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…die Barrikaden sind leergefegt…(T.Danz)

Silly-Saga (V; und Schluss)

 

1. Wendewirrwarr

Fast 5 Jahre zwischen „Februar“ und „Hurensöhne“

5 Jahre, die die Welt… in Taumel versetzten…; in Deutschland, in Russland, auf dem Balkan und am Persischen Golf.

Die frühen 90er sind in Ostelbien die Jahre, die viele als Befreiung, als Lebenshöhepunkt empfanden. Berufsmusiker der DDR jedoch nicht. Sie hatten allen Grund, in jener Zeit mit dem Schicksal zu hadern:

Im Herbst’89 sorgte abgesehen von den Leipziger Ereignissen vor allem ein Aufruf der Rockmusiker für Aufsehen, für Zivilcourage und somit für mehr politischen Druck:

Kritik am miesen Krisenmanagement nach der Grenzöffnung in Ungarn, Forderung nach Erneuerung durch Verjüngung der Machtzentrale Politbüro, her mit Glasnost und weg mit dem Demonstrationsverbot.

City, Silly, Pankow brüteten den aus und verlasen ihn vor ihren Konzerten.

Herolde – oder Zauberlehrlinge der Revolution? Zunächst ging noch alles in ihrem Sinne:

Die Stasi drohte mit Entzug der Spielerlaubnis.

Zahlreiche andere Musiker unterschrieben in wenigen Tagen. Schauspieler und Regisseure schlossen sich an.

Würde sich wiederholen, was 1976 mit den Unterzeichnern der Biermannresolution geschehen war?

Statt Einschüchterung und Mundtotmachung erlebte die staunende Republik den 04.11.1989!

Eine geschätzte halbe Million Leute sprach sich auf dem Alex selbst Mut zu…

5 Tage später war alles anders: Schabowski/Mauerfall/Begrüßungsgeld/… der bekannte Ablauf. (Goethe zum zweiten. „Wehe! Wehe! Beide Teile steh’n als Knechte völlig fertig in die Höhe!/Helft mir ach ihr hohen Mächte!“ Der aktivierte Menschenschwall schwappte nun in ungeplante Richtung und niemand konnte es abstellen.)

Deshalb Aufruf Nr.2 „Für unser Land“: Unter den Unterzeichnern nach wenigen Tagen fast die ganze DDR-Prominenz. Ein verzweifelter Versuch des Gegensteuerns, als „Wir sind das Volk!“ zu „Wir sind ein Volk!“ wurde. Das „Fenster, das (am 4.11.) in Deutschland aufgestoßen worden war“(Heym), flog krachend wieder zu und ging in Scherben. So dachte auch ich damals. Unterschrieben habe ich den Aufruf nicht. Die privilegierten prominenten Erstunterzeichner mussten sich vorwerfen lassen, selbst reisen gedurft- und Vorteile genossen zu haben, die sie der Masse nun ausreden wollten. Diese hatte eben erst Begrüßungsgeld geholt und die Auslagen Westberlins gesehen. Am 3 oder 4. Tag des Aufrufes unterschrieben Krenz und Schabowski – damit war die Aktion endgültig korrumpiert.

Somit waren die Fackelträger des Aufruhrs die Dummen. Die Revolution fraß ihre Kinder auch diesmal wieder. Zuerst und offensichtlich die Bürgerrechtler. Fernab von der Öffentlichkeit aber auch die Musiker. Für sie begann eine Durststrecke ohne Publikum, während alle anderen damit beschäftigt waren, Nachholkäufe zu tätigen, Anschluss an zeitgemäße Motorisierung zu finden, unbekannte Weltteile zu erschließen, gingen hochqualifizierte, diplomierten Berufsmusiker Klinkenputzen für die ganz-ganz miesen Jobs. Warum?

Auf den Straßen verrotteten die Trabis, dazwischen in Pappkartons Amiga-Platten aller Art.

Geschichtsloses Volk entsorgte seine Vergangenheit.

Konzertveranstalter, die Gastwirte der Kultkneipen, sagten Konzerttermine ab. Sie wussten, dass ihr Klientel jetzt anderswo beschäftigt war:

„Nie wieder Kremlrock! Von nun an nur noch Schdohns un’ Udo! Na gut … und Renft, falls die s’ch widdor zusamm’raufen sollten; sin’ja Helden.“renft-90

 

Es schien, als habe man statt der Folterknechte von Hohenschönhausen und Schwedt(Militärgefängnis) ausgerechnet die Musiker der Auslöschung preis gegeben.

Das Wasser stand ihnen bis zum Hals und darüber:

Schlagersänger, Popsternchen, Rockmusiker, – bisher im TV und auf den Live-Bühnen der Pressefeste der Republik zu Hause- fanden sich plötzlich wieder, als Kioskbetreiber oder sogar nur –aushilfe, als Anpreiser von Autoreinigungsmitteln auf Parkplätzen, als Fensterputzer…

…während zu Hause noch der DX7 oder die Gibson Les Paul vor sich hinstaubten, die man in den 80ern zu Schwarzmarktpreisen um die 20 000 Ostmark per Kredit (zusammengeborgt bei Freund und Feind) gekauft hatte; …. Die wollten alle noch ihr Geld!

Mancher wählte den Selbstmord, weil er diesen Absturz aus dem trügerisch privilegierten Künstlerhimmel nicht ertrug.

Andere gaben später zu, mit dem Gedanken durchaus umgegangen zu sein

(„Du hast jetzt einen von 3 Auftritten in diesem Jahr – du fährst 300km zum Veranstaltungsort – dort erwartet dich Halbplayback – allein auf der Bühne – wo früher eine Band hinter dir stand. Du bekommst 500 DM – bist 35 Jahre alt – kannst deine Familie nicht mehr ernähren … fahr da vorn vor den Brückenpfeiler… Tempo 130 dürfte reichen und Ruhe is’.“ Radiointerview mit? Rate mal! Wem traustes zu?)

Nichts hatte sie auf diese Situation vorbereitet. Sie waren die Paradiesvögel der Republik gewesen. Superinstrumentalisten ohne Ahnung vom geschäftlichen Prozedere. Denn erstens lebten sie ja in der Planwirtschaft und zweitens wurden sie durch die Konzert-und Gastspieldirektionen ferngesteuert.

Dann war da noch die Hoffnung, nun marktwirtschaftlich an Umsätzen für Plattenverkäufe beteiligt zu werden. Aber dazu gehört, dass man Platten eben auch verkauft:

Nachfrage nach Ostrock – null. 1990…1991…1992…1993

Was ist mit den Rechten an Songs auf alten Amigaplatten? Die müsste man doch zurückerhalten, um damit selber auf die Suche nach einem Vertrieb gehen zu können:

Nix da! Das Gesamtpaket Amiganachlass wurde mehrfach verhökert… immer der, der gerade verklagt werden sollte, besaß es schon nicht mehr.

Das hinterfotzigste Verhalten legten die Rundfunksender Ostdeutschlands an den Tag: Wenigstens Gema-Einkünfte für das eine oder andere gesendete Lied wären vorstellbar gewesen, Osthörer hätten gewiss nicht weggeschaltet, wenn ein Pankow-, Kerth- oder Lift-Song gelaufen wäre, obendrein hätte man die Ostidentität damit ein wenig streicheln können – aber die Sender waren nun in der Hand von West-Intendanten, und die wiesen an: Keine ehemals staatstragende Kommunistenpropaganda! Und das betraf einfach alle, die nicht abgehauen waren.

Musiker und Moderatoren kannten sich aus Vorwendejahren. Konnten da nicht wenigstens private Beziehungen helfen?

 „Kannst du uns in deiner Sendung nicht spielen?“

„Würde ich gerne! Aber die schmeißen mich raus, wenn ich das tue.“

Willkommen bei den freien Medien!

Klar, dass diese Art Erfahrung reihenweise die Troubadoure der „Revolution von gerade eben noch“ zurückverwies auf den „alten Meister“ PDS. Wenn überhaupt noch irgendwo musikalisch Geld verdient werden konnte, dann auf Pressefesten der „Jungen Welt“ oder Kundgebungen der Partei.

Und Silly?

Würden die den 5.Meilenstein in Folge erzeugen können?

Oder hatte auch hier die Identitätskrise zugeschlagen?

 

2. „Hurensöhne“ (Die Schwergeburt nach der Wende)

 

Von Jahr zu Jahr wurde erzählt, dass eine neue Platte in Arbeit sei. Von Jahr zu Jahr wurde aufgeschoben. Stattdessen erschienen die beiden Gundermann-Alben „Einsame Spitze“ und „der 7.Samurai“ mit freundlicher Unterstützung von Barton, Hassbecker, Junck und Resniczek. Sein Baggerfahrerimage, seine klar verständliche Sprache, sein Outfit in Fleischerhemd, Jeans und Jesuslatschen plus Resthaarzopf machten ihn zum Sprachrohr der Enttäuschten.einsame spitze

Und deren Zahl wuchs. Die Krise von 1994 stand vor der Tür. Die 5jährige Existenzgründerschonfrist lief ab. Die Pleitewelle der Existenzgründer von 1990/91 kam ins Rollen. Damit weitere Verunsicherung, ob es den eigenen Arbeitsplatz morgen noch geben würde. Das Heer der Verlierer nahm zu.

Unfähig zu Selbstkritik und ohne jedes Aufbaukonzept für den Osten prügelte die Politik lediglich auf die PDS ein und meinte, damit ein brauchbares Ventil für Ossifrust gefunden zu haben. Aber der Wind hatte sich gedreht. Die nassforschen Wendesprüche der Mehrheitsparteien zogen immer weniger. Eierwurf auf Kohl und Weizsäcker!

 

7ter Samurei„Unten in der Kanalisation, da üben schon wieder die Ratten Karate!“ (Gundermann)

Für die Konzerte stellte er eine eigene Band zusammen und gab ihr den damals provokanten Namen “Seilschaft“. Nebenbei half er nach wie vor bei Silly in der Textschmiede aus.

1993 stand dann das „Hurensöhne“-Album in den Läden und – – – enttäuschte.

Hassbecker bezeichnete es als das härteste Silly-Album. Kann man so sehen, wenn man schafft, die textliche Schwächelei zu verdrängen. Die Gitarrenparts klingen Steve Vai-, Satriani-like. Aber das Album hat keine Grundatmosphäre wie seine Vorgänger. Es ist eine ruppige Songsammlung.

Es gibt musikalische Perlen wie „bye, bye“ „Traumpaar“, „Hass(becker)“, „Neider“.

Besonders letztgenannter Track ist das Highlight der Platte. Da flackert die alte Meisterschaft auf!

Aber die Platte will zuviel belehren und zerfranst zwischenHurensöhne

Wiedervereinigungsschelte(Halloween) – klischeehaftem Antidrogensong (Rot wie Mohn) – Ökologischem Verantwortungsappell(Fliegender Fisch) – Kapitalismuskritik inclusive Selbstermutigung (Diebe, hinten vorn, Loch im Kopp, Kriminelle Energie) – Sehnsucht nach der nächsten Revolte(weit bis Nachhaus) und Schlagerschnulz(Hurensöhne, High Heels)

Teilweise sind die Texte von Tamara Danz selbst, wie auch schon auf der allerersten „Familie Silly“ LP. Tamara Danz kann schreiben. Besonders „Traumpaar“ und „bye, bye“ überzeugen.

Aber ihr passieren auch Texte wie „High heels“ und „Hurensöhne“. Wo soll Silly in Zukunft hin? Neben Bap und Stoppok oder neben Howard Carpendale und Rosenstolz?

Auch zwischen Auftreten und Aussage liegt nun eine Kluft.

Provokante Texte und exotisches Auftreten bildeten vor’89 eine perfekte Einheit.

In den nun angebrochenen Nachwendezeiten passen die neuen entsagungsvollen Inhalte erstaunlich schlecht zum durchgestylten Habitus: Die Band tritt auf wie das fleischgewordene Klischee von Megastars: wasserstoffgebleichte Mähnen, lange Mäntel, bling-bling an jedem unbedeckten Körperteil, dazu der Prunk der Instrumente – alles das scheint zu schreien:

Wir haben’s geschafft! Wir sind Millionäre!

Und dann singen sie „…seit ich nicht mehr mitlaufen will/brauch ich keine Schuhe mehr.“ Das kann bei Gundermann im Konzert funktionieren, weil es zu dem Typen passt. Und dort kommt so was in angemessenem Independent Schrammelrock herüber.

Aber die, die es hier aufführen, kleiden derartige Texte in Bombast und sehen eher aus wie Bülent Ceylan, wenn er die Millionärsgattin Anneliese spielt.

Und somit funktioniert’s halt nicht.

 

3. „Asyl im Paradies“ (Der 2. Versuch des Fußfassens)

 

ParadiesEin paar Jahre weiter, hat sich die Lage der Ostrocker allgemein verbessert. Vor allem die Sender im Süden der Ehemaligen haben eingelenkt. Radio Rockland in Sachsen-Anhalt sei Dank, die den Stein ins Rollen brachten…

1995 berappeln sich Silly erneut: Die „Paradies“ wird eingespielt. Nur ein paar letzte Mixe sind noch nötig, als Tamara zum Arzt geht… Krebs.

Im Frühjahr 1996 erscheint das Album. Eigentlich ist es deutlich besser als der Vorgänger.

Mit „Asyl im Paradies“, „wo bist du?“, „Instandbesetzt“, „Flut“ und „Vollmond“ enthält es 5 sehr gelungene Songs. Gänsehaut – wenn man bedenkt, wie es beim Aufnahmetermin bereits um die Sängerin gestanden haben muss. Erinnerungen an Freddy Mercurys Ende werden wach.

(Kompositorisch misslungen ist „Hut ab!“, schade um den Text. Skip. „Downtown“ käut thematisch wieder, was auf Bataillon d’amour schon besser abgehandelt wurde. Skip. Der Rest ist „ganz okayer Durchschnitt“.)

