On the Prog Path (1)

Als ich geboren wurde, steckte der Rock&Roll gerade in der Krise. Elvis war in Hessen, Chuck Berry im Knast, Eddie Cochran tödlich verunfallt, Buddy Holly schon länger weg…

Was blieb, waren glatt gebügelte Spießerlein, die wenigstens zeitweilig auf wild markierten: Ricky Nelson, Jack Scott, Guy Michel, Marty Robbins,  … und diese Zahnpaste-Reklame-Maiden a la Brenda Lee, Petyla Clark und Little Peggy March…

Immerhin entstand 1960 EIN epochales Werk: „Ride this train“ von Johnny Cash. Wenn später gern behauptet wurde, dass ein gewisser Sgt.Pepper das 1. Konzeptalbum der Rockgeschichte sei – kann ich nur lachen. Listen to Johnny Cash!

Als ich endlich einen Rekorder bekam, steckte der Rock(ohne Roll) schon wieder in einer Krise. Der Hardrock und der Artrock der frühen 70er hatten beide ihren Zenit überschritten. Was blieb, waren Wiederholungen, Selbstplagiate, Oldieswelle. Denn 1975 waren die Großtaten von 1969/70 bereits 5 Jahre alt! Und 1976 kamen die des Jahres 71 dazu! Schätzgräberstimmung für angehende Music-Junkies da behind the wall.

Die Geschmackserweiterungswellen geschahen beinahe wöchentlich, obwohl es einem in der Rückschau so vorkommt, als sei man JAHRELANG Slade-Fan gewesen.

Es können nur wenige Monate gewesen sein. Ostern75 war der Rekorder da. Und im September hatte Jimi Hendrix seinen 5. Todestag. Der HR3 widmete diesem Ereignis einen „Rums“-Themenabend. Anschließend hatte ich die wesentlichen Meilensteine auf Kassette, von denen es mir vor allem „Castles made of sand“ und „the wind cries…(ähem)….Kerstin“ besonders angetan hatten. Mystik pur! Dass der Typ obendrein einen Song namens „Machine Gun“ drauf hatte, die passenden Töne dazu jedoch in „Star spangled banner“ enthalten waren, machte ihn nur NOCH interessanter! Und schließlich war da noch die rasende Version von „Johnny B. Goode“, an deren Ende die Gitarre verreckt, wie ein zu Schanden gerittener Gaul … die Brücke zum Dakotafeeling so vieler Jahre zuvor war geschlagen:

Sein Konterfei kannte ich von den T- Shirts designed by Ecke.

Nun kannte ich auch die Musik. Resultat: Hendrix-Fan!

Aber für wie lange?

Kinks, Who, Small Faces, CCR, Dylan, kurz mal die Beatles (aber für zu brav befunden), Bowie, Stones (na ja, von Wegen härteste Band; Satisfaction hat was, aber Smoke on the Water ist härter! Deep Purple aber fetzten ooch nich so richtig, singen zuviel nichtssagenden Schrott, da fehlte was).

Herbst’75 – das war zudem auch der Übergang an die EOS. Die „Großen“ aus der 11. sollten uns eingewöhnen helfen. Das war neu. An der POS wurdest du von älteren Jahrgängen eher verprügelt oder aber generös übersehen. Hier nun gab es Klassenfeten mit 11ern, Schul-Disco einmal im Monat und somit Pausengespräche in bunt gemischten Altersgruppen.

Entscheidend war der dauernde musikalische Impuls der „Großen“:

Genesis musste hör’n! YES und Gentle Giant sind die wahren Bands! Nee Uriah Heep! Geh weg, Assi! Sabbath! Earthband! Eloy! Tull! – Omega! Illes! Ja, die sind aus’m Osten, aber deshalb sind die nicht schlechter!

Jethro Tull, Genesis und Yes wurden am häufigsten gepriesen, aber abgesehen von Tull, hatten die anderen beiden um75/76 überhaupt kein Airplay. Die Großen hatten von denen ganze LPs auf Band, aber keine Lust sich uns Wänste nachmittags auf den Hals zu laden, zwecks der üblichen Aufnehmerei. Da war Notstand!

