Kretschmer vs. Lanz

Diplomatischer Pragmatiker vs. Einfaches Weltbild

Kräfteverhältnis 1:3

Unfair schon in der Ausgangslage.

ÖRR.

Dieser Tage.

Tja.

Die Hinrichtung des Michael Kretschmer…

… ist nicht gelungen.

Gestern abend im ZDF: Lanz in seiner bewährten Pose des interessierten Strebers und zwei westdeutsche Damen, (Typ: verbiesterte, ältliche Lehrerin), stierten missbilligend auf den missratenen Schüler in ihrer Mitte herab und versuchten alles, ihm irgendeine Floskel zu entlocken, die man zum Anlass hätte nehmen können, ihm den finalen Strick zu drehen, um ihn der Schule zu verweisen.

Da das nicht gelang, müssen heute noch ein paar Blondinen mehr antreten und in der Nachbereitung die Sendung so verdrehen, dass der Inquisitionsvorgang nun doch noch so aussieht, als hätte Lanz gewonnen.

Kretschmer hielt Maß. Er hielt durch. Er sagte ca 45mal dasselbe. Spürte die ausgelegten Schlingen manchmal gerade noch so. Stresstest total.  Es wurden ihm immer wieder die Worte im Munde verdreht.

Er sollte doch als der kleine, falsche Putin-Lakai hingestellt werden, so wollten es die – ähem – von der anderen Seite.

Lanz glaubte das Totschlagsargument schlechthin zu haben, als er sagte:

„Sie verpulvern 11 000 Euro, um für so ein (nutzloses) Gespräch nach Moskau zu fliegen?“

Kretschmer. „Was hat 11 ooo gekostet?! Wofür wurden die aufgewendet?!“

(Um Putin in den Arsch zu kriechen – stand im Raum.)

Lanz: „Das hab ich jetzt dezidiert nicht auf dem Schirm. Aber:-“

Kretschmer: „DAS ist Populismus, was sie machen.“ (Die Damen jaulen auf und springen Lanz bei.) Kretschmer erkämpft sich das Wort. Man will seine Richtigstellung aber gar nicht hören. Unisono wird er von drei Seiten angefaucht. Trotzdem kommt zu Tage:

„Wir waren da, haben Putin getroffen, aber auch all die NGO Vertreter, die dort einen schweren Stand haben und Rückendeckung brauchten. Wir haben veranlasst, dass Navalny medizinische Hilfe bekommt… DAS hat 11 000 gekostet.“

Da schwieg dann der Chefankläger ein paar Sekündchen und überließ seinen Scherginnen das Feld, die prompt wieder von vorn anfingen.

Und so ging das eine gute Stunde.

Und heute nun diese alles verdrehende Medienkritik, die dem westdeutschen Leser sein antrainiertes Russlandbild wienert, die westdeutsche Friedenserziehung der 80er und 90er Jahre ungeschehen machen will und Kretschmer wie eine verwirrte Witzfigur dastehen lässt.

Fakten-Check:

Kretschmer ist durch seine unzähligen Aug-in-Aug Wählergespräche im letzten Sachsenwahlkampf DER regierende Politiker in ganz Deutschland mit dem meisten Kontakt zum Volk. Nicht nur zu ausgewählten Speichelleckern für‘s Pressefoto. Remember Chemnitz und den angeschlossenen Presse-Gau von damals! Er hat auch den Kontakt zu den Pöblern und CDU-Feinden nicht gescheut, zugehört und gekämpft. – Und verdient die Landtagswahlen gewonnen.

Lanz (und mutmaßlich die Presse in den nächsten Tagen) werden ihn weiter diskreditieren.

Sie beschädigen den letzten Demokraten in Sachsen, der noch in der Lage ist, Wahlen zu gewinnen.

Die SPD ist in Sachsen das Abziehbild der bayrischen. Die Grünen sind quasi nicht vorhanden.

Wenn in 2 Jahren die AfD in Sachsen gewinnen sollte – dann Danke Markus!

Du Demokratiebastion.

Hoffentlich haben dieses miese Tribunal viele Ossis gesehen, die noch DDR erlebt haben.

Lanz: „Sie waren 14 Jahre alt, als die Mauer fiel. Joachim Gauck saß hier vor ein paar Wochen auf diesem Stuhl und sagte mir:  Viele jüngere Ostdeutsche haben einen Erinnerungsabriss, was Russland betrifft.“

Kretschmer: „Und was wollen Sie jetzt damit sagen?“

Jaul-Kleff-kleff kam es wieder von allen Seiten.

Die Antwort blieb Lanz schuldig.

Es stand 3 gegen einen. Kretschmer kam blessiert davon. Viel Feind, viel Ehr.

Flashback 1978/79:

Direktor: „Sie wollen also nicht 25 Jahre zur NVA?“

Schüler: „Nein. Ich möchte studieren.“

FDJ-Sekretär der Schule (= junger Sport/Geographielehrer): „Du willst also nichts für den Schutz des Sozialismus tun?“

Schüler: „Na ich hab mich doch schon zu 3 Jahren NVA überreden lassen.“

FDJ Sekretär (augenverleiernd): „Überreden?! Da hört mans ja! Was hast du in Staatsbürgerkunde?“

Schüler: „1“

Direktor und FDJ-Sekretär wechseln einen schnellen Blick: „Na! Da müssen wir – ähm – uns aber sehr wundern. Mal sehen, ob das bis zu den Zeugnissen so bleibt.“

Schüler: „Kann ich jetzt gehen?“

Direktor: „Halten wir fest: Der Schüler Ch.K. lehnt es ab, für seine Heimat und unsere sozialistischen Errungenschaften einzustehen, obwohl er alle Voraussetzungen mitbringt, ein guter Offizier unserer Streitkräfte zu werden.“

Schüler: „Ich bin ja ooch für’n Sozialismus. Ich geh doch schon für 3 Jahre-“

Und das gefühlt monatlich. Immer und immer wieder. Die Klassenstandpunktfolter der DDR.

