Grüße aus der Vergangenheit 2

Friedrich Freksas „Wanderer ins Nichts“ erschien 1920 und muss, wie später noch Thema sein wird, Eindruck gemacht haben. In den unterschiedlichsten politischen Lagern jener aufgeregten Zeit:

– Abgewürgte Revolution, der die Massenbasis fehlte;

– Versailler Vertragsschock,

– Volksabstimmungen in den Grenzgebieten und Bürgerkrieg um Oberschlesien,

– Kapp-Putsch und Amnestie für die Putschisten von gerade eben, wenn sie bereit sind, die Rote Ruhr Armee zusammenzuschießen;

– langsam, aber spürbar Fahrt aufnehmende Inflation…

Schwer vorstellbar, dass im Jahr 1 nach Versailles irgendjemand an Bücherkauf dachte. Aber gut vorstellbar, dass das ein saisonaler Bestseller war. 1923 wird es in einer damals viel beachteten politische Rede mehrfach erwähnt. (Siehe unten)

  1. Der Rahmen der eigentlichen Handlung:mde

Ein ziviler Geschäftsreisender gerät im Januar 1919 während der Spartacuskämpfe in eine Personenkontrolle irgendeines Freicorps. Hier erkennt ihn ein Kriegskamerad wieder, der kurzdarauf schwer verletzt wird. Verblüfft erbt der Reisende ein paar Tage später einen Stapel Blätter mit einer Art Lebensbeichte des soeben verstorbenen Offiziers Robert Harring. Sie tragen die Überschrift „Wanderer ins Nichts“. Der Leser ist beeindruckt.

Ihm erscheint der Inhalt „als spiegle Harrings Leben die materielle Überfülle, die in ganz Deutschland vor dem Kriege herrschte und uns mit einer gewissen Gefühlskälte und Gemütsrohheit begabte. Wir waren das sachlichste Volk der Erde geworden, wir waren im Begriff alles zu versachlichen und rühmten uns dieser Eigenschaft. Der Krieg und die ihm entwachsene Revolution zeigten uns, dass über der Sachlichkeit Menschlichkeit stünde, Kämpfertum für Gedanken und Ideen.“

  1. Eine mögliche heutige Sicht:

Der Leser von heute kann hier wiedererkennen, was Thomas Mann bereits schrieb und  Victor Klemperer bald schreiben wird. Der erste Teil des Zitates gibt wieder, was auch der sterbende Hanno in den Buddenbrooks formuliert: „Das Leben ist eine Last, die man am besten schnell hinter sich bringt.“ Alle Triebe, alle Spaßfaktoren waren der Disziplin geopfert, als sündhafte Verfehlung gebrandmarkt; der bürgerliche Mensch auf dem besten Wege als dressierter Ochse am Mühlrad zu enden. Der Schluss des Zitates lässt deutlich werden, worin der Hauptschaden der Zeit bestand: Kein politisches Denken, nur ein diffuser Hang zu Aberglauben, idealisierter Romantik, dem Traum von Heldentum und Größe. Das ließ die rechte Flanke offen.(Klemperer „LTI“)

  1. Eine notwendige Kontextualisierung:

Heute ist man gewohnt, die Freicorps als Prä-Faschisten anzusehen. Aber so wurden sie 1920 nicht wahrgenommen. Sie waren Frontsoldaten und Freiwillige, die die putschenden Matrosen bekämpften. Letztere waren Liebknechts bzw. Radeks Leute und die wollten die Sowjetrepublik! Die Freicorps retten Deutschland vor dem russischen Chaos! Das war Mainstream.

Freksa drängelt sich mit dem Roman nicht zwischen Ernst Jünger (Stahlgewitter, 1920) und Remarque (Im Westen nichts Neues; 1929). Der Krieg ist nicht sein Thema. Er ist noch zu nah. Die Baltikum-Kämpfer sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal zuhause.

