Oldtimer IV

Riffmaster hat in seinem Blog neulich an den Matchbox-Katalog von 1966 erinnert und ich hab mich nun bei einer Stippvisite in meiner alten Heimat auf die Suche begeben nach den „Survivors of 66“ und auch ein paar andere gefunden.

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Komisch, wie der Anblick der alten Relikte die Erinnerungen befeuert.
An 3 oder 4fache Krankenhausrückkehr zum Beispiel und somit nachträgliche Tapferkeitsbelohnungen für Spritzen, OPs und elterliche Abwesenheit. Der damalige Chefarzt war der Meinung, dass Besuche am Gartenzaun mittwochs und sonntags ausreichen. KEIN Besucher betritt ein Krankenzimmer!
Die Fenster durften manchmal geöffnet werden, um den einen oder anderen Wunsch hinauszurufen. Das war’s.
Deshalb gab es nach zwei-, drei-, vierwöchiger Wegsperrung eine kleine „Mätscher“-Flut.

Nach der Einschulung wurde die Gesundheit besser. Krankenhaus bis auf weiteres passé. Von nun an gab’s die Mätscher dosierter, einzeln als kleine Zwischendurchbelohnungen oder weil Vater gerade so war.

DSC02477-015blogbildMeistens ereignete sich das sonntags nach dem Mittagessen.
Die typische Wochenendsituation war anfang der 70er in etwa die:

Sonnabendmittag aus der Schule kommen. Nachmittag mit Udo Radfahren, im Garten Indianerkriege nachstellen, malen, lesen, „Elefanten-Boy“ gucken, Abendbrot, „Aktuelle Schaubude“ gucken, Hunderunde mitgehen; Vater betteln, dass man aufbleiben darf, falls Rudi Carrell kommt oder Ohnsorg-Theater oder…oder…oder.
Sonntags aufwachen wie werktags, also halb 7, deshalb lesen bis Neune, Morgentoilette, Frühstück, Udo klingelt, oder auch nicht. Dann TV checken, ob im Vormittagsprogramm (West) zufällig eine Ilja Richter Disco wiederholt wird, oder „Info-Show“ oder etwas der Art.
Wenn nicht – liefen manchmal interessant gemachte Fernsehspiele für Kinder im Ostfernsehen. Mittagessen bei Deutschlandfunkbeschallung: Lustige Musikanten (Ich bin ein Bergvagabund, Bergvagabund….Melniker Mädel, Melniker Knödel…) – im 14tägigen Wechsel mit Memory Hits „vom Doitsländfunk, europpäweit Memory Hits on DieEllÄff!“, die zunehmend interessant wurden.
Vater war satt, hatte vielleicht gerade eine ruhige Woche gehabt oder keinen Sonntagsdienst, also vor dem Mittagsschlaf mal noch schnell den Sohnemann beglücken: Matchbox!

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Die Nachmittage folgten 2 Schnittmustern.
Entweder Sonntagsspaziergang bzw. Ausfahrt. Das bedeutete sonntäglich umziehen. FURCHTBAR! Erstens statt der Wildleder-Knickerbocker eine elend kratzende Dederon-Hose anlegen müssen, in der man immer erstmal eine halbe Stunde breitbeinig steif – wie eingepisst – herumstakste, bis die Außenhaut resigniert aufgab. Dann zum kurzärmlichen Sommerhemd eine von Oma gestrickte ebenfalls kratzige Strickjacke. Nun waren also Arme UND Beine blockiert!
Lieber blieb ich da und las, aber die Familie war ohne mich nicht komplett, also gab’s nur selten ein Erbarmen.

Wenn keine Ausflüge anstanden – Fernsehen: „Zu Besuch im Märchenland“, „Wünsch dir was – mit Irmgard Düren“, dort sah ich zum ersten Mal 1973 die Klaus-RENFT-Combo mit „Cäsars Blues“! Langhaarige, vollbärtige Musiker im DDR-Fernsehen!
Nun gaben die Eltern auf. DANKE KLAUS!

Andererseits … mit dem „Blauen Bock“, Tarzan, König Salomons Diamanten, Wild Bill Hickok und rauchenden Colts…rettete die ARD den Nachmittag.
Abendbrot, Tele-Lotto und „…ab ins Bett, denn morgen ist Schule!“ (Also unkontrolliertes ewig Lesen, bis die Augen zufielen). Jedoch gab es Ausnahmeereignisse im Fernsehen, die nach und nach immer häufiger wurden. Kriegsfilme a la „Man wird nicht als Soldat geboren“, Familien-Mehrteiler „Aber Vati!“ oder TV-Romane „Der Sonne Glut“ ,„Daniel Druskat“, “Der Adjutant“.