Und was knapp ist, wird umso interessanter!

Um diese Zeit erschienen Pink Floyd am Himmel und machten LICHT! Die „Wish you were here“ kam raus und sorgte für Aufsehen beiderseits des eisernen Vorhangs. Sie war die einzige Artrock-LP, die stückweise im Radio zu erbeuten war. Natürlich hatte man dann alle 5 Tracks kunterbund auf mehreren Kassetten verteilt – aber man hatte sie!

Das Großereignis brachte es mit sich, dass auch ältere Floyd-Songs ab und an in „Musik für Nussknacker“(HR3) und im„Club“(NDR2) aber auch „Beatkiste“(Stimme der DDR) und „Notenbude“(ebenda) gespielt wurden.

 One of these days, astronomy domine, time … dagegen waren Status Quo und Glitterband plötzlich wirklich nur noch Sandkastenrock.

Aber wie – verdammt – hören sich nun wohl Yes oder Genesis an?

Die 9. Klasse brachte einen Wandertag nach Leipzig mit sich. Irgendeinen erzieherischen Grund muss es gegeben haben. Der ist mir aber entfallen, denn es kam zu einem ganz anderen Schlüsselerlebnis: Wir durften nach Erfüllung des eigentlichen Fahrtgrundes zum Einkaufen ausschwärmen. Und als wir uns wieder am Treffpunkt einfanden, hatte da einer doch tatsächlich die Kenntnis vom Polnischen Kultur-und Informationszentrum! Und der holte aus seinem quadratischen Plattentransportstoffbeutel ein in Packpapier eingewickeltes Etwas. Er wickelte vor uns aus und hielt in Händen: „The Gun“ und „Keith Emerson & the Nice“. Und auf letzterer war auch noch „America“ – das Mutterstück aller Adaptionen!

Ächz! Ich hatte die Freizeit im Antiquariat am Petersteinweg verbracht. Wrong time – wrong place! Der Abfahrttermin des Zuges stand fest. Wir fuhren heim. Ich – mit nur einem Gedanken! Ich muss nach Leipzig. Morgen! Geht nicht. FDJ-Nachmittag. Pflicht. Donnerstag. Geht nicht. Schule zu spät aus…. Wann?! Waaaaaaaannn!!!!

Einige Tage später war es soweit. Inzwischen hatte sich auch unter anderen Mitschülern rumgesprochen, dass es in Leipzig da so eine Lizensplatten-Oase geben soll. Da ich ausposaunt hatte, wann ich fahre, bekam ich Aufträge und Geld mit.

Ich fuhr mit einem Kumpel, wir erreichten Leipzig, fanden problemlos den Laden am Brühl – der war eigentlich ganz zentral gelegen, aber bisher immer übersehen worden. Diesmal rein da und ab ins Gedränge an der Platten-Bar! Schlange stand hier keiner. Töte oder du wirst getötet! Drängle, wenn du was haben willst! 3 Verkäufer wickelten da im Akkord durchaus auch mal Cieslaw Niemen, SBB, Budka suflera in hellbraunes Packpapier, aber begehrter waren die Stapel Gun/Nice/Rare Bird/Hair von denen man immer nur ein Exemplar eingewickelt bekam.

Auf Grund des Andrangs merkten sich die Verkäufer aber die Gesichter der Kunden nicht.

Nachdem wir beide unsere Nice-und Gun-Scheibletten an Land gezogen hatten, blieb Christian vorn im Laden bei den Postern stehen und ich drängelte ohne verräterisches Paket im Arm erneut wieder hinten in der Platte-Ecke mit; landete beim anderen Verkäufer und eine weitere Gun für Stefan war die Beute; zurück zu Christian, der die Beutel hielt und wieder vor, noch eine Gun für Peter, zurück zu Christian, wieder zurück ins Gedränge eine Gun für Uwe…

Schließlich hatten wir alle versorgt. Pleite aber glücklich. Die Rare Bird kannten wir nicht – und ließen sie deshalb stehen. Ein Fehler – wie sich herausstellen sollte. Als wir sie kannten – „sympathy is what you need my friend! And there is not enough love to go ro-ho-ho-hound!“ – waren die Platten aus dem Sortiment genommen und nur noch simple Pop-Sampler mit kanadischer lizenszia erhältlich.

