Bandsalat 8183

Was ist denn los in Westberlin, viel Aufregung ums Heroin!/ Das sind die Falken der Nacht, die sind jetzt wieder auf Jagd, in Berlin bei Nacht! /Disziplin und Augen rechts! Ordnung, Führer, Volksbeschiss!/Es ist mitten in der Nacht und draußen fliegen Steine. Da draußen gibt es Krach. Wir drinnen sind alleine/ Mutter sitzt am Radio und singt noch leise mit, Vater hängt im Fernsehraum und spricht mit Helmut Schmidt/ irgendwie fängt irgendwann irgendwo die Zukunft an, ich warte nicht mehr lang/Berlin du hinkst, angeschossen an deiner Krücke, Geier zerreißen dich, verwesen dein Gerippe!/Kebabträume in der Mauerstadt!/Berlin ist alt – und voll Gewalt! Wo sind sie hin, ja wo sind sie hin – die schönen Zeiten?/ Träumer haben keine Chance, die Wahrheit ist zu nah!/Komm wir lassen uns erschießen, mit dem Kopf an der Wand/Ich steige aus – und zwar hier!/Hallo Engel, musst du wirklich schon gehen?/Wo ist denn hier der Notausgang?/Ich möchte ein Eisbär sein!/Mach dich lieber anders tot!/Wall City Rock/Ich habe leider dieses vielzitierte Sehnen in meiner flachen Brust nicht mehr verspürt. Ich habe Instant Trockentränen, die man sich mit Wasser aufgießt und verrührt./ …und so sing ich alle Tage meinen Blues in blond – in der großen Stadt Berlin!/ Hör ma Rudi! Hör ma’! Lass das sein mit der Gitarre … lass das sein!

 

Sie gehen durch Wände und lachen dabei noch/Freitagabend schwing ich mich in Papas Benz, wir stinkt nun mal die Dekadenz/kostet Benzin auch 2 Mark 10, scheißegal, es wird schon gehen/dein kleines bisschen Leben wird grade abgepackt/Realität? Was ist denn das? Hast du sie gefunden? Na dann – viel Spass/in der Zauberstadt, in der Zauberstaaaaadt/ mach mir doch kein’Knutschfleck! Alles – nur kein’ Knutschfleck/bitte geh für mich auf’n Strich!/Du mit deinen lila Lippen, du mit deinen Milchkuhtitten! /Mein Hackenschuh war scharf wie du / es wackelt die Kuh, blond und verliebt immerzu ständig durchs Bild!/ Verehrt euern Haarschnitt!/Los Paul! Du musst ihn voll in die Eier haun/Sie haben Paul geschlachtet – in diesem Land!/Paul ist tot, kein Freispiel drin. /Nun ist der Spass zu Ende, keiner robbt mehr durchs Gelände! Ich trag die Haare offen, wie ein Pfau, ahuau!/ Aufrecht gehen! Mit dem Kopf unterm Arm!/Lauf Hase lauf! So nennen sie das Spiel/wenn eine Burschenschaft durch mein Gemüsebeet marschiert/…was bleibt ist die Autobahn…der alte VW…und ich….die Hand an der Knüppelschaltung.

 

Die Sprache ist ein Spiel! Ein Werkzeug in mei–ner Hand!/Wir stehen hier, dort drüben steht die Macht! Die Morgenluft richt noch nach Wald!/Gib mir dein Geld, ich zeig dir die Welt, von Moskau bis Sansibar! / Furchtlos im Morgengraun sah ich sie Schiffe baun – für den Weg zurück – Flucht ins südliche Glück/ die Welt ist ein Kai auf dem Mädchen stehn und den Matrosen den Kopf verdrehn /Flieger! Grüß mir die Sonne!/ weil: dann bleibst – für immer jung!/Der rote Hugo hängt tot im Seil…/ sie sah’n ihn auf der Gegenbahn, sie sah’n, dass er entgegen kam!/ich hab gemeint, da draußen – ein ganz großes Licht…./Marie! Die Welt reißt von der Leine!/Wenn ein Gen mutiert und die Ratte wächst – sie bleibt nicht länger klein!/ Ich will nur weg, ganz weit weg ….Ich will RAUUUUS!/Du hast geschrien im Schlaf! In der Nacht bin ich aufgewacht, warum hast du geschrien?/ Mickey Mouse und Marilyn, Ronald Reagan und James Dean, Nixon und das FBI, Elvis Presley auch dabei!/ Keine Heimat! Wer schützt mich vor Amerika?!/ Alle meine Freunde sind tot — oder gebastelt./ Soll ich vielleicht sagen: schlafen sie gut?/ Ich war so hoch auf der Leiter – doch dann fiel ich ab. Ja, dann fiel ich ab./ Ich wusste nichts von deinen Uferrrrn!

