In Tanya’s Voice

This is a kind of Interview, that never happened! A Fairytale. This is my picture about a female idol of my time. In 1978, I was 18, when I started collecting the songs of the „TnT“-Album on tape as far as possible from several radioshows.
The name of the Artist stayed important to me over the years. 2019 when „While I’m livin‘“ was created, it was SMASH 2 to me. So I tried to put a puzzle together. I rad about her, I’d seen some Youtube-episodes from american Talk-Shows; and so on. And I saw the Video to „The House that build me“ for a million times. May be, I’m wrong with some facts a little. Sorry ‘bout that. Enjoy reading.

(Sollte Mrs. Tucker per Zufall hierauf stoßen und es übersetzt bekommen, wird sie hoffentlich merken, dass all das, was ich ihr hier in den Mund lege, als Hommage gemeint ist.)

Stell dir vor: Irgendwo im Nirgendwo Nordamerikas: Eine gemütliche Bretterbude mit steinernem Kamin. Sitzecke. Tischchen. Kamerastativ. Vor dem Fenster die Skyline der Rocky’s. Near by der 57er Bel air Stationwagon, mit dem du gekommen bist und jetzt fährt ihr Pick up ein. Du bist auf Recherche-Tour für dein Lebensthema: „The Music of the waste Land“. Alter Music-Junkie! Dein Gast ist pünktlich erschienen. 62 Jahre alt. Weiblich. Pinke Haarsträhnchen im grauen Skalp. Männlich wirkendes Outfit. Rostig klingende Stimme. Ein Gesicht, das viel erzählt, noch bevor ein Satz gesprochen wurde. Aber der Einstieg in den Talk bereitet keine Mühe. Fragen? Nicht nötig. Der Gast kennt das Spiel aus dem FF und beginnt von selbst:

Hey Schätzchen, es ist schon arg wired, wenn sie so einer alten Schachtel doch noch den Grammy geben. 10mal war ich nominiert. Beim 11. Mal kams doppelt. Bestes Countryalbum, bester Song. Na also.

Sie winkt ab und nimmt einen Zug.

Nun muss ich wieder mitspielen, weißt du? All diese Talkshows und die immergleichen Fragen: How was it with Delta Dawn? How was it with Glen? All those years?

Wieder diese Handbewegung über die Schulter und der nächste Zug an der Zigarette.

Als ob mein Leben nur aus den 4 Jahren mit Glen Campbell besteht! Und dann? War ich Hausfrau oder was?! Ich hatte 10 Grammy-Nominierungen und 7 davon NACH Glen! Aber ich spiel mit. Ich weiß, was die hören wollen. Die an der anderen Seite des Mikrophons und auch die Leute da draußen. Soll ich denen die Ohren vollheulen? Schätzchen! Die haben alle an ihrem eigenen Dreck zu schleppen. Da brauchen die meinen nicht.

Wieder ein Zug und dann der Blick an mir vorbei.

Bringen wir es hinter uns. Es fing an mit „Delta dawn“. (Augen verdreh gen Himmel!) 1972. Da war ich nicht ganz 14. Plattenvertrag. TV-Shows. Kinder-Star! Heavens Gate! Ha-ha!

Wieder ein ironisches Augenverleiern.

Schätzchen, wenn du ab 14 alle deine Fernsehidole livehaftig backstage kennen lernst, wenn die Kameras aus sind, weißt du? Dann hast du keine mehr, weißt du? Highridin‘ heros everywhere the wind blows! Pafff! Du bist 15 oder 16 und es bestätigt sich Papas Weisheit: Die Welt ist voller Arschlöcher. Aber man kann sie abkassiern. Ein TV-Auftritt mit 2 Liedern brachte bald den 3fachen Monatslohn, den Papa früher bekam. Er sattelte um und wurde mein Manager und Moneyretter. Ich war 15, als sich Dad endlich entschied, sich anzusiedeln. Also raus aus dem Mobile Home.