Dem Laden blieb ich trotzdem treu – denn inzwischen war ich bei SBB auf den Geschmack gekommen. Auch bei den Postern war ab und an was dabei. Ein großes Nonnenportrait hing jahrelang an der Tür unserer Chaos-WG im staatlichen Studentenwohnheim. Ich hatte es gekauft, wegen dieser frappierenden Ähnlichkeit dieses Gesichtes … DAS musste einfach mit! Unten drunter stand irgendwas Polnisches; das hatte ich weggeschnitten – und oben drüber in Comiclettern mit Filzstift ergänzt:

„Goddamn, it’s NINA!“

Aber mein Nina Hagen Virus ist eine andere Geschichte. Vorerst hörte ich, wie viele andere Altersgenossen The Nice und The Gun durchsichtig –

„You’d better run! You’d better run! You better run from the devils gun! He’ll seek you here! He’ll seek you there! The devil will seek you everywere!“

– und wusste immer noch nicht, wie sich Genesis und Yes anhören.

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23 Gedanken zu “On the Prog Path (1)

  1. Irgendwie seltsam. Absurd.
    Wenn ich Ihre Geschichte(n) lese, habe ich manchmal das Gefühl, dass meine Jugend vor allem eines war: langweilig. Ich hätte mir im fetten Westen alles kaufen können, wovon Sie glaubten, dass es das Glück sei. Es hat mich überhaupt nicht berührt.
    Ich hatte mit einer meiner Klassenkameradinnen denselben Schulweg zurückzulegen. Wir mochten uns nicht. Ich war ihr zu angepasst, sie mir zu aufmüpfig. Ihr einziges Gesprächsthema: Jimi Hendrix.
    Irgendwann habe ich sie entnervt gebeten, mir mal was von dem aufzunehmen. Zuhause beim Anhören war ich sprachlos, dass das überhaupt noch als Musik durchgeht. Jahre später ist mir erst aufgegangen, wie genial er eigentlich war. (Ebenfalls Jahre später, auf einem Klassentreffen, hat sich dann herausgestellt, dass SIE von uns beiden die bürgerliche und angepasste geworden ist.)
    Etwas später, ich dürfte 15 gewesen sein, habe ich auf dem Flohmarkt die „Pearl“ gekauft.Ich bin irgendwie zu einem Plattenspieler gekommen und fand´s angebracht, ein paar Platten zu haben. Janis Joplin hat mich sofort elektrisiert, Die Pearl habe ich unzählige Male gehört. Für mich heute unbegreiflicherweise bin ich nie auf die Idee gekommen, in einen Laden zu gehen und mir mal eine andere von ihr anzuhören.
    Mein musikalisches Schlüsselerlebnis war dann Nina Hagen. Das war tatsächlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Gefühl hatte, dass das, was ich höre, unmittelbar mit mir persönlich zu tun hat. Im Nachhinein glaube ich, dass ich, ohne es zu ahnen, mehr Punk war, als so mancher mit Kluft und Irokese.
    Auf eine gewisse Art ist das auch wieder so ein Ost-West-Mysterium.

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    • PS. Ich weiß bis heute nicht, wie sich Genesis und Yes anhören. Und selbst in diesem very moment drängt mich nichts, youtube anzuclicken und es herauszufinden. Musik ist einfach nicht mein Ding.

