Lets get the punk out…

Well: „I am no vulture – this is my culture“ auch wenn ich das bald 30 Jahre nicht mehr wahrhaben wollte. Aber erst Rückbesinnung auf Pere Ubu anlässlich der G20 Riots und dann heftiges Nachdenken über die Veränderung des sogenannten Undergrounds brachten es an den Tag:

Auch du hast mal eine Zeit gekannt, da wolltest du nicht ums Verrecken Mainstream sein.

Soll’n die andern doch sich an Manfred Manns Earthband delektier‘n, Toto als Supergroup einreden lassen, ELO für den Gipfel der Popkultur halten, oder eben gleich via ABBA ihren Hirntod erklären – pah!

„a donewanna be like – a dontwonnabelike -a don’t want to be like – youw!“ (Dröhnstadtratten „Looking after Nr.1“) Ab-ge-fahrn!

Adoleszenz war angesagt! Mögen Uriah Heep auch noch so mitleiderregend „free me“ lamentieren: Blitzkrieg Bop! Da geht’s lang! So meinten immerhin Christian, Udo und ich.

Natürlich war das Quatsch. Deshalb schämte ich mich ein paar Jahre später auch, wenn all die zu spät geborenen Punks meinten, das wäre was. Hab ich auch mal geglaubt. Als es neu war. Als es noch nicht in diesen aberwitzigen Kinderkrieg zwischen „Linken“ und „Rechten“ mündete. Im Gegenteil: Die Punkwelle der ersten Stunde 1977 in „good ol’ England“ wirbelte das alles erfrischend oberflächlich durcheinander.

God save the Queen/the fascist regime! (Sex Pistols)

Damit ließ sich der Phrasenwald des Kalten Krieges roden und weglachen! Und Freiheit einfordern:

Freedom is given! Speak how you feel? Oi got no Freedom! How do you feel! (Sham69)

Jedenfalls, wenn du Pennäler im Osten warst. Der Westen hatte das wiedermal nicht nötig: Texte dort –  wurscht. Wie immer. Outfit is‘ alles. Siehe Mittermeiers derzeitiges Soloprogramm. Egal.

Inzwischen ist der Generationsunterschied groß genug geworden. Kids von heute kennen keine Clash oder Stranglers mehr. Die rennen zu Kollegah und 187 Strassengäng ins Konzert, geben sich dem Gangsta Rap hin und glauben phasenweise selber welche zu sein. Whats up digga? Hat sein Gutes. Musikalisch kommen wir uns nicht mehr ins Gehege. Man kann sich wieder auf den Sound seiner eigenen Zeit besinnen, ohne dass dir den einer mit so Toten Hosen und Grunge verwurstet.

Also her mit einer Playlist der Gemütlichkeit! Aber selbstverfreilich nicht mit irgendeiner Compilation von MC Amazon oder so, sondern compiläjted by mirselba! Ab geht’s:

  1. One drop in all of this ocean/Not gotta be causing commotion/One drop not follow the motion/Not drop no proper emotion …. – PIL von 2012 als Einstieg: Reifes Alterswerk von John Lydon & Co, dem Hassprediger von anno Tobak: Pistols und so! This Voice rules!
  2. Sham 69 – with their big one: If the kids are united! Ab durch die Mitte! Herrlicher Aufreger 1978: Sham 69 traten erst bei Rock against rascism auf und anschließend bei Konzertveranstaltungen der National Front: Uns doch wurscht! Hauptsache Kohle! Dem Erfolg tat‘s keinen Abbruch. Wenn das Beispiel Schule gemacht hätte, wär der ganze Lagerbildungsquark gar nicht erst entstanden. Stell dir ma‘ vor, die Youngsters, die da immerfort nur ihren Pinkelberg ansprayen, hätten sich vereint mit gegen Hartz IV oder TTIP gestämmt! Nicht auszudenken!
  3. XTC – Science friction around my fiiiiin—gers… Auftritt in „Scene‘78“ (Thomas Gotschalks heute vergessenem TV-Einstieg); bahnbrechend weil ewig Geheimtipp geblieben: Respectable street! (sozusagen), vom Keyboarder stammt der Tipp mit den langen Mänteln!

4. Boomtown Rats – Looking after Nr.1(siehe oben) Punkiger als die Pistols und die Clash zusammen, ein gutes Jahr vor „Don’t like Mondays“ und kurz bevor sie kauzig wurden.