Wenn bloß der Song „Köter“ nicht wär‘. Ist das ein harmloses Liebesfrustabladeliedchen? Kann man so sehen. Aber: Als ich damals im Laden in die CD reinhörte, brach ich das Reinhören schon bei diesem Song ab und verzichtete auf die Anschaffung, denn:

Zeitgleich mit Tamaras Diagnose wurde die IM-Tätigkeit von Gundermann bekannt. Eine Doppelkatastrophe für das Silly-Gebäude. Aber die Art des Umgangs mit dem IM-Fakt ließ mich an Vernunft und Fairness zweifeln. Von Gundi war durch den Hype zuvor allerhand Biografisches bekannt. Er war ein verpeilter Idealist, ein notorischer Traumtänzer und Weltverbesserer und er erfüllte alle, einfach alle DDR-Klischees: Singender Baggerfahrer, davor Offiziersschüler, der geschasst wird, trotzdem in der Partei bleibt, ausgeschlossen und wieder aufgenommen wird … ein livehaftiger Gatt(Neutsch) oder Stanislaus Büdner(Strittmatter), ein Hannes Balla (aus „Spur der Steine“/Neutsch) – outfitmäßig „letzter Kunde“ – da fehlte bloß noch der IM. Er hatte Petzberichte geschrieben. Enttäuschte, eingeschnappte Kollegen aus der Tagebauzeit machten sich Luft; Schädigungen kamen jedoch keine ans Licht.

Die Petzerei lag Jahre zurück, dann erfolgte die lange Phase seiner couragierten Dichtkunst. (Ein anerkennenswerter Ausgleich früherer Verirrung, in meinen Augen.) Er rettete Sillys „Februar“-Projekt. Seine erfolgreichen ersten beiden Nachwende-CDs spülten harte Währung in die Silly-Kasse – und dann spucken sie ihm den Köter-Song vor die Füße?! Peinlich.

In jeder privilegierten Band musste einer mit der Stasi reden. Nach und nach wurden die Fälle bekannt. Nur bei Silly nicht. Tamara „konnte verblüffend gut“ mit dem Büttner von Amiga, bei dem andere Künstler auf Granit bissen, heißt es in Alexander Osangs „Tamara“-Biografie. Ist das schon die ganze Wahrheit? Sind Silly die einzige Band, die nie im Glashaus saß und deshalb mit Steinen werfen darf?

 

Zeit zur Klärung des Verhältnisses Gundi-Danz blieb nicht.

Am 22.06.1996 stirbt Tamara. Sie wurde 42 Jahre alt. Zwei Jahre später Gundi mit 43.

Silly hinterlassen zu diesem Zeitpunkt 5 Vorwendealben, 2 Nachwendealben.

Die Vorwendealben sind die stärkeren.

Soundtrack eines Jahrzehnts.

Zeitlose Zeitzeichen.

Historisch wertvoll.

 

Die Wiederbelebung der Band mit Anna Loos 2010 war mutig und wie sich zeigen sollte – falsch. Auf „Alles rot“ überzeugte wenigstens noch der Title-Track, der Rest – Karma hin oder her – hört sich an, wie der übrig gebliebene Ramsch, den seinerzeit eventuell schon Tamara verworfen haben könnte. Die Nachfolge-Platten fuhren Umsatzerfolge ein in der Unverbindlichkeitsliga eines Maffay oder der Puhdys.

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Silly-Saga (IV)

…und über uns taute das Eis…

1987 …1988 … 1989 Die Zeit der Finsternis. Des Aushaltens. Des nicht mehr von der Sowjetunion Lernens. Des Staunens über Gorbatschows Abrüstungsdurchbruch. Des „Laden“ Lesens. Des Kämpfens ums private Glück. Bürokratenschematismus kollidierte mit dem Wohl von immer mehr Menschen, das doch ursprünglich hätte Mittelpunkt sein sollen. Nun aber erlebst du, dass du um Familienzusammenführung sogar dann kämpfen musst, wenn alle Beteiligten innerhalb der „DeDeRetä!“ wohnen. Tröstend nur: Du bist nicht der einzige, der „im Strahl kotzt“.

Socialism, hypnotism, patriotism, materialism.
Fools making laws for the breaking of jaws
And the sound of the keys as they clink
But there’s no time to think.

Dylans „Street legal“ ging mir ins Netz und half weiter:

Sozialismus, Kommunismus, Materialismus, Bürokratismus

Sie nutzen Büros, wie andere Klos

Scheißen Phrasen und erklären dir:
Die Herrscher sind wir!

Sie heucheln Verständnis und fordern Bekenntnis

Und lachen dich aus, wenn du schreist:

Kein Platz für den Geist!

In den Institutionen, Kaderabteilungen, Kreisleitungen tat sich nichts. Sie waren am Ende mit ihrem Latein. Bemerkten, dass die Autoritäten schmolzen. Ahnten sie das Ende bereits? Sehnten sie es gar herbei, um aus ihrer eigenen Zwickmühlensituation herauszukommen?

„Ich denke, wie die, deren Begehren ich tagsüber höhnisch ablehne, um konsequenter Bonze zu bleiben. Die Gesetze sinnähmso!“

Die Zeit des Sehnens und des Ahnens. Es brodelte „von unten auf“. Das Phänomen der sprechenden Song- und LP-Titel nahm Überhand:

L'art de passage– eine Fusion-Jazz-Band namens L’Art de Passage veröffentlichte ihr instrumentales Debut – und es hieß: „Sehnsucht nach Veränderung“;

– ein ostdeutscher Leo Kottke namens Ralf Kothe nannte sein Debut „Regendurst“;kothe

– Pankow hatten den Titelsong ihrer nächsten Platte draußen, die da heißen sollte: „Aufruhr in den Augen“;

– Ines Paulke erregte Aufsehen mit „Hauch mir wieder Leben ein“;

– Frank Schöbel erzählte im Interview, dass ihm genehmigt worden war, Texte von Bernd Meinunger(BRD) für seine nächste Amiga-LP verwenden zu dürfen und sein Favorit auf dieser kommenden Platte wird sein, der Song „Wir brauchen keine Lügen mehr“;

 

Ein sterbender Staat komponierte sich seinen vielfältigen Beerdigungssoundtrack.

Aber von Silly vorerst kein Lebenszeichen.

Wie ein perfekt getimter Witz mutet es deshalb an, dass ein anderer altgedienter Berufsmusiker der DDR, Wolfgang Ziegler, zu dieser Zeit seinen größten Erfolg einfahren konnte mit dem Pop-Song: „Verdammt! Und dann stehst du im Regen! Und niemand hält dir den Schirm!“ Papperlapapp. Ist ja nur ein Song über ein angedrohtes Beziehungsende zwischen Mann und Frau … aber wir waren ja interpretieren gewohnt … also auch zwischen Staat und Volk … oder bald schon zwischen Künstler und seinen Fans?

schöneEine Instanz in Sachen Glaubwürdigkeit war zu jener Zeit der Liedermacher Gerhard Schöne. Er veröffentlichte ein Doppelalbum „Du hast es nur noch nicht probiert“ und meinte mit dem Titelsong, man solle doch den Convoy der Staatskarossen anhalten und den „alten Männern“ in diesen Autos die eigenen Tipps zum Besserregieren erzählen. Naiv? Oder war die Zeit dafür inzwischen reif?

„mit dem Gesicht zum Volke, nicht mit den Füßen in’ner Wolke“

Zupackender sang Gerhard Gundermann seine Debut-LP „Männer, Frauen und Maschinen“ ein, u. a. mit dem Song „Scheißspiel“.

„Das is’n Scheißspiel! Du und ich wir zwei, wir machen nich’mehr mit dabei!“gundi 1

Nun hatte die Bonzokratie endlich mal einen singenden Baggerfahrer gefunden, wie das ihre Kulturdoktrin seit den 50ern herbeteten, und dann sang der sowas!

Und eben DER sollte für Silly wichtig werden.

Zuvor aber schepperte es im Bandgefüge heftig. Das Besetzungskarussell drohte zur Zentrifuge zu werden, die die Band zerstört: 1987 tourten mit großem Erfolg ein Allstarprojekt unter dem Namen „Gitarreros“ durch die Republik: Dort lernte Tamara Danz Uwe Haßbecker, den Gitarristen von Stern Meißen, kennen.

Konsequenz: Wechsel des Lebensabschnittsgefährten. Silly hatte nun 2 Gitarren.

  1. Die Liaison Barton/Danz war Geschichte;
  2. Thomas Fritzsching (git) musste dem Neuen der Chefin die Soli überlassen und in den Hintergrund weichen, falls er überhaupt bleiben wolle. Er wollte, denn er war der eigentliche Silly-Gründer.
  3. Mathias Schramm (bg) bekam sein Alkoholproblem nicht in den Griff und wurde durch Jäckie Reznicek ersetzt, der wiederum von Pankow abgeworben wurde…

Hauptgefahr jedoch war, dass Ex-Lover Barton(keyb) nun die Band verlässt und damit das „Unternehmens Silly“ ohne den gewohnten musikalischen Kopf dasteht und sich in stilistische Abenteuer stürzt, von denen keiner sagen konnte, wie sie ausgehen würden.

Er blieb. Die Erfolgsgeschichte konnte weitergehen.

Zweites Halbjahr 1988 sollte eine neue Platte eingespielt werden.

DT64 gab preis, dass diesmal die komplette Produktion im Preußen Tonstudio in Westberlin stattfinden sollte. Westniveau! Was damals verschwiegen wurde:

Die Ariola trug die Kosten. Versprach sich also Gewinn. Die DDR musste lediglich „ihren“ Künstlern den Aufenthalt beim Klassenfeind gewähren und könnte von den eingespielten Devisen profitieren. Warum sollte nicht klappen, was sich bei Puhdys und Karat längst eingespielt hatte?

Eines Abends im Februar 1989 saß ich ganz weit hinten in der Absolventenverbannung an der polnischen Grenze und hörte Jugendradio DT64: Zunächst Uraufführung des Songs „Verlorne Kinder“. Und wie so oft bei neuen Silly-Songs stand ich  vor der Frage: DIESE Platte soll es in ein paar Tagen ganz normal im Plattenladen geben??????

Dann Tamara-Interview:

„Eure neue Platte heißt Februar. Warum? Weil Sie im Februar erscheint?“

„Nee. Weil der Februar der letzte Wintermonat ist!“

Was für eine Antwort in dieser mit Sehnsüchten überladenen Zeit!

(Ja, dieser ewige Winter musste nun bald ein Ende haben. Es musste etwas geschehen. Was genau – wusste niemand. Probleme gab es zuhauf. Eingebildete und tatsächliche. Typische DDR-Alltagsprobleme auch, über die man heute nur den Kopf schütteln würde. Desgleichen die Ideen zur Abhilfe. Wahre Illusions-Olympiaden beim abendlichen Delikat-Wein im Freundeskreis. Mehr und mehr Uneinigkeit über den wünschenswertesten Kurs. Einig war man sich bald nur noch in der Unzufriedenheit gegenüber „den alten Männern“. Die Leipziger Montagsdemos wandelten sich gerade vom „wir wollen raus!“ der Ausreiseantragsteller zum „wir bleiben hier!“ der Reformwilligen… „Wir sind das Volk!“ ließ noch auf sich warten, aber – JA! der politische Frühling dämmerte herauf…)

Dann kam zur Sprache, dass nur noch 2 Texte von Karma sein werden, man sei künstlerisch nicht mehr auf einen Nenner gekommen; (Die also auch nicht!) nach dem Bruch habe die Band herumgehangen mit ner halbfertigen Platte, der die Botschaften fehlten. Dann wollte Rio Reiser einspringen – aber was der abgeliefert habe, hat Tamara nicht gefallen und dann – dann verkündete sie die Sensation des Abends: Bis auf die beiden Karma-Ausnahmen stammen alle Texte von Gundermann!

Noch musste man sich gedulden, man erfuhr an jenem Abend nichts über die Inhalte.

Es gab die Platte dann wirklich. Es stand auch kein Stasi-Scherge an der Ladentür und registrierte die Käufer. Die Zensur hatte sich verflüchtigt oder wollte sich „für später“ Pluspunkte schaffen. Der Zeitpunkt, an dem ALLE schon IMMER Widerstandskämpfer gewesen sein wollten, rückte näher.

Die Platte startet mit einer beispiellosen Ohrfeige in Richtung Staatsdoktrin: „Es geht ein Gespenst in der Mitropa um…“

Einst war es in Europa umgegangen – so wie es Marx als Einstieg ins „Kommunistische Manifest“ 1847 formulierte. Ein Zitat das jeder gelernte DDR-Bürger singen konnte, so oft, wie er damit behelligt wurde.

Nun war dafür nur noch die „Mitropa“ übrig. Das schäbigste, was man sich an DDR-Gastronomie vorstellen konnte, die Bahnhofskneipen. Hier versoffen die Angehörigen der herrschenden Klasse ihre Löhne. Aber selbst hier unten ging nun wieder dieses Gespenst um und beseelte sogar diese Chlochards mit Gorby-Hoffnungen. „Es blühen die scheintoten Bäume“. Wenn selbst die Säufer der Mitropa anfangen die Russen zu loben – geht da noch was?

Dann gleich die nächste Sensation: „Der Wohnblock liegt im Park, wie ein böses Tier/wo sie zu Hause sind – wo sie zu Hause sind …die hellen Fenster locken, mit so gelbem Licht/sie aber wissen/diese Fenster wärmen nicht! … die verlornen Kinder von Berlin …“

– Adieu kitschiges Klischee von der heilen Welt der Hausgemeinschaften in den Plattenbausiedlungen.

– Adieu erfolgreiche sozialistische Erziehung – auch du konntest Jugendverwahrlosung nicht stoppen.

Nächster Song: „Alle gegen einen“. Man bekommt einen Stierkampf beschrieben vor johlender Masse. DDR typisch? Hä?

Aber ja doch! Der Stier ist der einzelne, der mit dem Kopf durch die Wand will. Der sich trotz Natur gegebener Körperkraft aufs Rote Tuch lenken lässt, so dass die Kraft vergeudet wird; der Torero piesackt mit den Speeren (= mit den dogmatischen Fragen und Phrasen in den Kampfdiskussionen der Parteilehrjahre) – und der Meute ist eigentlich scheißegal, wer von beiden drauf geht. Hauptsache Blut fließt. Sie schließt sich dem Sieger an, so oder so.

– Adieu progressiver Kollektivgeist!

– Adieu sozialistische Persönlichkeit!