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    • Zu der Jimi Hendrix Freundin fällt mir noch die Erkenntnis ein, dass Leute mit heftiger Pubertät später meist die Angepassteren sind, weil sie ihr Rebellentum „rechtzeitig“ ausgelebt haben, während die früher Braven später dann jahrzehntelang an ihrer nicht gelebten Pubertät zu tragen haben. Hab da reichlich Beobachtungen an Klassentreffen der POS- und der EOS- Klasse machen können…und wenn ich mich da selber einbeziehe…

      Frei nach dem Motto: Wer mit 40 Mumps kriegt ist auch härter dran, als wenn es mit 4 passiert.

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      • Nach meiner Beobachtung kommen die frühen und extremen Rebellen häufig aus schwierigen Kindheiten. Ich hatte Glück, in mir ist, bei allem, was besser hätte laufen können, weder Hass noch Verzweiflung gewachsen. Mir wurde vor allem nicht das Rückgrad gebrochen, was dazu führte, dass ich es mir leisten konnte, mich nicht in eine Peergroup flüchten zu müssen, wo die mehr oder weniger rigiden Machtstrukturen des Elternhauses durch die mehr oder weniger rigide Macht der Gruppe ersetzt wird, wodurch man sich der Freiheit, um die es ja angeblich geht, bloß nicht zu sehr aussetzen muss.
        Ich glaube, mir ging es früh um Inhalte. Und so ist es geblieben.

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      • Jau, seh ich ganz ähnlich. Was jedoch nicht ausschließt, dass man erst durch Reibung an mehr oder weniger Feindbildern zu sich selber findet – und wenn rechtzeitig keine Reibeflächen geboten werden – dann schiebt man die Auseinandersetzung eben auf oder wird wahnsinnig.

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  2. Unglaublich. Schier unglaublich. Ich hielt meinen Geschmack eigentlich für weit breit gefächert. Aber in diesem Beitrag lese ich Namen wie Gun und Nice in der gleichen Zeile. Undenkbar für einen westlich sozialisierten Dorfbuben. Ok, die Gurvitzbrüder im Verbund mit Ginger Baker, das ging dann immerhin ein von drei Alben gut. Aber Gun ohne Race with the Devil? Da wäre nie ein Plattenvertrag dabei rumgekommen.
    Da wird die Hymne zur Verbennung von Zappas Anlage aus dem Jahr 1972 mit dem Urkracher der Stones von 1965 in Beziehung gesetzt. Wie siehst du das heute rückblickend: war diese (scheinbaren) Widersprüche dem Mangel geschuldet?
    Dass Wish you were here auf beiden Seiten der Mauer für Aufregung sorgte, mag sein. Hier wars jedenfalls das blanke Entsetzen über das Popmachwerk nach Alben wie Atom Heart Mother oder Meddle. Von dem 1969er Überalbum Umma Gumma ganz zu schweigen.
    Was mir an deinem Bericht gefällt, ist die Einkaufstour in Leipzig. Klasse.
    Was du (neben Gentle Giant oder King Crimson?) über Genesis, Tull oder Yes zu sagen hast, darauf bin ich gespannt.

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    • Westjugendkontakte hatten wir keine. Im Westradio herrschte über „Wish you were here“ aber dasselbe Lob, jedenfalls im sogenannten „Rotfunk“ NDR, dem Stoltenberg(CDU) damals gerade den Staatsvertrag kündigte und Ostsendern: Weil das Showgeschäft via Konzeptalbum geohrfeigt wird.
      Gun waren ein derartig prägender Dauerbrenner für mehrere Ost-Generationen, dass Piatkowski heutzutage bei RENFT live das Wiedererkennungsriff von „Race with the devil“ in „Nach der Schlacht“ einschmuggelt, was Kenner jedesmal befriedigt schmunzeln lässt.
      „Race with the devil“ war neben „Speedking“ DER Mähnenschleuder-Luftgitarren-Niederknie-Ausflippsong auf allen Discos vor „we will rock you“!
      Die Gun-LP muss allein in der DDR via Poleninformation millionenfach verkauft worden sein, die war um 75 herum nie Mangelware allerdings eben nur in Leipzig und Berlin in der Poleninformation. Die gab es jeden Tag wieder! Ein Wunder POLNISCHER!(sic!) Planwirtschaft! Tantiemen werden vermutlich die armen Musiker nie gesehen haben.
      Die Klassenkameraden beauftragten mich sinnigerweise auch lediglich die Gun mitzubringen, die Nice-Platte interessierte nur Christian und mich.
      Stones und Purple passen auch heute noch gut zusammen: Beide überschätzt. Was nicht bedeuten soll, dass ich ihr Schaffen komplett in die Tonne treten möchte – aber zum Fan-tum hats halt nie gereicht.

