Inmitten all der Grabesruh‘

Früher war’s mal ein melancholischer Countrypop-Song.

2015 wurde er dramatischer intoniert. Es passte in die Zeit.

Wie kann man das toppen? Vielleicht mal ins Deutsche übertragen?

Ich hab’s versucht.

The Sound of silence

Original: Simon and Garfunkel

Coverversion: Disturbed (Wunderbares Video)

Dt.: Bludgeon

Gibt ja derzeit so allerhand Branchen, Berufsgruppen und Gründe, die die alte Hippie-Hymne aktuell halten.

Hallo Nachtlicht, guter Freund

Hab grad erneut von dir geträumt

Deine Vision herein mir weht

Bei Tageslicht jedoch dann stets vergeht

Und das Weltbild einst in meinen Kopf gepflanzt, schreit und tanzt,

Doch Grabesruh im Lande

Durch diesen Traum geh ich allein,

ich könnte kotzen, möchte schrein

doch stell ich nur den Mantelkragen auf

nehm alle Lasten dann erneut in kauf

plötzlich Neon-Licht, das blendet mir den Blick

schnell zurück

bleibt doch die Grabesruh im Lande

Und in dem nackten Licht, ich sah

10 000 Mann warn plötzlich da

Lauter Menschen ohne Zeitungen

Lauter Menschen ohne Meinungen

Schreiben Songs, deren Verse niemand hört

Und keiner stört

Die dumpfe Grabesruh im Lande

„Ihr Opfer steht passiv und steif

Derweil der Krebs hier um sich greift!

Hört mir zu, ich sag euch nun

Was ansteht oder wollt ihr ruhn!“

Doch meine Worte verhallen alle ungehört

Niemand stört

die Grabesruh im Lande

Und die Leute neigen‘s Haupt

Für jede Warnung stramm ertaubt

Und ihr Neon-Gott der strahlt allein

Ich aber schleich mich wieder heim

Und der Mond sagt:

„Die Ideale, du? Das sind doch Sprüche für die U-Bahnwand.“

Ich verstand:

Deshalb die Grabesruh im Lande.

Die Mappe (2)

Noch ein Fund aus „alter Zeit“.

Und was tust du?

Wie der Hase läuft, ist dir ja bekannt

Und viel misszuversteh‘n ist da auch nicht.

Hinterrücks laufen die Mäuler heiß

Während man vor dir „nur aufrichtig“ spricht.

Also pass gut auf und schmier dich an

Denn es gibt auch für dich keine Frist

Oder was will so ein Mädchen wie duuuu tun

Wenn’s nicht einverstanden ist?

Man hat dich gar viel‘ Ideale gelehrt

Und fleißig, wie du bist,

hast du sie durchdacht und dabei gemerkt mit der Zeit

dass gar vieles nicht so ist.

Auf der Leitungsebene tränkt dir einer ein

Was von allem das Gegenteil ist

Aber was will ein Mädchen wie duuuu tun

Wenn’s nicht einverstanden ist?

Die Wut bohrt in dir, die Granaten sind scharf

Doch ist keiner da, der sie schmeißt.

Und deine Nachbarn fürchten dich:

„Das is‘ ne Irre, die zuviel weiß.“

Und manchmal brüllt dann dein Ehegespenst

Das sonst nur jammert und frisst.

Sag, was kann ein Mädchen wie duuuu tun

Wenn’s nicht einverstanden ist?

Und nun fragst du mich, ich war drauf gefasst

Und muss niedergeschlagen gesteh’n:

Auch meine Tipps beginnen nur mit

„Man könnte…“, „man müsste…“, „mal seh’n…“

Und so tröstet uns dann der Zimmermannsong

„Die Antwort, die kennt der Wind!“

Oder was können so Leute, wie wiiiiir tun

Die nicht einverstanden sind?

(Herbst 1988, Niederlausitz; ich hatte gerade die „Infidels“ von St. Bob an Land gezogen.)