 

Verdamp lang her, verdamp lang – verdamp lang her….

 

inspired by               Bear Family Records „Aus grauer Städte Mauern“ (1-4)

21 Gedanken zu “Bandsalat 8183

  1. Ja, wahrhaftig, Sie können es!
    Es ergibt keinen Sinn, aber es entsteht eine Stimmung.
    Und wem, in aller Welt, ist denn “ Ich habe Instant Trockentränen, die man mit Wasser aufgießt und verrührt“ eingefallen?
    (Wohl überflüssig zu erwähnen, dass es bei mir nur bei Nina klingelt.)

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    • Die Trockentränen stammen von Thommie Bayer; schreibt seit den 90ern nur noch Bücher; hat in der NDW Zeit aber einige sehr gute Verse geschmiedet – die es bösartigerweise nie auf CD geschafft haben. Total verschollen sein musikalisches Schaffen. Seufz.

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      • Fliegender Teppich von Gleis 8, 1988 (CD)
        Das blaue Wunder, 1996 (CD)
        Cowboys und Indianer, 1998 (CD)
        Sagt zumindest Wikipedia!?

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      • Wenn du Titel von Thommie Bayer suchen solltest – bis auf die allererste LP noch alles erhalten im Ärmelarchiv.
        Hörbar zu den gewohnten Öffnungszeiten 😉

        Unheimlich feiner Bandsalat. Kann ich noch ein wenig Nachschlag haben?

        Gefällt 2 Personen

      • Das sind die späten Sachen, die ich nie gehört hab. Ich wäre eher scharf auf „Kamikaze Bodenpersonal“(81) „Paradies“(82) und „Was ist los“(83) – tja, Raritäten inzwischen.

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      • Einerseits: …ne Anfrage, ob er nicht mal darüber nachdenken könnte, die Vinyls endlich auf CD zu retten, bevor auch dieses Medium ausstirbt, wäre noch besser – aber nee; das will sich mir nich‘, denn andererseits: Ossis wie ich haben so ein Bettelbrief-Trauma.
        Ich überlasse die Entscheidung Ihnen.

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      • Sehr geehrter(!) Herr Bludgeon,
        möglicherweise läuft hier gerade etwas schief und ich habe es in meiner Unsensibilität nicht richtig wahrgenommen. Da mir dieser Blog, und damit natürlich auch Sie, wertvoll und wichtig sind, möchte ich nicht das Risiko einer ernsthaften Verstimmung eingehen.
        Ich verdanke diesem Blog einen Blick in das Innenleben eines gebildeten und feinsinnigen Menschen, der neben männlich, musikerfüllt, geschichtsbewusst, belesen, sprachbegabt u.v.a. eben auch DDR-sozialisiert und ostdeutsch ist. Letztere beiden Attribute sind für mich bedeutend, da Sie diesbezüglich der erste Mensch in meinen Leben sind, mit dem ich mich näher beschäftige; es hatte sich bisher einfach nicht ergeben. Und tatsächlich stelle ich spezifische Verschiedenheiten fest. Verschiedenheiten, die ich aber auch feststelle zum Beispiel zu Menschen aus Norddeutschland oder zu Rheinländern.
        Verschiedenheiten, die sich natürlich auch aus der Sozialisation in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen und vor allem aus der Diskrepanz zwischen Diktatur und freiheitlich-demokratisch ergeben. Wobei ich hierbei freiheitlich-demokratisch als „real existierend“, Diktatur aber als absolut betrachte.
        Für mich persönlich traue ich mich zu behaupten, dass DIESE Verschiedenheiten nicht mit Wertung einhergehen. Durchaus mit Wertung der Systeme, und da ziehe ich das mit mehr Freiheit dem diktatorischen allemal vor, jedoch nicht mit Wertung der Menschen. Ob mich etwas interessiert, ob ich mich zu etwas hingezogen fühle, hängt von ganz anderen Faktoren ab. Nicht zuletzt, dass ich diesen, Ihren Blog seit einem Jahr geradezu suchtartig lese und betexte, ist ein beredter Beweis hierfür.

