Wiedersehen mit Jules

1. Vorüberlegungen:

Ja, ich weiß: Peking und Putin! Die wären gegenwärtig die heißeren Themen! Aber – das lässt sich locker steigern – dies’Jahr – Katar steht noch aus: Die Weihnachts-WM. Ma kieken, ob Neuer und die Binde wieder… aber vielleicht lassen es ja die vereinten europäischen Schlafwandler wieder knallen, wie 1914. Dann hat sich das! Und wenn nicht, dann muss im Frühjahr wieder die Ukraine den ESC gewinnen. Kenn werja! Von 2015 her.

Sie merken: So weita schreim – dat wüad nüschd!

Schnippschnapp Gedanken ab – Schere im Kopp. Zu Ostzeiten hab ich och kehm Lehra aßählt, dette Renft doch eijentli Rescht ham und Harry Thürk Scheiße über Solschenizyn schreibm tut.

Eh ich mich also auf politisches Glatteis begebe, schreib ich lieber -solange es noch geht- über weitere Leseabenteuer. Kopf in den Sand, Augen zu und durch! Wenn’s Krieg gibt, holen sie mich erst ganz zum Schluss, wenn’se wiedermal ein letztes Aufgebot zusammenstellen. Also bis auf Weiteres bin ich raus!

2. Götter von einst:

Ich finde dieser Tage: Man sollte es mal gemacht haben: Ein Buch wiederlesen, das einem die Kindheit versüßt hat. Herausfinden, was das damals war, ob es 50 Jahre später auch noch irgendwie kickt – oder ob sich alles erledigt hat.

Der Zufall half und spielte mir Jule Vernes „Mathias Sandorf“ in die Hände. Das war mit 11/12/oder 13 Jahren der erste Verne, den ich -DURCH!- las.

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Zuvor hatte ich „20 000 Meilen unter dem Meer“ im Kino gesehen – und bin anschließend high nach Hause getaumelt. Umwerfend fand ich den Film!

Eine ganze Weile später erging es mir mit der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ähnlich. Aber, da ich etwas älter als 11 war, ging ich die Verarbeitung des Kinoeindruckes schon etwas abgeklärter an.

Zwischen diesen beiden Kino-Highlights hatte ich „In 80 Tagen um die Welt“ lesen wollen, jedoch das Taschenbüchlein wegen übergroßer Langweiligkeit nach wenigen Seiten in die Ecke gefeuert. Weiß auch nicht, wieso gerade DAS Ding so derart die Zeiten überdauert hat. Der Verne hat doch nun wirklich besseres zu bieten!

Die andere Leseerfahrung waren „Die Kinder des Kapitän Grant“ – das war ein sehr spannender dicker 800 Seiten-Wälzer. Dachte ich. Aber auf Seite 536 ungefähr geht ihm die Luft aus. Ich hatte umfänglich schon ähnliche Klopper hinter mir – und diese auch durchgekriegt. Aber beim Grant „schläft nach hinten zu die Handlung ein“. So mein Resümee als 11jähriger.

Dann kamen der „Sandorf“ und der „Kapitän von 15 Jahren“. Und die beiden begeisterten endlich auch als Buch!

Im Bezug auf den „Sandorf“, den ich -wie oben erwähnt- irgendwann zwischen 11 und 13 las, machte ich mit ca 16 Jahren dann auch noch meine erste literarische Sensationssentdeckung, von der noch zu reden sein wird.

3. Eindruck von damals:

Aber zunächst mal muss ein bissel Schwärmen sein: Warum konnte der „Sandorf“ zünden?

Es geht um einen Freiheitskämpfer, der verraten wird, zum Tode verurteilt fliehen kann, für Tod gehalten nach 15 Jahren schwer reich zurückkehrt, um an den Verrätern Rache zu nehmen und eine glückliche Ehe zu stiften. Dabei helfen ihm überdurchschnittliche Kenntnisse, die ihn Schiffe und Waffen erfinden ließen, die sonst niemand hat und zwei originelle Typen, die mal Gaukler waren, jedoch nun unter seinem Befehl stehen und zu Gerechtigkeitshelfern werden. Ein kleiner, dünner kluger Pescade und der große, kräftige, gutmütige Trottel Matifou. Dies zunächst erinnert Kinder der 60er und frühen 70er Jahre unweigerlich an den Mantel- und Degen-Film „Ritter von Pardelanne“ und seine beiden Gauklerhelfer, die mit ihm die schöne Violetta vor dem Galgen bewahren. Auch hier der große tumbe Eisenkettenzerreißer und der kleine hibbelige Clown. (Ich sage nur „Angstlocke“!)verne3

