Wie dieser Blog zu seinem Namen kam …

September 1967. Die ersten 2 oder 3 Schulwochen des Erstklässlers waren vorüber, da verkündete Vati: „Wir gehen heute ins Kino und du kommst mit.“
Fetzt! Der Nachmittag war schon ziemlich weit fortgeschritten. Das konnte also nur Abendvorstellung bedeuten. Heimkommen wie die Großen, wenn es dunkel ist!
Es wurde sogar die 20:00 Uhr Vorstellung! Und wir saßen auf dem Rang! Der war in Kindervorstellungen immer gesperrt, damit keiner abstürzt.

Ich war das einzige Kind in dieser Vorstellung und barst vor Stolz! Der Film wäre unter diesen Umständen pure Nebensache gewesen, aber da es ein „richtiger“ Indianerfilm war, wurde er das nicht.

„Chingachgook – die Große Schlange“ begann mit einem Zaubertanz, dann wurde dem Häuptling die Braut entführt und die Verfolgung konnte beginnen – Schnitt! Chingachgook paddelt im Kanu und wird beschossen. Er kippt nach hinten…

„Ist der schon tot?“ frag ich besorgt die Eltern.
„Warte mal ab. Der lebt noch, sonst wär’ ja der Film schon aus.“
Da wurde auch schon ins Kanu hineingefilmt. Der Häuptling lag lauschend da und wartete auf die Angreifer.
Kampf im Boot und drum herum. Gojko gewann und lieferte die Blaupause für die Badewannensamstage der nächsten Jahre. Spielzeugkanu, Plaste-Indianer … der Wannenrand als feindliches Ufer.
Chingachgook kämpfte sich durch die Handlung, stand am Marterpfahl der Huronen, kommt schließlich frei und rettet die Braut.
Aber der Film hatte eine entscheidende Schwäche.
Am Ende fragte Vati in Erwartung meiner Begeisterung: „Na, wie war das?!“
Und mir entfleuchte meine entscheidende Beobachtung: „ Der hat ja im ganzen Film nicht EINMAL geschossen!“, denn ganz zu Anfang schiebt er seine edle Büchse in einen Busch und dort bleibt sie dann auch. Alle weiteren Herausforderungen werden von ihm mit Messer und Tomahawk bewältigt.
Die mangelhafte Feuerkraft verhinderte die Heldwerdung.

Ein Jahr darauf waren wieder Sommerfilmtage im kleineren Deutschland. Im größeren schossen Polizisten auf Studenten, beim tschechischen Nachbarn brannte ebenfalls gerade die Luft und in Vietnam ging eine Großmacht baden, aber für mich war ausschlaggebend, dass meine ersten Sommerferien soeben zu ende gingen, ich mich komischerweise gar nicht so auf die Schule freute, wie im vorigen Herbst und — dass „Spur des Falken“ im Kino lief. Wieder spielte Gojko Mitic den Haupthelden. Diesmal hatte er eine Winchester und sie kam reichlich zum Einsatz!
Außerdem erfand er hier seine überaus coole Schießhaltung. (Aber „cool“ war noch nicht erfunden!)
Die Knarre in die Hüfte gestemmt und abdrücken-laden-abdrücken-laden…so dass fast Dauerfeuer entstand! Geil! (Aber „geil“ kam auch erst in den 80ern in Mode!)
DER Häuptling war ECHT!

Zu Beginn des Films fängt sich der „Weitspähende Falke“ seinen Schimmelmustang mit dem Lasso. Zuhause im Garten stand mein Schaukelpferd, bereits ohne Kufen, noch aber auf seinem Räderbrett. Das führte zu Problemen mit Mutti, weil von nun an die Wäscheleine zweckentfremdet wurde. Da war so ein kurzhaariger, bebrillter Indianer im Garten, der pausenlos den Mustang fing…

Der Herbst schritt voran und „Spur des Falken“ kam zum zweiten Mal in unser Kino. Diesmal schaffte ich den Rekord: 7 Tage hat die Woche. 7x war ich im Kino. 7x folgte ich der Spur des Falken und seiner Rache an Bludgeon, dem weißen Landräuber.
DER Film war und blieb für mich der beste der DEFA-Indianerfilme.
Aber auch er hat einen Schwachpunkt. Der Häuptling heißt im ganzen Film nur Falke. Nicht Sah-tok oder Tashunka-witko, auch nicht Winnetou, von dem Vater so schwärmte. Einfach auf Deutsch: Falke oder eben Weitspähender Falke. Da fehlte was!

