Bilanz 2015

Prost Jemeinde. Et weihnachtet. 2015 liecht inne letzten Zü’je. Da wird et Zeit zurückzuschauen.

Auf die Anfänge mit Pegida z.B.; und einem Organisator, der zuvor jahrnüscht orjanisieren konnte; der Lebensplanungsmäßig ungefähr so ofjeschmissen jewesen wäre, wie der Braunauer damals ohne Jeneralstab. Und eben dieset Unikum startete nu ein Janzjahr-Phänomen mit Ablegern in vielen Großstädten und mit professionell übereinstimmenden Bannern und eim juristisch sattelfestet Grundsatzpapier. Da staunt da Laie und dar Fachmann tut si’wundann! Wie looft det?
Ein Orga-Team stand ihm zur Seite, aus lauta Dresdnern, das mir nichts, dir nichts Promis vom neuen rechtspopulistischen Rand heranbeamt. Und die damit erfolgreicher waren als die thüringa AfD.
Wie kommt det allet so von janz alleene?

Brechts Gedicht von die „Fragen eines lesenden Arbeiters“ kam mir dies Jahr mehrfach in den Sinn. Könntick galtt’n zweetn Teil von schreim.

Wer steht dahinta? Wennet so jeschmiert looft? Wem nutzt det?

Wer läuft da mit? Allet Nazis?

„Lügenpresse!“ riefen se in Dresden – nicht „Ausländer raus“! Komisch örjendswie.

Lügenpresse. Det Unwort. Dabei haben unsere selbstlos recherchierenden, vollkommen eigenverantwortlich arbeitenden Medien doch Volksaufklärung auf Hochtouren betrieben. Im Frühling hattick erfahrn, das Silikon Valley läje ürjendswo inne Wüste bei Aleppo, glei nebm de in Fachkreisen berühmt-jeachteten Zentren der Transplantationsforschung und der Herzchirurgie von Homs. Da komm’ nu all die Fachkräfte her, die uns vorm Zusammenbruch bewahren. Und Sparsamerweise kommen all die zu Fuss! Geradezu vorbildlich Kerosinsparend!

Aber was wird nu aus all den Jejenden, aus die wir die Fachkräfte abziehen?
Brauchen die die nicht selba?
Ach, die haben ja Krieg! Klar.

Die Ursachen des Syrienkrieges sollen bekämpft werden.

Det hörte man gar häufisch als Sprechblase durch die Leitartikel geistern. Aber welche Ursachen eigentlich?

Assad soll eine janz wichti’e Ursache sein, las ick jüngst. Der foltert und bombt. Böse. Würklisch. Sollte sich ein Beispiel an Saudi-Arabien nehm. Die steinigen viel humaner. Und die bomben auch nicht det eijene Volk, sondern die Nachbarn.
Und die treiben prosperierenden Handel, do! Bekommen Mengenrabatt in jeder westeuropäischen Firma, in der sie noch nicht Anteilseigner sind. Und da wo sie’s sind, da bestimmen sie eh die Lieferquote.

Keene Bange. Die deutschen Waffenschmieden sind noch nüsch in saudischer Hand. Die sind sauba. Verkaufen auch die Mehrzahl ihrer Produkte statistisch betrachtet an die USA. Der zweete Großkunde ist übrigens Griechenland. Na also. Die ham’s ja. Solide Buchführung. Ständja Übablick. Allet sauba soweit.
Wo die Produkte dann letztendlich landen?

„Da stelle mer uns emal janz dumm und saa’chen“ in bestem Feuerzangenbowlen-Slang: „dat wollemer jar nich wissen.“

Feuerzangenbowle. Sie a’innan sich? Da hat der Rühmann 44 ooch off de Umstände jeschissen: Dat jeht hier allet krachen, da sehmer mal zu, dass de Leute noch wenigstens n bisken zu lachen hamm und ick jut vadiene. So unnefähr.

Ja, zu lachen jabs auch 2015… Der Blatter soll korrupt sein, Sie! Det wa’ja nu det alla Neuste! Und offjedeckt hattet Amerika! Echt! Der Joke beneath the Joke! Soccer rules, wemmas braucht! Und olle Beckenbauer erschte! Machts Maul off und bestätigt mittn erschten Satz scho sämtlüsche Fussballa-Klischees! Der Brülla! Oda olle Putin, wia die Journalisten diktiert, det die Türken den Amis inne bestimmte Stelle krichn würdn!
Wart ma, ich muss mia schnaubm.
Nach die beeden großen Anti-TTIP-Demos konnste ooch lachen. Wie wirkungslos bürjalichet Engagement plötzlich sein kann, wenn et die Medien nisch ünntresiern tut. Die hatten ja nu auch wirklich keene Szeit. Die hatten ja alle Hände voll su tun, dass se in de Flüchtlingsmassen pro Tag immer die 3 oder 4 kleenen Mädchens für die Fotos finden. War aber och schwer. Stressiger Job eben.
Sacht der Chefredakteur: Bring mir’n Herzchirurg oder weinende kleene Mä’chen! Und dann stehste da im Nieselrejen in Passau mit die teure Fotomaschine mang de bulgarischen Roma-Luden und unbegleitete männliche Afghanen. Da siehste die Karriere schwinden, do!

