative Finsternis; ganz ohne Feuer – „Into the mystic“; Van Morrisson liegt nahe. Oder die wunderbare „Wildhoney“ von Tiamat mit all ihren Sumpflandgeräuschen und tiefen Growls zu akustischer Gitarre und Kriegstanzrhythmus der Hobbits & Orks. Beides leider im Auto nicht vorrätig. Auch Haggard und Douglas Spotted Eagle glänzen durch Abwesenheit. Mist!

Das Thema Soundtrack-Auswahl hatte ich schon mal besser im Griff! Aber so geht das schon die ganze Zeit in diesem Jahr. Kaum stellt Töchterlein fest: „Das sieht hier aus wie Kanada!“ fehlen mir prompt auch noch Bachmann Turner Overdrive! Wir hören also, während rund 2000 km Fahrleistung anfallen, so kreuz und quer durch diesen Gustav-Freytag-County und das angrenzende Söderistan, Kompromiss-Mugge; wie immer, wenn Frau und Tochter an Bord sind: „Private best of 70s“ (Mainstream; immerhin unter Auslassung all der musikalischen Disco-Ölpest jenes Jahrzehnts) Al Stewart, Bob Seger, ELO, Fleetwood Mac; verpassen uns von letzteren auch eine Überdosis, da zusätzlich die neue „Lindsay Buckingham und Christie McVie“ mit von der Partie ist und klingt, als wären’s die missing Pieces der „Rumour-Sessions“. Eigentlich seeehr schön, aber eben nicht 3x am Tag.

Es war in diesem Jahr eine Blitzentscheidung. Es wurde ein „Behelfsurlaub“ der schönen Bilder. Für Auslandsbuchungen zu spät dran blieb nur die Alternative: Urlaub in Deutschland oder gleich ganz zu Hause bleiben. So versuchte ich wenigstens noch zwei Fliegen mit einer Klappe zu erwischen: Irgendwohin, wo’s schön ist (mal nicht die Ostsee) und wo’s eventuell die Möglichkeit gibt, per Tagesausflügen Regionen des „unbekannten Westens“ kennenzulernen.

Irgendwie ist dieses „Adenauerland“ eben doch eine Art von Ausland geblieben.

Also: Meiningen. Thüringen ist schön und Franken ist nicht weit. Plan erfüllt.

Dachte ich. Nach erfolgter Buchung im Melchiormäßigen „Schlundhaus“ der Stadt. Sehr schönes Renaissance-Ambiente innen wie außen. Sehr nettes Personal.

Jedoch kam es anders als gedacht, was zum einen dem Wetter des Sommers 2017 und zum andern der hypersensiblen Ossi-Seele geschuldet sein mag. Die Nebensache wurde zur Hauptsache. Die Exkursionen nach Söderanien hinterließen nur blasse Eindrücke. Die Ausflüge im Land der Dichterfürsten führten stattdessen zu einigen Aha-Momenten.

Die Entscheidung für Meiningen war keine Kopfgeburt. Eher so aus dem Bauch mit Torschlusspanik: Bloß keinen reinen Brandenburg-Urlaub mehr verwarten müssen!

Üblicherweise bekommt der Hund in solchen Reisezeiten Tierpension zu Hause und Herrchen ein bisschen schlechtes Gewissen.  In diesem Jahr jedoch erlebte er passend 14 Tage vor Abreise mit stolzen 8 Jahren auf dem Buckel seine erste Beißerei; und die gleich mit so einem Kampfhund-Köterproll-Mix und — unterlag. Die offene Schulter musste fachgerecht verarztet und beobachtet werden. Deshalb verbot sich Tierpension von selbst. Er musste mit. Man gut, dass es mit England nicht geklappt hat! Er erlebte also eine reichliche Woche Rudelnähe rund um die Uhr, aber draußen überwiegend an der Leine. Leinenzwang all over. Schwarze Tüte immer „am Mann“ bzw. „an der Frau“ wandelten wir nach Ankunft zunächst leidlich beschirmt und einigermaßen ziellos durch den Ort. Mit Collie im Stadtbild, wo auch immer, setzt es reichlich Komplimente:

„Guck mal! Ein Löwe!“ von Seiten kleinerer Fans.

„Guck mal Lassie!“ von den Älteren.

Komischerweise verweist nach wie vor niemand auf BESSY?! Die Comics waren doch so erfolgreich in unseren Jahrgängen!