Die Mätcher? Ach ja, die Mätscher! Waren eigentlich fast Nebensache. Eine kleine Agentenjagd hier und da mit Halma-Männchen oder Bleisoldaten, dann lagen sie in der Kiste.
Manchmal hab ich sie abgezeichnet, dann standen mir die Modelle also geduldig Modell.

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Gegen die Indianer kamen sie nicht an. Und für die Indianer waren sie zu klein.

30 Gedanken zu “Oldtimer IV

  1. Also, den Mätscher mit den Hunden besitzt der Gärtnergatte auch, weggeschlossen in einem Koffer, vielleicht bekommen wir irgendwann noch einen Schaukelinhaber, dann öffnet er sich vielleicht, also der Koffer.
    Und die Sonntagsausflüge…herrje…Silastikpullover und Röckchen mit Trägern, Schleifen in die Zöpfe und dann musste man 2 Stunden an irgendwelchen Läden vorbei laufen, um dann endlich einen Fruchteisbecher zu bekommen, Sie erinnern sich an die kleinen halbkugelförmigen Metallbecher in angehauchtem Silberblau, -grün und -rosa? Im Eis waren Dosenfrüchte…und dann kam er, der unumgängliche Spruch:“nun bist du aber froh, dass du mitgekommen bist.“ Ph, als hätte man mir eine Wahl gelassen.
    Im Nachhinein Tage einer glücklichen Kindheit in der Obhut liebender Eltern.
    P.S. meine erste Kurzspielplatte war Angelika Mann „Ich wünsch‘ mir ein Baby sehr“ A – Seite und das wundervolle „Diätlied“ gemeinsam mit Reinhardt Lakomy auf der Rückseite. Sie erinnern sich?

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  2. Wie immer – gut geschrieben.
    Den roten Tanklaster hatte ich auch, ebenso den Schneeschieber und den Fressbudenanhänger.
    Den älteren Buben erkennt man daran, dass er keine Superfast mehr hatte, weil zu neu. Dafür gabs alles eine Nummer grösser nun. Solido (Frz.), Tekno (dän.) und Corgi. Corigis waren meine Favouriten. Von Corgi Toys (meine Favouriten) hatte ich den weissen Daktari Land-Rover.
    Ein Autotransporter steht auch noch hier rum. Beladen mit Morgans versteht sich 😉

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  3. Diesen Autotransporter auf dem ersten Bild hat ja wohl jeder gehabt. Bei mir war der allerdings von Corgi und nicht mit Morgans sondern mit Formel 1 Rennern beladen. Das Ding müsste sogar noch existieren, die waren ziemlich unkaputtbar eigentlich, wenn man sich den Plastikmüll heute so ansieht. War halt noch richtiges SPIELzeug.

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  4. Ich hatte fast ausschließlich Schildkröt-Puppen (meine Eltern haben auf Qualität geachtet). Meine Lieblingspuppe hatte lange blonde Haare und hieß Ursula. Ich habe sie heute noch, nebst der gesamten Garderobe.
    Musste jetzt mal gesagt werden!
    Vor ein paar Jahren gab es in meinem Leben einen Grund, sie hervorzuholen und zu betrachten. Ich habe ihr lange ins Gesicht gesehen. Unbeschreiblich, was das ausgelöst hat.

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    • Da Knaben meist anderes Spielzeug benutzen als Mädchen, möchte ich der Vollständigkeit hinzufügen, dass der Bär, mein seinerzeitallzeitiger Kleinärmeltröster in einem Regal in der Stube nebenan auf seinem Altenteil sitzt.
      Sonnigschöne Grüsse aus dem geschichtsbewussten Bembelland

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      • Auja, mein Teddy. Den hätte ich auch gerne wiedergehabt um ihn meiner Enkeltochter zu vermachen. Der weltbeste Tröster überhaupt, aber kein Plan wo der geblieben ist. Im Regal habe ich leider nur so eine dusslige Diddlmaus und noch nicht mal eine Idee wer mir wann das Ding geschenkt hat.

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      • Ich weiss heute garnicht mehr, wie ich ohne meinen Panda überlebt hätte.
        (in dieser Abrichtungsumgebung…)
        Wenn ich dem Herrn Bludgeon seine Familienatmosphäre so lese, könnte ich späte Neidgefühle sich entwickeln lassen~~~~

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      • Yo, war schon im weitesten Sinne okay; bis auf jahrelange sich verschärfende Friseurdebatten: Du gehst jetzt! – Nein. – Doch!Ohne Diskussion. – Nächste Woche reicht auch noch. – Auf keinen Fall! Aber ich bin in der Klasse – papperlappapp, der einzige noch nicht Verwahrloste -gar nicht wahr…. Friseur oder Taschengeldsperre … dann lieber letzteres! … dann schneid ich sie dir …. ich geh ja schon.

        oder die Recorder-Wunsch-Debatte: Ich wünsch mir nen Kassettenrecorder. Du hörst so schon zuviel Negergeheul im Radio (sic! 1973/74, als noch fast den ganzen Tag nur Orchesterdudel lief! 1x am Tag George McCrae oder Mouth&McNeal per Zufall auf DLF war praktisch „zu viel“!