  1. Inhalt und Zweck

Er beschreibt stattdessen das sinnlose Dasein eines reichen Erben im letzten Vorkriegsjahr, der sich mit Selbstmordgedanken trägt, jedoch immer die eine oder andere Schwierigkeit ergrübelt, um doch noch ein Weilchen mit der Ausführung zu warten. Er stößt auf eine Lebenshilfeorganisation „Komfort“, die ihm alle lästigen Alltagsrisiken aus dem Weg räumen will, willigt ein – um zu merken, dass er nun schon gar nicht mehr lebt, sondern „gelebt wird“. Also legt er es auf ein Duell mit der Organisation an, was dazu führt, dass er sich den größten Teil des Buches über, auf einem Roadtrip von Kopenhagen zum Garda-See befindet. An seiner Seite Fanny, die Zofe seiner letzten Freundin, die einen Chauffeur kannte, der zeitlich ungebunden war. Auch sind ihm alle Rastpunkte recht, die Fanny vorschlägt.

Rast 1: Die Wesenburg im Harz

Rast1: LARP-Vorreiter 1914

Überall dort treffen sie auf wohlhabende Leute, die einen mehr oder weniger dekadenten Lebensstil probieren, wenigstens ein Wochenende lang. Harring ist immer der außenstehende Beobachter, ein exakt sezierender Analyst all der mangelhaften Versuche Niveau vorzutäuschen. Es bereitet ihm keine Probleme hinter all die potemkinschen Fassaden zu schauen. Und das Beste daran für Leser von heute: 99 Jahre später meinst du das alles wiederzuerkennen.

Der Zweck des Buches war Motivation: 1914 gab es keine Herausforderungen mehr. Wir waren erfolgsverwöhnt und müde. Jetzt, 1920, wo es drunter und drüber geht, können wir beim Aufräumen helfen. Wie oben erwähnt, geschieht dies hier literarisch jedoch nicht durch messerscharfe politische Urteilskraft, sondern mittels Unmut am allgemein-menschlichen Zustand und schnöseligem Nietzscheanertum. Monokel reinschieb und Welt verachten:

„Freilich, zum Lebensfanatismus gehört es, dass sich die Menschen wichtigmachen. Sie behaupten, es wäre gut, für den Nächsten zu sorgen. Es machte die Menschen besser, wenn sie es täten. So dachte und philosophierte ich damals. Ich sagte mir: Ich sehe das nicht ein. Die Menschheit ist im Laufe der Jahrhunderte nicht besser geworden und auch nicht schlechter. Die Menschen sind Troglodyten geblieben. Sie haben ihre Narrheiten behalten, sie haben die Grundgewohnheiten und Triebe bewahrt. Sie reden sich ein, dass sie im Fortschritt begriffen sind. Sie brüsten sich mit ihrer Kultur, rühmen ihre Zivilisation. Was haben sie aber erreicht? Ich lasse mich von „Komfort“ leben und fühle mich gelangweilt.“

Die Handlung endet mit dem Kriegsausbruch 1914. Die Kriegs-und Freicorpsjahre des Robert Harring werden in wenigen Zeilen zusammengefasst. Der sterbende Ich-Erzähler bedauert sein herannahendes Ende nun doch. Ausgerechnet in dem Augenblick, da er -„am Kriege gesundet“ – meinte, nun einen Sinn in seinem Leben gefunden zu haben, macht ihm eine Blutvergiftung einen finalen Strich durch alle Zukunftspläne.

Freksa greift hier einen weitverbreiteten Spruch Hindenburgs auf, der auf Feldpostkarten millionenfach verschickt wurde: „Der Krieg bekommt mir, wie eine Bäderkur.“ In Spa im Luxushotel der OHL mag das gelten, im Giftgasgrabenkampf sicher nicht. Und trotzdem kamen die wenigen Denker, die an derlei Zynismus Anstoß nahmen bei der Mehrheit nicht durch. Der „olle Hindenburg“ blieb Volksheld und die Sicht auf den Krieg mehrheitlich naiv.

  1. Freksas Erben

Aber: Wenn du jenen vergessenen Roman heute zur Hand nimmst und all die kritischen Betrachtungen des „Wanderers“ liest, ergeht es dir eventuell wie mir: Das kam mir so bekannt vor! Ein unklares, irgendwie umnebeltes Dauer Deja vue Feeling stellte sich ein und verfestigte sich, je weiter ich kam. Der ganze Krampf der Konventionen. Das luxuriöse Umherziehen um dem Leben neue Reize abzutrotzen. Die lächerlich kindischen Ausbruchsversuche erwachsener Protagonisten. Die ewig währende Ungerechtigkeit des Lebens. Der euphorische Moment des Ausbrechen Wollens und die Depression danach. Die vertane Zeit. Nabelschau und Selbstmitleid. Wer klagte gleich nochmal so ähnlich? Dann fällt plötzlich der Groschen, woher ich das kenne:

Haller! Hermann Hesse!

