ELVIS – seine 5 besten Alben

Eine Nachwehe des Films und meines Sea of Tranquility-Konsums: Wenn eh kein Gesprächspartner für sowas da ist, erzählste dir selber halt runter, welche 5 CDs die deiner Meinung nach besten Alben des Kings sind. Denn die „Sargreiter von Memphis“ stiegen am 17. August 1977 (Ja-ja, Elvis starb am 16. ; ich meine bewusst den Tag danach) auf das Möbel, um nie wieder abzusteigen. Es gibt mehr Alben vom King als von Zappa – und das will NE MENGE heißen!

ELVIS ist mein längstes und konstantestes Fantum; also stehen hier bissel mehr als 20 CDs. Ich brauche nicht jeden Pubs von ihm, aber eben doch so einiges.

Welche 5 sind die – die IMMER laufen, wenn mir mal wieder nach King-Verehrung ist?

Platz 5:

„Moody Blue“; seine letzte, meine erste von ihm. Mit „Moody Blue“, ca. 14 Tage VOR seinem Tod im Radio gehört und aufgenommen, fing alles an. Wolfgang Tilgners „Elvis“-Biografie gelesen. Über vieles dort gestaunt, das Buch gemocht, bis auf den einen Satz:

„Die „Moody Blue“ – das Zerrbild einer Platte!“

Ja, man kann sagen: Er hatte den Titelsong und „Way down“; mehr nicht. Mit Müh und Not nahm man noch zwei Oldie-Coverversionen von „Pledging my Love“ und „He’ll have to go“ dazu, dann war erstmal wieder Erschöpfung angesagt. Und so wurden wieder mal ein Paar Liveaufnahmen zusammen geschnipselt, damit es auf eine LP, von Colonel Parker‘scher Kürze reicht.

Aber das Gesamtergebnis kann sich DOCH hören lassen! Inzwischen sind wesentlich erschöpftere Songkadaver veröffentlicht worden, als das, was auf „Moody Blue“ zu hören ist. Wenn man’s nicht erzählt bekommt, hört man nicht, dass hier ein totkranker 3 Zentnermann mit der Atmung kämpft. Die LP beginnt mit jener Live-Version von „Unchained Melody“, die auf youtube auch zu sehen ist. Wenn du das siehst, hältst du automatisch die Daumen, dass er es noch durch die Nummer schafft, so fertig und am Ende wirkt er da. Hast du die Bilder nicht im Kopf, geht das alles bombastisch und gesund gut durch!

In den Nullerjahren kam irgendein Idiot auf die Idee, „Moody Blue“ mit der Vorgängerplatte „from Elvis Presley Boulevard“ zu koppeln. Und obwohl kein Song zuviel war, für die Spielzeit der CD, ließ man „Let me be there“ weg; dummerweise, der rockigste auf „Moody Blue“; allerdings schon 1974 recorded und auf der 74er „Live in Memphis“ bereits zu haben.

Nun ist aber die „Elvis …Boulevard“, die man für jene Weglassung bekommt, eine trostlos miese Session gewesen. Die braucht nun wirklich kein Schwein. (Höchstens „The last farewell“, als Kuriosität: Der King covert Whittaker!) So ist das verlängerte Machwerk bei weitem nicht das Geld wert, was man für die kürzere Originalversion der guten „Moody Blue“ LP/CD (including „Let me be there“) bezahlen würde. Also Warnung! Die 10 Track Variante ist die richtige!

Platz 4

„Command Performances – the essential 60s Masters II“; ein Doppeldecker mit den 62 besten Songs aus seinen 32 Filmen. Ja-ja, die Filme; B-Movies allesamt, taugen „alle“ nichts; weiß irgendwie jeder.

  1. Einer taugt doch eine ganze Menge: „Flaming Star“; sein Western; Elvis als Halbblut im Indianerkrieg der weißen Siedler zwischen allen Stühlen. Gucken und staunen. Und brandaktuell zur Zeit eigentlich auch. Wohin mit dir, wenn du in der eigenen Familie Vertreter beider Seiten eines blutigen Konfliktes hast? Und wenn in aller Welt plötzlich alle immer nur den andern/bösen Teil in dir sehen wollen. Hab ich mit 17 mal im Fernsehen gesehen – und DER hat mich „gekriegt“!
  2. Nachdem eine dicke RCA Kiste „Elvis in the 60s“ entstanden war, die die Filme komplett umging, gab es Fanprotest, deshalb die „Command Performences“ als Nachbesserung. Der Kompilator hat ganze Arbeit geleistet. Er hat (fast) alle Nuggets gefunden und wirklich den vielen Mist, der auf den „Oridschinell Moschnpikdschorr Sounddrecks“ für Ohrenkrebs sorgt, weggelassen. Mit einer Ausnahme: Ich hass‘ nun mal „Wooden heart“ und „shopping around“ wäre auch verzichtbar; dafür fehlt die herrliche „Whistling tune“. Tja. Bissel Schwund is‘ immer. Aber dafür kann man hier „Fun in Acapulco“ und „Bossa Nova Baby“ genießen, ohne dass hinterher gleich wieder so Zeug wie „Guadalajara“ oder „Yoga is and Yoga does“ kommen würde. Und –
  3. befindet sich hier auch die Originalversion seines späten Club-Dance-Hits „a little less Conversation“ drauf, und auch das gesuchte „clean up your own backyard“, das schon klingt, wie die späteren Vegas-Bombast-Nummern.