Apropos Karriere schwindn! Det Ding mit olle Xavier war ja och tragüsch, örjendswie.
Erscht macht der Mann trotz seim offenkundlüschet Reimdefizit Karriere und denne jeht der ehnma’ zu die falsche Vaanstaltung und ruff mitte Keule off det Erlösalein! Als wära der Oba-Nazi schlechthinne! Braun is det Kerlchen ja nu von Natur aus, aba det is nüsch polütisch jemehnt, do!
N Steher issa aba och. Kaum wara aus die ehne Scheiße raus, springta wieda mittnmang mittn Friedenslied. Mies jereimt wie ümma, aba als einzija von die janze Wimmerfraktion, die so inne Hitparade rumturnt. Det musste dia ma jehm! In Arabien is dritta Weltkriech un watt looft in Sachen Friednsbewejung? Nüschte. Bloß olle Xavier als Rufa inne Wüste.
Wat wa det ma annas, do! Szu NDW Szeiten! NATO-Doppelbeschluss! Da entstandn Hymnen! Aba jetze? Konsoln-Koma allenthalbm.

Aba watt looft, det looft. Und die Angy war ja nu Hamma diesjahr! Zitiert se Bob den Baumeista und det Volk denkt: Det is Politik! Det wa’son rüchtijet Kaisawort! Wie olle Willem früja vom Balkon von die Bude, die se in Mitte jrade wieda hinfälschn.
Denkta sisch damals 1914: Ick hab keen Plan, aba och keene Angst, denn selba muss ick ja nich raus mit mein schlümm’m Arm:

„Ick kenn keene Pateien mehr!“

Da aszählta seim Volk ja nüscht Neuet. Die jeht dat alle übawiejend janz jenauso. Aba Schlamassel was waiting for them, you know? Und of uns heute och. Aba bloß Turnhallnschlamassel.

Is ja heute nich mehr so. Mittn Kriesch hattet sisch. Der is weit weg. Und nua ausse Luft! Wia schicken ja man nua die Fotofritzen in de Fluchzeuche. Bomben tun die annan. Det lohnt sisch fua die Herstella! Det kannste wissen! Der industriell militärische Komplex, do – der reibt sich die Hände. Abeitsplätze sischa. Krankenkassenbeiträje wollnse trotzdem nich zahln. Die Börse nimmtet übel. Und mein Stabü-Lehra von Ostzeiten – der routiert im Jrab:

„Sehtas nu! Det wolltick eusch ümma vaklickan! Aba iha hattet ja nua Punk undie Weiba im Schädel!“

Ja, so wa’ det. Rescht hatta jehabt, stellt süsch nu raus. Aba hatts wat jebracht?

Haaick dia jetze die Stümmung vasaut? Et is ja det Fest der Liebe! Heiland und so. Peace in the Valley! Frohet Fest, Jemeinde! Prost! Of 2016 und all den Wahnsinn, der da weitajeht! Kannste ehn droff lassn. Leida.

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13 Gedanken zu “Bilanz 2015

  1. Hm. Bei den Massen die hier am Hauptbahnhof ankamen hätte ich keine Schwierigkeiten gehabt die 3 bis 4 kleinen Mädchen (oder Jungs) zu finden, meist auf Papis Arm, völlig erschöpft und erkennbar verängstigt, weshalb ich bei diesen Gelegenheiten davon abgesehen habe Klischeefotos zu machen, die waren schon gestresst genug. Ein Problem wäre das hier aber nicht.

    Ansonsten sach ich ma Prost. Was war’n drin im Glas? *fg*

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  2. Lieber Bludgeon,
    inhaltlich kann ich nicht widersprechen. Leider.
    Mundart ist mir schon seit meiner Kindheit zuwider; mir ist unbegreiflich, wie sich ein intelligenter Mensch mit Sprachgefühl das antun kann. Aber gut, da sind die Menschen offensichtlich verschieden.
    Jedenfalls habe ich mich durchgemüht. Und wurde immerhin mit einer Feiertagsansprache ohne das übliche Weihnachtsfloskabular belohnt. Und mit „Konsolen-Koma“! (Hochdeutsch natürlich – merken Sie was?)
    Freundliche Grüße von Ihrer Leserin,
    die mit der Freiheit eines Christenmenschen Weihnachten ganz einfach bleiben lässt.

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      • Gab es denn jemals eine weihnachtsfreundlichere politische Weltlage?
        Musste man nicht nur mit dem Ignorieren und Verdrängen immer nur ein paar Meter mehr oder weniger vor der Tür des trauten Heimes (und nicht selten hinter ihr) beginnen?

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      • Zweite Hälfte 70er, nachm Vietnamkrieg und um1990 herum war vergleichsweise heile Welt. Die Amis hatten richtig Panik, dass ihnen die Feinde ausgehen. Wohin mit all den zu entlassenden Rüstungsfachkräften?!
        Michael Douglas in seiner Paraderolle „Falling down“!

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  3. Herr Bludgeon!!! Ich mag keine Jahresrückblicke, aber dieser hier ist fantastös! Nee, eigentlich leider nicht, fantastös wäre es, wenn er anders ausfiele. So schwanke ich zwischen Heulen und Lachen beim Lesen und wünsche mir diesen Text auf allen Kabarettbühnen dieses Landes vorgetragen. Trefflicher kann man mit Volkes Gusche nicht die Lage aufarbeiten. Danke für diesen Lesegenuß, der nächste Kinotext muß jetzt noch warten, sonst kriege ich ’ne Überdosis bludgeonischen Spezialhumors zuviel in die Pupillen, nicht daß die noch scheißherzchenförmig werden…
    Begeisterte Grüße, die Ihre.

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