Ich las grade den Ur-Steppenwolf!

Hesse hat Freksa gelesen; gemerkt, dass da ein lesenswerter Hauptteil mit ein paar kleineren dramaturgischen Gebrechen vorliegt, dass die vaterländische Wandlung vom Todsucher zum Kriegshelden gar zu unglaubwürdig klingt, dass aber Freksa und er trotz unterschiedlicher politischer Oberflächenanmutung, der Gesellschaft gegenüber Brüder im Geiste sind.

Rast 2

Rast 2: Damas hinterm Mond

Harring und Haller sind reiche Schnösel, komplett orientierungslos, uneins mit sich selbst. Sie suchen das Leben nicht, aber das Leben findet sie. Sie hassen die bürgerlich-bigotte Betulichkeit und verdanken ihr eigentlich alles. Sie wollen revoltieren, aber in Bürgerpalais wohnen bleiben.

Misanthropen, wie du und ich. Zu intelligent, um all die Widersprüche, die sie umgeben, übersehen zu können und zu selbstkritisch, um darüber hinweg zu feiern.  In beiden Romanen kommt der Kick „von unten“ aus dem Bereich der Triebe, die im bürgerlichen Käfig verschämt verleugnet werden, die deshalb durch „Mädchen aus dem Volke“ an jene seriös Verklemmten herangetragen werden müssen. Hesses Kokainrauschbeschreibung ist heute Literaturgeschichte. Freksas hinteres Romandrittel wartet dagegen mit deutlich mehr Erotik auf. Wedekinds „Lulu“ Stummfilm wird kurz darauf die moralischen Grenzen noch weiter stecken, aber im Gegensatz zu diesem, meidet Freksa den Skandal. Er kritisiert das Verhalten „junger Herren“ der Vorkriegszeit gegenüber Zofen „in Stellung“ deutlich heftiger als Thomas Mann in „Felix Krull“, und lässt sogleich Fanny, die Reisebegleiterin, als selbstbewusste Frau „der neuen Zeit“ auftreten und nackt im Garda-See baden; wobei Robert Harring ungewollt zum Beobachter wird. Fast scheinen sie zueinander zu finden, aber –

Sie ist nicht etwa die böse Emanze, die Rollenbilder ins Chaos stürzt, sondern eine begehrenswerte Neuzeit-Melusine. Selbstbestimmt, sympathisch, optimistisch. Ein geheimnisvolles Pendant zum pessimistischen männlichen Widerpart. „Babylon-Berlin“-Assoziationen stellen sich ein.

Das Buch bietet dem erfahrenen Leser zahlreiche Real-Life-Parallelen: Eine davon liegt in dem interessanten Detail, dass Freksa selbst 1913 Millionenerbe wurde und in kürzester Zeit, vermutlich im Lebensstil des Robert Harring, alles durchbrachte, um kurz darauf als Kriegsfreiwilliger zu „erwachen“. Im Unterschied zu seinem Alter Ego im Roman, weiß Wikipedia lediglich von einer „kurzen Kriegsteilnahme“ des Autors. Die Werkschau verdeutlicht, dass er SEIN Thema nicht gefunden zu haben scheint. In viele Töpfe gesprungen und wieder herausgewunden. Vergessen.

Karl Radek, heute ebenfalls vergessen, galt um 1920 als DER Hoffnungsträger der KPD. Er nimmt in einer erhalten gebliebenen Rede 1923 mehrfach Bezug auf den Roman, weil er der Ansicht ist, dass, wer so scharf durchsieht wie Robert Harring, doch eigentlich den Weg in die KPD finden müsse.

Was hat Radek bewogen, ein Buch, dass auf den ersten 3 Seiten den Tod eines Freicorps-Leutnants betrauert, nicht einfach wegzulegen? Wer hat es ihm empfohlen? Und vor allem – wie?

