Recherche? Fehlanzeige.

Chemnitzchemnitzchemnitz….

Hach. Das Thema treibt mich zurzeit auch heftig um.

  1. Ein Toter beim Stadtfest. Eine Woche später immernoch kein plausibler Grund für die Auseinandersetzung. Anfangs sollte er der hehre Retter einer Frau gewesen sein. Das wird bis jetzt polizeilich dementiert. Nur um den gefühligen Ausgangspunkt zu eliminieren? Ein Ersatzgrund wird nicht benannt. Worum könnte es sich sonst gehandelt haben? Die Volksphantasie wird angeregt und mit ihr der Zorn: Wenn die so peinlich schweigen – dann muss das einen Grund haben. Warum fragt die Presse nicht nach? Warum erklärt sich die Polizei nicht?
  2. Wenn eine Stadt von 230 000 Einwohnern nur wenige attraktive Plätze hat, auf denen man sich treffen kann, ohne Geld ausgeben zu müssen, um die Seele baumeln lassen zu können (Parks) und sich dort mehrere der 7000 Flüchtlinge einfinden, wirkt das schnell wie ein Heerlager. Dank Sprachbarriere bleibt die Kluft erhalten. Welche Strukturprobleme plagen das abgestürzte deutsche Manchester „Kamasta“ alias Chemnitz bis heute traditionell? Warum ist die intellektuelle Substanz hier – äh – anders als in Leipzig und Dresden bestückt? War es deshalb clever, 7000 Flüchtlinge hierher zu verfrachten?
  3. Wo kommt der Frust der geflüchteten Durchdreher her? Weshalb enden sie im Drogenmilieu und/oder Extremismus? Alles Gestörte? Einzelfälle? Müssen wir halt bissl Blutzoll einplanen in den nächsten Jahren?
  4. Warum mietet sich kein Journalist mal für 1 oder 2 Wochen in so einem Übergangsheim ein und erlebt den realen Irrsinn der Flüchtlingsbetreuung mit, um darüber zu berichten?
  5. Warum liest man nichts über das völlig überzogene Erwartungsbild hier ankommender Analphabeten (bzw. minimalalphabetisierter Flüchtlinge) und ihre hier erfolgende Erdung auf dem Boden undurchdringlicher bürokratischer Tatsachen?
  6. Warum steht nicht längst unsere völlig veraltete und undurchschaubare Ausländergesetzgebung am Pranger? Jener Wirrwarr aus Kontingentflüchtling, Flüchtling, Asylant, Migrant, Geduldeter…; mit Arbeitserlaubnis, ohne Arbeitserlaubnis, mit Residenzpflicht, aber unkontrolliert; zur Kontrolle der Personalien nach X. bestellt. 200 km weit weg vom Heim. Morgens um 9:00 Uhr. Pünktliches Erscheinen Pflicht! Ohne Auto, ohne Geld, ohne Übernachtungsmöglichkeit.
  7. Warum werden nicht spätestens seit 2015 Institute geschaffen, an denen Lehrer mit Lehrbefähigung für „Deutsch als Fremdsprache“ fest angestellt und gut bezahlt werden? Wer verhindert das?
  8. Warum werden die Flüchtlinge nicht nach mitgebrachten Schulabschlüssen sortiert, sondern kunterbunt in teilweise wirr organisierte Deutschkurse, gesteckt?
  9. Warum hat keine unverfängliche Organisation fix zu einer Trauerkundgebung aufgerufen?
  10. Wie unhaltbar waren die Belästigungen am Bahnhof bzw. im Park oder am „Nischl“ im letzten Jahr wirklich? Was ist FAKT und was ist GEFÜHLT?
  11. 6000 sollen es gewesen sein, die sich an jenem „von rechts“ organisierten Trauermarsch beteiligt haben. Alles Nazis? Alles Mitläufer hinter einer falschen Flagge bzw. hinter Parolen grölenden Dumpfbacken? Wenn man es sich richtig leicht machen will: Ja. Andererseits: Wohin mit dem Frust, wenn sich kein legales Ventil findet? Warum hat man aus PEGIDA nichts gelernt? Ermittelt wird wegen 10 Hitlergrüßen.
  12. Es gibt keine Berichte über überfüllte Krankenhäuser, oder Plünderer in zerstörten Rossmann-Filialen bzw Döner-Depots. Kein brennendes Auto nirgends. Alle Schaufensterscheiben ganz geblieben. Eine Platzwunde wird da bei youtube verbunden und ein älterer Mann mit geplatzter Augenbraue meldet sich bei der Polizei, weil er verarztet werden will. Hools kloppen sich mit Polizei, wie nach jedem Fussballspiel und im Straßenkaffee sitzt ein Unbeteiligter, der das filmt. Menschenjagd? Wieso gibt’s nirgends plausible Bilder?
  13. Selbst ein ARD-Brennpunkt musste neulich eingestehn, dass es mit Ferndiagnosen aus Redaktionsstuben in Hamburg und Berlin nicht getan ist.