Überzählig – the descent

Bob Mould „the descent“ 2012

Dt. Version: Bludgeon 2021

Das herrliche Video treibt mich gute 2 Jahre um. Hab mir die CD erst jetzt zugelegt. Weil sie jetzt in die Zeit passt. In MEINE Zeit.

Er hats gewusst

2002. Er hats gewusst.

Gibt so Umwälzungen privater Natur, die lassen plötzlich die Weltpolitik klein und hässlich „behind“.

Nix zu Kabul, da kann man eh nur Scholl-Latour nacherzählen und selbst dessen Bestseller haben nichts verhindern können.

Dann die Wahl von neulich. Halt – die war ja erst gestern!

„Steht ein Veganer in der Fleischerei, hat Hunger, aber nur totes Fleisch um sich…“

ja, plötzlich lässt sich sowas ganz kurz abhandeln.

Good Old Bob zerhämmerte mir mit „Workbook“ und „Black sheets of rain“ damals in den ganz frühen 90ern upcoming Nachwendeblues in den ersten „westdeutschen“ Dienstjahren – und nu verschönert er mir den Schluss mit diesem Hammeralbum „Silverage“. Da schließt sich ein Kreis – aufs feinste. Blow it away, Bob!

Ich lief einst los so blöd naiv für ein bissel Traum und Wunder

Anfangs warn noch Blum‘ im Haar, das würde ich heut nicht mehr woll‘n

Das Leben gab mir manche rein, jedoch ich ging nicht unter

Volksaufklärer gabs zu hauf, nur fehlte Lust Tribut zu zollen.

Ich/ glaub/te dir /dein „ach das wird schon“ damals nicht die Bohne

Jedoch sahst du, dein Gift, das wirkt‘ allmählich

Du/ bist/ nun/ auf/ und davon – und ich bin überzählig

Phrasen kamen pünktlich rein
mussten nur verkündet wer’n
ich schlug Haken Tag und Nacht
konnt‘ mich ja nicht mal beschwern

Ich/ glau/ bte/ dir/dein „das wird schon“ nichteinmal

Doch du kamst an – und das war für mich normal

du kannst es sehn in meinen Au‘ng
interpretier mein‘ grauen Bart
ich denke schon, man sieht mir an

der Marathon war ziemlich hart.

Hier/ kommt/der/Sinn, – den ich dir um die Ohren hau:

Du/ weißt/ge-/ nau – was ich mir zu sagen trau:

Meine Spanne is nu um, ich sitze hier in Ruhe rum

Hab manchen Götzen angepisst, werd‘ deshalb nicht sehr vermisst

Ich bin weg und das Salär wird schmählich

Pfeif drauf, ich bin halt überzählig.

Zeit ist um, sind andre dran, auf meine Sicht kommts nicht mehr an!

Nee, darauf kommt’s nu nich‘ mehr aaaaaannnnn!

Ich gewöhne mich allmählich –

Gottlob bin ich nu überzähliiiiiiiiiiiig.

John Prine passed away 2020

    1. „Da ist ’n Loch in Papas Arm
      Da fließt die Kohle rein
      Und wenn das Loch verstopft mal ist
      Dann nimmt er das am Bein

       

      Die Mama hat ’ne Naht
      Den ganzen Hals entlang
      Ist der Papa mal indisponiert
      Dann zittert seine Hand“

    Geschockt? Erkannt? Zugegeben: nicht ganz im Original übernommen. Zwei hab ich noch:

    1. „Guten Morgen, liebe Sorgen!

    Seit ihr auch schon alle da?

    Habt ihr auch so gut geschlafen?

    Na dann ist ja alles klar.“

    1. „Sie ist 40

    Und sie fragt sich

    War das nun schon alles,

    Was für mich vorgesehen war?“

    Leg dir das Debut von John Prine auf – und sie werden dir alle begegnen. Interzone, Jürgen von der Lippe, Udo L., – das nenn‘ ich Breitenwirkung. Tanya Tucker und Bette Midler gehören auch noch ans Schlepptau von ihm. Er starb am 7.April. Und nirgends eine Meldung.