Und dann ging mir noch ein Licht auf: Da gibt es noch einen. Fast noch ein Neuzeit-Promi. Angeblicher Erfinder der Pop-Literatur. Diese entstand 1995 mit Erscheinen des Romans „Faserland“ von – Christian Kracht. Ein junger reicher Schnösel reist von Sylt nach Zürich. Von Party zu Party. Er schaut den anderen beim Saufen, Koksen, Kotzen zu. Leere. Leere. Leere. 1914 wie 1995. Faserland. In Wohlstand zerfasernd. Wiedervereinigung hin oder her. Der Osten bleibt völlig neben allen Trassen, die man als alternder Popper so fährt. 1914 wie 1995. Edle Outfits machen dich zum Menschen. Edler Zwirn. Edle Fasern. 1914 wie 1995. Die Hülle machts. Der Inhalt ist egal.

Freksa-Hesse-Kracht. Ein sehr interessanter Dreiklang 2019.

 

12 Gedanken zu “Grüße aus der Vergangenheit 2

  1. Sehr interessant… Es sind hier zwei Themen zu unterscheiden: (1) Die Situation 1920, was heißt rechts und links; der „Schlageterkurs“- der KPD, deren jüdisch stämmige Vorsitzende Ruth Fischer 1923 einem rechten Studenten zurief, dass es in Ordnung ist jüdische Bankiers an die Laterne zu hängen – wenn man so auch mit nichtjüdischen Kapitalisten verfährt! – und (2) die zeitlose Frage nach dem Lebenssinn, wenn man sich nicht mehr um das tägliche Brot sorgen muss. (1+2) Bei Kriegsausbruch 1914 meinten viele, dass Deutschland nicht wie England und Frankreich von Bankiers und Advokaten beherrscht ist. Darauf gründete sich die Begeisterung. 1920 meinte man dann, in Deutschland eine „von Bankiers beherrschten Demokratie“ zu haben (wie Arnolt Bronnen, auch so ein Wanderer, in „O.S.“ einen Freikorpskämpfer in den Mund legt).
    (Das Hanno Buddenbrook- Zitat gehört in eine andere Welt: dass gerade „verpreußte“ Lübeck nach 1871 und nicht die dekadente und ganz disziplinlose Welt von 1914 vor Kriegsausbruch.)

    Heute verklärt man die „zerfaserte“ Leere als „Individualismus“. Wenn Du auf den Alexanderplatz eine Umfrage machst, würden 100 von 100 Leuten behaupten, dass sie Individualist sind. Aber… Der Kaffeeduft in der Luftaufsichtsbaracke in Meys Kerosinhymne („Über den Wolken“) erinnert an die Kantine in Gundermanns Tagebau (z.B. „Frühstück für immer“). Wir spüren Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Kollegen, Kameraden… Der Traum von GEMEINSAMEN Abenteuern…

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      • Ich war von Deinem Text sehr beeindruckt! Er weckt immer neue Ideen. Der Expressionismus als Ausdruck der Stimmung vor Kriegsbeginn. Oder wir verbessern Thomasmann: der Icherzähler findet in den Papieren des gefallenen Hans Castorp den Zauberberg.

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      • Hat ne Weile gedauert, deine Mann/Castorp-Anspielung zu verstehen. Habe den „Zauberberg“ mal in der Hand gehabt, aber wegen überbordender Langweiligkeit nach wenigen Seiten aufgegeben. Bei der Freksa-Recherche stieß ich auf Hinweise betreffs Freundschaft Hesse+Mann. Deßhalb: Nu hab ich noch den Zauberberg gewikipediat und musste feststellen, dass der Ziemßen dort durchaus der Harring sein könnte – also auch Mann hat sich der Herausforderung gestellt, aus DEM Stoff was machen zu wollen.
        Fontane+ Spielhagen, der „Effi-Komplex“; Ardenneskandalverarbeitung in Werken unterschiedlicher Güte.
        Hesse und Mann ähnlicher Wettbewerb – wer verbessert den Wanderer?

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  2. Ziemßen liegt 1914 schon sechs Jahre auf dem Friedhof in Davos, er ist tatsächlich bald an der Schwindsucht gestorben. Auf den letzten Seiten des Zauberberg verabschiedet sich der Autor pathetisch in einem Schützengraben von Hans Castorp, Du (Du!) könntest glatt auf die Idee kommen, Thomasmann hat hier das Ende von „Allzeit Voran“ auf dem Schlachtfeld von Gravelotte kopiert.

    Aber wir reden viel zu viel von den hochgeredeten Großschriftstellern (Mann und Hesse). Der Freksa ist viel interessanter. Hast Du Dir in der Wikipedia angesehen, was er noch geschrieben hat? „Menschliche Rechtfertigung Wilhelms II“ „Putsch auf Ithaka.“ (Vielleicht eine Vorwegnahme von Botho Strauß‘ Ithaka mit dem Strafgericht des Helden über die dekadenten, unwürdigen Freier?)