Fazit: Fühle ich mich gut informiert? Nein.

(Dank an gkazakou für den link.)

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23 Gedanken zu “Recherche? Fehlanzeige.

  1. Pingback: Moritz Neumeier zu Chemnitz |

      • Der Herr Köppel macht das Hütchenspiel ja auch gekonnt mit und die Zustände/offiziellen Berichterstattungen spielen ihm und seinen Interessen außerhalb seines Blogs auch in die Hände. Ich höre eben eine Reihe von Behauptungen, nicht besser und nicht schlechter als die andere Seite.
        3:22: „… und ich hab die Bilder angeschaut, es waren also normale Leute, Chemnitzerinnen und Chemnitzer, da waren auch Frauen und Kinder dabei, eine klassische Bürgerdemo…“
        Na dann ist ja alles klar, wenn sogar Frauen dabei waren, sogar mit Kindern. Na dann, er wirbt ja auch mit seiner Tochter auf politischen Plakaten. Dann muss das ja auch richtig sein.
        Diese (die Kinder) wurden übrigens bei den Stuttgarter Tiefbahnhof-Demos, die eskalierten, für Demo-Zwecke ebenfalls instrumentalisiert.
        Der Einsatz der Polizei wird als unzureichend kritisiert, wenn ich da an Hamburg dagegen denke (und auch Stuttgart), einmal unfähig, die Alternative ist der Polizeitstaat, den er ja ab 7:10 indirekt fordert. Was versteht Herr Köppel unter dem Schutz der Bürger?
        Und da sind wir wieder bei der Lügenpresse, die unterschiedlichen Seiten schenken sich doch nichts, die Wahrheit liegt (vielleicht?) irgendwo in der Mitte.
        Und wer bestimmt nun, welche Berichterstattung am dichtesten an der Wahrheit ist?
        Ein schwieriges Thema, zweifellos.

        Schöne Wochenendgrüße!

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      • Wohl wahr, dass die „Kindernummer“ immer zur tränendrüsigen Interpretation einlädt. Aber: In Chemnitz scheint sich ein mindestens einjähriger unbearbeiteter Frust angestaut zu haben und wenn sich dem niemand annimmt, dann besorgen den Job eben die falschen. Siehe Pegida. Die Gründer sind ganz sicher keine Vertrauenspersonen für dich und mich, aber zu Spitzenzeiten demonstrierten dort 15 000 Leute und denen ging es ganz sicher nicht vorrangig um die Islamisierungsgefahr – aber: Nazistempel drauf und fertig war der Lack. Und Chemnitz 2018 ist ähnlich: Ein peinliches Ermordungsvorkommnis, schwer kommentierbar, ach Gott sei Dank brülln da ein paar Dumpfbacken vorn dran das übliche, also weiter wie bis her: Alles Nazi außer Mutti. Niemand muss sich die Mühe machen eine der seit Jahrzehnten schwelenden Problemfragen siehe oben zu erörtern – wir haben ja ein Naziproblem. Und das labern wir dann einfach weg….
        Wenn man medial aber eine ganze Stadt in die Pfanne haut, wird man sich über die Folgen eventuell noch wundern. Selffullfilling prophecy. Das Weglabern wollen von Nazigesinnung hat in der DDR schon nicht geklappt.