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      • Erhebt sich die Frage, welche Grundlagen zur Erlangung des Prädikats Fantums wichtig sind…
        Was Gun betrifft, muss irgend jemand in einem östlichen Land einen Narren an der Band gefressen haben. Erstaunlich allemal.

        Deine pauschale Gleichsetzung und die negative Einschätzung der Stones und Deep Purple ist mir zu pauschal. Das waren sehr unterschiedliche Bands mit noch viel unterschiedlicheren Musikern, bzw. was deren musikalische Ausbildung und Ausrichtung betrifft. Und ich erlaube mir den Gedanken, dass du die durch die Zeit unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Bands nur aus der Rückschau beurteilen kannst. Das ist der Fluch der Jugend.
        Beispiele: 1968 wurde Deep Purple gegründet und da waren die Stones mit Beggars Banquet auf ihrem ersten Höhepunkt. Als Deep Purple ihr breitestes Publikum gerade zu erreichen begannen, mit der MK II Besetzung so um 1972, da waren die Stones nach Exile on Main Street gerade auf dem absteigenden Ast. Insofern folge ich deiner Beurteilung nicht.

        Was Wish you were here betrifft, da waren Pink Floyd endlich beim Massenpublikum angekommen. Wer wusste denn damals schon, wer sich hinter dem Crazy Diamond verbarg? Die Geschichte der Band kannten nur wirklich Interessierte. Have a Cigar hat den westdeutschen Sendern (und nicht nur denen) enorme Einschaltquoten beschert. Damit wurde die Band massentauglich und spielte fortan in Konzerten die wirklich aufregenden alten Nummern, wenn überhaupt, dann allenfalls als Zugaben, so z.B. Nile Song oder See Emily play..

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      • Keinerlei Einspruch in Bezug auf: ja ich bin nun mal später dran als du. Deshalb erhebt sich für die später dran Seienden: Was von dem alten Kram passt jetzt noch zu aktuellerem Rebel-Liedgut (the times are nunmal tschehnsching!) und was is bereits trampled under foot? Die Jungen Wilden beißen eben nach den alten Welpen vom letzten Wurf. Mit den Stones hatte nicht nur ich Schwierigkeiten. Das ging um mich herum einigen Gleichaltrigen auch so. „Verstehst du, warum die aus der A alle Stones-Fans sein woll’n?“ Ganze LPs hatte keiner. Ich wiederhole noch mal: Wir haben sie ja nicht völlig abgelehnt, sondern eine Handvoll Titel ausm Radio durchaus unter „ferner liefen“ aufgenommen. Aber 120 Ostmark wäre mir ne Stonesplatte in den 70ern nicht wert gewesen. Deep Purple dagegen waren seeeehr „in“ – da war ich eher die Ausnahme, die das kühler sah. Aber’n bissl was von denen hatte ich auch auf Band.
        Die „Wish you were here“ Geschichte wurde in allen möglichen Sendungen erzählt, mal mit-mal ohne Syd-Barett-Verweise. Die Platte hing auch bald im Shop und kam um 1980 herum auch noch auf Amiga heraus.
        Einspruch aber in dem Punkt, das Frühwerk von Pink Floyd zu vergöttern und das Spätwerk zu verteufeln.
        Ich finde – die sind gereift. Was an musikalischen Extremen vielleicht zu vermissen ist, wird textlich mehr als wett gemacht, jedenfalls bis einschließlich „final cut“. Danach naja.
        Wer in den 60ern nicht live dabei war, der dürfte es äußerst schwer haben, heute Zugang zu Atomheartmother oder Ummagumma zu finden. Allerdings gilt das heute leider auch für 70er Jahre Yes. Ich kann heute auch Zuspätgeborene nicht überzeugen, warum Geniale Dilletanten aus den frühen 80ern was GUTES sind.

