Every Jingelingeling every ohuo-o will shine!

Es ist früh am Morgen. In the heart of the sunrise, sozusagen. Vor dem Fenster rauscht der Berufsverkehr. Auf dem Parkplatz gegenüber warten Pendler auf die Abholung ihrer Fahrgemeinschaft.

Bin gerade dabei, meine neue Mitte zu finden und stehe wieder regelmäßig zeitig auf.

Die Jalousien sind hoch. Das Licht muss noch eine Weile anbleiben.

Aber ich muss nich’mehr los!

Wohltuend!

Worüber schreiben wir heute?

ABC-Bands.

?????

ABC-Waffen kennt jeder ältere Zausel aus dem Stand: Atomare, Biologische (Corona-Viren)Bomben, Chemikalische Giftgaserei.

Nun ja, unsere zu Dauernaivität verdammten Youngsters hätten googeln müssen.

Aber ABC-Bands?

Klar! Gibt’s auch. Waren vor einiger Zeit mal in einem ganz hübschen TV-Feature Thema.

(Weiß nich‘ mehr, welcher Sender. Denn wenn ich arte schreibe, liest keine Sau mehr weiter. So is‘ das mit dem angeblichen Bildungshunger der Masse. Brat mir einen Storch!)

Also zur Auflösung:

A wie Abba, B wie Bee Gees, C wie Carpenters.

ABC-Waffen sollten seinerzeit durch die SALT-Abrüstungsgespräche gebannt werden, da gefährlich und unnütz – und mit jenen 3 Bands verhält es sich für die Musikgeschmacks-Kardinäle des Progizismus ähnlich.

Hm.

Inwieweit bin ich da nu mit von der Partie?

Nun war ich schon Glam-Aficionado, Artrocker (neudeutsch: Proggie) Wannabee-Punk, Indie-Papst und Fusion-Goutierer. Von allem ein bisschen. Aber alles intensiv zu seiner Zeit.

Wie also halte ich es mit den ABC-Bands? Was davon kann wirklich weg?

Der klarste Fall:

Abba. Hype derzeit um dieses neue Ding aus dem Jenseits gewissermaßen. Ich glaube sicher zu sein, immun bleiben zu können. Abba ging nie! Satan weiche von mir!

Ähem. Ganz ehrlich? Mit vierzehneinhalb hatte ich „Solong“, „Honey Honey“ und „Rock me“ auf Kassette. Weil sie voll werden sollte und das Zeug eben gerade im Radio lief – (Ich war jung und brauchte eben SOUND!) – und weil Abba noch keine Plärr-Seuche war. „Solong“ hat sogar was Rauschhaftes bis heute behalten. Der Recorder war neu, ein Musikarchiv noch nicht vorhanden: Was willste machen?

Aber „Dancing Queen“, „Quicitita“ und „Fernando“ – da schüttelt sich der Gast mit Grausen. Die waren es vor allem, die mich das Weite suchen ließen. Dieses emotionslose Geplärr, unterlegt mit so Pseudo-Mugge für Tanzmausreflexe – und dann noch jeder dieser Tracks gefühlt stündlich im eigentlich noch gar nicht erfundenen „Format“-Radio. Es war schlicht nicht zum Aushalten! Abba sind die Vorstufe von LUV – und von denen gab es auch viel zu viel klanglichen Abraum im Äther. „Heh hello, ich bin der geilste Macker! He hello ich bin ein Sexy-Ding!“ (Karl Dall Version) Gepaart wurde sowas ja zumeist mit Smokie-Unfug und „WayyyyEmmSieÄj“ – dem Veitstanz des Rundfunks.

Die Bee Gees sind da schon eine ganz andere Hausnummer. Ich war auf Anhieb empört über jene TV-Reihung der ABC Bands! BoneyM hätte sich doch hier viel eher aufgedrängt. Oder das ganze Bohlen-Imperium! Aber Bee Gees?

Die haben „Odessa“ gemacht! Und „Maincourse“! Und „Here at last“! Bis 1977 waren die „bei den Guten“! „Saturday Night Fever“ wurde zwar als Disco-Film verachtet, aber die 3 Bee Gees Songs aus dem Soundtrack, die hatte doch jeder irgendwo irgendwann auf Band.

Erst ab „Trädschediiiiii!“ gingen sie mir auf die Nerven. Die Sendeanstalten hetzten sie – ab „Night fever“- zu Tode. Und ab Tradgedy klangen sie tatsächlich wie es Heinz Rudolf Kunze in den 90ern mal beschrieb:

„Die Bee Gees klingen in meinen Ohren wie Zicklein, die in der Mikrowelle ums Überleben kämpfen.“

Da hatte er noch Biss! Und es hat gestimmt! Für dieses letzte Drittel ihrer Sangeskarriere.