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    • Lieber Herr Autopict, Ihr Kommentar antwortet nicht auf eine der obigen Fragen oder auf die des Kommentators der Weltwoche, stattdessen hinterfragen Sie seine Integrität. Sie bedenken ihn mit merkwürdigen Anwürfen (ich bitte Sie: die ganze Flüchtlingsdebatte, die Debatte um den Syrienkrieg, die Welthungerhilfe…alle arbeiten ununterbrochen mit Kinder- und sogar mit Babybildern!) und meinen, damit auch seine Argumente aus der Welt zu schaffen.
      Für mich sind Diskussionsformen wie die Ihre Gift. Es vergiftet den Diskurs, wenn er nicht auf der Sachebene stattfindet, auf der man sich ja eventuell verständigen kann, Wäre es nicht besser uns mitzuteilen, was Sie an den vorgetragenen Argumenten richtig, was falsch finden? Dann könnte man diskutieren. Mit freundlichem Gruß aus Hellas.

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      • Liebe Frau Gerda,
        Ihre Anklage verwirrt mich. Den Ausführungen von Herrn Bludgeon habe ich im Prinzip bereits zugestimmt, ich tue mich nur schwer mit den unterstützenden Links, eben weil sich die rechtskonservative Seite hier Meriten verdienen will. Das sei mir doch in Kurzform gestattet. Falls nicht, weshalb nicht? Dass Fragen zu beantworten sind war mir bislang nicht klar, eben weil auch ich mich bislang schlecht informiert fühle. Im Übrigen hat keine/r meiner Vorkommentator/inn/en Fragen beantwortet. Außer vielleicht Frau Arabella in ihrem Blog, sie ist sicher am dichtesten am Geschehen dran; wir beide müssen dem Glauben schenken was man so hört und liest und das entsprechend unserer Möglichkeiten sortieren.
        Ob ein Kommentarstrang in einem Blog ausreichend für eine erschöpfende Diskussion ist, bezweifle ich zudem; natürlich kann ich mit ein paar Worten keine Argumente aus der Welt schaffen, aber das wollte ich nicht, ich wollte sie nur relativieren, was Sie dankenswerter Weise indirekt bestätigt haben. Was Sie zur Verteidigung des Schweizer Herrn antreibt, ist mir ein Rätsel, vielleicht ist es die gefühlte Verletzung, da Sie die Link-Spenderin waren?
        Nichts für ungut, auf Ihren fast beleidigenden Vergiftungsvorwurf werde ich abschließend nicht eingehen, denn das ist es was imo Aggressionen schürt.
        Schöne Grüße nach Hellas und nicht ärgern, lohnt sich nicht.

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      • Ruhig Bluuuut, ruhig Bluuut. Die Meinungen prallen aufeinander, weil die Presse ihren Job vor Ort nicht macht. Deshalb müssen wir uns ja hier (weit weg) nicht heißlaufen.
        Hier ist auch noch was Lesenswertes zum Thema, was einige unangenehme Wahrheiten enthält. Achtet mal auf die Art der Fragestellung, die eigentlich nur auf die alten Reflexe aus ist. Aber der Interviewte ist versiert und legt seriös diplomatisch den Finger in einige Wunden des allgemeinen Medien- und Politikversagens.

        https://www.sueddeutsche.de/politik/chemnitz-sachsen-tickt-mehr-wie-polen-oder-ungarn-1.4108783

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      • Korrekt und Danke für den Link, dem ich ebenso folgen werde, die nächsten Tage. Da ich derzeit mehr unterwegs als sesshaft bin, funktioniert alles etwas verzögert.
        Frau Gerda, falls Sie das lesen, legen Sie meine letzten Sätze nicht auf die Goldwaage – zumindest wir sollten, wie Herr Bludgeon zurecht kommentiert, halbwegs entspannt bleiben. Gefühlt sitzen wir doch am selben Tisch.
        Herzliche Grüße (so gemeint) nach Hellas.