  1. „Halou-hallo-hallau-hallo …. The public ima-hage!“ Johnny Rottens erste Wandlung. Public Image Limited! Jah Wobble on the bass! 5 Jahre vor dem zu Tode gerittenen „Nichtliebeslied“.
  2. Die Stranglers mit ihrem herrlich vieldeutigen „Hanging arround“; schon mal mit dem Text befasst? Ich seh’s als Weckruf für eine Generation passiver Junkie-Kids: Nicht einfach abnabeln und untergehn! Nicht nur die eine Schiene bedienen um auf ihr zu versacken… Ostvariante: Nicht nur brav 2x in der Woche in die Disco watscheln und glauben, das sei „Niveauvolle Freizeitgestaltung“, weil der DJ pflichtgemäß mit so einer albernen Partygageinlage für „Stimmung“ sorgt. Suche dir selber deinen Weg! Feed your Head – nicht nur mit Alkohol!
  3. The Clash – police and thiefs; 6 Minuten; zu lang und zu elegisch für einen Punksong? Quatsch. It works! Ungeduld, Unentschlossenheit, Aufbruchstimmung, sowas dauert halt!
  4. „Ruggid-ruggid ju-es-ay!“… Suicide; der Selbstmord; eine Entdeckung aus dem CBGB’s; die ersten genialen Dilettanten; ohne sie keine Einstürzenden Neubauten, keine The The, keine Depeche Mode. 4 Minuten Gewitterschwühle, die sich nicht entlädt.

Deshalb müssen 9. zwingend Pere Ubu ran und für eben diese Entladung sorgen; Final Solution!

  1. Wir bleiben im testosterongeschwängerten Bereich, holen aber die erste Fee dazu: Debbie Harry, die Marlene Dietrich des Punk. Die Band hieß Blondie, nicht etwa die Dame. Rifle Range. Schusswechsel. Wer hat als „angry young man“ mit 17/18 keine schwarze Liste?
  2. beruhigen wir die Lage etwas. Reggae sei der Punk der Schwarzen, erklärte einst Johnny Rotten via BBC-Interview, weshalb folgerichtig Ska und Dub früher oder später alle langlebigeren Punkbands ereilte. Hier nehmen wir Peter Tosh hinein (und dass Mick Jagger mitträllert in Kauf): Walk and don’t look back.

Die 12. passt dann wie die Faust aufs Auge, denn während die beiden älteren Herren gerade die Zukunft beschworen, feiern nun die Jungspunde der Ramones 1980 einen 20 Jahre alten Phil Spector Girlgroupheuler ab: Baby I love you; bester Song ihrer Rock&Roll Highschoolphase.

Wer sich so herzerwärmend outet, der wird prompt erhört: Rachel Sweet bekommt die Nr. 13, die immer schon für Pech stand: reihenweise versandeten gute Nummern von ihr – wie z.B. diese hier: Stay awhile, let me fun you… Aber gerne doch!

  1. Laura Allan – So fine; hatten wir schon im Beitrag „Playlistrausch“, muss aber hier nochmal ran. Chaosweiber a la x-ray-specks oder the slits waren nie mein Fall. Mädels sollten sich ihr Feen-tum bewahren um hinterher Frau zu sein und nicht – Marktweib.

Dann passt nämlich 15. der hier ins Konzept: Reasons to be cheerful (part3) vom einzig wahren Kellerkind from Landäääään: Ian Dury. Gott sei seiner Seele gnädig!

And in the end comes der erzieherische Beitrag: Rotz mir nicht in den Bus. Steve Gibbons packt die Schülermugger von anno Greifenstein in den Schulbus und dreift away… no spitting on the bus!

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8 Gedanken zu “Lets get the punk out…

    • so fertig gepackt, sehr beschwingt und noch immer bin ich nicht mit deiner Liste durch, weil ich immer wieder hängen bleibe, erst bei Pil, jetzt bei Clash, Special, Clash- danke nochmals, dass du mich daran erinnerst woher ich auch komme
      herzlichst
      Ulli

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  1. Die Playliste werde ich mir mal zusammenbasteln bei Gelegenheit, das eine oder andere davon dürfte ich schon haben.

    Das mit dem „Lagerbildungsquark“ und „aberwitzigen Kinderkrieg“ sehe ich allerdings deutlich anders.

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    • Ich meinte das auf den damaligen Kontext bezogen: Kiss mit den Runen oder Sid Vicious im Hakenkreuz-T-Shirt wurden als alberne Verwurstung des „letzten Tabus“ noch weggelächelt/übersehen/überspielt – dann aber bekam das diesen Drall der ideologischen Verfestigung durch diese Punk/Skin-Grabenkämpfe. Und dann konnte sich das unglücklicherweise (begünstigt durch die wirtschaftlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Verwerfungen inclusive einflussreicher Strippenzieher und „Spender“) verfestigen, statt wie jede Mode irgendwann mal in der letzten Nische zu verdümpeln.

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