15 Alben – 5 Verrisse

Musikalische Denkmäler anpinkeln, die in den eigenen Ohren einfach nicht zünden, macht richtig Spaß.

Natürlich mag im Folgenden manche Kritik überzogen sein, aber: Die folgenden 5e gefallen mir nu wirklich nicht(mehr) – und das hat Gründe.

Sea of tranquility hatte mal eine Sendung:

Bands that everone seems to love, but i don’t get it!

Die hat mir besonders gefallen, weil in all dem Promo-Gedöns der Jahrzehnte, dass „Band XY (angeblich) wieder ein epochales Meisterwerk veröffentlicht hat“, die anderen Stimmen, die das nicht so sehen, viel zu wenig auffielen. Und nun, im gereiften Alter, bist du eben auch bereit, über manche Begeisterung von einst den Kopf zu schütteln: Warum hab ich das mit 17 oder 25 gemocht? Wie naiv muss ich damals gewesen sein?

So. Welche 5e kriegen jetzt im Folgenden Dresche?

Fall Nr. 1:

„Deep Purple in Rock“

Entsetzlich. Ich bekam die kurz vor der Wende zum Aufnehmen geborgt – und verzichtete nach dem ersten Reinhören. Die Platte klang auffallend scheußlich „dünn“ im Sound. Auf die Entstehungszeit kann man das nicht schieben, denn ich hatte Hendrix, Who, Sabbath auf Band, die sich bedeutend kräftiger anhörten. Vorallem bei den Orgeleinsetzen hörte man auf der andern Box so eine Art Kratz-Echo oder Mitfitscheln, als wär’s nicht sauber ausgesteuert.purple

Ob inzwischen irgendwelche Remasterings daran was verbessert haben, weiß ich nicht. Mich hat das Werk nicht weiter interessiert, weil zusätzlich noch ein zweiter Schwachpunkt ins Ohr stach:

Wenn du „Child in time“ auf „Live in Japan“ kennengelernt hast, dann ist die Studiofassung nur noch – ÄCHZ! Was issn das für ein Schluss? Ist das deren Ernst? Dieses Abbrechen nach dem zweiten Schrei-Intervall, um dann wie einen Fremdkörper aus einem andern Song dieses Crescendo anzupappen. Da ist völlig der Flow futsch.

Und wenn dir „Child in time“ schon nicht gefällt, dann hat die Platte NICHTS, was sonst noch gehen würde. Kein memorabler Track nirgends.

Einer heißt „Halleluja“. Prompt denkst du an was Bedeutungsschwangeres a la Leonard Cohen, umrahmt von Bach-Fugen-Zitaten, die der Lord ja gekonnt hätte. Und was kriegste stattdessen: Nach dem ersten 3maligen Halleluja-Geleier wartest du unweigerlich auf die Les-Humphrey-Singers: Gleich kommt „Joshua fights the battle of Jericho-Jericho-Jericho“. (Jahre später kam mir dann noch die andere Assoziation ein, weil ich den Text verstand: Was singen die da? Einen Gildo Horn Text? Piep-piep-piep, wir ham uns alle lieb?! Halleluja!

„Speedking“, naja. Für Pubertierende mit „Fahr-Riemen“ ganz hübsch. Wenn dein Freizeitverhalten sich darin erschöpft mit dem Moped Stadtrunden zu schrubben, fühlst du dich eventuell verstanden. Aber in DIE Liga gehörte ich nie.

„In Rock“? In Garbadge!

Nebenbei eingestanden: Ich besitze 3 Deep Purple CDs, deren Kauf ich nicht bereue. Eine 4. wurde mir mal gebrannt spendiert. Also ich weiß durch aus, von denen was zu schätzen, aber die „In Rock“? Das ist der Vorläufer der auch ganz graußlichen „Stormbringer“.

Magst du weiterlesen? (Grins.)

Fall 2

Jethro Tull „Thick as a brick“

Hach, war das ein Hype damals’75. Ich war 15, als ich mit „Part 2“ in Berührung kam. So war das eben im Osten: Irgendwer hatte in einer Radiosendung eine halbe LP erwischt, in der Woche zuvor oder danach aber den anderen Teil verpasst – und trotzdem wurde nun das halbe Ding herumgereicht und kopiert und kopiert und kopiert.

tull1Eines Tages wollte nun ein Kumpel mit Hilfe meines Gerätes von geborgter Kassette jenen Part 2 auf seinem Gerät auf seine Kassette fabrizieren. Gesagt – getan. Wir starteten die Aufnahme – und dann ging das Gedudel los.