Papa war ein Könner als Maschinenbauer. Aber er hielt es in keiner Firma aus. Wir wohnten in einem lausigen Wohnwagen erst in Seminole/Texas, dann in Utah, dann Arizona, dann Vegas, schließlich L.A. aber dann doch in einem Haus…Häuschen…. Papa knauserte…zu Recht…. Wie sich zeigen sollte. Papa genoss die Unabhängigkeit. Mum und wir Kinder hatten die Armut. Mum träumte von kleinem Wohlstand, Schätzchen.„Houses cutted out the magazine’s“, you know? Jede Frau will sich mal aufhübschen, zwischen ein paar Klamotten auswählen können usw. Aber ihr Wild Boy zog nicht mit. Es gab Streits, die wir Schwestern nicht verstanden. Sie warf ihm die Armut vor, er ihr ihre Blödheit: Rich in another way,you know? Unabhängig. Unverbogen. Frei in der Auswahl an guten Jobs. Warum wollte sie das nicht versteh’n?! Er fuhr weite Strecken. Wir brauchten Unmengen Geld für ein zuverlässiges Auto und Sprit. Sie verblühte neben ihm. Aber sie hielt auch bei ihm aus, irgendwie. Die Sturheit hab ich im Doppelpack geerbt.

Daddy setzte mich dann auch in die Spur, als er merkte, dass ich wohl die Musikmacke eh nicht mehr loswürde. Meine Schwester und ich quälten unsere Eltern mit Auftritten im Wohnwagen. Immer und immer wieder. Einen Quirl als Mikrophon und dann alles nachplärren, was wir im Radio aufschnappten. Mum tröstete sich mit Countrysendern, sie ließ uns nicht ran, damit wenigstens das Radio ganz bleibt, also war’s das auch für uns, Schätzchen.

Dad sparte dann noch ein bisschen mehr, damit es nicht nur aufs nächste Auto reicht, sondern auch für ein professionelles Demoband für mich, dann packten wir und fuhren nach Vegas. Show-Town! Show-Time! Was meinst du, was es da für Spelunken gibt! Dad bestach ein paar von den Wirten, mich mit dem jeweiligen Kneipen-Elvis im Duett singen zu lassen. Und er hatte recht. Wir stiegen auf. Wurden eingeladen. Nach L.A.! Plattenfirma! Wow! Ehrfurcht. Die Rednecks aus Seminole/Texas vor einem Chrom&Glas-Schreibtisch im 20.Stock! Ich sollte für eine erste Single ein Lied von deren Textern kriegen, aber ich pubertierte grade und bockte, weil es so ein 08/15 Ding war: So hug me and fuck me! I merry the Barry! Haha!

Aber sie bleibt ernst. Winkt wieder ab. Sie drückt den Stummel in den Aschenbecher und zündet gleich die nächste an.

Spaß! Der Boss da staunte, dass die kleine, niedliche Neue da gleich beim ersten Mal Allüren zeigt und fragt zynisch: „Was darfs denn dann sein, junge Dame?“ Und schiebt ein paar Textblätter rüber. Ich las die Lyrics von „Delta dawn“ und das wars! Sie ließen mich das Probesingen und staunten. Tja, und der Erfolg kam prompt, weißt du? Und gleich die erste Grammy-Nominierung! Das is’n Song; den müsste eine 40jährige singen. Ich war 14 und die Leute nahmen mir das ab! Heute weiß ich, warum mich der Text so gekriegt hat. Das war Mutterns Schicksal in another way: Delta Dawn verblüht, weil sie ihr Traumprinz im Stich gelassen hat. Und Mutter, weil sie mit ihrem Traumprinzen gegen alle Warnungen durchgebrannt ist und nun aus dem Mobile Home nicht mehr herauskam. Paradox. Ich hätte das damals nicht erklären können. Damals war das nur Unterbewusstsein. Kapiert hab ich das erst in der Zeit nach Glen. Ich hab den Song dann 1990 nochmal aufgenommen, mit ein paar anderen frühen Hits, aber nun mit erwachsenerer Stimme. Das „Encore“-Album. Ich arbeitete mich gerade wieder hoch aus dem Glen Campbell Tal. Die frühen 80er waren nicht meine Zeit gewesen, weißt du Honey? Der Clash mit Glen, Liebe meines Lebens, aber auch Alptraum für Jahre. Auszug aus seiner Villa. Liebelei mit dem nächsten reichen Klapsmann, you know. Don Johnson war’n netter, der mir keine Zähne ausschlug, aber auch’n unbeständiger… (sie winkt wieder ab) … Entzug. Back to the Country! Neu Klinken putzen bei den Firmen, mit denen ich es in den Nebeljahren verscherzt hatte. Ich finde die späteren Versionen besser. Die Käufer sahen das anders. Aber ab da ging es wieder bergauf.