    Deshalb ist es gut, dass es Blogger gibt, wie Hotfox. Der erinnerte neulich an ihn und machte durch die kleine Schlussnennung der Lebensjahre das Ableben bekannt.

     

    John Prine?

    Er war nie so ein großer Name wie Waylon Jennings, Johnny Cash, Willie Nelson.

    Zu wenig Suff? Zu wenig Koks? Kein Management?

    Ich weiß auch nicht, woran es liegt, dass mancher groß wird und mancher nicht.

    John Prine blieb in der Nische „ewiger Geheimtipp“, schuf Songs mit Widerhaken; wie Guy Clark, Dave Alvin, Billy Joe Shaver. Gute Gesellschaft, deucht mir.

    Ich habe mich vor geraumer Zeit bereits an einem seiner Werke vergriffen.

    Hiermit möchte ich – symbolisch und nachträglich – meine drei Hände voll Erde in seine Grube werfen.

    Some human ain’t human

    (von der fantastischen CD „Fair and Square“ 2005)

    (Dt. Version: Bludgeon)

    Manche Menschen sind keine

    Was ham die bloß im Sinn

    Schau ihnen ins Herz

    Da willst du wirklich nicht hin.

    Du siehst dort nur Abfall

    Wo Gefühl hingehört

    Und statt Gewissensentscheidung

    Wird Geld nur vermehrt

    Manche Menschen sind keine

    Aber sie atmen wie du

    Sie leben und laufen

    Und winken dir zu

    Und du lässt dich täuschen

    Und das nicht nur im Schlaf

    Sie sind die Verdiener

    Und du – Gottes Schaf.

    Geh ruhig in die Kirche

    Wo man von Fürsorge spricht

    Schau dabei deinen Nachbarn

    Genau ins Gesicht.

    Die tratschten bis eben

    Noch über dich und die deinen

    Und wollen urplötzlich

    Brav und christlich erscheinen.

    Trotzdem hast du so Phasen

    Und alles läuft gut

    Prompt kommt so ein Wichser

    Und pisst dir in den Hut

    Du genießt deine Freiheit

    Hast nen ganz guten Tag

    Da kommt’n Cowboy aus Texas

    Macht einfach Krieg im Irak.

    Ja manche Menschen sind keine

    Sie blecken’s Gebiss

    Was sie denken und tun

    Es führt zu Beschiss.

    Thanx für „Sam Stone“, für „Angel from Montgomery“, für „hello in there“ –  und all die anderen Songmonolithen, Tearjerker, and also the beasty slap in the face songs right out of the mirror too. Schlaf gut, John.

Der Schluss

(Deutsche Version eines Hippieklassikers mit mehrfachem Hollywoodruhm)

Nun, dieser Blog könnte mal wieder eine Prise Humor vertragen. Ich habe deshalb  in die große Kiste „Rockgeschichte“ gegriffen und ein weiteres berühmtes Werk eingedeutscht.

Wem das Folgende als Geschreibsel eines unglücklich verliebten Viertklässlers im Ritalinrausch erscheinen mag, der sei versichert, dass ich mich wie immer so nah wie möglich am englischsprachigen Original orientierte.

Da die Originalfassung keinerlei durchgehaltenes Versmaß erkennen ließ, tut dies die deutsche Nachdichtung ebenfalls nicht.

Der ödipale Monolog kurz vor Schluss brachte dieser feinsinnigen Ode immerhin einige akademische Wertschätzung in Form von Dissertationen zum Thema „Adoleszenz und Ödipus in der Gegenwartskultur des 20. Jahrhunderts“ ein.

Kenner kennen die berühmte Vorlage sicherlich.

Viel Spaß!

