Querdenker II

Ach du liebe ZEIT!

SPIEGLEIN SPIEGLEIN an der Wand, hab ich da grad DDR erkannt?

Beim ZEIT und SPIEGEL lesen fällt dieser Tage auf:

Interessant ist nicht mehr, was in der Zeitung steht, sondern, was verschwiegen wird.
Das gabs schon mal. Erinnert sich noch jemand?

Hatte der DDR-Staat ein Problem, konnten nur Neofaschisten dahinterstecken oder etwas allgemeiner formuliert der „Klassenfeind“. (Synonyme heute: Verschwörungstheoretiker und Putin-Versteher.)

War das Problem zu offensichtlich selbstverschuldet, weil man die Volksmeinung zu lange links oder rechts liegen ließ und formierten sich erste Volksansammlungen, dann waren darunter auch dankenswerterweise immer ein paar Dummschwätzer oder Randale-Brüder, die man vorführen konnte, um dann zu triumphieren: Seht her! Das sind die Macher solcher Aktionen! Mit so was macht ihr euch gemein! Das sind Rowdys! Das ist nicht das Volk! Das sind durch und durch verkommene Subjekte … Genau daraus entstand 1989 der Ruf „Wir sind das Volk! (sollte heißen: ADN schreib bloß nicht wieder: Das sind alles Rowdys!)

Zwei ältere Beispiele:

– DDR Wochenschau „Der Augenzeuge“ zum Thema 17. Juni 1953 kurze Zeit später: Diese halbstarken Täter haben einen Volkspolizisten getötet, der die Zerstörung eines Zeitungskioskes verhindern wollte! Diese ehemalige KZ-Aufseherin befreite der Mob von Halle am 17.Juni aus dem Gefängnis in Halle….

und schon musste man sich nicht mehr mit heiklen Fragen auseinandersetzen wie:

– war da nicht was mit Normerhöhungen und Rücktrittsforderungen? Warum bloß?

Und das hier:

Nach dem ersten Punkgewitter 1977 reichten ein Sid Vicious Bild mit Nazi-Orden am Knie und der Ramones-Song „Blitzkrieg-Bop“ um die gesamte Welle in die rechte Ecke zu stellen.

– da muss man automatisch nicht mehr untersuchen, warum das so viele heranwachsende sozialistische Persönlichkeiten toll finden, und wieso die sozialistische Jugendförderung nicht einen einzigen eigenen Trend setzen konnte.

Und heute?

Die ZEIT unternimmt in diesen Tagen den Großangriff auf ihre massenhaften Kritiker.
Sie möchte das Lügenpresse-Image loswerden, das sie sich in den letzen Jahren erarbeitet hat und sie greift dabei in einen alt bekannten Topf der ausrangierten Hilfsmittel:

– scheinbar offensives „Ich stelle mich!“ Gebaren,
– extreme Randbereich-Zitate im Stammtischdeutsch des Prekariats, in der Hoffnung auf allgemein bildungsbürgerlichen Ablehnungskonsens gegenüber Inhalten a la „Euch sollte man alle erschießen/vergasen/ …“
– anschließend tapfere Durchhaltebekenntnisse, da man sich nicht beirren lassen möchte „weiterhin gute Arbeit“ zu leisten und somit:
IST DOCH ALLES IN ORDNUNG!

(Denn, wer das nicht so sieht, ist automatisch im Lager jener amokschreibenden Hauptschüler siehe oben, die sicher alle Kevin heißen, aus dem Osten kommen und wenn sie nicht gerade „massenhaft“ Ausländer jagen, die Kommentarspalten der Leitmedien in zweifelhafter Orthografie zuspammen.)