TnTMit „TnT“ hatte ich ’78 meinen Ausbruch aus dem Country-Laden. Das Rodeo-Girl stellte sich auf die Hinterbeine und wieherte Protest! You know! Wollte in die weite Welt! Meine dritte Gold-LP und meine erstmalige Live-Katastrophe in der Grand Old Opry: Buuuuuuuuuuh! Die hielten mich da für the next lausy Hippie-Thing, so Janis Joplin mäßig, weißt du? (Sie verstellt die Stimme) „Iiiiih! Die singt „Heartbreak Hotel“ als Frau! Iiiiih!“ Elvis ist der King, aber eben nicht für alle. Ich hätte anderes Publikum gebraucht in der Zeit. Dad aber buchte auf gewohnten Pfaden und da stieß ich eben auf ältliche, katholische Trucker, always im Tran, weißt du? Die pinnten sich das TnT-Cover-Foto in den Truck! Aber wenn Mutti nun dabeisaß, konnten sie mir nicht applaudieren. Verlogene Bande.

Sie lehnt sich zurück. Beugt sich wieder vor, greift zur Tasse, nimmt einen Schluck Kaffee und erzählt weiter:

Ich hätte jüngeres Publikum gebraucht. Glen war mir irgendwie auch keine Hilfe. Aber ich merkte das nicht. Landei, das ich war. Ich traf ihn genau am Scheidepunkt, als es mit seinem Erfolg zu Ende war. Er war eine große Nummer im TV und auf dem Countrymarkt bis „Rhinestone Cowboy“. 1975. Danach ging es abwärts und 1978 trafen wir aufeinander. Dateten uns zuerst zaghaft. In Abständen, die kürzer wurden. Ich immer noch das Unschuldslamm von gerade 20 und er im Elvis-Sterbealter 42. Ich sprang ihn ja nicht gleich an und zog bei ihm ein! Ich hatte zwar die Show kapiert, das Posen, machte on Stage die alten Kerle an. Aber meine Erfahrungen waren Null. Er durchschaute das. Er war der einzige. Wir waren„the river and the wind“, you know? Er fließt talabwärts und ich hob gerade ab, aber es passte, so schien es. Und er nahm mich 1980 schließlich mit nach Hause; zu sich. Er nahm mich ernst. Ich fühlte mich als seine Frau, nicht als ein Groupie. Zwei Jahre April sozusagen. Rauf und runter, weißt du?

Er hatte diese Platte von John Prine. Ich lernte, durch ihn was Outlaw Country ist. John kam auch ab und an selber vorbei. Willie und Waylon, all diese Unangepassten. Genau mein Ding. Aber alle besoffen. Ich wollte unbedingt „Angel from Montgomery“ singen! Glen vermittelte das. Er kannte sie ja alle. Sie waren ja alle in seiner Show gewesen. Ich war 20 und sang wieder einen Song, den eine 40jährige hätte singen müssen. Aber es klappte auch diesmal: Es ist der beste Song auf „TnT“.

Bette Midler sang inzwischen ihre Version von „Delta Dawn“! Man! Das war zum Niederknien! Dieser Chor! Da merkte ich, was ich verschenkt hatte! Der Song hätte wesentlich mehr Potential gehabt, wenn ich ihn sooooo aufgenommen hätte. Deshalb auch meine Idee von 1990: Alles nochmal in reifer!

Ja, was soll ich sonst sagen: Glen kam auf die Drogen und den Suff. Gleichzeitig. Und ich Schaf soff mehr und mehr mit, um „ihm nah zu sein“. Es bekam uns beiden nicht. … Glen hatte kein Gespür mehr für’s Business und Dad auch nicht. Beide verfielen auf den Dreh, mich nach Europa zu vermitteln, weil sie die „TnT“-Schlagzeilen aufgeschnappt hatten: This Girl rocks! Watch out Blondie! She’s cookin‘ with fire for real! Dann gerieten die an Mike Chapman von Chinn/Chapman. Die Hitfabrik. Und der legte uns rein. Ließ sich kaufen, für ne Platte und drehte uns „Tear me apart“ und „Lay back in the arms of someone“ an. Die Nummern waren in Europa gerade durch. Was keiner von uns wusste. Und nun kommt die unbekannte Lerche aus Kalifornia inmitten einer Lady-Schwemme und machts nicht besser. Flop. Die Kohle – puhhhhh!

Sie gießt sich Kaffee nach.

Wieder zu Hause wuchs das Glen-Problem. Thank God, hab ich die Pille nie vergessen! Er brüllte und er winselte. Junkie-Elend. Er wurde seine eigene Karikatur. 81 fetzten wir uns so, dass er mir die Vorderzähne einschlug. Das Cover-Shooting für „Changes“ stand an. Deshalb hab ich da den Mund zu.  Da war es dann vorbei. Er überhäufte mich mit Entschuldigungen und Geschenken. Er bezahlte den Zahnarzt. Aber ich war jetzt bereit, endlich auf Dad zu hören: „Der tut dir nicht gut. Mach’s nicht wie Hank Williams! Du gehst drauf, vor der Zeit!“ Also weg da.