SOS: …immer noch brennt bis früh um 4e in der Heizerkajüte Licht/immer noch haben wir den Schlüssel zu der Waffenkammer nicht!… Im Februar 1989! Auf Jugendradio DT64 gespielt! Die Mauer stand noch! Selbst Ungarn war noch dicht!

Gar nicht mehr nötig, darauf hinzuweisen, dass mit dem Licht in der Heizerkajüte Bezug genommen wird, auf ein berühmtes Propagandagedicht der 50er Jahre: „Im Kreml brennt noch Licht“(Stalin schläft noch nicht) Eben, eben. Poststalinismus ist auch Stalinismus. Denn sag bloß nichts Negatives über Erich! Die Vorfreude auf die Waffenkammerschlüssel tat’s auch.

Aber damit nicht genug. Die A-Seite hat NOCH EINE Sensation in petto: „Über ihr taute das Eis“: Eine Selbstmordbeschreibung! Ein Tabubruch mit bisherigen Vorschriften über optimistische Unterhaltungskunst. Die Tatsache, dass es sich um ein weibliches Opfer handelt und dies einer der beiden Karma-Texte ist, verführt aber zusätzlich zu folgender Assoziation:

Aus der „wilden Mathilde“ (Mont Klamott) wurde „so’ne kleine Frau“ (Liebeswalzer), die von ihren vernachlässigten (oder abgehauenen) Kindern im Stich gelassen (Bataillon d’amour) nun den Schlussstrich zieht. Aber selbst hier entsteht kein Depri-Feeling, sondern sachte keimt ein Hoffnungsschimmer, denn „über iiiiiihr taute das Eis……“

Der andere Karma-Text „Alles wird besser(aber nichts wird gut)“ blieb ebenfalls zu recht auf der Platte, denn er nimmt seherisch vorweg, was kommen wird: Wer zuviel will, wird gar nichts kriegen, sondern arbeitslos in einem „Neuen Deutschland“ erwachen.

Der Traumteufel: spricht in 3 Strophen 3 drängende ungelöste Probleme an:

– drohender Atomkrieg aus abstrakten, sich verselbständigenden Gründen,

– Raubbau an der Erde aus nichtigen Gründen „für die Leuchtreklamen der Stadt“

– Waldsterben

aber „da weckt mich der Mann aus dem Radio/er küsst mich und kocht mir ein Ei/der Traumteufel flüstert adios mon amour/ und lässt mich FÜR HEUT NOCHMAL frei.“

Die Platte deprimiert nicht. Sie belebt. Die „Februar“ wirkt wie das rettungsverheißende Hornsignal der in Kürze erscheinenden Kavallerie, die die in Bedrängnis geratenen Träumer von der besseren Welt heraushauen wird.

Landekreuz, Männer wollen Frauen, Paradiesvögel sind im Grunde Liebeslieder – allerdings mit sehr schönen unkaputtbaren Metaphern. Ein Silly-Novum.

Landekreuz übrigens kann man als Antwortsong zu einem Track auf Gundermanns Debut-Platte verstehen: Dort gibt es ein „Trauriges Lied vom sonst immer lachenden Flugzeug“ (Wo soll ich hin, wenn mein Tank leer ist…) und Tamara antwortet nun: „wenn dein Tank wieder leer ist, dreh ab und rufe mich!“ Und beide zusammen sind thematisch „Großer Träumer(reloaded)“ sozusagen.

Der Sound der Platte ist den Vorgängern ähnlich und doch anders. Die technokratische Keyboardunterkühltheit ist geblieben. Aber da ist nun, wo der Haßbecker dabei ist, auch viel mehr Gitarre zu hören als früher.

Das Covergemälde zeigt die Band tief gefroren in einer Art Kühlhalle. Im Hintergrund ist die Tür geöffnet. Warmluft dringt ein. Die Rückkehr der Farben steht bevor.

der LETZTE Wintermonat

der LETZTE Wintermonat

Diese Platte war Sensation, ist Sensation, bleibt Sensation.

Schlussstein einer einzigartigen Karriere. Aktuell geblieben in all ihrer Vielfalt.

Die Meute will Helden siegen oder fallen sehn…

Traumteufels Probleme sind weiterhin ungelöst…

Die verlornen Kinder haben sich rasant vermehrt…

Also – „Alles wird besser, aber nichts wird gut.“

Was willste da noch schreiben?

Die Platte erschien. Kommunalwahlen. Fälschung offensichtlich. Ungarn plante ein Grenzfest für den Sommer … wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.

Fehler im System VIII

In memoriam Pawel Kortschagin

(Silly-Saga III)

Die nächste Silly-LP: Würde der Hattrick gelingen? Aller guten Dinge sinder dreie? Aber was hat das diesmal alles zu bedeuten?

Bataillon d’amour? Wofür steht das?

Manhattan Transfer: Chanson d’amour – ra-tata-tata….

Waggershausen: Wir sind’n klarer Fall von touché d’amour…

Sind das die richtigen Assoziationen?

 

So oder so ähnlich muss es vielen gegangen sein, die diese Platte erwarben. Damals.1987.

dav

Es handelt sich um das erfolgreichste und missverstandenste Silly-Album.

Zugegeben: Schwierig, ein zweites Stagnationsalbum zu erschaffen, wenn sich doch seit dem letzten Album die Zustände nicht verändert haben.

„Der alte Fritz von Preußen reitet auf der Stelle los.“, Stillstand galt noch immer.

Der Umgang mit Silly in den öffentlichen Medien trieb jedoch neue Blüten: Ostsender und Zeitschriften gaben preis, dass ein gewisser Micky Meuser (BRD) mit Hand angelegt hat, das Album zu mischen, ja dass zumindest die Bänder zeitweilig in Berlin(West) im Preußen-Tonstudio zur Kur gewesen sind. Reichten unsere Amiga- oder die Rundfunkstudios nicht mehr? Pankow und City hatten fast zeitgleich ernstzunehmende Konkurrenzplatten ohne Weststudio hinbekommen. Was wie „Weltniveau erreicht“ klingen sollte, ging bei mir jedenfalls nach hinten los. Wer so viel erlaubt bekommt, musste Zugeständnisse machen, oder?

Und was bitte soll dieses „kein geringerer als…“ Jim Rakete schoss die Coverfotos. Woher sollte man den denn als Ossi kennen dürfen? Vom Nina-Hagen-Band-Cover etwa oder von Interzone? Ach so, nee, da gab es ja noch Nena und Spliff. Na herzlichen Glückwunsch, toi-toi-toi…

Damit schien die Band nun absolut arriviert.

Als das Album erschien, mochte ich es nicht.

  1. fehlten mir die sofort ersichtlichen Sensationen, die die beiden Vorgänger auszeichneten.
  2. Pankow mit der LP „Keine Stars“ und City mit „Casablanca“ verdrängten die „Bataillon d’amour“ schnell und dauerhaft von meinem Plattenteller.
  3. begann via Jugendradio DT64 der DDR eigene Underground bekannt zu werden: die Skeptiker, WK13, die anderen, Sandow … viel böser und unverblümter als die „Staatsrocker“,

aber am schwerwiegendsten schien

  1. Plötzlich mochten ALLE Silly; jeder Depp schwärmte von der „Bataillon d’amour“; die LP fand sich in Wohnzimmer-Schrankwänden zwischen Karel Gott und Frank Schöbel! – Ja, jetzt wo der Westen Interesse zeigte – da wurde die Silly-Platte im Osten für viele so etwas wie Ersatz-Mugge für unerreichbare Modern Talking!

 

Anna Loos bekennt heute in so ziemlich jedem Interview, dass sie damals 15jährig ihre erste Silly-LP kaufte und seither Fan war. Was mag sie damals aus den Texten herausgelesen haben? 15jährig, weiblich, blond?

 

Bataillon d’amour: Knutschen im nächtlichen Treppenhaus;

Josef und Maria: grabschen in der Bar,

Schlohweißer Tag: Ödnis nach der Liebesnacht;

EKG:  der überaus notwendige Song zur Reihenuntersuchung?

So vielleicht?

Die B-Seite machte gleich vollends einen zusammengeschusterten Eindruck:

Der Panther im Sprung rockt ja noch ganz gut los, aber sonst?

Mitten auf der Seite heißt ein Song „PS“, müsste der nicht ans Ende, wie es sich gehört?

Welche Funktion hat die abschließende Instrumentalversion des Titelstücks außer Zeit zu schinden?

Inzwischen jedoch fiel die Frucht der Erkenntnis:

Heute sage ich: Die Bataillon d’amour ist vielleicht sogar die böseste, nihilistischste Platte unter den Karma-Alben, denn:

Wie oben bereits erläutert gab es jene Delikat-Ex & Intershop-Haltung, die auswucherte, bei denen, die es sich leisten konnten und zu so einer Art „Möchtegern-Wessi-Haltung“ am Abendbrottisch führte: „Ist das hier Zonenwurst oder ist die aus dem richtigen Deutschland?“

Bei denen, die sich die überteuerten Waren nicht oder nicht regelmäßig leisten konnten, wuchs ebenfalls der Frust auf den angeblich andauernden „Sieg des Sozialismus“, der inzwischen auch in Mecklenburg gern sächsisch ausgesprochen wurde: Der Sozialismus siecht und siecht…

„Zone, Scheißosten, im Westen wär’das nicht passiert“ – war alltäglicher Tonfall.

Inzwischen kannte auch so ziemlich jede Familie jemanden, der Ausreiseantrag gestellt hatte.

Die Funktionäre wurden zunehmend kleinlauter, lobten Gorby, um in der Masse noch einigermaßen Anklang finden zu können, zuckten aber mutlos mit den Schultern, wenn man sie fragte, wo denn der Reformkurs bliebe…

Klammheimlich verschwand ein Standartwerk der Pflichtliteratur aus dem Unterricht:

Nikolaj Ostrowskis „Wie der Stahl gehärtet wurde“ mit dem Haupthelden Pawel Kortschagin.

Jener Kortschagin wurde jahrzehntelang den 8.Klässlern als Musterbeispiel des „neuen Menschen“ angepriesen, der in den Revolutionswirren kämpft und leidet, an den schwierigsten und armseligsten Baustellen des Sozialismus schuftet, Hungerjahre und Typhus erträgt und als blinder Invalide im Krankenbett mittels einer Gitterschablone, die er ertasten kann, noch sein erfülltet Leben schildert. Das ganze gab’s auch als Film.

Warum nicht mehr in den späten 80ern?

An der allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeit hielt man doch fest bis’89?!

Zweifel an der Machbarkeit hatte es vereinzelt schon vorher gegeben:

„feiern den Sieg der Revolution/die Amputierten auf der Station/…draußen spazieren sie lang/die neue Menschin – der neue Mensch/der sieht aus – wie er war!/außen und unterm Haar: WIE ER WAAAAAR!“ (Demmler/Renft; Nach der Schlacht; 1974)

Silly widmen diesem Thema die gesamte LP!

Wo sind alle Ideale von besserer Gesellschaft, Humanismus, Fairness hin?

Warum wuchern Egoismus und Frust so ungebremst aus?

WAS IST NOCH REFORMIERBAR?

Bataillon d’amour: Das ist KEIN Liebeslied! Das ist ein Euphemismus für den Front-(Stadt)-Puff! Du kommst mitternächtlicherweile nach Hause und siehst die kleine Tochter der Mitmieter da herumknutschen, „…sie ist kaum 13 Jahr und hat schon Nacht im Haar…“, also Untergang vorgegeben, Verwahrlosungsansatz, zu früh zum Freiwild geworden. Wer mag die Mutter sein? Die mit den schlaffen Titten, die selber laufend auf der Walz ist und die auf der „Liebeswalzer“ als „so ne kleine Frau“ besungen wurde? Also übt hier der Nachwuchs der „wilden Mathilde“ von der „Mont Klamott“?

Josef &Maria: Alter geiler Bock macht aufgedonnerte Mieze an der Bar an und blitzt ab; Normalzustand in den Tages- und Hotelbars in Berlin Mitte oder in Leipzig während der Messe …einsamer Geschäftsreisender sucht…. Abenteuerlustige Studentin machts für…

Nee, nicht für jenen dummen Josef. Der darf höchstens später das „unbefleckt Empfangene“ aufpäppeln… so einen lässt man erst ganz zum Schluss ran. Noch wartet man auf den „Panther im Sprung“.

Schlohweißer Tag: Auch kein Liebeslied „schau dich doch an/ das schleckt und schleckt sich die Pfunde ran“; alles ist zu leerem Ritual verkommen, nichts geht mehr…

EKG: apropos nichts geht mehr: wozu zu den Reihenuntersuchungen gehen, wenn bei immer mehr festgestellten Defekten nicht mehr geholfen werden kann (medizinischen Fortschritt gibt es keinen mehr – Dialyseplätze? Spendernieren? MRT-Geräte? Herz-Lungen-Maschinen…)

Ärztliche Hinweise auf maßvolleres Leben? Wofür denn? Für noch mehr schlohweiße Tage?

Dein Cabaret ist tot: Ein Cäbäräy wie im Liza Minelli Film? Kurz vor dem bösen Ende? Oder ein Kabarett? Was ist gemeint? Wessen Veranstaltungen sind mittlerweile so sinnentleert, dass man „keine Büttel mehr schicken muss, die das Gestühl zerschlagen? Wem wurde da der letzte Clown vom Zirkus abgeworben?“ Der neu eingeweihte Friedrichstadtpalast mit seinen protzig schönen kostspieligen, aber altmodischen Revuen könnte passen. Oder der Kessel Buntes, der in den 70ern noch gepfefferte Kabaretteinlagen kannte. Anfangs die 3 Dialektiker, dann nur ab und an eine Gastmoderation mit Pfiff, sorgte ein Vorfall Anfang der 80er für dauerhafte Kesselentschärfung: O.F. Weidling als Moderator in der Live-Übertragung noch vorhanden, wurde aus der Sendungswiederholung herausgeschnitten, weil er Missstände gar zu deutlich vor geladenen Funktionären der 1. Reihe angesprochen hatte. Was blieb, war eine Nummern-Revue („Aber lass mich trotzdem rein“) ohne Nachfrageproblem. Und die Gitarre weint herzzerreißend fein am Schluss und macht das Lied zum besten Song der Platte.