Zwischen 11 und 13 bist du im Superhelden-Stadium. Heldengeschichten müssen her! Wohin das führt, wenn du in jener wichtigen Lebensphase unterversorgt bleibst, kannst du heute ermessen, wenn du das Radio andrehst und all den Jammer-Pop erduldest. Wie von selbst ergibt sich die Frage: Wer findet SOWAS gut? – – – Hättest du in deiner Kindheit rechtzeitig Toka-ihto, Nemo, Trapper Geierschnabel, Robin Hood und Markgraf Gero kennengelernt, dann würdest du als Twen nicht bei Giesinger und Forster enden!

Sandorf ist nicht nur der Typ, der alles weiß und alles kann; er besitzt auch noch eine eigene Insel vor der tripolitanischen Küste (heute Libyen), die er leer einem Scheich abkaufen konnte und auf der er mit rund 2000 Seelen (Fans und deren Familien) lebt, die alle auf ihn hören, seine Schiffe lenken, in internationalen Häfen über ihre Insel schweigen usw. Also genau das Mittelding aus Geheimbund und glücklichem Kolonisator, von dem im späten 19.Jh.  eben so geträumt wird, wenn man die Bürokratie und Benimm-Korsetts des eigenen Landes so richtig satthatte. Und als gelangweiltem Pubi der frühen 70er geht es einem eben ähnlich, wie den Lesern des „Guten Kameraden“ vor 1914: Da draußen is’ne Welt zu entdecken, aber dich schicken se in den Pioniernachmittag, Kochlöffel anziehen als Frauentagsgeschenk – für Mutti.

verne2Und sich an überlegenen Feinden rächen, den Wunsch hat man doch seit dem Kindergarten und dem Kampf um die Schippe!

Typen, vor denen man lieber ausriss, bevor man die zu erwartende Dresche bekam, die wollte man auch liebend gern in den brodelnden Ätna schmeißen (wie im „Sandorf“), oder von Troll dem Bären zerfetzen lassen (eigenes Wunschdenken)! Da war nix mit Versöhnungsgelaber, Streitschlichtern und so Weicheierei!

Dem eigenen Gerechtigkeitsgefühl kam gutgeschriebene Kolportage doch seit Generationen sehr zu pass. Jules Verne Romane gab es anfallweise inflationär in der Ehemaligen. Die deutschen Schreiberlinge nie offiziell; höchstens mal per Zufall als Annonce-Verkauf oder in den 80ern in Flohmarktkisten: Robert Kraft, Sir John Retcliffe, Max Felde, …

Na, und Karl May war eh ein Sonderfall: Kult und gesucht wie Goldstaub!verne5

4. Eindruck von heute:

Also her mit dem Verne! Er war so ein Schreiberling-Bowie. Von dem hieß es auch immer, er habe Trends gesetzt. Vernes Buchideen seien die Raumschiffe, die U-Boote, Heilmethoden der Gegenwart entsprungen. Ohne Jules Verne kein Juri Gagarin; so der Schnack zu meiner Zeit.

Aber das ist falsch. Verne greift alte Menschheitssehnsüchte auf, bekommt kuriose erste Versuche von diesem und jenem mit, packt sie in seine Bücher, beschreibt sie „populärwissenschaftlich“ im Sinne von „Knabenzeitungen“ wie dem „Guten Kameraden“ oder dem „Neuen Universum“ und sahnt ab.

Über U-Bootbau denkt bereits Leonardo da Vinci nach. Sowohl im amerikanischen Bürgerkrieg 1860, als auch im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 werden erste Prototypen versenkt; nur erfährt man das eben erst aus dem MOSAIK von Hannes Hegen. Der Laie weiß nur: U-Boot? I.Weltkrieg! Jules Verne lebte vorher – also großer Vorausahner!