        Also ein paar Schattenseiten in der Idylle gab es auch.

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    • Tag der Geständnisse: Ich hatte saisonale Tröster, aber die meiste Zeit eben doch: Teddy. Und der harrt im Schrank bei Oma aus und wartet auf die Drittnutzung durch Urenkel – aber das kann dauern… ächz.

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  5. Tja … sonntägliche Rituale gab es natürlich auch in emeiner Familie. Wir drei Brüder pennten meistens bis kurz vor Mittag — meine Eltern waren darüber wohl so froh, denn sie gönnten sich dann immer ein ausführliches Frühstück mit klassischer Musik.

    Mittags gab´s dann fast immer Schweinebraten und dannach legten sich meine Eltern völlig ermattet hin … und wir hörten dann den Pumuckel im Bayerischen Rundfunk, später dann wilde Beatmusik, die mein 5 Jahre älterer Bruder organisiert hatte.

    Nachmittägliche Spaziergänge waren auch oft an der Reihe, wobei es dann meine Mutter liebte, uns drei Knaben mit den gleichen Pullovern auszustatten (die hießen – so glaube ich „Nicki-Pullover“) und ich fand das alles andere als witzig … Widerspruch war allerdings zwecklos.

    Wenn wir dann mal nachmittags Brettspiele zu spielen hatten, wurde immer Großalarm ausgerufen, denn jähzornig wie ich damals war, fllogen all die Figuren usw. durch die Luft, wenn ich mal wieder verloren habe … mein Vatzer war allerding snicht zu bewegen, mich auch mal gewinnen zu lassen (so berichtete es mir meine Mutter später mal) *ggg*

    Interessant: das mit dem sonntäglichem Frühstück mit klassischer Musik habe ich dann in meiner eigenen Familiezeit beibehalten …

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    • Der Jähzorn kommt mir bekannt vor. Beim Spiele verlieren hatte ich schnell die Selbstbeherrschung eingeübt, aber beim Thema Physikhausaufgaben…. da fehlte mir jedes Vorstellungsvermögen und deshalb brauchte mein Physikbuch vor allem gute Flugeigenschaften. Es lernte alle 4 Wände meines Kinderzimmers in kürzester Zeit kennen und sah jedes Jahr bereits zu den Herbstferien aus wie ein antiquarisches Erbstück aus dem Sudetenland. (Aus dem Fenster schmiss ich es nie, da ich es hätte wieder reinholen müssen.)
      Mein damals bester Kumpel war so ein naturwissenschaftlicher Überflieger, was meine Komplexe noch verstärkte: Wieso kann der das? Bin ich blöd?
      Erklären konnte der aber auch nüscht: Physikalisches Vorstellungsvermögen schließt chronisches Veranschaulichungsdefizit zwangsläufig ein. Physiklehrer wird man nur, wenn man NIX erklären kann!

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      • Erinnere mich bitte nicht an all meine Qualen mit all diesen naturwissenschaftlichen Fächern … mein „versetzen“ wurde dadurch regelmässig auf das heftigste gefährdet, habe abner dennoch jedesmal die Kurzve gekratzt …

        Ich teile Deine Vermutung, dass Physikleher hinsichtlich ihres pädagogischen Geschickes eher unterdurchschnittlich ausgestattet waren.

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      • Wird hier gegen Physiklehrer gesprochen – gegen ihre methodischen und didaktischen Fähigkeiten? Dafür, dass sie in aller schönen Regel nichts schülergerecht erklären können?
        Juchei (mit sassa) ich bin dabei.
        Von allen Physiklehrern auf den verschiedenen Schulen, die ich besuchte, war keiner, dem ich heute ein solides Erklärungskönnen nachsagen würde…

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      • Jau. Viere live erlebt und es war immer dasselbe.
        Dazu kommt noch, dass sie im Privaten dazu neigen, sich für Alleskönner zu halten: Sie bauen ihre Häuser alleine, wissen alles besser, als die Dachdecker, retten sich selbst vor dem Hausbrand, da sie noch rechtzeitig die Falschanschlüsse der Heizungsmonteure bemerken, und da sie das alles nicht auslastet, wechseln sie mal schnell noch den Auspuff am Auto und stellen den Motor neu ein – und zwar so, dass du mit einem Schnapsglas voll Sprit von Berlin bis Hamburg kommst – natürlich nur, wenn du konstant die 150 hältst. Also nachts fahren, da ist die Autobahn leer, so gegen 3e – ergo: Schlaf brauchen sie auch keinen!

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