Unfrohe Osterbotschaft

Heute Morgen fuhr der Computer hoch:

https://web.de/magazine/politik/skripal-usa-warnen-schlechteren-russland-beziehungen-32894866

Und das floss mir aus der Tastatur:

Als sich Frankreich nach 1789 langjährig ins Chaos manövriert hatte, niemand mehr Felder bestellte, nur alle paar Jahre die Regierungen geköpft wurden, weil sie nicht zaubern konnten, da kam ein Korse und sah, dass schnelle Abhilfe nur durch Beute von Auswärts zu haben war: Seine Blitzkriege versetzten die Franzosen in Euphorie, solange es gut ging. Er erkämpfte einen 15jährigen Aufschub  der Jahrhundertmisere seines Vaterlandes, das nach 1815 mit seinen Revolutiönchen alle paar Jahre dem heutigen Nahen Osten glich.

Als es Napoleon III. 1870 innenpolitisch schlecht ging, Wirtschaftsdaten im Keller, Arbeitslosigkeit und Massenelend, Unruhen ante Portas; er das Schicksal Ludwigs XVI., Louis Phillippes vor sich sah, da benutzte er eine Lappalie, von der er wusste, dass sie eine Lappalie ist: die Thronkandidatur eines Hohenzollern-Sigmaringen in Spanien; und die alberne Parole „Rache für Sadowa“, um einen Krieg vom Zaune zu brechen, der schnellen neuen Ruhm bringen sollte. Unüberlegt; inmitten einer laufenden Militärreform. Sedan.

Die Folge war eine politisch schwächelnde neue Republik, eine koloniale Überdehnung, ein staatsbürgerschaftlicher gordischer Knoten für die Zukunft.

Als Österreich-Ungarn nach unbefriedigend verlaufenen Balkankriegen und innenpolitischen Reformen, die das nationalistische Chaos im Landesinneren und im Wiener Parlament auf die Spitze trieben, nicht mehr weiter wusste, ging sein Thronfolger (ganz ohne jeden Realitätssinn) auf eine fast unbewachte Dienstreise ins „damalige Afghanistan“ und wurde prompt erschossen, was zu einer bis dahin beispiellosen Kriegserklärungslawine führte.

Die Folge war der komplette Untergang eines wackligen, aber langlebigen Vielvölkerexperimentes, die Schaffung nicht lebensfähiger Armenhausstaaten; der Versuch im Vielvölkerpuzzle des Balkans, die Teile plötzlich und schnell nach Farben zu sortieren und somit die Zerstörung eines armseligen aber funktionablen, jahrhundertealten Farbenspiels.

Als Deutschland 1933 nicht mehr weiterwusste, da alle etablierten Parteien am Ende ihres Lateins zu sein schienen, da wählten sie einen soziophoben Autisten und dessen Karriereabenteurer (sponsored by Reichwehr und Großkapital), nur weil er nicht winselte, sondern SCHRIE! Als diese wiederum mit ihrem großangelegten Wirtschafts-Fake 1939 vor der Wahl standen: Krieg oder Inflation, fingierten sie einen Überfall auf den Sender Gleiwitz, präsentierten eine Handvoll in Zivil gesteckter Leichen aus dem KZ von nebenan, als angebliche erlegte polnische Extremisten für Pressefotos – mit den bekannten Folgen.

2014-18 erodieren etablierte Parteiensysteme europaweit, die EU gleicht Österreich-Ungarn 1913/14, ihre Wirtschaftsdaten sind so mies wie im Frankreich von 1870, wenn man von Deutschland absieht. Deutschland sieht das Ende seines singulären Booms vor der Tür wie 1938; seit den 80ern wurde der neokoloniale Trend überstrapaziert und führt seit spätestens 2015 zu einer gesamteuropäischen Erscheinung, die bislang nur England und Frankreich zu spüren bekamen, wenn die „Landeskinder der Kolonien“ auf Staatsbürgerrechte im „Mutterland“ pochten…

Händeringend sucht die Politik bisher nach Hinhaltetricks, nach Aufschubmöglichkeiten für lauter Unlösbarkeiten.

Was, wenn sie keine mehr findet?

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Unsere Think Tanks stecken manövrierunfähig in den digitalen Schützengräben fest oder drehen sich auf nur einer Kette im Kreis: Schlepperbanden….Schlepperbanden…. Schlepperbanden….errorerrorerror…der Russe….der Russe….der Russe…errorerrorerror…

Sergej Skripal – der neue Franz Ferdinand? Kommt das so? Was hat der eigentlich gemacht? Einen schlesischen Lokalsender kann er nicht überfallen haben! Einen englischen vielleicht? Mit seiner Tochter? Die Russen finden „ihre Snowdens“? Ist das so? Die Amis kommen nicht an ihre ran. Schöne Scheiße. Ist das einen „Bündnisfall“ wert?