Bowie- der erste Androgyne im Showgeschäft? Horch mal bei den New York Dolls rein und recherchiere, wann die IN waren! Oder guck auf die Outfits von Little Richard schon in den 50s! Bowie sprang nur immer wieder auf Wellen, die ohne ihn entstanden waren. Aber er sprang zu einem frühen Zeitpunkt drauf – und siehe: Er war der erfolgreiche Igel „Auch hier!“, während sich die Hasen totliefen.

Liest du nun 2022 einen Verne im „zarten Alter von 62“, dann fallen dir so Dinge auf, die überliest eine Pubi-Leseratte im Abenteuerrausch natürlich: Der Plot ist löchrig.

verne4Mathias Sandorf, ein schwerreicher Bergwerksbesitzer aus Siebenbürgen, will ein freies Ungarn! Los von Österreich! Er gründet eine äußerst gefährliche 3-Mann-Verschwörung. Warum der Sandorf Österreich-Ungarn so hasst, ist unwichtig, muss nicht erfunden werden. Als Franzose (Verne) hasst man die Mittelmächte automatisch. Da fällt dann auch nicht auf, dass ein reicher Sandorf aus Siebenbürgen, doch eher ein Siebenbürger-Sachse ist, also zum deutschen Volksteil gehören müsste. Dem müsste eine Unabhängigkeitsbewegung Ungarns doch ein Dorn im Auge sein! Verne hätte seinen Helden lieber „Istvan Szegedy“ oder so ähnlich nennen müssen. Ähnlich schief geht es mit der Benennung des Hauptschuftes Silas Toronthal! Der ist gebürtiger Dalmatiner! Also ein Hund? Er stammt aus Dalmatien, schön und gut. Aber dann ist er Dalmatier! Und die wiederum würden sich eh entscheiden, ob sie Kroaten oder Serben sein wollen. Er ist Bankier und Lump durch und durch. Der Familienname endet auf -thal. Hm. Was will uns Verne da mitteilen?

Damit die Rache des Sandorf so richtig aufgehen kann, gibt es Wundermaschinen, wie die „Elektrik“-Boote. Das sind rasend schnelle Halb-U-Boote, von denen fast nichts aus dem Wasser guckt und die durch übergroße Dynamos angetrieben werden, die den Strom herstellen. 12jährigen Lesern reicht das. Aber wer treibt nu die Dynamos an? Wer radelt sich da im Schiffsinneren einen weg? Das bleibt unerklärt.

Sarcany (ein verwahrloster Libyer) und Toronthal sind die Hauptschufte. Vor allem Sarcany ist so ein Vertreter, den der Autor in ganz Europa herumschickt, damit er fast überall zugleich Unglück anrichten kann. Heute Istrien, morgen Sizilien, übermorgen Siebenbürgen oder gar Marokko – ein Blitzreisender ganz ohne Flugzeug. Bei Karl May, Robert Kraft und Retcliffe gibt’s das auch: Schuhputzer aus Istanbul schafft es zu Fuß innerhalb von 1 oder 2 Wochen um das ganze Schwarze Meer, damit er an allen Schauplätzen des Krim-Krieges dabei sein kann.

Toronthal, Sarcany und den dritten im Bunde, einen verwahrlosten Spanier Carpena plagt anfallweise immermal wieder so ein Gewissensrest, dass sie damals so hehre Lichtgestalten der österreichischen Polizei verrieten. Das wiederum verblüfft: Denn ihre Tat war schließlich staatserhaltend und wurde von diesem generös entlohnt!

Auch weshalb Toronthal so willenlos dem Sarcany nach Monaco folgt, um grundlos spielsüchtig zu werden, ist nicht erklärbar. Sarcany, der Wüsten-Mephisto, kann nicht nur Ex-Bankiers spielsüchtig machen, sondern auch arabische Seeräuberbanden aufhetzen, Sandorfs Inselstaat zu überfallen, obwohl sich dessen Wunderwaffen in der Region bereits herumgesprochen haben.

Also die Logik ist kein gern gesehener Gast in dieser Erzählung.