Panther im Sprung: Der Tanz auf dem Vulkan in der nächsten Umdrehung: Vorhin noch ist „Joseph“ abgeblitzt, aber nun hat’s einer geschafft „sie“ rumzukriegen. Sah er gut aus oder hatte er nur die besseren Mitbringsel dabei? „…und sein Drink ist pink/wie mein Haarshampoo/ und es schäumt auch soooo!“ War’s am Ende nur die alkoholische Vorbereitung, die den Tagesschein-Wessi im One-Night-Stand zum Stoß kommen ließ?

Ballhaus-Ballett: Gleich der Nachschlag zum angeblichen Weltniveau: „…hinter Blazern aus englischem Tuch/pulst das Wellfleisch satter Erwartung/vor dem kommenden Gottesfluch“ einmal mehr Devisen zahlende Gäste auf der Suche nach Beute fürs Bett. Dazwischen tanzt „black&white new wave noblesse“ die Schickie-Mickie-Szene der Hauptstadt, Messerformschnitt, Schulterpolster, Strohhut oder Schiebermütze, schmaler Schlips – die sich aufgewertet fühlt zwischen all den weltgewandten Besuchern, denen man mal später für 5 Mark(West) ein Taxi ordern darf.

„..and fashons its! Putten on the Ritz!“ Tacos One-Hit-Wonder klingt im Mittelteil kurz an.

Dann das Post Scriptum: Was muss da an Auseinandersetzungen zu Hause abgelaufen sein, wenn Tamara in dem kurzen stillen Liedchen Mutter und Vater um Verständnis bittet, sie sei doch kein abtrünniges Familienmitglied, sondern „bin wie du geworden…. Bin zu jung um schwach zu sein/ zu blind um aufzugeben.“

Vielleicht hörte sich die Vorgeschichte von PS ja so an:

„Kind! Wie du rumläufst! Wie du redest! Aus dir spricht der Klassenfeind! Warum machst du mit deiner Mischpoke unsere Sache so herunter?“

„Papa! Wir bringen in unseren Songs die Wahrheit ans Licht, die nicht in der Zeitung steht. Wir hoffen noch auf Reform! Du hast auch Parteistrafen hingenommen, statt zu kuschen, ich bin wie du.“

PS….Schlusswort….aber auch: Pferdestärke

Danach folgt „jeder“: DIE Abgehnummer der Platte („jeder ist wie jeder ist“) Fazit: Also macht halt jeder, was er will. Ein Schrei nach Freiheit? Ich halte mich da eher an Tamaras Gesangsstil bei diesem Song: So scheiße kann Individualismus klingen! Denn wenn jeder das macht, was er will, dann kommt das raus, was die vorangestellten Songs beschreiben.

Kleinen Mannes Sonnenschein ist ficken und besoffen sein.

Adieu Pawel Kortschagin. Hast umsonst geschossen und gebuddelt.

Willkommen im Etappen-Puff Ostberlin, wo sich die Frontkämpfer der Marktwirtschaft und die des nicht mehr wahrnehmbaren Klassenkampfes, all ihre Alltagstraumata abrammeln können, denn da wartet immer irgendwo eine Mit20igerin auf ne neue Westjeans oder’n 6er Pack 8×4 – oder am Ende gar auf einen Platz im Kofferraum.

….wortlose Reprise des Bataillon d’amour-Themas … das Treppenhaus ist leer…und aus.

(Nachtrag zu den Coverfotos: Jim Rakete scheint mir hier sehr clever Parallelen gesetzt zu haben: Da ist zum einen jener bedenkenswerte Rote Strich (oder die rote Linie, die es NICHT zu überschreiten gilt?) Das Tamara-Portrait in Gänze auf der Frontseite erinnert an Heiner Pudelkos Portrait auf dem Interzone-Debut und damit an eine weitere seeeehr böse (west)berliner Platte, die Rückseite erzeugt in der Kontrastierung Untergangsstimmung – Götterdämmerung.)

 

Fehler im System VII

Ein Liebeswalzer in den Kohlegruben der Stagnation

1984: Die neue Silly-LP „Auf unbefahr’nen Gleisen“ und eine gleichnamige Tour waren angekündigt. Plakate hingen bereits – blaugrau, in seltsamer Wasserleichenoptik.

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Eine Tour nach einer LP zu benennen war ein weiteres Zeichen für heimliche Verwestlichung. Die Dauertourneen der Ostrockbands hatten bisher keine Namen.

„Die Ferne“ lief im Radio und gab einen Vorgeschmack auf das Album, was die Hoffnung auf ein weiteres großes Werk nährte. „Die Ferne ist wo ich nicht bin/ ich geh und geh und /komm nicht hin…“ Erklärung überflüssig. Nur Verwunderung, wie das die Zensur hatte passieren können. Warum durften Silly scheinbar alles?

Andere Bands bekamen für weniger brisante Ideen Schwierigkeiten und gaben genervt auf:

 

– Hansi Biebl stellte Ausreiseantrag nach 2 erfolgreichen LPs und im Streit um eine Dritte,

– Hans-Jürgen Neumann (ehemaliger Karat-Sänger) hatte mit Neumis Rockzirkus absolut unpolitische Showerfolge feiern können und gab nach der 1.LP ebenfalls per Ausreiseantragstellung auf,

– die Hardrock Band „Magdeburg“(ehemals „Klosterbrüder“, was zwar nicht englisch aber zu „religiös“ war und deshalb zur Umbenennungsnötigung führte) hatte die Dauergängelei satt und stellte einen kollektiven Ausreiseantrag,

– Karussell fuhren zu sechst auf Westtournee und kamen nur zu viert zurück,

– Ute Freudenberg und Elefant „vergaßen“ ihre Sängerin in Hamburg,

– Bayern 3 meldete, dass ein neuer Songwriter namens Holger Biege für seine 1. LP (im Westen) einen Kritikerpreis erhält – der war vorher mit 2 sehr erfolgreichen LPs der Elton John(Ost) und hatte mit seinem Wunsch nach Genehmigung eines Doppelalbums bei Amiga auf Granit gebissen. Nun war der also auch fort.

 

Und Silly eilen von Rekord zu Rekord?

Sollten sie Aushängeschild einer problembewussten, „modernen“ DDR sein?

Seht her, wir lassen auch was zu! Glasnost brauchen wir nicht!

Jedenfalls wurden für sie Vinyl- und Pappe-Ressourcen reserviert, die andere nicht bekamen.

 

Was damals niemand erfuhr: Der Schallplattenindustrie fehlte Vinyl, die Lektorate mussten Ablehnungsgründe für LP-Konzepte erfinden.

Eine Wirtschaftsrevision 1981 in der Sowjetunion hatte an den Tag gebracht, wie es um die tatsächliche Wirtschaftlage der Supermacht stand. Jahrzehntelange Schönfärberei war aufgeflogen. Verzweifelter Rettungsversuch: Den Bruderländern wurde der Ölhahn halb zugedreht. Sie fuhren von nun an auf Verschleiß.

Weniger Öl bedeutete mehr Kohlebergbau: Die Niederlausitz und die Gegend um Espenhain, südöstlich von Leipzig zahlten den Preis: Abraumhalden, Dauersmog, Asthma, Hautekzeme.

Die traditionellen Chemiestandorte Leuna und Wolfen verrotteten bei laufendem Betrieb.

Noch aber winkten Honecker & Co von den Ehrentribünen, so als sei alles in Ordnung.

 

Ein Witz aus jener Zeit: Was bedeutet SED?

Das ist das Wirtschaftskonzept der DDR: Shop, Exquisit, Delikat.

 

Intershops, in denen man für Westwährung Westwaren bekam,

Exquisit-Boutiquen, wo man zu kräftigen Aufpreisen, aber in Ostwährung Klamotten kaufen konnte die (fast) westlich aussahen,

Delikatläden – wo es ebenfalls für kräftigen Aufpreis Westfressalien und –spirituosen gab.

 

Damit griff die DDR den Geldmengenüberschuss trotz zunehmender Versorgungslücken ab und Otto Durchschnitt hatte die Chance, sich ein bisschen Westglanz in die schwammige Altbauhütte oder in den zugigen Plattenbau zu holen.

Die verbliebenen Ostrocker lieferten den Soundtrack zum Sambalita-Trunk für die, die nicht 120 Ostmark pro Westplatte opfern wollten oder konnten. Westlich beeinflusste Musik, sehr stylische Outfits – das boten auch Puhdys und Karat. Spandexhosen und Haarspray hatten ihren Weg über die Mauer gefunden. Diese Bands blieben jedoch brav und bieder. Musik aus dem HO-Regal sozusagen, wie die preiswerten Weinsorten Rosenthaler Kadarka, Cabernet und Bärenblut. Silly hatten den textlichen Pfeffer zu bieten, sie waren Mugge aus dem Delikat. Gewissermaßen der Cotnari oder Murfatlar.

Das Orwelljahr ging hin. Der Nachfolger des „Mont Klamott“ ließ auf sich warten. 1984 erschien er nicht.

Die Platte, die 1985 dann in den Läden stand, hatte ein ganz anderes Coverfoto, als das bereits an Litfaßsäulen und in Bahnhofshallen klebende. (Lediglich die nekrophil ausgeblichene Färbung war geblieben.) Und sie hieß auch nicht „Auf unbefahr’nen Gleisen“, sondern irgendwie einfallslos „Liebeswalzer“. Das hört sich nicht gerade nach Sensation an. Immerhin – „die Ferne“ war tatsächlich drauf.

Track 1 blieb mir lange ein unverständlicher Brocken. „Psycho“. Irgendwie absichtsvoll auffällig in Anführungszeichen, wie Bowies „Heroes“. Klar kennt man Hitchcocks Film. Am Schluss wird auch auf ihn verwiesen. Aber das ständig wiederholte „Tausend Augen“ , „tausend Männer, die zu Kreuze kriechen“ – macht irgendwie keinen Sinn im Zusammenhang mit jenem Mutterleichenkonservator, denn der war ja immer allein.

Berliner Frühling. Anfangs auch kein Bringer. Eben eine Momentaufnahme aus dem Großstadtleben.

„Gullies werden leer gemacht vom Geröll der Winterschlacht.“ Augenzwinkern auf den immer noch martialischen Frontberichterstatter-Ton der Zeitungen trotz zu meldender Nichtigkeiten: Erntekapitäne, Ernteschlacht, Kapitäne der Streufahrzeuge, Kommandeur der Winterdienstflottilie, Helden der Arbeit usw. Das fiel einem ja schon gar nicht mehr auf.

Am Schluss die Zeile: „Und der Alte Fritz von Preußen reitet auf der Stelle los.“ Schon besser. Wohin? Auf der Stelle! Stillstand überall. Statt Weiterentwicklung Entstaubung von bis eben verfemten historischen Persönlichkeiten: Friedrich der Große, Martin Luther, Karl May…

Dann die Ferne; wunderbar klar in der Aussage: festgetackert in der größten DDR der Welt lugst du in die Ferne „mit deinem Doppelglas“. Kann ein Fernglas sein. Muss aber nicht. TV-Bildröhren hatten ebenfalls zweierlei Glaswände.

Dann die alten Männer.(…tanzen nicht mehr, mit müden Augen sehen sie her…) Karma prägt hier den Ausdruck für Politbüro, der volkstümlich werden sollte. Man kann den Song auch ganz harmlos auffassen, als geschmäcklerischen Generationskonflikt. Pankow werden ihn anfang’89 in ihrem Song „Langeweile“ drastischer wieder verwenden: „…zu lange die alten Männer verehrt“.

„Am Sonntag latschen wir zu zweit/die grünen Trampelpfade breit…“; was sich liest und anhört, wie ein verspäteter NDW Song, bringt am Schluss der ehemaligen A-Seite die ärmliche Alternative zum Vorschein, die dir bleibt, mit dem Stillstand klarzukommen. Das Idyll in der Nische.

Die Band 1985

Die Band 1985

Seite 2 kommt mächtig sexuell aufgeladen daher.

Liebeswalzer: „Ich bin so schwer von der Liebe/ich lass nie mehr von der Liebe…“ ist jetzt noch keine Sensation an sich. Wenn du aber das Video dazu siehst, mit der von hinten angeleuchteten Tamara, so ganz allein im Grau und an das Heroes-Video von David Bowie denkst…. Weiste Bescheid, Schätzelein! Und erinnerst dich vielleicht an „Schüsse reißen die Luft, doch wir küssen als ob nichts geschieht.“

Nester der Nacht! Tamara wieder ganz Marktweib „Deine kosmetische Kanüle dringt mir zwischen die Gefühle“ und als ob das nicht schon reicht geradezu überschnappend „…und holt mich heim-heim-heim in unser Reich!“ Ä-hm. Woher stammt nun dieser Wortschatz? Der Song heißt Nester der Nacht! Sensäjschänälll!

So’ne kleine Frau „… hat schon Kinder dreie und immer noch kein Glück….vom Zigaretten holen kam kaum ein Kerl zurück …“ Aber Kopf hoch. Frustriert sein gibt’s nicht. Weiterprobieren. Die wilde Mathilde von einst musste lernen, Konsequenzen zu tragen.

Das Thema wird im Titelsong der nächsten Platte und in „verlorne Kinder“ auf der „Februar“ noch zugespitzt. Zufall?

Abschließend aber kommt dann DER Sillysong überhaupt: Der große Träumer.

Man muss der Zensur richtig dankbar sein, denn ursprünglich hätte die Nummer einen ganz anderen Text haben sollen(siehe unten), weil aber geändert werden musste, kam hier keine schnelle Notlösung, sondern ein treffendes Zeitzeichen für die Stagnationsepoche heraus:

Der strauchelnde Weltverbesserer, der naive Berufseinsteiger, der ungeduldig die Perestroika Herbeisehnende – frisch gemaßregelt, wiedermal nicht zum Zuge gekommen mit gut gemeinten Vernunftargumenten – findet Trost in den Armen von Freundin oder Frau und tankt neue Kraft:

„Na du großer Träumer….hat dich die Meute wieder geschafft?…Wen hat dein lautes Lächeln gestört?… Machs an mir…ich verdau’s…solange ich weiß, für wen ich es mach. Geh! Großer Träumer geh!…wenn du meinst, dass deine Sehnsucht dich wieder trägt.“

Hier nun ist es an der Zeit vom Sound der Platte zu sprechen.