Auf alle Fälle kann man wieder gegen Russland. Wie 1812, wie 1853, wie 1914 und ‘17, wie 1941.

Äh. Wer gewann damals nochmal? Richtig. Die Wallstreet. Die Tegernsee-Connection. Bzw. ihr jeweiliges Vorgängerpendant. Wir andern dürfen dann wieder (so wir übrigbleiben) ein paar Jahre lang Friedenslieder singen. Black Sabbath!

P.S.: Dieser Text ist die perfekte Fortsetzung.

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14 Gedanken zu “Unfrohe Osterbotschaft

  1. Wir befinden uns astronomisch in einer Luftära, diese bringt immer Wandlung in der Minderheit der kleinen Leute…
    Auch die Völkerwanderung lag in einem solchen Zeitraum, ebendieses erleben wir gerade wieder.
    Staaten blähen sich wie Seifenblasen und werden genauso platzen.

    Du, ich und viele andere wissen um den Wert geschichtlichen Wissens, dennoch sind wir zu wenige und auch noch ohne finanzielle Mittel.

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  2. Schönen Dank für die Zusammenfassung des langen und kurzen neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts.
    Die Zerschlagung Jugoslawiens in mehreren Kriegen mit wechselnden Allianzen und der NATO-Zerbombung von aussen hätte gut gepasst. Als ein historisches Beispiel, das gerade nochmal gut ausgegangen ist. Für Rest Europas jedenfalls. Die Bevölkerung Südosteuropas hat einen hohen Blutzoll gezahlt.

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    • Die Bundesrepublik Jugoslawien wurde nach dem Zusammenbruch des Ostblocks als Gegenmodell zum Ostblock nicht mehr gebraucht. Somit kamen wieder die alten Allianzen zu ihrem Recht. Der römisch-katholisch geprägte zum Klerikalfaschismus neigende Norden war lieb. Sezessionsbestrebungen wurden deshalb unterstützt. Das serbisch-orthodox geprägte Zentrum, traditionell anfällig für eine Allianz mit Russland, war böse („Serbien muss sterbien!“). Die von ausländischen Islamisten geförderten Mohammedaner waren lieb, weil gegen Serbien orientiert.
      Auf allen Seiten gibt es Eliten, die einem entfesselten Mob eine ideologisch verbrämte Möglichkeit bieten, bewaffneten Männerfasching zu feiern. Den Blutzoll, wie sie richtig schreiben, zahlt die einfache Bevölkerung.

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      • Ergänzt sei hier der Vollständigkeit halber, dass der im Landesdurchschnitt betrachtet wirtschaftlich höher entwickelte Norden(Slowenen und Kroaten) es satt hatten, den mißwirtschaftenden Süden durchzufüttern. Sowas wie das Bayern-Syndrom (Raus aus dem Länderfinanzausgleich) auf slawisch. Und Kohl(noch im Einheitstaumel: Ich bünn dor zweite Bismarck und das wird meine Kongokonferenz) meinte: Die können wir brauchen in der EU und spontan anerkannte, was er paar Monate später Bosnien und Mazedonien auf keinen Fall zugestehen wollte.

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      • Schönen Dank für Ihren Kommentar. Ich habe mehrere Jahre in Monetenegro gelebt und habe dort gelernt, was von Resteuropa und dem unseligen grossen Bruder überm Teich dabei angerichtet worden ist.
        Wer den ersten der Kriege provoziert hat,, und zu den weiteren motiviert hat. Und warum es am Ende auch noch den Kosovo stellvertretend für Albaninen) treffen musste. Usw., usf…

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  3. In der Slowakei wurden Ján Kuciak und seine Verlobte ermordet. In Malta wurde die Journalistin Daphne Caruana Galizia ermordet. Sie kamen mit ihren Recherchen den politischen und europaweit verquickten wirtschaftlichen Eliten in die Quere. Die Reaktion unserer Eliten: Sparsam. Da steckt ja schließlich nicht der Russe dahinter.
    Beim Anschlag auf Sergej und Julia Skripal sieht das schon anders aus. Hier hat man einen VERDACHT, dass der Russe dahinter stecken KÖNNTE und schon lässt man in Hysterie verfallen. Wahrscheinlich muss Frau May von ihrer jämmerlichen Rolle beim Brexit ablenken.

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    • Ja. Ein Trost isse nicht. Aber Lehrmaterial. In den 80ern hatte sogar der Westen an seinen Schulen etwas, das sich Friedenserziehung nannte. Aus der Geschichte Lehren ziehen und an diesen festhalten gilt nur noch für den Holocaust. Jede andere Art von Blödsinn scheint wieder möglich.

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