Ich kannte ein paar ihrer Radiohits. Die „Locomotive“ natürlich usw. Nun also die Übernummer, das Longwerk. Faust III. Finale Weisheiten in Rock garniert. Die Story des „Großwerkes“ war im Ost- und Westrundfunk oft genug erzählt worden. Wir hatten also bissel Hintergrundwissen – aber das erwies sich hier als störend. Es verhinderte, dass während des Hörens die eigene Phantasie andere Bilder produzierte als jene dürftige Zeitungsgeschichte. Hätte das Werk „On the Coast of Ireland“ -oder so- geheißen und statt Text so Oldfield-mäßig nur „Oooo-She-maaaa“ Vocalisen gehabt, wär’s musikalisch wahrscheinlich gegangen.

Aber die Story um jene Prämierung eines anspruchsvollen Gedichtes, das sich als Geschreibsel eines Grundschülers entpuppt, hatte nichts, was 15jährige besonders anhebt.

„Wie lange geht’n das?“

„17 Minuten.“

„Ach du lieber Gott! Fick dir ne Brück…“

Wir alberten noch ein bisschen weiter, denn spannend war das nicht, was da lief.

Christian wollte die Nummer unbedingt. Ich verzichtete.

Als Student hörte ich die Platte wieder. Bei einem andern Freund. Angespielt. Der hatte viele gute Yes-Platten. Also Abbruch.

„Mach was andres. Schade um die Zeit.“

Es mag sein, dass ich dem Werk Unrecht tue. Es mag hineinspielen, dass Mitte der 70er JEDER DEPP intus hatte: „Du musst nur Tull loben, dann darfste bei den Kennern mitreden.“ Das war mir zuviel Masse. Diese Tullerei ging mir auf den S… -enkel!

Deshalb brauchte ich nichts von denen.

Die „Stormwatch“ hatte ich mal gefühlte 3 Wochen auf Band. Aufgenommen und danach – na – vielleicht einmal angehört, aber sofort wieder gelöscht, als besseres reinkam. Und besser war ja fast alles. Mal abgesehen von BoneyM und Modern Talking. Ich kann einfach nicht mit Tull!

tull2Eventuell leg ich mir jetzt im Alter doch noch die „Heavy Horses“ zu. Die Idee dahinter gefällt mir sehr. Schade, dass es Tull sind, die auf sie kamen. Es gibt beim „Doktor und dem lieben Vieh“ eine Episode, wo Herriot zu so einem kranken Pferde-Elefanten gerufen wird und Helen mitnimmt, weil sie den Bauern aus Jugendzeiten kennt. Das Pferd ist das letzte seiner Art in der Region. Meinem Vater erging es ähnlich ende der 60er. Und ich fuhr mit auf Praxis.

Und der Anderson wollte die Gattung vor dem Aussterben bewahren. Was für eine sympathische Idee!

Aber niemand kaufte ihm Fohlen ab. Ein Trauerspiel. Die treuen, zuverlässigen Kumpels von einst…

dig

„Thick as a brick“ leitet nahtlos über zu weiteren Konzeptwerken, mit denen sich Bands musikalisch verhoben, trotzdem aber gefeiert wurden.

Platz 3 und 4

stammen von derselben Band, können hier also in einem Abwasch erledigt werden.

Es handelt sich um The Who.

Ihre Idee zur ersten „Rock-Oper“ vom mehrfach behinderten Tommy fand ich von Beginn an so überdreht, dass mich schon das kranke Konzept abstieß. Das wurde ja fleißig herumerzählt, bevor man Gelegenheit hatte, mit der Musik in Kontakt zu kommen.

„Kennste „Tommy“ von WHO? Geile Rockoper! Da geht’s umme Krüppel der blind is und reich wird…“

So in der Preislage.who1

„Pinball wizzard“ hatte ich zuvor schon in Elton John Version auf Kassette, weil um 75 herum der „Tommy-Film“ im Westen heftig beworben wurde. Am Ende des Filmausschnitts in „Kennen sie Kino“(ARD) zerdepperten die Who ihre Instrumente – das fühlte sich geil an – so lernte ich sie kennen. Die diffuse Wut der wilden Jahre muss raus!