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      • So. Da bin ich wieder. Ist das Thema in den Blogs noch aktuell? Es wird ja immer ekliger, seit deinem Beitrag gibts neue Äußerungen u.a. vom Seehofer und vom Maaßen und mit Pavlov’schen Reflexen wird von allen Seiten geantwortet. Dahinter steht alles, nur nicht das eigentliche Thema. Alle in einen Sack und draufhauen, man trifft keinen falschen. In den letzten Tagen hatte ich diverse Unterhaltungen, von denen ich sagen kann, dass insbesondere die Meinungen von Kindern interessant sind.
        Zu deinem Link noch ein paar Worte, wobei ich sehr an der Oberfläche bleibe, denn ich bin nach wie vor nicht informiert genug, um wirklich alles zu durchschauen. Vielleicht liege ich auch flächendeckend falsch. Interessant übrigens auch folgender Link und daraus dieser Satz „Wir ernten jetzt das Ergebnis einer Vernachlässigung von politischer Bildung.“, den ich fast – oder ziemlich sicher – unterschreiben würde.
        https://www.deutschlandfunk.de/ausschreitungen-in-chemnitz-ergebnis-einer.694.de.html?dram:article_id=426906
        Nach dem Lesen deines Links und diesem Satz „Neben Neonazis und Hooligans sind in Chemnitz auch viele Menschen auf die Straße gegangen, die man der bürgerlichen Mitte zuordnen würde“ ist mir dann nochmals aufgegangen, was mich doch sehr stört: es sind die gegenseitigen Beschuldigungen, meist pauschaliert von beiden Seiten, was den einzelnen Teilnehmern das individuelle Denken abspricht, gefolgt von den zahlreichen Belehrungsversuchen der Schnellversteher. Und dann die lokal und spontan auftretende Blogpolizei, die mich in diesem Strang auch belehren musste und nicht unbedingt zum Risse kitten beiträgt. Ich könnte da weitermachen: instrumentalisierte Musikstücke aus dem Zusammenhang gerissen, dasselbe mit Fotos. Alles in Blogs und Foren. Und immer die kleine Netzpolizei. Wer im wahren Leben nur zum Pazifisten taugt, holt die Wumme am Rechner raus. Zum Kotzen. Entschuldigung. Vielleicht muss man einfach Augen und Ohren offenhalten und ab und an den gesunden Menschenverstand einschalten. Das hilft ungemein und das vergessen viele, zu viele. Oder sie sind nicht mehr fähig dazu.
        Das Interview ist zusammenfassend lesenswert, dem stimme ich zu. Herr Richter vertritt in beiden Interviews die Ansicht, dass sich die aktuelle Problematik auch aus den Einkommensdifferenzen von Ost und West ergibt. Woraus folgt, dass sich der Osten mehr Wohlstand wünscht – oder zumindest den selben wie der Westen (auch pauschaliert). Also landet alles wieder beim ungebremsten Konsum als Antriebsachse des Bösen, mitunter eine der Gründe für die weltweiten Flüchtlingsströme. Tun wir noch ein paar Märkte aufmischen, it’s cool. Sozusagen eine Mischung aus Avaritia und Invidia. Und da drehen wir uns im Kreis, mein Politikverständnis kommt an Grenzen.
        Inwieweit es sich um allgemeines Medienversagen handelt, da ist Herr Richter im zweiten Interview etwas zurückhaltender, äußert aber dennoch feine Kritik.
        Ich meine zudem, dass diese Medienschelte, die sich durch die sozialen Netzwerke zieht, dazu führt, dass manch einer wirklich alles für konkrete Lügen hält, ungefiltert. Aber wer arbeitet denn nicht mit diesen Mitteln, mal ehrlich? Ich als eigentlich unpolitischer Fotoblogger, der sich ein wenig hier und da probiert, zeige doch auf meinen Fotos auch die Seiten, die mir gefallen, das ist doch auch Manipulation. Da stehst du vor dem Colloseum bei Nacht und wartest 30 Minuten bis wenig Menschen davor stehen. Dann wird das Foto aufgepimpt und ist ach so ramontisch. Dass hinter mir aber 20 Menschen versuchen, Selfiesticks zu verkaufen und daneben ein Eis- und ein Crêpesstand sind, und gleichzeitig 7 Motorräder im Wechsel die Drehzahl auf 18 Tausend bringen, sieht und hört man nicht. Die Wahrheit: schnell weg von diesem Platz. Nur ein kleines Beispiel zu Mythos und Wahrheit – auch wenn dies in diesen Tagen bei relevanten Themen sehr gedehnt wird.
        Jetzt ist 0:54 Uhr und ich habe mal Zeit mich damit auseinanderzusetzen, das ist doch Mist, oder etwa nicht?
        Ich denke das wars jetzt endgültig. Vielleicht noch etwas Musik zur Dunkelstunde.
        Schöne Grüße aus der dunklen Nacht.
        (Leonard Cohen / Popular Problems)

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      • Die Vernachlässigung politischer Bildung ist FAKT. In Ost wie West mit jeweils anderen Symptomen. Auch so ein unterlassenes Recherchefeld. Wer sich mit Heil Hitler und Alerta Antifa beschäftigt, kümmert sich nicht um EPA, TTIP und Neokoloniallismus. Das hier war kein breitenwirksamer Hit.:

        http://www.youtube.com/watch?v=dlvStoOyEzE

        Und einen Integrationsbambi oder sowas gabs dafür auch nicht.