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    • Mit dem Wilhelm und dem Ehrhardt hat er 2 peinliche Werke im Verzeichnis. Mit Humoresken und einem utopischer Roman (der es in den USA in ein Best of utopischer Lit. geschafft haben soll) wirds dann thematisch arg „vielfältig“. Dazu ein paar Theaterstücke. Er hatte in der Wahl seiner Stoffe kein glückliches Händchen.
      Der Ziemßen scheint mir deshalb ein Harring, weil er im Kasernenhof „gesunden“ wollte. Der Zeitpunkt des Ablebens ist da zweitrangig.
      Wenn ich die ZauBg-Zsfsg bei Wikip. lese, dann kommt mir Manns Plot arg aufgebläht vor. Der Steppenwolf ist in sich vermutlich am stimmigsten. (Aber lange her, dass ich ihn las.)
      Mann und Hesse sind aber auf der Ebene der Empathiefähigkeit dem Freksa unterlegen. Zwischen Harring und Fanny knistert es. Haller und seine Damenbekanntschaft(Name vergessen) – das ist eher eine unterkühlte Angelegenheit. Und Thomas „der Große“ kommt in „Liebesdingen“ ja eh hanseatisch kalt rüber und redet sich auf irgendwelche „ästhetische Empfindungen“ heraus..

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  3. Thomasmann kam, seine pädophilen Neigungen unterdrückend, zu ganz seltsamen erotischen Fantasien: Er hat die knabenhafte Katja geheiratet, weil sie in Kaulbachs „Kinderkarneval“ erscheint, das als Poster über seinem Bett hing – und ihr in Wälsungenblut eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder angedichtet! Hans Castorp bekommt von seiner angebeteten Clawdia Chauchat en Röntgenbild, das er sich auf den Nachttisch stellt. Soviel zu „hanseatisch kalt“.

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    • Auch nicht schlecht, die Sache mit dem Röntgenbild. 🙂 Ich wollte das Fass mit den Verkorxungen des T.M.( wenn auch ein wenig verklausuliert) ruhen lassen. Ein weites Feld. Und kein Schönes.
      Die arme Katia M. hatte noch ganz andere Seltsamkeiten zu ertragen.
      Auch Hesses Frauen hatten RICHTIG Pech. Never merry a writer. Oder so. Außer wenn du eine Mitstreiterin bist wie Klara May. Andererseits Eva Strittmatter … da weiß ich inzwischen auch genug.

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  4. Hm … Dein Satz „Der euphorische Moment des Ausbrechen Wollens und die Depression danach. Die vertane Zeit. “ hat mich innehalten lassen, denn: war es wirklich „vertane Zeit“, sich dieses Ausbrechen zu gönnen, oder war es gar eine dringend notwendige Zeit ?

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  5. Wer in Hedonismus ausbricht hat nichts anderes zu erwarten als einen Kater. Mit Optimismus und Pessimismus hat das nichts zu tun.

    Wir sind zum Optimismus verpflichtet. Es passieren immer wieder Wunder, manchmal mit etwas Zauberei.
    Vielleicht erinnerst Du Dich, wie wir über Lou Reeds Berlin diskutierten: „Mommay! Mommay! …they taken her children away…“
    Ich lese gerade einen wunderbaren Roman, dessen Heldin die Tochter einer heroinabhängigen Mutter aus einer verwahrlosten Neubausiedlung ist. Die verdreckte Wohnung wird so drastisch geschildert, dass sich dem Leser der Magen umdreht. Krystal schwänzt die Schule, hat einen fragwürdigen Ruf bei den Jungs ihrer Klasse – aber kämpft darum, dass ihre Mutter nicht aus den Methadonprogramm fliegt und ihr kleiner Bruder nicht wieder zu gleichgültigen Pflegeeltern kommt. Der Roman beginnt damit, dass der einzige Mensch, der sich um Krystal kümmerte, plötzlich an einem Aneurysma stirbt… Ohne den wohlverdienten Ruhm der Autorin hätte auch ich nie entdeckt, dass sie die Schüler und Lehrer der hässlichen Winterdown- Gesamtschule noch besser schildert als die von Hogwarts.

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