Als ich die LP mal geborgt bekam, gefielen mir „I’m free“ und eben der „Pinball wizzard“. Das war‘s.

Das Markenzeichen der Who ist ihre rüde Ruppigkeit. Soweit ich ihr Schaffen kenne, waren die konsequenter als Motörhead: Sie kamen all die Jahre ganz ohne Balladen aus.

Ihre Songs sind eigentlich Testosteronüberschussverwertung auf wüsten Riffs und genialischem Schlagzeuggeballer, verbunden mit ironisch süßlichen Kinderlied-Refrains dazwischen, ab und an.

No Fee-a-lin‘! Aber das brachten dann doch erst die Pistols auf den Punkt.

Prima Mugge für angry young men, die sich ihrer drohenden Verspießerung bewusst werden:

„And the old Boss – is like the new boss – won’t get fooled again!“

Ich liebe die Who. Aber nicht ihre „Opern“.

„Quadrophenia“ nahm ich auf, ohne die Story zu kennen. Von Song zu Song auf der Hülle mitgelesen entschlüsselte sie sich auch nicht. Das hörte sich zunächst ganz beeindruckend an. Es fehlten aber so Hooks. Man lässt das über sich ergehen, wartend auf Höhepunkte, die nicht eintreten. Eigene Bilder vom nichtvollzogenen Amoklauf in Prora entstehen im Kopf. Nix – woran man täglich erinnert werden will.who2

Also löschte ich das Band, nicht so schnell wie die „Stormwatch“ – aber eben doch.

Dann kam Jahre später die Verfilmung ins Fernsehen. (Mit Sting.) Nun verstand ich die Story und fand sie gut. Finde ich heute noch! Aber es führte nicht dazu, mir die Musik wieder ins Haus zu holen. Wann würde ich die auflegen?

Ich feiere dann und wann die „Face Dances“, die ist mir die liebste. Und die hab ich in Edinburgh gekauft! Was für ein Urlaub! „The Who’s next“ ist toll. Der Rockpalastauftritt war’s auch. Die frühen Hits gab’s mal auf Amiga-Lizenz. Die hab ich buchstäblich durchsichtig gespielt. Deshalb sind sie mir heute zu abgelatscht. Aber irgendwie möchte doch jeder, der die Veranlagung leider nicht hat, mal ein Roger Daltrey sein, um seinem ihn ständig bevormundenden Widerpart eins in die Fresse zu hauen, wie das zwischen Daltrey und Townshend mehrfach passiert sein soll.

Freeeeee – me!

Und dem deutschen Fernsehen nehm ich schwer übel, dass sie für diese Rotzsendung „The Masked singer“ die „Who are you“ prostituierten! Wo läuft das? VoX? Pro7? RTL? Schämt euch!

(Wenn die wenigstens richtige Promis in den Kostümen hätten! Aber demnächst stecken die noch irgendeinen Kameramann vom „Frauentausch“ in ein Teddybärkostüm – und hinterher wird der als KULT gefeiert! Ich fliehe ja stets in’s andere Zimmer, aber höre durch die Tür trotzdem 43x „Who! Who! Who are you…“ – Die CD kann weg!)

Fall 5

Die völlig überschätzten Police.

Ich gestehe: Ich habe mich 1985 im Intershop mit der „Synchronicity“ schwer bekauft.

Und das, obwohl ich die Truppe immer nur so am Rande akzeptabel fand. Aber in diesem Fall ging ich dem Massenhype eben doch auf den Leim.police

1977 oder 78 sagte eines Tages Thomas Gottschalk in seiner Fernsehsendung „Scene‘77“ (oder eben’78) Eine Band an mit den Worten:

„Und hier die Cream des New Wave – The Police!“

Dann weißt du sofort: Super-Group! Muss wichtig sein!

Aber dann klapperten die ihren „So lonely“-Ska herunter und in derselben Sendung noch „Can’t stand losing you“. Kamera immer auf dem Drummer – das wirkte virtuos.

Von Stund an laberte alle Welt um mich herum The Police groß.

Thomas Gottschalk hatte in eben jenen Sendungen zuvor schon allerhand andere Geheimtipp-Nummern auftreten lassen – und die fand ich alle besser.