Weib, Kind und Hund entschlossen sich alsbald zwecks Trocknung die Unterkunft aufzusuchen, während wir gerade in der Nähe des Buchladens standen. Also betrat ich den auch und wusste wiederum nicht, wonach sich zu suchen noch lohnen würde. Thriller – nein danke, Krimis – brrrrr, Memoiren von Menschen mit Jahrhundertbiografie a la Sigmar G. und Phillip L.? Die armen Bäume! Die Band-Bio der Ärzte?

Ich wusste nicht, wohin mit mir – und draußen schifft‘s. Da fiel mein Blick auf einen Charakterkopf mit ernster Miene. Ein wahrer Adlerblick fixierte mich. Intelligente Augen, weißer Weihnachtsmannbart und Halbglatze. Sein Blick traf mich von der Titelseite eines Bildbandes: Georg II. Und als ich den aufschlug, traf mich wie ein Schlag die freudige Erinnerung: Meiningen! Georg II.!

„… möge uns der Herr Poet doch baldigst eine Idee zukommen lassen, mit welchem Orden, welcher Gnade wir ihm unsere Wertschätzung erzeigen könnten.“

Und SPIELHAGENs knappe Antwort war: „Wenn Durchlaucht mein geneigter Leser bleiben wollen, so ist mir dies Ehre genug.“

Ich hatte das völlig vergessen! Jetzt war mit einem Schlag mein Ferienfilm geboren: Die Thüringischen Zaunkönige des späten 19.Jahrhunderts im Bemühen mit Sachsen Weimar- Eisenach gleichzuziehen und Kulturhochburg werden zu wollen, locken die schreibende Prominenz in ihre Paläste. Die dynastischen Privatissime, die hier in verrauchten Herrenzimmern verraten wurden, der Eindruck der Landschaft, „die hier in Thüringen, wie auch der Menschenschlag, das Höchstmaß der Ausgeglichenheit erreichte“ (Felix Dahn), flossen ein, in einst viel gelesene Werke, die Ruf und Reichtum schufen – und heute leider vergessen sind.

Thüringen hatte nach hehrer Bedeutsamkeit als Grenzmark im frühen Mittelalter des 10. und 11.Jahrhunderts eine lange Phase politischen Niederganges ereilt. Die ernestinischen Wettiner, also das sächsische Königshaus der Reformation, vererbten nicht qua Erstgeburt, sondern qua Erbteilung. Jedes am Leben bleibende Brüderlein „der Familie“ musste so mit einer Stadt und ein paar Dörfern bedacht werden. Thüringen, das alte eigentliche Westsachsen, wurde geradezu atomisiert. Da dank Luther und Friedrich dem Weisen bereits säkularisiert worden war, gab es auch später für Napoleon in diesem Gelände keine unabhängigen Bistümer aufzulösen. Für ihn war das Durchgangsland, das er beließ, wie er es vorfand. Ebenso Metternich auf dem Wiener Kongress 1815 bei der Erfindung des Deutschen Bundes. Nirgends war deshalb Zersplitterung nach den Befreiungskriegen größer als hier: Im grünen Herzen Deutschlands.

Goethe lebte noch. In seinem Lichte strahlte Sachsen Weimar-Eisenach. Der Musen-Hort. Die Fürstenwitwe und vormundschaftliche Regentin Anna Amalie, zwangsverheiratet, aber durch frühe Witwenschaft befreit, hatte 50 Jahre zuvor für intellektuellen Zulauf im Ländle gesorgt und gründete die nach ihr benannte Bibliothek in einem Bauwerk, das ihr von jeher ein Dorn im Auge war: Bereits im 16.Jahrhundert hatte einer der Weimarer Regenten das Lustschloss zur Auslebung seiner Triebe direkt vor das Stadtschloss, also gewissermaßen vor die Schlafzimmerfenster seiner Zwangsangetrauten bauen lassen. Seine Nachfolger übernahmen mit der Macht auch jene pikante Servicelokation, um sie in besagter Weise zu nutzen. Anna Amalie, verwitwet aber noch nicht 30, hob die Bedeutung des Bauwerkes, nach dem ach so plötzlichen Ableben ihres Gatten, at hoc von der Unterleibsdienstleistungshalle zum Studienort des Kopfes.

Sprach man in jenen Tagen von Thüringen, meinte man Weimar. Die anderen Zaunkönige mussten sich was einfallen lassen: Der zweiterfolgreichste Zwergstaat in Sachen Prestige-Hebung wurde Sachsen Coburg-Gotha, das „Adelsgestüt Europas“ (laut Bismarck) durch – ähem – blaublütigen Jungs-und Mädchenhandel. Für den Bedarf eines jeden Königshauses war ein heiratsfähiger Fürstensproß/eine Komtessè vorrätig (Elite-Partner.de – ohne Internet) 1914 gab es keinen Thron in Europa, auf dem nicht ein coburg-gothaischer Abkömmling saß. Über jenes Puzzleteil sind Windsor/Battenbergs, Habsburg, Romanows und Hohenzollern verwandt und verschwägert; der I.Weltkrieg ein Familienzwist.