        Dass es so eine Ostsensibilität gegenüber der Westarroganz gibt, kann ich gut verstehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich ein bisschen für die Vorstellung öffnen könnten, dass es inzwischen auch so etwas wie eine Westgenervtheit gegenüber der Ostsensibilität gibt, speziell bei den Menschen im Westen, für die Ost/West gar keine Rolle spielt.

        Und hier noch etwas Persönliches: Wenn Sie darunter jetzt nicht wenigstens ein „gefällt mir“ platzieren, kann ich nicht schlafen. Nach stundenlangem Hin- und Herwälzen könnte es passieren, dass mir erstmalig ein „blöder Ossi“ entfährt. Eine derartige Erweiterung meines aktiven Wortschatzes kann nicht in Ihrem Sinn sein.

        In der Hoffnung auf Umschiffung auch dieser Klippe,
        herzlich, Ihre Leserin

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      • Ich hatte heute Nacht Zeit zum Nachdenken.
        Ich denke, wenn wir, statt zu sagen: „Die sind schlecht!“, sagen würden: „Ich habe Angst“ und „Ich halte das, womit mich diese Angst konfrontiert, kaum aus“, dann wäre diese Ehrlichkeit über den Weg zu uns selbst ein erster Schritt zum Anderen und zum Frieden.
        Ich habe Angst und ich wünsche mir und allen, die hier lesen und schreiben, heute, an einem Tag, dessen Ende vielen Angst machen dürfte, den Mut, unseren Ängsten ins Auge zu sehen. Und den Mut, über sie hinauszuwachsen.

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      • Ach, vielleicht gibt´s dafür gar keine Kategorie. Aus dem Herzen direkt in die Tastatur, ohne Umweg übers Gehirn. Vielleicht wollte ich es einfach schon lange mal schreiben. Und ziemlich sicher sollte ich aufhören mit dem Kommentieren. Oder es grundsätzlich anders angehen. Aber ich bin nicht gut in guten Vorsätzen. Ich glaube, mich verführt der Bildschirm „laut“ zu denken. Was man in der Tat höchstens vor Freunden sollte und nicht vor der ganzen virtuellen Welt. Ich weiß nicht, wie viel und was von dem, das ich hier ins weiße Feld schreibe, ich tatsächlich in der Gegenwart derjenigen äußern würde, die es lesen. Das liegt natürlich im Wesen der Bloggerei. Aber ich merke mehr und mehr, dass es mit meinem Wesen kollidiert. Andererseits macht mir gerade Ihr Blog auch Freude. Mal sehen.

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  2. Das waren Zeiten als wir trampten
    von Rottweil nach Southhampton
    und von Paderborn zum Madderhorn…

    Den Bayer hab ich mal live gesehen im Logo, eines der unterhaltsamsten und lustigsten Konzerte ever. Der letzte Cowboy war ja sogar so etwas wie ein Hit damals und so hat die Abenteuer von 1979 den Weg in viele Plattenregale gefunden, danach waren dann andere Scheiben wieder wichtiger. Die Abenteuer könnte ich Dir bei Interesse aber zukommen lassen, das Vinyl hab ich vor Jahren mal einem Kollegen mit CD Rekorder zum digitalisieren gegeben.

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    • Ich hatte anno 83 oder 84 ein vom NDR gesendetes Radiokonzert aufgenommen. Aus’m Logo oder der Fabrik? Es war das Konzert wo er „Die Spitzenklöpplerin“ zu seinem absoluten Lieblingsfilm erklärte. Und darauf verwies, dass der folgende Song davon inspiriert sei…. 14 Tage vorher hatte ich den mit meiner Freundin im Leipziger Filmclub Casino gesehen. Da war der Bayer spontan sowas von KULT!
      (Ich glaub, ich sollte dir mal mailen.)

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  3. Lieber Bludgeon,
    hinter mir liegt ein besonders schöner Abend. Ich war zu einem Wohnzimmerkonzert geladen, die Band hieß Dillberg. Die sind aus zwei Gründen erwähnenswert: erstens, weil sie für meinen Geschmack sehr gute Musik machen und zweitens, weil sie vor nicht allzu langer Zeit mit Th. Bayer auf Tournee waren.
    Natürlich habe ich mein Ansinnen vorgetragen. Große Hoffnungen wurden mir nicht gemacht, aber man versprach, mal für mich nachzufragen…

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