Die Primitivlinge des „erschießen und vergasen wollens“ leisten der Mediendiskussion einen Bärendienst. Denn solange solche „Skinheadmails“ eingehen, müssen sich die angefeindeten Journalisten nicht den eigentlichen Vorwürfen stellen:

– Ukraineberichterstattung
– Beschweigen der Friedman-Stratfor-Rede
– Beschweigen der tatsächlich erwartbaren TTIP-Auswirkungen
– oder gar der völlig verschwiegene weltweite Anti-Monsanto-Tag (und die gleichzeitig ebenfalls vermisste Recherche zur Gentechnik aus dem Hause BASF)

(Was geschähe eigentlich im Falle eines neuen Kontergan-Skandals? Würde so was heutzutage noch auffliegen können?)

Die Herren und Damen von der schreibenden Zunft schreiben lieber weiter „aufrichtig und unverbogen“, nach „guter und allseitiger Recherche“, z.B. den Freital-Tumult hoch, weil das erstens im Osten liegt, man zweitens wachsam sein muss „gegen rechts“, da man drittens deren Hass-Mails braucht.

Faschismus kann man nicht weglabern. Auch das lehrt die DDR! Die Ursachen gehören beseitigt: Die Chancenlosigkeit großer Teile der Bevölkerung!
Der Niedriglohnsektor boomt weiter. Die Post will Personalkosten senken, in Bereichen, wo du eh schon nichts verdienst….geh doch zur DHL…Wenn diese demnächst Outgesourcten sich dann Luft machen – sind es die nächsten Nazis!

„Sind wir verrückt oder ist die Zeit verrückt geworden?“ fragt der sterbende Diener den Baron von Münchhausen auf dem Mond, als die Uhr zu rasen beginnt und er schneller altert. Er liegt bereits sterbend in den Armen seines Herrn, der das ewige Leben hat, als dieser antwortet: „Nicht wir! Die Zeit ist aus den Fugen.“

Aus dem Hans Albers Film „Münchhausen“(1943)

In den 70ern wurde Enthüllt und die Enthüller wurden gefeiert. Heute sind sie „Whistleblower“.
Dustin Hoffman und Robert Redford spielten die Journalisten der Watergate-Affäre in „die Unbestechlichen“. Watergate war eine international geachtete Sternstunde freien demokratischen Journalismusses! Aus der die falschen Leute die richtigen Lehren zogen und von nun an die westliche Berichterstattung „einbetteten“.
Die Folge: Eminem und Brad Pitt spielen bis auf weiteres nicht Bradley Manning und Snowden. Und Veronica Ferres werden wir auf lange Sicht nicht als Gabriele Krone-Schmalz in verfilmten Ukraine Talkrunden erleben dürfen.

Die 4. Gewalt gibt freiwillig die Waffen ab.

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14 Gedanken zu “Querdenker II

  1. Den „Bärendienst“ sehe ich differenzierter.
    Eine freie, kritische 4. Gewalt ist der natürliche Feind aller faschistischer Ideologen, wahrscheinlich aller Ideologien, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Wie man ihn ausschaltet, dürfte nicht so wichtig sein.

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  2. So gut das geschrieben ist – die Wirklichkeit ist noch viel schlimmer.

    Ich habe mal eine Untersuchung gemacht zur Sprache in den Leit/dmedien – F.A.Z., Spiegel, Zeit… und wie dort über die untergegangene Deutsche Republik nach wie vor berichtet wird.
    Da werden – und ich verkürze stark – 25% der Menschen in der heutigen Bunten Republik zu Deppen erklärt. Rückwärtig versteht sich und begrenzt auf das Gebiet der DDR.
    Die DDR wird reduziert auf Diktatur, Stasi, Reisebeschränkung und Konsummangel. Und das wird so bleiben.
    Würde man nur zwei oder drei positive Errungenschaften der ehemaligen DDR nicht mehr totschweigen, dann könnte ja jemand auf die Idee kommen, öffentlich zu behaupten, dass in den zwölf braunen Höllenjahren auch mal die Sonne geschienen hat.