Das ist der Schluss, mit schönem Gruß

Das ist der Schluss, mein Freund Fuzz

Der Schluss all unsrer Pläne

Komplizierte und schöne

Der Schluss

 

Kein Sichern, überrumpeln

Der Schluss (ganz ohne Mumpeln)

Nie wieder durch deine Augen sehn:

Ahnst du, was das sei

So grenzenlos frei!

Rückhaltlos herbeigesehnt

Die Hand des Täters

Im Lande des Töters

 

Verirrt im römischen Schmerzenswald

Allen Kindern wird so kalt

All die Kinder hoffen: Schluss!

Warten auf den Sommer-Guss!

 

Da ist Gefahr – dort wo die Stadt begann

So fahr auf Königs Autobahn

Seltsame Szenen im Bergwerksloch

Fahr die Autobahn nach Westen, Baby.

Fahr sie doch!

 

Reite die Schlange

Reite sie lange

Zum See

Zum See

Zum See des Altertums

Lang-lang ist die Schlange

Sieben Meilen

Bleib bei der Stange

 

Er ist alt

Seine Haut ist kalt!

Im Westen ists am besten

Im Westen ists am besten

Komm her, wir werden’s testen.

 

Der blaue Bus bringt uns Stuss

Der blaue Bus bringt uns Stuss

Fahrer sag, ob das so muss!

 

Der Mörder erwacht im Morgengrauen

Er zieht sich seine Schuhe an

Er nimmt sich eine der antiken Masken

Und betritt den Flur

Er geht ins Zimmer seiner Schwester

Und sieht nach seinem Bruder

 

Und er geht wieder in den Flur

Und er kommt an eine Tür

Und er schaut rein (sic!)

 

Vater?

Ja, Sohn!

Ich will dich töten!

Mutter! Ich will dich….(unartikulierter Schrei)

 

Los komm, Baby, ohne Gruß

Los komm, jetzt kommt nur noch Stuss

Los komm, fahr hinten mit im blauen Bus

 

Das ist der Schluss, der kommen muss

Das ist der Schluss, der Überdruss

 

Der Schluss

 

Es schmerzt, dich gehen zu sehn

Aber ohne dich wird’s schön.

Hotel California

Original: Don Henley & Co; the Eagles 1976

dt. Version: Bludgeon 2020; unter dem Eindruck mehrerer Wende-Dokus anlässlich 30 Jahre leeres Land

Musik hier

Gräßlich kalt war die Straße

Wind spielt mir im Haar

Immerhin frische Landluft

Eagles-Sound in mei‘m Car

Vorn in der Entfernung

Seh ich schimmerndes Licht

Ist das das Ende des Tunnels, wo ich Ruhe find‘?

Oder ist‘s das immer noch nicht?

Ja sie stand in der Lücke

Wo gestern Mauer noch war

Und ich sprach zu mir selber:

Halt nun die Fresse jetzt, wenn nichts bleibt, wie es war!

Dann verschenkte sie Kulis

Drückt mir so Tand in die Hand

Beschämt drückt‘ ich mich an ihr vorbei

Und schmiss das Zeug an die Wand!

Willkommen hier im Hause Westeuropa!

Fühl dich frei hier drin! Wie voll die Läden sin‘!

Gib dich einfach hin!

Noch ist Platz im goldnen Westeuropa!

Noch für ein paar Jahr‘

Bald ist nichts mehr wahr!

Hier reden alle vom Umsatz

Aber schweigen vom Geiz

Salbadern: Werte und Ethik!

In Praxis kümmert’s ’n Scheiß

Sie sind Konkurrenten

Doch sie nennen sich Freund

Die einen ha’m Dividenden

Den andern bleibt noch’n Joint

Und so rief ich den Chef an

„Wie lang bleiben wir hier?“

Sehr dezent verpisst der sich:

„Das is nu nich‘ mehr mein Bier!“

Und dann sind da so Stimmen,

gar nicht weit weg:

„Willst auch du uns verlassen?