Hinzukommt, dass das Herrscherhaus in Gotha 1853 einem prominenten politischen Flüchtling Quartier bot, der kurz nach Aufnahme hier vollends zum Bestsellerautor und Dichterfürsten der Nachgoethejahre avancierte: Gustav Freytag.

Aus Preußen als zu liberal entfernt, alsbald aber auch dort wieder gewertschätzt und begnadigt, ja später mit dem Pour le Mérite versehen, sorgte er als Journalist, Dramatiker und Buchautor für dauerhaftes Aufsehen. Er war schon 1848 für die kleindeutsche Lösung eingetreten (ein Reich ohne Österreich) und erlebte in den Folgejahren den Wandel seines Minderheitenstandpunktes zur Mehrheitsmeinung. In Siebleben bei Gotha ließ er sich nieder und verfasste hier seine beiden Dauerbrenner „Soll und Haben“(1855) und „Die Ahnen“(ab 1872), jene mal 4-, mal 6- mal 8bändige Familiensaga, die aus germanischer Vorzeit bis hinauf in die Tage der 48er Revolution reicht. Letzteres Kapitel in mancher „gekürzten und von Weitschweifigkeiten bereinigten“ Auflage der 20er und 30er Jahre gern unterschlagen.

Spielhagen wiederum verkehrte des Öfteren im Schlosse derer von Sachsen-Meiningen, Freytag deshalb nicht.

In Ermanglung von Antiquariaten und Musikläden zog ich es vor, mental im späten 19.Jahrhundert zu verweilen, statt Kneipen, Rossmann-Filialen, Schöller-Eis-Fahnen oder Taschen vertickende Inder zu zählen.

Spielhagen und Freytag wurden meine Scouts, wenn ich nicht gerade mit engsten Parkhauskurven in Bamberg rang, auf dem Markt von Coburg mit der übelsten Blümchen-Kaffeeplörre der Marke „letzte Lagerhallenfegung“ konfrontiert wurde oder kopfschüttelnd die inflationäre Richard Wagner Verhohnepiplung in der Fußgängerzone von Bayreuth ertrug: Alle gefühlten 5 Meter stand dort vor jedem dritten Laden ein ca. 1m großer Gartenzwerg-Richie mit erhobenen Händen in Dirigenten- oder Bettelpose eines bockigen Kleinkindes „Mama t‘agen!“, ganz wie man will. Wagner goes Tele-Tubbie. Mal schlumpfblau, mal popelgrün, mal wutrot – scheußlicher Endzeiteinfall einer sich überlebt habenden Kultur.

Gottlob gab‘s ja noch die Wälder, die Berge, die weiten Straßen und den Sound eines ganz anderen Jahrzehnts: Der schon erwähnte 70er Mix und die Wiederauferstehung von Ingo, Ingraban und ihren Nachfahren befreiten aus dem nivellierten Heute; schon lange bevor wir per Zufall den tatsächlichen Gustav-Freytag-Wanderweg fanden.

„Time Passages! Buy me a ticket on last train home tonight…“

Und als auf abendlicher Fahrt Töchterlein neben mir, die zwischen den Scheibenwischerintervallen all die tollen Fotos schoss, am Radio drehte, um Papas Musikarchiv zu entkommen, erklang da plötzlich

„…. these towns all look the same, and we remember that why we ca-hame…“

und wie aus einem Munde schrien Mutter und Vater: „Lass mal!“ Überstimmt. Wir „Ahnen“ waren David Guetta, Ed Sheeran, Rihanna & Co wiedermal entkommen. „Oh want you staaaaaaaay – just a little bit longer! Oh please please stay! Say you will. SAAAAAHY youhu will!“ Aber weder Immo, Helgi noch irgendeine Walküre hatten „Bock“, dergleichen zu tun. Sie schickten einen letzten gespenstischen Lichtergruß und blieben im Land der Sagen und Legenden, als unser Eisenpferd schließlich den Pfad gen Norden einschlug. Kein Urlaub hält ewig.

Copyright aller Fotos: Bludgeons Daughter; Illustrationen aus „Germania“(1905); „Realienbuch“ (1912) und „Der Gute Kamerad“ Bd.26 (1912)