    Nein, nein – nur hier und jetzt solls gut und richtig sein: mit Mutti Merkel, den Ackermännern und den Gauklern.
    Schäbig~~~~

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  3. Zustimmung meinerseits, ABER (und jetzt folgt das Radio Eriwan Prinzip: kennt das noch jemand ?).
    Ich teile Deine kulturpessimistische Einschätzung hinsichtlich der heutigen whistleblower nicht. Ich denke all die Snowdens dieser Welt erfahren auch viel Anerkennund und Respekt, dass sie diese nicht von denen bekommen, der Nest sie „beschmutzen“ versteht sich von selbst.

    Es mag ja sein, dass ich da ein wenig naiv bin, aber ich glaube der investigative Journalismus hat noch längst nicht ausgedient und gerade in den letzten Jahren gab´s da ja etliche Enthüllungen.

    Wobei ich mir klar bin, dass dies alles nur die Spitze des Eisberges ist, aber immerhin.

    Und ich gestehe zu meiner Scham, ich habe von der sog. „Friedman-Stratfor-Rede“ bisher noch nichts gehört.

    Ein anderes Thema, das mich brennend interessiert, ist die Frage der positiven Errungenschaften der ehemaligen DDR. Als Wessi bin ich immer wieder auf der Spurensuche, um das Leben in der „Ostzone“ besser verstehen zu können.

    Verstehe ich Deine Worte richtig, dass dieses Spiegel-Sonderheft zur DDR nichts taugt, das wollte ich mir nämlich nächste Woche zulegen.

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    • Das DDR-Sonderheft liegt schon hier, aber ich hab’s noch nicht gelesen. (Weil ich mich inzwischen auf zuvielen Blogseiten herumtreibe.) Der Appitizerartikel daraus auf Spiegel online zum Thema „Magazin“ war gut bis sehr gut.
      Darauf bezog sich mein Querdenker-Post also definitiv (noch) nicht.
      Kaufs ruhig, hinterher lässt sich um so besser über die Ost/Westperspektive beim Eindrücke sortieren reden.

      Enthüllungen: Das sich für Snowden kein sicheres westliches Asyl-Land findet ist eine demokratische Bankrotterklärung.

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      • Das mit der Bankrotterklärung sehe ich auch so. Deutschland will sich halt deswegen in keinen massiven Konflikt mit den USA stürzen (das lässt man sich ja auch lieber weiter abhören … ).

        Diese Risikobereitschaft wäre wohl boss dann vorhanden, wenn die „Linke“ den Bundeskanzler/die Bundeskanzlerin stellt. Und da gestehe ich freumütig: ob uns das wirklich gut tun würde … da habe ich meine erheblichen Zweifel !

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      • Ja, das ist ja das Elend, das in der gegenwärtigen Parteienlandschaft überhaupt nichts zu holen ist. Die Linke an der Macht wäre keine Lösung und die AfD auch nicht und die dazwischen sind derart saturierte Ziellos-Wurstler, … dass einem nur noch Jörg Fauser einfällt: „Sie waren alle viel zu lange satt, das sattsein macht sie müd und matt; sie warten auf den großen Knall um Mitternacht auf dem Apocalypso-Ball.“ (… und Rocktexte zitieren ist echt auch keine Lösung… ich weiß, ich weiß…resignier-resignier…)

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  4. Die Bleistifte der Vierten Gewalt sind stumpf und abgekaut. Stummel, die nur noch zum Abpausen dienen. Und was paust sich am einfachsten ab? Sie erinnern sich, ****** Herr Bludgeon? Genau: Münzen! Söllte die Fünfte Gewalt da vielleicht ihre verdreckten Griffel bereithalten? Das fragt sich Ihre Frau Knobloch, halswellend, doch den Frust gerade reggaent abtanzend.
    Und natürlich für diesen Text dankend!

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  5. „Die 4. Gewalt gibt freiwillig die Waffen ab.“
    Witzigerweise ohne dass ihr die Kommunisten die Schreibmaschinen konfisziert haben. Da hatten wir wohl einen ganzen kalten Krieg lang die falschen Ängste vor dem Ende der Demokratie…

    Gefällt 2 Personen

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