        Lieber „good bye right side“ bzw. „good bye left side“ ; bringt mehr Abenteuer und kostet viel weniger Aufwand.

        Holzschnittartige Phrasendrescherei, gebetsmühlenartige Dauerwiederholungen, Hysterie statt Recherche. Welche sachlichen Argumente gibt es gegen Lügenpresse, wenn die Faktenlage nunmal anders ist als medial breitgetreten? (Ukraine, Krim, Natoaufrüstungsnotwendigkeit, McCain, Chemnitz) Wessis wenden sich dann eher gelangweilt ab: Die Welt is eben schlecht, war schon immer so. Ossis sehen ihr Aktuelle Kamera Deja vu, denken 87 oder 89 (II) und regen sich auf. Was wird uns der neuerliche Umbruch wieder zumuten?

        Das derzeitige Chaos des „halben Zurückruderns“ und übler Haarspalterei in Sachen „Hetzjagd und Pogrom“ tun ein übriges. Die westdeutsche SPD bleibt stur bei der Anfangsmeinung und haut nochmal rhetorisch drauf und wundert sich, warum sie im Osten nicht punktet. Wird sie in Sachsen demnächst die 5% Hürde schaffen? DER Untergang ist hausgemacht. Die CDU liefert ein äußerst ramponiertes Bild, weil da immerhin einige nun wenigistens zu merken beginnen, dass sie den konservativen Teil der Bevölkerung verlieren, der bisher bei ihnen eingebunden war. Hut ab vor Kretschmer – auch wenns nur der Mut der Verzeiflung sein mag.

        Seehofer und Gauland haben recht, wenn sie darauf hinweisen, dass sowas von sowas kommt, weil es tatsächlich immer so war. Überall in der Welt gibt es derlei Spontanausbrüche nach derlei Vorlagen. Ich erinnere mal an die umstrittenen Geschworenenurteile in den USA, die zu Rassenunruhen führten. Nur selten geht es so glimpflich aus wie in Chemnitz. Das lässt sich nicht weglabern.

        Wer was gegen diesen Haufen liegengelassener Völkerwanderungsprobleme hat, der hat kein legales Sprachrohr. Der latscht früher oder später eben dem falschen Angebot hinterher. Das mag dumm und naiv sein, aber es ist nur die Kehrseite der anderen Dummheit: Wir ham‘ uns alle lieb und lassen alle rein und drehen alle Probleme so, dass wir immer beim Simpelproblem Nazi landen.

        Wer jahrelang bedonnert wird, dass das alles wichtige Fachkräfte seien, die er da als Herumlungerer und Dealer erlebt, ohne die Deutschland ausstürbe, im Dunkeln darüber gelassen wird, wie hoch die Analphabetenquote und wie konkret die Probleme der Anpassung sind, nach arbeitsreichem Leben und ewiger Flexibilität in der Arbeitswelt um die Rente beschissen wird, weil „wir sie uns angeblich nicht leisten können“, während immerneue Überschüsse gemeldet werden und man nicht müde wird, die 100 oder 500 oder tausend reichsten Deutschen zu feiern – wer dann im eigenen Viertel die Einquartierungen der Nichtintegrierten erleben muss, und sich fragt, wer für deren Wohngeld nun aufkommt, wer sich im Dunkeln am Bahnhof oder im Stadtpark nicht mehr vorbei traut, egal ob wirklich angemacht, oder nur angeguckt oder nur gefühlt bedroht, der empfindet diese Angst nur als den I-Punkt auf einer Kette von Zumutungen. Und obendrein ist nun wirklich widerlich, wie pauschal blöde das ganze medial in Ossibashing endet.

        Die Westredaktionen schicken ein paar Volontäre mit Kamera in die „Bewährungsprobe“, naiv oder verdummt traben sie an und suchen ein paar Dödel, damit ihr Weltbild Bestätigung finde: Alle Nazi oder doof! Da fährt man freiwillig nicht hin! Hey Journalisten: Fangt doch mal Stimmungsbilder irgendwo im Ruhrpott ein, – Marxloh, Essen Nord, Duisburg- kriegt ihr dort kluge Mitleidsanalysen von Passanten oder Wut zu hören?