Zeitchen später hingen wieder Indianerbilder im Schaukasten des „Lichtspieltheaters der Freundschaft“: Diesmal waren es „Die Söhne der großen Bärin“; das war der Film von 1966, aber im Kindergartenalter war noch niemand auf die Idee gekommen, mich darauf hinzuweisen, dass es so was gab.

Ich sah also in der zweiten Klasse mein drittes Indianerepos – und diesmal stimmte der Laden: Der Häuptling schießt, kämpft, siegt ganz selbstverständlich – zum Schluss sogar allein gegen gefühlte 50 Mann! Und er heißt auch, wie man als Indianer heißen muss: Toka-ihto! Ich hatte meinen Helden gefunden!

DEN Film sah ich während meiner Unterstufenzeit geschätzte 20mal, also häufiger als den Falkenfilm, aber eben nicht 7 x hintereinander.

Es folgten:
– „Weiße Wölfe“, „Tödlicher Irrtum“, die wurden noch als richtig gut empfunden;
– dann kam „Tecumseh“; eine filmische Bruchlandung, weil plötzlich die Indianerkomparsen viel zu fett wirkten. Wo waren all die Sportstudenten hin, die die früheren Filme bevölkerten? – Dann erschien „Osceola“, dem ein Bestseller-Indianerbuch vorausgegangen war. Der Level hob sich automatisch wieder.
– Bei „Apachen“ und „Ulzana“ jedoch näherte sich die Pubertät. Indianerkram wurde Kinderkacke. In manchen Szenen merkten wir die Wiederholung: Das sah bei „Spur des Falken“ aber besser aus! Wir schienen dem Thema entwachsen.
– „Blutsbrüder“, „Scout“ und „Severino“ mussten eine neue Generation kleiner Jungs ins Kino locken. Uns zogen sie nicht mehr an. Wir saßen inzwischen in „Angelique“, in „Grenzpunkt Null“ und in „Bullitt“.
Western funktionierten eine ganze Zeit lang nur noch als Lachnummer unter Mitwirkung von Terence Hill und Bud Spencer.

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19 Gedanken zu “Wie dieser Blog zu seinem Namen kam …

  1. Solche Geschichten mag ich sehr. Tauscht man die Namen aus, passt vieles wieder. Warum will man dieses Land nicht zusammenwachsen lassen? Wer sind die Profiteure? Die Menschen sind es nicht.
    Schöne Grüsse aus dem Bembelland. (Blogverfolgung ist erfolgt)

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    • Hallo erstmal in aller Ruhe hier. Hm, wie kommentier‘ ich das richtig? Ich finde es wächst durchaus zusammen, wenn auch auf eine Art und Weise, die mir Zahnschmerzen verursacht: Der Osten als dauerhafte Watschenregion unterbietet noch Bayern und Ostfriesland… Ächz. Watt wißse mach’n? Maua wieda hoch? Ooch doof.

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    • Stimmt eigentlich. Der Soundtrack kam im Osten an, als der Film aktuell war, durch „Kennen Sie Kino?“ und ähnliche Sendungen kannten wir den ein oder anderen Ausschnitt, dann vergingen die berühmten 3 bis 5 Verzögerungsjahre, bis der Film im Osten lief. Da war die Sensation schon durch. Ich war inzwischen 18 oder so, saß im Kino. sah den Film, aber das Resultat war nur ein: War gut. (Mehr nicht.)