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      • Nö, hunndertzwanzich Taler fürne Stones LP – das verstehe ich. Deep Purple lief unter uns Gymnasiasten eher unter dem, was man heute Prol-Mugge nennen würde. Obwohl in der Band Leute wie Jon Lord mitmischten. Drunter gingen allenfalls nur noch Grand Funk Railroad oder Uriah Heep.

        Was die frühen Floyd betraf, kann das schon zutreffen, was du über die Leute schreibst, die das mehr oder weniger zeitnah miterlebt haben.
        Überzeugen kann man, nach meiner Erfahrung, kaum einen Nachgeborenen. Man muss abwarten können und auf Zufälle vertrauen: mein Sohn kam letzthin begeistert und fragte mich, ob ich dieses Album etwa kennen würde, von dem er offensichtlich ganz begeistert war: Eric Burdon & War – The Black-Man´s Burdon (1971). Ich konnte nur nur grinsen (und mich insgeheim freuen). Das Album steht seit 1971 hier 😉

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      • An EOSsen war das mit der Gymnasiastenüberheblichkeit nicht ganz so krass in Bezug auf „niedere Schulen“ bezogen; eher auf Cliquen; in-und außerhalb der Schule. Es gab Spezialisten, Überschriftenwisser, Dödel und Assis – in allen Klassen, an allen beiden Schulen. (POS und EOS)
        Deep Purple waren auch hier keine Elite-Musik, aber child in time musste man schon haben.
        Uriah Heep, CCR, Udo Lindenberg waren eher „Schlosserjackenmugge“, weil sich vorwiegend Lehrlinge mit Kuli versuchten, deren Namen auf die Jeansjackenschultern zu schreiben.
        Was durchaus dann die Vorlage ergab:
        „C-C-R? Sollndas? Ich moal dornochä C dazu – hoch läbe de DSF!“
        oder
        „C-C-R? Haste Glück jehabbt! E C zuviel und fertich wär dor Russe!“

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      • Interessant – vielen Dank für (auf)klärenden Hinweise.
        Bei den Zuweisungen in Sachen CCR 😉 gehe ich davon aus, dass CCS vielleicht allenfalls bei Engerling bekannt gewesen ist.
        Und „Schlosserjackenmugge“ ist als Etikett ein Knaller…

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      • Ach sooooo! Den Korner meinste? Ja, der war einerseits sehr bekannt, weil er um 75 auch im DDR-TV auftrat (mit Steve Mariott) „hey you get off of my cloud“ (besser als das Original); und ne Amiga Platte hatte er auch – aber unter SEINEM Namen. CCS kennt/kannte keiner. Stimmt.

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  3. Uuuuuuunglaublich, ich schlürfe jedes Wort von Deinem Text, versteh fast nix, kenn mich mit Musik überhaupt nicht aus, gehöre zu diesen hysterischen Exemplaren der Gattung Mädchen, die den Putz von der Wand kratzten vor Liebesschmerz beim Hören der Beatles…hatte in dem Alter, wo man irgendwo rumhängt und Musik hört, einen Vater und einen Haushalt zu versorgen und zu verkraften, daß die Mutter gestorben war…Musiksehnsucht bis zur Raserei zieht sich durch mein Leben bis heute , kapiere nix von Euren faszinierenden Kommentaren aber krieg glänzende Augen und würd sooo gern einfach mal dabei sein, wenn Ihr Jungs auflegt, so die wichtigsten Lieder der Zeiten…hab da anscheinend ein wahnsinniges Nachholbedürfnis…aber es legt ja keiner mehr auf, oder?
    Es ist echt schön, bei Dir zu lesen und vor allem „Race with the Devil“ zu hören…Waaaaaahnsinn!
    Ich dank Dir!

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