Back in den 80er Dreck?“

Willkommen hier im Hause Westeuropa!

Frag nicht nach dem Sinn! Hüte dein Kinn! Sonst langt einer hin!

Sind so helle Fenster auch bei dir da!

Feinstes Tunnellicht! Die Ränder sieht man nicht! Ist die alte Geschicht‘!

Verspiegelt die Wände

Chic, Muckibudenflair

Trimm dich, schaff dich selber

Du kamst ja freiwillig her

Willst Frust in dir besiegen

Aber wirst ihn nicht los

All die Jahre am Schieben

Letztlich wird-! Hier-! Keiner groß!

Ich erwach aus dem Alptraum

Trete raus vor die Tür

Wie find ich meinen Weg zurück?

Ja, was will ich noch hier?

„Bleib ruhig“, sagt der Gottschalk,

„S geht doch allen so.

Schwimm doch einfach mit im Strom –

Werd ein Teil dieser Show!“

Ja, ich will nicht zurück mehr

In das Parteibonzenland

In die graue Tristesse

Als die Mauer noch stand!

Doch bliebs weiterhin eng hier

Kafkas Katze und Maus

Du kannst über 7 Brücken fliehn

Keiner kommt-! hier! lebend raus!

So erzähl mir was Neues

Von der Gender-Front

Spürst noch den Frost, der dich hart macht? Hast du sonst nichts gekonnt?

Guitarrrr….

Tanz-Fee

„GYPSY“ Stevie Nicks/Fleetwood Mac 1982

dt. Version: Bludgeon 2020

Klick hier

 

Stevie 1977

Stevie Nicks 1977

Bin zurück nun in meinem Mädchen-Underground

Im alten Zimmer, dass mich mag

Raum voller Poster und Rummel-Blumen

Bin ich wieder die Tanzfee, die ich wa-har.

Die kleine Tanzmaus, die ich wa-har

Ja es kommt mir oft ein, du weißt,

dass der Blitz die Nacht zerreißt

zeigt dir grell, wer du sein willst und wer du bist

Rosen pflückst oder Nägel frisst

Lösch das Licht aus – scheuch den Driss

Seh ich die Tanzmaus, die ich wa-har

Die coole Tanzfee –  Schulhofsta-har.

Du siehst die Tanzfee

Diese Elfe verwirrt

Ihre Haltung ist Freiheit

Doch sie macht auf verirrt

Pfeif auf den Schiss jetzt

Denn sie hat keine Angst

Dreht sich um sich selbst now

Weiß, dass du verlangst.

Als ich ein Kind war

Da suchte ich Love

Doch die zärtliche Liebe

War immer somewhere above

Sie blieb ein Trugbild

Ich hab es vertanzt

Das große Verlangen

Nur in die Dielen gestanzt.

So bliebs bei der Tanzfee,

die du verlierst

Sie bleibt nur ein Traum dir

Wenn du untätig stierst

Auf ewig nur Tanzfee, die sie wa-har

Deine Tanzfeeeeee.

Immer mal wieder holt es dich ein

Mal früher, mal später

Soll wohl so sein.

Der Blitz fährt in dich

Und macht dir klar

Dass du nicht kapiert hast,

wie bereit ich für dich wa-har

stevie

Stevie Nicks 1983

Träum von der Tanzfee, die ich wa-har

deine Tanzfee, die ich wa-har.

Der Boxer

Neulich kam so’n Tipp von irgendwoher:

Ach, ich hab grad wiedermal den „Boxer“ gehört. Ist das ein schöner Song!

Kannst den mal auf deutsch machen?

Da hab ich zum erstenmal den Text gelesen. Und siehe da: Der Funke sprang über.

 

THE BOXER /Simon and Garfunkel

(dt. Version Bludgeon)

 

Ich bin ein simpler Kunde

Meine Story is schnell rum

Ich hab vergeudet, was ich hatte

Und es lief halt manches dumm

All die Lügen und die Witze

Die man gerne mehrmals hört

Haben mir mein Ziel genommen

Doch ich hab mich nie beschwert

 

Ich hörte, was ich hören wollte

fragte niemals nach dem Rest

So kam es, wie es kommen sollte

Eben Scheiße – no request!