Aber da ist nochwas:

Ein Verschwörer, der beteiligt ist, eine bestehende Unrechts-Regierung zu bekämpfen, verraten wird, Familie und Existenz verliert, aber märchenhaft reich zurückkehren kann, um Rache zu nehmen – und der eine schöne Orientalin im Schlepptau hat, die eine wichtige Opferrolle mit Happyend-Garantie spielen muss…

verne6Das klingt so bekannt, auch wenn man den Sandorf nie gelesen hat! Bleibt noch der Clou ansich: Ich las den Sandorf mit 11 oder 12. Mit 14 stieß ich auf der Suche nach Lesestoff in den Bücherbeständen meines Vaters auf einen Meter unvollständige Dumas‘ Gesamtausgabe und begann mich durchzuarbeiten. Mit 15 oder 16 war ich dann beim „Grafen von Monte Christo“ angekommen.

Edmond Dantès ist der Ur-Mathias. Nur ohne Schnellboote. Ich hatte ein Plagiat entdeckt! Jule Verne als der George Harrison der Abenteuerliteratur! (Seine „my sweet Lord“ Geschichte machte fast zeitgleich Schlagzeilen.)

Und andersrum haben sich die Macher von Hannes Hegens MOSAIK einst vom Sandorf inspirieren lassen, als sie am Schluss der Amerika-Serie den Digedags eine Art Matifou an die Seite stellten.

Fazit: War nicht umsonst. Hat mal wieder Spaß gemacht!

4 Gedanken zu “Wiedersehen mit Jules

  1. Jules Verne war auch einer meiner Lieblingsautoren ab frühestem Lesealter. Inspiriert hatte mich zunächst „Die geheimnisvolle Insel“ in der mehrteiligen TV-Fassung mit dem meine Fantasie beflügelnden, geheimnisvollen Kapitän Nemo, dargestellt von Omar Sharif. Nach und nach traten dann dank Bibliotheksausweis die Bücher an die Stelle der fertigen Filmbilder. Ganz vorn bei mir auch das Grant-Epos, gefolgt von P. Fogg und A. Saknussem, immer mit einem Atlas zum „Mitreisen“ in Griffweite. Ich glaube, ich werde das wohl bald mal wieder zur Hand nehmen. Danke für die Anregung.

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    • Danke gleichfalls: Dein Hinweis auf den Atlas bringt mich drauf: Als ich die ersten beiden Karl May Bücher ergatterte, die in Nordafrika spielen, kaufte ich im Antiquariat extra einen Uralt-Atlas, um den daneben liegen zu haben, wenn es darum geht zu wissen, wo San Fessan liegt usw.
      Es gab da ja haufenweise Benennungen, die der Schulatlas so nicht hergab – aber mittels „Andrees Handatlas“ 1890 (im aufgeklappten Zustand ca ein Quadratmeter ) – da reiste es sich prima mit- über viele weiße Flächen im unbekannten Afrika. Das war dann wiederum der Ansporn auch die Reisen Livingstones und Heinrich Barths interessant zu finden … immer tiefer rein in die Entdeckungs- und Kolonialgeschichte.

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  2. Die Kinder des Kapitän Grant haben in der Ausgabe in der Reihe, aus der Du Matthias Sandorf abbildest, 528 Seiten (inklusive Nachwort). Dass ist leider typisch für Dich, Du haust auf gut Glück Sachen raus die nicht stimmen („dicker 800 Seiten-Wälzer“).

    Reisebücher haben eine gewisse Gleichförmigkeit. Auf eine Station, auf eine Etappe, folgt die Nächste. Man kann das langweilig finden. Die Kinder des Kapitän Grant durchqueren nacheinander Südamerika, Australien und Neuseeland. Mir hat das gefallen. Der Reisebericht ist seit der Odyssee eine Urform der Epik. „Die Phantasie sucht (…) wie in den primitiven Zeiten der Epik, die Erdenschranken weiter hinauszuschieben, wiederum durch Wunder, nur daß es nicht mehr Götterwunder, sondern Wunder der Technik sind. Einer Technik, die Leistungen fertig bringt, deren Vater vorläufig der sehnsuchtvolle Wunsch, deren Mutter die träumende Hoffnung ist. Dergleichen liest sich ganz ergötzlich, wenn, wie in Jules Vernes pseudowissenschaftlichen, höchst unterhaltenden Phantastereien, die Schellenkappe des Humors dazu ironisch klingelt…“ schreibt – na wer wohl?