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  2. Gerade erinnere ich mich an mein erstes Kinoerlebnis. Ich war mit meinen Eltern 1970 in Prerow im sommerliche Zeltkino, um „Mackenna’s Gold“ zu sehen. (Okay, im Nachgang gesehen, nicht für mein damaliges Alter geeignet.)
    Im Fernsehen war ich zu diesem Zeitpunkt schon lange (also seit 69 im zarten Alter von 6 Jahren) in der Gojko-Phase. Ich weiß nicht mehr genau, was mein erster Kino-Film von ihm war, aber ich glaube, es war „Tecumseh“.

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    • „MacKennas Gold“ hab ich 2x gesehen, beim 1x nicht kapiert und beim 2x verehrt, weil Telly Savallas eine Nebenrolle spielte und wir nun automatisch „Kenner“ waren, die wussten, welche Rollen Kojak sonst noch so hatte.

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      • Geht das jetzt in Richtung Brutalität oder Erotik? Ich hab absolut Null-Erinnerung an die Handlung. Nur an die zynischen Witze hinterher mit meinen Kumpels, weil da irgendeiner an einer Felswand vorbeireitet, die immer pünktlich hinter ihm gesprengt wird, so dass ihm nichts passierte.

        „Wie im Russenfilm!“
        „Wussde gar nich‘ das Kojak für Mosfilm orbeidn duht!“

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  3. Erotik mit 7???
    Ich finde im Nachgang, dass man mit 7 doch so den einen oder anderen schlechten Traum danach hätte haben können. Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn tatsächlich hatte. Aber die Erdbebenszenen oder die der Sprengungen wären dafür wie gemacht, oder?

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    • Och souuuu! Das warsch! Angstträume hatte ich mit 7 oder 8 wegen dem „kunterbunten Vögelchen“, wo der Einbrecher über die Balkonseite des Hotels in das Zimmer der kleinen Ermittler einsteigt. Die Sprengszene in „Spur des Falken“ dagegen hab ich ganz gut verkraftet, er nimmt ja schließlich auch gebührend Rache und fackelt ganz Tanglewood ab.

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  4. Pingback: Einjähriges | toka-ihto-tales

  5. Ich hatte als Kind ganz schön zu knabbern, als ich erfuhr, dass der Schurke, der Tokei-ihto in die Ewigen Jagdgründe schicken wollte, indem er ihn hinter seinem Pferd herschleifte, vom Clown-Ferdinand-Darsteller gespielt wurde. Das passte für mich nicht zusammen. Red Fox war Red Fox und Clown Ferdinand war Clown Ferdinand. Jiří Vršťala exisitierte für mich damals nicht. Später habe ich vergeblich darauf gewartet, dass sich Rolf Hoppe in „Hans Röckle und der Teufel“ als Bösewicht à la Bashan entpuppt und nicht als Karl-Marx-Wiedergänger von einer besseren Welt im Land Übermorgen schwärmt.
    Inzwischen kann ich aber zwischen Rolle und Darsteller unterscheiden. So sah ich neulich einen „Polizeiruf“ aus den frühen 70ern mit Bludgeon-Darsteller Hannjo Hasse. Ich wusste sofort, dass er nicht der Täter sein konnte. Er trug nämlich Parteiabzeichen. 🙂

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    • Waaaaas?! Hanjo Hasse hatte EINMAL eine positive Rolle? Wusste ich nicht. Aber weil das ausgerechnet im Polizeiruf geschah – da fällt mir prompt Günter Schubert als „Der Mann im Baum“ ein. Mitte der 80er; Schubi als Strolch – das war MEINE Ostfilmsensation. Ich liebe solche „gegen den Strich“ Besetzungsexperimente. Das passiert viel zu selten. Erst ein Image aufbauen und dann – einmal voll dagegen.
      In einem der Edgar-Wallace-Filme, ich glaube es war „Das Geheimnis des silbernen Dreieck“s, geschah das gleich im Doppelpack: Kinski war die erste oder zweite Leiche, jedenfalls gleich zu Beginn – und Eddi Arendt war der Mörder.

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