Iggy Pop mit „Sweet sixteen“, Magazine „Shot by both sides“, Ultravox (noch als Punks) mit „Young savage“ … und nu soll „can‘t stand-can‘t stand-can’t stand losing you“ fetzen?! Hm.

Dann kamen Hit auf Hit. Die Fahne-Zeit verging. Das Studium neigte sich dem Ende zu. Police blieben angesagt. Und immer war es dieses Ska-Geklapper. Und diese Mecker-Stimme knapp vor Unerträglich. Schließlich schaffte Christian die „Zenyatta Mondatta“ heran und ich nahm sie tatsächlich auf.

Als schließlich Keks im Leipziger „Schmittchen“ auftraten, 1982/83 die einzige wirkliche Punkband im Osten, uns mit „pretty vakant“ und „my way“ astrein die Pistols in die Zone holten und gleich danach und davor Police-Songs einstreuten, da glaubte ich fest, dass etwas mit mir nicht stimmt: Wenn sogar DIE Police berücksichtigen, dann müssen die gut sein! Hör dir die schön! Der Groschen der Erkenntnis muss fallen!

Police schienen es mir leicht machen zu wollen: „Every breath you take“, „King of pain“ und „wrapped around your finger“ fand ich – anders als ihre Hitschablone zuvor. Besser?

Alle 3 waren auf der B-Seite der „Synchronicity“. Und die hing im Shop.

Ich dachte, ich mach‘s richtig. 21.50 West kostete die damals. Ich trug sie heim und legte sie auf. Die A-Seite. Und mit jeder Umdrehung wuchs mir der Wut-Iro von ganz alleine! Was hab ich mir da andrehen lassen! Das klang wie Geniale Dilettanten auf Englisch. Hatte da Sting die andern beiden gezwungen „Songs“ zu schreiben, oder wollten die das selber? Da versuchten Stümper Jazz! Eine ganze Plattenseite Gnülpf-Mugge für die Tonne!

Auf „Sea of Tranquility“ erzählt einer der zugeschalteten Gäste einmal:

Ich freute mich auf das Debut von Asia. Was für ein Line up! Du hast da Leute von Crimson, Yes und ELP! Was muss das für Musik werden! — Und die Essenz ist dann: „Heat of the Moment“? Definitiv nicht! Als die A-Seite abgelaufen war, flog die Platte durch den Raum und wurde nie wieder angehört!“

Ich war nach dem Anhören der A-Seite der „Synchronisity“ auch kurz davor. Aber das teure Westgeld! Ich beherrschte mich knapp.

Ich löschte aber allsbald die „Zenyatta mondatta“. Mit denen wollte ich nie wieder zu tun haben!

hallandoatesEin Jahr stand die Platte im Regal und brannte! Ein Schandmal! Dann endlich ergab sich die Chance, sie einzutauschen. Gottseidank gab es ja so viele Police-Fans!

Ich bekam die „Bigger than both of us“ von Hall and Oates dafür und war damit mehr als glücklich.

Die wurde später auf CD nachgekauft. Jedesmal, wenn ich sie auflege, erscheint für einen kurzen Augenblick das Cover der „Synchronisity“ vor meinem inneren Auge – und ich grinse erlöst und verneige mich dankbar vor Hall and Oates, von denen hier 5 Alben stehen, für die Errettung.

Ende gut – alles gut.

17 Gedanken zu “15 Alben – 5 Verrisse

  1. Wieder sehr unterhaltsam geschrieben. Ich bin schon gespannt auf die nächsten (und letzten) fünf. Meine ältesten CDs in meiner Sammlung erzählen mir auch Geschichten und daher lese ich auch gern Geschichten anderer, wie sie zu den Alben gekommen sind.

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  2. Ich finde „Every Breath You Take“ musikalisch und Inhaltlich ein schöner Song. Auf „Synchronicity“ gibts halt auch so eingeölter Gewissenstrost wie „Walking In Your Footsteps, wo Sting darüber sinniert, was wohl die Dinosaurier der nächsten vom Aussterben bedrohten Spezies mit auf den Weg geben würden: „If we explode the atom bomb would they say that we were dumb?“

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    • Nunja. Eigentlich ne schöne Idee. Aber seit ghost in the machine hatte sich die Band satt. Und nun suchten sie in dieser mieslichen Situation einen Ausweg aus der musikalischen Sackgasse.
      Das konnte nichts werden. Man akzeptiert – um des lieben Friedens willen – Zeug, was nichts taugt, aber man will Streit vermeiden. Die A-Seite taugt nichts. Es war die letzte Police LP. Mich wunderts nicht.