        Ich stamme nicht aus Sachsen, sondern „dichte bei“ aus dem Saaletal. Ich gehöre der Ü50 Generation an, die da so simpel lächerlich gemacht wird. Ich fühle mich deshalb mitbeleidigt durch die koloniale Art der Berichterstattung von Spiegel, Zeit, web.news & Co.

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  2. Hm … mich treiben die Geschehnisse in Chemnitz auch rum … und zwar gewaltig. Vermutlich, weil ich in dem naiven Glauben war, dass sich sowas nicht mehr in Deutschland anspielen wird.

    Und Du ahnst … ich komme zumindest in Teilbereichen zu anderen Einschätzungen als Du.

    Ich versuch mal, ein paar Deiner Punkte, bzw. Fragen aus meiner Sicht zu beantworten:

    „Wo kommt der Frust der geflüchteten Durchdreher her? „: Nun, unter den Geflüchteten gibt es einerseits ganz sicher (die erkennt man nicht gleich am Paß, sofern sie überhaupt einen haben), aber auch etliche, die traumatischen Erlebnisse ausgesetzt waren … dies kann zu Kurzschlußhandlungen führen, die dann leider alles andere als lustig sind (habe ich auch schon live und in Farbe erlebt) … Erlebt habe ich solche Kurschlusshandelungen allerdings auch von Deutschen …

    „Warum liest man nichts über das völlig überzogene Erwartungsbild hier ankommender Analphabeten“: Davon gibt´s genug zu lesen !

    „Warum steht nicht längst unsere völlig veraltete und undurchschaubare Ausländergesetzgebung am Pranger?“ Zustimmung meinerseits !

    „Warum werden die Flüchtlinge nicht nach mitgebrachten Schulabschlüssen sortiert, sondern kunterbunt in teilweise wirr organisierte Deutschkurse, gesteckt?“ Nach meiner Kenntnis müssen alle Flüchtlinge, bevor sie in einen Integrationskurzs aufgenommen werden, einen Test absolvieren, um genau das zu verhindern.

    „Warum hat keine unverfängliche Organisation fix zu einer Trauerkundgebung aufgerufen?“ Jetzt wird es schwierig … einerseits: ne verständliche Frage. Andererseits: In Deutschland gab es 2017 405 Mordfälle (2000: 497) … Soll nun bei jedem Mord von der Bevölkerung ein Trauermarsch organisiert werden ? Das soll nicht zynisch klingen, aber ist ein toter Deutscher, der von einem anderen Deutschen getötet wurde nicht auch ne Demo wert ? (z.B. gegen zuviel Alkoholgenuss auf Volksfesten oder so ?).

    Der Tod des Chemitzer wurde instrumentalisiert von Pegida, AfD & Co … habe noch nicht gehört, dass anderswo demonstriert haben, wenn ein Deutscher erstochen wurde (azßer von einem Asylbewerber).

    „6000 sollen es gewesen sein, die sich an jenem „von rechts“ organisierten Trauermarsch beteiligt haben. Alles Nazis?“ Natürlich nicht, wobei es ja scheinbar schon klar ist, dass etliche Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiert angereist waren. Und keiner, der einigermaßen seine Sinne beisammen hat, wird ernsthaft behauptet, ganz Chemnitz sei voller Nazis …. das wäre Quatsch in Tüten.

    “ Ermittelt wird wegen 10 Hitlergrüßen.“ Klingt da das versteckte Wörtchen „nur“ mit ? Mir ist schon ein Hitlergruß zuviel. Und übrigens: Ermittelt wird wegen weitaus mehr vermuteten Straftaten: Landesfriedensbruch, Körperverletzung etc. Ich bilde mir ein, die Zahl 120 gelesen zu haben.

    „Belästigungen am Bahnhof bzw. im Park oder am „Nischl“ “ … : Keine Frage: Bei solchen Kriminalitätsschwerpunkten ist die Polizei gefragt und die Politik, die für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen hat !