Hab ich die „Mont Klamott“ schon gelobt, ist aber auf diesem Nachfolgewerk absolut beeindruckend, wie viel Steigerungspotential da noch war. Einerseits ist vermutlich das Equipment ganz entscheidend aufgestockt worden. Die Arrangements strotzen nur so von eingebauten Geräuschgimmicks: „Gullies werden leer gemacht…“(Blubb-blatsch); oder dieser Hanclapeffekt, den manche Musiker so stupide einsetzen, dass es sich anhört als würde der Sänger rhythmisch geohrfeigt, der hier nur zum Einsatz kommt, wo die Textohrfeige bemerkt werden soll: Watsch! Haste das mitgekriegt?

Andererseits hat sich eine weitere Umbesetzung ergeben: Michael Schafmeier ist „gegangen worden“. Wohl eher nicht so sehr deswegen, weil er ein schlechter Trommler gewesen wäre, sondern, weil er unglücklicherweise der Sänger des „letzten Kunden“ war und die nun ernsthafte Band, den Rest des alten Geikel-Images loswerden wollte. Für ihn war Herbert Junck gekommen, Trommler der Hansi Biebl Bluesband und seit kurzem ohne Job wegen… (siehe oben). Junck gehört neben Hille, Behm, und ein paar anderen zu den Superdrummern des Ostens und wird auf der Plattenhülle ganz zutreffend nicht mit dem Kürzel (dr), sondern (perc) benannt. Er zeigt, wie phantasievoll vielfältig man ein typisches 80er Jahre Rumms-Drum-Kit einsetzen kann. Man hört der Platte an, wie viel Liebe zum Detail allein ins Arrangement der Drumsounds eingeflossen ist. Ich kann mir vorstellen, wie Barton und Junck noch im Studio zusammengehockt haben, wenn alle anderen schon feiern gingen, um hier noch ein bisschen Tambourineffekt zusätzlich draufzuspielen, dort lieber wieder ein bisschen den Rumms reduzieren, hinter jenen Vers dafür noch’nen einzelnen Extrawumm, eine Strophe weiter doch nicht so strait durchkloppen, sondern „Break!“ und absichtlich verschleppen – damit die Chose wirken kann.

Viel Arbeit, die fast umsonst gewesen wäre, denn wer die Bonustracks der heutigen CD-Ausgabe zur Kenntnis nimmt, kann ermessen, das 1984 doch noch ein Silly-Verbot gedroht haben muss: Die „unbefahr’nen Gleise“ waren fertig eingespielt, sollten nun zur Endabnahme vor der Pressungserlaubnis und da war der Teufel los:

Track 1: hieß 1984 nicht Psycho und hatte keinen Hitchcockhinweis, sondern „Tausend Augen“ und Verse wie „tausend Augen hinter der Tapete….tausend Augen seh’n in meinen Pass…“, das war der Renftschen Ottoballade ebenbürtig – das ging ja gar nicht!

Einmal misstrauisch geworden ging auch Track 2 nicht: Unglücklicherweise der angekündigte Titelsong. Aber den Kontrollgewaltigen erschien die Metapher der unbefahr’nen Gleise nun als Hinweis auf die verunkrauteten Schienen im Todesstreifen zwischen den Mauern.

Danach die Ferne, naja, die war ja nun schon im Rundfunk gelaufen, die alten Männer, der Sonntagsong, der Liebeswalzer schienen nach dem gefährlichen Einstieg harmlos… aber dann wieder:

Track 9 „Nur ein Lied“ (wo meine Lieder leiden…leide auch ich…)! Das klang zu deutlich nach Bettina Wegner „Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen“ und das war auch ein Anti-Zensursong. Karma zum Rapport! Silly vor der Auflösung….

Aber noch so eine Renftlegende wollte man nicht erzeugen. Außerdem hatte man schon genug Rockprominenz auf der Ausreisewarteliste. Seit 1975 hatten auch die Funktionäre dazu gelernt: Schnellstens neue Texte für die 3 Songs her! Und dann raus mit der Platte und loben, loben, loben – je mehr Lob sie kriegt, umso weniger subversive Wirkung wird sie haben. Also „Platte des Jahres“ und ähnliche Preise her, damit alles wieder stimmt!

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Die „Liebeswalzer(zwischen unbefahrenen Gleisen)“ ist mir heute die liebste von Silly. Inclusive der ehemals verbotenen Stücke passt sie nach wie vor in die Zeit:

– die verblasste Covergestaltung als Ausdruck der Agonie,

– das Outfit der Musiker als oberflächliche Westtünche über den Unzulänglichkeiten des Ostens,

– der Sound, der dir die wortgewaltigen Wahrheiten um die Ohren prügelt

– und schließlich die Texte unverschliessen aktuell.

Assoziationsmöglichkeiten endlos – zumal in Ostdeutschland.

Fehler im System VI

Vorbemerkung

Was bleibt im 30. Jahr des Zusammenkommens? In diesen Tagen melden sich die 80er Erinnerungen wieder heftiger. Was ging einmal und geht nicht mehr? Was hat einst gefallen und ist verblasst? Was konnte seine Bedeutung bewahren?

Iggy Pop mag keine „fuckin‘ guitars“ mehr hören, las ich jüngst. Er steht nun auf Trompete. Bowie ist tot. Wären heute noch Alben wie „Lust for life“ und „Diamond Dogs“ möglich? Was würde heute Revolverheld oder Silbermond widerfahren, wenn sie „Militürk“ (Fehlfarben) bzw. „Kebab-Träume“(DAF) covern würden? Oder erst den 1983 schon leicht umstrittenen „Mussolini“?

Ich stehe am Fenster und merke, dass mir die Wandlungen der Zeiten nicht (mehr) gefallen. Ist das das Alter oder ist das wirklich alles Blödsinn, was mich so nervt? Eine rein rhetorische Frage. Ach, das soll ja hier kein weiterer Querdenker-Text werden. Ich hab … (Schnipp-schnapp; Schere im Kopf) Back to the roots! Let’s rock your teeth out!

Neustart! Probieren wir’s mal so:

Irgendwann einmal wird es heißen

 

– Max Giesinger, Schwiegermuttis Liebling, landet mit seinem neuen, Testosteron geschwängerten Album „Eierberg“ wegen Genderwahn-Kritik auf dem Index.

– Tim Bendzkos Ausflug in Fusion-Jazz-Gefilde „pissy peasy melody“ bringt ihm 5 Grammys in den USA.

– Tokio Hotel sahnen mit ihrem Black Metal Album „The Cow leeds Ruckuzz“ weltweit ab.

 

Wären das Schlagzeilen? Ist so etwas vorstellbar? Vom Wattebausch-Pop zu Relevanz?

Die ostdeutsche Band Silly hat so etwas Ähnliches fertiggebracht. Damals 1983. Long, long gone. Als die eigentliche Silly-Saga begann abzuheben. Und die geht so:

Ihre LP „Mont Klamott“ war die Kulturbombe einer sträflich unterschätzten Band.

Warum die so einschlagen konnte, hat damit zu tun, dass die Truppe bis eben noch „Familie Silly“ hieß und eine recht funkige, textlich aber unauffällige, erste LP draußen hatte.

Die Band existierte seit 1978, gegründet von Thomas Fritsching, Matthias Schramm und Tamara Danz, die zuvor Backgroundsängerin in der Horst Krüger Band war, dort aber die Krüger-Ehe crashte und ein neues Betätigungsfeld suchte. Dann sah sie Mothers Finest im Rockpalast und wurde daraufhin zur weißen Joyce Kennedy bei „the silly family“ – der anfangs nicht so ernst gemeinten „Ergänzung“ zu Mutters Besten.

Wegen der üblichen Einstufungsprozeduren musste man sich „Entenglischen“ und erfand für die Interviews die Geschichte von Tamaras Katze Silly, nach der man sich benannt haben will: Familie Silly – Katzenfamilie; klopsdoofe Geschichte, aber passabel um die geballten Autoritäten der Einstufungskommissionen vorzuführen.

Die LP „Tanzt keiner Boogie?“ stammt von 1981, kam 1982 in die Läden und verbrachte dort ein Schattendasein, bis das Radio den „letzten Kunden“ darauf entdeckte und rauf und runter spielte. Nun hatte die Band den Hit des Jahres. Für viele Ignoranten waren Silly damit so etwas wie die ostdeutschen Gebrüder Blattschuss geworden: Ein Sufflied. Witzig – solange es neu war. Kein Grund sich näher mit der Band zu befassen; zumal die Platte zugegebenermaßen nach dem blödesten Songtext benannt worden war: „Tanzt keiner Boogie?“ Er beschreibt die Disco-Situation aus dem Blickwinkel einer Tanzmaus-Emanze, die der Männerwelt das Nichttänzertum in steifen Versen vorwirft. Kein Hit für Kerle. Für die Chris Norman Sklavinnen aber musikalisch zu anspruchsvoll.

 

Die Texte sind auch die Crux dieses in der DDR einmalig gebliebenen Funkrockexperiments. Viele Köche verderben den Brei:

Jan Witte, Ingeborg Branoner, Demmler, Karma – das who is who der genehmigten Rockdichter und dazwischen mit zwei beachtlichen Schreibversuchen Tamara Danz selber. Alles in allem: zu viele Handschriften – Feuer, Wasser, Wind…

 

  1. Tanzt keiner Boogie? (Kurt Demmler)
  2. Irgendwann stinkt jeden mal was an (Tamara Danz)
  3. danach kräht kein Hahn mehr (Jan Witte)
  4. Blue Jeans (Kurt Demmler)
  5. Gut Nacht Amigo (Ingeborg Branoner)
  6. Angst in der Nacht (Jan Witte)
  7. Pack deine Sachen (Tamara Danz)
  8. er letzte Kunde (Werner Karma)
  9. Menschenland (Werner Karma)

 

Die schwächsten beiden Texte lieferte erstaunlicherweise Kurt Demmler. Der schien keine Lust gehabt zu haben, oder er hat die Band unterschätzt. Tamara Danz ist mit ihren Botschaften deutlich näher am Zeitgeist.

Mit „Gut Nacht Amigo“ steuerte Ingeborg Branoner einen schönen Rockballadentext bei, der idiotischerweise immer als Schlager diffamiert wurde, weil die Band mit diesem Song das Schlagerfestival „Bratislawska Lyra“ im damals noch ungeteilten Bruderland gewann.

„Danach kräht kein Hahn mehr“ (ein absolut gelungener Edel-Reggae) und die leicht angeproggte „Angst in der Nacht“ gehen auf das Konto von Jan Witte.

Bleiben noch Karmas Textideen zu „der letzte Kunde“ und „Menschenland“

Besonders letzteres fiel deutlich aus dem Rahmen: „Warum bin ich nur so allein in diesem Menschenland“. Das ist keine Melancholie mehr. Das ist die Depression. Die Wirkung entsteht durch ein beeindruckend cleveres Arrangement. Schüchtern zaghafter Beginn, langsames Aufrappeln, eigenartig müdes Aufbäumen, Implodieren (Resignation) …

„Menschenland“ ist auch weit weg von Funkrock, lässt im Nachhinein schon ahnen, was musikalisch folgen sollte. Vermutlich ist es bereits eine Ritchie Barton Komposition. Rüdiger Barton wird auf dem Cover noch als „Gast“ aufgeführt.

Er wird als festes Bandmitglied der Mastermind der Nachfolgeplatten.

„Alles zum Wohl des Menschen“ war seit 1971 DIE große Leitphrase der Partei.

Da war mal Aufbruchstimmung 1971-75, aber inzwischen war die Aufbruchsfloskel zur Lieblingsausrede der Funktionäre geworden: Das wird schon noch; Geduld, Geduld.

Das Menschenland DDR funktionierte zunehmend schlechter.

Der Text thematisiert diese Schattenseite, die Einsamkeit der Reformwilligen, die nicht zu verwirklichenden Träume, die fehlenden „neuen Menschen“, ahnt das Scheitern der Massenbeglückung praktisch schon voraus.

Karma ist diplomierter Philosoph. Kritischer Jungkommunist aus dem Dunstkreis von „Karls Enkeln“, damals ein bestaunter Singe-und Kabarett-Club, aus dem auch Eckard Wenzel (Singer/Songwriter) und Stefan Mensching(Dichter) hervorgingen. „Menschenland“ kann auch als resignierte leise Fortsetzung zu Renftens „Nach der Schlacht“ gesehen werden. Letzteres anno 1974 damals noch von Demmler getextet und von Monster Schoppe in die Welt gebrüllt.

1982 und der Großteil 1983 gingen ins Land und draußen tobte die NDW. Die offizielle DDR schien zunächst wieder einmal einen Trend verschlafen zu wollen. Von den etablierten Bands sprangen lediglich die Puhdys auf den fahrenden Zug der Spaßfraktion und erschufen mit „Jahreszeiten“ sowie „Tivi-Show“ zwei Nonsensliedchen der Marke „Pogo in Togo“ oder „Prima Klima“.

 

Die Klubhäuser der Provinz zeigten ein anderes Bild:

– Brigitte Stefan und Meridian tingelten durch die Lande als (Ost-)Ideal,

– Marion Sprawe und Juckreiz verdächtig nah an Nina Hagen und Public Image Ltd.

– aus einer unbedarften Jugendtanz-Combo „Keks“ wurde eine astreine Punkband mit dem späteren Knorkator-Klampfer Sebastian (Basti, Buzz Dee) Baur,

– Veronika Fischer war(ohne Band) „abgehauen“ und diese Band wurde zu Pankow, weil sie André Herzberg von der Gaukler Rockbühne abwarben.

 

Im Sommer 1983 erscheint ein gezähmtes LP-Debut von Pankow, zeitgleich mit der Keks-LP.

Keks wurden kurz danach verboten. Pankows hochgelobtes Rockspektakel war nun doch im Giftschrank gelandet und schnelle-mache-fix lieferten sie deshalb einen Reigen witzig spritziger Songs. Das große Ding in Sachen konkreteres Songwriting ließ auf sich warten.