 

Und so gings weiter dann:

 

Als ich von zu Hause fort bin

Eigentlich noch immer Kind

Hab ich nicht lange überlegt

War wie Kinder eben sind

Mir wurde Angst und Bange

In den Nächten so allein

Auf Bahnhofsbänken so auf Trebe

Doch wie kann das anders sein?

 

Und was wird noch draus –

 

Die Sprittis und die Penner

Die halfen mir ein Stück

Doch ich wollte etwas werden

Und auf keinen Fall zurück!

Also suchte ich nach Arbeit

Aber niemand nahm mich an

Nur die Huren in der Löhr*

Und so wurde ich zum Mann

 

nee, ich geb nich‘ damit an, auf keinen Fall –

 

Ich versetzte meine Winterkluft

denn ich war bald völlig down

für ein Ticket nach zu Hause

wär ich bloß nie abgehaun

 

doch die Heimfahrt wäre peinlich nun –

 

In seiner Ecke steht ein Boxer

Er ist reichlich schon lädiert

Beide Augen zugeschwolln

Er bekommt was draufgeschmiert

Er weiß, dass er verlieren wird

Er hält die Prügel aus.

Noch drei Runden bis zur 12ten

Denn dann wär der Kampf erst aus.

 

Und dann wär es daaas….

 

Mit jedem Schlag, den er kassiert

Prügelts Schicksal in ihn rein:

Da hast du‘s nun

Du dummer Hund!

Sieh: Du schaffst es nicht allein!

 

Also komm doch wieder heim, und dann isses es das…

 

Lie la lei lie la leileileileilei….

 

(Löhr = der Messe-Huren-Strich zu Ostzeiten in Leipzig, bekannt durch den Underground-Hit „Löhrstrasse“ von Folkländers Bierfiedlern ca. 1987)

©Bludgeon

Hung my Head

Zurück zur Musik:

Dieser Tage legte ich mal wieder Cash’s „American Recordings IV“ auf und da passierte es:

Jeder schleppt so seinen Mist in der Biografie mit sich und manche Songs kratzen daran.

 

 

Der verdammte Idiot

Originalversion: Sting 1996

Johnny Cash Version 2002

Bludgeons dt.Version 2020

 

Es war früh am Morgen. Ich ging aus dem Haus. Mit Brüderleins Knarre. Die borgte ich aus.

Dann saß ich allein, bei uns auf dem Hang, und unten im Tal, kam ein Reiter entlang.

Ich wollte bloß zielen und leg auf ihn an. Kimme und Korn; so wird man ein Mann!

Dann löste der Schuss sich. Sein Pferd bäumt‘ sich auf. Sein Hut flog weg – und der Reiter schlug auf.

kleingood times0065Der Schrecken erfasst mich:

Ist der jetzt tot?

Was hast du gemacht!

Du verdammter Idiot!

 

In hohem Bogen

Flog die Knarre ins Feld

Die Welt von grad‘ eben

Auf den Kopf nun gestellt!

Ich floh in den Süden. Das war nicht sehr klug. Sie kriegten mich trotzdem – und wussten genug.

Ich konnt‘ ja auch keinem das Unglück erklär’n! Ich saß nur und starrte: Was soll jetzt bloß wer’n!

Der Sherriff verhört mich

Ich sagte kein Wort

Er verlas mir die Rechte

Und dann sagt er: Mord!

 

Dann im Gerichtsaal sah der Richter mich an: „Du bist noch so jung! Mensch! Warum hast du’s getan? Diese Frau dort ist Witwe! Mit 2 Kindern allein! Du bist der Mörder!“ Ich hörte sie wein‘n.