Mein Kumpel aus EOS-Zeiten hat das durch. Mal in unser aller Beisein, mal im 6 oder 8 Augen Gespräch im Sekretariat der Schule. Offizier wurde er nicht.

Kretschmer ging auch nicht unter.

(Klar, er hätte westdeutsch abgebrühter erst die Kläfferei abwarten können: „War das ne rhetorische Frage oder wollen Sie eine Antwort? Darf ich zwei Sätze am Stück sprechen? Wollen Sie meine Antwort überhaupt hören?“

Oder „Sie hören sich gern reden. Wo wollen Sie mit dem Redeschwall jetzt eigentlich hin? Welche ihrer vielen Fragenansätze soll ich denn nun beantworten?“

Das wär cooler gewesen. Aber wir Ossis neigen halt zum Affektsprech. Unser Fehler. Leider.)

Lanz war gestern der Direktor. Die beiden -ähem- Damen teilten sich die Rolle von Klassenlehrerin und FDJ-Sekretärin.

Das Deja vu war perfekt.

Die DDR ist wieder da. 2022. Im ZDF. Im ÖRR.

Mir graust!

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6 Gedanken zu “Kretschmer vs. Lanz

  1. Pingback: Kretschmer vs. Lanz — mit freundlicher Genehmigung des Autors! | form7

  2. Habe das leider auch gesehen… aber nicht zu Ende, da unerträglich.
    Aber er hat sich nicht drängen lassen, eines der beiden Stichworte zu benennen, das zum ‚hängt ihn höher‘ berechtigt hätte. Ich hab aber mal wieder nicht die Ost-West-Geschichte gesehen, bin da aber vllt auch n bisserl naiv.
    Wer hätte zum Jahreswechsel gedacht, wie sich das Blatt wendet und selbst die Jugend über deren Social Media mit Kriegsrhetorik und Propaganda geflutet wird.
    Habe den Herrn Lanz am Abend zuvor auch gesehen, da war eine ukrainisch-afghanische Journalistin zu Gast. Die hätte gestern gut dazugepasst… sie hat auf die Konsequenzen hingewiesen, die Afghanistan derzeit nach Jahrzehnte langem Krieg durchlebt.

    Gefällt 2 Personen

    • Tja. Bier aufmachen. Fernseher aus. Musik an und gaaaaanz vorsichtig werden, wenn man nicht zu den Deppen gehören will, die diverse Kommentarspalten füllen mit einer Siegesgewissheit, als stünden sie schon kurz vor Moskau. Nicht achtend einer Armee, deren jämmerlicher Zustand seit Guttenberg und von der Leyen oft genug beschrieben wurde.

      Gefällt 2 Personen

  3. Lanz und ähnliche Konsorten vielerlei Geschlechts in ARD, ZDF und ÖRR (von den „Privaten“ nicht zu reden)?

    Da hilft mir Gottfried Benn: „Am gefährlichsten sind die Leute mit ein bisschen Grips, die sich berufen fühlen, die Maßstäbe anzulegen. Soweit es bei ihnen langt – länger darf es bei niemanden langen.“

    Besonders schlimm sind dabei die Zuschauer, die diese Geschwätzveranstaltungen für bare Münze nehmen.

    Im Übrigen fange ich an, Dich ein ganz klein wenig zu bewundern. Rentier, die Zeit in der Lebenssanduhr wird immer weniger und sich dann mit derlei Themen versauern zu lassen, anstatt die restliche Lebenszeit mit der Schönheit von entsprechenden Menschen und Landschaften zu geniessen. Gutes Essen/Trinken mit sinnstiftenden Gesprächen, Wanderungen, Radtouren, Erkundungen in kleinen deutschen Städten – sich freuen, sich wundern, staunen, lieben und mit den eigenen Händen etwas bewerkstelligen – – –

    Gefällt 2 Personen

      • Verständlich.

        Wir haben eben auf YT 25 Minuten der – ja, wie soll ich das nun nennen, was ich nach zwei Minuten weggeschaltet hätte? – dieser versuchten medialen Hinrichtung gesehen.
        Der entscheidende Satz fiel in Minute 10:22: Lanz: „ich kann nicht folgen.“
        Ein impertinenter, ungehobelter Kerl. Und die zwei bestellten …. von ZDF (noch immer im Geiste Adenauerkohls) und DLF (dem verlängerten Arm usamerikanischer Interessen).
        Wer der schweigende Herr am Rand war? – der Schiedsrichter oder der Quotenzähler – keine Ahnung, denn in der halben Stunde schwieg er…
        Ich weiss schon, warum ich mir von solchen Formaten meine (für mich und einige meiner Herzensmenschen) kostbare Lebenszeit nicht mehr stehlen lasse.

        Gefällt 1 Person

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