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back where it all began

Und da war was in Arbeit: Artikel in der Presse über eine Umbesetzung bei Silly, eine Namensänderung (Wegfall des „Familien“- Begriffs, Wohngemeinschaft Barton/Danz, Fotos der Band vor Studiomischpulten hielten die Band, die nicht mehr „Familie“ sein wollte im Gespräch. Aber was wurde den „letzten Kunden“ zugetraut?

Dann pumpte der Grundrhythmus des „Mont Klamott“ erstmalig im Radio:

 

„…lass sie ruh’n die Väter dieser Stadt! Die sind so tot seit Deutschlands Himmelfahrt! Die Mütter dieser Stadt ham den Berg zusamm’gekarrt!“

 

„Deutschland“ in einem erlaubten DDR-Rocksong!

„Väter dieser Stadt“(Ostberlin) – selbst wenn man nicht auf Politbüro-Greise kommt, sondern nur gemäßigt an Stadtverordnete denkt: Parteibonzen sind allemal gemeint und die kommen hier nicht gut weg!

„Mütter dieser Stadt“ – Trümmerfrauen, zum Parteiklischee geronnen, wie singende Baggerfahrer und schreibende Maurer tauchen hier absolut unpropagandistisch auf, erhalten quasi ihre Ehre entideologisiert zurück.

Konnte man glauben, dass es diesen Song demnächst auf Platte geben würde?

Wenige Tage später hatte ich sie und legte sie im Studentenwohnheim auf.

Sie beginnt mit dem Titelsong und den kannten wir ja bereits.

Es folgte „Heiße Würstchen“, die Graupe auf der Platte.

 

(Vermutlich hätte hier „Dicke Luft“ hingehört. Ein Song über Smog in Berlin. Westberlin hatte gerade den ersten (und einzigen) Smogalarm ausgerufen. Umweltverschmutzung in der DDR? Gab’s nicht! Basta! Das Lied musste weg; schnell ersetzt werden – und ist auf den Nachwende-CDs nun Bonus-Track.)

 

Singense halt über Currywurst. Gabs ja damals auch gerade ‘ne bekannte Westvorlage für.

Meine beiden Raumteiler, Hirschbeutelblueser alle beide, machten sich’n Bier auf, stellten achselzuckend fest, dass sich das ganz schön zackig nach Ideal anhört, textlich aber nix ist.

Kleines Aufhorchen am Schluss. „Das ist fatal./Fatal fatal./Das ist IDEAL fatal./Total egal.”

Na ja. Tamara deutet abschließend noch einen operettenhaften Nina Hagen Sanges-Schlenker an. Das war’s.

Dann aber kam’s dicke:

Hörsensationen am Fließband. Wir drei vergaßen das Bier in unseren Händen, waren praktisch nur noch OHR und schafften zwischendurch gerade mal „hohoho!“ „stark!“ „gibt’s doch nicht!“ „Und das bei uns!“ loszuwerden.

 

Die wilde Mathilde (ist 30 Männer alt/und immer noch im Bilde/und noch kein bisschen kalt!“, fegte aus den Boxen. „….wenn die dich mal betrügt! Verzeih es ihr milde! Du hast halt nicht genügt!“ Gaaaanz nah an Nina Hagens „unbeschreiblich weiblich“ oder „Pank“!

 

Danach die Gräfin: …wohnt in einem heruntergewirtschafteten Altbau der Kommunalen Wohnungsverwaltung(KWV) und hat schon mal bessere Zeiten gesehen; Tamara vergleicht sich mit ihr und stellt fest, dass die belächelte Alte mehr Durchhaltevermögen bewiesen hat, als man selbst und empfiehlt sie praktisch als Vorbild. Eine alte Adlige! Noch mitten im Sozialismus!

 

„….die (alte Gräfin) ist so grau wie ihr verschoss‘nes Haus/die KWV macht keine Unterschiede/und meiner Gräfin macht das nichts mehr aus.“

 

Ein Lied für die Menschen: Ist sozusagen „Menschenland“(Teil2); eine Ermutigungsballade, die das Schicksal hatte, beim alljährlichen Rock für den Frieden Festival bereits 1982 zur Abschlusshymne erwählt zu werden. Der Text enthielt damals noch 2 Zeilen mehr, die nicht auf Platte durften. In einer der mittleren Strophen hieß es ursprünglich:

 

„Ein Lied für die Menschen/das durch Mauern geht/ein Lied für die Solidarität!“

 

Die großen weisen Aufpasser hörten „Mauer“-Anspielung und „Solidarnosc“ im Subtext und Karma musste ändern.

Platte umdrehen und ab dafür! „Raus aus der Spur“: zupackend, unbequeme Denkanstöße aufzählend „so manchen Traum muss ich nun zieh’n/ nur weil ich nicht gekämpft hab für ihn….“ Und „wie den nur- wie denn nur- raus aus der Spur….“; aufbrechen, Neuland gewinnen, nicht anpassen, das Kreuz durchdrücken, den aufrechten Gang trainieren!

Weiter geht’s im Reigen der Brenzlichkeiten:

„Unterm Asphalt – liegen die Toten … glücklose Boten….“

 

– warum nicht auf’nem Friedhof? Wen will man unter Asphalt vergessen machen? Unter den Teppich kehren? Sind’s die vertuschten Unbequemen? Wen – außer Biermann, denn der lebt ja noch – gäbe es denn da? Der Song motiviert zum Suchen.

 

 „die Handvoll Jahre, die ich leb/sind zu schade, dass ich sie vergeb! Ich trau meinen Augen und nehm’ euch beim Wort und wehre mich eh mir die Hand verdorrt!“

 

Wer soll da beim Wort genommen werden? Gegen wen muss man sich hinter der Mauer noch wehren, wenn man doch beschützt wird von allen Seiten? Sag bloß, es gibt Anzeichen von Willkür im Freistaat der Werktätigen! Für mich nicht nur der beste Song der Platte, sondern einer der besten Silly-Songs überhaupt.

Dann die „Puppe Otto“: … hängt an ihren Drähten in ihrer Puppenbar; Fernsteuerung, Marionettenverhalten, Scheinwelten erzeugen in tausenden Pflichtveranstaltungen; wer hat da nicht mit gemacht? Hinterher im richtigen Alltag wurde wie immer zynische Selbstrettung versucht.

 

(Weshalb musste die Puppe eigentlich Otto heißen? Wegen der Ottoballade von Renft?)

 

Abendstunden: „…wenn die Trommelstöcke ruhn/und wenn unsre großen Meister/ etwas ganz privates tun…“ genießt man den Feierabend. Kraft schöpfen für die nächsten Tage der 1983 bereits spürbaren Stagnation.

Damit verklingt die Platte in harmonischem Wohlklang. „Abendstunden“ ist ein deutsch-deutscher Bruder von Spliffs „heut Nacht“ mit etwas dichterem Arrangement.

Der nächste Tag sah meine beiden Mitbewohner im Plattenladen. Die „Mont Klamott“ kaufen, bevor sie verboten wird. Wurde sie aber nicht. Sondern „Platte des Jahres 1983“. Sie war in aller Munde. Und die Wirkung hielt an. Jede weitere Silly LP bis zur Wende wurde als künstlerisches Großereignis herbeigesehnt. Gerüchte gingen voraus, was diesmal wieder herausgestrichen sein soll…

Der Sound der Platte ist fett. Ein in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk. Die Kompositionen sind nicht über die Jahre zusammengestückelt worden, sondern Karma hat ein Bündel Texte abgeliefert und Barton und Schramm haben sie musikalisch ummantelt. Mothers finest Funkrockeinflüsse tendieren gegen Null. Es ist ein 80er Jahre Keyboardalbum. Im Stil der damals angesagten NUALA im Westen. Gott sei Dank verzichtete man auf den gefürchteten Schlagzeugsound der Zeit.

Tamara singt anders als auf der „Tanzt keiner Boogie?“

Vielseitiger, anpassungsfähiger irgendwie: Selbst beherrscht im Titelsong, flippig herum zickend in „Heiße Würstchen“, in der „wilden Mathilde“ ganz kreischendes Marktweib, mystisch beschwörend im „Asphaltsong“ und in den „Abendstunden“ versucht sie sich als tröstende Fee, aber da wären noch Reserven. Zerbrechliche Elfe ist nicht das, was einem bei Tamara Danz zuerst einfallen würde.

1974 war mit der 2.LP von Renft zum letzten Mal etwas subversiv Provokantes im DDR-Rock an die Öffentlichkeit gelangt. Zwischen 1974 und 1983 waren von guten Bands durchaus gute Platten veröffentlicht worden, aber weltabgewandt, romantisch. „Mont Klamott“ war ein Fanal. Motivierend. Silly waren nun so etwas, wie die Renft der 80er Jahre und lieferten bis zur Wende noch 3 weitere starke Alben ab.

Der Soundtrack der Wende…

…war für mich nicht „Als ich fortging“, „Wind of change“ und „Freiiiii-heit, ist das einzige, was fehlt“.

Das fast vergessene Jubiläum naht. Seit 30 Jahrn nu simmor Wesdn! Da denkch ochema zurück:

Der erste Song stammte von einer 1989 seit gut 5 Jahren künstlerisch toten Band: Karussell. Und einer der überflüssigsten LPs der Ostrockgeschichte „Café Anonym“. Und war bereits 1987 „Hit des Jahres“, wer immer auch die DDR-Hitparaden fälschte.

Der zweite Song stammt von einer Band, die sich durch die internationalen Hardrockeinflüsse klaute und ab und an mal einen Treffer landete: „In Trance“…“Is there anybody there?“ … „Still loving you“ Aber sonst? „Ibrahim! Rock you like a Hurrican!“ Ist das heute eigentlich noch pc? Also die brauchte ich eigentlich auch noch nie wirklich heftig.

Schwieriger liegt der „Fall Marius“. Hach, hatte der mal eine Kodderschnauze! „Loch in meiner Tasche“, „von drüben“, „Zurück auf die Straße“, „Berlin du alter Junkie“, „Hey tanz mit mir!“… aber dann reimte er irgendwann Natascha auf Flascha und wurde sowas wie ein Ruhrpott-Maffay. In der Wende gefiel er mir grade noch, aber kurz darauf schmierte er ab – um nie mehr wahrgenommen zu werden.

Nein, meine Wendehymnen sind andere. Hier ein paar Schnipsel. Rate mit! Wieviele (er-)kennst du noch?

Bandsalat 87/91

„Alright friends, now you’ve seen the heavy Groups! Now you will see Morning-Maniac-Music.  Believe me, yeah. It’s a new dawn. Morning people! When the truth is gone…./Wir machen ein Geschäft mit deiner Seele/mit Jumping Jack and Lucy Sky, im Dschungel an der Hochbahnbrücke war Rudi auch noch mit dabei/Here I am again on my own, travel down the road I only Know!/kiss via satellite!/aber fliegen hab ich nicht gelernt, davon bin ich weit entfernt/satt zu essen und’n Ausweis in der Tasche, der was gilt/Schweigen und Parolen, laut schrein und verstohlen schwach sein und Wille in Bewegung und dann absolute Stillestillestille/Taking the long road/What about you?/Aber das ist ja ein Ziegelstein?!/Halber Meeeensch! Geh weiter! In jede Richtung!/ Nicolo Ceaucescu is my name, the world of power is my game/noch 3 Schritte, da ist die Tür, dann hätt‘ ich alles – wirklich alles endlich hinter mir!/ the mercy seat is waiting and I think my head is burning/Komm! Du großer Träumer, komm-ruh dich aus!/ Steh ich vor’m Schreibtisch, sagt da einer zu mia: Wir bauen auf und tapeziern nicht mit, wir sind so stolz auf Katarina Witt!/Der Götzendiener pisst sich ein, es könnte alles falsch gewesen sein!/Ohhhh life! Is bigger! Far from me now! Losin‘ my religion/Gott hat sich erschossen, ein Dachgeschoß wird ausgebaut/ Der Steuermann betrunken und keiner weiß, wo der Käpten is‘ und wie der Notruf heißt: war’s nicht SDI oder CIA, save our money oder  Ju-Es-Äy?!/ Footsteps on the dance floor remind me baby of you, Teardrops in my eyes, next time I’ll be true, /Wiiiiiir sind die Wunderkiiiiinder…wir werden auch viel schneller als andre Kinder alt/anybody drink before the war?!/Das Grab im Mo-ho-ho-hor! Vergessen, vorbei!/You’re a twist in my sobriaty/ So don’t worry, be happy!/ Isch brauche nur zweierlei, orbaitslus un‘ Spoaß dobei!/Warum denn immer wieder mit Kanonen auf Spatzen? Das Blut spritzt rot; im Präsidium kreisen die Geier liberal und lachen sich tot!/Leben! Leben heißt Leben! Wenn wir alle die Kraft spüren…/Noch fliegt die schwarze Galeere weit über die Meere und durch die Zeit/Schönen Gruß vom Schnitter!

Querdenker X

Ach Mensch.

„Da mich nichts erlöste, sah ich das Elend ganz.“, schrieb ich neulich in meiner Bob Dylan Übersetzung von „Every Grain of Sand“. Die Zeitform war falsch: Ich seh es immer noch. Und es wächst sich aus.

Dieser Tage ist wieder viel die Rede von Menschlichkeit und Werten. Vater würde sagen:

Jeder redet von dem, was er nicht hat.

Wie passt die alljährliche Jubelmeldung über die 1000 reichsten Deutschen zum Schattengefecht um die Haarspalterei um den neuen Kampfbegriff „Bürgerlichkeit“? Hurra, die neue Nebelkerze ist da!

Jene 1000 Milliardäre repräsentieren den Erfolg der deutschen Wirtschaft! Sollten wir stolz auf sie sein? Mann, waren DIE fleißig!

Beim überteuerte Autos bauen, beim Klima killen, beim Afrika-Ausplündern, beim Brasilien über den Tisch ziehen, beim Cum-Exen, beim Schlauchboote an Libyer verkaufen?

„Klingt jetzt nicht sehr schön; kann man aber auch mal so sehn!“ (frei nach Lindenberg)

Wird man auf ehrliche Art Milliardär?

Wie ist das nochmal mit der „Unbürgerlichkeit“ der AfD?

