Fritz Egners Buch

Rock & Roll I gave you all the best years of my life…. (Kevin Johnson)

Dieser Tage las ich die Lebenserinnerungen des Fritz Egner. Lange Jahre die Nr.2 nach Thomas Gottschalk, wenn es um Bayern3 und Rockmusik ging.

Den dicken Prachtband hat mir mein diesjähriger Prora-Besuch eingebracht, denn außer den alten Trauma-Resten gab es dort ein großes weißes Zelt und davor ein Hinweisschild:

Bücher-Outlet.

Ein überdachter Hektar Land breitete dort die Ladenhüterauflagen diverser Buchverlage aus.
Zu Pyramiden aufgestapelte Fantasy-Romanreihen, gebundene Doktorarbeiten irgendwelcher Soziologen, „das gute Buch fürs Kind“ voller abschreckend hässlicher Illustrationen, KrimisKrimisKrimis und auf mindesten 5 laufenden Tischmetern wurde der Krebs von den unterschiedlichsten Autorinnen besiegt.

Dann der Egner-Berg. „Mein Leben zwischen Rhythm & Blues“. Fast 40 Euro hätte das Werk einst kosten sollen. Hier nun keine Fünfe mehr. Kunstledereinband unterm Schutzumschlag. Viele Fotos: Ich mit Stevie Wonder, Ich mit Giorgio Moroder, Ich mit Thomas G. … Aber auch ein langes Kapitel über CCR, eins über Prince, und ganz vorn begann er mit seinem Rock&Roll-Schlüsselerlebnis in gaaanz früher Kindheit. Fast so, als wäre ein gewisser Bludgeon sein Ghostwriter gewesen. Das zog mich rein…

Ich hab’s gekauft und nun gelesen, aber ach – der Eindruck ist ein zwiespältiger.

Ja, man erfährt so dies und das über eine Handvoll Stars, z.B. das Stephen Stills auf der BeeGees LP „Children of the world“ ausgeholfen hat, ohne im Booklet Erwähnung zu finden. Aber nirgendwo will sich Tiefgang einstellen. Die großen Krisen bleiben unerwähnt, werden allenfalls angedeutet. Zumutungen von Seiten der Stars oder der Redaktionen bleiben tabu.

Einleitung und Schluss (bereits im Outlet-Zelt gelesen) machten neugierig auf den Hauptteil und halten das Versprechen nicht.

James Brown ist ein ganz Wichtiger; Bob Marley kifft, auch im Interview; Lionel Richie ist ein ganz Netter; mit Lou Rawls hat er mal ein Weihnachtsfest in Amerika verbracht, Frank Farian ist reich und Milli Vanilli waren eine Pleite, brachten aber immerhin einen Grammy ein…

Loyalität den Stars gegenüber nennt er das irgendwo auf den ersten Seiten. Kann man so sehen. Kann man aber auch für Anbiedern halten. Selbstverständlich möchte man nicht nach einer Veröffentlichung verklagt werden, weil man es dem einen oder anderen Künstler-Ego nicht recht gemacht hat. Das ist verständlich. Andererseits nimmt ihm niemand ab, dass er quasi 30 Jahre lang nur lauter nette Leute getroffen hat, deren künstlerisches Output er durchweg schätzt.
Auf den letzten Seiten gibt er zu, dass in letzter Zeit seine Vorlieben vom Radio seltener befriedigt werden, dass es für ihn nichts Neues mehr zu entdecken gibt, was man unbedingt haben muss.

Aber das ist lediglich der Endpunkt eines Prozesses, dessen Darstellung nun gerade von Interesse gewesen wäre.

Bis zu welchem Jahr hat er in den Sendungen wirklich SEINE Musikauswahl gespielt und ab wann war es nur noch Quotenkalkül? Gefällt ihm wirklich ALLES von Prince – oder was zum Beispiel nicht? Wie hat er den Falco-Jeanie-Airplaystreit erlebt? Und wie die 1984er Bohlen-Invasion? Was wären seine Geheimtipps, denen er den großen Durchbruch gewünscht hätte?

Er behauptet im Schlusskapitel auch, nie den Umsatzzahlen gefolgt zu sein, selten oder nie Chart-Hits gespielt-, sondern eigenständig bestimmt zu haben, was in seinen Sendungen Hit ist und was nicht. Der Hauptteil seines Buches widerspricht dem vehement.

Andererseits findet sich hier auch das Eingeständnis:

Und doch wollte ich nie Musiker werden. … Das stundenlange Üben hätte mir die Liebe zur Musik ausgetrieben.

Und da wiederum bin ich mit ihm einig.

…and I never gonna be a star. (Kevin Johnson)

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5 Gedanken zu “Fritz Egners Buch

  1. Also, ich mochte den Fritz Egner immer, fand ihn im Radio angenehmer als gottschalk und dachte, hoffte, sein Buch, das er ja äußerst charmant angekündigt hat, wäre so gut wie seine Musikauswahl…hört sich aber ziemlich flach an, wie solche Bücher oft…vielleicht sollt er weiterhin lieber Musik auflegen!

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  2. Aufgrund meiner bajuwarischen Herkunft, hatte ich früher ja öfters den Fritz Egner im Ohr. Und schon damals empfand ich ihn als so ne Art Dampfplauderer, mir war der damals noch „freche“ Thomas Gottschalk weitaus lieber …. Und deshalb überrascht es mich nicht, dass sein Buch eher flach ist … dennoch hättte ich es mir natürlich aufm Flohmarkt oder so gekauft *ggg+

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