Dad hatte mein Geld verwaltet und mich klein gehalten. Gott sei Dank. Deshalb war Geld da für meinen eigenen Solo-Hausstand. Er bearbeitete mich, auf Entzug zu gehen. Das dauerte. Ich war doch nicht abhängig! Ich doch nicht! Psaw! Aber ab und an mal ein Linchen oder nen gespritzten Kaffee…Coke mit was drin… Mitte der 80er musste es sein: Entzug. Dann war der Kopf klar. Ich war wieder da. Und ich hatte Fans behalten: „What should I do with me“ wurde überraschend Platin. Ich war 30, attraktiv und CLEAN! Über Glen war ich drüber.

tuckerNaja. Dann all those years. Platte, Tour, Platte. Die Liebe suchte ich jetzt eher in der zweiten Reihe. Dreifach Mum. Mit richtiger Family wollte es trotzdem nichts werden. Im Bussiness kommt für jeden mal der Tag, da kommt er mit so Pülverchen heim, oder mit ner Fahne – und immer dann schmiss ich den Kerl raus. The Glen-Syndrom, you know? Ich stand auf eigenen Füßen. Mein Haus! Meine Kinder! Mein Geld! Hard Luck, you know?

Das ging so bis 2009. Dann hatte ich den Kanal voll. Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere. Ich klinkte mich bei den Pferdefreunden ein. Pferde waren immer meins. Rodeo-Girl. Nicht um an der Box zu stehen und die Kerle anzuhimmeln… Um selber zu reiten, Mann! Ich hielt das für den Gipfel! Ein Pferd zureiten können! Also das Leben in den Griff kriegen! Seit ich „Pferdeflüsterer“ gesehen hatte, begann das Umdenken. Okay, das ist Hollywood. Aber nur ein drittel Märchen. Ich las ein bisschen drüber… ein bisschen sehr… und besuchte diese Pferdeversteher. Ich kam auf eine neue Spur und sang trotzdem noch all diese Rodeo-Songs. Einer der Gründe, warum es 2009 nicht mehr ging.

GrammyWir kauften dann all diesen Slackern, die Pferde hatten und sich nicht kümmerten, sie falsch behandelten, die armen Kreaturen ab. Päppelten sie auf und verkauften sie an -hopefully- bessere Neubesitzer. Ich gründete Gnadenhöfe. Sang ab und an mal für Charity. Horse-Charity. Veterenary Bills, you know? So hätte das Ende sein können. Wenn ich nicht weiter in Konzerte gegangen wäre und Brandi Carlile kennen gelernt hätte. So kam es zu „While I’m livin‘“, weißt du?

Life is a bitch. Nun sitz ich wieder in Talk Shows. Als die Granny mit dem Witch-Face. Don’t worry. Beware of Botox, young ladies out there! Bye! Bring me flowers now!

 

7 Gedanken zu “In Tanya’s Voice

  1. TT kenn ich eigentlich nur von deinem Blog, aber ihre Geschichte hat ja schon auch etwas Filmreifes. Langweilig geht anders – auch wenn das nicht so ganz meine Musik ist. Aber das kommt ja auch auf die Situation an.
    Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • Wie wahr, wie wahr! Es kommt auf die Situation an, und im Alter müssen es eben nicht mehr nur „krumme Takte“ und avantgardistisches Gegniedel sein, sondern da passieren mir zunehmend „verdrängte“ Episoden meiner Musikwahnlaufbahn: Philly-Sound, Alternative Country (oder was ich dafür halte), die swingende Dudellei der ganz frühen 60er u.ä.m. Und da brachte sich TT mit dieser persönlichen Spätwerkplatte dermaßen in Erinnerung, dass ich inzwischen sogar was mit 3 oder 4 LPs der Zwischenjahre zwischen „TnT“ und „While…“ anfangen kann. Ist das nu „Reife“ oder „Verspießerung“, wenn mir jetzt „Two Sparrows in a hurrican“ oder „No more lonesome Rider“ oder „strong enough to bend“ gefallen? „EGAL!“ (Wendler :-)) Ich schmeiß ja YES, die Allmans und Marillion deshalb nicht weg.

      Gefällt 2 Personen

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