Die Geschworenen alle, die starrten auf mich,

da begriff ich erst richtig: Es geht um dich!

Ich bat um Vergebung in meiner Not,

und hörte Mutters Verzweiflung:

„Du verdammter Idiot!“

 

Am nächsten Morgen

Noch ganz früh in der Nacht

Haben sie mich dann

Zum Galgen gebracht.

Ich sah durch die Schlinge das Morgenrot; den Acker; den Reiter – aber der ist doch tot!?!

Der ritt auch nicht weg, sondern direkt auf mich zu. Nur noch ein Weilchen, dann bin ich wie du.

Nun reiten wir beide

Ins Himmelreich ein

Seite an Seite

Es soll wohl so sein!

 

Petrus sieht meine Jugend, fragt: „Welches Gebot?“

Ich sag: „Das Fünfte.“ Er nickt: „Du verdammter Idiot!“

The house that built me

Manchmal braucht es eine reife Stimme, damit ein Text kickt. Von Miranda Lambert wäre mir der Song nicht aufgefallen, aber dann kam Tanya Tucker, die 2019 ein weitgehend autobiographisches Album veröffentlichte.

So listen, if you need a Johnny Cash american recording master in a female way.

And read the german translation, in a male version by Bludgeon. (Who else?)

Now called:

Lepsiusstr. 3

 

Ich weiß, sie sagten mir, du kannst da nicht mehr hin

Es zog mich an, ich kann gar nichts dafür

Frag mich bitte nicht nochmal nach einem Sinn

Stand eben dort zum letzten Mal vor „meiner Tür“.

 

Das Geländer ziern da immer noch die Schrammen

vom Dakota mit dem KindertomahawkklDa1

Mutter kam und schiss mich gleich zusammen

Den Gedanken nehm ich lächelnd mit ins Grab.

 

Und oben auf dem Boden links die Kammer

Die war unsre, vollgestellt mit alten Kram

Dort fand ich Kuscheltiere, in den Augen dieser Jammer

Dass ich zum Retter wurd und sie mit runternahm.

waldi 2

Waldi

 

Drei Stunden Fahrt ein Pendeln zwischen Zeiten

Es trieb mich her, die Suche nach dem Sinn

Meine Füße trugen mich in diese Straße

Zu dem Haus, indem ich wurde, der ich bin.

 

Ich dachte, wenn ich herfahr und hier klingle

Dann könnte manche alte Wunde in mir heiln

Will mich nur umschaun, will nichts haben, nur erinnern

Bitte lassen Sie mich kurz herein

 

Darf ich? Ich versprech, ich komm nie wieder.

Möcht mich ein letztes Mal im Flur im Spiegel sehn

Nach all den Auf-und-Abs wie einst endlich dort wieder

als Toka-ihto in Lederhosen stehn.

 

Ich wett, dass Sie am Ende gar nicht wissen

Wer im Garten unterm Brombeerbusch dort liegt

Da ist das Grab von Utz, dem Stubenterrier

Der wurde 16; für immer unbesiegt!

 

Das Eigenheim, das war dann‘67 fertig

Gebaut vom Vater Bier für Bier und Stein für Stein

Die Kindheit faded out, ich ward erwachsen

Und zog weit fort, es sollte wohl nicht sein.

 

Man geht weg, und stellt sich dann dem AlltagMagazin0035

Du kleechst drauf los und zweifelst oft am Sinn

Und so bleibt die immergleiche Frage:

Wann bin ich bloß geworden, der ich bin?

 

Drei Stunden Fahrt, ein Pendeln zwischen Zeiten

Es trieb mich her, hier zogs mich wieder hin

Meine Füße trugen mich in diese Straße

Zu dem Haus, indem ich wurde, der ich bin.

 

Denn Frau und Kind und Haus in fremder Gegend

Ein höchst labiles Glück für den, der nächtens flucht

Weil er traumwandelnd wiedermal erwachte,

als er nach Kerben einer alten Treppe sucht.