    Ansonsten hätte ich ja noch weiteres zu Deinen Polemiken zu schreiben … aber für den Moment lass ich es mal gut sein …

    Und man möge es mir einfach mal glauben: Ich habe beruflich täglich mit Flüchtlingen zu tun … und mehr als einmal könnte ich in die Tischkante beißen (ob der kulturellen Unterschiede und ihrer Folgen) und mehr als einmal erlebe ich gelungene Integrationserfolge …

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    • Tja es gibt halt Meinungsvielfalt.
      „Gegen 10 Hitlergrüße wird ermittelt“ war die Schlagzeile am Tag danach in der MAZ, der hiesigen Lokalzeitung. Von den 120 Ermittlungen hab ich gestern auch gelesen. Alles was die Presse am Tag danach hatte, waren ein paar abgebrannte Bengalos und die Hitlergrüße. Also in etwa das, was sich nach jedem x-beliebigen Fussballtournier in hiesigen Großstädten so ereignet. Is ja Osten. Unschön. keine Frage. Gibts im Westen bestimmt nicht. Und da erfanden sie halt die Pogrome.

      Den Sprachkurswirrwarr hab ich hier an zwei Beispielen im Abstand eines Vierteljahres im Erstaufnahmelager miterlebt.
      Von dem Analphabetenproblem hab ich in Zeit-Spiegel- Welt-online, die ich regelmäßig und vermutlich schon in Überdosis lese noch nichts entdecken können. Ein einziges Mal (kurz nach der Kölnsilvester-Pleite) ist mir ein selbstkritischer Artikel von diLorenzo in der Zeit untergekommen: „Es kamen nicht nur Fachkräfte.“ Aber danach war auch gleich wieder Schluss.

      Ein von einem Flüchtling Getöteter ist in meinen Augen kein Mord wie jeder andere, da das Flüchtlingsthema an sich so ein heißes Eisen ist. Wenn sowas geschieht, müsste man aus Köln, Kandel, usw endlich mal lernen und legale Massentrauerventile schaffen. Eventuell sogar eine gemeinsame Schweigeminute von Einheimischen und Flüchtlingen, die zeigen würde, dass nicht alle so sind. Da ist ein Handlungskonzept von Nöten, dass es bisher nicht gibt: Wer soll’s machen, wie solls ablaufen, wie schnell nach der Tat… Es grummelt gewaltig im Volk hinter vorgehaltener Hand und jede solche Zurechtweisung (Alles statistisch halb so wild. Einzelfälle.) schafft neuen Ärger.

      Als zu Ostzeiten ab und an ein Russe in der Kaserne durchdrehte und sich den Weg zur Flucht freischoß, (mal starb dabei ein deutscher Fernfahrer, dessen W50 Fluchtfahrzeug werden sollte, mal ein deutsches Pärchen, dass im Wald an der Kaserne im eigenen Auto kuscheln wollte) dann aber von seinen Verfolgern der Militärpolizei seinerseits erschossen wurde, konnte man die Einschusslöcher in den Hausfassaden sehen und in den Versammlungen sämtlicher Großbetriebe der Umgebung deeskalierende Lügengeschichten hören, die die „unverbrüchliche Freundschaft zur Sowjetunion“ retten sollten.
      Nix für ungut.

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    • Quo vadis – passt ausgezeichnet. (Für alle nicht(mehr) Belesenen: Romantitel eines früher berühmten Romans über den Untergang des Römischen Reiches) Antwort: Wie alle in Richtung Untergang. Nur eben kopfschüttelnd. Listen to „fear“ von Marillion. Es existiert also ein passender Soundtrack. DEN hatten die Römer damals nicht.

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      • Mein persönlicher Soundtrack zum Untergang ist „Herzbeben“ von der Fischer Helene. Jedesmal wenn ich das hören muss, denke ich mir: So muss sich das anfühlen im Schutzbunker mit den Bomben drüber und der Gewissheit, dass der Bunker eine Farce ist.
        Nein, beim Untergang ist auch der Soundtrack keine Freude!

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      • Vorher isser ja noch ne Warnung, die Probleme rechtzeitig zu thematisieren und anzugehen. Thema sindse zwar, dank AfD-Hysterie, aber in falscher Art und Weise und weit ab von den wirlich drängenden Aspekten. Das Oberflächentralala:- Grenze auf – Grenze zu – mit Blümchen behängen – oder schießen – alles Fachkräfte, Schlauchbootschleuser als „Ursache“(?! ?!) — ist ein Klassiker in „Thema verfehlt – 6! setzen!“

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