Querdenker IV

Nachlese vom 10. Oktober 2015

200 000!
Vielleicht sogar eine Viertelmillion!

Gestern in Berlin! Die bisher größte Anti-TTIP-Demo Europas! Mehr Leute als beim Krefelder Appell.
Und dann der SPIEGEL mit einem ersten Statement:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ttip-bei-der-demo-marschieren-rechte-mit-kommentar-a-1057131.html

Tja. Da wird die Presse-Krise offensichtlich. Das Reservoir der Gegenargumente gegen legalen Volkszorn ist ausgeschöpft. Armselige Hetze bleibt. Immerhin hat man es als „Polemik“ noch einigermaßen kaschiert.

Nööööö, ach wo, Lügenpresse seid ihr nich’! Auf gar keinen Fall!
Der bittere Spott der Kommentarspalten zwang zum Einlenken. Am Nachmittag dann zwei versachlichende Verlautbarungen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ttip-kommentar-ich-bin-nicht-rechts-aber-gegen-ttip-a-1057182.html

immerhin mit der Richtigstellung:

TTIP-Proteste sind nicht „rechts“ – sondern ein Recht!

Und ein „Erklärvideo“ im Stile Karl-Eduard v. Schnitzlers „auf westdeutsch“.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/
dann in die Suchfunktion eingeben:
Erklärvideo zu TTIP: „Nicht jeder Bürger muss am Prozess beteiligt sein!“

Heute, am Tag danach, gibt es gottlob keine Zeitungen und Montag wird der Samstag bereits wieder vergessen sein, wenn man die Schlagzeilen des Wochenendes geschickt listet.

Bei der Schlagzeile „Anschlag des Staates auf das Volk“ wollte ich mich schon freuen: Hatte da mal ein wirklich unabhängiger Journalist etwas in einem Mainstream Medium platzieren können? Aber ach: Es ging gar nicht um TTIP und Berlin. Es ging um Ankara.

http://web.de/magazine/politik/bomben-friedensdemonstration-ankara-angriff-staates-volk-30987252

Schau auf die Startseiten der Leitmedien. Scroll dich durch ihr Angebot:
Berlin 10. Oktober ist nirgends Platz 1.

Das größte Ereignis in Deutschland am Wochenende ist deutschen Medien keine Prime-Schlagzeile wert!

Was wird folgen?

Staatsbürgerkunde-Nachhilfe für Idioten:

Mit TTIP wird’s uns besser gehen!
TTIP nützt dem Mittelstand!
Der Aufschwung braucht TTIP!
Nachhaltiger wirtschaften mit TTIP!
TTIP! Nicht verweigern – sondern gestalten!
Keine Bange vor dem Chlorhühnchen!
usw.

Die Märchenstunden haben gerade erst begonnen!

Deshalb gilt weiterhin:

TTIP stoppen!

002

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12 Gedanken zu “Querdenker IV

  1. Müdmorgengrüße, Wertester. Der Spon-Artikel war auch Disskusionsstoff in unserem Zug. Wir sahen eine Handvoll AfD-ler während der Demo, die wurden einfach daran gehindert, sich einzureihen, indem der bunte Haufen dicht machte… Fetzt!
    Die Presseberichte sind wahrlich armselig, ich werde auch noch einen eigenen Eintrag unserer Eindrücke schreiben, wenn ich Zeit und Stimme wiederfinde.
    Es war großartig laut, bunt und voller Hilfsbereitschaft. Ich bin tief beeindruckt. Spätestens in einem halben Jahr sehen wir uns wieder, weil es immer noch wichtig ist, trotz und wegen der medialen Informationen und der Einlullung der Massen. „Frackt euch selbst!“ las ich auf einem Plakat, da mußte ich herzlich lachend an Sie denken.
    Auf bald, Ihre Frau Knobloch, wadenzwickend.

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  2. Pingback: Frackt euch doch selber! | bittemito

  3. Erstmal vielen Dank für diesen Bericht und ja, auch vielen Dank für die Teilnahme. Esbleit einfach ganz wichtig, dass wir unser Unbehagen gegenüber dieser komischen TTIP Verhandlungen (die ja grundsätzlich hinter verschlossenen Türen stattfinden) ausdrücken und was da in Berlin am Wochenende los war … war mehr als beeindruckend und macht schon ein wenig Hoffnung.
    Und über die z.T. skurille Berichterstattung des Spiegels kann man nur staunen …

    Ich bin immer noch auf der Suche nach einer seriösen Internetquelle, bei der man sich umfassend über dieser unendlichen komplexen Themenbereich informieren kann … haste da ein Tipp ?

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  4. Das ist wieder so ein Text, auf den ich gerne antworten möchte, aber die Wörter verweigern sich.
    Mein Weltverständnis sagt mir, dass es bereits zehn nach zwölf ist. (Klima, Massenverblödung und -verrohung, verzweifelte Menschen, die fliehen müssen und in ihrer Masse zum Angriff auf die Stabilität einer der letzten noch halbwegs kritischen Gesellschaften dienen…) Mit anderen Worten, ob die Fische im Netz noch ein bisschen zappeln oder nicht, ist scheißegal.
    Trotzdem gilt mein Respekt den Zapplern.
    Mir ist natürlich klar, dass Sie auf so eine Antwort auch verzichten können. Nur würde mich persönlich KEINE Antwort vermutlich noch mehr frustrieren.

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    • Genau so is es.
      „Wann? Wenn nicht jetzt! Wo? Wenn nicht hier? (…) Wer? Wenn nicht wir!“
      (Rio Reiser)
      Dass da noch was gehen könnte … glaub ich selber auch nicht mehr … aber so ganz kampflos abducken in weilandlicher DDR-Mauligkeit is eben auch zuuuuu wenig.

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