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  3. Von Deep Purple ist mir ausser einigen frühen Hits wie „Black Night“ oder „Into the Fire“ nur ihr 1969er Album „Deep Purple“ geblieben. Das Donovan Cover „Lalena“ oder „April“ bleiben gültig.

    Bei Tull: teilweise Zustimmung. „Thick as a Brick“ einmal hören und wieder vergessen. Bei „Stormwatch“ waren Tull für mich eigentlich schon wieder ein erledigter Fall, was Neuerscheinungen betraf. „Warm Sporran“ von Stormwatch bleibt auf dem grossen Mix.

    Dann kamen jedoch „Songs from the Wood“ und „Heavy Horses“ – und die werden bleiben. Von den 80ern höre ich noch immer und ziemlich häufig „Budapest“ vom 87er „Crest of a Knave“. Das 2005er Konzert in Quito hat mir Tull wieder etwas näher gebracht. Und die aktuelle Scheibe „The Zealot Gene“ passt so dermassen in die Jetztzeit, dass ich mich aufs kommende Wochenende freue, da spielen Tull im Amt Creutzberg.

    The Who halte ich – wie überhaupt so viele Artisten und Bands – für ziemlich überschätzt. Was „Tommy“ und „Quadrophenia“ betrifft, so sehe ich mir alle paar Jahre die Filme gerne an. Die ganz frühen Hits „Happy Jack“ oder „I´m a Boy“ behalten ihren Wert für mich.

    Police? Ich kannte Andy Summers von Eric Burdon her und Stewart Copeland von Curved Air. Die ersten beiden Alben schlugen bei mir ein. Passten in die Zeit und mein Lebensgefühl. Dann folgten die Wiederholungsalben.

    Es wäre überhaupt interessant, dem Gedanken nachzugehen, wie sich Bands bzw. deren Alben in unserem Innenleben entwickeln, wenn wir sie mit ihrer ersten Scheibe kennengelernt haben. Das war bei mir z.B. mit den Who, Tull und Police zu. Irgendwann trat immer eine gewisse Sättigung ein.

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    • Deep Purple: April mag ich sehr, den Rest der Platte nicht. Die “Book of Taliesyn“ ist für mich die interessantere. Die hat keine Brüche zwischen Gelungen/Misslungen und herrliche Anmutungen an Meek und an so Shadows-Dudel.

      Police, das Altersouting. Das war ein Schock, als mal beiläufig erwähnt wurde, das Copeland und der andere gar keine Jungspunde frisch vom Arbeitsamt sind, sondern getarnte Althippies.

      The Who überschätzt: Überschätzt werden doch alle unsere Musikpäpste eigentlich. Sobald man “dahinter guckt“, bleibt in Sachen Lebenswandel und Niveau nicht allzuviel übrig.
      Eine Bande von Rüpeln, die ihre Pubertät in die Länge ziehen und ihr Vermehrungsdurcheinander in erstrebenswertes Patchwork umlügen.
      Aber sie ham uns jahrzehntelang gut unterhalten und hie und da das Rückenmark gestärkt, sodass an ihren Songs nun reichlich eigene Erinnerungen kleben.
      So bleibt das meiste trotz allem wertvoll.

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      • „Dahinter gucken“ sollten ArnoSchmidtLeser ohnehin besser nicht 😉

        Aber es stimmt schon, wer uns in der richtigen Stimmung / Situation mit seiner Musik gepackt hat, dem bleiben dann auch irgendwie treu. Zumindest diesem Musikstück…

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      • Oh doch! Das Dahintergucken zeigt doch, weshalb einer schreibt, wie er schreibt. Einheit von Autor und Werk.
        Wird einem in der Schule zwar ausgetrieben, das so zu sehen. Ich halte das für grundfalsch. Man muss Goethes Charakterlosigkeit kennen um sein Werk richtig einordnen zu können. Und dasselbe ist es mit Jagger, Lennon, Bowie, Burdon…
        Mit richtig einordnen meine ich nicht “schreddern“, sondern “erden“, nach dem Motto: Er war eben auch nur einer von uns. Kein Dichterfürst ohne Fehl und Tadel. Kein Genie, sonst hätte er merken müssen, dass…

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      • Du triffst es haarscharf – nur das die Vorzeichen verkehrt sind. Goethe war ein großer Geist, ein großer Charakter, aber seine im engeren Sinne „technischen“ Fähigkeiten als Autor waren begrenzt. Eigentlich konnte er nur Lyrik. In diesem Sinne hat ihn Spielhagen „geerdet“ und gleichzeitig verehrt.