    Matthias Sandorf fand ich aber auch interessanter. Die Kapitel, in denen Toronthal Sarcany nach Monaco folgt, waren für mich beim Wiederlesen der Höhepunkt des Buches. Ich fand das psychologisch ganz ausgezeichnet. In diesen Kapiteln erklimmt Jules Verne die Sphäre von Dostojewski (Der Spieler).

    Sicher erinnert das auch an den Grafen von Monte Christo. Aber nur ganz oberflächlich. Jules Verne hat eine Botschaft, ist ein Humanist, hat eine Dimension, die Dumas völlig fehlt. (Spielhagen sah in Dumas` Werk – allerdings dem des jüngeren Dumas – ein Beleg für die Korruption des zweiten französischen Kaiserreiches.)

    Ich weise auf solche pazifistisch-prophetischen Meisterwerke von Jules Verne wie Die Erfindung des Verderbens oder Die 500 Millionen der Begum hin.

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    • Nun ja. Ich schreib nen Lust-und Laune-Blog und keine Dissertation. Deshalb ist mir das mit den Seitenzahlen wurschd. Einigen wir uns auf „Grant“ ist deutlich dicker als die anderen Verne-Romane. Ob ich nun auf Seite 536 in einem 800-Seiten-Wälzer kapitulierte oder aber auf Seite 402 in einem 590 seitigem Dingens bleibt sich gleich. Ich habe seinerzeit – 1971 – das weiß ich noch exakt – jedenfalls weit durchgehalten, dann aber im letzten Viertel das Interesse an elend langen Passagen der Schilderung von Wanderungen und Halbverdurstungen und zerissenen Kleidern verloren. Es passierte halt seiiiitenlang nix mehr. Spannender Start – und ab der Mitte – gäääähn. Es handelte sich damals um die dicke weiße Ausgabe mit dem Adler und dem Kind vorn drauf, die ich nicht mehr besitze. Auch den Sandorf las ich einst in der „spannend erzählt“ Ausgabe aus den 60ern.

      Humor (Schellenklappe) in alten Schmökern – das ist so eine Sache. Der veraltet eben rasant. Im Sandorf fand ich nix zum Lachen. Das Matifou angeblich Kiesel frisst, wenn sonst nichts da ist – „Brüller“?
      Spielhagen war humorlos genug, eine Expertise über Humor zu verfassen. Gottlob hat er in seinen Romanen nicht witzig sein wollen, sondern sarkastisch abwatschen wollen, als er die sprechenden Namen seiner Barone erfand.

      Verne und Dostojewski – da tust du dem armen geplagten Russen aber keinen Gefallen. Mir ist es ja egal. Auch beim Dostojewski Lesen bin ich gescheitert. „Der Spieler“ mag Pate gestanden haben, wie der „Monte Christo“ – in schlecht.
      Ich weiß nicht, ob es an Verne oder an der Übersetzung liegt, dass da kein Erzählflow entsteht. Ein spannender Plot, geheftet, nicht genäht, wird zusätzlich immerwieder durch total überflüssige Teilzusammenfassungen des gerade Geschehenen unterbrochen. Das nervt. Ebenso wie all die Unlogik der Abläufe. Toronthal hat kein Motiv für die Monaco-Tour. Er hat auch kein Motiv für die Unterwerfung unter Sarcany. Die Piraten haben keins für den Überfall auf Antekirta. Sawa herausholen und Sarcany reich machen (?!) – was hätten sie selbst davon? Verne brauchte halt einen Showdown und so pappt er einen dran. Usw.

      Hab mich neulich gefreut, dass ich diese Seite fand:

      https://www.j-verne.de/verne34.html

      (Links oben der Umschlag der „Sandorf“-Ausgabe, die meine Eltern hatten. Wie ich neulich an die 1980er Ausgabe geriet, weißt du ja.)

      Die sehen das übrigens wie ich in Bezug auf Dumas. Edmonds Rache-Intrigen sind feiner gesponnen und logischer im Ablauf als die Sandorf-Schnell-schnell-Variante. Dumas ist der eindeutig bessere Erzähler.

      So hat halt jeder sein Plaissierchen.

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