Platz 3

„Elvis – on stage“ (February 1970)

Hier hat die Las Vegas Performance noch Saft und Kraft; „Polk Salad Annie“ erschließt sich vor allem auf dieser Platte; man ahnt, warum die Nummer IMMER mit dabei war. Hier gibt’s ne herrliche Fassung von Del Shannons „Runaway“ mit James Burton an der Gitarre, der früher mal dem smarten Ricky-Nelson-Sound Biss verlieh.

„Die Mädels wollten Ricky wegen Ricky; die Jungs waren da wegen Burtons Guitarrrr! Deshalb wollte ich ihn jetzt in meiner Crew.“(Elvis)

CCRs „Proud Mary“ – ich brauch das in Elvis-Fassung; CCR sind eigentlich super, aber soooo totgedudelt; da muss der King ran!

„Walk a mile in my shoes“ – yeahr; perfekter Text …

…überhaupt gibt’s hier keinen abgelatschten Rock and Roll, sondern lauter gesuchtes Zeug.

Bonus-Track: „Kentucky Rain“ – DEM Song bin ich eh verfallen! Diese Art Arrangement hat ewig diesen Samstagabend-Wohlfühl-Touch: Schaubude gucken, Carrell-Show; Lottozahlen, Wort zum Sonntag, Don Lurio-Show – oder Western; früh70er Westifizierung eben … andererseits seh ich da heute im Geiste die Wolkenbrüche über Naumburg niedergehen – so oft bis über die Knöchel im Wasser auf dem Nachhauseweg, wenn mich die Regenwand mal wieder überraschte und Sturzbäche vom Buchholz in Richtung Stadt flossen.

Inzwischen scheint es in Sachsen-Anhalt gar nicht mehr regnen zu wollen.

(Wovon schreibt der alte Mann da?)

Platz 2

„Elvis at Stax“ – erst 2013 zusammengesucht; eigentlich 40 Jahre zuvor verteilt über zig Alben und vermischt mit lauter Allerweltsaufnahmen sind die Stax-Stücke IMMER die besseren. Die Stax-Studios waren spätestens nach dem Film- und Soundtrack-Erfolg „Shaft“ eine Nummer. Elvis wollte da hin, er wollte diese Art Backing Chor, diese Shuffle-Gitarren, dieses irgendwie typische Isaac-Hayes-Feeling. Wieder schwarz klingen! Die Referenz-Nummern hier sind „Raised on Rock“ und „Good time Charlie got the Blues“. Aber Clou und Zufalls-Hit 1973 wurde „Promised Land“, eine alte Chuck Berry Nummer, die die Typen am Mischpult hier druckvoll und warm klingen lassen, so, als müsse gleich „go your own way“ von Fleetwood Mac folgen. Aber das entstand ja erst 3 Jahre später. Da hat der alte Hexer doch glatt den California-Sound vorweggenommen!

Seit 2013 endlich alle vereint auf einer! Man muss sich wundern, dass diese Idee 40 Jahre gebraucht hat, um zu reifen.

Platz 1

Natürlich „From Elvis in Memphis“, gerne auch als verlängerter Doppeldecker „The Memphis-Sessions“; dann hat man nämlich auch „Suspicious minds“, „(Don’t you worry darling) I’ll be there“ und „Kentucky Rain“ dabei.

Die muss ja auf Platz 1, weil an der kein Weg vorbeiführt, wenn man über Elvis spricht. Das war die „In the Ghetto“LP von 1969 gleich nach dem Comeback-Special im NBC-TV. Songauswahl aller erste Sahne. Nur Killer. Keine Filler. Elvis in Topform. Arrangements in maßvollem Bombast, der noch Luft lässt. Vom feinsten. Zeitlos. Setzt keinen Staub an. Remastering not needed usw.

Meine ewigen Favoriten hier sind „Only the strong survive“ und „long black Limousine“.

Soweit der momentane Stand.

So. Nun könnte man fragen: Und wo sind bei dir seine Grammy prämierten Gospels, oder die herrliche „Elvis Country“ mit jener genial verjazzifizierten Fassung von „Whole lotta shakin‘ goin‘ on“ zu verorten? Auch unter den ersten 10; aber ich wollte es diesmal auf 5 begrenzen. Und die letztere hab ich vor ein paar Jahren bissel überstrapaziert, so dass sie sich derzeit im Regal ein Zeitchen verschnaufen darf.