Aber wer hätte denn je was gegen „Massachusetts“ gehabt?! Oder gegen „Lamplights“?! Sogar die heilige Janis hat einst Bee Gees gecovert!

Bleiben die Carpenters. Viel gesendet und fast immer gescholten. Zu seicht. Zu harmlos. Ist das noch ne Band im eigentlichen Sinne oder sind das Cindy&Bert auf amerikanisch? Anfang’75 war ihre Fassung von „Please Mr. Postman“ neu und so 3 oder 4 Tage auf meiner Kassette Nr.2.

Gemeinsam mit „Only you can“ von Fox und „Convoy“ von C.W.McCall. Für den Postman wurde ich vom Nachbarsjungen ausgelacht, der ebenfalls seinen Recorder gerade zur Jugendweihe bekommen hatte. Der nahm zwar sogar noch von Mittelwelle auf, der Anfänger! Aber sein Spott machte mir doch was aus. Der Postman wurde überspielt, mit irgendwas von Slade oder Rubettes oder so. So war’n se, die Anfänge.

Jedoch so 1978 herum, mitten in meiner Phase punkigen Aufbegehren Wollens: „Calling Occupents of interplanetary craft“. Meine Fresse, war das toll! Ich hatte ja nebenher immer den Musikarchäologen in mir und mag bis heute 50er Sound sehr – und da mittendrin gab es so erste musikalische Comedy von Buchanan&Goodman, die 1958/59 ebenfalls kleine Marsmännchen landen ließen und dafür so ziemlich die gesamte frühe Rock&Roll-Prominenz in kurzen Schnipseln verhackstückten. Und nu kommen die Carpenters mit dieser herrlich ge-fake-ten Radioshow als Intro! Das MUSSTE auf band. Und nach’89 auch ins Archiv! Also kaufte ich „The Carpenters Greatest Hits“. Und da hatte ich sie nun alle – den „Postman“ und „Jambalaya“, „Ticket to ride“ und „Yesterday once more“.

Sie läuft alle Jahre wieder ein paar mal.

Kim Gordon von Sonic Youth verehrt Karen Carpenter für ihre musikalische Perfektion.

Karen ist tot. Aber wir nicht, die ihre CDs noch hören: We’ve only just begun.

8 Gedanken zu “Every Jingelingeling every ohuo-o will shine!

  1. ABBA Weltklasse, höre mich gerade durch die fast komplette Diskografie von der 75er ABBA bis The Visitors, weil ich die neue irgendwie lahm fand und mal gucken wollte wie die alten Dinger so sind. Ich würde zwar nicht so weit gehen wie Dave Grohl und sagen, dass die keinen einzigen schlechten Song geschrieben haben, aber zumindest einen ganzen Haufen gute. Ganz besonders imho in der späten Phase, als es bei denen ans Eingemachte ging. The Winner takes it all, When all is said and done, The day before you came, allesamt Weltklasse. Und auf den vorigen Scheiben hätten sie jeden zweiten Song als Single veröffentlichen können und damit einen Hit gelandet. Welche Zweitligatruppe hätte das jemals geschafft?
    Das ist Mainstream-Pop und dieser Abend mit ABBA wird ziemlich sicher ein singuläres Ereignis bleiben, weil ich normalerweise keinen Mainstream-Pop höre und wenn, dann nur aus dem obersten Regal und da kommt A als erstes und bei B vielleicht die Bangles. Natürlich sind so Dinger wie Bang-A-Boomerang in ihrer Albernheit manchmal schwer zu ertragen, aber hey, die Beatles haben Ob-La-Di-Ob-La-Da verbrochen. Das wird aber locker durch das geile 60er Jahre Saxophon-Intro von I Do I Do I Do wett gemacht. Und auch wenn mir die Dancing Queen damals schon im Radio laufend auf den Sack ging ist das schon ziemlich der Hammer was die beiden Mädels stimmlich draufhaben. Schon alleine deshalb wird es sehr wenig ABBA Coverbands geben schätze ich.

    Kreisklasse ist was anderes.

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    • Ganz ähnlich geht es mir mit den Carpenters.
      Alte Menschen und die Altermilde. Da wird in mancher Beziehung vieles wohltuend wurschd.
      Aber in Bezug auf Abba und Biermann bleibe ich bei: No surrender.
      Bei Lindenberg, Westerhagen und Heinz Rudolf Kunze schmerzt es hingegen inzwischen, zugeben zu müssen, dass man von denen mal was mochte. The Shark goes Karpfen. Sozusagen.

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