Gegründet von Professoren für Volkswirtschaft, anziehend für Burschenschaftler und reihenweise Juristen, seit 6 Jahren auf Erfolgskurs.

„Die Populisten greifen die Fragen auf, die die anderen Parteien liegen ließen.“ (Kai Diekmann, MAZ-Interview)

Wer zahlt denen ihre Wahlplakate, ihre Flyer, ihre Luftballons, Kulis …

Ach ja, da war ja jener Kauz in der Schweiz, mit dem die Weidel…

Hitler hatte als Geldquelle ja auch nur Winifred Wagner und ihr Kränzchen; is‘ ja bekannt. Ironie aus.

Ich fress‘ meine Tastatur ungesalzen, wenn nicht der eine oder andere Dax-Vertreter längst über zwischengeschaltete Stiftungen …. Anders ist die Flut des kostspieligen Propagandamaterials flächendeckend nicht erklärbar. Müsste mal recherchiert werden. Hallo, 4.Gewalt! Tschuldigung, manchmal träume auch ich noch.

Wie war das nochmal: Vernunft sollte siegen, als im 17. und 18. Jhd. die Aufklärung vor sich ging. Der Erfolg schien in Europa einer Vielzahl von Staaten recht zu geben. Atheismus ermöglichte die Aufhebung von Denkverboten, Fortschritt explodierte, wie der Besen in Goethes Zauberlehrling. Er schüttet und schüttet nun nicht Wasser, sondern Menschen in die eigene Bude.

Adam Smith hatte damals eine faire Vorstellung von Welthandel: Die einen haben Bodenschätze und die andern das Now How diese zu verwerten, wenn die einen das an die anderen liefern, was ihnen fehlt, ist beiden geholfen. Der Markt wird’s richten. Nicht vorhergesehen hat er, dass die, die das Now how haben, auf die Idee kommen, Konzessionen zu erfinden, mit denen sie quasi Eigentümer der Bodenschätze der anderen werden. Und schon ist nicht mehr beiden Seiten geholfen, sondern nur noch der einen – und die wird daraufhin Milliardäre erzeugen. Oder eben Fluchtursachenerzeuger. Komplexe Geschichte.

„Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ hieß es im hessischen Landboten, im 19. Jahrhundert, als die soziale Frage in Europa immer drängender wurde und jeder Gutbetuchte gut beraten war, zwei geladene Reiterpistolen bei sich zu führen, wenn er im offenen Landauer durch die Stadt fuhr. Eine Schulbuchillustration prägte sich ein: „Friedrich Engels im Elendsviertel von Manchester“. Arbeiter hatten WIRKLICH nichts zu verlieren als ihre Ketten…. Das wurde anders, dank sozialer Marktwirtschaft; die existierte, weil „das Gespenst des Kommunismus umging“. Als es für eine Weile in russischer Knuten-Version real existierte, wuchs der Kapitalismus in seiner gezähmten Version über sich hinaus und gönnte seinen Heloten etwas. Zähne knirschend. Ein Durchschnittseinkommen reichte in der BRD der 70er Jahre für eine 4köpfige Familie, nicht in Luxus, aber gut zu leben.

Als das Gespenst im Osten, an seiner selbstgeschaffenen Liturgie und mangels Führungsintellekt zugrunde ging, streifte der Wolf im Westen sein Schaffell ab. Nicht allzu plötzlich, sondern so Strip-Show-mäßig. Stück für Stück wurde das Monster sichtbar: You can leave your hat on! You know?

1998 wurde „Mehltau“ vom Land geblasen, als Kohl ging. Es kamen „Arbeiterführer“ in Boss-Anzügen. 1999 ließen sie die Katze aus dem Sack: Ökosteuer und Agenda 2010. Das große Kamikaze der Partei des „kleinen Mannes“, die sich plötzlich beraten ließ von den strippenden Wölfen. Glaubwürdigkeit passé. Die Ökosteuer schadete der anderen Truppe nicht. Was folgte, war der Hohn der Auto-Lobby: das Märchen vom sauberen Diesel und der SUV-Boom. Bald kommt die CO2 Steuer. DIE wird’s richten! Ironie aus!

Der Krug geht solange zum Wasser, bis er bricht.

Friday for future. Ein Revival der 80er Ökobewegung? Die Grünen verkaufen es so. Besser als nichts ist es auch. Nur: Wenn die Protestler von gestern morgen ihre Fleppen haben, erben sie Muttis SUV und spenden an „Brot für die Welt“. Frau Merkel lobte Gretas Aktionismus und eröffnete die IAA.

„Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ hat sich abgenutzt. Frau Wagenknecht geht. „Aufstehen!“ erwies sich als Flop. Noch leben selbst „Dauer-Hartzer“ besser, als Vollzeitverdiener damals in Engels‘ Manchester. Und Vollzeitverdiener heute? Solange sie DINKS* bleiben, kann es noch an gehen; lässt sich noch gut leben. Als Kleinfamilie schon nicht mehr. Wenn ein Gehalt wegfällt und die Miete drückt, dann müssen Oma und Opa einspringen, sonst wohnt das junge Glück schnell unter Alkoholikern und – wie sag ich’s stubenrein – Mitbürgern mit erhöhter Wohnraumflexibilität. Klar, dass, wer das weiß, eher auf Nachwuchs verzichtet. Bleibste eben DINKS-Pärchen*. Kannste noch auf Kreuzfahrt gehen.

Die Politik schläft fest. Oder jammert lieber über den Generationenbaum und preist die Ankunft der Arbeitskräftereservearmee von außerhalb als Traumlösung an. Niemand bekämpft Neoliberalismus! Eine große Gemeinsamkeit aller vorhandenen Parteien!

Als in den 80ern die heutigen Milliardärsfamilien auf den Dreh verfielen, die Hochlohnland-Gehälter dadurch zu umgehen, dass sie den Kolonialismus 2.0 erfanden und z.B. in Bangladesh nähen oder in China schrauben ließen, begann der Totentanz der Arbeiterbewegung; gewerkschaftliche Bemühungen um soziale Verbesserungen wurden aussichtslos. Ruuuuhig! Der Markt wird’s richten!

Schon. Aber eben nicht für alle. Armer Adam Smith. Rotierst du im Grab?

Warren Buffet: „Es ist derzeit ein Kampf „arm gegen reich“ – „reich“ gewinnt.“

Je internationalisierter die Produktion, um so aussichtsloser die Organisation der (internationalen) Massen der abhängig Beschäftigten zur Gegenwehr. Der proletarische Internationalismus war eine Mär. Der Sieg der bürgerlichen Vernunft ist es auch. Und ne Vermögenssteuer ist doch nu wirklich ein Verbrechen, nicht wahr? Aber auf die CO2 Steuer freuen wir uns. Alles wird gut. Ironie aus.

* DINKS = Double income no kids

Binz again

(oder Prora-Klaps 4)

Rügen.

Sommer für Sommer, weil Brüderlein dort wieder Urlaub macht.

Ich fahre unter der Woche und frühzeitig.

Klar. Yes sind wie in den Jahren zuvor dabei. „Heaven and earth“, die viel gescholtene. Passt aber in unsere Zeit. Gibt keinen besseren Soundtrack für eine Ferienfahrt gen Norden. Die Piste ist, wie sie sein muss, wenn Götter reisen, leer.

free bird...

as a free bird flies from the hand

Statt NDW ist dies’Jahr noch Joan Armatrading an Bord. Taking my Baby up town, sozusagen. Hat alles seinen Army-Bezug. Joan Armatrading bei der NVA? Wie das zusammengeht, willste wissen? Wart‘s ab. Ich geh auf Brother to Brother Tour. Music is the best! Und alte Spielhagen-Literatur.

Schon seltsam irgendwie, dass sich der eine Bruder eine Weltecke als Dauerurlaubsort aussucht, in der der andere einst Erfahrungen erfuhr, die ihm den EK-Spruch einbrannten:

„Drei Worte genügen – nie wieder Rügen!“

Eigentlich sollte der Armee-Scheiß dieses Jahr draußen bleiben, wenn ich über Rügen schreibe. Der Prora-Klaps schien geheilt, nachdem sich „mein Trakt“ letztes Jahr in der Entkernung befand und dieses Jahr wohl sicher Steuersparappartmentsilo für Herrn und Frau Irgendwasmitgeld geworden ist. Aber dann überkommt es dich eben doch wieder: Du fährst über diesen neuen Golden Gate Brückenabklatsch auf die Insel und fühlst dich automatisch komisch. Es ist nicht so, dass ich ununterbrochen an SPW und Spieß-Ural denke, aber blitzlichtartig sind diese Eingebungen mit von der Partie, obwohl ich mich doch eher mit vorbeifliegendem Farn am Wegesrand ganz still über Baronessen in Gutshäusern unterhalte, wie sie mein literarischer Hausgott erschuf. Das alte Forsthaus Prora  saust vorbei. Seine burgenartige Protzarchitektur zeugt von der untergegangenen Herrschaftlichkeit des ostelbischen Landadels. Rügen ist irgendwie auch wie Ostpreußen. Man kennt all diese Wehmut-Dokus, die im Laufe der Jahre so über die Bildschirme flimmerten. Alleen, Äcker, (Ur-)Wälder, Bunker- und Schlossruinen. Manche zwischendrin auch mal wieder restauriert. All das hat Rügen auch zu bieten. Und viel hätte nicht gefehlt, als Stalin in Jalta seine Grenzvorstellungen durchdrückte und immerhin schon Usedom sein polnisches Schwänzchen bekam.

Andererseits: Das Förster-Schlösschen lag zu Mauerzeiten im Nichts. Ich sah es zum ersten Mal, als ich auf der LO-Ladefläche ohne Plane mit anderen Glatten im Frühjahr 80 am Sonntagmorgen zu einem Schießplatz gekarrt wurde, um dort das Wegenetz für die „Sommerausbildung“ neu abzustechen. Die Spatensoldaten gab es damals in Prora noch nicht. Glatte haben keinen Anspruch auf Wochenende. Aber es war Frühjahr. Bald ist Mai und die neuen Glatten würden kommen. Das erste Diensthalbjahr war fast überstanden! Das Wetter war prima. Wir Glatten waren, von ein paar Kapos abgesehen, unter uns. Auch die Unteroffiziere schickten zu solchen Anschissdiensten am Wochenende nur ihre Glatten raus. Also die, die noch volle 2 von 3 Jahren vor sich hatten. Die waren glatter als wir, deshalb legten wir unsere Pausen selber fest und die Kapos setzten sich dazu. Keine störenden „Zwischenkotzkeime“ von der Waterkant, die uns in den Unterkünften schurigeln durften. Trotz Schaufeldienst ein Wonnemoment. Es duftete nach Frühling. Die Sonne schien. Glockengeläut von irgendwoher. In Ruhe gelassen werden. Das Schloss von eben fiel mir wieder ein. Rudelsburg und Schönburg „klopfen an“. Von fern bellt ein Hund. Im darauffolgenden VKU (verlängerter Kurzurlaub) werde ich Besitzer der „Heroes“ von Bowie. Die zweite Seite ist fast komplett instrumental. Düster. Dräuend. Irgendwo ganz hinten im Mix bellt plötzlich ein Hund. Woran denke ich, wenn ich sie heute höre? Die Insel „ist ein Teil von meinem Leben“. Wie in dem Song von Transit, nur anders.

DSC02995-002spielhagenSpielhagens Romane haben das aufgefangen. Er wuchs bürgerlich auf in Stralsund und war als Oberschüler oft auf den Gütern seiner Klassenkameraden zu Besuch. Rügen war sein Ausrittparadies. Er wurde zum Chronisten des 19. Jahrhunderts und all der Auswüchse jener Möchtegern-Klassensymbiose zwischen borniertem Landadel und größenwahnsinnigen Gewinnern der Industrialisierung. Seine Werke schaffen die Gratwanderung zwischen intelligenter Gesellschaftskritik und Gutshausromantik. Genau das willst du lesen, wenn du in einer der schönsten Ecken der Täterätätä Ungemach erdulden musstest und dir trotzdem die Gegend an sich nicht miesmachen willst.

Du wolltest nie wieder nach Rügen! 1981. 17 Jahre hats gehalten. Seit 1998 bist du nun aber 6 oder 7x dagewesen. Mit 4 ausgedehnten Stippvisiten nach Prora. Masochistischer Trieb des Unterbewusstseins irgendwie. Nein falsch: Eher Genugtuungssucht! „1-2-3- die Scheiße ist vorbei!“ Sieger der Geschichte sein! Deine Kaserne verfällt! Die Nachfahren der Längerdienenden wackeln hier und da in braunen ASV-Trainingsanzügen in den Vorgärten der Barackenbungalows herum, wohnen da noch, verschneiden Hecken, jäten Unkraut. Jedenfalls 1999. Als ich in einer solchen Einfahrt wenden will, weil ich mich auf der Suche nach „meinem Trakt“ verfahren hatte, steht da so einer mit Gesten des Vertreibenwollens und macht auf dicke Trainingshose. Scheinbar will er mir mitteilen: Mein Touristen-Auto, gebaut vom Klassenfeind, hat in seiner Einfahrt nichts zu suchen! Kuppeln, schalten, Gas geben, lenken. Dann den Finger hoch! „Leck mich, Sacki-Brut!“ Yeahr! Die Wunden von 79-81 gingen da gerade nochmal auf. Aber was für ein Gefühl, wenige Minuten später genau an dem Strandabschnitt zu stehen,

– an dem ich einst Welskopf-Henrichs Spätwerk „Nacht über der Prärie“ las und den „Schnauzer“ und die „Früchte des Zorns“. Beute aus der MHO, die es „draußen“ vermutlich wiedermal nur unterm Ladentisch gegeben hätte;

– an dem ich sonntags mit meinem Plattendealer im Sand lag und Vereinbarungen traf: „Du, besorg mir ma bitte noch die Joan Armatrading.“ (Der einzige Deal, der damals nicht gelang.) Die „to the limit“ ist eine verhexte Platte. Zu Mauerzeiten nicht beschaffbar, danach vergriffen, vor 2 Jahren immerhin in Amazonien downloadbar und nun endlich-endlich erhältlich. (Lach nich‘, Spotyfeixer! DIE musste noch sein! Collecting Records ist eine Kulturtechnik! Das wirst du nie begreifen.)