Und wieso fehlt der gesamte frühe Elvis?

Die Rock and Roller sind mir sämtlich zu abgedroschen. „I’m all shook up“ mag noch gehen. Ein paar Songdiamanten ragen zwar noch heraus: „Old shep“, „First in line“ – und vor allem „Blue Moon“; aber die ergeben keine LP.

14 Gedanken zu “ELVIS – seine 5 besten Alben

  1. Eine gute Wahl; „From Elvis in Memphis“ ist ein schönes Album mit ein paar bekannten Klassiker drauf. Aber ich möchte noch die ersten Aufnahmen für Sun Records in Memphis erwähnen. Auch die RCA-Aufnahmen von Elvis finde ich zum Teil gut, vorallem „Heartbreak Hotel“ und „Don’t Be Cruel“, sowie die selbstironische und sehr charmante Verarschung von „Are You Lonesome Tonight?“ auf „Having Fun With Elvis On Stage“.

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    • Stichwort „Verarsche“, da gab es von Peter Skellern mindestens zweie: „Heartbreak Hotel“ (rippin’my Jeans) und ebenfalls „lonesome tonight“. irgendwie unauftreibbar heutzutage.

      Das Sun-Zeug hab ich über. Ja – historisch wertvoll, aber eben nur noch in kleinen Dosen zwischen Buddy Holly und Fankie Lymon und Platters und Conway Twiddy -usw. usf.- genießbar.

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  2. Denk ich an Elvis fallen mir die alten Sun Aufnahmen ein. Dann weitgehend unsägliche Filme, der militärische Aufenthalt hier in der Nähe und danach hat man ihn zur Las Vegas Marionette gemacht. Den usamerikanischen Traum verkaufen.

    Denk ich an Elvis, lass ich Hämmerle Elvis singen. Die Scheibe von Dr. Ammond, der Elvis auf latein singt habe ich noch immer nicht gefunden…

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  3. Elvis, ja, meine erste Single noch zu seinen Lebzeiten war sinnigerweise Way down…
    Mir gefällt vieles, nicht alles, aber was mich in Presse und Netz stört, dass er überwiegend nur in jungen, schlanken Jahren gezeigt wird, so als es nicht zeigbar wäre, wie er später und zum Schluss ausgesehen hat.
    Aber er war und ist der King!

    Elvis has left the building…🎸

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    • Nun ja. Elvis war in jungen Jahren ein Adonis. Da kommt die aus dem Leimgeherei nicht gut an.
      Ich erinnere mich an einen Artikel im Stern von ca 1975 oder 76, jedenfalls noch zu Lebzeiten des King, geschrieben von Nik Cohn. Ob nun der Übersetzer oder Cohn selber auf die Idee kamen, der Artikel hieß jedenfalls „Der Fette aus Dingsda“ (In Anlehnung an die Operette „Der Vetter aus Dingsda“, deshalb mein Zweifel, ob die Cohn kannte) und beklagte das immergleiche Las Vegas Schema und die sinkende Form.
      Die Bilder zeigten ihn beleibt, aber eben noch halbwegs „in Form gehungert“.
      1978 zum ersten Todestag veröffentlichte die „Wochenpost“ den sehr informativen Artikel „Die Sargreiter von Memphis“, wo die Geschäftemacherei mit Nachlass-Aufnahmen und Memory-Songs kritisiert wurde. (Fand ich überhaupt nicht! Mir gefielen einige dieser „I remember Elvis Presley“-Hymnen. Man höre „From Graceland to the promised Land“ von Merle Haggard! Oder Phil Lynott „I can hear the King call!“)
      Jedoch waren obendrüber 4 oder 5 Elvis-Portraits im Wandel der Zeiten abgebildet. Das letzte davon, stammte vermutlich wirklich von 77, denn es zeigte ihn so, wie bei „Unchained melody“ auf youtube. Und da bin ich erschrocken! So außer Form hatte ich ihn mir nun auch nicht vorstellen können.

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    • Hm. Gerade nochmal geguckt und tatsächlich: Hätte ich gerade mit der „Elvis in Nashville“ verwechselt. Die gibts nu auch als 6er Box. Hach, naja, mal reinhören. Ich hab ihn 4x live aus den 70ern.
      Gemeinerweise 70/71 und 2x 74. Und nu kommen die mit 72. Oaaach, also wegen ein paar gesprochenen Witzchen und „burning love“ live – also ich weiß nicht..
      Bin auch mit der 74er „live in Memphis“ sehr zufrieden: Früher war das ein Konzertrudiment. Nur eine LP. Nu isses ne proppevolle CD, weil die weggekürzten Songs ergänzt wurden; also quasi DLP; da isser auch sehr locker drauf und remastert isses auch.

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