        Jagger ist ein moderner Spielhagen. Er weiß alles, kann alles (Frage in die Runde: gibt es noch einen zweiten prominenten Mundharmonikaspieler?), auf einigen Studioaufnahmen soll er sogar am Schlagzeug gesessen habe. Und trotzdem wusste er immer, was ihm fehlt und verehrte die schwarzen Bluesgrößen und achtete Keith und Charlie Watts…

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      • Goethe großer Charakter?
        Nö. Ich weiß zuviele Schlappschwänzigkeiten, Lumpereien, und zunehmende Starallürengeschichten von ihm. Ein widerlicher Höfling, der dichten konnte.
        Kennst du die Jagger Watts Episode, wo Jagger “seinen “ Drummer herzitieren lässt, Watts erscheint, haut ihm eine in die Fresse: “ Dein Drummer ist da.“ Keith lacht – und seit dem achtete Jagger Watts eventuell wirklich.

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  4. Interessanter Text. Die Synchronicity habe ich mir 1984 auch im „Shop“ geholt. Nachhaltig (wie man heute sagt) „gepackt“ hatte mich „King of pain“, ansonsten fand ich die Scheibe in großen Teilen auch eher befremdlich. Später war ich zweimal bei Sting solo, fand ich ganz ok, ich bin aber auch live leicht zu überrumpeln. 🙂
    Witzig, dass ich nun gerade heute Stewart Copeland mit einem Sinfonieorchester sehen und hören werde, Titel der Veranstaltung: „Police deranged“. Bisschen gespannt bin ich nun schon.

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  5. Nun ja… :

    Deep Purple in Rock – klar – Live sind viel Stücke besser als die Studio, aber soo schlecht ist die Scheibe nicht – und von Stormbringer mag ich nur das Titelstück 🙂

    Jethro Tull – besagte Scheibe ist nicht mein Fall und Heavy Horses war gut, gebraucht mal erstanden und noch immer ab und an hörenswert…

    The Who – damit habe ich mich immer schwer getan, auch wenn man in den 70gern an Tommy nicht vorbei kam – heute Joyn together oder wont get fooled again…

    Police – die Kritik kann ich nicht nachvollziehen – und überschätzt sehe ich sie auch nicht – Sting war und ist einfach genial und mit der Vorgängerscheibe „Ghost in the machine“ hatte ich mehr Probleme – die klingt heute immer noch unrund

    Synchronicity ist für mich mit eine der besten Scheiben aber über Musikgeschmack können wir ja trefflich streiten

    Vor Jahren habe ich einen Bericht gelesen über jemand, der nur die Stones gelten ließ, die Beatles unsäglich fand und die Police auch als Fehlgriff in der Musikentwicklung fand…

    Alle drei vom Trio für sich sind gute Musiker, Sting ist einfach der Wahnsinn, auch heute noch, Copeland als Songschreiber..na ja und Andy Summers?

    Der Rolling Stone listete Summers 2011 auf Rang 85 der 100 besten Gitarristen aller Zeiten…
    Aber solo? Nee

    Spazieren wir also weiter auf dem Mond, stehen uns nicht so nahe, werfen eine Botschaft in der Flasche los und trauern Roxanne nach…

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    • Ja isses halt mit den Geschmäkern. Wat dem ehnen sin Uhl is den annern sin Nachtigall.
      Sting hat in meinen Ohren eine scheußliche Stimme, also “geht grad noch so“. Der Typ von RUSH ist schlimmer.
      Bei Police “ruft“ er statt zu singen. Er brüllt aber auch nie. Also mir fehlen da Emotionen. Solo moduliert er mehr und deshalb klingt er auf den Solowerken auch deutlich besser. Wenngleich die Stimmlage natürlich unverändert ärmlich bleibt.
      Andere “Nichtsänger“ wie Rod Stewart oder Noddy Holder sind ihm da voraus.
      Die Synchronicity hat gemeinerweise auf der B seite die besten Policestücke zu bieten. Da fängt er bereits an, zu “singen“.

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