– an dem es eines Nachts hieß: „Posten 3 hat durchgerissen!“ Rattatatat! Vorkommnis! An der Ostküste von Rügen! Seeseite! Fichten, Farn und Sand. Welche Sorte Feind haucht dort nu‘ sein Leben aus? Die Wachdienstbereitschaft der Kompanie bekommt Alarm. Ein Leutnant mit 6 Mann eilt zum Ort des mutmaßlichen Anschlags auf die Sicherheit der Republik und findet -? – – – Soldat H. auf dem Turm; die Kalaschnikow noch im Arm, fasziniert auf die Büsche neben sich starrend. „Soldat H.! Meldung!“, brüllt der Lolli durch die Nacht. Der Ex-Hilfsschüler mit dem Kinski-Blick, und nunmehriger Angehörige der bewaffneten Organe oben auf dem Turm lehnt sich unmilitärisch über die Brüstung und zeigt ins Farnkraut und gibt strahlend Antwort: „Genosse Leutnant! Ka‘nickels!“ Anderntags sprang der Spieß im Dreieck: (Wachvorkommnis, Kopp voll! Der Spieß muss ein Protokoll schreiben und kann’s nicht; 8 Schuss weniger in der Waffenkammer; Meldung an OvD) „SCHREIBEEEEEE! Mach dat!“ —„Hat der Idiot auch noch mit Feuerstoß geschossen, du!“ „Dat gibt nich! Du! Dieser Idiot!“ „Und ich kann mir die Prügel vom OvD abholn, du!“ „Alles Arschlöcher! Die Wehrpflichtigen! Alle! Du auch, Schreibeeee, du bist auch’n Arsch solange du nich‘ aufkohlst!“ „Schreib Meldung!“ „Aber schreib ja nich von den Ka‘nickeln, du!“ „OvD macht mich zur Schnecke! Was für Idioten bei uns auf Wache ziehn!“ „Lass dir was einfalln, du! Als Protokoll! Und lass das den H. unterschreim, du! Du Soldat du! Oder die Balken* kannste dir nächstn Monat abschmatzn!“

Ich: „Das ist mir -“

„Halt dein Maul, du! Bist genauso‘n Arschloch wie der H.! Sachsen!“

„Der H. is aus der Prignitz, Hauptfeld‘, der is‘ dein Landsmann.“

„Ich hau dir gleich in die Fresse, du! Du redest, wenn du gefragt wirst!“

Ehrendienst. Für’s Leben lernen.

Und nun zivil am selben Strand!

40 Jahre später. Du bist nicht mehr der Spießschreiber eines Vollhonks! Der Block deines Bataillons … Dort gibt’s nichts mehr zu sehen. Da musst du nicht mehr hin!

Rügen ist jetzt nur noch Spielhagen-Eiländ!

Dieses Jahr auf besondere Art und Weise: Ich habe Herschelmanns Burgruine gefunden!

Er präsentierte sie hier. Ich wollte dahin! Selber-Knips!

sdr

Die Zehren-Burg?

Auf seinen Tipp hin, fuhr ich nach Dranske. Da, wo die Insel ihr Ende hat und Hiddensee fotografiert werden kann. An einem Tag mit KEINEM Badewetter. Also alle Touris nicht am Strand, sondern on the Road. Kollaps in beiden Richtungen. Bin dem Schicksal doppelt dankbar, dass ich kein gebürtiger Rüganer bin. Du kannst vor Touristen nicht treten – und schon gar nicht fahren. Und manche versuchen‘s dann noch in konstanter Boshaftigkeit als Radfahrer! Auf’ner Insel ohne Radwege! Leitplanken beidseitig. Alleenschutz. Bummelei somit Notwendigkeit. Tatütata von hinten? Nix Rettungsgasse. Biste ernstlich krank, haste verlor‘n. In Dranske such ich nach Einheimischen und gerate an Schweden, Wessis und Holländer und schließlich an eine freundliche tschechische Kellnerin. Ich zeige ihr das Herschelmannsuchbild. Nix Auskunft. „Wenn Sie das gefunden. Schreiben Sie mir Mail bitte? Mich interessiert das auch.“ Sie räumt ab und kehrt zurück mit ihrer Mailadresse auf’nem Zettel. Wow! Sachen gibt’s! Ich hielt Wort.

Dann gehe ich ins Gemeindeamt und dort endlich – ein Eingeborener! Zivilisiert. Kein Fischbein in der Nasenscheidewand, kein Sachsen-Knochen im Haardutt, keine Anker-Ohrgehänge, einfach ein End50er in Zivil. Freundlich und mitteilsam. Der erkennt das Bild sofort und erklärt, dass ich die ganze Hammeltour von Binz hierher umsonst gefahren bin, denn die Ruine steht – ganz woanders. (Danke Jürgen! Grummel-grummel!)

Also zurückfahren und dann rechts weg. Komisch freie Straße plötzlich. Zweimal an der waldigen Abfahrt vorbei gerauscht deshalb; dann doch gefunden.

SA-GEN-HAFT!

dav

out of the tunnels mouth

Und fast keine Leute da! Deshalb bleib ich mit genauerer Ortsangabe mal sicherheitshalber auch im Ungefähren. Kann ruhig noch ein paar Jahre Geheimtipp bleiben. Kannst ja auch nach Dranske fahren, wennde hinwillst!

Ich steige aus dem Auto, gehe ein paar Schritte ins Grüne und stehe mit eins vor der Burgruine, die ursprünglich ein Wasserturm gewesen ist, der bis in die DDR-Zeiten funktioniert hat. Bei Herschelmann steht, dass ein Eisenbahnmagnat das Ding kurz vor 1900 finanziert haben soll. Das brachte mich auf die Spielhagenfährte, weil dessen Halbbruder in preußischem Auftrag Schienen durch Thüringen verlegte und reich wurde. Der hatte mit Sicherheit ebenfalls diesen Stralsund-Bezug wie der große Poet, und somit die Verbindung zu den Junkerfamilien der Insel.

Noch besser aber ist, dass der Turm praktisch der Eingang zu einem wildromantischen, versteckten Park ist, indem eine Baumgruppe existiert, die krüppelig verwachsen ein natürliches Laubzelt bildet, unter dem gepicknickt oder gefeiert werden könnte. Spielhagen beschreibt in seinen Romanen des Öfteren solche Soireen von Adelsfamilien an lauschigen Plätzen; an Hünengräbern oder unter Urwaldriesen. Meist ist dann ein Gewitter im Anzug und die Katastrophennachricht, die wie der Blitz einschlägt und einen Teil des Figurenensembles in den Ruin stürzt. Spielhagen muss hier gewesen sein! Hier hat er zu Abi-Zeiten um 1847 herum als Feriengast des „jungen Herrn“ gefeiert, getanzt, begehrlich in den Nackendutt der ein- oder anderen Komtesse gestarrt und sich standesbewusst die Annäherung verkniffen! Vielleicht aber saß man auch in späteren Jahren hier zusammen, als die Nachricht von der Lasker-Rede eintraf, die 1873 die Gründerkrise auslöste?! Brauerei- und Eisenbahnpleiten massenhaft!

Ruine der Zehrenburg

…seine Schritte führten ihn zum Ort der alten Geschehnisse…

Wüsste man nicht, dass der Wasserturm von 1895 ist, dann könnte man die Ruine für die Zehren-Burg halten, in der der letzte Raubritter Rügens um 1833 als Pascher-König zur Strecke gebracht wird. „Hammer und Amboss“ erzählt davon.

Eventuell wollte jener Eisenbahngeldhai, als er vom Gastgeber einst unter das Laubzeltdach geführt wurde, auf eben jene Von-Zehren-Episode Bezug nehmen, seinen nun schon angefeindeten Dichter-Bruder ehren? Unterhalb des Hügels liegen Gebäude verstreut, deren einheitliche Gestaltung die Reste eines Muster-Gutes ahnen lassen. Das war 1895 sicher noch intakt!

Wieder beim Auto bemerkt Bruderherz den vielen Rhododendron in der Buschanei am Wegesrand. Kulturpflanze in der Wildnis! Das muss eine Geschichte haben! Wie kommt der hier her? In dieser Zahl! Wer kam auf die ursprüngliche Idee? Wann? Aus welchem Grund? Welche Baroness tröstete sich so über verordnete Gattenwahl hinweg? Eine Melitta-Pflanzung? Oder eine Happyend-Feier a la Edith? Bruder und ich folgen dem Pfad zu Fuß ein Stück. Nächste Überraschung: Ein Gutshof in der Wildnis. Top restauriert. Neues Tor. Privat. Kein Zutritt. Kein Namensschild.

Ich weiß trotzdem, wer da wohnt. Der Geist Spielhagens. Alles, was er schrieb, ist hier zum Greifen nahe! Sehe ich nicht schemenhaft seinen weißen Bart dort oben am Fenster? Sonnenstich.

(Gottlob hab ich nicht gegoogelt, denn dann erfährt man, dass das ganze Phänomen dort angeblich erst aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt. Zerplatzt wäre der Tagtraum.)

Wir fahren zurück. Der Tag geht zur Neige. Brüderlein fühlt sich nicht und zieht sich bald nach dem Abendbrot zurück. So absolviere ich den abschließenden Strandspaziergang allein. Schiffe am Horizont. Dämmerlicht. Ian Hunter Stimmung:

„We walked to the sea, just my father brother ’n‘ me
And the dogs played around on the sand…

We’re two ships that pass in the night

We both smile and we say it’s alright
We’re still here, it’s just that we’re out of sight
Like those ships that pass in the night“

 

Am Horizont dräut der Küstenstreifen von Prora herüber. Nur, wenn man’s weiß. Alle andern sehen ein schwarzes Ufer-Band. Die Fichten verbergen den Koloss. Gut so.

Zurück zu, auf der totschicken Uferpromenade vermischen sich mir erneut die Zeiten:

…sah früher nicht so aus… 1980 waren das dieselben Häuser mit denselben Balustraden, aber das saubere Weiß war grau und schmuddelig… streifenweise lösten sich alte Farbanstriche von den Veranden… Klar, Meerseite eben… aber warum hat man das jetzt im Griff? Ich höre im Vorbeigehen babylonische Sprachenvielfalt, italienisches Gelächter, englisches Palaver, ein Alleinunterhalter plärrt „Jugendliebe bringt…“, scheinbar gar nichts, denn ein Teenieweibchen bockt auf Schwedisch „Pö!“, ihre Eltern winken genervt ab, als die ca. 15jährige plötzlich wieder wie mit drei die Arme vor der Brust verschränkt und stehen bleibt; anderen Passanten zum Hindernis. Schoßhunde beschnüffeln sich trotz Leine. Kleinkinder bekommen ein spätes Eis spendiert. Ich sehe Gestalten, die wie Rapper aus der Bronx der 90er wirken wollen: Wampe, Lumpenlook und Basecap; eine Flosse am Handy, die andere am Dosenbier – und sich beim Näherkommen als Russen entpuppen. Ich biege in Seitenwege ab und meine mich prompt selber wieder in Uniform zu sehen. Auf Ausgang im Frühjahr 1980. Den Nuttensattel* auf dem Kopp, die Hände in den Taschen, die linke am Schlüsselbund mit der Zwio-Spange*, die rechte hält das Koppelende. Die Schnalle schleift im Dreck. Irgendwie musste man ja seine Verachtung für den ganzen erduldeten Scheiß mal rauslassen. Hätten das die Falschen gesehen und mich verpetzt – o Mannomann, da hätte der Spieß seine Freude gehabt… Glück gehabt!

davKann ich wirklich in Binz keine 3 Schritte gehen, ohne dass mir wieder Schulterstücke wachsen? Cut! Ich zwinge mich an den Ausflug vom Nachmittag zu denken. Die Ruine! Das Laub-Zelt! Es gelingt! Friedrich, alter Retter! Zauberst mir im Handumdrehen angenehmere Erinnerungen her – an Eleonore Ritter, das schiefe Klärchen, die arrogante Konstanze, die liebe Hermine, die kluge Paula, die schöne Edith, die tapfere Hedwig und sie – Melitta von Berkow. Ob Aschenbecherfrisur oder gezopfte Kunstwerke – weiße lange Gewänder schweben unter Sonnenstrahlenbalken zwischen Rododendronbüschen herum, tanzen Walzer unterm Blätterdach, während ich in einer Art Romantik-Trance wieder in Strandnähe ankomme und Prora hinter mir in Dunkelheit vergeht.

 

dav

far far away

Worterklärungen – Landser-Jargon:

– Balken abschmatzen = die Gefreitenbalken für Schulterstücke gibt’s nicht; du bleibst Soldat
– Nuttensattel = Teller-Schirmmütze der Ausgangsuniform wurde einmal quer geknickt, bzw. die Seiten mehrmals nach unten gebogen, damit der vordere Teil mit dem Eichenlaub-Emblem hochstand und im Seitenprofil annähernd eine Sattelform entstand, ähnlich den Generalsmützen der Wehrmacht.
– Zwio-Spange =eine Plastekralle(eigentlich für Gartenschläuche oder Heizrohre) die man ab 7.Monat besitzen durfte und in die zu Beginn des 13.Monats das zusammengerollte Bandmaß zum Tage zählen eingequetscht wurde; Zwio = Kurzform von Zwischenhund.
– Glatter = 1.Diensthalbjahr
– Zwio/Zwischenhund/Zwischenkotzkeim = 2. Diensthalbjahr
– EK/Resi = Entlassungskandidat/Reservist = 3.Diensthalbjahr

 

 

Wieder dieser Moment…

…wenn Realsatire entsteht.

Eigentlich wollte ich die Frage in den Raum stellen:

Wie lange wird es dauern, bis wir lesen müssen, dass….

https://www.zeit.de/2019/28/eu-kommission-ursula-von-der-leyen-christine-lagarde-europa

… aber da war Krupa schneller. Qualitätsjournalismus eben!

Es darf überlegt werden:

Was will uns dieses rotztutendoofe Dauerargument „Frau“ eigentlich mitteilen?

Wäre die DDR mit Margot an der Spitze eine bessere gewesen?

Ich verkneif mir die Vergleiche mit den Zeiten zuvor.

Schere im Kopf in „jetzig Zeiten“ – wieder.